Dominik Frey, katholische Kirche: Immer noch eine Zeit der Geister und der alten Bräuche? (Verkündigungssendung)
Die Zeit zwischen Heiligabend und Dreikönig nennt man auch „Rauhnächte“. Vielleicht, weil sie besonders rau und unwirtlich sind. Vielleicht kommt das „rau“ aber auch von „Rauch“, weil früher in dieser Zeit die Räume und Ställe mit Weihrauch geräuchert wurden, um böse Geister zu vertreiben.
In den Rauhnächten hat man sich abends in der Stube am Kaminfeuer getroffen, um Geschichten von den Ahnen oder Märchen zu erzählen. Man hat Hausmusik gemacht, gestickt oder Körbe geflochten. Es gab klare Regeln für diese Zeit: keine Wäsche im Freien aufhängen zum Beispiel, Unordnung vermeiden und keine Glücksspiele. Denn die Zeit gehörte den Geistern und Naturwesen, und denen wollte man so wenig Angriffsfläche wie möglich bieten.
Heute klingt das überholt. An Geister glaubt schon lange niemand mehr. Und die Zeiten, wo man sich um ein Kaminfeuer versammeln musste, scheinen vorbei zu sein: Mittlerweile gibt es Heizungen, gut isolierte Häuser und ein exzellentes Unterhaltungsprogramm.
Ich finde die ursprüngliche Idee hinter den Rauhnächten trotzdem gut – auch heute noch. Es ging ja darum, die Zeit gut zu nutzen, in der man zur Pause verdonnert war, weil die Natur gerade Pause macht und weil es draußen kalt und dunkel ist. Und da hat man offenbar auf verschiedene Dinge Wert gelegt: Zeit für sich und Zeit für andere haben zum Beispiel. Oder sich seiner Herkunft bewusst zu bleiben. Sich mit der unsichtbaren Welt zu beschäftigen. Alles Dinge, die auch heute noch aktuell sind. Und gerade in der Weihnachtszeit – denn genau in diese Zeit fallen ja die Raunächte – habe ich vielleicht eher Zeit dafür als unterm Jahr, wo alles eng und streng getaktet ist.
Ich hätte da schon ein paar gute Ideen, wie das gehen könnte: sich mit Freunden oder der Familie treffen. Vielleicht nicht in einer Bauernstube am Kamin, aber auf dem Sofa oder in einem gemütlichen Lokal. Vielleicht gibt's ja einen Kaminofen. Wer nicht zusammen musizieren kann – gute Musik gibt’s auch aus der Konserve.
Warum nicht Bilder von alten Freunden oder auch Verstorbenen aufstellen und sich an ihre Spleens oder berühmten Sprüche erinnern. Statt Körbe zu flechten könnte ich einem Hobby nachgehen, das ich unterm Jahr eher vernachlässige – ein Aquarell malen, Klarinette spielen oder ein altes Möbelstück auf Vordermann bringen. Und die Rauhnächte sind von jeher eine Zeit, in der man seine Gefühle und Träume ernst nehmen sollte. Vielleicht führe ich ein Gefühls- oder Traumtagebuch. Und manch einer kann in dieser Zeit eine gute Entscheidung fürs neue Jahr treffen.
Die Rauhnächte – genau die richtige Zeit, um mich auf meine Vorfahren, meine Familie, meine Fähigkeiten und meine Freunde zu konzentrieren. Um mir mal wieder klar zu machen, wo ich herkomme, was mich ausmacht und wen ich schätze.
Dominik Frey aus Baden-Baden von der kath. Kirche