Morgenimpuls mit Schwester Katharina
Herzlich willkommen zum Impuls am Dienstag in der Pfingstwoche.Wir sind immer noch auf unserer DOMRADIO-Reise in Assisi und fahren heute nach Gubbio. Ich war noch nie in Gubbio und freue mich auf den Ort, die Kirche und das ganze Umfeld.Was hat es mit diesem Ort auf sich?Frieden und Versöhnung in einer von Gewalt geprägten Gesellschaft waren eines der zentralen Anliegen des heiligen Franziskus. Das Wesen franziskanischer Gewaltlosigkeit und Friedensarbeit zeigt sich beispielhaft in der Legende vom Wolf von Gubbio.In dieser sehr weit verbreiteten Legende geht es um einen Wolf, der außerhalb der Stadtmauern von Gubbio sein Unwesen treibt. Immer wieder fällt er Menschen an, die sich aus der Stadt wagen, greift sie an und tötet sie. Niemand traut sich mehr vor die Tore der Stadt, und der Hilferuf geht an Franziskus, doch zu kommen und zu helfen.Und Franziskus kommt. Er nimmt die Not wahr und geht ohne Angst und ohne Waffen auf den Wolf zu. Er begegnet ihm – wie wir heute sagen würden – auf Augenhöhe, beginnt das Gespräch und klagt den Wolf wegen dessen Verbrechen an, weil Verschweigen nichts bringt. Er zeigt aber auch Verständnis für den Hunger des Wolfes. Er macht den Vorschlag, dass der Wolf keine Menschen mehr angreift und die Einwohner der Stadt ihn mit Essen versorgen. Franziskus begleitet den Wolf in die Stadt, handelt mit den Bewohnern den Vertrag aus und bürgt mit seinem Versprechen für die Ehrlichkeit des Wolfes.Die Legende sagt dann, dass der Wolf noch einige Jahre in Gubbio gelebt hat und bis zu seinem Tod friedlich versorgt wurde.Franziskanische Friedensarbeit setzt Geduld und persönlichen Einsatz voraus. Wer sich einmal in einem Konflikt engagiert hat, hat eine Verantwortung übernommen, die ihn in eine Gemeinschaft mit den Konfliktparteien einbindet. Am Ende steht nicht der Stolz, etwas Besonderes geleistet zu haben, sondern das Bewusstsein, dass Gott es ist, der Versöhnung, Frieden und Gemeinschaft möglich macht.Und im Evangelium bei Matthäus sagt Jesus: „Selig, die Frieden stiften; denn sie werden Söhne Gottes genannt werden.“Ich bin gespannt auf diesen Tag und den Ort und habe dir vielleicht ein paar Gedanken in deinen Tag hineingelegt.