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Die wirklich großen (und auch viele kleine) Erfindungen der Menschheit beruhen oft auf Zufällen: So auch die Erfindung von Eis am Stiel, das 1923 patentiert wird.
Der elfjährige Frank Epperson lässt aus Versehen ein Glas Limonade mit Löffel auf der Veranda stehen. Die Brause gefriert über Nacht und heraus kommt sein erstes Fruchteis am Stiel. Als Erwachsener erinnert sich der Amerikaner an sein frostiges Erlebnis und lässt sich 1923 seine Zufallserfindung unter dem Namen "Popsicle" patentieren.
Im gleichen Jahr setzt sein Landsmann Harry Burst noch einen drauf. Er garniert Vanilleeis mit einem Schokoladenüberzug und präsentiert das Ganze ebenfalls an einem Holzstäbchen. Fertig ist der erste so genannte Rahmeislutscher. Bereits 1924 findet das Stieleis seinen Weg nach Deutschland und setzt sich unter dem Namen "Steckerleis" schnell durch.
Heute versuchen die Firmen ihre Kunden mit immer neuen Sorten und Spezialitäten bei Laune zu halten. Darunter sind auch besonders außergewöhnliche Kreationen wie Weißwurst- oder Gin-Tonic-Gurke-Eis. Erlaubt ist eben, was schmeckt.
In diesem Zeitzeichen erzählt Ralf Gödde:
Sergio Leone schafft einen Klassiker der Filmgeschichte: "C´era una volta di West" ist der Western schlechthin, Ennio Morricones Soundtrack legendär...
Es sind die vielleicht spannendsten 14 Minuten der Filmgeschichte, in denen eigentlich nichts passiert: Drei Revolverhelden kommen mit ihren Pferden an einem verlassenen Viehbahnhof an und warten auf jemanden. Ein quietschendes Windrad, knackende Fingerknöchel, eine Fliege, die über eine unrasierte Wange krabbelt. Am 21. Dezember 1968 fesselt in Rom eine ungewohnte Regungslosigkeit das Premierenpublikum des Westerns "Spiel mir das Lied vom Tod".
Schließlich trifft ein Mann mit dem Zug ein. Er ist ein einsamer Rächer mit schnellen Händen, der mit einem dunklen Geheimnis durch die Wüste Arizonas streift. Dabei hat er ein Ziel klar vor Augen.
In diesem Zeitzeichen erzählt Burkhard Hupe:
Mitleid im Zweiten Weltkrieg? Ein deutscher Jagdflieger trifft beim Luftkampf auf einen US-Bomber, der wehrlos ist. In dieser Situation steht viel auf dem Spiel.
Noch ein "Luftsieg" über einen feindlichen Bomber, dann winkt dem deutschen Jagdflieger Franz Stigler das NS-"Ritterkreuz" als Belohnung. Er will diesen Abschuss auf jeden Fall schaffen. Doch als er die "Fliegende Festung" des US-Piloten Charles Brown vor sich sieht, ist plötzlich alles anders.
Fast der gesamte Bug der "B-17" ist weggerissen. In einer Tragfläche klafft ein Loch, Teile der Besatzung sind tot oder schwer verletzt. Der beschädigte Bomber verliert dramatisch an Höhe. Franz Stigler hat den Finger am Abzug, als ihm klar wird: Dieser Gegner ist völlig wehrlos. Und trifft eine für ihn lebensgefährliche Entscheidung.
In diesem Zeitzeichen erzählt Wolfgang Meyer:
Virginia Wolf, James Joyce, Simone de Beauvoir: Berühmte Porträts dieser Persönlichkeiten stammen von Gisèle Freund, geboren am 19.12.1908. Ihre Kunst: Sie fängt mit der Kamera die Essenz der Menschen ein.
Gisèle Freund wächst wohlbehütet und großbürgerlich in Berlin auf. Der Physiker Albert Einstein wohnt gegenüber. Der Maler Max Liebermann ist ein Freund der Familie. Ihr Vater ist ein jüdischer Textilfabrikant und schenkt ihr früh eine Kamera – damit sie sich "ausdrücken" kann.
Entgegen gesellschaftlicher Normen bestimmt Gisèle Freund ihren eigenen Lebensweg. Statt auf die Hauswirtschaftsschule zu gehen, setzt sie ein Soziologie-Studium bei den Eltern durch und flüchtet nach Paris, als Hitler die Macht übernimmt.
In Paris findet sie dank ihrer guten Bildung schnell Zugang zu Künstlern und Schriftstellern, die sie auch fotografiert. Ihr Geheimnis: "Im Laufe der Unterhaltung vergisst der Mensch den Apparat. Und dann kommt der Moment, den ich abpassen muss, um ihn dann zu fotografieren, dann erscheint er mir das, was er ist." So prägt Gisèle Freund die Kunst der Porträtfotografie entscheidend.
"Gisèle Freund war umwerfend. Von einer Lebendigkeit, die uns Jüngere fast überrollt hat", sagt Klaus Honnef, der Freunds Bilder als erster in Deutschland ausgestellt hat. Gisèle Freund hat immer betont, dass das Glücklichsein und das Glücklichmachen von Menschen das Wesentliche im Leben sind. Eine Lebenseinstellung, die man ihren Bildern ansieht.
In diesem Zeitzeichen erzählt Anke Rebbert:
Die ältesten Kunstwerke der Menschheit liegen in einer schwäbischen Höhle - das berichtet "Nature" am 18.12.2003. Ein neuer Blick auf die frühe Menschheitsgeschichte...
Die Zeitung "Nature" berichtet am 18. Dezember 2003 zuerst über den spektakulären Fund: ein Wasservogel, ein Löwenmensch und ein Pferdekopf. Letzterer wird sich Jahre später als Bär herausstellen. Alle Figuren sind nur wenige Zentimeter groß, aber belegen die künstlerischen Begabungen der Steinzeitmenschen in der Schwäbischen Alb.
Bis dahin haben Wissenschaftler Steinzeitkunst vor allem in Frankreich vermutet, etwa in den aufwändig ausgemalten Höhlen von Lascaux, während in Deutschland die eher grobschlächtigen Neandertaler verortet sind. Nun zeigt sich: Der moderne Homo Sapiens ist auch diesseits der Alpen den schönen Dingen zugeneigt: Er schnitzt nicht nur, sondern er musiziert auch. Das beweisen die ebenfalls in Höhlen der Schwäbischen Alb gefundenen Knochenflöten. Und wo musiziert wird, da wird wohl auch gesungen und getanzt.
Bei folgenden Ausgrabungen kommen weitere Schnitzereien und Flöten zutage. 2017 werden die sechs Höhlen auf der Schwäbischen Alb "als einzigartiges Zeugnis menschlichen Kunst- und Kulturschaffens" in die Welterbe-Liste der UNESCO aufgenommen.
In diesem Zeitzeichen erzählt Marko Rösseler:
Die deutsche Kriegsniederlage als Werk der Gegner im eigenen Land: Die Dolchstoßlegende ist am 17.12.1918 in der Neuen Zürcher Zeitung zu lesen. Sie verbreitet sich.
Die Mär von der im Feld siegreichen Armee, deren Erfolge auf dem Schlachtfeld in der Heimat untergraben werden, kommt vielen gelegen. Die hohen Militärs nutzen die Dolchstoßlegende, um jegliche Verantwortung an der Niederlage des Ersten Weltkriegs von sich zu weisen.
Rechtskonservative, Deutschnationale und schließlich die Nationalsozialisten halten den Mythos aufrecht, um die verhasste Weimarer Republik zu diskreditieren. Schließlich sitzen dort jene Politiker an der Macht, die den Soldaten den Todesstoß durch ihre Friedensinitiativen und der Unterzeichnung des Friedensvertrages versetzt haben.
Die Strategie geht auf: Adolf Hitler kommt 1933 auch wegen seiner Hetze gegen den Versailler Vertrag an die Macht und führt Deutschland erneut in den Krieg. Der endet mit der bedingungslosen Kapitulation der Deutschen. Auch, weil die Alliierten diesmal eine Verraterzählung, die durch einen Friedensvertrag genährt werden könnte, verhindern wollen.
In diesem Zeitzeichen erzählt Almut Finck:
Am 16. 12.1653 wird Oliver Cromwell als Lordprotektor vereidigt. Wie wurde aus dem engagierten Parlamentarier ein de facto diktatorischer Alleinherrscher?
Oliver Cromwell ist eine der umstrittensten Persönlichkeiten der britischen Geschichte. Einerseits stärkt er das Parlament, erarbeitet eine Verfassung mit einem bis heute geltenden Prinzip: der Gewaltenteilung. Andererseits aber ist er ein brutaler Kriegsherr, dem nicht nur gegnerische Soldaten, sondern auch zahlreiche Zivilisten zum Opfer fallen.
Auf Cromwells Veranlassung enthaupten die Engländer 1649 ihren König Charles I. Mit dem Land verändert sich in der Folge auch Oliver Cromwell. Nachdem er am 16. Dezember 1653 als Lordprotektor vereidigt wird, entwickelt sich der leidenschaftliche Parlamentarier zum Alleinherrscher, ähnlich dem König, den er vorher bekämpft hat. Der Lordprotektor hat eine Rolle, die irgendwo zwischen der eines Königs und eines Präsidenten liegt.
Cromwells Regierungszeit währt nur kurz: Nach fünf Jahren stirbt er am 3. September 1658 mit 59 Jahren an Malaria, mit der er sich in Irland infiziert. Zu seinem Nachfolger bestimmt er seinen Sohn Richard. Der erweist sich aber für Regierungsgeschäfte ungeeignet, frönt stattdessen dem schönen Leben, ist verschuldet und setzt sich nach Frankreich ab. Das ist das Ende bürgerlicher Staatsoberhäupter in Großbritannien.
In diesem Zeitzeichen erzählt Irene Dänzer-Vanotti:
533 verschwanden die Vandalen aus der Weltgeschichte. Würden sich die Vandalen im Grabe umdrehen, wenn sie wüssten, was wir mit ihnen verbinden? Wäre das Vandalismus?,
Am 15. Dezember 533 unterliegt Vandalen-König Gelimer mit seinen Truppen in der Schlacht von Tricamarum den Soldaten Ostroms. Damit verschwinden die Vandalen aus der Weltgeschichte, in der sie 130 Jahre lang eine wichtige Rolle gespielt haben. Schriftliches bleibt nicht von ihnen. Aber bis heute wird blindwütige Zerstörung als "Vandalismus" bezeichnet. Der Begriff ist aber wohl erst Jahrhunderte später während der französischen Revolution entstanden.
Als der Mob in Paris wütet, Kirchen zerstört und Heiligengräber schändet, sucht ein Pfarrer nach einem Bild für die Verwüstungen. Schließlich redet er im Konvent "Über den Vandalismus und die Möglichkeiten seiner Unterdrückung".
Bei den Original-Vandalen handelt es sich um einen eher kleinen Stammesverband, der jahrhundertelang zunächst in der Gegend des heutigen Schlesien lebt. Um das Jahr 400 ziehen die meisten Vandalen zusammen mit den verbündeten Alanen Richtung Westen.
Am Rhein ist wegen der dort stationierten Hilfstruppen der Römer fast Endstation. Die Franken werden dafür bezahlt, die Ostgrenze des Römischen Reiches zu verteidigen. Bei der Schlacht im Dezember 406 sollen bis zu 20.000 Vandalen gefallen sein. Der Rest schafft es über den Rhein und macht sich auf den Weg nach Gallien. Jahrelang ziehen die Vandalen mordend und beutesüchtig durch das reiche Gallien und über Spanien bis nach Nordafrika.
Erst mit der Niederlage in der Schlacht von Tricamarum findet ihr Weg der Zerstörung sein Ende.
In diesem Zeitzeichen erzählt Heiner Wember:
Der brasilianische Befreiungstheologe Leonardo Boff, geboren am 14.12.1938, setzt sich für Menschenrechte ein und geht in den Konflikt mit der katholischen Amtskirche.
Für den brasilianischen Befreiungstheologen Leonardo Boff muss die Kirche eine Kirche der Armen sein. Er kritisiert die Kirche dafür, dass sie nach seinem Empfinden ihre Dogmen über die Menschen stellt. Damit rüttelt Boff in den 1970er- und 80er-Jahren schwer an den Grundfesten der katholischen Kirche und landet schließlich auf der Anklagebank des Vatikan. Sein Gegenspieler - ein einstiger Unterstützer: Joseph Kardinal Ratzinger, oberster Glaubenshüter, der spätere Papst Benedikt XVI.
Während seiner religiösen Ausbildung verehrt Boff den brillanten Denker Joseph Ratzinger. Der wird Zweitgutachter seiner Dissertation. Und ein Förderer. Mit einer erheblichen finanziellen Unterstützung ermöglicht er die Veröffentlichung der Doktorarbeit von Leonardo Boff. Eine Freundschaft entsteht, die mit Ratzingers Aufstieg im Vatikan auf eine harte Probe gestellt wird.
In diesem Zeitzeichen erzählt Susanne Rabsahl:
Der Mann, der den legendären "Commodore 64" auf den Markt brachte, ist nur vier Jahre zur Schule gegangen. Dies ist die beeindruckende Lebensgeschichte von Jack Tramiel, offiziell geboren am 13.12.1928...
Der "Commodore 64" steht als erster Computer in den Regalen der Kaufhäuser, nicht mehr im Fachhandel. Ein Jahr nach der Markteinführung im August 1982 kostet er nur noch 300 Dollar.
Die Commodore -Werbung stichelt gegen die damaligen Konkurrenten IBM, Apple und Atari, sie müssten sich warm anziehen. Die Revolution der Computerindustrie beginnt. Und hinter ihr steckt Jack Tramiel.
Jack Tramiel kommt als Idek Trzmiel im polnischen Lodz als Kind jüdischer Eltern zur Welt. Die Nazis deportieren die Familie 1944 aus dem jüdischen Ghetto nach Auschwitz-Birkenau. Idek überlebt den Holocaust - seine gesamte Verwandtschaft kommt darin ums Leben..
Idek Trzmiel gelangt nach dem Krieg in die USA. Dort macht er unter seinem neuen Namen Jack Tramiel Karriere mit dem Handel und der Reparatur von Büromaschinen. Als Ziehvater des "Commodore 64" und später bei Atari revolutioniert Tramiel den Computermarkt. "Homecomputer" werden für die Verbraucher erschwinglich und halten Einzug in die private Nutzung.
Bevor Jack Tramiel 2012 stirbt, hält er dankbar Rückschau auf sein wechselvolles Leben: "Ich bin ein sehr glücklicher Mensch. 1945 wurde ich wiedergeboren. Aber ich schaue nicht zurück. Und ich habe keinerlei Hass in mir. Ich habe ein Unternehmen aufgebaut, ich habe eine Familie gegründet [...] und wir sind alle sehr froh darüber, was wir erreicht haben."
In diesem Zeitzeichen erzählt Jana Magdanz:
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