Späte Rente mit Nebenwirkungen
Politisch ist es erstrebenswert, wenn wir später in Rente gehen, denn dann zahlen wir länger in die Rentenkasse ein und erhalten erst später Geld daraus.
Das ist angesichts der demographischen Entwicklung in Deutschland kaum anders machbar. Aber ein späterer Renteneintritt hat auch Nebenwirkungen – denn er kann eine geringere Lebenserwartung bedeuten.
Späterer Renteneintritt erhöht Sterblichkeit
Das Forschungsteam der Universitäten Barcelona und Mannheim hat untersucht, ob es zwischen Sterblichkeit und Renteneintrittsalter einen Zusammenhang gibt. Und sie konnten empirisch nachweisen, dass ein späterer Renteneintritt die Sterblichkeit erhöht.
Bausektor und Berufe mit viel psychischem und sozialem Stress besonders betroffen
Durch die Verschiebung des Renteneintrittsalters von 60 auf 65 Jahre steigt das Sterbe-Risiko also mit jedem Jahr, das länger gearbeitet wird. Aber nicht pauschal, bestimmte Gruppen sind besonders betroffen:
Wir konnten zeigen, dass der Anstieg der Sterblichkeit bei denjenigen stärker ist, die in Branchen mit einer sehr hohen Anzahl von Arbeitsunfällen gearbeitet haben. Zum Beispiel im Bausektor. Und wir haben festgestellt, dass die Sterblichkeit bei Personen in Berufen mit hoher psychosozialer Belastung stärker ist – also bei denen, die im Beruf ein hohes Maß an psychischem und sozialem Stress erleben.
Quelle: Han Ye, Universität Mannheim
Längerer Verbleib im Job kann auch positive Effekte auf Lebenserwartung haben
Doch wie geht das zusammen mit den zahlreiche Studien, die zeigen, dass ein längeres Verbleiben im Job die geistige Fitness und das soziale Netzwerk fördert und die Menschen so "jünger" erhält.
Das ist kein Widerspruch, sagt Wirtschaftswissenschaftlerin Han Ye. Aber es greift eher bei Menschen mit höherem Qualifikationsniveau. Und dazu kommt es auch stark auf das Arbeitsumfeld der einzelnen Personen an.
Flexible Lösungen für einen besseren Übergang in den Ruhestand
Einen Ausweg bietet der schrittweise Übergang in den Ruhestand. Genau das haben in Spanien zahlreiche Menschen versucht – sie haben zunächst eine Teilrente beantragt. Und unter diesen Teilrentnern war die Sterblichkeitsrate deutlich niedriger.
Außerdem empfiehlt die deutsch-spanische Forschungsgruppe, eine weitere Anhebung des Rentenalters grundsätzlich mit einer besseren Gesundheitsvorsorge zu koppeln.