Seit Veröffentlichung der sogenannten „Panama Papers“ fegt ein regelrechter Sturm durch den medialen Blätterwald. Allerorts ist von Panama und Briefkastenfirmen die Rede. Kaum thematisiert wird hingegen, dass EU und Bundesregierung selbst Banken, Reiche, Mächtige und andere Kriminelle umfassend schützen: „Deutschland belegt auf dem Schattenfinanzindex des Netzwerkes Steuergerechtigkeit Platz 8 – fünf Plätze vor Panama. Mafiosi können bei uns Geld waschen. Beliebt sind etwa Investitionen in Objektgesellschaften für Immobilien, die dann weitgehend steuerfrei wieder verkauft werden“, weiß dazu etwa der linke Europaabgeordnete Fabio de Masi zu berichten. Warum also läuft ein Gros der medialen Debatte am eigentlichen Thema vorbei? Warum spricht niemand einmal wirklich über die oftmals sogar legale Schattenwirtschaft der Mächtigen weltweit? Darüber, dass Deutschland „nicht bloß Opfer der Steueroasen, sondern längst selbst Teil des Problems ist“? Und darüber, dass die Debatte um „Steuerbetrug“ einer gut angelegten falschen Fährte folgt, die vom Eigentlichen ablenken soll? Zu diesem sowie zu den Interessen hinter dem „Investigativ-Journalismus“ mit den „Panama Papers“ sprach Jens Wernicke mit dem Autor und Journalisten Wolf Wetzel.
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Herr Wetzel, Sie sind staatsferner Journalist und verwenden viel Mühe auf systemische Recherchen. Was halten Sie von den „Panama Papers“?
Es sind viele Facetten, die da aufgehen. Realisiert wurde jedenfalls ein gut platzierter, finanziell bestens ausgestatteter journalistischer Coup. Und die „Papers“ enthalten tatsächlich eine Menge spannende Details – wie die über den Privatagenten Werner Mauss, der für staatskriminelle Angelegenheiten ebenso unterwegs war wie für die Nutzung von Scheinfirmen durch Regierungen und Konzerne.
Es werden aber auch viele falsche Lichter gesetzt, von denen man sich allerdings nicht blenden lassen muss, liest man das veröffentlichte Material „gegen den Strich“. Das lohnt sich auf jeden Fall. Und diesen Umgang würde ich dringend empfehlen.
Inwiefern? Warum erscheint das notwendig?
Weil zumindest mittels der Art und Weise, wie mit diesen Papieren umgegangen wurde und wird, Propaganda betrieben wird, die gewissen Interessen ganz offensichtlich zuarbeitet. Die Berichterstattung ist äußerst eindimensional und bringt einiges in den Fokus, wohingegen sie anderes jedoch offensichtlich verschweigt.
Man könnte fast annehmen, dass es sich hier um eine konstatierte Kampagne handelt, auf jeden Fall aber etwas, das strategische und wohl auch geopolitische Ziele verfolgt, wofür man eben – wieder einmal, nun jedoch auf neue Art und Weise – „den Journalismus“ instrumentalisiert.
Verstehe ich das richtig: Sie sehen hier Mechanismen des Empörungsmanagements und also der bewussten Steuerung der öffentlichen Meinung am Werk? Wer „steuert“ hier denn, manipuliert also die Demokratie? Haben Sie Namen parat?
Ich bin dagegen, einen Steuermann, einen Kopf für diesen Hot-Spot-Journalismus ausfindig zu machen.
Ich glaube, dieses System braucht keine „Köpfe“ mehr, es hat sich selbst anonymisiert. Das lässt sich sehr gut an dem illustren Journalistenpool erklären, der für die Veröffentlichung zuständig zeichnet. Denn der ist selbst eine Art Briefkasten-, also Scheinfirma.
Zu Beginn der Veröffentlichung hatte man nur eine rührselige und tapfere Geschichte. Aufrechten und wagemutigen Journalisten sei eine 2,6 Terrabyte schwere „Story“ in die Hände gefallen. Schnell wird denen klar, dass sie das nicht alleine bewältigen können. Also teilen sie sich mit anderen aufrechten Journalisten diese „Beute“. Ganz beiläufig fällt dann der Name „Internationales Konsortium investigativer Journalisten“, ICIJ.
Das klingt mu[...]