In Hongkong demonstrieren Hunderttausende gegen ein geplantes Gesetz, das als Bedrohung der Bürgerrechte wahrgenommen wird. Es sieht vor, dass Hongkonger künftig der staatlich gelenkten chinesischen Justiz unterliegen. Weil der zivile Protest so groß ist, musste die Regierungschefin zurückweichen, sie hat das Gesetz vorläufig auf Eis gelegt. Die Demonstranten erleben, dass Widerstand erfolgreich sein kann- vorläufig jedenfalls. Die monatelangen Kundgebungen der "Fridays for Future" haben mit dafür gesorgt, dass die Grünen große Erfolge bei Wahlen einfahren- jedenfalls in Deutschland. Die Schüler machen die Erfahrung, dass ihre Präsenz auf den Straßen etwas bewirkt. In Prag demonstrieren Hunderttausende gegen den tschechischen Regierungschef, den sie für korrupt halten. Sie fordern unabhängige Ermittlungen. Wie passt das zu der pessimistischen Sicht, dass die Demokratie im Abwärtssog sei? Eigentlich zeigen doch die Demonstranten, wenn auch auf unterschiedlichen Plätzen und in unterschiedlichen Staaten , eines: Es gibt ein gemeinsames Gefühl für staatsbürgerliche Verantwortung. Für Engagement und Zivilcourage, selbst bei Menschen, die sich gar nicht kennen und weit voneinander entfernt leben.
Die Globalisierung schafft sogenannte Wertschöpfungsketten in Politik und Wirtschaft. Was, wenn ziviler Protest ebenfalls globale Wertschöpfungsketten erzeugt? Und welche wären das?