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Graz, 1996: Ein Maskierter springt über das Pult einer Bank, bedroht die Angestellte, bedient sich mit 900.000 Schilling und flüchtet. Die Tat markierte den Beginn einer Serie. Alle paar Monate, immer das gleiche Muster. Doch außer einer auffälligen Nase („wie Pinocchio“, so eine Zeugin) gibt es keine Hinweise auf den Täter. Schließlich wird ein 26-Jähriger gefasst. Rasch stellt sich aber heraus, dass er nicht der „wahre“ Pinocchio ist.
Der raubt weiter, aber nicht mehr in Graz. In Linz schließlich der Showdown – die Flucht scheitert, der Täter provoziert Schüsse und stirbt wenig später. Bald wird bekannt, dass es sich um den Partner einer bekannten Politikerin handelte, die auch ein Kind von ihm erwartete. Weder sie, noch sonst jemand wusste von seinem Doppelleben als „grundgütiger Mensch“ und Serienräuber.
In dieser Folge geht es um eine tragische Geschichte, die letztendlich aber einen ermutigenden Ausgang nimmt. Caroline war zehn Jahre alt. Sie war gerade auf der Suche nach ihren Spielkameraden, fragte dazu den Bauern aus der Nachbarschaft. Er führte das Mädchen in eine Scheune, wo er sich auf brutale Weise an ihr verging.
Es begann ein jahrzehntelanger Leidensweg für das Mädchen, sie konnte sich niemanden anvertrauen. Weder ihre Eltern und noch Ärzte konnten eine Erklärung für die plötzliche und dramatische Änderung ihres Wesens finden. Erst etwa 20 Jahre später – im Zuge einer Therapie – begann sie zu sprechen und beschloss ihren Vergewaltiger anzuzeigen.
Der inzwischen 70-jährige Täter wurde verurteilt: fünfeinhalb Jahre. Doch mit dem Schuldspruch war der Leidensweg der jungen Frau nicht vorbei, im Gegenteil. Teile ihres Heimatortes begannen mit Anfeindungen gegen Caroline, stellten sich auf die Seite des Täters. Doch Caroline war entschlossen, kein Opfer mehr zu sein und traf eine drastische Entscheidung. Sie ging mit ihrer ganzen Geschichte an die Öffentlichkeit.
Es gibt zahlreiche Organisationen, an die sich Missbrauchsopfer in Österreich wenden können, zum Beispiel:
Weißer Ring oder Gewaltschutzzentren
Australien, 1989. Ein Weststeirer will mit einem jungen Paar, das sich auf ein atomares Endzeitszenario vorbereitet, in See stechen. Zu dritt verlassen sie die Stadt Cairns, doch bald befindet sich nur noch eine Person auf dem Schiff. Nach der Verhaftung Manfred Weißensteiners beginnt ein Prozess, der in die australische Justizgeschichte eingehen sollte und noch heute für Diskussionen sorgt.
In dieser Folge geht es nicht nur um ein Verbrechen, sondern auch um den Prozess und die Frage, was das Schweigen eines Angeklagten zu bedeuten hat.
Der Schütze zielt noch einmal, der achte Schuss ist schließlich ein präziser Treffer in den Hinterkopf. Das Projektil beendet das Leben des 30-jährigen Pius Walder. Er war von zwei Jägern in Innervillgraten beim Wildern beobachtet und schließlich getötet worden. Mit dem jähen Ende des Lebens Pius Walders begann der Ruf seines Bruders, der bis heute nicht verhallt ist: Erst nach Rache, dann nach Gerechtigkeit.
"I hob sechs Menschen umbracht – jetzt bringt's ihr mi um. Mia san quitt." mit diesen Worten tritt Franz Löcker am 14. Juli 1949 den Weg zum Galgen im Grazer Straflandesgericht an. Er ist der letzte in der Steiermark zum Tode verurteilte Verbrecher.
Eine Tonbandaufnahme löste im Jänner 2010 ein politisches Erdbeben aus, weit über Kärnten hinaus. Die Phrase "Part of the game" wurde zum Synonym für ein dreistes System an Korruption an dessen Spitze der inzwischen vierfach verurteilte Politiker Uwe Scheuch stand.
Großeinsatz in Wien: Eine 39-Jährige macht – nackt und gefesselt – durch laute Schreie auf einer Loggia auf sich aufmerksam. Tags davor war sie beim Einparken von einem Mann gewürgt und gefesselt und in eben jenes Haus entführt worden, aus dem sie nun befreit werden konnte. Dabei kam nicht nur ihr Martyrium zu Tage. In dem Haus fand man auch Spuren einer anderen Frau, die seit einigen Tagen vermisst wurde.
Wolfgang Ott, der Bewohner des Hauses, stand unter dringendem Tatverdacht. Dem hoch verschuldeten 38-jährigen Filmemacher gelang aber die Flucht. Wenig später verschwanden weitere Frauen. Die Spuren führten in die Obersteiermark, zu der Ott – er war begeisterter Paddler – ein besonderen Bezug gehabt hatte.
Bis Ott gefasst werden konnte, mussten mindestens zwei Frauen sterben, zwei weitere wurden entführt und vergewaltigt. Bei den Befragungen und vor Gericht gab er immer nur das zu, was man ihm nachweisen konnte. Mitleid kannte er dabei keines – außer mit sich selbst.
Laute Knaller reißen einige Bewohner einer Siedlung in der Klagenfurter Siebenhügelstraße spätnachts aus dem Schlaf. Eine Frau saß zu dem Zeitpunkt noch vor dem Fernseher, denkt erst, es würde jemand Böller schießen. Beim Nachschauen erkennt sie aber die Umrisse ihres am Boden liegenden Nachbarn Reinhard O. – Ein als sympathisch und beliebter beschriebener Monteur und Taxilenker.
Die Ermittlungen gestalten sich als schwierig. Einiges deutet auf einen Profikiller hin. Das Opfer hatte ein bewegtes Leben geführt, als Taxilenker steuerte regelmäßig Lokale der Rotlichtszene an, nicht nur als Chauffeur. Ist er in diesem Milieu jemandem in die Quere gekommen oder war es offene Rechnung aus seiner Vergangenheit in Deutschland?
Der Kärntner Kriminalreporter Peter Kimeswenger im Gespräch mit David Knes.
14. November 1996: Die Nachricht einer Geiselnahme in der Justizanstalt Karlau erreicht die nur wenige Hundert Meter entfernte Redaktion der Kleinen Zeitung. Der Versuch dreier Geiselnehmer, aus der Haftanstalt zu fliehen, ging in die Kriminalgeschichte ein.
Die drei Schwerverbrecher unter der Führung von Adolf Schandl fordern mehrere Millionen Schilling und einen Hubschrauber für ihre Flucht. In ihrer Gewalt: drei Frauen aus der Gefängniskantine. Ihre Druckmittel: selbstgebaute Sprengsätze und Messer
Redakteur Hannes Gaisch-Faustmann und der damalige Verhandlungsführer der Polizei, Eduard Hamedl berichten von den Ereignissen, die wohl keiner der beteiligten jemals vergessen wird.
Heuer im Dezember werden es 20 Jahre, dass Hilde Wurst (78) tot in ihrer Villa in Pörtschach aufgefunden wurde. Was zunächst nach einem tödlichen Sturz aussah, stellte sich bald als Mord heraus – und in der Folge kam der größte Missbrauchsskandal der Kärntner Kriminalgeschichte ans Tageslicht.
Franz Wurst (80), der angesehene Kinderarzt und Ex-Primar des LKH Klagenfurt, hatte den Auftrag gegeben, seine Frau ermorden zu lassen. Ausgeführt wurde die Tat vom 19-jährigen Patensohn des Arztes. Dieser gestand die Tat und erzählte den Ermittlern, dass er seit seiner Kindheit von Franz Wurst sexuell missbraucht wurde.
Plötzlich taten sich wahre Abgründe auf: Nach und nach meldeten sich ehemalige Patienten bei der Polizei. Sie alle sagten aus, dass auch sie als Kind von Wurst missbraucht wurden. Im Zuge von Untersuchungen hat sich der Arzt an den jungen Patienten vergangen: Im Krankenhaus, in seiner Privatordination oder auf Ferienlagern. Im Jahr 2002 wurde Wurst wegen Anstiftung zum Mord an seiner Frau und wegen sexuellen Missbrauchs seiner Patienten zu 17 Jahren Haft verurteilt.
Redakteurin Manuela Kalser hat den Prozess damals für die Kleine Zeitung mitverfolgt. In der zweiten Folge von „delikt“, dem neuen Kriminalpodcast der Kleinen Zeitung, berichtet sie von den 70 Prozesstagen, an dem 100 Zeugen gehört wurden. Sie erzählt von den treuen Anhängern des Franz Wurst, von dem großen Schweigen im Zeugenstand und von erschütternden Schilderungen der Opfer.
Warum hat diesen vielen Kindern niemand geholfen, die zwischen den 1950er und 1980er Jahren missbraucht wurden? Bis heute haben sich bei der Opferschutzkommission des Landes 200 Betroffene gemeldet, die meisten waren Opfer von Franz Wurst, sagt Astrid Liebhauser, die Leiterin der Kommission. Auch sie kommt in dem Podcast zu Wort: „Wurst war wie eine Gottheit.“ Heuer, 18 Jahre nach dem Urteil, hat das Land Kärnten, die Opfer von Wurst in einem Landesakt um Verzeihung gebeten.
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