Morgenimpuls
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Morgenimpuls episodes

  • "Wahrheit tief verborgen"
    "Wahrheit tief verborgen"
    Für Thomas von Aquin, dessen Tag wir heute feiern, war die Stadt Köln Ursprungsort seines späteren Wirkens. Von 1248 bis 1252 lebte und studierte er hier. In Köln war er mit seinem Lehrer Albertus Magnus (um 1200-1280) an der Gründung des Studienhauses der Dominikaner beteiligt, das zum Vorläufer der Universität wurde. In Köln erhielt er als Assistent Alberts die wesentlichen Prägungen seines Denkens. Dort entstanden seine ersten Werke. Und in Köln empfing er die Priesterweihe.Ich habe meine Mitschwester, die begeisterte Theologin ist, gefragt, was ihr zu Thomas von Aquin so ganz spontan einfallen würde. Und sie hat gelacht und mir zwei Dinge erzählt: zum einen, dass es seinen Schreibtisch wohl noch gibt, der an der Seite, an dem Thomas zu sitzen pflegte, halbrund ausgesägt war, weil Thomas eine solche Körperfülle hatte, dass es sonst zu unbequem gewesen wäre. Und sie hat von einer Führung in der Kölner Diözesan- und Dombibliothek erzählt, wo man ihnen frühe theologische Werke zeigen konnte, die Thomas zu seinem Studium benutzt hat und wo Thomas als Student reingeschrieben, Randbemerkungen und neuere Erkenntnisse drübergeschrieben hatte. Man konnte das genau nachweisen, weil man die Handschrift erkannt hat. Was mir und uns zu diesem großen Theologen – glaub ich – eher bekannt ist, ist eine seiner großen Hymnen aus seinen Dichtungen und Gebeten zur damals neu aufgekommenen Fronleichnamsprozession und grundsätzlich zur Anbetung der hl. Eucharistie. "Gottheit tief verborgen", wobei die ursprüngliche Übersetzung, wenn man seinem Werk und Denken folgen würde, eigentlich heißen müsste "Wahrheit tief verborgen, betend nah ich Dir". Mich beeindruckt sehr, dass ein so großer Universalgelehrter seiner Zeit solche tiefgründigen Hymnen und Gebete geschrieben hat, die der einzigen Wahrheit seines Lebens huldigen, dem Herrn Jesus Christus.
    3 min
  • Wohlbehütet
    Wohlbehütet
    In früheren Jahrhunderten war es völlig unüblich, ohne Kopfbedeckung, also ohne Schleier, Tuch oder Hut das Haus zu verlassen. Und wer etwas auf sich hält, wie man früher sagte, tut es auch heute noch. Eine alte Dame hier im Städtchen würde nie ohne Hut sonntags in die Kirche kommen und auch sonst ist sie immer mit passendem Hut zu Mantel oder Kostüm ausgestattet. Manche kennen noch den Ausdruck "gut betucht sein". Ganz klassisch bedeutete es tatsächlich, in besonders guter Kleidung zu sein und wenn man sich gute Kleidung, gutes Tuch leisten konnte, hatte man genügend Geld, war also gut betucht.Aber mit den Hüten ist es ganz anders. Wenn man sagt: "Der ist aber gut behütet", dann ist tatsächlich nicht gemeint, dass er besonders teure und edle Hüte trägt. Das habe ich früher tatsächlich bei diesem Wort immer gedacht. "Bleiben Sie behütet", das sagt immer mal am Ende eines Vortrages ein Exerzitienmeister. Was heißt das denn dann? Im Netz habe ich mehrere Bedeutungen gefunden: auf etwas Acht geben, es bewachen, sichern und vor Schaden schützen. Auf jemanden Acht geben, aufpassen, betreuen und vor Unangenehmem bewahren. Also bedeutet dieser Wunsch des Exerzitienmeisters: Bleib bei dem Gedanken, dass Gott dich beachtet, auf dich achtet, vor Schaden bewahrt, dich sicher geleitet und beschützt."Wer unterm Schutz des Höchsten steht, im Schatten des Allmächtgen geht" ist eines der vielen Lieder, die genau das besingen und dem Singenden zusagen, dass er daraus Mut und Zuversicht und Hoffnung schöpfen kann, weil da einer ist, der mich behütet. Also egal ob du Tuch oder Kapuze, Schleier oder Kopftuch, Helm oder Hut aufhast, bleib unter Gottes Schutz wohl behütet.
    3 min
  • Mein Lebensweg: normal und gut, aber doch irgendwie anders
    Mein Lebensweg: normal und gut, aber doch irgendwie anders
    Diese Woche ist für mich und viele andere eine besondere Woche. Im Mutterhaus begleite ich jeden Tag eine sechste Klasse bei ihrem „Klostertag“ Seit vielen Jahren gibt es diese besonderen Tage für die SchülerInnen und ihre Lehrer. In unserer Franziskusschule, die seit 1870 besteht, waren früher alle Lehrerinnen Schwestern unserer Gemeinschaft, und so war es normal, dass die Schüler Ordensleute erlebt und kennengelernt haben. Da das aber seit 2005 nicht mehr so ist, haben wir uns diese Klostertage einfallen lassen. Die Klasse kommt also zu 8 Uhr ins Mutterhaus und wir beginnen mit einer gemeinsamen Gebetszeit in der großen Mutterhauskirche. Immer werden ein oder zwei Geschichten aus dem Leben von Franziskus von Assisi erzählt und manchmal bin ich erstaunt, wieviel die Kinder tatsächlich schon über ihren Schulpatron wissen.Danach gehen sie in drei Gruppen zu drei verschiedenen Angeboten, die dann alle 45 Minuten wechseln. Und mittendrin ist Frühstück im großen Speisesaal mit einigen Schwestern. Und kurz vor Schluss ist dann immer eine rasante Runde mit: Was ich schon immer mal fragen wollte. Und da wird es spannend. Die Kinder haben ihre Scheu abgelegt und wagen zu fragen nach Lebensart der Schwestern, Kleidung, Gebet und Alltag. Aber natürlich auch nach Smartphone, Auto, Fernseher und Computer und so weiter. Und voriges Jahr hat ein Mädchen in Ruhe der ganze Runde zugehört und als sie dran war gesagt: das klingt alles ziemlich normal aber ist doch irgendwie anders. Das hat mir gefallen. Leben und Zusammenleben kennen die Kinder von zuhause und dass die Schwestern arbeiten und dazu die Materialien brauchen, haben sie erkannt und auch, dass sie zusammen beten. Dieses „irgendwie anders“ hat sie so beschäftigt, dass sie im Advent zum Mädchenwochenende ins Mutterhaus gekommen ist, um mehr davon mitzubekommen. Für sich selbst zu erkennen, dass es Lebenswege gibt, die normal und gut sind, aber doch irgendwie anders, ist eine gute Voraussetzung für eigene Entscheidungen später.
    3 min
  • Wie kann man glaubwürdig sein?
    Wie kann man glaubwürdig sein?
    Einen besonders gütigen und liebenswerten Heiligen feiern wir mit der Kirche morgen, aber ich möchte Dir heute schon von ihm erzählen. Franz von Sales hat von 1567 bis 1622 gelebt, war das älteste von zehn Kindern und sollte nach dem Willen des Vaters in den diplomatischen Dienst gehen. Er hat dann zwar Philosophie und Jura studiert, aber aus persönlichem Interesse auch Theologie. Nach seiner Anstellung als Rechtsanwalt und eigentlich mit der Aussicht auf eine glänzende Karriere als Senator, ließ er sich aber zum Priester weihen und wurde einer der besten Prediger seiner Zeit und damit beauftragt, die Bevölkerung rings um den Genfer See wieder zum katholischen Glauben zurückzubringen. Weil die Machthaber den Einwohnern aber verboten haben seine Predigten zu besuchen, nutzte er intensiv die damals komplett neuen Medien: In einer klaren und einfachen Sprache druckte er die damals hochmodernen Flugblätter und heftet sie an Häuser, Zäune und Bäume. Und er brachte seine Botschaft in der Landessprache, was damals absolut unüblich und sensationell war. Franz von Sales war glaubwürdig in einer Sprache, die Gehör und Glauben fand. Franz war ein begnadeter Prediger und ein vorbildlicher Seelsorger, dem es um die persönliche Vertiefung des Glaubens jedes Einzelnen ging. Er leitete als Bischof sein Bistum mit Visitationsbesuchen, Predigt und Katechese. Seine Liebenswürdigkeit und die Übereinstimmung von Worten und Taten in seiner Lebensführung brachten ihm das Vertrauen der Menschen. Dieser Wesenszug seiner Persönlichkeit gefällt mir besonders gut: die Übereinstimmung von Worten und Taten. Nehmen wir doch heute mal diesen Satz auf und schauen, wie es denn bei mir selbst damit ist: Stimmen meine Worte mit dem überein was ich tue? Bin ich in dem, was ich tue, glaubwürdig für das, was ich sage? Spannende Überlegungen!
    3 min
  • Welche Spuren hinterlasse ich im Leben?
    Welche Spuren hinterlasse ich im Leben?
    Ich weiß nicht wie das bei Dir ist, ich mache sehr gerne Hausarbeit. Kochen, Backen, Spülen, Waschen, Bügeln sind wunderbare Sachen, bei denen die Gedanken schweifen können und bei denen mir immer die besten Ideen kommen. Sogar beim Putzen. Wenn ich in der Küche stehe und überall die Fingerabdrücke an den Armaturen von Herd, Mikrowelle und Spülmaschine sehe, nehme ich sofort ein Tuch und putze es, damit es schön sauber und glänzend ist. Fingerabdrücke sind Spuren meines Tuns und des Tuns meiner Mitschwestern in der Küche und an anderen Orten im Haus. Und da kommt die Frage nach den sonstigen Spuren meines und unseres Tuns ganz normal in den Sinn. Wo und wie hinterlassen Du und ich und wir Spuren, die deutlich machen, was wir arbeiten, denken, mit Engagement gerne machen?Die Lesung heute aus dem Römerbrief gibt da einen interessanten Gedanken für den Tag mit. Da heißt es: Das Reich Gottes ist nicht Essen und Trinken, es ist Gerechtigkeit, Friede und Freude im Heiligen Geist. Und wer Christus so dient, wird von Gott anerkannt und ist bei den Menschen geachtet. Lasst uns also nach dem streben, was zum Frieden und zum Aufbau (der Gemeinde) beiträgt. Soweit die Lesung. Frieden und Freude zu bringen geht ja nur, wenn ich mit mir selbst halbwegs in Frieden und Freude lebe und daran auch arbeite, wenn es mal schwierig und kompliziert ist. Es gibt durchaus auch fromme und eigentlich geistliche Menschen, die weder eine freundliche noch eine friedliche Ausstrahlung haben. Der Jesuit Pater Eberschweiler hat einmal einen sehr schönen Satz gesagt, den ich gerne zitiere: "Die Heiterkeit und Freudigkeit des Herzens will ich zu bewahren suchen, um dadurch allen zu zeigen, einem wie guten Herrn ich diene.“ Daran zu arbeiten und den Heiligen Geist um seine Mithilfe zu bitten, ist immer möglich.
    3 min
  • Glauben wir an die Kraft des Gebetes?
    Glauben wir an die Kraft des Gebetes?
    Papst Leo hat dazu aufgerufen, in dieser Woche besonders um die Einheit der Christen zu beten. „Die Ursprünge dieser Initiative reichen zwei Jahrhunderte zurück und Papst Leo XIII. hat sie sehr gefördert“, erinnerte der Pontifex am Sonntagmittag nach dem Angelusgebet vor tausenden Gläubigen auf dem Petersplatz. „Vor genau hundert Jahren wurden zum ersten Mal ‚Vorschläge für die Gebetsoktav für die Einheit der Christen‘ veröffentlicht“, fuhr Leo fort. „Das Thema in diesem Jahr stammt aus dem Brief an die Epheser: ‚Ein Leib und ein Geist, wie ihr auch berufen seid zu einer Hoffnung‘ (Eph 4,4).“ „Die Gebete und Betrachtungen wurden von einer ökumenischen Gruppe vorbereitet, die von der Abteilung für interreligiöse Beziehungen der Armenisch-Apostolischen Kirche koordiniert wurde“, fügte er hinzu. „Ich lade daher alle katholischen Gemeinschaften ein, in diesen Tagen verstärkt für die volle sichtbare Einheit aller Christen zu beten.“ Diese Einladung des Papstes, über Radio Vatikan verbreitet, ist bei einigen unserer sehr alten Schwestern echt schon eher angekommen als bei mir. Als ich am Montag bei meiner Besuchsrunde durch unser Schwesternaltenheim war, traf ich eine 98jährige Schwester in ihrem Zimmer beim Rosenkranzgebet an. Auf meine Frage, in welcher Intention sie denn ihren Rosenkranz gerade betet, hat sie mich etwas erstaunt angeschaut und geantwortet: „Um die Einheit der Christen, wir sind doch in der Gebetswoche und wir haben den Auftrag zu beten. Also tue ich das.“ Ich gebe zu, dass sie mich ein bisschen beschämt hat, denn ich hatte das bisher völlig aus dem Blick verloren. Oder vielleicht vertraut diese Schwester, mehr als 30 Jahre älter als ich, eher der Kraft des Gebetes und tut es treu und unaufhörlich und spornt mich und vielleicht auch Dich heute dazu an.
    3 min
  • Kirche und Glauben schützen
    Kirche und Glauben schützen
    Heute feiern wir mit der Kirche das Fest des heiligen Sebastian. Er war Soldat in Mailand und wurde zum Offizier in der Leibgarde von Kaiser Diocletian. Da er sich als Hauptmann der Prätorianergarde aber am Hof zu seinem Christsein bekannt und gestanden hatte, notleidenden Christen geholfen zu haben, wurde er zum Tod verurteilt und von Bogenschützen erschossen. In der Meinung, er sei tot, wurde er liegengelassen. Aber er war schwer verletzt und wurde gesund gepflegt. Wieder genesen, ging er umgehend wieder zum Kaiser und bekannte sich zu Jesus Christus. Und wieder wurde er verurteilt und um 288 getötet.Ich würde heute nicht so ausgiebig von ihm erzählen, wenn er nicht auch unter anderem der Schutzpatron der Schützenbruderschaften ist und es hier in Olpe ein sehr ausgiebiges Brauchtum dazu gibt. Am Vorabend gibt es seit einigen Jahren wieder das Beiern, das heißt, die Glocken werden so angeschlagen, dass Musikstücke und Lieder erklingen. Es gibt dann heute Abend ein Festhochamt in rappelvoller Kirche mit Musik mit dem Musikzug der Feuerwehr. Am Anfang war mir das so fremd, dass ich nicht so genau wusste, ob ich lachen oder ernsthaft bei der Sache sein sollte. Aber wenn mir dann Schützen erklärt haben, dass die Schützen gegründet worden sind, um zu schützen: die Stadt, die Kirche, den Glauben, war ich dann doch ein bisschen versöhnt.Und wenn wir zur Zeit schauen, dass die Christen weltweit die am meisten verfolgten Religionsangehörigen sind, tun wir gut daran, die Kirche und den Glauben zu schützen, für ihn einzutreten und sich auch im normalen Alltag zum Glauben zu bekennen. Wenn das vielleicht in der Predigt heute Abend Thema sein wird und die vielen hundert Schützen, die zum Gottesdienst kommen, nicht nur heute Abend daran denken, dass ihr Patron für seinen Glauben umgebracht worden ist, dann ist das ganze Drumherum ja auch nicht so verkehrt.
    3 min
  • Danke, dass Du mich so wunderbar gestaltet hast
    Danke, dass Du mich so wunderbar gestaltet hast
    Ich weiß nicht, ob Du das vielleicht auch kennst: Irgendwann packt mich die Aufräumwut oder die Lust dazu und ich mache ganz schnell ein paar Schubladen auf und werfe alles raus und sortiere neu ein und werfe ganz viel weg. Was ich da alles so gefunden habe: alte Handys, vielerlei Sorten Kabel, Kopfhörer, Anschlussstecker für alles Mögliche, Ladegeräte für längst abgelegte Gerätschaften, Einkaufsbeutel und so weiter. Manchmal denke ich: Meine Güte, wieviel Kram hebt man so auf. Immer nach dem Motto: Vielleicht könnte man es doch noch mal gebrauchen. Also weg damit.Aber dann habe ich eine alte Brille von mir gefunden. Ich sehe ziemlich schlecht und würde niemals ohne Ersatzbrille aus dem Haus gehen, weil ich ohne Brille hilflos bin. Aber das hier ist nicht die Ersatzbrille, sondern eine vor-vorherige Version, die ich wahrscheinlich nicht weggetan habe, weil sie mir früher so gut gefallen hat. Also habe ich sie aufgesetzt und da war wieder die gleiche Freude: Sie steht mir einfach gut und mein Gesicht und meine Augenpartie bekommt ganz andere Konturen, auch wenn ich mit ihr nicht mehr ganz so gut sehen kann.Eine ganze Zeit habe ich vor dem Spiegel gestanden und mit den verschiedenen Brillen geschaut, mit welcher ich mich am schönsten finde und am wohlsten fühle. Und dieses mich selbst mal in Ruhe Anschauen fand ich sehr schön. Wann tut man das schon mal. "Und Gott sah, dass es gut war", heißt es in der Bibel nach jedem Tag der Schöpfungsgeschichte. Ich sage heute früh mal vor dem Spiegel: Danke Gott, dass Du mich so wunderbar gestaltet hast.Mit allen Falten, mit allen grauen Haaren, mit allem, was mich ausmacht und wie ich meinen Mitmenschen heute früh entgegentrete: Lass mich ein dankbarer Spiegel Deiner wunderbaren Schöpfung sein.
    3 min
  • Musik im Herzen anstimmen
    Musik im Herzen anstimmen
    Als eine der Aufgaben von Weihnachten, von denen ich gestern erzählt habe, hatte ich die erste mit Dir bedacht, wo es darum geht die Verlorenen zu finden. Und heute ist es die letzte der sieben Aufgaben, die ich mit Dir bedenken möchte. Ich gebe ehrlich zu, dass sie mich sehr verwundert. Die ersten sechs sind sehr ähnlich den Werken der Barmherzigkeit und Daueraufträge für alle, die Jesus in ihrem Leben Raum geben wollen. Aber diese siebte, Musik im Herzen anzustimmen, finde ich echt erstaunlich. Ich kenne Leute, die summen oder singen bei der Arbeit und man hat das Gefühl, dass sie mit sich, ihrem Tun und Leben im Einklang sind.Das ist, glaube ich, so ein Punkt. Das heißt nicht, dass die Arbeit oder das alltägliche Tun nicht anstrengend oder nervig oder lästig sein kann. Diese Leute schaffen es zu akzeptieren, was sie tun müssen und daraus trotzdem Mut und Zuversicht zu bekommen. Oder Kinder, die in unbeobachteten Momenten beim Spielen stillvergnügt singen und nachahmen, was andere ihnen vorgesungen haben. Unsere indische Mitschwester singt immer, wenn sie ihre Räume putzt und ist sich ja sicher, dass niemand ihre indischen Lieder versteht und sie vergewissert sich ihrer Herkunft und Heimat.Ein anderer Punkt ist das Tröstliche und Ermutigende im Inneren singen, wenn die Schwierigkeiten scheinbar überhandnehmen. Ein spanischer Tenor hat einmal erzählt, dass er während der Bestrahlungen wegen der Leukämie immer im Inneren Arien gesungen hat, die einfach aus ihm herausbrachen, ohne das geplant zu haben. Und viele von uns kennen auch das Singen und Summen unter der Dusche und spüren dabei, dass es einfach guttut für Leib und Seele und dieser Zusammenklang zum äußeren hörbaren Klang werden will. Musik im Herzen anstimmen kann auch aus Dankbarkeit und Liebe als ein stilles tiefes Empfinden da sein und mir selbst deutlich machen, was der Verstand noch gar nicht fassen kann.Genauso geht es mit dem Lob Gottes, das manchmal wie ein Ohrwurm im Inneren immer weiter singt, obwohl ich ein Lied, ein Musikstück oder Psalm heute noch gar nicht gehört, gesungen oder gespielt habe. Stimmen wir heute oder am Wochenende immer mal wieder Musik im Herzen an.
    4 min
  • Die Aufgabe von Weihnachten
    Die Aufgabe von Weihnachten
    Beim amerikanischen Autor, Menschenrechtler und Theologen Howard Thurmann, der 1981 gestorben ist, habe ich einen sehr interessanten Text gefunden, der noch einmal ganz anders mein derzeitiges Lieblingswort von der Weihnachtsnachfreude beschreibt. Der Text geht so:DIE AUFGABE VON WEIHNACHTENWenn das Lied der Engel ausklingt und der Stern im Himmel erloschen ist,die Könige und Weisen zu Hause und die Hirten wieder bei ihren Schafen sind,beginnt die Arbeit von Weihnachten:die Verlorenen zu finden, die Zerbrochenen zu heilen, die Hungrigen zu speisen,die Gefangenen zu befreien, die Nationen wiederherzustellen, den Frieden zu bringen,Musik im Herzen anzustimmen.Diese Aufzählung von Aufgaben von Weihnachten ist sehr konkret und ist nicht zu verwechseln mit Weihnachtsbaum abbauen, Deko verpacken, Sterne von den Fenstern abmachen und einmal durchsaugen. Die Aufgaben von Weihnachten sind all die Dinge, die Jesus getan hat und zu denen er uns, seine Jünger, Follower, Christen ebenso aufruft. Die Verlorenen finden hat vielerlei Aspekte: es können die sein, die sich irgendwann zurückgezogen haben und keinen Kontakt mehr wollten und jetzt den Neuanfang nicht mehr hinbekommen. Es können die sein, die durch Krankheiten, Süchte und Schicksalsschläge einsam und versteckt in der Anonymität der Masse mehr existieren als leben. Und es können die sein, die für sich keinen Sinn und keine Perspektive im Leben mehr sehen und nur noch einen Schritt vor dem drohenden Abgrund stehen.Um die Verlorenen zu finden braucht es offene Augen und Ohren im normalen Alltag. Nicht verschämt vorbeigehen an offensichtlicher Not und nicht die Straßenseite wechseln, um den Bettelnden auszuweichen. Die Aktion Glücklichter hier im Bistum Paderborn hat vielen Menschen, die sonst kaum gesehen und beachtet werden, Zuwendung, notwendige Lebensmittel und Alltagsnotwendigkeiten geschenkt und hat scheinbar Verlorene aufgespürt und ihnen aufgeholfen.Die Aufgaben von Weihnachten sind nicht so lieblich, gemütlich und heimelig wie die Krippe im Wohnzimmer unterm leuchtenden Tannenbaum. Die Aufgabe von Weihnachten ist es, wie dieses zu uns gekommene Gotteskind, Gottes Menschen zu suchen und zu finden und ihnen leben zu helfen.
    4 min

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