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  • Geschichten aus der Mathematik | Shakuntala Devi und die Kunst des Kopfrechnens

    Shakuntala Devi ist ein Ausnahmetalent. Binnen weniger Sekunden kann sie elfstellige Zahlen miteinander multiplizieren, Wurzeln ziehen oder Wochentage bestimmen, selbst für Daten, die Jahrhunderte zurückliegen.

    Devi wird Ende der 1920er-Jahre in Bengaluru in Indien geboren. Dass sie ein besonderes Talent für Zahlen hat, das merkt Devi schon früh. Mit nur drei Jahren soll sie sich die Reihenfolge eines kompletten Kartendecks gemerkt haben, mit gerade mal sechs Jahren kann sie schon mit großen Zahlen rechnen — zum Vergleich: Andere Kinder in diesem Alter lernen gerade erst, zwei und fünf zu addieren.

    Shakuntala Devi und die Magie der Zahlen

    Dieses besondere Talent zieht sich durch Devis Leben. Sie gibt Shows, sie zeigt ihr Können im Fernsehen, an Universitäten, sie geht sogar als schnellste Kopfrechnerin ins Guinness-Buch der Rekorde ein. Und auch privat lassen die Zahlen die Frau nicht los — die Ziffern auf Kennzeichen während einer langen Autofahrt oder die Preise an der Kasse beim Einkaufen. Devi erkennt überall Muster und Spielereien.

    Damit beeindruckt sie mathematische Laien wie Mathematiker und Mathematikerinnen gleichermaßen. Es gibt kaum jemanden, der die Grundrechenarten so auf die Spitze treiben kann. Deswegen wird Shakuntala Devi gerne auch als „Human Computer“ bezeichnet. Der Vergleich passt ihrer Meinung nach aber gar nicht. Auf die Frage, warum sie eigentlich noch so viel im Kopf rechnet, obwohl ja mittlerweile jeder einen Taschenrechner habe, antwortet sie: Wir laufen ja auch, obwohl wir Autos haben. Wenn man doch etwas genauso gut kann wie eine Maschine, warum sollte man dann die Maschine nutzen, statt es einfach selbst zu machen?

    Devi gilt in ihrem Heimatland Indien nicht nur als Mathe-Ikone, sie hat darüber hinaus auch zahlreiche Bücher geschrieben. Unter anderem ist sie für ein Buch über Homosexualität bekannt, es war eines der ersten Bücher darüber in Indien und gilt bis heute als bahnbrechend für die konservative indische Gesellschaft. In dieser Folge „Geschichten aus der Mathematik“ spricht detektor.fm-Redakteurin Rabea Schloz mit Demian Nahuel Goos und Manon Bischoff von Spektrum der Wissenschaft über das Leben und Rechnen von Shakuntala Devi.

    44 min
  • Mission Energiewende: Der Klima-Podcast | Wie verändert Innovation unsere Gesellschaft, Ranga Yogeshwar?
    KI, Wertewandel und die Frage nach dem guten Leben

    Wissenschaftsjournalist Ranga Yogeshwar sieht die Gesellschaft mitten in einem tiefgreifenden Umbruch: Künstliche Intelligenz, neue Technologien und digitale Überwachung eröffnen ungeahnte Möglichkeiten, werfen aber auch grundlegende Fragen auf. Besonders kritisch sieht Yogeshwar, dass KI Menschen zunehmend Denkprozesse abnimmt.

    Statt jede Innovation automatisch als Fortschritt zu feiern, müsse die Gesellschaft genauer hinschauen: „Was hilft uns wirklich, und worauf können wir verzichten?“ Für Yogeshwar ist dabei auch ein Wertewandel entscheidend. Die zentrale Aufgabe sei deshalb nicht allein, bessere Technologien zu entwickeln, sondern einen bewussteren Umgang mit ihnen zu finden.

    Nachhaltigkeit braucht kulturellen Wandel

    Auch beim Klimaschutz reicht technische Innovation allein aus Yogeshwars Sicht nicht aus. Zwar würden weltweit immer mehr erneuerbare Energien ausgebaut, gleichzeitig verbrauche die Menschheit enorme Mengen an Ressourcen. Wer fossile Technologien einfach durch elektrische Alternativen ersetze, ohne den eigenen Konsum zu hinterfragen, löse das Problem nicht grundsätzlich. Besonders der Blick auf die eigenen Kinder und Enkel mache deutlich, welche Verantwortung heutige Generationen tragen.

    Trotz der Klimakrise und politischer Rückschläge sieht Yogeshwar Grund zur Hoffnung: Der weltweite Ausbau erneuerbarer Energien zeige, dass Veränderung möglich ist. Dafür brauche es Mut, Kreativität und die Bereitschaft, selbst ins Handeln zu kommen.

    Warum Wissenschaftsjournalist Ranga Yogeshwar Einschränkungen und moralische Vorwürfe für wenig hilfreich hält und worum es stattdessen gehen sollte, das erzählt er in dieser Live-Podcast-Folge von „Mission Energiewende“ im Gespräch mit detektor.fm-Moderatorin Ina Lebedjew auf der Bühne der ZOON Podcast Week in Düsseldorf.

    57 min
  • Machen statt Quatschen | Was hat eine Brötchentüte mit Innovation zu tun?
    Cross Innovation: Ein neuer Blick auf alte Probleme

    Mit günstigen Supermarktpreisen kann die Bäckerei Bergmann nicht mithalten. Stattdessen setzt der Thüringer Familienbetrieb auf traditionelles Handwerk, lange Teigführung und regionale Zutaten. Schon heute stammen mehr als 80 Prozent der verwendeten Rohstoffe aus Thüringen. Doch wie lässt sich die Kundschaft vom Wert dieser Arbeit überzeugen?

    Um das herauszufinden, nimmt Geschäftsführer Matthias Bergmann 2023 an einem Cross Innovation Lab der Thüringer Agentur für Kreativwirtschaft teil. Drei Tage lang arbeitet er dort mit einem Kommunikationsdesigner, einer Künstlerin und einer Porzellandesignerin zusammen. Doch statt direkt neue Werbeideen zu entwickeln, stellen die Kreativschaffenden erst einmal jede Menge Fragen. Dabei wird deutlich: Mit ihren 45 Verkaufsstellen wird die Bäckerei von vielen Menschen als große Kette wahrgenommen — und das ist im Bäckerhandwerk nicht unbedingt positiv besetzt. Aus der Frage, wie sich Regionalität besser vermitteln lässt, wird plötzlich eine viel grundsätzlichere: Wie kann eine große Bäckerei zeigen, dass hinter ihren Produkten echtes Handwerk steckt?

    Wenn Brötchentüten Geschichten erzählen

    Eine der Ideen aus dem Workshop ist überraschend einfach: Die Brötchentüten werden zur Erzählfläche. Statt nur das Firmenlogo zu zeigen, erzählen sie inzwischen von regionalen Rohstoffen und der Geschichte des Familienbetriebs. Und das ist nur eines von vielen Ergebnissen des Workshops. Dutzende Flipchartblätter voller Post-its, Skizzen und Stichworte zeugen davon, wie viel die Gruppe ausprobiert hat. Einige Ideen schaffen es bis in die Verkaufsstellen, andere werden getestet und schließlich wieder verworfen.

    Für Claudia Köhler von der Thüringer Agentur für Kreativwirtschaft zeigt das Beispiel, welches Innovationspotenzial in der Zusammenarbeit unterschiedlicher Branchen steckt. Dabei wird die Kreativwirtschaft selbst als Wirtschaftsfaktor häufig unterschätzt. Im Jahr 2022 erzielte die Branche eine Bruttowertschöpfung von rund 117 Milliarden Euro. Damit lag sie knapp hinter dem Fahrzeugbau und noch vor dem Maschinenbau.

    Warum bekommt die Kreativwirtschaft trotz dieser Zahlen so wenig Aufmerksamkeit? Was hat sich bei der Bäckerei Bergmann durch den Perspektivwechsel noch verändert? Und lässt sich der Erfolg der neuen Ideen überhaupt messen? Darüber spricht detektor.fm-Redakteurin Philine Klinger mit Matthias Bergmann und Claudia Köhler in der neuen Folge von „Machen statt Quatschen“.

    23 min
  • brand eins-Podcast | E-Fuels: Ineffizient? Na und?
    Grünes Kerosin, schwarze Zahlen?

    E-Fuels gelten für viele als Hoffnungsträger für eine klimafreundlichere Luftfahrt. Doch bislang sind die synthetischen Kraftstoffe teuer, ihre Herstellung verschlingt viel Energie, und produziert werden nur geringe Mengen. Greenlyte, ein Start-up aus Essen, will das ändern. Es will synthetisches Kerosin herstellen, das irgendwann sogar günstiger ist als fossiler Flugzeugtreibstoff. Wie kann das gehen? Für Florian Hildebrand, Mitgründer und Geschäftsführer von Greenlyte, entscheidet sich genau daran die Zukunft der Technologie: „Am Ende funktioniert ein E-Fuel nur, wenn es wirtschaftlich ist.“

    Greenlyte hat ein Verfahren entwickelt, das CO₂ aus der Umgebungsluft gewinnt und mit Wasserstoff zu synthetischen Kraftstoffen verarbeitet. Der entscheidende Vorteil soll darin liegen, dass die energieintensiven Produktionsschritte dann stattfinden, wenn Strom aus Sonne und Wind besonders günstig ist. 2027 soll im nordrhein-westfälischen Marl eine Anlage in industriellem Maßstab in Betrieb gehen.

    Greenlyte: Vom Start-up zur E-Fuel-Industrie

    Der Krieg im Nahen Osten und die zeitweise Blockade der Straße von Hormus haben gezeigt, wie abhängig die Luftfahrt von fossilen Energieträgern und geopolitischen Krisen ist. Für Florian Hildebrand ein weiteres Argument, auf alternative Kraftstoffe zu setzen. Doch um diese in großen Mengen und zu konkurrenzfähigen Preisen herzustellen, braucht es vor allem eines: Kapital. „Damit das Thema langfristig am Markt wirklich funktionieren kann, muss ich aus dieser Innovation am Ende ein Infrastrukturprojekt machen“, erläutert Florian Hildebrand.

    Er spricht in dieser neuen Folge des brand eins Podcasts mit detektor.fm-Moderator Christian Bollert darüber, wie das gelingen kann und welche Lehren sich aus weniger erfolgreichen E-Fuel-Projekten ziehen lassen. Und warum die Technologie aus Deutschland kommen soll, die großen Produktionsanlagen aber vermutlich anderswo stehen werden.

    32 min
  • Antritt | Interview: Was macht die Schicke Mütze so besonders, Kerstin und Carsten?

    In dieser Ausgabe von „Antritt“ geht es mit Kerstin Kortekamp und Carsten Wien um den Fahrradladen „Schicke Mütze“ in Düsseldorf und was ihn besonders macht.

    Erst die Ausfahrten, dann das Geschäft

    Bevor Kerstin Kortekamp, Carsten Wien und andere Menschen 2014 in Düsseldorf die Schicke Mütze gründen, fahren sie Fahrrad. Es ist die Zeit vor Strava und Komoot, viele Menschen fahren noch ohne Navigationsgerät, und es ist noch nicht selbstverständlich, Millionen von sofort fahrbaren Routen auf den entsprechenden Portalen zu finden und diese einfach nachfahren zu können. Wer Neues fahren will, fährt entweder einfach der Nase nach oder schließt sich Gruppenausfahrten an. In Düsseldorf ist das zum Beispiel die „Klassikerausfahrt“. Dort trifft man Menschen mit gleicher Radvorliebe, in dem Fall sind das klassische Fahrräder. Man fährt zusammen, kommt ins Gespräch, fährt Altes und sieht Neues. Es entsteht eine lose Gemeinschaft, die man heute vielleicht als „Community“ bezeichnen würde.

    Die Schicke Mütze wird Fahrradgeschäft und mehr

    Teil dieser Community sind Kerstin Kortekamp, Carsten Wien und ein paar Gleichgesinnte. 2014 gründen sie zusammen die Schicke Mütze. Sie soll gleichzeitig Fahrradgeschäft, Café und Treffpunkt für die geschätzten Ausfahrten sein. Die werden thematisch aufgefächert, es gibt die „Winterschmuddelparade“, die „Frauenbewegung Rennrad“ und andere regelmäßige Anlässe. Frauen als Zielgruppe nimmt die Schicke Mütze eher ernst als manch andere Fahrradgeschäfte. Das Fahrradangebot der „Mütze“ hat einen klaren Schwerpunkt bei Stahlrahmen von z. B. Ritchey, Genesis, Pelago, Brother und anderen spezialisierten kleinen bis mittelgroßen Firmen. Carbonräder gibt es auch, der Fokus liegt insgesamt auf Gravelbikes und Rennrädern. Die Bekleidungsauswahl ist hochwertig und breit gefächert, auch hier sind Produkte für Frauen nicht bloßes Beiwerk. Durch die Ausfahrten und das definierte Programm macht sich „die Mütze“ einen Ruf, selbst Mountainbike-Pionier Tom Ritchey und seine Frau Martha — übrigens ein passioniertes Tandempaar — schauen persönlich vorbei. Und als wir vom „Antritt“ die Anfrage für einen Live-Podcast im Rahmen der Zoon Podcast Week in Düsseldorf bekommen, ist schnell klar, wo das stattfinden und wer Thema sein sollte: die Schicke Mütze selbst.

    Live-Podcast in der Schicken Mütze

    Darum haben wir am 9.10. nach Ladenschluss in der Schicken Mütze einen Live-Podcast mit Publikum aufgezeichnet und darüber gesprochen, was diesen Fahrradladen ausmacht, welche Rolle er in Düsseldorf spielt und was eigentlich besser ist: das Musik- oder das Fahrradbusiness. Darum und um noch viel mehr geht es mit Kerstin Kortekamp, Carsten Wien und einigen Besucherinnen und Besuchern der für diesen Abend ausverkauften Mütze.

    Antritt bei Steady und Apple Rückenwind geben

    Der „Antritt“ ist für alle hörbar, weil uns ein wunderbares Antritt-Peloton auf Steady unterstützt. Wer uns dort Rückenwind gibt, kann unsere Folgen früher hören, sich an speziellen Peloton-Episoden beteiligen und die eigenen Themen im „Antritt“ platzieren. Diese und noch mehr Vorteile gibt es schon ab 3 Euro im Monat. Für Ende 2026 haben wir ein Ziel: Wir wollen 400 Menschen im Peloton werden! Schaut doch mal bei Steady vorbei, wenn ihr uns unterstützen wollt.

    Übrigens: Auch bei Apple Podcasts Abonnements könnt ihr unseren Fahrradpodcast regelmäßig unterstützen und Episoden früher hören.

    Passend zu unseren Folgen könnt ihr hier unsere Spotify-Playlist hören:

    1 hr 29 min
  • Spektrum der Wissenschaft – Der Podcast | Kernfusion: Der Traum vom Fusionskraftwerk

    Die Kernfusion gilt seit Jahrzehnten als große Hoffnung für die Energieversorgung der Zukunft. Kein Wunder, verspricht sie doch unerschöpfliche Energie aus kleinen Mengen Brennstoff. Dabei soll sie unabhängig von Wetter und Tageszeit sein und ohne die gefährliche Kettenreaktion eines klassischen Kernkraftwerks auskommen.

    Doch das faszinierendere Prinzip ist das eine. Von einem effektiv nutzbaren Fusionskraftwerk sind wir noch weit entfernt. Denn viele, vor allem technische Fragen sind trotz jahrzehntelanger Forschung noch offen: Welche Materialien halten der intensiven Neutronenstrahlung stand? Und wie lässt sich all das wirtschaftlich betreiben?

    Kernfusion: Drei unterschiedliche Ansätze

    Derzeit konkurrieren mehrere Projekte, die auf unterschiedliche Weise versuchen, den entscheidenden Durchbruch zu schaffen. So zum Beispiel der ITER (International Thermonuclear Experimental Reactor) in Südfrankreich, ein internationales Großprojekt. Dort soll extrem heißes Plasma mithilfe von Magnetfeldern eingeschlossen und zur Fusion gebracht werden. Allerdings wird die Anlage selbst keinen Strom produzieren und soll vor allem zeigen, welche technischen Lösungen für ein späteres Kraftwerk funktionieren.

    Private Unternehmen versuchen, diesen langen Weg abzukürzen. Proxima Fusion in München setzt auf einen sogenannten Stellarator, der grundsätzlich dauerhaft betrieben werden könnte. Er ist im Aufbau, aber wesentlich komplizierter. Moderne Computer und neue Hochtemperatur-Supraleiter sollen diese Herausforderung beherrschbar machen.

    Focused Energy in Darmstadt wiederum verfolgt einen völlig anderen Ansatz: die Laserfusion. Winzige Brennstoffkapseln werden von vielen Hochleistungslasern beschossen und dadurch zur Fusion gebracht. Doch auch hier bleiben große Hürden bei der wirtschaftlichen Nutzbarkeit bestehen.

    Expertinnen und Experten sind insgesamt vorsichtig optimistisch: Die Chancen für die Kernfusion seien heute besser als je zuvor. Doch zwischen erfolgreichen Experimenten und einem funktionierenden, bezahlbaren Kraftwerk liegt noch ein gewaltiger Schritt.

    Mike Zeitz ist Physiker und leitet bei Spektrum der Wissenschaft die Redaktion „Physical Sciences“. Er hat mehrere vielversprechende Projekte besucht und erklärt im Gespräch mit detektor.fm-Moderator Marc Zimmer, wie groß die Hoffnungen sind, die auf einem effektiven Fusionskraftwerk ruhen. Zeitz geht aber auch auf die großen technischen Hürden ein, die noch zu bewältigen sind, bevor dieser Traum Realität werden kann.

    34 min
  • DAZWISCHEN Der Sachsen-Anhalt-Podcast | Wie steht es um die Landwirtschaft, Sachsen-Anhalt?
    Zwischen fruchtbarer Börde und Trockenheit

    Sachsen-Anhalt gilt als Vorzeigeland in der Landwirtschaft. Fast die Hälfte der Landesfläche wird landwirtschaftlich genutzt, und der Boden in der Magdeburger Börde gehört zu den ertragreichsten in ganz Deutschland. Doch wie anderswo auch kämpfen die Landwirte in Sachsen-Anhalt mit Herausforderungen. Ein wichtiger Faktor: der Klimawandel. Trockenheit und extreme Wetterereignisse stellen Landwirtinnen und Landwirte vor enorme Herausforderungen.

    Wachsender Druck durch Politik, Markt und Bürokratie

    Neben den klimatischen Veränderungen klagen die Betriebe in Sachsen-Anhalt vor allem über wirtschaftliche und politische Hürden. Viele Unternehmen sehen sich durch steigende Kosten für Energie und Dünger, globalen Wettbewerbsdruck, strenge EU-Auflagen und eine umfassende Dokumentationspflicht unter Druck. Phillip Krainbring, Landwirt in der Börde, drückt seinen Frust über die Dokumentation so aus: „Ich überspitze es jetzt bewusst: Irgendwann muss ich noch dokumentieren, wann welche Kuh wo rülpst.“

    Viele Höfe sind mittlerweile auf Nebeneinkünfte wie die Erzeugung erneuerbarer Energien angewiesen, um wirtschaftlich stabil zu bleiben. Im Schnitt machen solche Nebeneinkünfte inzwischen etwa die Hälfte des Gesamteinkommens der Landwirtschaftsbetriebe aus.

    Die Zukunft der Landwirtschaft

    In dieser Folge von DAZWISCHEN sprechen Marie und Katja darüber, wie die Landwirtschaft in Sachsen-Anhalt zukunftsfähig bleiben kann. Welche Lösungen sehen Landwirte und Forscherinnen? Welche Veränderungen wird die Branche erleben? Welche Verantwortung haben Verbraucher? Und warum bleibt Landwirt Phillip Krainbring trotz allem Optimist? Um all das geht es in dieser Ausgabe von DAZWISCHEN.

    Der DAZWISCHEN-Podcast

    Wir liefern mit „DAZWISCHEN“ im Jahr der Landtagswahl und darüber hinaus ein ausgewogenes, kritisches und differenziertes Bild von Sachsen-Anhalt. Habt ihr Fragen, Anregungen oder Themenwünsche? Engagiert ihr euch und möchtet uns davon erzählen? Schreibt uns eine Mail an [email protected] oder schickt uns eine Sprachnachricht über WhatsApp an die Nummer 0175 6807345. In unserem WhatsApp-Kanal bekommt ihr zusätzliche Infos. Außerdem empfehlen wir euch den DAZWISCHEN-Newsletter. Hier bekommt ihr jede Woche Hintergrundinformationen, Fotos und Veranstaltungstipps direkt zum Thema.

    Der Podcast „DAZWISCHEN“ entsteht im Rahmen eines Kooperationsprojekts mit der Media Forward Fund gGmbH. Die redaktionelle Verantwortung liegt bei der BEBE Medien GmbH.

    39 min
  • Forschungsquartett | FLEX-Satellit: Das geheime Leuchten der Pflanzen
    Das Forschungsquartett — dieses Mal in Kooperation mit dem Forschungszentrum Jülich
    Das unsichtbare Glühen der Blätter

    Das Prinzip der Photosynthese kennt man aus der Schule: Pflanzen wandeln mithilfe von Lichtenergie Kohlendioxid und Wasser in Zucker um und setzen dabei Sauerstoff frei. Diese Energie nutzen sie aber nicht immer vollständig. Stehen sie unter Hitzestress oder Trockenheit, kann sich die Energie anstauen. Die Folge: Die Pflanzen geben einen Teil des Lichts als für das menschliche Auge unsichtbares rotes Leuchten wieder ab. Diese sogenannte sonneninduzierte Chlorophyllfluoreszenz verrät den Forschenden, wie effektiv die pflanzliche Photosynthese arbeitet.

    ESA-Satellit FLEX blickt hinter die grüne Fassade

    Der im September 2026 gestartete ESA-Satellit FLEX kann dieses schwache Leuchten aus dem Weltall wahrnehmen. Der vom Forschungszentrum Jülich und Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt entwickelte Satellit ermöglicht einen neuen Blick auf globale Ökosysteme. Bisherige Erdsatelliten konnten lediglich erfassen, wie grün eine Landschaft bewachsen ist. Ein Feld könne optisch saftig grün wirken, obwohl die Photosynthese wegen Wassermangel längst heruntergesetzt ist. „Wir können mit bestehenden Satelliten erkennen, ob Pflanzen grün sind. Aber das sagt uns noch nicht, ob sie wirklich photosynthetisch aktiv sind“, sagt Prof. Uwe Rascher im Podcast. Er ist Leiter des deutschen FLEX-Projektbüros am Forschungszentrum Jülich.

    Globale Messdaten für die Klimaforschung

    FLEX schließt diese entscheidende Informationslücke. Mehr als 25 Jahre sind vom ersten wissenschaftlichen Konzept bis zum Start der Rakete vergangen. Auf seiner Umlaufbahn umkreist der Satellit die Erde und liefert alle 15 Tage globale Aufnahmen mit einer Auflösung von 300 Metern pro Pixel. Bisher benutzen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler die Daten für Klimamodelle. In Zukunft soll aber untersucht werden, wie Wälder und landwirtschaftliche Flächen auf extreme Wetterereignisse reagieren und wie die Klimakrise den weltweiten CO₂‑ und Wasserhaushalt beeinträchtigt.

    19 min
  • Ach, Mensch! | Was lässt unser Gehirn altern, Anne Schaefer?
    Die Immunzellen des Gehirns

    Unser Gehirn begleitet uns ein Leben lang: Es speichert Erinnerungen, ermöglicht uns zu lernen und hilft uns dabei, die Welt zu verstehen. Doch auch das Gehirn verändert sich mit zunehmendem Alter: Die Verbindungen zwischen Nervenzellen etwa werden schwächer oder langsamer. Besonders betroffen sind dabei bestimmte Gehirnregionen, die unter anderem an Gedächtnisprozessen beteiligt sind.

    Lange konzentrierte sich die Hirn- und Altersforschung vor allem auf die Nervenzellen. Mittlerweile stehen die Mikrogliazellen im Vordergrund: Sie gehören zum angeborenen Immunsystem und funktionieren wie die Fress- und Abwehrzellen des Gehirns, überwachen ihre Umgebung, erkennen mögliche Schäden und beseitigen unter anderem Zelltrümmer oder andere schädliche Substanzen. Anne Schaefer sagt dazu: „Diese Mikroglia, die kann man schon auf den frühen Zeichnungen der Hirnforschung sehen. Schon Alois Alzheimer hat Mikroglia um die Alzheimer Plaques gezeichnet, ohne zu dem Zeitpunkt zu wissen, was sie eigentlich sind.“

    Wenn das System kippt

    Anne Schaefer ist Direktorin am Max-Planck-Institut für Biologie des Alterns in Köln und untersucht, warum diese Schutzfunktion der Mikrogliazellen im Alter auch zum Problem werden kann. Denn Mikroglia können verschiedene Aktivitätszustände einnehmen und chronisch aktiviert bleiben, im Körper also anhaltende Entzündungszustände auslösen. Schäfer erforscht dabei auch, welche Rolle Mikroglia bei neurodegenerativen Erkrankungen spielen. Besonders interessant ist dabei ihr Zusammenhang mit Alzheimer: Bestimmte genetische Veränderungen in Mikroglia können das Risiko für eine altersbedingte Alzheimer-Erkrankung erhöhen.

    Auch bei Long Covid spielen Mikroglia eine Rolle. Eine Entzündungsreaktion, die ursprünglich beispielsweise durch eine Infektion der Lunge ausgelöst wurde, kann über Botenstoffe das Gehirn erreichen und dort die Mikroglia aktivieren. Schaefer untersucht, wie solche lang anhaltenden Entzündungszustände entstehen — und warum das Gehirn manchmal so lange in einer Art Krankheitsmodus bleibt, obwohl die eigentliche Infektion längst vorbei ist.

    In dieser Folge von „Ach, Mensch!“ erzählt Prof. Dr. Anne Schaefer auch von ihrem wissenschaftlichen Werdegang, ihrer Zeit in New York und ihrer eigenen Faustregel, um im Alter fit zu bleiben.

    42 min
  • Mission Energiewende: Der Klima-Podcast | Nachhaltiger Versand: Mehrweg statt Einweg
    Eine Box, die immer wieder zurückkommt

    Bereits seit 2009 bieten Frank Schmähling und sein Team von der memo AG ihren Kundinnen und Kunden eine nachhaltige Versandoption an. Die sogenannte „memo Box“ ist eine Alternative zu herkömmlichen Paketen aus Karton, die im Warenversand standardmäßig genutzt und entsorgt werden. Wer seine Waren in einer Mehrwegbox erhalten möchte, entscheidet sich beim Bestellen bewusst dafür. Das System prüft anschließend automatisch, ob die bestellten Produkte in eine der drei verfügbaren Boxengrößen passen. Nach dem Auspacken kann die Box mit einem Rücksendeetikett kostenlos zurückgeschickt werden. Erst wenn sie dauerhaft beim Kunden bleibt, wird sie berechnet. Vor allem Stammkundinnen und Stammkunden nutzen das Angebot regelmäßig, erklärt Frank Schmähling.

    Nachhaltigkeit: Ausdauer und praktische Lösungen

    Die Idee entstand bereits vor vielen Jahren. Heute bestehen die Boxen aus recyceltem Kunststoff und können nach ihrer Nutzung erneut recycelt werden. Damit das Mehrwegsystem zuverlässig funktioniert, mussten zahlreiche Abläufe neu entwickelt werden — von der Software über die Lagerverwaltung bis zur Rückführung der Boxen. Rund 20.000 Mehrwegboxen werden ständig vorgehalten, damit jederzeit genügend Verpackungen verfügbar sind. Frank Schmähling und die Mitarbeitenden wollen praktikable Lösungen entwickeln, die Ressourcen sparen und langfristig funktionieren — auch wenn ihre Umsetzung zunächst mit Investitionen, organisatorischem Aufwand und dem Mut verbunden ist, neue Wege einzuschlagen.

    In der Branche „Konsumgüter-Großhandel“ wurde das Konzept mit dem „Deutschen Nachhaltigkeitspreis 2026“ ausgezeichnet. Wie das Team der memo AG das Thema Nachhaltigkeit weiter vorantreibt, das erklärt der Vorstandsvorsitzende Frank Schmähling in dieser Folge von „Mission Energiewende“ im Gespräch mit detektor.fm-Moderatorin Ina Lebedjew.

    21 min

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