Die Jazzmusiker, Rocker und Rapper müssen es können, die „Klassiker“ scheinen es längst verlernt zu haben: das Improvisieren. Dabei wären auch sie oft genug gefordert, spontan zu (re)agieren.
Bitte nichts dazu erfinden, bitte keine Experimente, bitte Mozart genau so, wie er angeblich gemeint war: Die Welt der Klassik gilt als Hochamt der Notentreue. Für Spontaneität bleibt da oft kein Platz. Oder haben Sie es schon einmal erlebt, dass ein Orchestermusiker mitten im Konzert aufsteht und einfach spielt, was ihm gerade einfällt?
Das will Katrin Nussmayr auch von Wilhelm Sinkovicz wissen, der tatsächlich von einigen überraschenden Begebenheiten berichten kann: Denn eigentlich ist auch in der Klassik das Improvisieren eine wichtige Kunstfertigkeit. Nur wurde sie über die Jahrhunderte verlernt. Das Taktlos-Duo taucht also ein in die Freestyle-Gründe der Musikgeschichte – von Bachs Spontan-Challenge am Königshof über Komponisten-Duelle bis hin zu den Kadenzen bei Mozart und Beethoven. Diese waren nämlich nicht anderes als ein Aufruf zum Impro-Solo. Das steht auch bis heute in den Noten: Wer hier nicht „fantasieren“ kann, verstößt genau genommen gegen die Werktreue…
Es geht in dieser Podcast-Folge auch darum, wann (und warum) die Partitur zur heiligen Schrift und das Impromptu-Musizieren so undenkbar wurde – Stichwort „Kontrollwahn“. Und wo es trotzdem bis heute überlebt hat.
In „Klassik für Taktlose“ ergründen "Die Presse"-Feuilleton-Redakteurin Katrin Nussmayr und Klassikkritiker Wilhelm Sinkovicz gemeinsam die Welt der klassischen Musik: Braucht jedes Orchester einen Dirigenten? Warum verstört Richard Wagner so? Was war an Mozart eigentlich so toll? Wie viel Klassik steckt in „Bohemian Rhapsody“ oder Taylor Swift? Für musikalische Einsteiger und Klassik-Freunde, die’s ein wenig genauer wissen wollen.
Produktion: Wilhelm Sinkovicz / www.sinkothek.at
Audio-Finish: Georg Gfrerer / www.audio-funnel.com.