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Der Mensch ist ein Herdentier. Menschen neigen instinktiv dazu, es anderen Menschen gleichzutun – manchmal ohne selbst lange darüber nachzudenken. In Gefahrensituationen kann dieser Herdeninstinkt Leben retten, zum Beispiel bei der Evakuierung eines brennenden Flugzeugs.
Leider beeinflusst mich dieser Herdeninstinkt auch dann, wenn gar keine Gefahr droht. Beispiel: Wenn ich Angst habe, zu kurz zu kommen. Wenn alle um mich herum versuchen, sich einen persönlichen Vorteil zu sichern. Denke ich dann in Ruhe nach und bleibe bei dem, was ich moralisch für richtig halte? Auch wenn ich vielleicht erst einmal einen Nachteil in Kauf nehmen muss? Oder folge ich der Herde, weil es ja alle tun? Frei nach dem Motto: Wenn jeder nur an sich denkt, ist an alle gedacht?
Ich glaube, der Herdeninstinkt braucht als Gegengewicht eine persönliche Entscheidung. Einen persönlichen Kompass. Als Christ weiß ich: Gott gönnt es mir und unterstützt mich darin, dass ich nicht einfach der Herde folge, sondern versuche zu tun, was richtig ist. Und am Ende – langfristig – belohnt Gott das auch.
Die folgenden Worte in Psalm 37 ermutigen mich, diese Entscheidung zu treffen und an ihr festzuhalten, auch in widrigen Umständen:
Entrüste dich nicht über die Menschen, die Böses tun; beneide nicht die Leute, die Unrecht üben! … Vertrau auf den Herrn und tu Gutes … Freu dich über den Herrn, und er wird dir geben, was du dir von Herzen wünschst. Lass den Herrn deinen Weg bestimmen … Er wird deine Rechtschaffenheit erstrahlen lassen wie das Morgenlicht und dein Recht leuchten lassen wie die Mittagssonne … Gerate nicht in Zorn über den, der auf seinem bösen Weg auch noch Erfolg hat.
Also: Kein Neid und kein Zorn gegenüber denen, die brachial ihren eigenen Vorteil suchen. Keine Angst, zu kurz zu kommen. Keine Panik in widrigen Umständen!
Autor: Dr. Jörg Dechert
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„Hörst du mir eigentlich zu?!“ – Wie oft habe ich das einigermaßen entnervt geäußert oder unwillig gedacht, wenn ich gemerkt habe: Mein Gegenüber schenkt mir offensichtlich keine Aufmerksamkeit. Und das, obwohl ich gerade etwas Wichtiges gesagt habe oder gar eine, wie ich fand, entscheidende Information mitteilen wollte. Verbunden mit dem unausgesprochenen Gedanken: WENN du mal richtig zuhören würdest, könnte ich mir viele Worte sparen. Und einem heimlichen Groll, weil ich mich mal wieder nicht ernstgenommen oder gar alleingelassen fühlte.
In Psalm 3 wird von einer sehr misslichen Lage des israelischen Königs David erzählt. Er ist von Feinden umgeben und auf der Flucht – vor seinem eigenen Sohn, der ihm den Thron streitig macht. Obendrein versuchen ihm manche Menschen einzureden, er sei von Gott verlassen.
Doch David hält dagegen: „Laut schreie ich zum HERRN um Hilfe.“ Und er fügt hinzu: „Er hört mich auf seinem heiligen Berg und antwortet mir.“ – So steht es in der Übersetzung Hoffnung für Alle.
David lässt sich nicht beirren – er weiß, wohin er sich wenden kann, auch wenn er auf einsamem Posten steht. Und er weiß, dass sein Schreien nicht ungehört verhallen wird. Gott hört ihm zu – und Gott antwortet ihm. Davon ist David überzeugt.
An diesem unerschütterlichen Vertrauen will ich mir ein Beispiel nehmen.
Autor: Annegret Schneider
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Jesus von Nazareth war gelernter Zimmermann. Befischbare Gewässer gab es in der näheren Umgebung von Nazareth nicht, sowohl der See Genezareth als auch das Mittelmeer sind eine Tagereise Fußmarsch weit entfernt. Woher soll Jesus also Expertise im Fischfang gehabt haben? Trotzdem ist von Jesus bekannt: Er hat erfahrenen Fischern mehr als einmal Tipps gegeben. Gegen jede berufsständische Vernunft. Und konnte sie überzeugen.
Eine solche Begebenheit ist im Lukasevangelium Kapitel 5 überliefert. Sie spielt am See Genezareth, und zwar am hellichten Tag. Jesus nutzt das Heck eines typischen Fischerbootes der damaligen Zeit als Kanzel und spricht von dort aus zu den am Strand versammelten Menschen.
Als Jesus seinen Vortrag beendet hat, fordert er den Eigentümer des Bootes, einen Mann namens Simon, auf: „Fahre hinaus in tieferes Wasser! Dort sollt ihr die Netze zum Fang auswerfen!“ Simon antwortet: „Meister, wir haben die ganze Nacht hart gearbeitet und nichts gefangen. Aber weil du es sagst, will ich die Netze auswerfen.“ Was für ein Vertrauensbeweis. Wir wissen nicht, was Jesus den Menschen vorher erzählt hat - aber es muss den erfahrenen Berufsfischer Simon überzeugt und für den Redner eingenommen haben. Sein Vertrauen wird belohnt - Simon und seine Leute machen den Fischzug ihres Lebens. Weil sie dem Vorschlag eines Fachfremden gefolgt sind - aller Erfahrung zum Trotz.
Nein, Jesus war kein Experte für Fischfang. Aber mit den Bedürfnissen und Sehnsüchten von Menschen kannte er sich aus. Kennt er sich aus. Jesus hat damals das Vertrauen der Fischer am See Genezareth gewonnen. Er hat auch mein und Ihr Vertrauen verdient - heute.
Autor: Markus Baum
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