"Dreht China den Neodym-Hahn zu?“ hätten wir die Sendung auch nennen können. Aber Neodym ist nun mal nicht so bekannt wie Öl, und das gilt auch für die 16 anderen Metalle, die unter dem Namen „seltene Erden“ zusammengefasst sind. Sie sind einander chemisch und physikalisch in vielen Punkten ähnlich und kommen auch meistens zusammen vor. Und sie sind meist unersetzliche Rohstoffe für die High-Tech-Industrie: Computer, Windräder, Kernspintomographen und Elektromotoren funktionieren dank Seltener Erden. Da ist es höchst brisant, dass die Welt die siebzehn Kostbarkeiten zum überwiegenden Teil aus China bezieht. Denn dort liegen nicht nur die größten Vorkommen, dorthin schicken auch die anderen Förderländer ihre Erze, damit die Chinesen zu unschlagbar günstigen Preisen die metallischen Endprodukte produzieren. Gründe sind niedrige Löhne und fehlender Umweltschutz, worüber die Kunden aber hinwegsahen, solange der Handel funktionierte. Nun eskaliert der Handelskrieg zwischen den USA und China, und in Peking hat man die Seltenen Erden als Druckmittel entdeckt. Lieferengpässe würden die Weltwirtschaft wohl hart treffen, womöglich auch in Deutschland. Hängt die Aussicht zahlreicher Zukunftstechnologien und sogar der Energiewende bald davon ab, ob China den Neodym-Hahn zu oder aufdreht?