Brecht, der politische Autor. Brecht, der Frauenheld. Brecht, der Staatsdichter der ehemaligen DDR. Die Bilder von Bertolt Brecht sind gemacht und wirken nicht selten historisch veraltet oder gar museal. Doch es gibt auch Spuren und Lektüren seines Werkes, die direkt zum heutigen Theater führen.Das Institut für angewandte Theaterwissenschaften in Giessen wäre ohne Bertolt Brecht nicht denkbar. Am Anfang dieser Kaderschule für performative Theaterformen stehen nämlich die beiden Brechtexperten Andrzej Wirth und Hans-Thies Lehmann («Postdramatisches Theater»).Gerade die Auseinandersetzung mit Brechts «Fatzer»-Fragment hat Regisseure wie René Pollesch zu Theaterarbeiten angeregt, die wegweisend fürs zeitgenössische Theater sind. Im französischen Theater besinnt sich eine jüngere Generation von Theaterschaffenden gerade wieder auf Brechts Frühwerk.Bertolt Brecht, ein alter Hut? Von wegen! Wer die richtigen Geschichten erzählt und sich auf die unvoreingenommene Lektüre seines Werkes einlässt, findet in Bertolt Brecht einen Vordenker des heutigen Theaters. Und lernt gleichzeitig einen anderen Brecht kennen als den ideologisch vereinnahmten Staatsdichter oder den zahnlos gewordenen Kritiker aus den Schulbüchern.Buchhinweis:Hans-Thies Lehmann: Brecht Lesen. Theater der Zeit Verlag Berlin 2016
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