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Über 150 Millionen US-Dollar hat Netflix springen lassen, damit Martin Scorsese endlich dieses Mammutprojekt stemmen konnte. Schon seit Ewigkeiten wollte er nochmal einen letzten großen Film mit seiner ehemaligen Muse Robert De Niro machen. Endlich hat es geklappt. Eine Jahrzente überspannende Mafiageschichte, bei der sogar die Gangster-Mega-Stars Al Pacino, Joe Pesci und Harvey Keitel wieder an Bord sind.
Erzählt wird die Geschichte des Auftragskillers Frank Sheeran, der sich in den Rängen der Cosa Nostra hocharbeitet und schließlich auf den Gewerkschafter Jimmy Hoffa trifft, den schließlich ein mysteriöses Schicksal ereilt. Dabei ist „The Irishman“ aber viel distanzierter und ruhiger als Scorseses vergangene Gangsterfilme. Aber ist das wirklich neu und interessant? Und muss es das überhaupt sein? Das müssen wir diskutieren!
Über „The Irishman“ sprechen detektor.fm-Redakteur Christian Eichler, Daniel Schröckert von Kino+ und der Filmwissenschaftler Christoph Dobbitsch.
Jede Woche zankt sich detektor.fm-Filmkritiker Christian Eichler mit Freunden und Kolleginnen über einen aktuellen Film. Dabei ist es egal, ob der im Kino, auf Netflix oder im Fernsehen anläuft. Angedickt wird das Ganze durch ein hintergründiges Interview und einen kurzen Überblick über weitere Kino- und Streaming-Starts.
Das Interview mit ÄTNA gibt’s hier in voller Länge. Die nächste Musikzimmer-Ausgabe kommt am 18. Dezember 2019. Bis dahin läuft immer mittwochs um 19 Uhr im Wortstream die Wiederholung dieser Folge.
Ihr wollt auch unter den besprochenen Newcomern im Musikzimmer sein? Wir bringen eure Band ins Radio! Schickt uns eure Songs, am besten per Link (Soundcloud, Bandcamp, Dropbox …) an musikzimmer[at]detektor.fm.
Statt wie bisher in der Demoecke, deren Abstimmungssystem wir nicht mehr zeitgemäß finden, stellen künftig Newcomer im Musikzimmer ohne Abstimmung und Wettbewerb vor. Weil sie im Gegensatz zu den restlichen Tracks in der Sendung nur angespielt werden, kriegen sie dafür hier mehr Platz.
Don’t Go sind ein Elektropop-Duo bestehend aus Nina Jukić aus Zagreb und Alexander Forstner aus Graz. Beide leben in Wien und machen dort auch gemeinsam Musik. Sie singt und spielt Piano und Synthesizer, er bedient Schlagzeug und Gitarre. Bei ihren Konzerten loopen sie sich viel lieber durch ein lebendiges Set als sich auf die relative Sicherheit eines Laptops zu verlassen. Der Sound von Don’t Go ist Pop, aber auch experimentierfreudig, tanzbar und gleichzeitig nachdenklich. Das hört man auch in ihrer neuen Single „Maybe We’re Just Getting Younger“, da geht’s um das Hin- und Hergerissensein zwischen Hoffnung und Zweifel, Optimismus und Unruhe.
Kaleurs ist die Band von Songwriter Niklas Birkemeyer. Der kommt aus Münster, hat aber eine ganze Weile in England gelebt. Dort hat er mit drei Kollegen die Band Kaleurs gegründet und jetzt eine EP veröffentlicht mit dem Titel „Gently into the night“. Kaleurs spielen melancholischen, sonnengebleichten Indierock zwischen wären z.B. DIIV, Ty Segall und Vaccines. Zu ihrem Song „Beach Freaks“ gibt’s ein Video, in dem eine kleine Hula-Figur einen Ausflug ans Meer macht. Dazu erklingen entspannt, verwaschener Gesang, luftige Gitarrensolos und ein gutes bisschen Fuzz.
Mira Mann ist Bassistin und Sängerin der Münchner Post Punk-Band candelilla, Herausgeberin des Magazins Ultra Soft und sie hat auch schon Texte in der Süddeutschen Zeitung veröffentlicht. In diesem Jahr ist außerdem ihr Gedichtband „Gedichte der Angst“ erschienen und kürzlich ihre Debüt-EP „Ich mag das“. Dafür hat sie Texte aus dem Gedichtband weiterentwickelt. Es wurde Platz gelassen für Spontanes und Experimente, für Fehler und Unregelmäßigkeiten. In den Songs liegen die Lyrics liegen locker auf dem Beat. Die minimalistisch-percussivlastige Vertonung stammt von Produzenten Ludwig Abraham.
Der Journalist Julian Feldmann wohnt in Hannover. Dort hat die NPD Niedersachen Demonstrationen für das kommende Wochenende angekündigt – und zwar gewissermaßen vor Feldmanns Haustür. Denn Feldmann ist den Rechtsextremen ein besonderer Dorn im Auge und gegen ihn richtet sich der Aufruf. Feldmann hatte in der NDR-Sendung „Panorama“ unter anderem über die Verbrechen eines früheren SS-Mitgliedes und über den Prozess gegen einen KZ-Wachmann berichtet. Insgesamt zehn Berichterstattende werden im Aufruf der NPD Niedersachsen namentlich genannt und als „antideutsch“ bezeichnet.
Drohungen und Anfeindungen sind für Berichterstattende über die rechtsextreme Szene nichts Neues. Julian Feldmann hat bereits mehrere Morddrohungen erhalten. Auch der Name David Janzen taucht auf der Liste der NPD Niedersachsen auf. Janzens Privatwohnung ist bereits mehrfach attackiert worden.
„Es ist tatsächlich eine neue Qualität, dass in der Öffentlichkeit namentlich gegen Kolleginnen und Kollegen demonstriert werden soll und dass diese Namen benutzt werden, um gegen das ganze System vorzugehen. Es ist ein klarer Angriff auf die Pressefreiheit, man darf sich aber nicht in der täglichen Arbeit einschüchtern lassen, sondern muss einfach weitermachen“, sagt Tobias Morchner, Journalist bei der HAZ.
Die Organisation Reporter ohne Grenzen hat nun einen Gegen-Aufruf gestartet. Darin fordert die Organisation, sich mit den betroffenen Berichterstattenden zu solidarisieren und Pressevertreterinnen und -vertreter allgemein besser zu schützen. Zum Beispiel sollen im Impressum eines Mediums keine privaten Wohnadressen preisgegeben werden. Außerdem fordern Reporter ohne Grenzen, Polizei, Gerichte und die Staatsanwaltschaft stärker für Angriffe auf die Presse zu sensibilisieren und rechtliche Möglichkeiten konsequenter anzuwenden.
Über die Situation in Hannover und die Lage der betroffenen Journalisten spricht detektor.fm-Moderatorin Helena Schmidt mit Tobias Morchner. Als Journalist bei der Hannoverschen Allgemeinen berichtet er regelmäßig über die rechtsextreme Szene.
Redaktion: Clara Schulze
Am 20. Juli 1969 landeten Neil Armstrong und Buzz Aldrin auf dem Mond – oder etwa doch nicht? Nach dem Musikvideo zu „Rocket Soul“ von DJ Shadow und De La Soul könnte man meinen, dass die berühmte erste Mondlandung in Hollywood entstanden ist. Unter der Regie von Stanley Kubrick liefern sich die beiden Astronautenkollegen einen erbitterten Kampf, während im Mission Control allgemeine Fassungslosigkeit heranwächst und schließlich in eine Massenschlägerei ausartet.
Was wäre, wenn die Mondlandung wirklich nicht stattgefunden hätte? Dieses Gedankenspiel spielt DJ Shadow im Musikvideo zu „Rocket Soul“ durch. Beim Regisseur Sam Pilling läuft die nämlich nicht wie geplant ab und der berühmte Hollywoodregisseur Stanley Kubrick sorgt im Filmstudio für Ersatz. Gespickt mit Originalaufnahmen von Menschen, die 1969 die Mondlandung im Fernsehen schauen, schafft es der Regisseur, den Zuschauer in dieses krude Stück Film mitzunehmen.
Die Geschichte ist vor allem eins: lustig. Die beiden Fake-Astronauten Armstrong und Aldrin geraten im Filmstudio nämlich aneinander und werden handgreiflich. Diese Prügelei, in welcher Fake-Mondsteine fliegen und Kameraleute die Kulisse betreten wird von Millionen von Zuschauern verfolgt. Der einzige Protagonist, der nicht schockiert oder verärgert zu sein scheint, ist der Regisseur Stanley Kubrick selbst.
Warum die Umsetzung des Musikvideos mindestens so großartig ist wie die Idee dahinter und ob wir nochmal darüber nachdenken sollten, ob die Mondlandung tatsächlich stattgefunden hat, haben Musikvideo-Guru Maurice Gajda und detektor.fm-Moderatorin Helena Schmidt besprochen.
Eins der ersten Fotos, das sie auf Instagram postet, ist ein selbstgebackenes Hariboherz, das sie aufwendig mit Bonbons und Zuckerperlen für ihren damaligen Freund bestückt. Es zeigt ihre Liebe fürs Detail. Das Herz bekommt 79 Likes. Das ist sechs Jahre her. Heute hat Nanda Weskott alias Nanda Schwarz bis zu 20 000 Likes auf ein Bild und 186 000 Follower. Damit ist sie eine Mid-tier Influencerin. Es ist nicht ein Bild, das ihr den „Durchbruch“ verschafft. Vielmehr teilt sie einfach ihre Liebe für Fotografie, Inneneinrichtung, Flohmarktschätze, Essen, Vintageklamotten, schreibt kurze Texte dazu und immer mehr Menschen finden ihren Stil so toll, dass sie ihr folgen. 2015 bekommt sie dann die Möglichkeit für Levi’s eine Kampagne zu machen.
Da hat sie gerade ihr Abitur abgeschlossen und bekommt so viel Kohle, dass sie sich hätte eine kleines wie sei sagt „schrottiges“ Auto kaufen können. Den Führerschein macht sie aber erst mit 24 und sowieso, Geld gibt Nanda für gutes Essen aus. Für Pumpernickel mit veganem Bauernschmaus, Algensalate, Ingwershots und Matchatee. Nanda kann sich durch den Influencerstatus ihren Lebensunterhalt komplett selbst finanzieren. Ein Traum für viele.
Weil Nanda nicht darauf vertraut, dass ihr Glanzbildleben im schnellen und wandlungssüchtigen Netz ewig so weitergeht, studiert sie. Derzeit noch „Irgendwas mit Medien“ an der Universität zu Köln. Bald schon möchte sie wechseln zu Kunstgeschichte und Deutscher Literatur. Aktuell testet und wirbt sie für Edeka Bio-Pflegeprodukte. Über das Reinrutschen in die Welt der Influencer, Jobs im Fashionbusiness, über den sich wandelenden Umgang mit der App, Selfies, Folgen und Entfolgen, Moral, gesunden Menschenverstand, Selbstschutz, Zimt und Senf spricht Influencerin Nanda Schwarz mit detektor.fm-Moderatorin Yvi Strüwing.
Der 26-jährige Syrer Amad Ahmad sitzt zwei Monate unschuldig in Haft, dann bricht in seiner Gefängniszelle ein Feuer aus und wenig später erliegt der junge Mann seinen Verletzungen. Trotz vieler ungeklärter Fragen, hat die Staatsanwaltschaft Kleve die Ermittlungen in dem Fall Anfang November eingestellt. Der Anwalt der Opferfamilie hat zwar Beschwerde dagegen eingelegt, doch ob dies zu einer Wiederaufnahme der Ermittlungen führen wird, ist zweifelhaft.
Was man bis jetzt sicher weiß: Der 26-jährige Syrer ist Opfer einer Namensverwechselung geworden. Da das deutsche Strafrecht keine fahrlässige Freiheitsberaubung kennt, konnte die Staatsanwaltschaft Kleve den zuständigen Beamten kein strafbares Verhalten nachweisen.
Die Umstände der Verwechslung sind bemerkenswert: Zunächst heißt es von Seiten der Polizei, es habe einen offenen Haftbefehl auf einen Malier mit dem selben Namen gegeben. Zwar ist dessen richtiger Name unklar, da der gesuchte Dieb unter mehreren Identitäten unterwegs ist. Ganz offenkundig hat der tatsächlich gesuchte Mann aber auch eine andere Hautfarbe als Amad Ahmad. Spätere Recherchen legen den Verdacht Nahe, dass der polizeiliche Datensatz, der den Malier als Amad Ahmad ausgewiesen hatte, manipuliert worden ist.
Doch nicht nur die Umstände der Festnahme sind erklärungsbedürftig: So fiel die Verwechslung nicht nur ganze zwei Monate nicht auf, unklar ist auch, wieso Ahmad die JVA Kleve nicht verlassen hatte – was er gegen Zahlung einer Kaution gedurft hätte. Auch der Verbrennungstod des jungen Mannes wirft Fragen auf, so gibt es zum Beispiel Zweifel an der offiziellen Darstellung des Brandverlaufs.
„Datenbanken machen keine Fehler. Es sind ganz offensichtlich falsche Angaben gemacht worden“, stellt der Polizeiwissenschaftler und Kriminologe Prof. Thomas Feltes fest.
Ob man noch auf eine Aufklärung dieses Justizskandals hoffen darf, weshalb die Aufklärung so schleppend verläuft und was unternommen werden müsste, damit solche Fälle künftig nicht unaufgeklärt bleiben, darüber spricht detektor.fm-Moderator Christian Erll mit dem Kriminologen und Polizeiwissenschaftler Thomas Feltes.
Redaktion: Dominik Lenze
Mit ihrem Unternehmen war die gebürtige Britin Anne Koark um die Jahrtausendwende auf der Erfolgsspur. „Trust in Business“ half ausländischen Unternehmen, auf dem deutschen Markt Fuß zu fassen. Das klappte so gut, dass Koark sogar einen Existenzgründerpreis gewann. Nochmal zwei Jahre später war sie pleite.
Zu hoch gepokert
Um die enorme Nachfrage ausländischer Firmen bedienen zu können, verdoppelte Koark 2001 die Büroflächen. Die Kosten: 12.000€ im Monat.
„Kaum war das unterschrieben, kam der 11. September und reihenweise Kunden sind pleite gegangen. Und noch viel schlimmer, viele US-Firmen sind für eine längere Zeit gar nicht mehr nach Deutschland gekommen. Und ich saß da und musste die Miete bezahlen.“ – Anne Koark
Daraufhin schrieb Anne Koark ein Buch über ihre Pleite. Das hielt sich fünf Wochen in der Wirtschaftsbestsellerliste, sie bekam hunderte Briefe und Anrufe – und konnte sogar politisch etwas bewegen.
„Ich finde es sehr wichtig, dass man irgendwann mal eine Gesellschaft hinterlassen kann, in der es möglich ist zu sagen: Ich habe einen Fehler begangen. Ich stehe dazu, ich versuche das wieder gut zu machen, aber deshalb muss ich mich nicht wegradieren aus der Welt.“ – Anne Koark
Mit Humor durch die Insolvenz
Wie es genau zur Insolvenz kam, welche schönen und auch erschreckenden Erfahrungen sie in diesem Prozess gemacht hat und wie sie sich mit viel britischem Humor wieder aufgerappelt hat, erklärt Anne Koark in der zweiten Folge des „Flopcast“ mit detektor.fm-Moderatorin Maja Fiedler.
Redaktion: Javan Wenz
Wer hierzulande ein Unternehmen gegen die Wand fährt, wird schnell als Verlierer abgestempelt. Dabei ist Scheitern keineswegs ein Makel – es ist eine große Chance. Im Flopcast von detektor.fm beschreiben Unternehmerinnen und Unternehmer, was sie vom Scheitern gelernt haben. Hier sprechen sie über große und kleine Fehler, über Lehren für die Zukunft und über ihren Weg zurück in die Erfolgsspur. Präsentiert von Lexware.
2019 ist ohne Frage das Jahr des Klimabewusstseins. Fridays for Future, Extinction Rebellion, you name it. In unserem Podcast „Mission Energiewende“ beschäftigen wir uns schon seit zwei Jahren mit der Frage, wie der Klimawandel Deutschland verändert – und was dagegen getan werden kann.
Und jetzt war es endlich soweit. Nach monatelangen Protesten und jahrelangen Verschiebungen, hat die Bundesregierung ein Klimapaket beschlossen – und eigentlich findet es kaum jemand gut.
Wir haben vor einer Woche im „Links neben der Tanke“ in Leipzig in einer Live-Veranstaltung über das Klimapaket gesprochen und uns die Frage gestellt: Wie geht es jetzt weiter?
Darüber haben mit detektor.fm-Moderator Christian Eichler diskutiert: Matti Lehmann von „Fridays for Future“, Jens Schneider, Ingenieurwissenschaftler an der HTWK Leipzig und bei Scientists 4 Future organisiert, Joachim Weimann, Wirtschaftswissenschaftler an der Uni Magdeburg und Marius Hasenheit vom Ecologic Institute Berlin und Transform Magazin.
„Mission Energiewende“ ist eine Kooperation mit dem Ökostromanbieter LichtBlick und dem WWF
Letztlich sind es 400 Millionen Euro gewesen, um die das EU-Parlament und die Mitgliedsstaaten bis zur letzten Minute geschachtert haben. Die Millionen wirken wie Peanuts mit Blick auf den gesamten EU-Haushalt, der dann kurz vor Fristablauf beschlossen worden ist. 168,7 Milliarden Euro wird die EU im kommenden Jahr für ihre Projekte ausgeben. Zum Vergleich: Deutschlands Bundeshaushalt für 2020 beträgt über 300 Milliarden Euro.
Im kommenden Jahr will die EU mehr Geld ausgeben für den Klimaschutz, genauso wie für die Jugendförderung und die Digitalisierung. Nach wie vor fließt der größte Teil des EU-Haushalts aber in die Landwirtschaft. Diese Förderung ist vor allem unter Klein- und Biobauern umstritten.
„Es ist eine Veränderung in kleinen Schritten, das wir langsam von der Agrarförderung wegkommen. Das hat bis jetzt dreißig, vierzig Jahre gedauert, und genauso können auch die neuen Politiken wie Klimaschutz und Digitalisierung nur in kleinen Schritten anwachsen“, erklärt Peter Becker, wissenschaftlicher Mitarbeiter der Stiftung Wissenschaft und Politik.
Die jährlichen Verhandlungen über den jeweiligen EU-Haushalt spiegeln die Interessen der EU-Mitgliedsstaaten und des EU-Parlaments. Gerade wenn es um Geld geht, sind sich beide Seiten nicht immer einig. Die Mitgliedsstaaten zahlen in den EU-Haushalt ein, der dann auf EU-weite Projekte verteilt wird und damit meist indirekt an die Mitglieder zurückfließt.
Während das EU-Parlament in Straßburg gerne Geld in Förderprojekte steckt, wecken die Budgetverhandlungen bei den Finanzministern der Mitgliedsstaaten Sparinstinkte. Denn was nicht ausgegeben wird, müssen die Finanzminister nicht an Brüssel zahlen. In den jährlichen Haushaltsverhandlungen können die Finanzminister dem EU-Parlament also zeigen, wo das Geld herkommt – und damit auch die Förderung für bestimmte Projekte des EU-Parlaments gewissermaßen lenken.
Über die Bedeutung des EU-Haushalts und über falsche EU-Ausgaben spricht detektor.fm-Moderator Christian Erll mit Peter Becker. Er forscht zur EU-Integration und zum EU-Haushalt an der Stiftung für Wissenschaft und Politik.
Redaktion: Nadja Häse
Im Iran ist es in dutzenden Städten zu gewalttätigen Demonstrationen gekommen. Manche Beobachter sprechen gar von den größten Unruhen seit dem Sturz des Schahs 1979. Auslöser der Proteste ist die Erhöhung des Benzinpreises um mindestens 50 Prozent, was vor allem den ärmeren Teil der iranischen Bevölkerung trifft.
Schon seit längerem ist die wirtschaftliche Lage der Bevölkerung im Iran schlecht. Die Jugendarbeitslosigkeit ist eine der höchsten weltweit und das Land steckt in einer tiefen Rezession. Der hohe Benzinpreis bedeutet für die Bevölkerung daher einen weiteren erheblichen Einschnitt. Die wirtschaftliche Lage im Iran hat sich seit 2018 durch die Sanktionen der US-Regierung verschärft. Im Mai 2018 hatte die US-Regierung das Atom-Abkommen mit dem Iran gekündigt und Sanktionen gegen den Iran eingeführt.
Die iranische Regierung hat angekündigt hart gegen die Proteste vorzugehen. Bisher sollen bei den Ausschreitungen neun Menschen ums Leben gekommen sein. Der Sprecher der Menschenrechtskommission Rupert Colville befürchtet, dass es weitaus mehr sein könnten. Über die genaue Lage im Land lässt sich nur mutmaßen, da die Regierung den Zugang zum Internet seit Samstagnachmittag weitestgehend blockiert.
Das erschwert es den Demonstrierenden erheblich sich zu organisieren. Außerdem können regierungskritische Stimmen keine Bilder oder Informationen von den Kundgebungen und Ausschreitungen verbreiten. Einzig die staatlichen und halbamtlichen Medien verbleiben als Informationsquelle, um den Verlauf der Proteste nachvollziehen zu können. Für ausländische Medien ist es daher fast unmöglich die gegenwärtige Lage im Iran einschätzen zu können.
„Die Unverhältnismäßigkeit der Gewaltanwendung seitens des Regimes, die akkumuliert ist mit der totalen Internetzensur, deutet sehr stark darauf hin, dass das Regime in äußerster Panik ist“, beurteilt Dr. Ali Fathollah-Nejad von der Deutschen Gesellschaft für auswärtige Politik e. V. die Lage.
Über die gegenwärtige Lage im Iran hat detektor.fm-Moderator Christian Erll mit Dr. Ali Fathollah-Nejad gesprochen. Als Politikwissenschaftler beschäftigt er sich vor allem mit dem Nahen Osten und dem Iran, insbesondere mit dem US-Iran-Konflikt.
Redaktion: Clara Schulze
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