ZeitZeichen

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ZeitZeichen episodes

  • Der Geburtstag des Komponisten Bernd Alois Zimmermann
    Sein Ort war zwischen den Stühlen. Geboren 1918 war der Komponist Bernd Alois Zimmermann in der Bundesrepublik der Nachkriegszeit nicht alt, aber eben auch keiner von den richtig Jungen, die in den Trümmern einer untergegangenen Welt nach einem Neuanfang auch in der Musik suchten. Das machte Zimmermann in der Szene der "Neuen Musik" zu einem Außenseiter, brachte ihn aber auf faszinierend eigene Wege, jenseits der Moden und herrschenden Lehren. Dabei kreiste sein Denken immer entschiedener um die Idee einer "Kugelgestalt der Zeit". In Zimmermanns Musik nimmt sie Form an: als "pluralistische" Methode, die sich nicht auf einen Stil fixiert, sondern auf eine große Gleichzeitigkeit zielt. 1965 wurde seine als "unspielbar" geltende Oper "Die Soldaten" als großes Simultantheater in Köln uraufgeführt. Sie gilt heute als ein Meilenstein des Musiktheaters.
    15 min
  • Der Todestag des deutschen Sängers und Schauspielers Ludwig Wüllner
    Ludwig Wüllner, 1858 geboren, war einer der erstaunlichsten und vielseitigsten Künstler seiner Zeit. Er stammte aus einer Musikerfamilie, spielte schon als Kind Klavier und Geige und sang. Dennoch studierte er erst einmal Germanistik und begann eine erfolgreiche Universitätslaufbahn, doch die brach er mit fast 30 Jahren einfach ab - er wollte sich lieber ganz der Musik widmen. Schon immer war er nebenbei als Geiger, Sänger und Rezitator aufgetreten, nun begann er ein weiteres reguläres Studium, diesmal Gesang und Klavier. 1895 wurde er als Helden- und Charakterdarsteller ans Meininger Hoftheater engagiert. Seine Mehrfachbegabung als Schauspieler, Sänger und Musiker verhalf ihm zu Gastauftritten in Europa und den USA, unter anderem als Wagnertenor. Als Liedersänger war er so gefragt, dass es ihm den Ehrentitel "Kammersänger des deutschen Volkes" einbrachte. Besonders eigenwillig war der Sprechstil, in dem er Gedichte, Balladen und Schauspiel-Monologe vortrug – einige sind als Tonaufnahmen erhalten.
    15 min
  • Der Todestag der "Roten Erzherzogin" Elisabeth von Österreich
    Dass Mitglieder der kaiserlichen Familie in eine Arbeiterpartei eintreten, geschieht nicht jeden Tag. Umso bemerkenswerter ist das Schicksal von Sissis Enkeltochter Elisabeth, die 1883 als Erzherzogin von Österreich geboren wird und 1963 als bürgerliche Elisabeth Petznek stirbt. Als Elisabeth fünf Jahre alt ist, erschießt sich ihr Vater, Kronprinz Rudolf, zusammen mit seiner Geliebten auf Schloss Mayerling bei Wien. Die kleine Erzsi verliert den Vater, Kaiser Franz Joseph den einzigen Sohn und die österreichisch-ungarische Monarchie ihren Thronfolger. Als Lieblingsenkelin des Kaisers wächst Erzsi zu einer willensstarken jungen Frau heran, die sich den Plänen Franz Josephs widersetzt, den deutschen Thronfolger Wilhelm zu heiraten. Nach dem Ersten Weltkrieg bricht Elisabeth zunehmend mit den Denkweisen ihrer adeligen Herkunft. 1925 wird sie Mitglied der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei. Überall kennt man sie als "rote Erzherzogin". Als sie mit 79 Jahren stirbt, vererbt sie ihr Villengrundstück der Stadt Wien zwecks Errichtung einer sozialen Gemeindewohnanlage.
    15 min
  • Der Todestag des germanischen Heerführers Odoaker
    Er war Germane, stammte vermutlich aus Thüringen und stand als Feldherr in Römischen Diensten - was zunächst nicht ungewöhnlich war - bis er sich mit seinen Söldnertruppen gegen Rom erhob. Odoaker heißt der Barbarenführer, mit dessen Aufstieg die Geschichtsschreibung eine ganze Epoche enden lässt: die Antike. Vielleicht ein wenig viel der Ehre für jemanden, der wie viele vor ihm schlicht um Land und Steuereinnahmen im niedergehenden Römischen Imperium kämpfte und dabei wie viele vor und viele nach ihm nicht zimperlich war. Aber Odoaker fiel die Rolle zu, den letzten "echten" West-Römischen Kaiser abzusetzen, der passender Weise den gleichen Namen trug wie der sagenhafte Gründer des einstigen Imperiums: Romulus. Odoaker unterstellte das West-Römische Reich dem Ost-Römischen und rief sich selbst zum "Rex Italiae" aus. Zwölf Jahre hielt die Herrschaft des Odoaker, bevor er heute vor 1525 Jahren von jemandem ermordet wurde, der ebenso machthungrig war wie er selbst: Theoderich, auch ein Germane.
    15 min
  • Der Todestag des Schlagertexters Bruno Balz
    "Niemand kennt mich. Zehn Jahre nach meinem Tod werden auch meine Lieder vergessen sein", glaubte Bruno Balz. Dabei sind seine Songs bis heute präsent: Balz schrieb über 1000 Schlagertexte, darunter so bekannte Stücke wie "Der Wind hat mir ein Lied erzählt", "Ich brech‘ die Herzen der stolzesten Frau‘n ", "Wir wollen niemals auseinandergehen" oder "Mama" von Heintje.Vor allem in der langjährigen Zusammenarbeit mit dem Komponisten Michael Jary schuf er Evergreens, deren Sehnsuchtsverse noch immer wirken. Obwohl er die größten Hits des Dritten Reichs textete, wurde Balz von den Nazis als Homosexueller verfolgt. Er verbrachte Monate im Gefängnis und musste eine Scheinehe eingehen. Vor seiner Deportation ins KZ konnte er sich nur retten, weil er die Durchhalte-Schlager für den Zarah-Leander-Film "Die große Liebe" schrieb. Auch in der Nachkriegszeit litt Bruno Balz weiter unter dem Paragraphen 175. Vor diesem Hintergrund erscheinen einige seiner Texte durchaus subversiv: "Kann denn Liebe Sünde sein?"
    15 min
  • Konrad III. wird in Aachen zum König gekrönt
    Er war der erste Staufer auf dem römisch-deutschen Königsthron, doch ein glänzender König wurde Konrad nie. Er galt zwar als fromm, aber zum erfolgreichen Herrscher taugte er nicht. Lange Jahre kämpfte er mit Waffengewalt um den Thron. Nachdem Konrad sich durchgesetzt hatte, wurde sein größter Fehler, dass er dem Zeitgeist nachgab. Der charismatische Zisterzienser-Prediger Bernhard von Clairvaux rief die Massen zu einem zweiten Kreuzzug auf – und Konrad gab dem Drängen schließlich nach. Er zog nach Jerusalem. Ein militärisches Abenteuer und Fiasko. Die Kaiserkrone bekam er nie. Konrad starb vor dem Krönungstermin an einer Malaria, die er während des Kreuzzuges bekommen hatte. Auch seinen Sohn Heinrich konnte er nicht zu seinem Nachfolger machen, denn der starb noch vor seinem Vater. Die deutschen Herrscher wählten schließlich Konrads Neffen auf den Thron, Friedrich Barbarossa. Der entwickelte sich zum glänzenden Herrscher. Barbarossa wurde allerdings auch ein Kreuzzug zum Verhängnis. Am Ende eines langen Lebens ertrank er in der heutigen Türkei auf dem Weg nach Jerusalem.
    15 min
  • Der Todestag des norwegischen Bildhauers Gustav Vigeland
    Wer den Vigeland Skulpturenpark in Oslo besucht, der durchschreitet Kosmos und Lebenswerk des norwegischen Bildhauers Gustav Vigeland. Im Park stehen über 200 Skulpturen, die vor allem den Lebenszyklus des Menschen darstellen und die ewig gleichen Themen aufzeigen, denen sich der Mensch zu stellen hat: Liebe, Kampf, Krieg, Altern und Tod. Monumental sind Vigelands Figuren aus Granit, Bronze und geschmiedetem Eisen. Es scheint, als ruhten sie in sich selbst. Gustav Vigeland sagte einmal, dass er nicht darstelle, was er sehe, sondern die "inneren Bilder seiner Seele" sichtbar mache. Der Norweger war von Michelangelo und seinem Zeitgenossen Auguste Rodin beeinflusst, den er 1893 das erste Mal traf. Gustav Vigeland starb am 12. März 1943 in Oslo.
    15 min
  • Der Geburtstag des französischen Modeschöpfers André Courrèges
    Silberne Minikleidchen mit passenden Hüten und Stiefeln, glänzende Hot Pants und gestrickte Overalls: Die französischen Damen, die in den 1960er Jahren die Kreationen von André Courrèges trugen, sahen aus wie die Schauspielerinnen der deutschen Science-Fiction-Serie "Raumpatrouille Orion". Mode wie von einem anderen Stern: Geradlinig und geometrisch, was vielleicht daran lag, dass André Courrèges eigentlich Bauingenieurwesen studiert hatte, bevor er sich 1948 der Mode zuwandte. Nach einer Ausbildung beim spanischen Designer Balenciaga eröffnete er 1961 sein eigenes Atelier in Paris. Zu seinen Kundinnen zählten Jackie Kennedy, Romy Schneider und Brigitte Bardot. Courrèges steckte sie in Hosen und führte 1965 den Minirock der Britin Mary Quant in die französische Haute Couture ein.1972 kleidete er die französische Olympiamannschaft für München ein. Und machte seine Damen-Mode femininer. Danach entwarf er Herrenanzüge und Autos, Parfums, WC- und Waschbecken. Aufgrund einer Parkinson-Erkrankung zog sich André Courrèges Mitte der 1990er Jahre aus der Mode-Branche zurück. Er starb am 2016 im Alter von 92 Jahren.
    14 min
  • "Die Weltbühne" erscheint zum letzten Mal
    Eine kleine Wochenzeitschrift mit einer schlappen Auflage von gerade mal 15.000 Exemplaren: Das war die Weltbühne. Zugleich war die Weltbühne eine der wichtigsten Zeitungen der Weimarer Republik. Menschen, die Medien nur nach ihrer "Reichweite" beurteilen, werden das nie verstehen. Aber es kommt eben nicht nur darauf an, wie viele Leute etwas lesen. Es kommt auch darauf an, wer es liest und was es zu lesen gibt. Dies kleine aber feine Blatt beschäftigte über Jahre hinweg die besten Schreiber der Zeitungszunft. Kurt Tucholsky publizierte so viel in der Weltbühne, dass er mehrere Pseudonyme verwenden musste. Carl von Ossietzky scheute als Chefredakteur nicht vor einer Haftstrafe zurück, als es darum ging, in der Zeitung über die heimliche Wiederaufrüstung der Reichswehr zu berichten. Als "Spion" wurde er verurteilt und musste hinter Gitter. Die Linie der Weltbühne war radialdemokratisch und pazifistisch. Als Tucholsky schrieb "Soldaten sind Mörder", drohte die nächste Klage. Allen war klar, dass nach der Machtübernahme der Nazis bald Schluss sein würde mit dem Blatt. Die letzte Ausgabe der Weltbühne endet trotzig mit den Worten: "Denn der Geist setzt sich doch durch" - ein Irrtum...
    15 min
  • Der Todestag des russischen Komponisten Sergej Prokofjew
    In jungen Jahren genießt er den Ruf, ein außerordentliches Talent zu sein – und zugleich ein musikalischer Bürgerschreck, der sich gegen Traditionen stemmt und Althergebrachtes gegen den Strich bürstet. Der 1891 geborene Sergej Prokofjew lernt schon zu Studentenzeiten, wie man sich mit dem musikalischen Establishment anlegt.Auch später wird Prokofjew als Pianist verehrt, doch als Komponist gilt er als widerborstig und als Protestler. Dabei ist er ein mutiger Erneuerer. Ob mit seinen Konzerten, seinen Sinfonien oder mit seiner monumentalen Oper "Krieg und Frieden" – im In- und Ausland wird er gleichermaßen geschätzt wie gefürchtet, als ein Stilist, dessen Tonsprache verdächtig geschmeidig und auflehnend scharf sein kann. Der historische Zufall will es, dass sein Tod am 5. März 1953 weitgehend unbeachtet bleibt, denn am selben Tag stirbt der Mann, unter dem Prokofjew wohl am meisten gelitten hat: Genosse Stalin.
    15 min

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