Folge 171: „Ich möchte eigentlich nicht sterben, ich möchte nur so nicht weiterleben“
Was meint ein Mensch eigentlich, wenn er sagt: „Ich will nicht mehr“?
In der zweiten Folge meiner Minireihe über Suizidgedanken und Sterbewünsche geht es um einen der wichtigsten und zugleich häufig missverstandenen Aspekte von Suizidalität:
Den Wunsch, dass etwas aufhört ohne dass damit zwangsläufig der Wunsch verbunden sein muss, wirklich tot zu sein.
Viele Menschen in schweren psychischen Krisen erleben einen Zustand, in dem sie keinen Ausweg mehr sehen. Der innere Schmerz wird so groß, die Hoffnung so klein und das eigene Leben so belastend, dass der Tod irgendwann wie die einzige noch vorstellbare Möglichkeit erscheinen kann.
Doch häufig steckt hinter dem Satz „Ich möchte sterben“ gleichzeitig noch etwas anderes:
„Ich möchte nur nicht mehr so weiterleben.“
In dieser Folge sprechen wir darüber, warum genau diese Unterscheidung so wichtig ist.
Ihr erfahrt unter anderem:
- Warum Suizidgedanken häufig von starker Ambivalenz geprägt sind.
- Was psychischer Schmerz mit dem Wunsch zu sterben zu tun haben kann.
- Warum Hoffnungslosigkeit dazu führt, dass Menschen alternative Lösungen irgendwann nicht mehr erkennen können.
- Welche Rolle Depressionen, Trauma, Einsamkeit, Scham und das Gefühl von Ausweglosigkeit spielen können.
- Warum ein Mensch gleichzeitig sterben wollen und dennoch an Teilen seines Lebens festhalten kann.
- Weshalb der Wunsch nach Ruhe, Erlösung oder einem Ende des Leidens nicht automatisch mit einem eindeutigen Todeswunsch gleichzusetzen ist.
- Warum es so wichtig ist, nicht nur zu fragen: „Willst du sterben?“, sondern auch: „Was müsste aufhören, damit du wieder leben könntest?“
- Und warum Beziehung, Verständnis und echtes Zuhören manchmal wieder Möglichkeiten sichtbar machen können, die in einer Krise vollkommen verschwunden scheinen.
Mir ist bei diesem Thema besonders wichtig, Suizidgedanken weder kleinzureden noch jeden Sterbewunsch sofort ausschließlich als Gefahr zu betrachten.
Denn bevor wir einem Menschen helfen können, müssen wir zunächst verstehen, was sein Sterbewunsch für ihn bedeutet.
Manchmal ist der Wunsch zu sterben vor allem der verzweifelte Versuch, einen Zustand zu beenden, der sich nicht mehr aushaltbar anfühlt.
Und genau dort kann eine entscheidende Frage entstehen:
Was müsste sich verändern, damit nicht das Leben enden muss – sondern das Leiden?
Die Reihe besteht aus fünf Folgen:
1. „Ich will nicht mehr“: Suizidgedanken verstehen, ohne davor wegzulaufen
2. „Ich möchte eigentlich nicht sterben, ich möchte nur so nicht weiterleben“
3. „Was sage ich, wenn jemand nicht mehr leben will?“
4. „Wenn es gefährlich wird“: Akute Suizidalität, Krisen und die Frage nach Sicherheit
5. „Wenn die Krise vorbei ist“: Wie Menschen nach Suizidalität wieder ins Leben finden
Im Anschluss folgt eine Sonderfolge:
„Ich möchte selbst entscheiden, wann ich sterbe“: Sterbehilfe zwischen Autonomie und Schutz
Wichtiger Hinweis
Bei akuter Suizidgefahr wendet euch bitte an den Notruf 112 oder eine psychiatrische Notfallambulanz. Die TelefonSeelsorge ist unter 0800 1110111, 0800 1110222 und 116 123 erreichbar.
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