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WDR Zeitzeichen episodes

  • Diane de Poitiers: Die mächtige Favoritin Heinrichs II.

    Statt der Königin trug die Mätresse Diane de Poitiers (geb. 3.9.1499) bei feierlichen Anlässen die Kronjuwelen an der Seite des französischen Königs Heinrich II.



    Als Geliebte und Favoritin von König Heinrich II. übt Diane de Poitiers großen Einfluss am Hofe aus. Sie ist bekannt für ihre Schönheit, die sie mit Disziplin und strengen Ritualen pflegt. Noch berühmter ist ihr politisches Geschick und ihre Fähigkeit, sich in einer von Männern dominierten Welt durchzusetzen.

    Trotz des Altersunterschieds von fast 20 Jahren ist ihre Beziehung zu Heinrich II. mehr als nur eine Liebesaffäre. Diane versteht es, ihre Position geschickt zu nutzen, sichert sich beträchtliche Ländereien und Titel und mischt sich in politische Entscheidungen ein.

    Mit dem Tod Heinrichs II gerät Dianes Einfluss ins Wanken. Katharina von Medici übernimmt die Regentschaft für ihren minderjährigen Sohn, den neuen König.
    Diane, lange Zeit die mächtigste Frau am Hof, muss sich zurückziehen. Anders als viele Mätressen vor ihr wird sie nicht enteignet, muss aber das prächtige Schloss von Chenonceaux gegen das weniger bedeutende Schloss Chaumont eintauschen.

    Diane de Poitiers bleibt eine angesehene und wohlhabende, jedoch keine einflussreiche Frau. Im Alter von 66 Jahren stirbt sie auf ihrem Schloss von Anet.

    In diesem Zeitzeichen erzählt Christoph Vormweg:

    • wie Diane de Poitiers als Hofdame am Austausch Heinrichs und seines Bruders aus spanischer Gefangenschaft beteiligt war,
    • welche mysteriösen Prophezeiungen des Nostradamus das Schicksal Heinrichs II. voraussagten,
    • warum Heinrich II. während eines Ritterturniers seine Standarte vor Diane senkte,
    • warum Diane de Poitiers nach dem Tod ihres Ehemanns ausschließlich in schwarz-weißer Witwenkleidung auftrat,
    • von den poetischen Liebesversen, die sich Diane de Poitiers und Heinrich II. angeblich schrieben.

    Das sind unsere wichtigsten Quellen:
    • Sigrid Ruby: Mit Macht verbunden. Bilder der Favoritin im Frankreich der Renaissance, Breisgau 2010.
    • Sabine Appel: Katharina von Medici. Strategin der Macht und Pionierin der Neuzeit, Stuttgart 2018.
    • Benedetta Craveri: Königinnen und Mätressen. Die Macht der Frauen – von Katharina von Medici bis Marie Antoinette, München 2008.
    • Anka Muhlstein: Königinnen auf Zeit – Katharina von Medici, Maria von Medici, Anna von Österreich, Frankfurt am Main und Leipzig 2003.
    • Ivan Cloulas: Diane de Poitiers, Paris 1997.

    Und das ist unsere Interviewpartnerin:
    • Professor Sigrid Ruby, Kunsthistorikerin, Universität Gießen

    Weiterführende Links:
    • WDR Zeitzeichen – Heinrich II. , König von Frankreich
    • Planet Wissen – Renaissance
    • Planet Wissen – Die Medici

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    Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen:
    Autor: Christoph Vormweg
    Redaktion: Carolin Rückl, Matti Hesse
    Technik: Jens Buchheister

    15 min
  • Sonnensturm sorgt für Technik-Chaos auf der Erde (am 2.9.1859)

    Polarlichter leuchten fernab der Pole, Telegrafen spielen verrückt, Stromleitungen brennen. Ursache ist ein Himmelsereignis: der bisher stärkste registrierte Sonnensturm.



    Am 2. September 1859 steht Richard Christopher Carrington wie gewohnt in seinem Garten und schaut durch sein Teleskop. Schon seit 1853 zeichnet der Engländer systematisch seine Beobachtungen auf der Sonnenoberfläche auf. Plötzlich sieht er zwei Aufhellungen an einer Sonnenflecken-Gruppe, die er noch nie zuvor gesehen hat. Aber schon wenige Minuten später ist das außergewöhnliche Schauspiel vorbei.

    Carrington ist nicht der einzige, der an diesem Tag staunt. In Caracas, Honolulu und Athen ist der Himmel von Polarlichtern erleuchtet, die – wie er Name schon sagt – gewöhnlich nur in nördliche Regionen zu sehen sind. Und als die Lichter in vollem Glanz erscheinen, spielen die Telegraphen verrückt: Die einen verschicken Meldungen, ohne dass sie an Batterien angeschlossen sind, bei den anderen entzündet sich ein Papier, das die Signale aufzeichnet.

    Die Vermutung liegt nahe, dass die merkwürdigen Ereignisse mit dem Blitzen zusammenhängen, die Carrington beobachtet hat. Dieser mahnt zunächst mit akademischer Zurückhaltung, dass "eine Schwalbe noch keinen Sommer machen". Doch bald schon ist klar, dass er eine Sensation dokumentiert hat. Es ist zum ersten Mal, dass auf der Erde massive Einflüsse gesehen werden, die eindeutig auf die Sonne zurückzuführen sind.

    Seine Beobachtungen gehen als Carrington Event in die Wissenschaftsgeschichte ein und begründen die Sonnenforschung.

    In diesem Zeitzeichen erzählt Martin Herzog:

    • warum der Sonnensturm von 1859 mehr als ein historisches Ereignis ist,
    • welche Schlüsse Wissenschaftler heute noch aus den Aufzeichnungen von Richard Carrington ziehen,
    • wieso alte Bäume Spuren von Sonnenstürmen enthalten können,
    • welche Auswirkungen auf die moderne Technik ein Sonnensturm haben könnte,
    • wie Forschende versuchen, das Weltall-Wetter vorherzusagen.

    Das sind unsere wichtigsten Interviewpartner:
    • Professor Sami Solanki, Direktor am Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung, Göttingen
    • Jens Berdermann, Leiter des Instituts für Solar-Terrestrische Physik der DLR, Neustrelitz

    Weiterführende Links:
    • 25. August 1822 – Astronom Wilhelm Herschel stirbt in Slough
    • 27. Dezember 1571 – Astronom Johannes Kepler wird geboren
    • 6. April 648 v Chr. – Die Sonnenfinsternis des Archilochos

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    Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen:
    Autor: Martin Herzog
    Redaktion: Carolin Rückl, Sefa Inci Suvak

    15 min
  • "Mein Weg zu Hitler": Kurioses Preisausschreiben 1934

    Ein US-Wissenschaftler will 1934 herausfinden, warum sich Menschen früh den Nazis angeschlossen haben. Er verspricht 125 Reichsmark für den glaubwürdigsten Aufsatz begeisterter Hitler-Anhänger - und die schreiben gerne drauflos...



    Das Preisausschreiben um die beste Nazi-Geschichte wird nicht etwa von der NSDAP ausgeschrieben. Es findet unter der Schirmherrschaft der New Yorker Columbia University statt. Die Idee dahinter: Der US-Forscher Theodore Abele will mit den persönlichen Geschichten die Amerikaner über Nazi-Deutschland informieren. Auf einer Deutschlandreise hatte er bemerkt, dass viele Hitler-Anhänger nach dessen Machtübernahme gerne über ihre schon lange währende Gesinnung plaudern.

    "Jede Person, unabhängig von Geschlecht oder Alter, die vor dem 1. Januar 1933 Mitglied der nationalsozialistischen Partei war oder mit der Bewegung sympathisiert hat, kann an diesem Wettbewerb teilnehmen." So erscheint der Aufruf im Frühsommer 1934 in verschiedenen NSDAP-Parteiblättern, für die beste Nazi-Geschichte winken 125 Reichsmark.

    Zum Einsendeschluss am 1. September 1934 werden 683 Beiträge eingeschickt. Sie zeigen, dass Arbeiter und Adelige, Krankenschwestern und höhere Töchter zu den frühen Nationalsozialisten zählen. Triumphierend beschreiben die Hitler-Anhänger, wie sie in den 20er Jahren verlacht und ausgegrenzt worden sind, aber niemals an der Mission Hitlers gezweifelt haben. Ihre Nazi-Begeisterung resultiert aus einer Kränkung über den verlorenen Krieg, der Sehnsucht nach einem starken Führer, die Angst vor einem sozialen Abstieg, völkischen Fantasien – und einem tiefen Antisemitismus.

    Als Theodore Abel 1938 sein Buch "Why Hitler came into Power" herausbringt, ist das Interesse an den Geschichten jedoch gering. Längst ist den US-Amerikanern klar, dass Nazi-Deutschland zu einer großen Bedrohung geworden ist und Krieg in der Luft liegt.

    In diesem Zeitzeichen erzählt Christiane Kopka:

    • warum die NSDAP das Preisausschreiben unterstützt,
    • wie in den Briefen die Judenverfolgung gerechtfertigt wird,
    • dass die Verehrung Hitlers religiösen Kulten ähnelt,
    • dass Theodore Abel die eingereichten Beiträge erst zwei Jahre später erhält,
    • wo die Briefe heute für alle zugänglich im Netz sind.

    Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
    • Wieland Giebel (Hrsg.): "Warum ich Nazi wurde. Biogramme früher Nationalsozialisten – Die einzigartige Sammlung des Theodore Abel", Berlin 2018
    • Sven Felix Kellerhoff: "Die NSDAP. Eine Partei und ihre Mitglieder", Stuttgart 2017
    • Katja Kosubek: "‘genauso konsequent sozialistisch wie national!‘ – Die Alten Kämpferinnen der NSDAP vor 1933", Göttingen 2017
    • Theodore Fred Abel papers – alle Beiträge digitalisiert

    Weiterführende Links:
    • 09.11.1938 – Reichspogramnach – Judenhass in Deutschland
    • 30.01.1933 – Adolf Hitler wird Reichskanzler
    • 03.11.1921 – Saalschlacht im Münchner Hofbräuhaus

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    Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen:
    Autorin: Christiane Kopka
    Redaktion: David Rother
    Technik: Theo Kramer

    15 min
  • Die russischen Streitkräfte verlassen Berlin (am 31.8.1994)

    Wie kam es zum Abzug dieser gigantischen Armee aus Ostdeutschland, mit dem bis zur Wende niemand gerechnet hätte – und warum ist das heute noch wichtig?



    Bis heute wird Michail Gorbatschow in Deutschland und den USA dafür gefeiert, dass er während der Wende die Panzer zurückgehalten hat. Dabei geht es dem Präsidenten der Sowjetunion weniger um die deutsche Einheit als um die Rettung seines eigenen Landes. Gorbatschow hofft, dass er durch eine neue Offenheit (Glasnost) und den Umbau des Systems (Perestroika) den Kern seines Imperiums bewahren kann.

    Immerhin: Michail Gorbatschow ebnet den Weg für die deutsche Wiedervereinigung. Dazu gehört auch, dass die russischen Truppen möglichst schnell und reibungslos das Gebiet der ehemaligen DDR verlassen. Über Altlasten, Bodenverseuchungen und private Geschäfte der Russen mit Inventar wird dabei oft hinweggesehen.

    Am 31. August 1994 ist es dann so weit. Fünf Jahrzehnte nachdem die sowjetische Armee das Gebiet des damaligen Deutschen Reiches erreicht hat, verlassen russische Soldaten wieder Deutschland. "Sie gehen nicht als Besatzung, sie gehen als Partner, sie gehen als Freunde", sagt Bundeskanzler Helmut Kohl während der feierlichen Abschiedszeremonie in Berlin. Deutsche und Russen stünden jetzt am Anfang einer neuen guten Zusammenarbeit.
    Der russische Präsident Boris Jelzin betont ebenfalls, er vertraue auf das vereinte, erneuerte Deutschland. Russland dürfe von Europa nicht abgekoppelt werden.

    Ein Festakt voller Zuversicht für ein friedliches Miteinander beider Seiten. Doch es kommt anders, drei Jahrzehnte später, hat Wladimir Putin die Ukraine überfallen und es herrscht eisige Kälte zwischen Deutschland und Russland.

    In diesem Zeitzeichen erzählt Heiner Wember:

    • welche Rolle Wladimir Putin als KGB-Offizier bei der Wiedervereinigung gespielt hat,
    • warum die USA darauf gepocht haben, dass die Osterweiterung der Nato nicht mit Russland verhandelt werden soll,
    • über gemeinsame Saunabesuche und viel Wodka, den Deutsche und Russen während der Abzugsphase der russischen Armee zusammen getrunken haben,
    • wie Boris Jelzin bei der Feier zum Abzug der russischen Truppen von "ewigen Frieden für den ganzen Planeten" spricht.

    Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
    • Ilko-Sascha Kowalczuk (Historiker, Berlin)
    • Dr. Wolfgang Puwalla (ehem. Vorsteher Bundesvermögensamt Potsdam)
    • Ilko-Sascha Kowalczuk, Stefan Wolle: Roter Stern über Deutschland: Sowjetische Truppen in der DDR, Berlin, 2010

    Weiterführende Links:
    • 7. Oktober 2006 – Journalistin Anna Politkowskaja wird erschossen
    • 7. Mai 2000 – Amtseinführung von Präsident Putin
    • 12. Juni 1991 – Wahl von Boris Jelzin zum Präsidenten Russlands
    • 19. August 1991 – Putschversuch in der UdSSR gegen Michail Gorbatschow
    • 1. November 1987 – Gorbatschows Buch "Perestroika" erscheint

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    Autor: Heiner Wember
    Redaktion: Matti Hesse
    Technik: Alexander Buske

    15 min
  • Der Jungfernflug der US-Raumfähre "Discovery" (am 30.8.1984)

    Der Start ist holprig – doch dann wird das US-Space-Shuttle "Discovery" zur Legende der NASA-Raumfahrt.



    Bis heute war das Space Shuttle der bislang einzige für bemannte Raumflüge eingesetzte Raumfährentyp. Mit 39 Missionen ist die Discovery das am häufigsten eingesetzte Space Shuttle in der Geschichte der NASA. Robust und zuverlässig meistert das Weltraumfahrzeug all seine Aufgaben – vom Jungfernflug am 30. August 1984 bis zur letzten Landung am 9. März 2011. Dann ist Schluss: Nach knapp 240 Millionen absolvierten Flugkilometern wird die Discovery in den Ruhestand geschickt.

    Benannt ist die Discovery nach einem der Schiffe, mit denen James Cook den Pazifik befahren und 1778 Hawaii entdeckt hat. Und genau wie ihr schwimmender Namensvetter schreibt auch die US-Raumfähre Geschichte: Sie ist das Space Shuttle, mit dem sowohl nach der Challenger-Katastrophe 1986 als auch nach der Explosion der Columbia 2003 die bemannte Raumfahrt wieder aufgenommen wird. Im April 1990 schauen Millionen Menschen dabei zu, wie die Discovery das zwölf Tonnen schwere Weltraumteleskop "Hubble" ins All hievt.

    Die Discovery hebt aber auch ab, um Politik zu machen. Mit Sergei Krikaljow hat sie 1994 zum ersten Mal einen Kosmonauten an Bord. Ein Jahr später ist sie die erste US-Raumfähre, die sich der russischen Station "Mir" bis auf wenige Meter nähert. Beides soll die Kooperation der einstigen Gegner im Orbit demonstrieren.

    Mittlerweile ist die Reise der Discovery zu Ende und das Space Shuttle ein Ausstellungsstück: Die alte Weltraumdame lässt sich im Smithsonian Museum in Washington bestaunen.

    In diesem Zeitzeichen erzählt Martina Meißner:

    • Warum der Jungfernflug der Discovery gleich zweimal verschoben wird,
    • welche zwei deutschen Astronauten an Bord der Discovery ins All fliegen,
    • was für immense Kosten das US-Space-Shuttle-Programm verursacht,
    • von der "Enterprise" als Prototyp der Space Shuttles und einer defekten ISS-Toilette,
    • mit welchen Worten Captain Kirk die Discovery verabschiedet.

    Das sind unsere wichtigsten Interviewpartner:
    • Harald Hiesinger (Planetologe, Universität Münster und ESA Berater)
    • Gerhard Thiele (Physiker und ehemaliger Astronaut)

    Weiterführende Links:
    • Planet Wissen: Space Shuttle
    • 20. Juni 1941 - Geburtstag des Astronauten Ulf Merbold
    • 16. Januar 2003 - Letzter Start des Space Shuttles Columbia
    • 28. Januar 2006 - Vor 20 Jahren: Die US-Raumfähre Challenger explodiert

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    Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen:
    Autorin: Martina Meißner
    Redaktion: Matti Hesse

    15 min
  • Debüt-LP von Oasis: Die größten Stars der Britpop-Ära?

    Aus der Gosse zum Superstar: Mit ihrer Debüt-LP "Definitely Maybe" katapultiert sich "Oasis" am 29.8.1994 in den Pop-Olymp. Sänger Liam und Gitarrist Noel Gallagher bekommt der Ruhm schlecht.



    Nicht Elvis, nicht die Beatles, nicht Michael Jackson: Es ist das Debütalbum "Definitely Maybe" von Oasis, das sich in seiner ersten Marktwoche häufiger verkauft als jedes andere zuvor in den britischen Charts. Die Platte erscheint am 29. August 1994 - und macht die fünf einfachen Jungs aus Burnage über Nacht zu Stars.

    Herz und Seele von Oasis sind zwei Brüder, die kaum unterschiedlicher sein könnten: Noel und Liam Gallagher. Sie können nicht miteinander und brauchen sich doch. Ihre offen ausgetragenen Querelen sorgen für großen Unterhaltungswert und steigern gleichzeitig ihre Bekanntheit. In kürzester Zeit wird Oasis zu einer der erfolgreichsten Bands des 20. Jahrhunderts - dabei geht ihr Einfluss weit über das musikalische hinaus.

    Auf ihrem Höhepunkt spielt Oasis 1996 in Knebworth vor insgesamt 250.000 Menschen an zwei Tagen, die BBC überträgt live. Es ist die Blüte des Britpop, ein Wochenende für die Geschichtsbücher. Aber nach dem Rausch kommt der Kater für die Gallagher-Brüder. Der plötzliche Ruhm, das Geld und die Versuchungen überfordern Noel und Liam zusehends.

    2009 verlässt Noel Gallagher die Band im Streit. Kurz darauf löst sie sich auf - und kündigt erst kurz vor dem Jubiläum der Debüt-LP eine Wiedervereinigung an. Was bis dahin bleibt, ist der Soundtrack einer Generation - und die Erinnerung an die richtige Band zur richtigen Zeit.

    In diesem Zeitzeichen erzählt Jonas Colsman:

    • Von Liam Gallaghers eintönigem Leben vor Oasis,
    • vom kometenhaften Aufstieg der fünf Working-Class-Jungs
    • wie unterschiedlich die Gallagher-Brüder ticken - beruflich und privat,
    • warum nicht nur die Popkultur, sondern auch die Politik von Oasis profitiert,
    • wie Drogen, Streit und Leistungsdruck das Aus der Band besiegeln.

    Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
    • Christian Seidl (Journalist und Autor)
    • Thees Uhlmann (Musiker und Autor)
    • Christian Seidl: Oasis - What's the story? (1996)
    • John Harris: The Last Party - Britpop, Blair and the Demise of English Rock (2004)

    Weiterführende Links:
    • Rockpalast: Liam Gallagher
    • Rockpalast: Interview mit Noel Gallagher (2012)
    • WDR Aktuell: Oasis kündigen Reunion an

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    Autor: Jonas Colsman
    Redaktion: Frank Zirpins
    Technik: Annett Bastian

    15 min
  • Raphael Lemkin, Vater der Völkermord-Konvention

    Wenn ein Mörder für den Tod eines anderen Menschen büßt, wer büßt für den Mord an ganzen Volksgruppen? Die Frage bewegt Raphael Lemkin bis zu seinem Tod am 28.8.1959.



    In Berlin steht 1921 ein Armenier vor Gericht, der einen Türken auf offener Straße erschossen haben soll. Das Opfer war einer der Organisatoren des Völkermords an den Armeniern ein paar Jahre zuvor durch das Osmanische Reich. Durch den Prozess erfährt eine breite Öffentlichkeit von den mehr als 1,5 Millionen Armeniern, die durch Zwangsräumungen und Todesmärsche ums Leben kamen.

    Und der Prozess zeigt eine Lücke im internationalen Gesetz auf, die den Jurastudenten Raphael Lemkin im seinerzeit polnischen Lemberg nicht mehr loslässt: "Die Ermordung eines Individuums ist ein Verbrechen. Ist es dagegen kein Verbrechen, mehr als eine Million Menschen zu töten?"

    Raphael Lemkin reist in den 1930er Jahren mit Vorschlägen für ein internationales Gesetz zum Schutz von Minderheiten zu mehreren europäischen Konferenzen: Endlich sollen Volksgruppen vor der Vernichtung durch die eigene Regierung geschützt werden. Vergeblich. Lemkin selbst muss als polnischer Jude vor den Nationalsozialisten fliehen und rettet sich in die USA. Im Gepäck hat er Dokumente, die Hitlers systematische Vernichtung der Juden juristisch beweisen sollen.

    Raphael Lemkins Hartnäckigkeit zahlt sich erst nach dem Zweiten Weltkrieg aus: Die Vollversammlung der Vereinten Nationen nimmt 1948 einstimmig ein Gesetz zur Verhütung und Bestrafung von Völkermord an. Raphael Lemkin geht als Vater der Völkermord-Konvention in die Geschichte ein.

    In diesem Zeitzeichen erzählt Almut Finck:

    • Warum Raphael Lemkin 1933 seinen Job als Staatsanwalt in Warschau verliert,
    • über Raphael Lemkins Flucht vor den Nationalsozialisten nach Schweden und in die USA,
    • wieso der Jurist mit seiner Hartnäckigkeit von einigen als unangenehmer Mensch empfunden wurde,
    • warum die Völkermord-Konvention ein großer Erfolg ist, aber auch viele Mängel aufweist.

    Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
    • Professor Christoph Safferling (Völkerrechtler, Universität Erlangen-Nürnberg)
    • Raphael Lemkin: Axis Rule in Occupied Europe. Washington 1944
    • Raphael Lemkin: Ohne Auftrag. Autobiografie. Bochum 2020
    • Smantha Power: "A problem from Hell". America and the Age of Genocide. New York 2007
    • Philippe Sands: Rückkehr nach Lemberg. Über die Ursprünge von Genozid und Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Eine persönliche Geschichte. Frankfurt am Main 2018

    Weiterführende Links:
    • Lemkins Gesetz - Auf den Spuren der Völkermord-Konvention
    • Stichtung – Prozess zum Mord an Talât Pascha beginnt
    • Zeitzeichen - Die Gründung der Gestapo

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    Autorin: Almut Finck
    Redaktion: Christoph Tiegel und Matti Hesse

    15 min
  • Hamburger Original und Herz des Ohnsorgtheaters: Heidi Kabel

    Heidi Kabel, geboren am 27.81914 in einem gutbürgerlichen Haushalt an der Große Bleichen. In dieser Straße wird sie später zum Star: auf der Bühne des Ohnsorgtheaters.



    Heidi Bertha Auguste Kabel kommt am 27. August 1914 in Hamburg in derselben Straße zur Welt, in der 22 Jahre später der Bibliothekar Richard Ohnsorg eine Bleibe für seine Niederdeutsche Bühne findet. Heidis Vater leitet eine Druckerei, die Mutter erzieht Heidi mit strenger Hand. Dazu gehört, dass die Kinder keine Gefühle zeigen dürfen. Heidi Kabel sieht es später als Vorteil, weil sie gelernt habe, sich zusammenzunehmen.

    Die Eltern wollen, dass sie Konzertpianistin wird. Doch sie entscheidet sich fürs Theater. 1933 hebt sich am Theater von Richard Ohnsorg zum ersten Mal der Vorhang für sie. 1938 feiert sie ihre Filmpremiere mit "Ein Mädchen geht an Land". Nach dem Krieg übernimmt ihr Ehemann Hans Mahler das Ohnsorg-Theater und die beiden starten mit ihrem Mundart-Theater durch.

    Mit Kittelschürze und Kopftuch spielt sich Heidi Kabel ins kollektive Gedächtnis von Generationen. Schrullig, derbe und kratzbürstig inszeniert sie den Typus der forschen norddeutschen Nachkriegsfrauen, als Hausmeisterin, Mutter und Schwiegermutter, als Giftspritze, Krawallschachtel, Hausdrache und Tratschtante. Fernseh-Übertragungen aus dem Ohnsorg-Theater erreichen oft Einschaltquoten von 80 Prozent. Zu den Klassikern gehören "Vater Philipp", "Die Kartenlegerin" und "Tratsch im Treppenhaus".

    Am Silvesterabend 1998, mit 84 Jahren, verabschiedet sich die Volksschauspielerin auf der Bühne des Ohnsorg-Theaters von ihrem Publikum. 2010 stirbt Heidi Kabel in Hamburg.

    In diesem Zeitzeichen erzählt Steffi Tenhaven:

    • Über die Mitgliedschaft von Heidi Kabel in der NS-Frauenschaft,
    • dass Wolfgang Borchert ein Gedicht für sie geschrieben hat,
    • wie Heidi Kabel mit dem Schifferklavier durch Kneipen getingelt ist,
    • was ihre Tochter Hilde über die Zusammenarbeit mit der Mutter sagt,
    • wie das Verhältnis zum Kölner Volkstheater von Willi Millowitsch gewesen ist.

    Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
    • Heiko Mahler, Sohn von Heidi Kabel,
    • Heidi Mahler, Tochter von Heidi Kabel
    • Jürgen Lucke, Maskenbildner

    Weiterführende Links:
    • Ohnsorg-Theater: 1954 kommt die Bühne ins Fernsehen (NDR)
    • Zeitzeichen über den Schriftsteller Wolfgang Borchert
    • Zeitzeichen über die Volksschauspielerin Liesel Christ

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    Autorin: Steffi Tenhaven
    Redaktion: Christoph Tiegel und Seva Suvak

    15 min
  • Vom Sklaven zum Kaiser von Haiti: Faustin I.

    Faustin Soulouque kann weder lesen noch schreiben. Die politische Elite betrachtet ihn als Marionette - bis er sich am 26.08.1849 zum Kaiser von Haiti ausrufen lässt.



    Geboren wird Faustin Soulouque 1782 auf einer Plantage in Haiti, seine Eltern sind beide Sklaven. Elf Jahre später wird die Sklaverei abgeschafft. Die Macht erlangen aber künftig nicht die zahlenmäßig dominierenden Schwarzen, sondern die Haitianer mit je einem schwarzen und weißen Elternteil. Sie wurden früher aus der Sklaverei befreit, gelten als gebildeter.

    Auch der Schwarze Faustin Soulouque lernt weder lesen noch schreiben, kann aber beim Militär Karriere machen. Im Unabhängigkeitskampf gegen die französische Kolonialmacht steigt er zum General auf. 1847 wählt ihn der Senat zum Präsidenten von Haiti. Durch seinen in der Armee gezeigten Gehorsam gilt der 64-Jährige als besonders geeignet für die gängige "Stellvertreterpolitik". Dabei sucht sich die hellhäutigere politische Elite einen Schwarzen, den sie wie eine Marionette führen kann.

    Bei Faustin Soulouque geht die Strategie jedoch nicht auf. Im April 1848 ordnet der Präsident an, einen Teil der bisherigen politischen Führungsriege brutal zu eliminieren. Ein Jahr später, am 26. August 1849, lässt er sich vom Senat zum Kaiser ausrufen. Für seine Krönungsfeierlichkeiten greift Faustin I. tief in die Staatskasse. Er ordert eine Krone in Paris und legt sich nach französischem Vorbild einen eigenen Hofstaat an.

    Politisch regiert Faustin I. immer brutaler, selbst ehemalige Weggefährten lässt er verschwinden. 1859 ist Schluss damit. General Fabre Nicolas Geffrard putscht mit 6.000 Soldaten gegen den Kaiser, der daraufhin nach Jamaika fliehen muss.

    In diesem Zeitzeichen erzählt Christoph Vormweg:

    • Wer das größte Vorbild für Faustin I. ist,
    • mit welcher mörderischen Willkür er regiert hat,
    • warum Haiti Geld an seine ehemalige Kolonialmacht Frankreich bezahlt,
    • über den Rassismus internationaler Zeitungen.

    Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
    • Anne Brüske (Kultur- und Literaturwissenschaftlerin, Professorin für Räumliche Dimensionen kultureller Prozesse an der Uni Regensburg)
    • Léon-François Hoffmann (unter Mitarbeit von Carl Hermann Middelanis): "Faustin Soulouque d'Haïti dans l'histoire et la littérature. Paris 2007
    • Walter L. Bernecker: Kleine Geschichte Haitis. Frankfurt am Main 1996

    Weiterführende Links:
    • DLF: Der Inselstaat Haiti und der Kampf um die Unabhängigkeit
    • ZDF: Die Gangs von Haiti - Armut, Gewalt und Korruption
    • ARD: Haiti - ein Land am Abgrund

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    Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen:
    Autor: Christoph Vormweg
    Redaktion: Carolin Rückl und Sefa Suvak
    Technik: Thomas Bleul

    15 min
  • Adele Schopenhauer – eine Pionierin der weiblichen Kunst

    Schriftstellerin, Dichterin, Meisterin des Scherenschnitts: Adele Schopenhauer ist weit mehr als die Schwester des berühmten Philosophen. Am 25.8.1849 stirbt sie in Bonn.



    Adele Schopenhauer hat Glück. Ihre Mutter Johanna führt einen Salon, in dem sich die geistige Elite der Weimarer Klassik trifft. So lernt die junge Adele unter anderem Bettina von Arnim, Wilhelm Grimm, die Schlegels, Carl Maria von Weber, Felix Mendelssohn-Bartholdy und viele mehr kennen.

    Dazu gehört auch Johann Wolfgang von Goethe. Der Dichter und Adele verstehen sich bestens. Er bildet sie als Vorleserin und Schauspielerin mit aus und führt sie in die Literatur ein. Das Mädchen wächst heran zwischen klassizistischen und romantischen Idealen, lernt Italienisch, Französisch, Englisch, musiziert, malt, stickt und entdeckt ihr Talent für den Scherenschnitt.

    Später schreibt Adele Märchen, Novellen, Gedichte und Romane – doch alles mit mäßigem Erfolg. Erst als Reisende in Rom und Florenz erobert sie sich einen Platz in der patriarchalischen Welt. Sie diskutiert auf Augenhöhe mit Männern über Literatur, Kunst und Naturwissenschaften.

    In diesem Zeitzeichen erzählt Doris Arp:

    • wie Adele Schopenhauer in einem unglücklichen Elternhaus aufwächst,
    • welche distanzierte Beziehung sie zu ihrem berühmten Bruder Arthur hat,
    • wer wohl die eigentlich große Liebe von Adele ist,
    • wodurch die Schriftstellerin ihre gesamte Mitgift verliert.

    Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartnerinnen:
    • Francessca Fabbri (Kunsthistorikerin in Weimar)
    • Angela Steidele (Schriftstellerin und Literaturwissenschaftlerin in Köln)
    • Adele Schopenhauer: Tagebuch einer Einsamen. Berlin 1985
    • Gabriele Büch: Alles Leben ist Traum – Adele Schopenhauer – Eine Biografie. Berlin 2002
    • Angela Steidele: Geschichte einer Liebe – Adele Schopenhauer und Silbylle Mertens. Berlin 2010
    • Lucca Müller: Fräulein Schopenhauer und die Magie der Worte. Köln 2023

    Weiterführende Links:
    • Zeitzeichen 17.04.1838: Johanna Schopenhauer stirbt
    • Zeitzeichen 22.02.1788: Arthur Schopenhauer wird geboren
    • Zeitzeichen 29.01.1797: Sibylle Mertens-Schaaffhausen wird geboren
    • HR2-Hörspiel: Geschichte einer Liebe
    • Klassik Stiftung Weimar: Video zur Adele-Schopenhauer-Ausstellung 2019

    Welches Thema sollen wir im Zeitzeichen recherchieren? Gibt es Kritik oder Lob?
    Gerne her damit: Einfach schreiben an [email protected]
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    Das ganze Zeitzeichen-Archiv gibt’s hier.

    Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen:
    Autorin: Doris Arp
    Redaktion: Christoph Tiegel und Matti Hesse
    Technik: Petra Laubach

    15 min

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Der tägliche Podcast über Geschichte von der Antike bis heute, über Europa und die Welt, über die Geschichte der Menschheit: 15 Minuten zu historischen Persönlichkeiten und Erfindungen. Von George…

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