Dominik Frey, katholische Kirche: Ich wünsche allen einen krippalen Infekt! (Verkündigungssendung)
Wenn mir jemand in diesen Tagen einen grippalen Infekt wünscht, dann würde ich sagen: ja geht's noch! So kurz vor Weihnachten kann ich weder Schnupfen, Halsweh noch Husten brauchen. Bleib mir fort! Und wenn derjenige, der den grippalen Infekt wünscht, auch noch Klinikseelsorger ist, dann erst recht.
Es gibt aber einen, der das tatsächlich tut: Der Klinikseelsorger Wolfgang Raible aus Stuttgart. Er wünscht den Leuten in der Weihnachtszeit tatsächlich einen „krippalen“ Infekt. Wolfgang Raible erklärt dann schnell: „Ich wünsche Ihnen einen „krippalen“ Infekt mit K – dass Sie sich vom Kind in der Krippe anstecken lassen.“ Ach daher weht der Wind. Nicht die Krankheit ist gemeint, sondern die Futterkrippe, in der Jesus zu Welt gekommen sein soll.
Wenn man nachfragt, von was genau man sich denn nun anstecken lassen soll, dann hat Wolfgang Raible drei Antworten parat. Er macht den krippalen Infekt mit K an drei Symptomen fest. Vielleicht schauen Sie mal bei sich selbst, ob Sie schon infiziert sind.
Das erste Symptom heißt „Schwäche“. Jesus hatte eine Schwäche für seine Mitmenschen, vor allem für diejenigen, die im Abseits gestanden sind: Prostituierte, Bettler, Kranke, Zöllner, Ehebrecher. Wenn Sie damit infiziert sind, dann merken Sie das daran, dass auch Sie eine Schwäche haben für Ihre Mitmenschen – für Nachbarn, Kolleginnen, Verwandte oder Menschen, die Ihnen auf der Straße begegnen. Interessieren Sie sich dafür, wie es denen geht, was die gerade brauchen, was sie aufregt oder woran sie leiden?
Das zweite Symptom heißt „Fieber“. Jesus hat nach Gerechtigkeit gefiebert. Er hat alles infrage gestellt, was irgendwie nach Ungerechtigkeit gerochen hat: seine eigene Religion, die Gesellschaft, den Staat. Vielleicht fiebern auch Sie danach, dass es gerechter und friedlicher zugeht bei uns. Dass Konzerne, Staaten und auch die Kirchen aufhören, die Natur und die Menschen auszubeuten.
Das dritte Symptom des krippalen Infekts heißt „Schluckbeschwerden“. Jesus konnte einfach nicht mehr schlucken, was da so alles passiert ist um ihn herum. Er war eigentlich ein Revolutionär, der die bestehende Ordnung auf den Kopf stellen wollte. Wollen vielleicht auch Sie nicht mehr alles schlucken? Wenn zum Beispiel Geld an den falschen Stellen landet, wenn jemand oberflächlich und dumm daherredet und dabei andere gefährdet?
So ein krippaler Infekt tut gut. Diese Art von Symptomen - Schwäche, Fieber, Schluckbeschwerden - die braucht es, damit sich was ändern kann. Nur wer sich für die anderen interessiert, wer sich danach sehnt, dass es anders wird und wer nicht mehr alles hinnimmt – der kann auch die Welt verändern. So wie das kleine Kind in der Krippe. Krippe mit K.
Dominik Frey aus Baden-Baden von der Kath. Kirche