ZeitZeichen

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ZeitZeichen episodes

  • Die Gründung der päpstlichen Inquisition (12.11.1231)
    "Es gibt eine Universalkirche der Gläubigen, außerhalb derer es absolut keine Rettung gibt," heißt es auf dem vierten Laterankonzil im November 1215. Papst Innozenz der III, will die Kirche reformieren, will die Auswüchse, wie den blühenden Ablasshandel, zurückdrängen, aber auch die Ketzer wirksam bekämpfen, die für Rom ein großes Problem darstellen. Im 11. Jahrhundert gibt es viele spirituelle Bewegungen und Gruppen, die ein anderes Christentum predigen und praktizieren und somit auch Rom und die Stellung des Papstes schwächen. Bisher sind es die jeweiligen Bischöfe, die regelmäßig durch ihre Sprengel reisen, um die Gotteslästerer ausfindig zu machen, mit mehr oder weniger wirksamen Methoden, mit mehr oder weniger Engagement und eben auch eher mäßigem Erfolg. Eine päpstliche Inquisition soll das ändern. Im Jahr 1231 gründet Papst Gregor IX. die päpstliche Inquisition und ernennt die Dominikaner und Franziskaner zu "Inquisitoren", die nun überall die Ketzer verfolgen und nach einem festgelegten Ablauf befragen und überführen sollen. Anfangs noch ganz ohne Folter, dafür aber mit Gefängnis- und Untersuchungshaft und virtuosen Verhörmethoden, die viele Verdächtige verwirren, erzittern und gestehen lassen.
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  • Das Gesetz zur Durchführung des langfristigen Wohnungsbaus wird verabschiedet (11.11.1971)
    Es ging vor allem um den sozialen Wohnungsbau, als der Bundestag am 11. November 1971 das "Gesetz zur Durchführung des langfristigen Wohnungsbaus" verabschiedete. Der allgemeinen Entwicklung entsprechend wurden die Einkommens-grenzen der Familien erhöht, die eine Sozialwohnung in Anspruch nehmen durften. Außerdem wurden die Bindungsfristen für Sozialwohnungen verlängert. Bauherren, die die öffentlichen Mittel vor Ablauf der vereinbarten Fristen zurückzahlten, mussten fortan die Wohnungen zehn statt bisher nur fünf Jahre an Familien mit geringem Einkommen vermieten. Im Laufe der Jahre sind die Einkommensgrenzen ständig der wirtschaftlichen Entwicklung angepasst worden. Bindungsfristen wurden mal verlängert, mal verkürzt und zahlreiche neue Bestimmungen eingeführt. Aktuell ist aber immer noch die Forderung des damaligen Wohnungsbauministers Lauritz Lauritzen: "Wer die angespannte Situation auf dem Wohnungsmarkt beseitigen will, der muss mehr Wohnungen bauen."
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  • Henry Stanley findet den vermissten Missionar David Livingstone (10.11.1871)
    "Doktor Livingstone, nehme ich an?" Ein lakonischer Satz am Ende eines verwegenen Unternehmens: Der Zeitungsreporter Henry Morton Stanley hat den Coup geschafft – er hat den lange als verschollenen geltenden und totgeglaubten schottischen Missionar David Livingstone am Ufer des Tanganjikasees aufgespürt. Beide Männer gelten als Entdecker – vor allem Livingstone hat viele Naturwunder des afrikanischen Kontinents als erster Europäer gesehen. Seine Berichte haben die Neugier der Europäer auf den afrikanischen Kontinent erst richtig entfacht. Neben Neugierde treibt Livingstone auch der Anspruch, Vertreter einer besseren Zivilisation zu sein. Und Stanley tritt nach seiner Rettungsmission in die Dienste der belgischen Kolonialherren.
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  • Der Todestag von Markus Wolf (09.11.2006)
    Der große Unbekannte war plötzlich sehr bekannt, als ein Foto auf der Titelseite des Nachrichtenmagazins "Der Spiegel" prangte: Nachrichten waren zwar sein Geschäft, doch nicht die Art von Nachrichten, die in Zeitungen stehen. Und selbst zur Nachricht werden wollte er sowieso nicht: Markus Wolf war der Chef des Auslandsnachrichtendienstes der DDR und stellvertretender Minister für Staatssicherheit. "Die Spione des Markus Wolf" lautete die Titelseite des Spiegel. Einer dieser Spione war Günter Guillaume, der in unmittelbarer Nähe von Bundeskanzler Willy Brandt nach Ost-Berlin berichtete. Wolfs Erfolg wurde zu einer Niederlage, als Guillaume enttarnt wurde und Brandt zurücktrat. Markus Wolf blieb noch bis 1986 stellvertretender Minister – bis er 1986 zurücktrat. Er wollte sich endlich seiner Familiengeschichte widmen. Aus dem Material, das sein Bruder Konrad Wolf für einen Spielfilm gesammelt hatte, machte er "Die Troika", ein Buch mit "unerhört viel Offenheit", wie der Spiegel damals notierte.
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  • Die Enthauptung von Catharina Margaretha Linck (08.11.1721)
    Nicht der Karneval brachte Catharina Margaretha Linck dazu, sich als Mann zu verkleiden. Nein, die 15-jährige aus dem 3. Stand begehrte Frauen. Das aber war in der frühen Neuzeit lebensgefährlich. Hatte etwa der Teufel seine Finger im Spiel? Angst schien Catharina Margaretha Linck nicht zu kennen. Im Gegenteil. Sie suchte das Abenteuer: erst als umherwandernde pietistische Prophetin, dann als kämpfender Musketier im Spanischen Erbfolgekrieg. Unter dem Pseudonym Anastasius Lagrantinus Rosenstengel heiratete sie 1717 in Männerkleidern eine Frau. Doch die Schwiegermutter lüftete das Geheimnis um ihr "von Leder gemachtes, ausgestopftes männliches Glied" und denunzierte sie. Die preußische Justiz nahm ihre Arbeit auf. König Friedrich Wilhelm I. höchstpersönlich fällte das Urteil.
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  • Der Todestag der Äbtissin Mathilde II. von Essen (05.11.1101)
    Als sie starb, notierte eine Chronistin in den Quedlinburger Annalen: "Der Tod raubte auch einen Edelstein aus dem Stamm des Königshauses hinweg, die Äbtissin Mathilde, die Tochter Liudolfs." Lange hat man Mathildes Einfluss unterschätzt, doch inzwischen ist klar: Ihr Name ist untrennbar mit der Glanzzeit des Stiftes Essen und seinem sensationellen Domschatz verbunden, darunter zwei reich mit Gold und Edelsteinen geschmückte Vortragekreuze. Auch als Politikerin war Mathilde erfolgreich. Nicht umsonst stammte sie aus der Herrscherfamilie: Sie war die Enkelin von Otto I, die Nichte Ottos II. und die Cousine Ottos III. Standesbewusst ließ sie sich als Stifterin im Kleid einer Hochadligen darstellen, nicht als Mitglied einer frommen Frauengemeinschaft. Auch wenn die schriftlichen Quellen über Mathilde leider rar sind, so zeigen neuere Forschungen sie als eine der bedeutendsten Frauen ihrer Zeit.
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  • Die Saalschlacht im Münchner Hofbräuhaus (04.11.1921)
    Adolf Hitler lechzte zu Beginn seiner politischen Karriere um Aufmerksamkeit: "Ob sie uns als Hanswürste oder als Verbrecher hinstellen, die Hauptsache ist, dass sie uns erwähnen, dass sie sich immer wieder mit uns beschäftigen." Plakatkleber, Zettelverteiler, vollbesetzte Mannschaftswagen mit NSDAP-Anhängern, die durch die Straßen fahren und auf seine Auftritte aufmerksam machen, gehören bald zum Münchener Stadtbild. Und das Hofbräuhaus wird zu Hitlers Bühne. Hier liebt er es, in Reden zu provozieren: Am 04. November 1921 etwa rechtfertigt er einen Mordanschlag auf einen SPD-Landtagsabgeordneten. Und weil die SPD-Anhänger auch anwesend sind, wird sich wieder einmal geprügelt. Gut für Hitler, in solchen Fällen stets eine Truppe rücksichts- wie skrupelloser Schläger an seiner Seite zu wissen. An diesem 04. November wird er diesem paramilitärischen Saalschutz offiziell den Namen "Sturmabteilung" verleihen – kurz "SA".
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  • Die ersten Organspendeausweise werden in der BRD ausgegeben (03.11.1971)
    Nach dem Tod ein Leben retten – das geht mit einer Organspende. Ob Herz, Niere, Lunge oder Leber - mehr als 10.000 schwer kranke Menschen in Deutschland hoffen jährlich auf ein neues, auf ein passendes Organ. Am 3. November 1971 wurden in der Bundesrepublik die ersten Spenderausweise für Organtransplantationen ausgegeben. Hamburg stellte als erstes Bundesland diese Ausweise zur Verfügung. Der Organspendeausweis ist bis heute die am häufigsten genutzte Möglichkeit, zu Lebzeiten die Zustimmung oder die Ablehnung einer Organ- und Gewebespende rechtsverbindlich zu dokumentieren. Gesetzliche Grundlage ist seit neun Jahren die so genannte "Entscheidungslösung". In einer repräsentativen Umfrage der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung in 2020 gaben 39 Prozent der Befragten an, einen Organspendeausweis zu besitzen.
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  • Der Todestag des jüdischen Theologen und Rabbiners Leo Baeck (02.11.1956)
    Eine neue Biografie über Leo Baeck beschreibt den Rabbiner als einen führenden Vertreter des liberalen Judentums weltweit. Baeck verlangte zwar von den Gläubigen, die Gesetze der Thora zu befolgen, forderte aber vor allem von jedem, selbst zu entscheiden, was moralisch richtig und geboten ist. Er war der wichtigste Vertreter des Judentums in Deutschland während der Weimarer Republik und des Nationalsozialismus. Baeck lehnte es ab, aus Deutschland zu emigrieren, und wurde 1943 nach Theresienstadt deportiert. Er wurde dort im Ghetto schwer misshandelt, genoss aber als Mitglied des Ältestenrates von Theresienstadt einen Sonderstatus und konnte so überleben. Anschließend siedelte er nach London über, denn Baeck war überzeugt, dass nach der Hitler-Zeit die Epoche der Juden in Deutschland ein für alle Mal vorbei sei.
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  • Der Todestag von Joseph Pulitzer (29.10.1911)
    Was der Oscar für die Filmindustrie, ist der Pulitzer-Preis in der Medienwelt: die höchste Auszeichnung, die ein Journalist, Fotograf oder Schriftsteller bekommen kann. Und der Mann, der dem Preis seinen Namen gab, war Joseph Pulitzer. Er war ein ungarischer Emigrant in die USA, verkörperte wie kaum einer den amerikanischen Traum des self-made man und erfand die Regenbogenpresse. 1864 verpflichtete er sich mit 17 Jahren als Soldat im amerikanischen Bürgerkrieg. Die Überfahrt war umsonst, Verpflegung nicht. Der junge Mann war so arm, dass er verhungert wäre, hätten nicht andere Passagiere ihren Proviant mit ihm geteilt. Vier Jahrzehnte später besaß Pulitzer mit der prächtigen Yacht Liberty selbst ein Schiff, so lang wie ein Football-Feld, mit einer riesigen Bibliothek, einem eichengetäfelten Speisesaal und Platz für eine 45-köpfige Crew, die sich Tag und Nacht um den im Alter erblindeten Mann kümmerte. Pulitzer hatte es geschafft, vom Hilfsarbeiter ohne Englischkenntnisse zu einem der reichsten Männer Amerikas und vielleicht mächtigsten Zeitungsverleger des Landes. Er schuf die yellow press, die Klatsch- und Sensationspresse, aber auch den seriösen investigativen Journalismus. Der Medienzar gründete außerdem die erste Journalistenschule der USA und stiftete kurz vor seinem Tod eben jenen Pulitzer-Preis, der – seit 1917 – bis heute alljährlich verliehen wird.
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