Morgenimpuls mit Pfarrer Stefan Wißkirchen
Man kann nicht nicht kommunizieren. Kein Satz hat Paul Watzlawick so berühmt gemacht wie dieser. Auch ohne Worte stehen wir ständig im Austausch mit anderen, ob wir wollen oder nicht. Watzlawick hat unser Verständnis von Kommunikation nachhaltig verändert. Kommunikation ist nicht nur das, was wir sagen, sie ist Haltung, Beziehung und Präsenz. Sie ist lebensnotwendig. Alleine können wir nicht überleben. Kommunikation lässt uns leben, und das Wort selbst verrät viel: communicare heißt übersetzt "verbinden". Menschen stehen in Verbindung, wenn sie kommunizieren. Kommunikation prägt unsere Identität, unser Bewusstsein, unser Menschsein.Und da kommt der Heilige Geist ins Spiel. Er ist die Kommunikation Gottes, die Kommunikation Gottes in sich selbst, aber auch sein Weg in diese Welt hinein. Er ist es, der Maria dazu bringt, Gott in die Welt zu tragen, und er ist heute noch präsent in jedem einzelnen von uns. Gott teilt sich mit in der Schöpfung, in der Erlösung und bleibend in seinem guten Heiligen Geist. Gott ist Kommunikation, und vollkommene Kommunikation ist vollkommene Liebe.Antoine de Saint-Exupéry hat einmal geschrieben: "Vollkommenheit entsteht nicht dann, wenn man nichts mehr hinzufügen kann, sondern wenn man nichts mehr wegnehmen kann." Auf Gott, auf den Heiligen Geist bezogen heißt das: Seine Vollkommenheit verliert nichts, wenn er teilt. Er wird nicht kleiner, wenn er sich dem Menschen zuwendet. Im Gegenteil: Liebe wächst, wenn sie sich verschenkt.Heute mal noch ein zweites Zitat vom seligen Johannes Duns Scotus, der nur ein paar Meter hier vom Studio des Domradios entfernt liegt: "Gott will Mitliebende." Er bringt es auf den Punkt. Der Heilige Geist befähigt uns, er befähigt immer wieder neu die Menschen dazu, mit Gott zu lieben. Es ist ein Aufruf, sich einzuklinken in Gottes Kommunikation, zu hören, zu bedenken, zu wahren, weiterzugeben und zu leben.Und doch erleben wir heute eine merkwürdige Spannung. Nie war Kommunikation so allgegenwärtig und selten war echtes Verstehen so schwierig. Wir senden ständig, aber offenbaren wir uns? Oder zeigen wir als Menschen manches Mal nur Bilder? Diese Krise der Kommunikation zeigt sich auch im Reden von Gott. Uns fehlen oft Worte, Gesten und Formen. Das ist kein neues Problem, aber wir dürfen uns diesem Problem stellen - mit dem guten Paul Watzlawick: Man kann nicht nicht kommunizieren. In dieser Zusage liegt auch ein Kern unseres Glaubens. Gott lässt uns in unserer Kommunikation nicht allein. Dafür hat er in sich seinen Heiligen Geist, und dieser ruft uns immer wieder in seine Kommunikation hinein: in das Leben, in die Beziehung, in die Liebe.