Archivradio – Geschichte im Original

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Archivradio – Geschichte im Original episodes

  • Tumulte und Streit um "Katholikenhetze" | 6.2.1931 | Reichstag vor Hitler
    Dies ist die zweite Aufzeichnung dieser Wahlperiode, der 18. Sitzung vom Freitag, den 6. Februar 1931.
    Der Zentrums-Abgeordnete Josef Joos greift den Domprediger Bruno Doehring von der Deutschnationalen Volkspartei an, weil er gegen Katholiken hetze und der Zentrumspartei Linkslastigkeit vorwerfe.
    Nach Tumulten und dem Ausschluss mehrerer Abgeordneter durch Reichstagspräsident Paul Löbe (SPD) fährt Josef Joos mit einem Plädoyer für Gewaltlosigkeit fort. Er fordert eine politische Kultur, die keine "Zerstörungsinstinkte" beim Mob auf der Straße wecke, sondern ihre Arbeit tue.
    Redner
    • Josef Joos (Zentrum)
    • Paul Löbe (Reichstagspräsident, SPD)
    5. Wahlperiode. 1931/32
    Reichstag vor Hitler – alle Aufnahmen und Hintergründe
    15 min
  • Haushalt des Deutschen Reichs wird verhandelt | 5.2.1931 | Reichstag vor Hitler
    Die fünfte Wahlperiode stellt einen dramatischen Wendepunkt dar. Noch funktioniert die Weimarer Demokratie, aber der Schatten Hitlers schwebt bereits über dem Parlament.
    Aus dieser Wahlperiode sind Tonaufzeichnungen von 18 Sitzungen erhalten: Keine ist komplett, sie alle enthalten aber entscheidende Momente des jeweiligen Tages. Die erste Aufnahme stammt von der 17. Sitzung, vom 5. Februar 1931, einem Donnerstag.
    Reichskanzler Brüning über die Landwirtschaft im Osten des Reichs
    Der Haushalt des Deutschen Reichs wird verhandelt. Der Zentrums-Abgeordnete und Reichskanzler Heinrich Brüning hält ein "Ermächtigungsgesetz" (nicht zu verwechseln mit dem Ermächtigungsgesetz der Nationalsozialisten zwei Jahre später) für nötig, um den Haushalt mit seinen drastischen Sparmaßnahmen zu verabschieden. Er geht in seiner mehrfach von Kommunisten und Nationalsozialisten unterbrochenen Rede insbesondere auf die darniederliegende Landwirtschaft im Osten des Reichs ein und pocht darauf, die Reparaturleistungen an die Siegermächte des Ersten Weltkriegs zu begleichen.
    Der NSDAP-Abgeordnete Joseph Goebbels, später Hitlers Propagandaminister, wirft dem Brüning-Kabinett Versagen auf der ganzen Linie vor. Zwei Jahre später ist die Demokratie abgeschafft.
    Die Redner
    Paul Löbe (Reichstagspräsident)
    Heinrich Brüning (Reichskanzler)
    Franz Stöhr (NSDAP)
    Joseph Goebbels (NSDAP)
    Reichstag vor Hitler – alle Aufnahmen und Hintergründe
    32 min
  • Paul Löbe wirbt für Parlamentsdebatten im Radio | 12.6.1930 | Reichstag vor Hitler
    Von den Reichstagsdebatten der 1920er-Jahre existieren keine Aufnahmen. Erst seit 1930 wurden sie auf Wachswalzen festgehalten. Aber soll man sie im Rundfunk übertragen?
    Viele Abgeordnete sind 1930 noch dagegen. Doch Paul Löbe, SPD-Politiker und seit 1925 Reichstagspräsident, spricht sich dafür aus. So auch in dieser Aufnahme vom 12. Juni 1930, in der er auf die Argumente der Gegner eingeht.
    Durchsetzen kann sich Paul Löbe letztlich nicht: Zwar werden die Debatten von nun an auf Wachswalzen festgehalten, doch die Übertragung im Rundfunk lehnt der Ältestenrat ab.
    1932 kommt es zu einem regelrechten Eklat, als Abgeordnete der Deutschen Nationalen Volkspartei erfahren, dass eine Rede von Reichskanzler Brüning im Rundfunk übertragen wurde.
    Reichstag vor Hitler – alle Aufnahmen und Hintergründe
    6 min
  • Vordenker von gewaltfreiem Aufstand und zivilem Ungehorsam – Interview mit Theodor Ebert | 17.6.1969
    Gewaltfreier Widerstand und ziviler Ungehorsam sind heute gängige Konzepte von Protestbewegungen. Im deutschsprachigen Raum hat sie vor allem der Politikwissenschaftler Theodor Ebert (*1937) propagiert, auch wenn es solche Widerstandsformen schon vorher gab. Stichwort: Gandhi.
    Theodor Eberts Gedanken fallen 1968 auf fruchtbaren Boden
    Über diese Protestformen schrieb Theodor Ebert 1965 eine wissenschaftliche Dissertation. Erstmal blieb sie im akademischen Raum. Doch 1968 erscheint sie als Buch mit dem Titel "Gewaltfreier Aufstand – Alternative zum Bürgerkrieg". Da in diesem Jahr die 68er-Studentenbewegung richtig Fahrt aufnimmt, fällt es auf einen äußerst fruchtbaren Boden. Es wird in den Folgejahren von Bürgerinitiativen dankbar aufgenommen, von der Umwelt-, der Friedens- und anderen Protestbewegungen – bis heute.
    Am 17. Juni 1969 – am 16. Jahrestag des Aufstands in der DDR – sendet der Saarländische Rundfunk ein einstündiges Interview mit Theodor Ebert in seiner legendären Reihe "Fragen an den Autor".
    An mehreren Stellen im Zusammenhang mit der Schwarzen Bürgerrechtsbewegung in den USA benutzen die Gesprächspartner das sogenannte N-Wort. Heute gilt der Begriff als rassistisch, Ende der 1960er-Jahre war diese Ausdrucksweise durchaus geläufig, kann aber beim Anhören irritieren.
    1 hr 3 min
  • Hannah Arendt und die "Banalität des Bösen" | 9.11.1964
    Hannah Arendt beobachtet Prozess gegen Adolf Eichmann
    Hannah Arendt (1906 – 1975) ist eine der bekanntesten deutschen Philosophinnen des 20. Jahrhunderts. Die einstige Heidegger-Schülerin wurde einer breiten Öffentlichkeit Anfang der 1960er-Jahre bekannt, für ihre Berichte vom Prozess gegen den ehemaligen NS-Obersturmbannführer Adolf Eichmann. Eichmann wurde 1961 in Jerusalem zum Tod verurteilt. Kurz danach begannen auch die berühmten Frankfurter Auschwitzprozesse, und 1963 erschien Hannah Arendts Buch "Eichmann in Jerusalem – Ein Bericht von der Banalität des Bösen". Diese Banalität des Bösen wurde zum geflügelten Wort und spielt auch in diesem Gespräch eine zentrale Rolle.
    Gespräch mit Joachim Fest am Jahrestag der Reichspogromnacht
    Auch der Interviewer ist erwähnenswert: Es ist Joachim Fest, bekannt als ehemaliger Mitherausgeber der FAZ und Autor von Biografien über Hitler und über dessen Chefarchitekten und Rüstungsminister Albert Speer. Doch hier, im November 1964, war er noch Redakteur im NDR; das Interview führt er aber im Auftrag des Südwestfunks. Es wird am 35. Jahrestag der Reichspogromnacht gesendet. Die Aufnahme beginnt mit der damaligen Anmoderation.
    Der 2025 verstorbene Publizist Micha Brumlik sagte im SWR-Gespräch über das Interview: "So recht Hannah Arendt im Grundsätzlichen hat, hat doch die historische Forschung inzwischen herausgefunden, dass sie sich in Adolf Eichmann getäuscht hat. Das war nicht nur ein Funktionär, sondern ein hasserfüllter und ressentimentgeladener Antisemit. Er hat damals in Jerusalem, flapsig gesprochen, eine Show abgezogen, auf die Arendt hereingefallen ist."
    53 min
  • Trotz Auschwitz: Jüdisches Leben in Deutschland nach 1945 in Original-Tondokumenten
    Die Befreiung der Vernichtungslager bedeutet den Neubeginn für den Wiederaufbau einer jüdischen Gemeinschaft in Deutschland, die sich keineswegs allein über den Holocaust definiert.

    Die Deutschen beginnen, das Nazi-Unrecht aufzuarbeiten – auch unter Mitwirkung jüdischer Persönlichkeiten wie Fritz Bauer oder Hannah Arendt.

    Doch gibt es auch Irritationen: Etwa 1998, als Martin Walser in der Paulskirche von der "Moralkeule Auschwitz" spricht.

    Der Publizist und Erziehungswissenschaftler Micha Brumlik (1947 - 2025) war an vielen Ereignissen, die die Juden in Deutschland seit 1945 beschäftigt haben, selbst beteiligt. Im Gespräch mit Gábor Paál spricht er aus eigenem Erleben über die Hintergründe der Originalaufnahmen und Rundfunkberichte.

    SWR 2015

    Originalaufnahmen aus der Sendung:
    http://swr.li/trotz-auschwitz

    ARD Archivradio:
    https://1.ard.de/archivradio_cp?=pdw

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    57 min
  • Erste Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts - Volksabstimmung für "Südweststaat" | 4.10.1951
    Uneinigkeit über Ablauf der Abstimmung
    Am 28. September 1951 nimmt das Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe seine Arbeit auf. Bereits eine Woche später steht die erste Entscheidung an. Es geht um den Neuzuschnitt der Bundesländer; konkret um die Frage: Sollen sich die drei Südwestländer Baden, Württemberg-Baden und Württemberg-Hohenzollern zu einem Bundesland vereinigen oder werden die alten Länder Baden und Württemberg wieder hergestellt? Eine Volksabstimmung steht an - doch über das Verfahren wird gestritten.
    Ursprünglich war geplant, dass auf den Gebieten der alten Länder Baden und Württemberg getrennt ausgezählt wird. Dann wäre es möglicherweise unentschieden ausgegangen. Allerdings wurden die Gesetze im Bund gemacht, und dort hatten CDU-Abgeordnete ein anderes Auszählungsverfahren durchgesetzt: Die Stimmen sollten jeweils in den vier Bezirken Nord-Württemberg, Nord-Baden, Süd-Württemberg und Süd-Baden ausgezählt werden. Das verbesserte die Chancen für den Südweststaat erheblich.
    Land Baden klagt vor dem Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe
    Das entsprach aber nicht den badischen Interessen, weshalb das Land Baden dagegen vor dem Bundesverfassungsgericht klagte. Denn der Präsident des Landes Baden, Leo Wohleb, war der Auffassung, dass rechtlich gesehen die alten Länder Baden und Württemberg noch immer existieren und das Land Baden somit auch die Nordbadener mitvertritt.
    Erste Entscheidung nach Gründung des Bundesverfassungsgerichts
    Das Bundesverfassungsgericht war eine Woche zuvor erst feierlich eröffnet worden, insofern war es eine der ersten Entscheidungen, die die Karlsruher Richter zu treffen hatten. Die Klage der Badener haben sie abgewiesen.
    Länderchefs betonen freundliches Miteinander
    Erhalten sind von jenem Tag die Schlussworte der jeweiligen Länderchefs, die trotz ihrer Meinungsunterschiede noch einmal betonen, wie sehr sie freundlich miteinander verbunden sind.
    11 min
  • Erste deutsch-deutsche Städtepartnerschaft zwischen Saarlouis und Eisenhüttenstadt | 20.9.1986
    Saarlouis hat einen Wunschpartner in der DDR
    25 Jahre nach dem Bau der Mauer kam es zu einer ersten Städtepartnerschaft zwischen einer bundesdeutschen und einer Gemeinde der DDR.
    Die Initiative ging von Saarlouis aus, von den Fraktionen von SPD und Grünen. Sie hatten sich Halberstadt in Sachsen-Anhalt als Wunschpartner ausgesucht, dorthin waren viele Saarlouiser im Krieg in Sicherheit gebracht worden. Aber auf DDR-Seite gab es zunächst kein Interesse.
    Oskar Lafontaine trifft den gebürtigen Saarländer Erich Honecker
    Das ändert sich, als der Saarländische Ministerpräsident Oskar Lafontaine den DDR-Staatsratsvorsitzenden und gebürtigen Saarländer Erich Honecker trifft. Nun stimmt die DDR zu. – Nur: Statt mit Halberstadt soll die Partnerschaft mit der sozialistischen Vorzeigestadt Eisenhüttenstadt geschlossen werden. Das nimmt Saarlouis in Kauf.
    Am 20. September 1986 – drei Jahre vor dem Fall der Mauer – wird die Partnerschaft zwischen Saarlouis und Eisenhüttenstadt besiegelt.
    5 min
  • Entdeckung des Ötzi: Reinhold Messner ist vor Ort | 27.9.1991
    Wanderer entdecken die Gletschermumie in den Ötztaler Alpen
    Am 19.9.1991 entdecken deutsche Urlauber beim Wandern in den Ötztaler Alpen eine Gletschermumie. Es ist der später nach seinem Fundort benannte Ötzi, die zu dem Zeitpunkt älteste Mumie der Welt, ein sensationeller historischer Fund. Direkt nach der Entdeckung gehen die Spekulationen los. Wie alt ist die Leiche? Was trieb der Mann in den Bergen? Was war die Todesursache?
    Bergsteiger Reinhold Messner einer der ersten am Fundort
    Einer der Ersten am Fundort ist der Extrembergsteiger Reinhold Messner, der nach einem ersten Augenschein der Gletschermumie seine Theorien zur Herkunft des Ötzi entwickelt. In einer Aufnahme vom 27.9.1991 schildert er seine Eindrücke.
    Prähistoriker Konrad Spindler mit ersten Erkenntnissen
    Der Mann im Eis wird zu einem Fall für die internationale Spitzenforschung. Prähistoriker Konrad Spindler erläutert ein paar Tage später am 30.9.1991 im Interview seine ersten Erkenntnisse zum Ötzi.
    7 min
  • Erste Rabbiner-Ordination seit der NS-Zeit | 14.9.2006
    Keine Ausbildungsstätten für Rabbiner mehr vorhanden nach dem Holocaust
    Nach Ende der Naziherrschaft lebten nur noch wenige Juden in Deutschland. Erst langsam wurde jüdisches Leben wieder aufgebaut. Teilweise kamen jüdische Exilanten aus dem Ausland zurück und es gab erste Migrationswellen aus Ungarn, Polen und der Sowjetunion. Synagogen wurden wieder aufgebaut. Die Rabbiner mussten allerdings aus dem Ausland geholt werden, weil es in Deutschland keine Ausbildungsstätte gab. Bis zum Mauerfall lebten in der Bundesrepublik rund 30.000 Juden.
    Nach dem Fall des Eisernen Vorhangs steigt die Zahl auf mehr als 200.000 an. Es kommt zu einer erneuten großen Ausreisewelle aus der Sowjetunion.
    Bedarf an Rabbinern wächst ab den 1990ern
    Für die Gemeinden ist das eine große Herausforderung. Die jüdische Gemeinschaft diversifiziert sich: Neben den konservativ-orthodox ausgerichteten Gemeinden fühlen sich immer mehr Juden auch dem liberalen Judentum zugehörig. So wächst auch der Bedarf an Rabbinern.
    2003 verpflichtet sich die Bundesregierung in einem Staatsvertrag der "Erhaltung und Pflege des deutsch-jüdischen Kulturerbes".
    Rabbiner-Ausbildung am Abraham Geiger Kolleg in Potsdam
    Am 14. September 2006 schließlich ist es so weit: Erstmals seit dem Krieg werden Rabbiner wieder in Deutschland ordiniert, ausgebildet im Abraham Geiger Kolleg in Potsdam.
    Jüdisches Leben in Deutschland – alle Aufnahmen im ARD Archivradio
    5 min

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Historische Aufnahmen und Radioberichte von den ersten Tonaufzeichnungen bis (fast) heute. Das Archivradio der ARD macht Geschichte hör- und die Stimmung vergangener Jahrzehnte fühlbar. Präsentiert…

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