Nach großen Rollen in Filmen wie „Grüße aus Fukushima“, „Eine unerhörte Frau“ oder „Die Känguru-Chroniken“ nimmt sie die Geschichten, die sie erzählen will, jetzt selbst in die Hand. Für „Lügen über meine Mutter“ hat sie den Roman von Daniela Dröscher für das Kino adaptiert und sich die Hauptrolle selbst geschrieben. Sie spielt Cornelia, eine Frau, deren Ehemann ihren Körper zum Problem erklärt und damit Macht über sie ausübt. „Es geht nicht darum, dass die Frau mehrgewichtig ist und dem Mann das nicht passt“, sagt Rosalie Thomass. „Es geht darum, dass die Frau existiert und dass dem Mann das nicht passt.“
Eine Frau, die ihren Platz mit großer Selbstverständlichkeit beansprucht, spielt Rosalie Thomass auch in ihrer neuen Rolle im Franken-„Tatort“. Als Kriminalhauptkommissarin Emmi Rathgeber tritt sie an die Seite von Fabian Hinrichs. Schon bei ihrem ersten Auftritt im Nürnberger Großraumbüro verändern sich die Kräfteverhältnisse. Die Neue wartet nicht ab, bis ihr jemand einen Platz anbietet. Sie nimmt sich den Raum.„Wir profitieren sehr davon, dass wir uns gegenseitig überraschen können und wollen“, sagt Thomass über die Zusammenarbeit mit Hinrichs.
„Lügen über meine Mutter“ erzählt von Bodyshaming, ungewollter Mutterschaft und finanzieller Abhängigkeit. Themen, die für Rosalie Thomass keineswegs erledigt sind. Sie ist selbst bei einer alleinerziehenden Mutter aufgewachsen: „Strukturell ist das wirklich die komplette Arschkarte. Und daran hat sich gar nichts verbessert.“ Noch immer seien vor allem Mütter benachteiligt. Deshalb müsse auch darüber gesprochen werden dürfen, was Mutterschaft politisch, gesellschaftlich und wirtschaftlich für Frauen bedeutet.
Gefragt, ob der feministische Kampf inzwischen nicht an vielen Stellen gewonnen sei, verweist sie auf Femizide und Gewalt gegen Frauen. Hinzukommen Schönheitsnormen und Körperbilder der Gegenwart, die Rosalie Thomass als Teil eines Systems versteht, in dem Frauen lernen, mit ihrem Körper unzufrieden zu sein. Dieses Spiel könne keine gewinnen. Andererseits, wenn jemand ihren Körper kommentieren wolle, sei das nicht ihr Problem. „Dafür braucht man einen widerspenstigen Grundcharakter – und den habe ich zum Glück.“
Eine Sendung von Carsten Tesch
Redaktion: Gabriele Bischoff