Archivradio – Geschichte im Original

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Archivradio – Geschichte im Original episodes

  • Annemarie Renger kandidiert als erste Frau für das Amt des Bundespräsidenten | 22.5.1979
    Wahl des Bundespräsidenten 1979
    1979 regiert die SPD mit der FDP. Helmut Schmidt ist Bundeskanzler. Im Mai steht die Wahl des Bundespräsidenten an. Der wird von der Bundesversammlung gewählt – ein Gremium aus Bundestag und gewählten Vertretern der Länder. Wegen der Mehrheitsverhältnisse in den Bundesländern hat dort allerdings die Union eine absolute Mehrheit. Die Union legt sich früh darauf fest, Bundestagspräsident Karl Carstens zu nominieren.
    Annemarie Renger: kurzfristig von der SPD nominiert
    SPD und FDP sprechen zwar über einen möglichen gemeinsamen Kandidaten oder Kandidatin für das Amt, werden sich aber nicht einig. Und so ernennt die SPD sehr kurzfristig – am Tag vor der Wahl – Annemarie Renger (1919 - 2008) zur Kandidatin. Renger genießt hohes Ansehen, sie war von 1972 bis 1976 ebenfalls Bundestagspräsidentin – und sogar weltweit die erste Frau an der Spitze eines demokratisch gewählten Parlaments. Kaum nominiert, wird sie im WDR von Klaus-Jürgen Haller interviewt.
    Renger unterliegt dem Unions-Kandidaten Karl Carstens
    Erwartungsgemäß unterliegt Annemarie Renger bei der Wahl am folgenden Tag dem Kandidaten der Union, Karl Carstens. Sie bekommt 431 stimmen, Carstens 528. Hätte sie es geschafft, hätte schon 1979 eine Frau das höchste Amt im Staat bekleidet.
    8 min
  • Gerhard Schröder verknüpft Bundeswehreinsatz in Afghanistan mit Vertrauensfrage | 6.11.2001
    USA starten "Krieg gegen den Terror"
    Als Reaktion auf die Terroranschläge vom 11. September 2001 greifen die USA wenige Wochen später im Oktober Stellungen der Taliban in Afghanistan an. Es ist der Beginn des sogenannten "Krieg gegen den Terror". Und für den fordert die US-amerikanische Regierung internationale Unterstützung an – unter anderem von Deutschland.
    Der rot-grünen Regierung unter Gerhard Schröder (SPD) beschert diese Bitte eine Regierungskrise. Einige Abgeordnete, vor allem der Grünen, sind gegen einen Militäreinsatz der Bundeswehr in Afghanistan und wollen sich bei einer Abstimmung im Bundestag verweigern. In den folgenden Wochen wird auf politischer Ebene hitzig über das Für und Wider des Einsatzes diskutiert.
    Bundeskanzler Gerhard Schröder macht am 6. November 2001 die Bitte der US-Regierung öffentlich und erinnert an sein Versprechen, stets zu den USA zu stehen.
    Gerhard Schröder stellt die Vertrauensfrage
    Bundeskanzler Gerhard Schröder knüpft die Frage, ob sich Deutschland an der US-Operation "Enduring Freedom" in Afghanistan beteiligen soll, an die Vertrauensfrage. Am 16. November 2001 erhält er im Parlament eine knappe Mehrheit der Stimmen.
    Einige Wochen später, am 22. Dezember 2001, beschließt der Bundestag, dass sich deutsche Truppen außerdem beteiligen sollen an der ISAF Friedensmission der Vereinten Nationen in Afghanistan. Dafür bekommt die Regierung eine deutliche Koalitionsmehrheit.
    Quelle: SWR1 Tagesthema
    6 min
  • Die Sandoz-Katastrophe und die Folgen | 1. bis 8.11.1986
    Großbrand im Industriegebiet Schweizerhalle
    Kurz nach Mitternacht bricht am 1. November 1986 in einer Großhalle des Basler Chemiekonzerns Sandoz ein Großbrand aus. Mehr als 1.000 Tonnen Chemikalien – hauptsächlich Pflanzenschutzmittel – lagern in dieser Halle. Die Chemikalien gelangen ins Freie, verpesten die Luft in Basel und eine Giftwelle ergießt sich in den Rhein.
    Interessant ist, wie unterschiedlich über diese Katastrophe berichtet wurde. Während der Korrespondent im ersten Bericht des Südwestfunks ausführlich die offenen Fragen und noch ausstehenden Gefahren benennt, wiegelt der Reporter im Westdeutschen Rundfunk eher ab. Zwar stinke es noch, aber sonst sei nicht viel passiert, und die Schüler würden sich freuen, weil die Schule ausfällt.
    Giftwelle erreicht den Rhein
    Eine Woche später zeigen sich längst die Folgen. Die Giftwelle hat inzwischen auch das Rheinland erreicht. WDR-Reporterin Bettina Böttinger – die später als Fernsehmoderatorin bekannt werden sollte – schildert zunächst die Lage. Der nordrhein-westfälische Umweltminister Klaus Matthiesen kritisiert den teils laxen Umgang der Industrie-Unternehmen am Rhein mit solchen Risiken.
    Insgesamt führt die Sandoz-Katastrophe dazu, dass die grenzüberschreitenden Warnsysteme über ein Aktionsprogramm verbessert wurden.
    Mehr zur Geschichte der Ökologiebewegung
    17 min
  • DDR bürgert Wolf Biermann aus | 15. und 16.11.1976
    Im November 1976 ist der Ost-Berliner Liedermacher Wolf Biermann auf Tournee in der Bundesrepublik. Am 13. November gibt er ein Konzert in Köln, am 16. November ist eins in Bochum geplant.
    Ausbürgerung wegen "grober Verletzungen der staatsbürgerlichen Pflichten"
    Doch zwischen beiden Konzerten kommt die Nachricht, dass die DDR Wolf Biermann nicht wieder zurücklassen will. Er ist ausgebürgert, wegen angeblich "grober Verletzungen der staatsbürgerlichen Pflichten".
    Wolf Biermann hat die DDR-Führung immer wieder kritisiert, bekennt sich aber zur DDR als Staat, in dem er leben wolle – trotz des damals schon mehr als zehn Jahre bestehenden Auftrittsverbots.
    Bei seinem Konzert in Köln ist er erkennbar aus der Übung. Das räumt er auch ein, wie im Konzertbericht vom 15. November zu hören ist.
    Am 16. November vermelden die DDR-Nachrichten die Ausbürgerung und begründen das mit Biermanns "feindlichem Auftreten gegenüber der Deutschen Demokratischen Republik". Das an dem Tag geplante Konzert in Bochum sagt Biermann daraufhin ab.
    10 min
  • Die NSDAP droht und verlässt das Parlament | 9.2.1931 | Reichstag vor Hitler
    Nach der 18. Sitzung am Freitag folgte am Sonnabend, den 7. Februar 1931, die 19. Sie endete mit einer Abstimmung über einen Misstrauensantrag und ist nicht im Originalton überliefert.
    Am Montag darauf sind gleich zwei Sitzungen verzeichnet, nämlich die 20. und 21. Zur Vorlage steht Antrag 698, dem zu Folge "Finanzvorlagen ohne Beratung dem Haushaltsausschuss überwiesen [werden], wenn nicht die Reichsregierung einer abweichenden Behandlung zustimmt." Besonders turbulente Passagen der Debatte sind akustisch in Ausschnitten überliefert.
    Rede des NSDAP-Gegners Johannes Bell wird ausgeblendet
    Der Reichstagspräsident versucht vergeblich, die Abgeordneten zurück auf ihre Sitze zu rufen und Ruhe einkehren zu lassen. Dann spricht der Zentrumsabgeordnete Johannes Bell. Bell hatte 12 Jahre zuvor den Versailler Kapitulationsvertrag mit unterschrieben und deswegen scharfe Gegner bei den Nationalsozialisten. Die Rede wurde im Originalmitschnitt ausgeblendet.
    Nationalsozialisten singen das Horst-Wessel-Lied und verlassen den Saal
    Es folgt der Nationalsozialist Franz Stöhr. Er warnt die "Weltöffentlichkeit", dieses Parlament noch ernst zu nehmen und droht den Vertretern des Zentrums wörtlich: "Es kommt der Tag, und er kommt sehr bald, an dem Ihnen für Ihr schamloses Verhalten die Quittung ausgestellt werden wird, die Sie verdienen! Wir verlassen zum Protest gegen Ihre Handlungsweise den Saal." Während die von Stöhr geführten Abgeordneten aufstehen, rufen sie "Heil!" und singen die NS-Hymne, das Horst-Wessel-Lied. Die kommunistische Fraktion fängt dann auch an zu skandieren, nämlich "Prolet erwache!"
    Die Redner:
    Hans Bell (Zentrum)
    Paul Löbe (Reichstagspräsident)
    Franz Stöhr (NSDAP)
    Walter Stoecker (KPD)
    Thomas Esser (Vizepräsident)
    5. Wahlperiode. 1931/32
    6 min
  • Tumulte und Streit um "Katholikenhetze" | 6.2.1931 | Reichstag vor Hitler
    Dies ist die zweite Aufzeichnung dieser Wahlperiode, der 18. Sitzung vom Freitag, den 6. Februar 1931.
    Der Zentrums-Abgeordnete Josef Joos greift den Domprediger Bruno Doehring von der Deutschnationalen Volkspartei an, weil er gegen Katholiken hetze und der Zentrumspartei Linkslastigkeit vorwerfe.
    Nach Tumulten und dem Ausschluss mehrerer Abgeordneter durch Reichstagspräsident Paul Löbe (SPD) fährt Josef Joos mit einem Plädoyer für Gewaltlosigkeit fort. Er fordert eine politische Kultur, die keine "Zerstörungsinstinkte" beim Mob auf der Straße wecke, sondern ihre Arbeit tue.
    Redner
    • Josef Joos (Zentrum)
    • Paul Löbe (Reichstagspräsident, SPD)
    5. Wahlperiode. 1931/32
    Reichstag vor Hitler – alle Aufnahmen und Hintergründe
    15 min
  • Haushalt des Deutschen Reichs wird verhandelt | 5.2.1931 | Reichstag vor Hitler
    Die fünfte Wahlperiode stellt einen dramatischen Wendepunkt dar. Noch funktioniert die Weimarer Demokratie, aber der Schatten Hitlers schwebt bereits über dem Parlament.
    Aus dieser Wahlperiode sind Tonaufzeichnungen von 18 Sitzungen erhalten: Keine ist komplett, sie alle enthalten aber entscheidende Momente des jeweiligen Tages. Die erste Aufnahme stammt von der 17. Sitzung, vom 5. Februar 1931, einem Donnerstag.
    Reichskanzler Brüning über die Landwirtschaft im Osten des Reichs
    Der Haushalt des Deutschen Reichs wird verhandelt. Der Zentrums-Abgeordnete und Reichskanzler Heinrich Brüning hält ein "Ermächtigungsgesetz" (nicht zu verwechseln mit dem Ermächtigungsgesetz der Nationalsozialisten zwei Jahre später) für nötig, um den Haushalt mit seinen drastischen Sparmaßnahmen zu verabschieden. Er geht in seiner mehrfach von Kommunisten und Nationalsozialisten unterbrochenen Rede insbesondere auf die darniederliegende Landwirtschaft im Osten des Reichs ein und pocht darauf, die Reparaturleistungen an die Siegermächte des Ersten Weltkriegs zu begleichen.
    Der NSDAP-Abgeordnete Joseph Goebbels, später Hitlers Propagandaminister, wirft dem Brüning-Kabinett Versagen auf der ganzen Linie vor. Zwei Jahre später ist die Demokratie abgeschafft.
    Die Redner
    Paul Löbe (Reichstagspräsident)
    Heinrich Brüning (Reichskanzler)
    Franz Stöhr (NSDAP)
    Joseph Goebbels (NSDAP)
    Reichstag vor Hitler – alle Aufnahmen und Hintergründe
    32 min
  • Paul Löbe wirbt für Parlamentsdebatten im Radio | 12.6.1930 | Reichstag vor Hitler
    Von den Reichstagsdebatten der 1920er-Jahre existieren keine Aufnahmen. Erst seit 1930 wurden sie auf Wachswalzen festgehalten. Aber soll man sie im Rundfunk übertragen?
    Viele Abgeordnete sind 1930 noch dagegen. Doch Paul Löbe, SPD-Politiker und seit 1925 Reichstagspräsident, spricht sich dafür aus. So auch in dieser Aufnahme vom 12. Juni 1930, in der er auf die Argumente der Gegner eingeht.
    Durchsetzen kann sich Paul Löbe letztlich nicht: Zwar werden die Debatten von nun an auf Wachswalzen festgehalten, doch die Übertragung im Rundfunk lehnt der Ältestenrat ab.
    1932 kommt es zu einem regelrechten Eklat, als Abgeordnete der Deutschen Nationalen Volkspartei erfahren, dass eine Rede von Reichskanzler Brüning im Rundfunk übertragen wurde.
    Reichstag vor Hitler – alle Aufnahmen und Hintergründe
    6 min
  • Vordenker von gewaltfreiem Aufstand und zivilem Ungehorsam – Interview mit Theodor Ebert | 17.6.1969
    Gewaltfreier Widerstand und ziviler Ungehorsam sind heute gängige Konzepte von Protestbewegungen. Im deutschsprachigen Raum hat sie vor allem der Politikwissenschaftler Theodor Ebert (*1937) propagiert, auch wenn es solche Widerstandsformen schon vorher gab. Stichwort: Gandhi.
    Theodor Eberts Gedanken fallen 1968 auf fruchtbaren Boden
    Über diese Protestformen schrieb Theodor Ebert 1965 eine wissenschaftliche Dissertation. Erstmal blieb sie im akademischen Raum. Doch 1968 erscheint sie als Buch mit dem Titel "Gewaltfreier Aufstand – Alternative zum Bürgerkrieg". Da in diesem Jahr die 68er-Studentenbewegung richtig Fahrt aufnimmt, fällt es auf einen äußerst fruchtbaren Boden. Es wird in den Folgejahren von Bürgerinitiativen dankbar aufgenommen, von der Umwelt-, der Friedens- und anderen Protestbewegungen – bis heute.
    Am 17. Juni 1969 – am 16. Jahrestag des Aufstands in der DDR – sendet der Saarländische Rundfunk ein einstündiges Interview mit Theodor Ebert in seiner legendären Reihe "Fragen an den Autor".
    An mehreren Stellen im Zusammenhang mit der Schwarzen Bürgerrechtsbewegung in den USA benutzen die Gesprächspartner das sogenannte N-Wort. Heute gilt der Begriff als rassistisch, Ende der 1960er-Jahre war diese Ausdrucksweise durchaus geläufig, kann aber beim Anhören irritieren.
    1 hr 3 min
  • Hannah Arendt und die "Banalität des Bösen" | 9.11.1964
    Hannah Arendt beobachtet Prozess gegen Adolf Eichmann
    Hannah Arendt (1906 – 1975) ist eine der bekanntesten deutschen Philosophinnen des 20. Jahrhunderts. Die einstige Heidegger-Schülerin wurde einer breiten Öffentlichkeit Anfang der 1960er-Jahre bekannt, für ihre Berichte vom Prozess gegen den ehemaligen NS-Obersturmbannführer Adolf Eichmann. Eichmann wurde 1961 in Jerusalem zum Tod verurteilt. Kurz danach begannen auch die berühmten Frankfurter Auschwitzprozesse, und 1963 erschien Hannah Arendts Buch "Eichmann in Jerusalem – Ein Bericht von der Banalität des Bösen". Diese Banalität des Bösen wurde zum geflügelten Wort und spielt auch in diesem Gespräch eine zentrale Rolle.
    Gespräch mit Joachim Fest am Jahrestag der Reichspogromnacht
    Auch der Interviewer ist erwähnenswert: Es ist Joachim Fest, bekannt als ehemaliger Mitherausgeber der FAZ und Autor von Biografien über Hitler und über dessen Chefarchitekten und Rüstungsminister Albert Speer. Doch hier, im November 1964, war er noch Redakteur im NDR; das Interview führt er aber im Auftrag des Südwestfunks. Es wird am 35. Jahrestag der Reichspogromnacht gesendet. Die Aufnahme beginnt mit der damaligen Anmoderation.
    Der 2025 verstorbene Publizist Micha Brumlik sagte im SWR-Gespräch über das Interview: "So recht Hannah Arendt im Grundsätzlichen hat, hat doch die historische Forschung inzwischen herausgefunden, dass sie sich in Adolf Eichmann getäuscht hat. Das war nicht nur ein Funktionär, sondern ein hasserfüllter und ressentimentgeladener Antisemit. Er hat damals in Jerusalem, flapsig gesprochen, eine Show abgezogen, auf die Arendt hereingefallen ist."
    53 min

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Historische Aufnahmen und Radioberichte von den ersten Tonaufzeichnungen bis (fast) heute. Das Archivradio der ARD macht Geschichte hör- und die Stimmung vergangener Jahrzehnte fühlbar. Präsentiert…

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