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WDR Zeitzeichen episodes

  • Die Venus von Milo wird gefunden (am 8.4.1820)

    Eine Frauenfigur ohne Arme, schlichter weißer Marmor: Im 19. Jahrhundert entdeckt ein Ziegenhirte die Statue, die bis heute ein Ideal antiker Schönheit verkörpert.



    In diesem Zeitzeichen erzählt Murat Kayi:

    • warum die Venus von Milo als weißes Ideal verehrt wird, obwohl sie ursprünglich bunt ist,
    • woher sie ihren Namen hat, obwohl niemand ihren Schöpfer kennt,
    • weshalb sie einst als Symbol für Freiheit und Rebellion gilt,
    • und welche Rolle sie in der frühen Fotografie spielt.

    Frühling 1820: Auf der Insel Milos sucht der Ziegenhirte Georgos Kentrotas nach Baumaterial und entdeckt dabei eine antike Statue. Doch er ist nicht allein. Der französische Offizier Olivier Voutier erkennt den Wert des Fundes. Was folgt, ist ein Wettstreit um die Marmorfigur zwischen lokalen Akteuren, osmanischen Behörden und der französischen Krone. Am Ende gewinnt Frankreich. Die Statue gelangt in den Louvre und wird zur Venus von Milo.

    Doch warum fasziniert sie bis heute? Ist es die makellose Schönheit des Gesichts oder die Tatsache, dass ihre Arme fehlen? Kunst und Gesellschaft haben diese Frage über zwei Jahrhunderte hinweg immer wieder neu gestellt. Die Venus bleibt nicht nur ein Meisterwerk der Antike, sondern auch ein Spiegel wechselnder Ideale und Projektionen.

    Das sind unsere wichtigsten Interviewpartner- und partnerinnen:
    • Dr. Sebastian Willert, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Leibniz-Institut für jüdische Geschichte und Kultur - Simon Dubnow
    • Dr. Alessa Paluch, Kunstwissenschaftlerin Uni Greifswald
    • Prof’in Dr. Mechthild Fend, Kunstgeschichte Uni Frankfurt

    Und das sind unsere wichtigsten Quellen:
    • Elodie Silberstein: Have You Ever Seen the Crowd Goin’ Apeshit?: Disrupting Representations of Animalistic Black Femininity in the French Imaginary, 2019.
    • Corinna Wagner: Replicating Venus: Art, Anatomy, Wax Models, and Automata, 2017.
    • Wikipedia: Venus de Milo (Text auf Englisch)

    Weiterführende Links:
    • Louvre – Ideal Greek Beauty: Venus de Milo and the Galerie des Antiques
    • Zeitzeichen 08.09.2024 – Nackter Marmor: Michelangelos David-Statue wird enthüllt
    • ARD alpha – Mythen

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    Noch mehr Infos zu dieser und anderen Zeitzeichensendungen von Murat Kayı finden Sie hier.

    Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen:
    Autor: Murat Kayi
    Redaktion: Sefa Inci Suvak

    14 min
  • Sie rettete Floridas Everglades: Marjory Stoneman Douglas

    Sie rettet die Everglades im Süden Floridas: Die US-Journalistin Marjory Stoneman Douglas ist als Umweltaktivistin ihrer Zeit weit voraus. Doch sie hat mächtige Gegner.



    In diesem Zeitzeichen erzählt Andrea Klasen:

    • wie Marjory Stoneman Douglas zum Journalismus kommt,
    • was sie während des Ersten Weltkriegs in Paris macht,
    • von welchem US-Präsidenten Marjory Stoneman Douglas die höchste zivile Auszeichnung der USA erhält,
    • wie es unter US-Präsident Donald Trump um Nationalparks in den USA bestellt ist.

    Im Kampf um die Everglades sind Investoren, Politiker und Unternehmer Marjory Stoneman Douglas' schärfste Gegner. Für die sind es bloß nutzlose Sümpfe, die man trockenlegen sollte, um landwirtschaftlich nutzbares Land daraus zu machen. Stoneman Douglas’ Widersacher fragen sich: Warum das wertvolle Wasser versickern lassen, wenn man es mithilfe von Kanälen abzweigen und für die Wasserversorgung Südfloridas nutzen könnte?

    Für Marjory Stoneman Douglas ist das zu kurz gedacht. Sie veröffentlicht erfolgreich eine Kolumne und Kurzgeschichten, die von der bedrohten Natur Floridas handeln. Ihr ist es mit zu verdanken, dass ein Teil der Everglades 1947 zum Nationalpark wird.

    Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
    • Miranda Smith (US-Filmproduzentin)
    • Marjory Stoneman Douglas: The Everglades - River of grass. Sarasota 1997

    Weiterführende Links:
    • Planet Wissen: Everglades-Nationalpark
    • Friends of the Everglades: Biografie von Marjory Stoneman Douglas
    • Miranda Smith: "Canary of the ocean", Dokumentarfilm über Gewässer in Florida

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    Die Macherinnen hinter diesem Zeitzeichen:
    Autorin: Andrea Klasen
    Redaktion: Carolin Rückl und Sefa Inci Suvak
    Technik: Christina Gabriel

    15 min
  • Oskar Vogt: die Vermessung des Gehirns

    Gemeinsam mit seiner Frau Cécile kartiert Oskar Vogt das Gehirn und entdeckt unbekannte Hirnregionen: Grundsteine der modernen Neuroanatomie. Geboren am 6.4.1870 in Husum.



    In diesem Zeitzeichen erzählt Daniela Wakonigg:

    • wo sich die Französin Cécile Mugnier und Oskar Vogt kennenlernen,
    • welcher ungewöhnliche Arbeitsgegenstand auf dem Hochzeitsfoto der beiden abgebildet ist,
    • was der russische Revolutionsführer Lenin mit Oskar Vogt zu tun hat,
    • welche menschenfeindlichen Ideen die Forschung des Ehepaars beinhaltet,
    • wie Hitler den Institutsdirektor Vogt Mitte der 1930er-Jahre entlässt.

    Lassen sich psychische Auffälligkeiten durch Besonderheiten im Gehirn erklären? Das ist die Frage, die die Ehe- und Arbeitsgemeinschaft von Cécile und Oskar Vogt umtreibt. Um sie beantworten zu können, ist zunächst Grundlagenforschung nötig, die den grundsätzlichen Aufbau und die Funktionsweise des Gehirns klärt.

    Die Vogts entwickeln die Lokalisationslehre weiter, die bestimmte Funktionen bestimmten Hirnbereichen zuordnet. Für diese Untersuchungen werden Gehirne Verstorbener speziell präpariert und in dünne Scheiben gehobelt. In ihrem Berliner Kaiser-Wilhelm-Institut wird fächerübergreifend gearbeitet. Neben der Grundlagenforschung geht es auf der Bettenstation auch um Therapien für psychiatrische Patienten.

    Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
    • Professorin Katrin Amunts (Hirnforscherin, Direktorin Cécile und Oskar Vogt-Institut für Hirnforschung, Uniklinikum Düsseldorf)
    • Dr. Manuel Marx (Wissenschaftlicher Koordinator Vogt-Archiv, Cécile und Oskar Vogt-Institut für Hirnforschung, Uniklinikum Düsseldorf)
    • Birgit Kofler-Bettschart: Cécile Vogt - Pionierin der Hirnforschung. Wien 2022
    • Burkhard S. Kasper: Cécile & Oskar Vogt - Leben, Werk und ihr Beitrag zur Epileptologie. Heidelberg 2024
    • Ernst Klee: Deutsche Medizin im Dritten Reich - Karrieren vor und nach 1945. Frankfurt am Main 2001

    Weiterführende Links:
    • SWR Retro: Oskar Vogt und Lenins Gehirn
    • Max-Planck-Institut: Die Kartografen der toten Gedanken
    • Planet Wissen: Hirnforschung
    • WDR: Der Hirnforscher Gerald Hüther

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    Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen:
    Autorin: Daniela Wakonigg
    Redaktion: Sefa Inci Suvak
    Technik: Moritz Raestrup

    15 min
  • Ein Vulkanausbruch, Schauergeschichten und - das Fahrrad

    Zehntausende Menschen reißt der Ausbruch des Vulkans Tambora Anfang April 1815 in den Tod. Das folgende Jahr geht nicht nur als "Jahr ohne Sommer" in die Geschichte ein.



    In diesem Zeitzeichen erzählt Ralph Erdenberger:

    • wie die Folgen des Vulkanausbruchs 1816 drei junge Schriftsteller inspirieren,
    • wie ratlos die Menschen dem Naturphänomen gegenüberstehen,
    • wie zeitgenössische Maler gewissermaßen als erste Zeugen diese Klimakatastrophe auf ihren Bildern verewigen und die Abendhimmel in unglaubliche Farben tauchen.

    In Europa regnet es 1816 unaufhörlich. Es ist das „Jahr ohne Sommer“ – mit Missernten, Kälte und Hunger. Der Grund für das düstere Wetter: Im April 1815 ist der indonesische Vulkan Tambora mit einer Wucht explodiert, die alles übertrifft, was die Menschheit je erlebt hat. Asche und Schwefel verdunkeln den Himmel, das Wetter gerät aus den Fugen. Menschen protestieren gegen steigende Lebensmittelpreise, während Regierungen mit harter Repression reagieren.

    Wo eine Naturkatastrophe politische Umwälzungen und soziale Not hervorruft, beflügelt sie andererseits die Fantasie dreier Schriftsteller und Schriftstellerinnen in einer Villa am Genfer See. Während draußen der Regen prasselt, erzählt Mary Shelley eine Geschichte, die sie später weltberühmt machen wird: „Frankenstein“.

    Das sind unsere wichtigsten Quellen:
    • Dr. Wolfgang Behringer, Klimaforscher
    • Wolfgang Behringer: Tambora - das Jahr ohne Sommer, München 2021
    • Timo Feldhaus: Mary Shelleys Zimmer, Hamburg 2022
    • W wie Wissen - Ausbruch des Tambora - ein Vulkan stiehlt den Sommer
    • Tambora - Superexplosion mit verheerenden Folgen

    Weiterführende Links:
    • Planet Wissen: Naturgewalten - Vulkane
    • Planet Wissen: Fabelwesen Britischer Horror

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    Die Macher hinter diesem Zeitzeichen:
    Autor: Ralph Erdenberger
    Redaktion: Frank Zirpins

    15 min
  • Oscar für den Dokumentarfilm "Serengeti darf nicht sterben"

    Ein Leben für die wilden Tiere: Der Tierfilmer Michael Grzimek verunglückt mit dem berühmten Flugzeug im Zebra-Look tödlich - noch vor der Oscarverleihung vom 4.4.1960.



    In diesem Zeitzeichen erzählt Marko Rösseler:

    • welche Aufgabe Bernhard Grzimek als Tiermediziner in der Nazi-Zeit hat,
    • wie sein Sohn Michael sich mit einer geschenkten Kamera selber zum Filmemacher ausbildet,
    • wie die Grzimeks sich mit ihren ersten Filmprojekten am Rand des finanziellen Ruins bewegen,
    • in wem Michaels Sohn Christian einen Stiefvater findet,
    • mit welchem Steckenpferd Bernhard Grzimek seine Umgebung herausfordert

    Als neuer Direktor des Frankfurter Zoos reist Bernhard Grzimek ab Anfang der 1950er-Jahre häufig nach Afrika, um dort neue Tiere für den Zoo zu fangen. Dabei kommt er auf die Idee, gemeinsam mit seinem Sohn Michael einen richtigen Kinofilm zu drehen. "Kein Platz für wilde Tiere" wird von der Presse kaum wahrgenommen, aber vom Publikum gefeiert. Von den Erlösen wollen die Grzimeks Land zur Vergrößerung des Serengeti-Nationalparks in Tanganjika kaufen. Die britische Verwaltung lehnt ab, bietet stattdessen aber an, dass die Grzimeks sich an Untersuchungen der Großwildherden und deren Wanderrouten beteiligen können.

    Die Aufgabe des Zählens und Beobachten dieser Herden bildet die Rahmenhandlung des Films "Serengeti darf nicht sterben", der eindrucksvolle Luftaufnahmen zeigt. Die letzte Einstellung des Films zeigt die zebrafarbene Dornier Do27, wie sie in die untergehende Sonne fliegt. Gedreht wird, als Michael Grzimek noch lebt - denn mit dem Flugzeug stürzt er kurz danach in den Tod. "Serengeti darf nicht sterben" wird zu einem großen Kinoerfolg. Der Film bekommt das Prädikat "wertvoll" und im April 1960 den Oscar als "Bester Dokumentarfilm".

    Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
    • Christian Grzimek, Sohn des Filmemachers Michael Grzimek, Stiefsohn und zugleich Enkel von Bernhard Grzimek.
    • Bernhard und Michael Grzimek: Serengeti darf nicht sterben. 367.000 Tiere suchen einen Staat, 1959.
    • Claudia Sewig: Der Mann, der die Tiere liebte: Bernhard Grzimek, 2009.

    Weiterführende Links:
    • Planet Wissen: Tier und Mensch - Zoos
    • Planet Wissen: Zoos - Kritik an Zoos

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    Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen:
    Autor: Marko Rösseler
    Redakteur: Matti Hesse 
    Technik: Sarah Fitzek

    15 min
  • Der Pony-Express: Ein großer Mythos des Wilden Westens

    Briefzustellung als großes Abenteuer. Ziel: die schnellste Verbindung zwischen Atlantik- und Pazifikküste. Am 3.4.1860 startet die Postzustellung mit dem "Pony-Express".



    In diesem Zeitzeichen erzählt Martin Herzog:

    • warum das Dampfschiff damals keine echte Alternative zur Postkutsche ist,
    • welchen Eid die jungen Pony-Reiter ablegen müssen,
    • warum man Jack Keetley nach seinem Ritt schlafend aus dem Sattel hebt,
    • welche Geschichte die Erfindung des Doughnut mit dem Pony-Express verbindet,
    • wieso der Pony-Express für seine Betreiber zum finanziellen Desaster wird.

    Der Plan ist ehrgeizig: ein 3.100 Kilometer langer Stafettenlauf zu Pferde mit 25 Reitern und 157 Relais-Stationen, quer durch die amerikanische Prärie, über die Rocky Mountains und die Sierra Nevada - doppelt so schnell wie jede Postkutsche.

    Ab dem 3. April 1860 wird der Plan in die Tat umgesetzt. Vor den Pony Express Stables in St. Joseph übergibt der Bürgermeister nach einer kurzen Ansprache die erste "Mochila", die Posttasche, feierlich an den ersten Reiter, und schickt ihn mit einem Salut auf den gefährlichen Weg Richtung Westen. Sein Ziel: Seneca in Kansas, 130 Kilometer entfernt. Nach sechs Stunden Gewaltritt kommt er an, sechs Stunden im Galopp von Station zu Station, wo ihm jedes Mal weniger als zwei Minuten bleiben, um mitsamt "Mochila" das Pony zu wechseln.

    Der Pony-Express ist die schnellste Postverbindung zwischen nordamerikanischer Ost- und Westküste, und bleibt es - für ganze 18 Monate. Im Oktober 1861 wird das erste Telegramm über die neue transkontinentale Telegraphenleitung geschickt, in wenigen Sekunden. Das schafft kein Reiter.

    Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
    • Claudia Schnurmann, Professorin em. für nordamerikanische und atlantische Geschichte
    • Tim McNeese: The Pony Express - Bringing Mail to the American West, Chelsea House, New York 2009

    Weiterführende Links:
    • Webseite der offiziellen Tourismus-Agentur Visit USA über den "Pony Express National Historic Trail"
    • Webseite der Hollenberg Pony Express Station
    • Planet Wissen: Übersichtsseite - Nordamerika
    • Zeitzeichen: 26.02.1846 - Geburtstag von William F. Cody, genannt "Buffalo Bill"

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    Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen:
    Autor: Martin Herzog
    Redaktion: Matti Hesse

    15 min
  • Wo der Pfeffer wächst: Die Niederlande und der Gewürzhandel

    Am 2.4.1595 sticht eine niederländische Expedition in See, um das portugiesische Gewürzmonopol in Asien zu brechen. Kennt sie die Route durch die Informationen eines Spions?



    In diesem Zeitzeichen erzählen Ulrich Biermann und Veronika Bock:

    • wie der Niederländer Jan Huygen van Linschoten nach Portugiesisch-Indien kommt,
    • warum er Zugang zum gesamten portugiesischen Wissen über den Indischen Ozean hat,
    • wie Jan Huygen van Linschotens Notizen an die niederländische Öffentlichkeit gelangen,
    • mit welchen Widrigkeiten die Niederländer auf ihrer ersten Ostindien-Reise konfrontiert sind,
    • was die Niederländer des "Goldenen Zeitalters" mit Unterdrückung und Ausbeutung zu tun haben.

    Seit der Antike gelangen Gewürze auf dem Landweg aus Asien nach Europa. Die Luxusgüter sind auch deshalb so teuer, weil am Transport viele Zwischenhändler beteiligt sind. Auch sind die Zulieferwege über Land kaum kontrollierbar, weil sie durch verschiedene Herrschaftsgebiete führen. Die europäischen Handelsmächte des Mittelalters und der frühen Neuzeit suchen deshalb einen anderen Handelsweg.

    Im 16. Jahrhundert schaffen die Portugiesen auf dem Seeweg eine Gewürzroute nach Indien und halten bald das Transportmonopol. Die Portugiesen versuchen zwar, ihre See- und Landkarten geheim zu halten. Aber das gelingt nur bedingt.

    Am 2. April 1795 starten in Amsterdam vier Schiffe zu einer ersten Markterkundungsfahrt. Die führt schließlich dazu, dass die Niederländer das Monopol der Portugiesen brechen. Die notwendigen Informationen für ihre Fahrt liefern die Aufzeichnungen des Niederländers Jan Huygen van Linschoten aus Portugiesisch-Indien.

    Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
    • Jürgen G. Nagel (Geschichtsprofessor an der Fernuniversität Hagen)
    • Jan Huygen van Linschoten: Sein Bericht über Reisen nach Ost- und Westindien, aufgeteilt in vier Bücher
    • "Jan Huygen van Linschoten's Itinerario: a decaying commercial portrait of Portuguese Asia?", in: Espelhos de Mercúrio. A representação do comércio nas Monarquias Ibéricas, 1500-1800, hg. von Pablo Sánchez León, Carla Vieira und Nina Vieira. Coimbra 2024
    • George Masselman: The Cradle of Colonialism. New Haven, 1963

    Weiterführende Links:
    • Zeitzeichen 15.05.1648: Die Niederlande werden unabhängig
    • Zeitzeichen 17.03.1798: Ostindien-Kompanie wird verstaatlicht
    • Planet Wissen: Die Niederlande und ihre Kolonien

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    Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen:
    Autorin und Autor: Veronika Bock und Ulrich Biermann
    Redaktion: Frank Zirpins

    15 min
  • Das letzte Einhorn wird in Dorsten geschlachtet (am 1.4.1915)

    Einhörner sind keine Fabelwesen, wie viele glauben - aber sie sind schon lange ausgestorben. Nur in einer Stadt am Rand des Münsterlands hatten Einhörner überlebt, bis zu einem schicksalhaften Tag im Jahr 1915...



    In diesem Zeitzeichen erzählt Thomas Pfaff:

    • wie die Tierart aus einer Kreuzung nepalesischer Zwergnashörner und mongolischer Wildesel entsteht,
    • wieso sie ein besonders schmackhaftes Fleisch entwickelt,
    • wie die Einhörner in Bedrängnis geraten, in Dorsten (Westfalen) aber noch jahrhundertelang weiter existieren können,
    • warum die Tiere für Trabrennen nur mäßig geeignet sind,
    • wieso der Abdecker in Dorsten am 1. April 1915 so viel zu tun hat.

    Im 5. Jahrhundert nach Christus kommen die ersten Einhörner als Lastentiere mit dem zentralasiatischen Reiterheer des Hunnenkönigs Attila nach Mitteleuropa. Die gutmütigen Tiere mit klobigem Körperbau, struppigem graubraunen Fell und kurzem Hornknubbel verbreiten sich vor allem in den dichten westfälischen Wäldern.

    Weil sie eher langsam, aber besonders lecker sind, droht ihnen im späten Mittelalter die Ausrottung. Doch die Dorstener Grafenlinie derer von Beck zu Lembeck erbarmt sich der Tiere und sorgt dafür, dass sie jahrhundertelang gut versteckt in den Wäldern nördlich von Dorsten überleben können.

    In den Krisenzeiten des Ersten Weltkrieges kommt es dann zu einem bedauerlichen Übergriff hungriger Dorstener Bürger. Oder waren es womöglich Zugezogene aus der Nachbarstadt Marl? Damit und mit dem jungen Forschungsgebiet der "Unicornistik" setzt sich die Stadt am nördlichen Rand des Ruhrgebietes heute kritisch auseinander.

    Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
    • Dr. Gerlinde Lütkebohmert (Regionalhistorikerin aus Dorsten) und ihr Buch: "Das Einhorn im Spiegel der Zeit". Glaubsnich-Verlag, Dorsten 2024
    • Tobias Stockhoff (Bürgermeister von Dorsten)
    • Björn Freitag (Sternekoch, "Goldener Anker", Dorsten)
    • Friedhelm Eckenhagen (Bergmann aus Dorsten; historische WERAG-Aufnahme von 1931)
    • "International Unicorn Questionnaire" - University of Ulan Bator, Mongolia, 2021
    • Krethesius et Plethesius: "De Unicornus Unicatus", etwa 480 n. Chr.
    • Conrad Gessner: "Historia Animalium", 1543

    Weiterführende Links:
    • WDR: Das Wort zum Dienstag
    • WDR: Wissen macht ah: Einhornhaufen
    • SWR: Kultur: Das Einhorn - Kult um ein Fabelwesen

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    Die Macher:innen hinter diesem Zeitzeichen:
    Autor: Thomas Pfaff
    Redaktion: David Rother

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    15 min
  • Filmzensur im Namen von Moral und Glauben

    Was soll ein Film zeigen dürfen? In den USA der 30er und 40er Jahre gilt eine strenge Zensur - sie folgt einem Code, der Hollywood enge Grenzen setzt.



    In diesem Zeitzeichen erzählt Christian Werthschulte:

    • warum die Unterhaltungsgiganten Hollywoods sich in den 1930er-Jahren den Regeln zweier Katholiken unterwerfen,
    • welchen Schwur Mitglieder der "Anstandsliga" in einigen Kirchengemeinden sprechen,
    • womit Alfred Hitchcock dem "Hays Code" den Todesstoß versetzt,
    • wie die "Freiwillige Selbstkontrolle der deutschen Filmwirtschaft" arbeitet.

    Zwischen den 1930er- und 1950er-Jahren herrscht in Hollywood der sogenannte Production Code, auch bekannt als "Hays Code". Verfasst wird er von zwei Katholiken, dem Filmjournalisten Martin Quigley und dem Jesuitenpater Daniel A. Lord.

    Fremdgehen, Homosexualität, Beziehungen zwischen weißen und schwarzen Menschen - all das soll in Filmen nicht mehr gezeigt werden. Verbrecher sollen bestraft und Autoritätsfiguren - auch Priester - sollen nicht lächerlich gemacht werden.

    Chefzensor wird der streng gläubige Katholik Joseph I. Breen. Trotz der Einschränkungen gelten die Jahre unter ihm als eine goldene Periode des US-amerikanischen Kinos. Doch nach dem Zweiten Weltkrieg zeigen die Kinos Filme aus dem Ausland und das Fernsehen wird das neue Medium für alle. Der Filmindustrie ist klar, dass sie etwas bieten muss, um ein neues Publikum zu erreichen. Ein Teil davon ist, mit Konventionen zu brechen.

    Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
    • Thomas Doherty, Professor für American Studies, Brandeis University
    • Peter Kaun, stellvertretender Geschäftsführer der Freiwilligen Selbstkontrolle der Filmwirtschaft
    • Thomas Doherty: Hollywood‘s Censor. Joseph I. Breen and the Production Code Administration. Columbia University Press 2009
    • Thomas Doherty: "Pre-Code Hollywood. Sex, Immorality, And Insurrection in American Cinemy 1930-1934. Columbia University Press 1999
    • Leonard Jeff und Jerold Simmons: The Dame in the Kimono: Hollywood, Censorship, and the Production Code from the 1920s to the 1960s. 1991

    Weiterführende Links:
    • Planet Wissen: Hollywood - Mythos und Realität
    • Stichtag: 17. Juni 1949 - Freiwillige Selbstkontrolle nimmt ihre Arbeit auf
    • Stichtag: 7. Oktober 1960 - Hitchcocks "Psycho" startet in deutschen Kinos

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    Autor: Christian Werthschulte
    Redaktion: Frank Zirpins

    15 min
  • Der erste Dandy: Beau Brummells Leben vom Modekönig zum Bettler

    Er war der "Ur-Dandy", der Erfinder einer eleganten, geistreichen, sehr britischen Lebensweise. Am 30.3.1840 starb George "Beau" Brummell - und sah sich selbst im Spiegel dabei zu...



    In diesem Zeitzeichen erzählt Jutta Duhm-Heitzmann:

    • warum George Bryan Brummell den Militärdienst quittiert,
    • wie es zum Zerwürfnis zwischen Brummell und dem Prince of Wales, dem späteren König Georg IV., kommt,
    • vom unaufhaltsamen Abstieg des Dandys "Beau" Brummell.

    George Brummell gilt als der Dandy schlechthin, der Ur-Dandy. Er ist nicht etwa nur ein Modegeck, der durch seine Extravaganz die englische Society Anfang des 19. Jahrhunderts amüsiert oder empört. Nein, er ist ein Trendsetter, der auch sonst den Ton angibt.

    Brummell praktiziert von Jugend an eine Lebensart, die ihn später berühmt macht: Er ist ungeheuer elegant, maßlos arrogant, ohne Zweifel auch überwältigend charmant, wenn er es sein will. Außerdem weiß er glänzend zu unterhalten und erregt dadurch die Aufmerksamkeit des Prinzen von Wales, des späteren Königs Georg IV.

    Als Brummell sich mit dem Prinzen überwirft, verliert er einen wichtigen Gönner. Aus Angst, in Schuldhaft zu geraten, setzt er sich nach Frankreich ab. Am 30. März 1840 stirbt er bettelarm als geistig verwirrter alter Mann.

    Das sind unsere wichtigsten Quellen:
    • Jules Amedée Barbey d'Aurevilly: Vom Dandytum und von G. Brummell. Nördlingen 1987
    • Oscar Wilde: Aphorismen, in: Werke in fünf Bänden (Neue Zürcher Ausgabe). Frankfurt am Main 2004
    • Albert Camus: Der Rebell, in: Der Mensch in der Revolte. Hamburg 1951
    • Charles Beaudelaire: Der Dandy, in: Der Maler des modernen Lebens. Paris 1863
    • Gerd Stein: Dandy-Snob-Flaneur - Kulturfiguren und Sozialcharaktere des 19. und 20. Jahrhunderts. Frankfurt am Main 1985

    Weiterführende Links:
    • Planet Wissen: Adel - Britisches Königshaus
    • Stichtag: 12. August 1762 - König Georg IV. von England wird geboren

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    Autorin: Jutta Duhm-Heitzmann
    Redaktion: David Rother und Klaus Leymann

    15 min

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