Archivradio – Geschichte im Original

Archivradio – Geschichte im Original

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Archivradio – Geschichte im Original episodes

  • Weltwirtschaftskrise in Deutschland: Banken schließen für zwei Tage | 15.7.1931
    Sparer holen ihr Geld von den Banken zurück
    Die Weltwirtschaftskrise Anfang der 1930er-Jahre spitzt sich in Deutschland auch in der Bankenkrise von 1931 zu. Große Banken, die Dresdner und die Danat-Bank, eine der größten Banken der Weimarer Republik, brechen zusammen. Anleger und Sparer verlieren ihr Vertrauen gegenüber den Banken und heben ihr Erspartes ab. Banken geht das Bargeld aus. Das spricht sich schnell herum.
    Am 13. Juli 1931 laufen viele Sparer zu ihrer Bank, um Geld abzuheben und zu sichern. In der Folge ist die Dresdner Bank zahlungsunfähig. Die Regierung beschließt daraufhin zwei Bankfeiertage für den 14. und 15. Juli, was nichts anderes bedeutet, als dass die Banken geschlossen bleiben.
    Reichsfinanzminister Hermann Dietrich beschwichtigt
    Reichsfinanzminister Hermann Dietrich erklärt die Maßnahmen am 15. Juli 1931 in einer Rundfunkansprache und versucht zu beschwichtigen. Die Regierung trage keine Schuld. Das Reich habe sein Haus in Ordnung gebracht.
    Die US-Regierung unter Präsident Herbert Hoover habe die Rückzahlung von Schulden ausgesetzt, auch das entlaste das Deutsche Reich.
    Der entscheidende Grund für die Bankenkrise seien die ausländischen Kreditgeber, die kurzfristig ihr Geld aus Deutschland herausholen wollen. Auch habe der deutsche Hang zur Kritik die Unruhe verstärkt. Daher die zweitägige Bankenschließung.
    https://archivradio.de/
    23 min
  • Eröffnung des Flughafens Rhein-Main | 8.7.1936
    Frankfurt am Main: früher Verkehrsknoten der Luftfahrt
    Schon in der Zeit der Zeppeline war Frankfurt am Main ein früher Verkehrsknoten der Luftfahrt: 1912 wurde am Rand des Frankfurter Stadtteils Bockenheim, im Rebstockgelände, ein Luftschiffhafen eröffnet und stand bald auch Flugzeugen zur Verfügung. Doch das Gelände wurde mit der Zeit zu klein und konnte, da in der Stadt gelegen, auch nicht ausgebaut werden.
    1930 beschließt der Magistrat einen neuen Flughafen südlich von Frankfurt im Frankfurter Stadtwald. Doch wegen der Weltwirtschaftskrise wird der Plan nicht umgesetzt.
    Flughafen in der Nähe der Reichsautobahn
    Dann kommen die Nationalsozialisten an die Macht und greifen die Pläne auf. Sie platzieren das Gelände in unmittelbarer Nähe der ersten Reichsautobahn, auf die Hitler ja so stolz ist – also der heutigen A5 im Abschnitt zwischen Frankfurt und Darmstadt.
    Im Juli 1936, kurz vor den Olympischen Spielen in Berlin, wird der Flug- und Luftschiffhafen Rhein-Main eröffnet. Hier der Ausschnitt des Berichts, wie er im Deutschen Rundfunkarchiv erhalten ist.
    http://swr.li/fruehe-luftfahrt
    http://swr.li/reichsautobahn-spatenstich
    https://archivradio.de/
    3 min
  • Auflösung des Warschauer Pakts | 1.7.1991
    Nach dem Fall der Mauer 1989 geht auch die Epoche der Sowjetunion langsam zu Ende und mit ihr löst sich auch das mächtige Militärbündnis des Ostens auf, der Warschauer Pakt. Es unterstand direkt der Kontrolle Moskaus.
    1955 war der Warschauer Pakt gegründet worden, auch als Reaktion darauf, dass eine Woche zuvor die Bundesrepublik der NATO beigetreten ist. Am 1.Juli 1991 ist der Pakt Geschichte.
    http://swr.li/gruendung-warschauer-pakt
    http://swr.li/ende-der-sowjetunion
    https://archivradio.de/
    6 min
  • Neues Namensrecht: Eheleute dürfen auch Namen der Frau führen | 6.7.1976
    Name der Frau kann Ehename werden
    Bis 1976 war klar: Nach einer Hochzeit bekommt die Ehefrau den Nachnamen des Mannes. Allenfalls darf sie ihren Mädchennamen mit Bindestrich dazusetzen.
    Am 1. Juli 1976 gibt es ein bisschen mehr Gleichberechtigung: Die Eheleute dürfen sich nun auch auf den Namen der Frau einigen. Die Bindestrich-Option gibt es weiterhin.
    Eigentlich ist das schnell gesagt, doch die Ausführlichkeit und der Ton, in der der folgende Beitrag vom 6. Juli 1976 dieses Thema breittritt, verrät etwas darüber, wie gewöhnungsbedürftig das neue Namensrecht offenbar damals ist.
    https://archivradio.de/
    6 min
  • Georg Picht warnt vor Bildungskatastrophe | 18.7.1964
    Lehrermangel, marode Schulen und für viele Kinder keine adäquate Bildung
    Lehrkräftemangel, marode Schulen – und etliche Kinder, die nicht die Bildung bekommen, die ihrer Begabung entspricht. Das alles beklagt 1964 der bekannte Pädagoge Georg Picht (1913 - 1982). Er warnt, dass die schönen Zeiten des Wirtschaftswunders bald vorbei sein könnten. Er weist auf die nackten Zahlen hin: Immer mehr Geburten gibt es damals, damit auch immer mehr Schüler. Gleichzeitig stehen immer weniger Lehrer zur Verfügung, weil sich ältere Jahrgänge in den Ruhestand verabschieden.
    Damit nicht genug: Die wachsende Wirtschaft brauche mehr Schulabgänger mit Mittlerer Reife und Abitur – das Ausland habe das erkannt, die Bundesrepublik hinke hinterher. Der Zustand der Schulen sei schlecht, weil zu wenig investiert wird. Besonders rückständig sei die Situation in Baden-Württemberg.
    Thesen des Pädagogen Georg Picht finden Gehör
    Georg Pichts veröffentlicht seine Thesen in einer Artikelserie im Februar 1964 in der Wochenzeitung "Christ und Welt". Und das Erstaunliche: Sie findet Gehör, wird ein großes öffentliches Thema.
    Georg Picht hat den Vorteil, dass er in der intellektuellen Szene gut vernetzt ist. Er ist Schüler von Martin Heidegger, eng befreundet mit Carl Friedrich von Weizsäcker sowie dem damaligen Star der Reformpädagogik, Hellmut Becker. Picht selbst hat auf dem Birklehof im Schwarzwald eine Freie Schule aufgebaut. Deshalb findet seine Warnung Resonanz.
    Es tut sich was in der Bildungspolitik
    In seinem Radiovortrag vom 18. Juli 1964 im Süddeutschen Rundfunk fasst er seine These vom Bildungsnotstand zusammen und kommt zu dem Ergebnis: In den vorangegangenen Monaten, nach seiner Artikelserie, sei so viel passiert, dass er es für möglich hält, dass die Bildungskatastrophe doch noch abgewendet werden könne.
    Tatsächlich tut sich in der Folge einiges in der Bildungspolitik: 1965 wird ein sogenannter Bildungsrat auf Bundesebene geschaffen und immer mehr Jugendliche machen Abitur. Im Rückblick ist jedoch umstritten, ob wirklich Pichts düstere Diagnose den Anstoß dazu gegeben hat – wie er es selbst darstellt. Denn manche Entwicklungen, die Picht fordert, hatte die Politik schon in den Monaten vor seiner Artikelserie eingeleitet.
    http://swr.li/picht
    29 min
  • "Wir haben abgetrieben" – Stern-Kampagne, initiiert von Alice Schwarzer | 3.6.1971
    Es war eine der bekanntesten Titelgeschichten der Zeitschrift "Stern" und zugleich die Kampagne, mit der die Journalistin Alice Schwarzer als Kämpferin für Frauenrechte bundesweit bekannt wurde.
    In der "Stern"-Ausgabe am 6. Juni 1971 erklären 374 prominente Frauen öffentlich, dass sie abgetrieben hätten und fordern die Abschaffung des Paragrafen 218. Zwei Monate zuvor hatte es schon eine ähnliche Kampagne in Frankreich gegeben, an der Alice Schwarzer ebenfalls beteiligt war.
    "Bild" gegen "Stern"
    Bevor die Ausgabe des "Stern" erscheint, schaltet er Anzeigen in verschiedenen deutschen Tageszeitungen. Davon handelt der folgende Bericht vom 3. Juni 1971 im Süddeutschen Rundfunk. Alice Schwarzer wird dabei nicht erwähnt, man kennt sie noch kaum. Dafür die Schauspielerin Vera Tschechowa. Denn die Bild-Zeitung behauptet, Tschechowa habe nicht gewusst, was sie da unterschreibe. Also ruft der Reporter sie einfach an und fragt sie. Tschechowa erklärt, sie stehe zu ihrer Aussage.
    "Wir haben abgetrieben" – Muss jetzt die Staatsanwaltschaft ermitteln?
    Nachdem dieser Sachverhalt geklärt ist, geht die Sendung auf die juristischen Folgen dieser öffentlichen Selbstbezichtigung ein. Der ehemalige Bundesrichter Heinrich Jagusch erklärt, dass die Staatsanwaltschaft nach dieser Kampagne keineswegs zwangsläufig aktiv werden müsse.
    14 min
  • Kanzlertausch 1966 – Kiesinger dementiert Ambitionen auf Erhard-Nachfolge | 4.11.1966
    Wirtschaftswunder-Star Ludwig Erhard unter Druck
    1966 ist Bundeskanzler Ludwig Erhard drei Jahre im Amt und sein Image ramponiert. Der einstige Star der Wirtschaftswunderjahre hat die Erwartungen nicht erfüllt: Die Wirtschaft schwächelt, außenpolitisch gibt es Spannungen im Verhältnis zu Frankreich. Die CDU verliert an Zustimmung. In der Partei rumort es schon länger.
    Die CSU unter Franz Josef Strauß denkt laut darüber nach, Erhard ein Ultimatum zu stellen. Auch in der CDU-Führungsmannschaft wird über einen Kanzlertausch nachgedacht. Dann wird es plötzlich konkret. Um ein Haushaltsloch zu stopfen, will Erhard Steuern erhöhen. Sein Koalitionspartner, die FDP, weigert sich. Am 27. Oktober 1966 treten die vier FDP-Minister zurück, Erhards Regierung hat keine Mehrheit mehr. Erhard selbst erklärt sich grundsätzlich bereit, zurückzutreten. Jetzt wird offen über Ersatzkandidaten spekuliert.
    Kurt Georg Kiesinger: "keinerlei Karriere-Ehrzeiz"
    Zwei Kandidaten werden heiß gehandelt: Der eine ist Parlamentspräsident Eugen Gerstenmaier – es ist kein Geheimnis, dass er Interesse hat. Ein anderer ist der Baden-Württembergische Ministerpräsident Kurt Georg Kiesinger. Der wird es später auch, will Anfang November 1966 aber nicht zu schnell vorpreschen: In einer Pressekonferenz wiegelt er ab und weist eigene Ambitionen auf das Kanzleramt zurück. Er wolle in Baden-Württemberg bleiben.
    Kiesinger wird Kanzlerkandidat, Erhard tritt zurück
    Bereits eine Woche später, am 10. November 1966, wählt die CDU Kiesinger zum neuen Kanzlerkandidaten. Er versucht zunächst, die FDP wieder ins Regierungsboot zu holen, doch die will nicht. Anschließend verhandelt Kiesinger mit der SPD unter Willy Brandt. So kommt es zur ersten Großen Koalition der Bundesrepublik. Als das geklärt ist, tritt Erhard auch formal zurück und Kiesinger wird am 1. Dezember 1966 zum Bundeskanzler gewählt.
    7 min
  • Öffentliche Gelöbnis der Bundeswehrsoldaten | 31.5.1996
    Wenn Bundeswehrsoldaten ihren Eid aufs Grundgesetz ablegen, fand das früher nur in den Kasernen statt. 1980 gab es erstmals eine große öffentliches Gelöbnisfeier im Bremen Weserstadion, aber die wurde von teils gewalttätigen Demonstranten so massiv gestört, dass die Bundeswehr bis auf Weiteres darauf verzichtete.
    Erst 1996 initiiert der damalige Bundesverteidigungsminister Volker Rühe wieder ein großes öffentliches Gelöbnis, und zwar in Berlin. Seitdem gibt es diese Feiern regelmäßig. Obwohl das Gelöbnis auch 1996 keineswegs störungsfrei ablief.
    5 min
  • Start der ICE-Züge – mit peinlicher Panne | 31.5.1991
    ICE – der neue Hochgeschwindigkeitszug der Bahn
    Kaum vorstellbar: Bis 1991 war der Intercity das Schnellste, was die Bahn zu bieten hatte. Doch dann die Revolution: Bahnfahren mit 250 Stundenkilometern. Von München nach Hamburg in fünfeinhalb Stunden. Züge mit Büroabteilen und Kopfhöreranschluss.
    Die neuen Züge sollten ursprünglich HGZ heißen, Hochgeschwindigkeitszüge, aber dann entscheidet sich die Bundesbahn doch für den international verständlicheren Namen Intercityexpress, kurz ICE.
    Am 29. Mai 1991 wurde der ICE offiziell in Betrieb genommen. Die großen Feierlichkeiten, vor allem in Baden-Württemberg, fanden am 31. Mai statt.
    Erwin Teufel: "Neue Epoche nach der Erfindung des Rades"
    Baden-Württembergs Ministerpräsident Erwin Teufel ist begeistert bei der großen Einweihungsfeier am Stuttgarter Hauptbahnhof und spricht von einer „neuen Epoche 5000 Jahre nach der Erfindung des Rades“. Teufel nimmt anschließend an einer Schnupperfahrt von Stuttgart nach Mannheim statt.
    Neue Bahnhöfe und Trassen
    Es sind nicht nur die schnellen Züge, die das Bahnfahren beschleunigen, sondern auch zum Beispiel der neue Durchgangsbahnhof Kassel-Wilhelmshöhe oder neue Trassen wie die zwischen Göttingen und Würzburg sowie Stuttgart und Mannheim, die für den ICE reserviert sind und ein paar Abkürzungen mit sich bringen.
    Allerdings: Als die neugierigen Besucher in Mannheim auf die Schnupper-ICEs aus Stuttgart und Frankfurt warten, kommt es gleich – imagegerecht – zu einer Verspätung. Einer der Züge hat eine technische Panne ...
    Fahrplanwechsel am 2. Juni 1991
    Mit dem offiziellen Fahrplanwechel am 2. Juni 1991 geht der ICE schließlich in den Regelbetrieb.
    6 min
  • Wozu „Grundgesetz“ und „Verfassungsgericht“? Carlo Schmid und Adolf Süsterhenn im Parlamentarischen Rat | 8.9.1948
    Grundgesetz als Provisorium
    Bei den Beratungen im Parlamentarischen Rat 1948 war schon klar: Eine wirksame Verfassung für ganz Deutschland wird es bis auf weiteres nicht geben. Was aber bedeutet das für das entstehende Verfassungswerk – wie provisorisch ist es, wie muss es geschrieben sein, um dem geteilten Zustand gerecht zu werden? Dazu äußert sich Carlo Schmid, der Wortführer der SPD.
    Carlo Schmid für Schwarz-Rot-Gold
    Er war es auch, der den Begriff „Grundgesetz“ prägt – und am Ende dieser Aufnahme auch für die Nationalfarben Schwarz-Rot-Gold plädiert.
    Adolf Süsterhenn: Verfassungsgericht soll Bund vor Ländern schützen und umgekehrt

    In der gleichen Sitzung des Parlamentarischen Rats erklärt Adolf Süsterhenn von der CDU, welche Aufgaben genau das Bundesverfassungsgericht haben soll – Konrad Adenauer habe da klare Vorstellungen: Das Gericht solle den Staat vor den Ländern schützen und umgekehrt, und es soll die Bürger vor einer diktatorischen Mehrheit schützen.
    Zu diesem Zeitpunkt ist noch nicht klar, dass das Gericht nach Karlsruhe kommen würde. Diese Entscheidung fiel erst 1951.
    9 min

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Historische Aufnahmen und Radioberichte von den ersten Tonaufzeichnungen bis (fast) heute. Das Archivradio der ARD macht Geschichte hör- und die Stimmung vergangener Jahrzehnte fühlbar. Präsentiert…

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