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Ihr erstes Konzert auf dem europäischen Festland spielt die Band "Queen" in Muffendorf bei Bonn. Dort steht am 13.10.1973 natürlich Sänger Freddie Mercury am Mikrofon.
Noch kennt die Band kaum jemand: Am 13. Oktober 1973 fahren in Muffendorf, einem ehemaligen Winzerdorf im Süden von Bonn, vier langhaarige Jungs aus England vor. "Queen" tritt zum allerersten Mal in Festland-Europa auf. Juppi Schaefer, der Betreiber des Dorf-Clubs "Underground", hat einen Riecher für spätere Weltstars.
Schon bald füllen die Rocker um Frontmann Freddie Mercury die großen Stadien rund um den Globus. Für das 1969 eröffnete „Underground“ hingegen ist zwei Jahr nach dem Auftritt von "Queen" bereits wieder Schluss.
In diesem Zeitzeichen erzählen Joachim Heinz und Markus Harmann:
Scharfsinnig, ironisch, subjektiv - Alfred Kerr zählt zu den bedeutendsten Theaterkritikern des 20. Jahrhunderts. Seine Texte sind literarische Kunstwerke.
Sein Stil ist pure Verführung. Der Theaterkritiker Alfred Kerr schreibt ironisch, scharf und kurz. Er schildert, welche Gefühle ein Theaterabend in ihm weckt, analysiert sie und zieht seine Schlüsse daraus: "Ich trachte, die Kritik auf eine Stufe zu bringen, wo sie eine dichterische Kunst sein kann."
Kerrs Macht ist groß: Lobt er, ist der Aufstieg gewiss. Seine Verrisse können aber auch die Karriere von Schreibenden, Spielenden, Intendanten und Regisseuren beenden. Selbst Autoritäten lässt Kerr leiden, wenn ihm das Gebotene nicht gefällt. So wie etwa Thomas Mann: Nach der Premiere von dessen Theaterstück "Fiorenza" bezeichnet ihn Kerr 1913 als "ein feines, etwas dünnes Seelchen". Mann schreibt danach nie wieder ein Theaterstück.
In diesem Zeitzeichen erzählt Monika Buschey:
Einsatz für Mitmenschen, Kampf für Frauenrechte, Verbindung von Judentum und Christentum: All diese Facetten waren Edith Stein wichtig. Sie wurde in Auschwitz getötet.
Am 7. August 1942 wird Edith Stein aus dem Kloster Echt für Karmelitinnen in den Niederlanden abgeführt. Dort sucht die Jüdin, Philosophin, Frauenrechtlerin und Nonne vom Orden der Karmelitinnen vergeblich Schutz vor den Nationalsozialisten.
Aber die Niederlande sind seit zwei Jahren von NS-Deutschland besetzt. Die katholische Kirche protestiert gegen die Misshandlung und Deportationen christlicher Jüdinnen und Juden. Die Racheaktion der Besatzer folgt sofort: Am 2. August 1942, einem Sonntag, werden mehr als 700 Katholiken, darunter Geistliche, Nonnen und Mönche, deportiert.
Am 9. August erreicht der Transport das Vernichtungslager Auschwitz. Nach allem, was man weiß, wird Edith Stein unmittelbar nach der Ankunft im Gas ermordet. Sie wird 50 Jahre alt.
"Wir verneigen uns tief vor dem Zeugnis des Lebens und Sterbens von Edith. Der herausragenden Tochter Israels und des Karmels." Das ruft Papst Johannes Paul II. am 1. Mai 1987 bei Edith Steins Seligsprechung. Am 11.10 1998 wird sie heilig gesprochen. Ihr gewaltsamer Tod macht die Christin, die als Jüdin geboren und katholisch geworden war, zur Märtyrerin.
In diesem Zeitzeichen erzählt Irene Dänzer-Vanotti:
Eine wunderschöne Tänzerin, blitzgescheit: König Ludwig I. von Bayern war verschossen in Lola Montez. Nach ihrer verrückten Liebesgeschichte bettelt sie in einem Brief vom 10.10.1848 um Geld.
Eine Spanierin, wie jahrelang behauptet, ist Lola Montez nicht: vielmehr die Tochter eines britischen Offiziers, geboren als Eliza Gilbert. Im Oktober 1846 kommt die 25-Jährige nach München. Seit Jahren inszeniert sie sich quer durch Europa als skandalträchtige Tänzerin - ob vor dem preußischen König oder dem russischen Zaren.
Es verwundert nicht, dass die schöne Tänzerin nur zwei Tage nach ihrer Ankunft in München eine Audienz bei Ludwig I. erhält. Der 35 Jahre ältere bayerische König aus dem Haus der Wittelsbacher will stets selbst über Gastauftritte im Hoftheater entscheiden. Auch der König erliegt ihren Reizen. Ihre sechzehn monatige Beziehung ist weniger vom Sex bestimmt, sondern geprägt von Verehrung und Gesprächen.
Die katholischen Bayern stehen jedoch hinter ihrer betrogenen Königin, Ludwigs Ehefrau Therese. Bald wird im Hofstaat systematisch gegen die Favoritin intrigiert. Vom Mob wird Lola Montez aus München vertrieben. Nicht einmal Ludwig kann verhindern, dass ihr die 1847 verliehene Staatsbürgerschaft entzogen wird. Sie flieht in die Schweiz, und der König zieht für sich die Konsequenzen. Ludwig I. Ludwig legt die Krone nieder und verzichtet auf den Thron. Er übergibt seinem Sohn Maximilian das Zepter.
Lola Montez lebt am Genfer See weiter in Saus und Braus. Finanziell ist sie bald am Ende. Am 10. Oktober 1848 schreibt sie einen verzweifelten Bettelbrief an Ludwig. "Ich flehe Dich an. […] Schick mir die 20.000 Franken sofort. Ich schicke Dir einen Kuss aus meinem zärtlichen Herzen. Du bist das Leben, mein Ludwig. Deine treue Lolita." Und der Ex-König schickt ihr Geld.
In diesem Zeitzeichen erzählt Christoph Vormweg:
Der belgische Chansonnier Jacques Brel (gestorben am 9.10.1978) packte die ganz großen Dramen des Lebens in seine Texte und sang an gegen die Bigotterie der Spießer.
Er verspricht der Geliebten Perlen aus Regen aus Ländern, in denen es nie regnet. Und er will der Schatten ihres Hundes sein. Jacques Brels "Ne me quitte pas" wird in Frankreich immer wieder zum schönsten "chanson d’amour" gekürt. Keiner singt so ergreifend von Sehnsucht und Zärtlichkeit, von der Zerbrechlichkeit der Liebe, der Trauer über den Verlust. Aber Brel kann auch ätzend und grob sein, bissig, sarkastisch oder bösartig. Dabei hält er dem Publikum den Spiegel vor.
Er ist ein Getriebener, der es nirgendwo lange aushielt, der jedes Projekt abbricht, wenn es zu erfolgreich wird. Jacques Brel hetzt rastlos um die Welt, betrügt jede Frau mit einer anderen. Diese Intensität und Unberechenbarkeit ist es, die er auch auf die Bühne bringt.
Für Brel ist klar: "Entscheidend ist die Intensität eines Lebens, nicht die Dauer eines Lebens." Seine größte Sorge ist es, vor seiner Zeit zu "verfriedhofen". Das hat er geschafft: Brel stirbt am 9. Oktober 1978 mit nicht einmal 50 Jahren an Lungenkrebs.
In diesem Zeitzeichen erzählt Christiane Kopka:
Zufälle, die zu neuen Medikamenten führten. Fatale Irrtümer. Segensreiche Fortschritte. Die Geschichte der Medizin ist faszinierend: Karl Sudhoff hat sie erforscht.
Karl Sudhoff nutzt das von ihm 1906 in Leipzig gegründete medizinhistorische Institut vor allem, um zu sammeln: Handschriften, Drucke, Objekte, Porträts, Zeichnungen oder Graphiken. Seine Karikaturen-Sammlung ist einmalig. Was Sudhoff nicht so gründlich sammelt wie Schriften und Dokumente, das sind Dinge der ärztlichen Arbeit.
Bekannt wird Karl Sudhoff vor allem durch seine Studien über mittelalterliche medizinische Handschriften. Er legt umfangreiche medizinhistorische Sammlungen an und verfügte über eine außerordentlich große Privatbibliothek. Er gilt damit als Neubegründer des Faches Geschichte der Medizin.
In diesem Zeitzeichen erzählt Jürgen Werth:
Am 7.10.1993 wird bekannt, dass Toni Morrison den Literaturnobelpreis erhält: eine Schwarze Schriftstellerin mit einer Sprache voller Musik.
Toni Morrison ist zwar keine zentrale Gestalt der amerikanischen Bürgerrechtsbewegung in den 1960er Jahren, aber sie ist als Schriftstellerin Sprachrohr der Afroamerikaner. Sie schreibt über ihre Community, über Menschen, die unter Diskriminierung und Rassenhass leiden und unter den Nachwirkungen der Sklaverei. Als Autorin durchbricht sie die gängigen Muster eines "literarischen Rassismus": Die erfolgreichen, gefeierten Schriftsteller sind allesamt weiß und männlich. Und somit sind auch die Themen der Bücher weiß und männlich. Morrisons Hauptfiguren sind meist Afroamerikanerinnen. Sie beschreibt ihr Empfinden, ihren Blick auf das Leben und führt weiße Leser so in eine unbekannte Welt, die bis dahin niemand beschrieben hatte.
Das Schicksal afroamerikanischer Kinder zieht sich durch ihr gesamtes literarisches Schaffen (wie etwa in "Menschenkind"). Auch afrikanische und afroamerikanische Mythen flicht Morrison immer wieder in ihre Texte mit ein ("Teerbaby"). Ihre poetische Kraft, die emotionale Tiefe ihrer Texte und das eindringliche Schildern menschlichen Scheiterns bringen ihr 1988 erst den Pulitzer-Preis ein und 1993 schließlich den Nobelpreis für Literatur.
In diesem Zeitzeichen erzählt Andrea Klasen:
Erstmals trat am 6.10.2008 ein Parlament zusammen, in dem mehr Frauen als Männer saßen - in Ruanda, wenige Jahre nach dem verheerenden Bürgerkrieg.
Nach den Parlamentswahlen am 6. Oktober 2008 schaut die Welt verblüfft nach Ruanda. Ein afrikanisches Land stellt den sogenannten Westen in Sachen Gleichberechtigung in den Schatten. Ein Paradoxon - eigentlich. Denn die weibliche Erfolgsstory Ruandas beginnt erst, als das bis heute dunkelste Kapitel des Landes sein Ende nimmt: Im Jahr 1994 wütet ein Bürgerkrieg in Ruanda. Dem Völkermord an der Tutsi-Minderheit fallen über 800.000 Menschen zum Opfer. Die Überlebenden sind zu über 70 Prozent Frauen. Und die bauen das in Schutt und Asche liegende Ruanda wieder auf.
Seit den späten 1990er Jahren übernehmen Frauen damit nicht nur Verantwortung, sondern auch wichtige Ämter und Geschäfte. Weil Frauen im Vorkriegs-Ruanda weder Land besitzen noch irgendetwas erben durften, wäre die Gesellschaft nach dem Krieg zusammengebrochen, viele Familien auf einen Schlag verarmt. Die Notlage erzwingt einen historischen Umbruch. Frauen - Tutsi wie Hutu - organisieren sich, um das Land aus der Schockstarre zu lösen.
In diesem Zeitzeichen erzählt Laura Mareen Janssen:
Eleonore Prochaska, die als Soldat August Renz in den Befreiungskriegen kämpft und fällt, erliegt am 5.10.1813 ihren Verletzungen: Später wird daraus ein Mythos.
Eleonore Prochaska wird 1785 in Potsdam geboren. Getrieben von patriotischer Begeisterung tritt sie mit 28 Jahren unter dem Namen August Renz als freiwilliger Jäger in das Lützower Heer ein. Ein junger schlanker Mann, wie alle denken: Fünf Fuß, acht Zoll, drei Strich hoch. Unerkannt macht sie als Trommlerin ebenso von sich reden wie als Retterin eines Kameraden. Dabei setzt sie sich selbstbewusst, mutig und klug über gesellschaftliche Rollenerwartungen hinweg.
Doch im September 1813, im ersten ernsthaften Kampf, wird Prochaska bei der Schlacht an der Göhrde schwer verletzt. Drei Wochen später, am 5. Oktober 1813, stirbt sie. Nach ihrem Tod und der Entdeckung ihres Geschlechts, beginnt sogleich die Legendenbildung um die Soldatin. Nach und nach wird Prochaska eine Symbolfigur - wahlweise für Patrioten, Nationalisten, Kriegsbefürworter, Kommunisten und Feministinnen.
In diesem Zeitzeichen erzählen Ulrich Biermann und Veronika Bock:
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