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Klassiker in der Literatur sind wie Bilder in einem Museum: einbalsamierte Kunst, überhöht und deshalb stillgelegt. Klassiker ärgern niemanden mehr. Schade eigentlich. Als kleine Sommerserie habe ich mir dieses Jahr deshalb vorgenommen, sechs Klassiker mit frischem Blick zu lesen. Nach Jeremias Gotthelf, Meinrad Inglin, Conrad Ferdinand Meyer, Johanna Spyri und Olga Meyer folgt zum Abschluss heute Gottfried Keller. In seiner Jugend war er ein radikaler politischer Rebell, der gegen die Obrigkeit aufbegehrte. Längst ist er zum Klassiker erstarrt, eine Marmorbüste im Eingangsbereich des Museums, auf der man achtlos seinen Hut deponiert. Doch Kellers Erzählungen über die Leute von Seldwyla hätten heute noch Sprengkraft. Zum Beispiel die letzte Novelle des zweiten Bandes: «Das verlorene Lachen» erzählt vordergründig die Geschichte einer Ehekrise. Die beiden Eheleute Justine und Jukundus Meyenthal flüchten sich beide in einen Wahn: Jukundus landet verbittert in populistischer Politik, Justine naiv in einer bigotten Religion. Gottfried Keller kritisiert mit seiner Erzählung den Kulturkampf und die Parteipolitik der 1870er Jahre in der Schweiz. Die Jahreszahl können Sie aber getrost vergessen: Seine Kritik ist heute genauso aktuell. Als interaktive Ergänzung habe ich dazu das «Sommerklassiker-Quiz» kreiert. Da können Sie Ihr eigenes Wissen über alle meine Sommerklassiker testen.
Matthias Zehnder ist Autor und Medienwissenschaftler in Basel. Er ist bekannt für inspirierende Texte, Vorträge und Seminare über Medien, die Digitalisierung und KI.
Website: https://www.matthiaszehnder.ch/
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Biografie und Publikationen: https://www.matthiaszehnder.ch/about/
Klassiker in der Literatur sind wie Bilder in einem Museum: einbalsamierte Kunst, überhöht und deshalb stillgelegt. Klassiker ärgern niemanden mehr. Schade eigentlich. Als kleine Sommerserie habe ich mir dieses Jahr deshalb vorgenommen, sechs Klassiker mit frischem Blick zu lesen. Letzte Woche habe ich mir die «Heidi»-Romane von Johanna Spyri vorgenommen. Diese Woche geht es um einen anderen Schweizer Kinderbuchklassiker: In «Anneli» beschreibt Olga Meyer 1918 das Leben eines Mädchens im Tösstal des 19. Jahrhunderts. Olga Meyer hat in der Erzählung die Kindheitserinnerungen ihrer Mutter Anna verarbeitet. Sie zeichnet ein authentisches Bild der damaligen Armut und Kinderarbeit. «Anneli» ist damit das Gegenstück zu «Heidi»: Heidi hüpft unbeschwert mit den Geissen über die Alp, ist weltberühmt, verkitscht, geliebt und omnipräsent. Anneli arbeitet sechs Tage die Woche in der dunklen Spinnereifabrik. Die Figur und das Buch von Olga Meyer sind weitgehend vergessen. In der fünften Folge meiner Sommerserie habe ich mich deshalb mit «Anneli» beschäftigt. Als interaktive Ergänzung habe ich dazu das «Sommerklassiker: Quiz» kreiert. Da können Sie Ihr eigenes Wissen über alle meine Sommerklassiker testen.
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Klassiker in der Literatur sind wie Bilder in einem Museum: einbalsamierte Kunst, überhöht und deshalb still gelegt. Klassiker ärgern niemanden mehr. Schade eigentlich. Als kleine Sommerserie habe ich mir dieses Jahr deshalb vorgenommen, sechs Klassiker mit frischem Blick zu lesen. Heute nehme ich mir Johanna Spyri vor. Ihr «Heidi» hat das Bild der Schweiz geprägt, auch das Bild, das sich die Schweizer von ihrem eigenen Land machen. Längst hat der Mythos Heidi den Roman von Johanna Spyri überlagert, ja mit Kitsch überwuchert. Wer all den bombastischen Ballast, die Serien und Zeichentrickfiguren, die Filme und Hörspiele und die ganze Werbung darum herum zur Seite schiebt, ist überrascht: Der Roman von Johanna Spyri (oder besser: die beiden «Heidi»-Romane) haben es in sich. Ich habe den Originaltext in meinen Sommerferien neu gelesen und gestaunt. «Heidi» ist für uns zum Hohelied der Alpen und des ursprünglichen Lebens in den Bergen erstarrt. Elemente davon kommen zwar im Originaltext vor, mir scheint aber, die zentrale Aussage ist eine ganz andere. In der vierten Folge meiner Sommerserie werfe ich deshalb einen frischen Blick auf «Heidi» von Johanna Spyri. Als interaktive Ergänzung habe ich dazu das «Sommerklassiker: Quiz» kreiert. Da können Sie Ihr eigenes Wissen über alle meine Sommerklassiker testen.
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Videobeschreibung woko2629Klassiker in der Literatur sind wie Bilder in einem Museum: einbalsamierte Kunst, überhöht und deshalb still gelegt. Klassiker ärgern niemanden mehr. Schade eigentlich. Als kleine Sommerserie habe ich mir dieses Jahr deshalb vorgenommen, sechs Klassiker mit frischem Blick zu lesen. Heute nehme ich mir Conrad Ferdinand Meyer vor. Sein Roman über den Bündner Freiheitskämpfer Jürg Jenatsch hat mir schon immer gefallen. Wenn man den Staub von der Geschichte bläst und die Bündner Romantik beiseite lässt, dreht sich der Roman aber um eine unbequeme Frage: Heiligt der Zweck die Mittel? Meyer stellt die Frage doppelt: Politisch in Bezug auf die Befreiung von Graubünden und moralisch in Bezug auf den Tyrannenmord. Spannend am Roman ist, dass Jenatsch eine ambivalente Figur ist: Er ist Befreier und Tyrann zugleich. Er bleibt seinem Vaterland treu, verrät aber seine Freunde, seine Werte, die Religion und seine Liebe. In der dritten Folge meiner Sommerserie werfe ich deshalb einen frischen Blick auf «Jürg Jenatsch» von Conrad Ferdinand Meyer. Als interaktive Ergänzung habe ich dazu das «Sommerklassiker: Quiz» kreiert. Da können Sie Ihr eigenes Wissen über alle meine Sommerklassiker testen.
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Klassiker in der Literatur sind wie Bilder in einem Museum: einbalsamierte Kunst, überhöht und deshalb still gelegt. Klassiker ärgern niemanden mehr. Schade eigentlich. Als kleine Sommerserie habe ich mir dieses Jahr deshalb vorgenommen, sechs Klassiker mit frischem Blick zu lesen. Diese Woche ist es Meinrad Inglin und sein Roman «Schweizerspiegel». Inglin erzählt anhand einer Familie die Geschichte der Schweiz von 1912 bis 1918 ab: vom Manöverbesuch Kaiser Wilhelms II. bis zum Landesstreik. Es sind sechs entscheidende Jahre für das Land: In dieser Zeit prägen die Bürger (die Bürgerinnen haben noch nichts zu sagen) des Landes das politische Koordinatensystem der Schweiz mit Nachwirkungen bis heute. Im Zentrum von Meinrad Inglins Roman steht eine reiche Zürcher Bürgerfamilie – und die Gründung jener Partei, die wir heute unter dem Namen SVP kennen.
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Klassiker in der Literatur sind wie Bilder in einem Museum: einbalsamierte Kunst, überhöht und deshalb still gelegt. Klassiker ärgern niemanden mehr. Schade eigentlich. Als kleine Sommerserie habe ich mir dieses Jahr deshalb vorgenommen, sechs Klassiker mit frischem Blick zu lesen. Den Anfang macht Jeremias Gotthelf. Er ist ein gutes Beispiel dafür, wie man einen streitbaren Autor ruhig stellt: Der Pfarrer aus dem Emmental gilt heute als pittoreskes Beispiel eines Erzählers aus dem Biedermeier. Doch seine Texte haben Sprengkraft, sind sozialkritisch, ja politisch. Ganz besonders gilt das für «Die schwarze Spinne», eine Novelle über den Teufel, das Emmental und die Fremden. Ich habe die Geschichte neu gelesen. Mir ist dabei eine Figur im Gedächtnis geblieben, die wir meistens falsch verstehen. Ich beginne meine Sommerserie deshalb mit einem frischen Blick auf diese schwarze Erzählung. Als interaktive Ergänzung habe ich dazu ein «Sommerklassiker: Quiz» kreiert. Da können Sie Ihr eigenes Wissen über Jeremias Gotthelf testen.
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Vielleicht kennen Sie das: Vor Ihnen liegt ein leeres, weisses Blatt. Sie starren auf das Blatt und fühlen sich zurückversetzt in die Schule: Matheprüfung, erste Aufgabe, keine Ahnung. Doch es geht nicht um Mathematik, es geht darum, den Anfang zu finden. Das Problem ist nicht das Blatt. Ein leerer Bildschirm kann genauso schlimm sein: Und höhnisch blinkt der Cursor … Ich sitze davor, wie das Kaninchen vor der berühmten Schlange. Versuche, den Cursor wegzustarren. Schaue durch das Blatt hindurch. Und plötzlich ist die Idee da. Die Hand beginnt zu schreiben, die Finger tanzen über das Keyboard, der Text fliesst nur so heraus. Zwei, drei Seiten in einem Zug. Dann taucht man aus dem Text auf wie Mark Spitz aus dem Wasser nach 100 Meter Butterfly – und hat nicht die geringste Ahnung, wie viel Zeit verstrichen ist. 10 Minuten? 15 Minuten? Was: Eine Stunde? Unmöglich! Das ist der Flow, das Gefühl einer nahezu mühelosen, fliessenden Bewegung, bei der Körper und Geist harmonisch zusammenarbeiten. Handlung und Bewusstsein verschmelzen, man denkt nicht mehr über sein Tun nach. Spitzensportler kennen das gut. Aber nicht nur Skirennfahrer und Marathonläufer können in einen Flow kommen, sondern auch Geistesarbeiter. Wie das geht, hat der japanische Schriftsteller Haruki Murakami in einem Buch beschrieben: «Wovon ich rede, wenn ich von Laufen rede» heisst es. Laufen und Schreiben haben tatsächlich mehr miteinander zu tun, als man meint. Ich habe deshalb die aktuelle Flow-Forschung und Haruki Murakamis Buch über das Laufen zu einem kleinen Denkwerkzeug verbunden: Mein «Taktgeber» hilft Ihnen, beim Schreiben in den Flow zu kommen.Videobeschreibung wok02626
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Vermutlich ist das wichtigste Gespräch, das Sie heute geführt haben, das Gespräch mit Ihnen selbst. Gemeint ist damit kein brabbelndes Selbstgespräch, sondern das, was der russische Psychologe Lev Semjonowitsch Vygotski «inneres Sprechen» genannt hat. Das sind keine elaborierten Dialoge, sondern ein bruchstückhaftes Versprachlichen von Gedanken und Handlungen. Dem Gehirn kommt es dabei nicht auf die Grammatik an, sondern nur auf den Sinn, den emotionalen und inhaltlichen Gehalt der Wörter. Für unser Denken und Verhalten ist das ein fundamental wichtiges kognitives Werkzeug. Das innere Sprechen unterstützt das Gehirn bei seiner Arbeit. Es strukturiert Inhalte im Arbeitsgedächtnis, erleichtert uns den Wechsel zwischen verschiedenen Rollen und Aufgaben und hilft dabei, impulsive Reaktionen zu hemmen. Besonders wichtig ist es für das Schreiben: In der Ideenfindungsphase durchsuchen wir beim inneren Sprechen unser Gedächtnis und formen Konzepte. Genau da grätscht heute die KI auf eine Art und Weise in den Prozess, die einem Gennaro Gattuso zur Ehre gereichen würde: Mit ihren Textvorschlägen unterbricht die KI den internen Ideenfindungsprozess und mischt sich rustikal ins innere Gespräch ein. Statt dass wir uns selbst befragen und herausfinden, was wir darüber denken, geht es immer häufiger nur noch um die Frage «Stimme ich dem Vorschlag der KI zu?» Der Autor wird vom Kreator zum blossen Evaluator. Ich habe Ihnen deshalb ein Denkwerkzeug gebaut, das Ihnen hilft, dem inneren Sprechen beim Schreiben auf die Spur zu kommen und forschungsbasierte Tipps für den guten Einsatz der KI beim Schreiben zusammengestellt.
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Videobeschreibung Wenn Sie sich auch nur ein bisschen auskennen in der deutschen Literatur, genügen Ihnen zwei, drei Sätze, um einen Text von Thomas Mann, von Franz Kafka, von Thomas Bernhard oder von Peter Stamm zu erkennen. Obwohl alle vier in derselben Sprache schreiben, drücken sie sich völlig unterschiedlich darin aus. Anders gesagt: Ihr Sprachstil unterscheidet sich. Auf Englisch spricht man von der eigenen Stimme, «his own voice». Das ist ein schöner Ausdruck: Mein eigener Sprachstil ist tatsächlich meine eigene Stimme. Diese individuelle sprachliche Stimme ist keine Einbildung: Der Sprachstil lässt sich mathematisch vermessen. Wie gut das funktioniert, zeigte 2013 der Fall um den Roman «The Cuckoo’s Calling», also: Der Ruf des Kuckucks, von einem Autor namens Robert Galbraith. Bald wurde gemunkelt, es handle sich dabei um ein Pseudonym von J.K. Rowling. Ein amerikanischer Computerlinguist analysierte die Sprache des Romans und verglich ihn mit J.K. Rowlings Büchern und mit Werken anderer Krimiautorinnen. Die sprachstatistische Analyse zeigte, dass der Roman stilistisch deutlich näher bei J.K. Rowling lag als bei jeder der Vergleichsautorinnen. Wir alle erzeugen beim Schreiben offenbar einen eindeutigen sprachlichen Fingerabdruck, eine Sprachsignatur, die unseren Stil oder eben: unsere sprachliche Stimme ausmacht. Doch diese eigene Stimme ist in Gefahr: Die redigierende und korrigierende KI mittet Sprache ein und bügelt Eigenheiten weg. Wir hinterlassen sprachlich keine Fingerabdrücke mehr – es ist, als würden wir alle Plastikhandschuhe tragen beim Schreiben. Ich zeige Ihnen deshalb diese Woche, welche Elemente den eigenen Sprachstil ausmachen und ich biete Ihnen mit meinem Stil-O-Meter ein digitales Werkzeug, mit dem Sie Ihren eigenen Sprachstil vermessen und verbessern können.woko2624
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Haben Sie schon einmal versucht, eine Katze zu fotografieren? Sie nähern sich der Katze mit der Kamera oder dem Handy, rufen ihren Namen und versuchen sie dazu zu bringen, direkt ins Objektiv zu blicken. Ein Bild, auf dem die Katzenaugen einen direkt anschauen, wäre faszinierend. Doch nach kürzester Zeit gleitet der Blick der Katze ab. Sie schaut an einem vorbei, dreht die Ohren nach dem Piepen eines Vogels und dann gähnt sie auch noch. Alles Rufen, Schnalzen und Schmeicheln hilft nichts, die Katze scheint nicht interessiert. Genauso geht es mir immer häufiger, wenn ich mit Menschen rede. Am Anfang ist die Aufmerksamkeit da, doch sie lässt schnell nach und wendet sich sofort dem Piepen des Mobiltelefons zu, wenn es einen Laut von sich gibt. Jahrelang war davon die Rede, dass Aufmerksamkeit die wichtigste Währung ist im Internet und auf dem Handy. Doch in unseren Köpfen scheint sich dabei etwas Zentrales verschoben zu haben. Das bestätigen gleich mehrere Studien. Dabei geht es interessanterweise nicht einfach darum, dass sich viele Menschen nicht mehr auf etwas konzentrieren können, sie haben vor allem die Fähigkeit verloren, den Überblick zu gewinnen. Rainer Maria Rilke beschreibt diese breite Wahrnehmung der Welt in wunderbaren Worten. Was passiert mit uns, wenn wir unsere Aufmerksamkeit verlieren? Mit einem kleinen Denkwerkzeug biete ich Ihnen diese Woche die Möglichkeit, wissenschaftlich fundiert zu testen, wie es um Ihre eigene Aufmerksamkeit bestellt ist.
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