Morgenimpuls mit Schwester Katharina
Aus Assisi grüße ich Dich herzlich und wünsche Dir ein gesegnetes Pfingstfest und alle notwendigen Gaben des Heiligen Geistes. Heute steht auf dem Programmplan die schöne Formulierung: Der heutige Tag steht zur freien Verfügung. Ist das nicht herrlich? Ein Tag, da uns zugesprochen wird, damit wir frei über Zeit und Inhalt verfügen können. Da der Pfingstmontag ja bei uns in Deutschland ein Feiertag ist, werden wir ihn auch hier in Italien feiertäglich beginnen und um 8.00 Uhr die Heilige Messe in der Krypta von San Francesco am Grab des heiligen Franziskus mitfeiern. Und dann, nach dem Frühstück im Hotel, mit allen, die dazu Lust haben, über San Damiano nach Rivotorto zu wandern, das unten im Tal liegt. Dort liegt ein sehr altes Kloster der Franziskaner-Minoriten und eine sehr schöne Kirche mit wunderbaren bunten Glasfenstern, die Szenen aus dem Leben des Heiligen Franziskus zeigen.Ein bisschen beeindruckend sind die Nachbauten von zwei Stallungen mitten in der Kirche, die dort gestanden haben. Dort im leeren Stall haben die Brüder einige Zeit miteinander gelebt und alle Höhen und Tiefen eines einfachen Lebens in Armut geteilt. In der Nachbarschaft war ein Leprosenhospital und die Brüder haben dort bei der Pflege und Betreuung der schwerkranken, an Geschwüren leidenden, schrecklich entstellten und stinkenden Kranken geholfen. Eine Skulptur draußen zeigt das ziemlich eindrücklich: Franziskus kniet vor einem der Kranken, der sich schämt und die Augen bedeckt und wäscht ihn. Er schaut zu ihm auf und zeigt ihm all seine Liebe und Fürsorge, nicht von oben herab, sondern von unten, zu seinen Füßen knieend.Das ist ein sehr entscheidender Perspektivwechsel für den Kranken. Die anderen Brüder konnten sein Geschimpfe und das Fluchen dieses Mannes nicht mehr ertragen und haben Franziskus davon erzählt. Und Franz hat sofort Krug und Schüssel genommen und ist zu ihm gegangen. Und der hat plötzlich gespürt, dass dieser Dienst an ihm aus Liebe und vollem Herzen geschah. Und so konnte er nach und nach sein Schicksal annehmen und geduldiger und friedlicher mit seinen Pflegern und den anderen Kranken sein und auch mit sich selbst.Ach, und übrigens, irgendwann kam der Bauer, dem die Stallungen gehört haben, und hat sie für seine Esel wieder beansprucht. Und die Brüder haben den Stall singend und lachend den Brüdern Esel zur Verfügung gestellt und sind weitergezogen. Das nenne ich pfingstliche Begeisterung und die Freiheit der Kinder Gottes.