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WDR Zeitzeichen episodes

  • Vor 100 Jahren: Die Erfindung von Eis am Stiel

    Die wirklich großen (und auch viele kleine) Erfindungen der Menschheit beruhen oft auf Zufällen: So auch die Erfindung von Eis am Stiel, das 1923 patentiert wird.



    Der elfjährige Frank Epperson lässt aus Versehen ein Glas Limonade mit Löffel auf der Veranda stehen. Die Brause gefriert über Nacht und heraus kommt sein erstes Fruchteis am Stiel. Als Erwachsener erinnert sich der Amerikaner an sein frostiges Erlebnis und lässt sich 1923 seine Zufallserfindung unter dem Namen "Popsicle" patentieren.

    Im gleichen Jahr setzt sein Landsmann Harry Burst noch einen drauf. Er garniert Vanilleeis mit einem Schokoladenüberzug und präsentiert das Ganze ebenfalls an einem Holzstäbchen. Fertig ist der erste so genannte Rahmeislutscher. Bereits 1924 findet das Stieleis seinen Weg nach Deutschland und setzt sich unter dem Namen "Steckerleis" schnell durch.

    Heute versuchen die Firmen ihre Kunden mit immer neuen Sorten und Spezialitäten bei Laune zu halten. Darunter sind auch besonders außergewöhnliche Kreationen wie Weißwurst- oder Gin-Tonic-Gurke-Eis. Erlaubt ist eben, was schmeckt.

    In diesem Zeitzeichen erzählt Ralf Gödde:

    • Wieviel Eis jeder Deutsche durchschnittlich pro Jahr verputzt
    • Warum der Eis-Transport im Römischen Reich ein Wettlauf gegen die Zeit ist
    • Welche unterschiedlichen Stiel-Eis-Esser es gibt

    Das ist unser wichtigster Interviewpartner:
    • Ernst Kammerinke, Bundesverband der Deutschen Süßwaren-industrie

    Weiterführende Links:
    • ARD-Morgenmagazin: Zeitreise - 100 Jahre Eis am Stiel
    • Deutschlandfunk: 100 Jahre Eis am Stiel - Mobil schlecken mit sauberen Händen

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    Die Macher hinter diesem Zeitzeichen:
    Autor: Ralf Gödde
    Redaktion: Matti Hesse

    15 min
  • "Spiel mir das Lied vom Tod" hat Premiere (am 21.12.1968)

    Sergio Leone schafft einen Klassiker der Filmgeschichte: "C´era una volta di West" ist der Western schlechthin, Ennio Morricones Soundtrack legendär...



    Es sind die vielleicht spannendsten 14 Minuten der Filmgeschichte, in denen eigentlich nichts passiert: Drei Revolverhelden kommen mit ihren Pferden an einem verlassenen Viehbahnhof an und warten auf jemanden. Ein quietschendes Windrad, knackende Fingerknöchel, eine Fliege, die über eine unrasierte Wange krabbelt. Am 21. Dezember 1968 fesselt in Rom eine ungewohnte Regungslosigkeit das Premierenpublikum des Westerns "Spiel mir das Lied vom Tod".

    Schließlich trifft ein Mann mit dem Zug ein. Er ist ein einsamer Rächer mit schnellen Händen, der mit einem dunklen Geheimnis durch die Wüste Arizonas streift. Dabei hat er ein Ziel klar vor Augen.

    In diesem Zeitzeichen erzählt Burkhard Hupe:

    • Wie die Fliege filmgerecht auf die unrasierte Wange gelockt wird.
    • Inwiefern "Spiel mir das Lied vom Tod" eine Western-Zitate-Kiste ist.
    • Welche Rolle Claudia Cardinale in dem Film spielt.
    • Welche geniale Komposition von Musik und Rückblenden für Spannung bis zum Schluss sorgt.
    • Warum die Uraufführung in Italien und nicht in den USA stattfindet.

    Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
    • Harald Steinwender: Sergio Leone - Es war einmal in Europa/Verlag Bertz und Fischer, 2012
    • Interview mit Sergio Leone von 1987 über den Film "Spiel mir das Lied vom Tod" (auf Italienisch)

    Weiterführende Links:
    • NDR-Radiophilharmonie: "Spiel mir das Lied vom Tod"
    • Planet Wissen: Der Western - Urform des amerikanischen Kinos
    • Stichtag: Erstes Copyright für einen Wildwestfilm
    • Stichtag: "Bonanza" startet im deutschen Fernsehen
    • Zeitzeichen: Uraufführung des Westerns "High Noon"

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    Die Macher hinter diesem Zeitzeichen:
    Autor: Burkhard Hupe
    Redaktion: David Rother

    15 min
  • Moment der Menschlichkeit im Krieg: Luftbegegnung Stigler/Brown

    Mitleid im Zweiten Weltkrieg? Ein deutscher Jagdflieger trifft beim Luftkampf auf einen US-Bomber, der wehrlos ist. In dieser Situation steht viel auf dem Spiel.



    Noch ein "Luftsieg" über einen feindlichen Bomber, dann winkt dem deutschen Jagdflieger Franz Stigler das NS-"Ritterkreuz" als Belohnung. Er will diesen Abschuss auf jeden Fall schaffen. Doch als er die "Fliegende Festung" des US-Piloten Charles Brown vor sich sieht, ist plötzlich alles anders.
    Fast der gesamte Bug der "B-17" ist weggerissen. In einer Tragfläche klafft ein Loch, Teile der Besatzung sind tot oder schwer verletzt. Der beschädigte Bomber verliert dramatisch an Höhe. Franz Stigler hat den Finger am Abzug, als ihm klar wird: Dieser Gegner ist völlig wehrlos. Und trifft eine für ihn lebensgefährliche Entscheidung.

    In diesem Zeitzeichen erzählt Wolfgang Meyer:

    • Wie viele feindliche Flugzeuge Franz Stigler schon abgeschossen hat.
    • Mit welchem Ziel die US-Kampfformation unterwegs ist, zu der auch Charles Brown gehört.
    • Wie der Showdown abläuft.
    • Warum Stigler nach dem Zweiten Weltkrieg ein Auszeichnung erhält - allerdings nicht in Deutschland.
    • Wie sich Franz Stigler und Charles Brown nach Jahrzehnten finden.
    Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
    • Adam Makos, Larry Alexander: A Higher Call. An Incredible True Story of Combat and Chivalry in the War-Torn Skies of World War II. Penguin, New York 2012
    • Martin Eich: Ein Gentleman in der Messerschmitt, FAZ vom 19. Dezember 2017
    • John Blake: Two enemies discover a 'higher call' in battle. CNN International, 9. März 2013
    Weiterführende Links:
    • Stichtag: Briten befehlen Bombardierung deutscher Städte
    • Stichtag: Beginn der Bombardierung Dresdens
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    Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen:
    Autor: Wolfgang Meyer
    Redaktion: David Rother

    17 min
  • Sie porträtiert kluge Köpfe: Die Fotografin Gisèle Freund

    Virginia Wolf, James Joyce, Simone de Beauvoir: Berühmte Porträts dieser Persönlichkeiten stammen von Gisèle Freund, geboren am 19.12.1908. Ihre Kunst: Sie fängt mit der Kamera die Essenz der Menschen ein.



    Gisèle Freund wächst wohlbehütet und großbürgerlich in Berlin auf. Der Physiker Albert Einstein wohnt gegenüber. Der Maler Max Liebermann ist ein Freund der Familie. Ihr Vater ist ein jüdischer Textilfabrikant und schenkt ihr früh eine Kamera – damit sie sich "ausdrücken" kann.
    Entgegen gesellschaftlicher Normen bestimmt Gisèle Freund ihren eigenen Lebensweg. Statt auf die Hauswirtschaftsschule zu gehen, setzt sie ein Soziologie-Studium bei den Eltern durch und flüchtet nach Paris, als Hitler die Macht übernimmt.
    In Paris findet sie dank ihrer guten Bildung schnell Zugang zu Künstlern und Schriftstellern, die sie auch fotografiert. Ihr Geheimnis: "Im Laufe der Unterhaltung vergisst der Mensch den Apparat. Und dann kommt der Moment, den ich abpassen muss, um ihn dann zu fotografieren, dann erscheint er mir das, was er ist." So prägt Gisèle Freund die Kunst der Porträtfotografie entscheidend.
    "Gisèle Freund war umwerfend. Von einer Lebendigkeit, die uns Jüngere fast überrollt hat", sagt Klaus Honnef, der Freunds Bilder als erster in Deutschland ausgestellt hat. Gisèle Freund hat immer betont, dass das Glücklichsein und das Glücklichmachen von Menschen das Wesentliche im Leben sind. Eine Lebenseinstellung, die man ihren Bildern ansieht.

    In diesem Zeitzeichen erzählt Anke Rebbert:

    • Über Gisèle Freunds Kindheit in Berlin.
    • Wie die Fotografin ins Pariser Künsterleben eintaucht.
    • Warum Gisèle Freund und Frida Kahlo sich anfreunden.
    • Wie sie es schafft, die Schuhe und den Diamant-Schmuck von Evita Peron zu fotografieren.

    Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
    • Jessica Backhaus, Fotografin und Freundin von Gisèle Freund
    • Klaus Honnef, ehemaliger Direktor des Rheinischen Landesmuseum in Bonn

    Weiterführende Links:
    • 21.7.1977: Kriegsfotografin Lee Miller stirbt in Chiddingly
    • 6.1.1942: Die Fotografin Tina Modotti stirbt in Mexiko-City
    • 2.9.1934: Geburtstag der Fotografin Hilla Becher
    • 9.12.1919: Fürstin Marianne Sayn-Wittgenstein-Sayn wird geboren

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    Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen:
    Autorin: Anke Rebbert
    Redaktion: Gesa Rünker
    Technik: Nico Söllner

    15 min
  • Die Eiszeitkünstler: Als der Homo Sapiens kreativ wurde

    Die ältesten Kunstwerke der Menschheit liegen in einer schwäbischen Höhle - das berichtet "Nature" am 18.12.2003. Ein neuer Blick auf die frühe Menschheitsgeschichte...



    Die Zeitung "Nature" berichtet am 18. Dezember 2003 zuerst über den spektakulären Fund: ein Wasservogel, ein Löwenmensch und ein Pferdekopf. Letzterer wird sich Jahre später als Bär herausstellen. Alle Figuren sind nur wenige Zentimeter groß, aber belegen die künstlerischen Begabungen der Steinzeitmenschen in der Schwäbischen Alb.

    Bis dahin haben Wissenschaftler Steinzeitkunst vor allem in Frankreich vermutet, etwa in den aufwändig ausgemalten Höhlen von Lascaux, während in Deutschland die eher grobschlächtigen Neandertaler verortet sind. Nun zeigt sich: Der moderne Homo Sapiens ist auch diesseits der Alpen den schönen Dingen zugeneigt: Er schnitzt nicht nur, sondern er musiziert auch. Das beweisen die ebenfalls in Höhlen der Schwäbischen Alb gefundenen Knochenflöten. Und wo musiziert wird, da wird wohl auch gesungen und getanzt.

    Bei folgenden Ausgrabungen kommen weitere Schnitzereien und Flöten zutage. 2017 werden die sechs Höhlen auf der Schwäbischen Alb "als einzigartiges Zeugnis menschlichen Kunst- und Kulturschaffens" in die Welterbe-Liste der UNESCO aufgenommen.

    In diesem Zeitzeichen erzählt Marko Rösseler:

    • Dass die Höhlen keine Dauerwohnungen sind.
    • Von den jahrelangen Ausgrabungen auf der Schwäbischen Alb.
    • Wie aus einem Pferd ein Bär wurde.
    • Warum dicke Frauen zu den beliebtesten Motiven der Steinzeit gehören.

    Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
    • Nicholas John Conard, Archäologe
    • Conard, J. Nicholas: Palaeolithic ivory sculptures from southwestern Germany and the origins of figurative art. In: Nature. 18. Dez. 2003

    Weiterführende Links:
    • Planet Wissen: Kunst in der Eiszeit
    • Zeitzeichen: In den Alpen wird der Ötzi gefunden
    • Zeitzeichen: Präsentation der "Venus vom Hohle Fels"
    • Museum Ulm: Der Löwenmensch
    • Unesco: Höhlen der Schwäbischen Alb

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    Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen:
    Autor: Marko Rösseler
    Redaktion: David Rother

    15 min
  • Verschwörungstheorie mit Nachwirkung: Die Dolchstoßlegende

    Die deutsche Kriegsniederlage als Werk der Gegner im eigenen Land: Die Dolchstoßlegende ist am 17.12.1918 in der Neuen Zürcher Zeitung zu lesen. Sie verbreitet sich.



    Die Mär von der im Feld siegreichen Armee, deren Erfolge auf dem Schlachtfeld in der Heimat untergraben werden, kommt vielen gelegen. Die hohen Militärs nutzen die Dolchstoßlegende, um jegliche Verantwortung an der Niederlage des Ersten Weltkriegs von sich zu weisen.

    Rechtskonservative, Deutschnationale und schließlich die Nationalsozialisten halten den Mythos aufrecht, um die verhasste Weimarer Republik zu diskreditieren. Schließlich sitzen dort jene Politiker an der Macht, die den Soldaten den Todesstoß durch ihre Friedensinitiativen und der Unterzeichnung des Friedensvertrages versetzt haben.

    Die Strategie geht auf: Adolf Hitler kommt 1933 auch wegen seiner Hetze gegen den Versailler Vertrag an die Macht und führt Deutschland erneut in den Krieg. Der endet mit der bedingungslosen Kapitulation der Deutschen. Auch, weil die Alliierten diesmal eine Verraterzählung, die durch einen Friedensvertrag genährt werden könnte, verhindern wollen.

    In diesem Zeitzeichen erzählt Almut Finck:

    • Was die Nibelungentreue mit der Dolchstoßlegende zu tun hat.
    • Wie viel Antisemitismus in der Dolchstoßlegende steckt.
    • Warum das Narrativ vom "Verrat im eigenen Land" vielen Deutschen gefällt.
    • Wie Wladimir Putin ein Jahrhundert später wieder die Dolchstoßlegende aufgreift.

    Das ist unser Interviewpartner:
    • Jörn Leonhard, Historiker an der Universität Freiburg

    Weiterführende Links:
    • 29. März 1909: Bühlow prägt den Begriff der Nibelungentreue
    • 8. November 1918: Ende des Ersten Weltkriegs
    • Von der Falschmeldung zur Dolchstoßlüge

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    Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen:
    Autorin: Almut Finck
    Redaktion: Gesa Rünker
    Technik: Antonia Herzog

    16 min
  • Oliver Cromwell wird Lordprotektor des britischen Commonwealth

    Am 16. 12.1653 wird Oliver Cromwell als Lordprotektor vereidigt. Wie wurde aus dem engagierten Parlamentarier ein de facto diktatorischer Alleinherrscher?



    Oliver Cromwell ist eine der umstrittensten Persönlichkeiten der britischen Geschichte. Einerseits stärkt er das Parlament, erarbeitet eine Verfassung mit einem bis heute geltenden Prinzip: der Gewaltenteilung. Andererseits aber ist er ein brutaler Kriegsherr, dem nicht nur gegnerische Soldaten, sondern auch zahlreiche Zivilisten zum Opfer fallen.
    Auf Cromwells Veranlassung enthaupten die Engländer 1649 ihren König Charles I. Mit dem Land verändert sich in der Folge auch Oliver Cromwell. Nachdem er am 16. Dezember 1653 als Lordprotektor vereidigt wird, entwickelt sich der leidenschaftliche Parlamentarier zum Alleinherrscher, ähnlich dem König, den er vorher bekämpft hat. Der Lordprotektor hat eine Rolle, die irgendwo zwischen der eines Königs und eines Präsidenten liegt.
    Cromwells Regierungszeit währt nur kurz: Nach fünf Jahren stirbt er am 3. September 1658 mit 59 Jahren an Malaria, mit der er sich in Irland infiziert. Zu seinem Nachfolger bestimmt er seinen Sohn Richard. Der erweist sich aber für Regierungsgeschäfte ungeeignet, frönt stattdessen dem schönen Leben, ist verschuldet und setzt sich nach Frankreich ab. Das ist das Ende bürgerlicher Staatsoberhäupter in Großbritannien.

    In diesem Zeitzeichen erzählt Irene Dänzer-Vanotti:

    • Wie selbst ein enthaupteter König vor groben Scherzen der britischen Komiker-Gruppe Monty Python nicht sicher ist.
    • Auf welches Alleinstellungsmerkmal in der britischen Geschichte König Charles I. lieber verzichtet hätte.
    • Wie der Commonwealth seinen Ursprung in einem blutigen Bürgerkrieg findet.
    • Warum die Weisheit "Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben" sich schon 1653 als zutreffend herausstellt.

    Das ist unser wichtigster Interviewpartner:
    • Stuart Orme (Leiter des Cromwell Museums in Huntington)

    Weiterführende Links:
    • Zeitzeichen: 18.04.1949 - Irland tritt aus dem Commonwealth aus
    • Stichtag: 21. April 2006 - Vor 80 Jahren: Queen Elisabeth II. wird geboren
    • Die Queen ist tot: Nicht die ganze Welt trauert um Elizabeth II.

    Unser Hörtipp: WDR 5 "Das Philosophische Radio" mit Jürgen Wiebicke

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    Autorin: Irene Dänzer-Vanotti
    Redaktion: Matti Hesse
    Technik: Christina Gabriel

    15 min
  • Die Schlacht von Tricamarum: Ende des Vandalenreichs

    533 verschwanden die Vandalen aus der Weltgeschichte. Würden sich die Vandalen im Grabe umdrehen, wenn sie wüssten, was wir mit ihnen verbinden? Wäre das Vandalismus?,



    Am 15. Dezember 533 unterliegt Vandalen-König Gelimer mit seinen Truppen in der Schlacht von Tricamarum den Soldaten Ostroms. Damit verschwinden die Vandalen aus der Weltgeschichte, in der sie 130 Jahre lang eine wichtige Rolle gespielt haben. Schriftliches bleibt nicht von ihnen. Aber bis heute wird blindwütige Zerstörung als "Vandalismus" bezeichnet. Der Begriff ist aber wohl erst Jahrhunderte später während der französischen Revolution entstanden.

    Als der Mob in Paris wütet, Kirchen zerstört und Heiligengräber schändet, sucht ein Pfarrer nach einem Bild für die Verwüstungen. Schließlich redet er im Konvent "Über den Vandalismus und die Möglichkeiten seiner Unterdrückung".

    Bei den Original-Vandalen handelt es sich um einen eher kleinen Stammesverband, der jahrhundertelang zunächst in der Gegend des heutigen Schlesien lebt. Um das Jahr 400 ziehen die meisten Vandalen zusammen mit den verbündeten Alanen Richtung Westen.

    Am Rhein ist wegen der dort stationierten Hilfstruppen der Römer fast Endstation. Die Franken werden dafür bezahlt, die Ostgrenze des Römischen Reiches zu verteidigen. Bei der Schlacht im Dezember 406 sollen bis zu 20.000 Vandalen gefallen sein. Der Rest schafft es über den Rhein und macht sich auf den Weg nach Gallien. Jahrelang ziehen die Vandalen mordend und beutesüchtig durch das reiche Gallien und über Spanien bis nach Nordafrika.

    Erst mit der Niederlage in der Schlacht von Tricamarum findet ihr Weg der Zerstörung sein Ende.

    In diesem Zeitzeichen erzählt Heiner Wember:

    • Welch perfiden Pläne die Römer mit den germanischen Stämmen haben.
    • Wie die Vandalen in Cartagena unverhofft in Besitz einer eigenen Marine gelangen.
    • Welcher römisch-katholische Kirchenvater die Propaganda- Schlachten gegen die Vandalen anführt.
    • Dass Vandalen schon lange vor Eröffnung des Ballermanns auf Mallorca hausen.

    Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
    • Professor Konrad Vössing, Professor für Alte Geschichte an der Universität Bonn
    • Professor Roland Steinacher, Professor für Alte Geschichte an der Universität Innsbruck
    • Konrad Vössing: Die Vandalen, 2018
    • Roland Steinacher: Die Vandalen: Aufstieg und Fall eines Barbarenreichs, 2016

    Weiterführende Links:
    • Zeitzeichen: Im Jahr 116 - Römisches Reich so groß wie nie
    • Planet Wissen: Tacitus' Germania
    • Planet Wissen: Die "barbarischen" Germanen

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    Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen:
    Autor: Heiner Wember
    Redaktion: Matti Hesse
    Onineproducerin: Vera Kettenbach

    15 min
  • Kirche für Gerechtigkeit: Der Theologe Leonardo Boff

    Der brasilianische Befreiungstheologe Leonardo Boff, geboren am 14.12.1938, setzt sich für Menschenrechte ein und geht in den Konflikt mit der katholischen Amtskirche.



    Für den brasilianischen Befreiungstheologen Leonardo Boff muss die Kirche eine Kirche der Armen sein. Er kritisiert die Kirche dafür, dass sie nach seinem Empfinden ihre Dogmen über die Menschen stellt. Damit rüttelt Boff in den 1970er- und 80er-Jahren schwer an den Grundfesten der katholischen Kirche und landet schließlich auf der Anklagebank des Vatikan. Sein Gegenspieler - ein einstiger Unterstützer: Joseph Kardinal Ratzinger, oberster Glaubenshüter, der spätere Papst Benedikt XVI.

    Während seiner religiösen Ausbildung verehrt Boff den brillanten Denker Joseph Ratzinger. Der wird Zweitgutachter seiner Dissertation. Und ein Förderer. Mit einer erheblichen finanziellen Unterstützung ermöglicht er die Veröffentlichung der Doktorarbeit von Leonardo Boff. Eine Freundschaft entsteht, die mit Ratzingers Aufstieg im Vatikan auf eine harte Probe gestellt wird.

    In diesem Zeitzeichen erzählt Susanne Rabsahl:

    • Dass der Befreiungstheologe Leonardo Boff auch schon mal mit dem Weihnachtsmann oder Karl Marx verglichen wird.
    • Wie der intellektuelle Vater und die im Glauben unerschütterliche Mutter ihrem Leonardo und dessen zehn Geschwistern Gerechtigkeit, Gemeinschaftlichkeit aber auch ein Freiheitsstreben gewissermaßen in die Wiege legen.
    • Wie Joseph Ratzinger immer weniger Verständnis für eine progressive Erneuerung der katholischen Kirche zeigt.
    • Warum sich Leonardo Boff vor vor der Glaubenskongregation des Vatikan ins Mittelalter zurückversetzt fühlt.

    Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
    • Professor Gerhard Kruip, Professor für Christliche Anthropologie und Sozialethik an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz

    Weiterführende Links:
    • Planet Wissen: Die politische Struktur des Vatikans
    • Planet Wissen: Papst Benedikt XVI.
    • Zeitzeichen: 19.04.2005: Kardinal Ratzinger wird Papst

    Unser Hörtipp: WDR 5 "Das Philosophische Radio" mit Jürgen Wiebicke

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    Die Macherinnen hinter diesem Zeitzeichen:
    Autorin: Susanne Rabsahl
    Redaktion: Gesa Rünker
    Technikerin: Annette Skrzydlo
    Onlineproducerin: Vera Kettenbach

    16 min
  • Holocaust-Überlebender und Computer-Revolutionär: Jack Tramiel

    Der Mann, der den legendären "Commodore 64" auf den Markt brachte, ist nur vier Jahre zur Schule gegangen. Dies ist die beeindruckende Lebensgeschichte von Jack Tramiel, offiziell geboren am 13.12.1928...



    Der "Commodore 64" steht als erster Computer in den Regalen der Kaufhäuser, nicht mehr im Fachhandel. Ein Jahr nach der Markteinführung im August 1982 kostet er nur noch 300 Dollar.

    Die Commodore -Werbung stichelt gegen die damaligen Konkurrenten IBM, Apple und Atari, sie müssten sich warm anziehen. Die Revolution der Computerindustrie beginnt. Und hinter ihr steckt Jack Tramiel.

    Jack Tramiel kommt als Idek Trzmiel im polnischen Lodz als Kind jüdischer Eltern zur Welt. Die Nazis deportieren die Familie 1944 aus dem jüdischen Ghetto nach Auschwitz-Birkenau. Idek überlebt den Holocaust - seine gesamte Verwandtschaft kommt darin ums Leben..

    Idek Trzmiel gelangt nach dem Krieg in die USA. Dort macht er unter seinem neuen Namen Jack Tramiel Karriere mit dem Handel und der Reparatur von Büromaschinen. Als Ziehvater des "Commodore 64" und später bei Atari revolutioniert Tramiel den Computermarkt. "Homecomputer" werden für die Verbraucher erschwinglich und halten Einzug in die private Nutzung.

    Bevor Jack Tramiel 2012 stirbt, hält er dankbar Rückschau auf sein wechselvolles Leben: "Ich bin ein sehr glücklicher Mensch. 1945 wurde ich wiedergeboren. Aber ich schaue nicht zurück. Und ich habe keinerlei Hass in mir. Ich habe ein Unternehmen aufgebaut, ich habe eine Familie gegründet [...] und wir sind alle sehr froh darüber, was wir erreicht haben."

    In diesem Zeitzeichen erzählt Jana Magdanz:

    • Wie Idek Trzmiel durch Fässer mit eingelegten Gurken lernt, erfolgreicher Unternehmer zu werden.
    • Warum Idek bei seiner Einreise in die USA mit seinem Geburtsdatum schwindelt.
    • Auf welcher goldenen Regel sein beispielloser Erfolg fußt.
    • Wie der "Commodore 64" zu seinem militärischen Namen kommt.

    Das ist unser wichtigster Interviewpartner:
    • Jochen Viehoff (Geschäftsführer Nixdorf-Computermuseum)

    Weiterführende Links:
    • Blog-Beitrag des Heinz-Nixdorf-MuseumsForum.
    • Commodore produziert in Deutschland.
    • Jack Tramiel im O-Ton beim 25-jährigen Jubiläum des C64.
    • Stichtag: 27. Januar 1945 - Befreiung des KZ Auschwitz

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    Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen:
    Autorin: Jana Magdanz
    Redaktion: David Rother
    Technik: Sascha Schiemann

    16 min

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