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In dieser Episode von Sitzfleisch schlägt eine Nachricht ein wie eine Bombe: Das Race Across America pausiert 2027. Für Straps und Flo ist das weit mehr als die Absage eines Radrennens. Es ist die vorläufige Unterbrechung eines Mythos, der den Ultracycling-Sport über Jahrzehnte geprägt hat. Gemeinsam gehen sie den möglichen Ursachen auf den Grund, analysieren den dramatischen Rückgang der Teilnehmerzahlen, sprechen über fehlende Innovationen, finanzielle Herausforderungen und die Frage, ob das RAAM mit der Zeit gegangen ist oder in ihr stehen geblieben ist. Dabei kommen auch Stimmen aus der Szene zu Wort, darunter Kurt Matzler, Wolfgang Fasching und Philipp Kaider, die ihre persönliche Verbindung zum legendärsten Radrennen der Welt schildern.
Startplätze für den Kitzbüheler Radmarathon:
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Im täglichen Update zum Race Around Austria blicken dieses Mal nicht Flo und Straps, sondern Kougi und Straps auf das aktive Renngeschehen, teilen ihre eigenen Erfahrungen – Christoph Strasser als vierfacher Solo-Sieger auf der Extreme-Distanz, Flo Kraschitzer als langjähriger Betreuer – und geben Einblicke in die Strecke und die Herausforderungen des längsten und härtesten Ultraradrennens Europas. Sprachnachrichten der Teilnehmerinnen und Teilnehmer lockern die täglichen Sitzfleisch Specials zusätzlich auf.
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Nach dem Intro-Fail-Witz und einer herzlichen Gratulation an Franz-Josef Lässer zum frisch geknackten österreichischen Stundenweltrekord (52,054 Kilometer in Grenchen – damit zwölf Jahre nach Matthias Brändles Elite-Rekord von 51,852 km auch ein neuer Para-Weltrekord der Klasse C5) startet die Folge mit einem Feedback der besonderen Art: Falk Döring, der als einziger Teilnehmer die Fähre von Stockholm gewählt hat, hat aus Griechenland heraus – noch mitten im Rennen – auf die letzte Episode reagiert. Seine Route war sogar 50 bis 100 Kilometer kürzer, die 18 Stunden Fährfahrt nutzte er zur Regeneration, und er ist nach knapp 16,5 Tagen im Ziel angekommen.
Zurück im Rennen führt der Weg auf die Fähre nach Swinemünde, wo Straps sich eine Kabine mit Max Agut teilt. Auf einer Fähre, die laut Website eigentlich keine Räder mitnehmen dürfte, sind es vor Ort dann ein paar Euro Aufpreis und eine großartig kooperative Schiffscrew. Der Schlaf ist trotzdem mager, Husten und Kratzen im Hals machen sich bemerkbar. Rückblickend die Vermutung: möglicherweise hat sich Max hier angesteckt, der wenige Tage später ebenfalls aussteigen musste.
In Polen dann der Zusammenbruch in Zeitlupe. Regen beim Verlassen des Schiffs, Schüttelfrost, keine Kraft am Pedal, vier vergebene Hotelversuche am Vormittag. Straps kämpft sich durch, verabschiedet sich innerlich vom Rennmodus, versucht bewusst nicht mehr auf den Tracker zu schauen. Als er endlich ein Zimmer findet, misst er in der Apotheke Fieber. Dazu Atemprobleme, die selbst bei 200 Watt kein tiefes Einatmen mehr zulassen, dazu Durchfall.
Der Anruf bei einem Arzt mit Race-Across-America-Erfahrung bringt Klarheit. Der Spray, der bei Belastungsasthma helfen würde, steht auf der Dopingliste – für Flo ohnehin ein Ausschlusskriterium, für Straps in dem Moment ohne Rezept auch nicht erhältlich. Die Entscheidung zum Aussteigen fällt überraschend leicht, weil die Alternative – hohes Fieber im Straßengraben oder Lungenentzündung im Krankenhaus in Serbien – keine ist. Bei rund 1.900 absolvierten Kilometern und 3.000 offenen ist das nicht der Punkt, an dem sich noch etwas retten lässt.
Die Rückreise mit polnischen und tschechischen Zügen: pünktlich, Radtransport unkompliziert, in Radlklamotten und Radschuhen bis Graz, weil ein spontaner Einkaufs-Stopp mit Rad in der Hand am belebten Bahnhof in Poznań nicht drin war. Zwischendurch die Reflexion: nach fünf TCR-Teilnahmen mit zwei Siegen, Platz 2, Platz 5 und jetzt DNF ist das eigentliche Erfahrungspaket komplett. Und der wichtige Grundsatz, der sich durch die ganze Folge zieht: Menschen können Unglaubliches leisten, aber nur so lange sie gesund sind. Mentale Stärke braucht ein körperliches Fundament.
Der letzte Teil der Folge gehört den kuriosen Geschichten aus dem Rennen: Robert Müllers deformierte Leichtbau-Kassette aus China, die er in der Slowakei gegen eine Shimano 105 tauschen muss, dazu ein Hund, der sein Essen aus der Musette stiehlt. Manuel Feldbaumer verliert 15 Stunden durch ein blockierendes Vorderrad wegen Dynamodefekts, finisht trotzdem als 35. Ein Teilnehmer will am Checkpoint 2 den Stempel, obwohl er Checkpoint 1 einfach ausgelassen hat. Andreas Herig verliert in Kroatien seinen Reisepass, fährt fünf Tage Umweg nach Zagreb, holt einen neuen aus der Botschaft und fährt weiter – und finisht.
Zum Abschluss zwei Sprachnachrichten: Sebi, der letztes Jahr Flo am Zielparcours überholte, hat dieses Jahr entspannt geplant und finisht auf Platz 29, für ihn vorerst das letzte TCR. Und Susi, die im Frühling schon zu Gast im Podcast war, hat ebenfalls aussteigen müssen – blickt aber positiv und ohne Bitterkeit zurück. Genau die Haltung, die auch Straps für sich gefunden hat.
Nächste Woche geht es weiter mit dem Race Around Austria als tägliches Special.
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Straps ist wieder voll im Training – 41 Grad, 9 von 10 auf der Anstrengungsskala und die Erkenntnis, dass sich die Zustände auf der TCR-Strecke in Griechenland gerade ähnlich anfühlen.
Aber es geht gleich zurück ins Rennen, dort, wo die erste kalte norwegische Nacht auf 0 Grad zurollt.
Der Auftakt zeigt sofort die Klassiker eines Ultras: bei diesen Temperaturen bekommt man kaum Flüssigkeit hinunter, weshalb die vorbereitete Gel-Flasche die Kalorienstrategie rettet. Nach einer Begegnung mit Robert Müller lüftet dieser das Geheimnis seines "Couscous-Kochers" – einer Plastikbox, in der über Stunden mittels Sonnenwärme fertiges Essen entsteht. Straps und Flo notieren dazu fünf beobachtete Trends im Rennen: weniger Flaschen und mehr Trinkblasen mit "Kängurubeutel", der Vormarsch der Race-Suits, Full-Frame-Bags, das einfache Kettenblatt und der schmale Grat zwischen Aerooptimierung und Alltagstauglichkeit auf dem WC.
Auf dem Weg zum Parcours 1A entscheidet Straps sich stolz gegen die Asphaltumfahrung – die norwegischen Schotterstraßen erweisen sich einmal mehr als besser als so mancher südosteuropäischer Asphalt, und die 35er Mondos in Tubeless schenken erstmals das Gefühl, auf Gravel wirklich Gas geben zu dürfen. Zwischendurch die norwegische Trinkwasser-Lektion: an einem Rastplatz weist eine grillende Familie freundlich auf den See als Trinkwasserquelle hin, Straps füllt am Ufer die Flaschen samt Peeroton-Pulver auf.
Der Aurlandsfjord wird zum landschaftlichen Höhepunkt der Etappe, gefolgt vom Anstieg zur Hallingskeit-Selbstversorgerhütte, die Straps rechtzeitig gebucht hat. Der Checkpoint 1 nach 700 km zeigt die Zwischenstände: Robin nach 23,5 Stunden voran, dahinter Max Agut, Nicolas Chatelet, Jocelyn Roth, Straps auf Platz fünf – 2:15h Rückstand bei 244 Watt Durchschnitt und 8.500 Höhenmetern. Der Schlaf in der Hütte ist mit dreieinhalb Stunden zerstückelten Powernaps allerdings mager – rückblickend vielleicht schon die ersten leisen Signale des Körpers.
Dann verlässt das Rennen Norwegen und trifft in Schweden auf eine ganz andere Realität: Ikea, McDrive, Verkehr, Gegenwind. Die Fährplanung wird zum strategischen Schwerpunkt der Folge – drei mögliche Häfen (Malmö, Trelleborg, Ystad), drei GPX-Tracks, ein Rennen gegen die Uhr. Robert Müller entscheidet sich früh und sicher für Ystad, weil laut Website in Trelleborg keine Räder mitgenommen werden. Straps setzt genau darauf, dass die Website nicht die ganze Wahrheit erzählt, und pokert auf Trelleborg. Auf den letzten Kilometern erwischt ihn ein Unwetter mit Gewitter, dazu ein Tubeless-Defekt, den die Milch im Regen nur widerwillig dichtet. Trotzdem: Fähre erreicht.
Zwischendurch noch eine Anekdote über eine Booking-Buchung in Schweden, die ins Leere geht (Apartment längst geschlossen, Geld weg), und eine kleine Diskussion über Strava während des Rennens – Straps skeptisch, Flo überzeugt vom Engagement-Vorteil.
Die nächste Folge folgt in wenigen Tagen.
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Nach Flos erster Solo-Episode ist Straps wieder an Bord: Lungenfacharzt-Termin erledigt, Funktionstest und Röntgen perfekt, Trainingsräder rollen wieder.
Vorweg die Gratulation: Robin Gemperle liefert einen dominanten Start-Ziel-Sieg mit einem Setup, das Straps' Verwunderung auslöst – keine Trinkflaschen am Rad, sondern Trinkblasen unter dem Trikot und ein Kängurubeutel am Bauch. Bei den Damen entscheidet Sarah Bosslet ein kopf-an-kopf-Rennen für sich. Beide Leistungen: absolute Klasse.
Von dort springen wir in den chronologischen Rennbericht: Straps verliert bei der Anreise in Oslo fast sein Rad, verpasst deshalb den Flug nach Trondheim und wird nachts vor der Airbnb-Adresse von einem alten TCR-Bekannten aus Dubai gerettet. Das war ungemütlich, aber nicht so schlimm wie bei Jürgen und dem Feedback der Woche: Er wollte beim Bright Midnight sein erstes Ultra fahren – Norwegian Airlines nahm das Rad aber nicht mit, DNS am Flughafen. Absoluter Horror.
Die Routenplanung wird ausführlich seziert: die banned roads rund um Checkpoint 2 im slowakischen Naturschutzgebiet, die Fährenlogistik von Schweden nach Polen mit gleich drei möglichen Zielhäfen und die entscheidende Grenze zwischen Albanien und Griechenland – geschlossen von 21 bis 7 Uhr, was am Ende sogar den Sieg mitentscheidet.
In Trondheim beeindruckt die Stimmung, das Wasser überall, Zimtschnecken zum Verlieben und ein Olympia-Stützpunkt mit Schneehaufen unter Sägespänen fürs kommende Wintersporttraining. Beim Bike-Check trifft Straps auf Robert Müller, den „Aerobert", der sein bisheriges Wasserkanister-Setup mit einer PVC-Halbkugel als Aeroverkleidung auf ein neues Level hebt – online bestellt, mit Kabelbindern auf einem selbst zurechtgesägten Carbonrahmen-Stück montiert.
Zum Abschluss die Zahlen aus dem Startparcours: 195 Kilometer, 1.700 Höhenmeter, 6:26 Stunden, 272 Watt Durchschnitt – und trotzdem 20 Minuten Rückstand auf Robin. Ein deutliches Zeichen, was in dieser Ausgabe an der Spitze los war. Nicolas Chatelet, der Vorjahresführende, fährt bei identischen Werten wie 2025 – und liegt trotzdem hinter Robin.
Die nächsten Wochen kommen zwei Episoden pro Woche. Danach wartet eine Überraschung.
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Flo sitzt zum ersten Mal seit über sechs Jahren ohne Straps am Mikro – und holt sich dafür eine Gesprächspartnerin, deren Geschichte erst vor fünf Jahren beginnt. 2021 kauft Lilli Scheuermann ihr erstes Gravelbike, vorher war sie mit einer Klapperkiste mit drei Gängen zum Bäcker gefahren. Über YouTube-Dokus stolpert sie ins Bikepacking, 2023 folgt die erste Solotour: 430 Kilometer in vier Tagen. Beim Salt and Lake in Österreich regnet es zwei Tage durch, drei Grad am Berg, keine Handschuhe, keine gescheite Regenjacke. Sie leidet, sie finished, sie ist angefixt.
Dann entdeckt sie das Bright Midnight. Zehn Monate Vorbereitung, den ganzen Winter durchgefahren, jedes Teil getestet, das Zelt raus, der Schlafsack rein. In Norwegen kommt trotzdem alles: Kälte am ersten Tag, zwei Stürze aufs Knie, eine Nacht auf dem Boden eines Campingplatz-Duschraums, Unterleibschmerzen am Anstieg zum Checkpoint, ein Kilometer Sumpf in einer halben Stunde, Kotbeutel über den nassen Socken, ein fast gerissener Schaltzug und vier bis fünf Stunden Reparatur mit Isotape am Straßenrand. Und dann der Gegner, mit dem sie nicht gerechnet hatte – nicht die Beine, sondern der Kopf. Am 17-Kilometer-Anstieg macht er zu. Oben am Sognefjell, halb zehn abends, 90 Kilometer auf dem Tacho, fällt die Entscheidung zu scratchen.
Ein Gespräch über Zweifel, die schon lange da sind, über die Frage, warum man sich das antut, wenn Profis rausfliegen, und darüber, wie der Videoschnitt zur Therapie wurde. Am Ende blickt Lilli schon nach vorne: Mitte September, Borderline 700, erstmals mit dem Rennrad, 40 Kilometer Kopfsteinpflaster inklusive.
Lillis Video zum Bright Midnight ist absolut sehenswert – die Landschaft dort ist besser transportiert als in jeder Erzählung.
Das sehenswerte YouTube-Video von Lilli: https://youtu.be/CSrrX0zDPTY?si=4HCQEFtVmkJd5FoW
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