Einkaufen ohne Suchen, ohne Vergleichen, ohne Entscheiden
Ein Satz genügt: „Wochenendtrip nach London, gute Lage, schönes Hotel, nicht zu teuer.“ Den Rest übernimmt ein KI-Agent. Er sucht, vergleicht, bewertet — und bucht. Was wie ein kleiner Komfortgewinn klingt, könnte den Onlinehandel grundlegend verändern.
Mit seinem sogenannten Universal Commerce Protocol (UCP) will Google genau das möglich machen. Eine gemeinsame Sprache, mit der KI-Agenten direkt mit Onlineshops kommunizieren — vom ersten Suchimpuls bis zum Kaufabschluss. Der gesamte Prozess verschwindet in der Oberfläche eines Assistenten. Die Vision dahinter: Agentic Commerce also ein Einkauf, der weitgehend automatisiert im Hintergrund stattfindet.
Für Alexander Graf, Mitgründer von Spryker und Etribes und Podcaster, ist das kein Fortschritt, sondern ein Warnsignal.
Seine These: UCP ist keine Revolution, sondern die nächste Stufe der Plattformökonomie. Der Zugang zu Kundinnen und Kunden wird zentralisiert — während Händlerinnen und Händler weiterhin die Risiken tragen, aber immer weniger Einfluss nehmen können.
Mehr Effizienz — aber für wen eigentlich, Alexander Graf?
Und auch das Versprechen maximaler Effizienz überzeugt ihn nicht:
Denn Einkaufen ist mehr als ein Prozess. Es ist Entdecken, Vergleichen, auch mal Zögern. Die asiatischen Plattformen wie TikTok Shop oder Temu funktionieren bereits anders. Sie setzen nicht auf effizientes Einkaufen, sondern darauf, möglichst viel Aufmerksamkeit zu erzeugen und zu binden — und diese dann an den Handel zu verkaufen.
In dieser neuen Folge des brand eins Podcasts spricht Alexander Graf mit detektor.fm-Moderator Christian Bollert darüber, wie sich die Macht im Handel verschiebt, warum Plattformen immer mehr Kontrolle gewinnen — und wo künftig die Chancen im E-Commerce liegen.