Die Geheimrede Chruschtschows, gehalten am 25. Februar 1956 auf dem XX. Parteitag der KPdSU, war der vorläufige Höhepunkt der Entstalinisierungsbemühungen nach dem Tod Stalins, zu denen die Separierung von Innenministerium und Staatssicherheit ebenso gehörten, wie vorzeitige Haftentlassungen. Chruschtschows Politik und seine Stalinkritik blieben jedoch inkonsequent. Am Leninschen Prinzip der Alleinherrschaft der Partei rüttelte er in keiner Weise - im Gegenteil. Dennoch regte sich in der Folge bei vielen Menschen eine gewisse Hoffnung auf eine liberalere Politik. Die Partei- und Staatsbürokratie verzögerte bzw. verhinderte die Reformbestrebungen. In Ländern wie Ungarn oder Polen wurde die Geheimrede Chruschtschows als Ermutigung für den Beginn bzw. die konsequente Fortsetzung eigener Entstalinisierungsansätze und der Zurückgewinnung der nationalen Souveränität interpretiert. Einsetzende Demonstrationen und Massenproteste ließ Chruschtschow von sowjetischen Truppen brutal niedergeschlagen. Die SED-Führung unter Ulbricht und Pieck wies die Stalinkritik Chruschtschows innerlich zurück. Eine breite Debatte über die Beschlüsse und die Geheimrede des XX. Parteitages unterbindend, verfolgte die SED-Führung nach der Niederschlagung der Proteste in Polen und Ungarn Kritiker in und außerhalb der SED. Obwohl alle politischen Reformbemühungen Mitte der 1950er Jahre scheiterten, sahen sich die nachfolgend Regierenden gezwungen, ihr Handeln stärker von dem Stalins abzusetzen. Wesentlicher ist jedoch, dass die Geheimrede die antistalinistische Kommunikation in der Gesellschaft einleitete, die bis zu Chruschtschows Sturz 1964 relativ offen, anschließend im Untergrund geführt wurde. Feature von Meinhard StarkMit: Ulrike Krumbiegel, Sergej Gladkich, Thomas Stecher, Martin Seifert, Alexander BrabandtSchnitt: Hans-Peter RuhnertTon: Holger KliemchenRegie: Sabine RanzingerProduktion: Mitteldeutscher Rundfunk 2006Verfügbar bis 16. Februar 2027