Das klingt wie ein Widerspruch: Silber ist ja ein Edelmetall. Und Edelmetalle heißen deshalb so, weil sie beständig sind und zum Beispiel nicht rosten, also nicht oxidieren.
Schwefelwasserstoff greift das Silber an
Obwohl Silber ein Edelmetall ist, läuft es an. Dieses Anlaufen ist auch eine Form von Oxidation. Unter Oxidation verstehen wir meist, dass sich ein Stoff mit Sauerstoff verbindet. Allerdings kann es in der Chemie auch andere Formen der Oxidation geben, etwa mit Schwefel. Genau das passiert mit dem Silber unter bestimmten Bedingungen. Vor allem Schwefelwasserstoff kann das Silber angreifen – Schwefelwasserstoff, chemisch H2S, gibt es in Spuren überall in der Luft.
Eier und Fisch lassen Silberbesteck anlaufen
Wenn die Konzentration von Schwefelwasserstoff stärker ist, kann man das riechen: Das ist der berühmte Faule-Eier-Geruch. Der heißt deshalb so, weil Eier diese Schwefelwasserstoffverbindungen verstärkt enthalten. Genauso wie Fisch. Deshalb läuft Silberbesteck vorzugsweise dann an, wenn wir damit Eier oder Fisch essen. In dieser Konstellation passiert dann bei einem Silberlöffel Folgendes: Die Oberfläche des Silbers nimmt aus dem Schwefelwasserstoff den Schwefel weg und wird zu "Schwefelsilber", also: Silbersulfid. Das hat diesen bräunlich-schwarzen Farbton, den wir als "angelaufen" bezeichnen.
Das sieht nicht schön aus, ist aber nicht giftig.