ZeitZeichen

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ZeitZeichen episodes

  • Der Friedensnobelpreis geht an die Politikerin Aung San Suu Kyi (14.10.1991)
    Sie ist der Alptraum der Generäle. Der südafrikanische Friedensnobelpreisträger Desmond Tutu soll einmal über sie gesagt haben: "Äußerlich ist sie zart und elegant, aber ihre moralische Statur ist gigantisch." Bei Parlamentswahlen in Myanmar 2015 gewann die Partei von Aung San Suu Kyi, die Nationale Liga für Demokratie, überraschend die Mehrheit. Endlich, so schien es, würde sich das südostasiatische Land von der Militärdiktatur verabschieden und demokratisch werden. Die mit einem Briten verheiratete Politikerin durfte offiziell zwar nicht Staatspräsidentin werden – doch inoffiziell war sie die Regierungschefin. Es war nur eine kurze Zeit der Demokratie. Als Aung San Suu Kyis Partei im November 2020 erneut mit absoluter Mehrheit die Parlamentswahlen gewann, sprachen die Militärs sofort von Wahlbetrug. Im Februar 2021 putschten die Generäle und setzen die Regierungschefin ab. Seither steht Aung San Suu Kyi wieder unter Hausarrest – so wie fast die gesamte Zeit ihres politischen Lebens. 1988 war sie aus Großbritannien nach Myanmar zurückgekehrt und hatte die Nationale Liga für Demokratie mitgegründet. Im selben Jahr hielt sie ihre erste öffentliche politische Rede, in der sie sich für die demokratische Entwicklung ihres Landes einsetzte. Kurz darauf wurde sie von den regierenden Militärs unter Hausarrest gestellt. Begründung: Sie gefährde die staatliche Sicherheit. Für ihren Kampf um Freiheit und gegen Unterdrückung erhielt sie 1991 den Friedensnobelpreis.
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  • Geburtstag des Mediziners, Anthropologen und Politikers Rudolf Virchow (13.10.1821)
    Rudolf Virchow zählt zu den Schlüsselgestalten des 19. Jahrhunderts. Er wirkte nicht nur als Arzt und Wissenschaftler, sondern auch als Sozialreformer. Weltruhm erlangte er mit der von ihm entwickelten Zellularpathologie, nach der Krankheiten auf einer Störung der Körperzellen und ihrer Funktionen beruhen. Damit revolutionierte er die Medizin seiner Zeit und stellte sie auf eine naturwissenschaftliche Basis. In Berlin machte er sich als Stadtverordneter verdient, sorgte z. B. für den Bau einer Kanalisation, für kommunale Krankenhäuser und einen zentralen, sauberen Schlachthof. Rudolf Virchow gehörte zu Gründern der linksliberalen Fortschrittspartei, war Mitglied des Preußischen Landtags und des Deutschen Reichstags, interessierte sich für Anthropologie, Archäologie und Frühgeschichte und engagierte sich für die Gründung mehrerer Museen in Berlin. Der vielfach Begabte handelte zeitlebens nach der Devise "Politik ist nichts weiter als Medizin im Großen".
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  • Der westdeutsche Journalist Kurt Lichtenstein wird an der Zonengrenze erschossen (12.10.1961)
    Sein Tod machte weltweit Schlagzeilen. Zwei Monate nach dem Mauerbau wurde der Dortmunder Journalist Kurt Lichtenstein bei einer Reportagefahrt entlang der innerdeutschen Grenze von NVA-Soldaten getötet. Ein hochpolitisches Leben fand ein tragisches Ende. 1911 wurde Kurt Lichtenstein in Berlin als Kind einer jüdischen Familie geboren und schloss sich schon Ende der zwanziger Jahre der kommunistischen Bewegung an. Er wurde in Moskau geschult, kämpfte im Spanischen Bürgerkrieg und machte Botendienste im Widerstand gegen die Nazis. Seine Familie starb im KZ Auschwitz. Nach dem Krieg war er Chefredakteur der kommunistischen Zeitung "Freiheit" und KPD-Abgeordneter im ersten Landtag von Nordrhein-Westfalen. 1953 kam der Bruch mit den "Stalinisten" seiner Partei. Über seinen Freund Herbert Wehner fand er zur Sozialdemokratie und zur damals SPD-eigenen "Westfälischen Rundschau". War die Tat von Ziecherie ein tragischer Zufall oder ein gezielter "Mordauftrag" gegen einen Abtrünnigen? Der Prozess gegen die Schützen konnte das 1997 nicht klären. Die Ex-Soldaten wurden freigesprochen.
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  • Die Single "Imagine" von John Lennon und Yoko Ono wird veröffentlicht (11.10.1971)
    Eine einfache Melodie und ein simples harmonisches Gerüst lassen Platz für Gedankenspiele: John Lennon und Yoko Ono tagträumen von einer Welt ohne Besitz, ohne Religion und Nationen – das, was ihrer Ansicht nach Menschen voneinander trennt und zu Gewalt führt. Obwohl Produzent Phil Spector noch Streicher, Bass und Schlagzeug in den Mix brachte, waren es vor allem das Klavier und die Stimme von John Lennon, die "Imagine" so eindrücklich machten. Es entstand der Eindruck eines sehr persönlichen Stücks, das so schließlich auch die Berichterstattung über Lennons Ermordung 1980 begleitete. "Imagine" gab der Fassungslosigkeit einen Ausdruck. Zur Zeit des Vietnamkriegs nannten reaktionäre Kritiker das Stück "naiv" oder gar "anarcho-kommunistisch". Vorgetragen von einem Mann, der jeglichen Bezug zur harten Realität der 70er Jahre verloren hätte. Auch nach den Terror-Anschlägen vom 11. September 2001 passte "Imagine" nicht in die kriegsschwangere Vergeltungsrhetorik der US-Regierung – und verschwand von den Playlists. Doch Lennon und Ono forderten gar nicht den sofortigen Weltfrieden, sie forderten ihre Zuhörerinnen und Zuhörer auf, sich mit einer Utopie auseinanderzusetzen. Nach vielen internationalen Konflikten taucht "Imagine" – auch fünfzig Jahre nach der Veröffentlichung – immer wieder in den Charts auf.
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  • Der Geburtstag des Komponisten Friedrich Kiel (08.10.1821)
    Denkt man an die deutsche Romantik in der Musik, dann fallen einem Namen wie Mendelssohn, Schumann, Brahms oder Wagner ein. Vergessen hat man darüber die Musiker und Musikerinnen aus dem "Mittelfeld", die zu Lebzeiten mindestens ebenso populär waren und eine zentrale Rolle auf den Konzertpodien und in der Musikausbildung spielten. Zu ihnen gehörte Friedrich Kiel. Der Mann aus der Provinz brachte es bald zu einem von Fürsten und Königen bewunderten Tonsetzer und angesehenen Lehrer an der Königlichen Musikhochschule in Berlin, der heutigen Universität der Künste. Aus der geografischen, aber keineswegs kulturellen Abgeschiedenheit des Wittgensteiner Landes, wo Kiel vor 200 Jahren geboren wurde, stieg er zum führenden Kopf der konservativen Fraktion in der jungen Reichshauptstadt auf; vor allem Chorwerke wie das Requiem oder das Oratorium Christus, aber auch seine Klavierwerke und Kammermusik standen überall auf den Programmen. 1885 starb Friedrich Kiel mit knapp 64 Jahren an den Spätfolgen eines Unfalls.
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  • Der Todestag der Malerin Louise Seidler (07.10.1866)
    Im Alter erblindet sie und kann ihre Lebens-Erinnerungen nur noch in eine fremde Feder diktieren. Das Buch der 1786 in Jena geborenen Louise Seidler erlangt höchste Popularität im 19. Jahrhundert, ist die spätere Malerin doch von Kindesbeinen an nah dran an Deutschlands höchster Kultur-Instanz, dem Dichter Johann Wolfgang von Goethe. Wegen unterschiedlicher Kunstauffassungen durchlebt ihre Freundschaft im Laufe der Jahre allerdings Höhen und Tiefen. Immerhin wird sie als junge Frau vom Dichter höchstpersönlich gefördert, und auch Großherzog Carl August von Sachsen-Weimar-Eisenach erkennt das künstlerische Potential der Seidler und ermöglicht ihr mit Stipendien, in München und Rom zu studieren. Luise Seidler wird Teil der berühmten römisch-deutschen Maler-Kolonie der "Nazarener". Nach der Rückkehr aus Italien ist sie in Weimar als professionelle Malerin tätig. Carl August ernennt sie zur Hofmalerin und macht sie schließlich zur ersten Kustodin in Deutschland, indem er ihr die Großherzogliche Kunstsammlung in Weimar anvertraut.
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  • Der Todestag des Heiligen Bruno, Gründer des Kartäuserordens (06.10.1101)
    Stille! Schweigen! Gebet und Arbeit. Verständigung nur durch Zeichen und Zusammenkunft nur zur nächtlichen Stunde mit Gregorianischen Chorälen – so sind die Regeln des römisch-katholischen Kartäuserordens.Am Fuß der französischen Alpen liegt ein Ort namens "Entrée du désert," "Eintritt in die Wüste." Der Name ist Symbol. Er bezeichnet den Zugang ins Chartreusemassiv, in ein Gebiet, das "Einöde" hieß. Hier gründete vor über 930 Jahren der aus Köln stammende hochgebildete Patriziersohn Bruno aus der Familie Hardefust die erste Kartause, die dem Orden den Namen gab. Seit damals umgibt ihre Spiritualität ein Hauch des Geheimnisvollen. Viele Kartäuser gab es nie. Bis zur Französischen Revolution zählte die Ordensgemeinschaft noch etwa 2200 Mönche und Nonnen. Heute sind es europaweit nur noch rund 400 Mitglieder in 21 Klöstern.
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  • Die Gründung der Schriftstellervereinigung PEN in London (05.10.1951)
    Der Erste Weltkrieg war vorbei, doch einen wirklichen Frieden zwischen den Völkern gab es noch immer nicht. Da beschloss die englische Schriftstellerin Catherine Amy Dawson Scott, auf ihre Art zu Frieden und Völkerverständigung beizutragen, über alle Grenzen hinweg und zusammen mit schreibenden Kollegen aus der ganzen Welt. Am 5. Oktober 1921 gründete sie in London einen Verein, den sie P.E.N. nannte, eine Abkürzung für "Poets, Essayists, Novelists": Dichter, Essayisten und Romanautoren sollten sich treffen und diskutieren und einander besser kennenlernen. Unter einer Bedingung: keine Politik, "No politics, under no circumstances". Doch schon beim ersten Treffen 1923 kam es zu politischen Auseinandersetzungen. Heute ist der PEN eine Organisation mit 144 nationalen Zentren in 102 Ländern, der Dachverband sitzt in London. Politik ist eins seiner zentralen Themen: Noch immer steht der Kontakt zwischen Schriftsteller:innen an erster Stelle, aber oft genug wird er überschattet von Verfolgung, Gefängnis und Exil, denen viele von ihnen ausgesetzt sind. In den 1990er Jahren wurde deshalb das "Writers in Exile Network" geschaffen, ergänzt durch andere wie das "Writers in Prison Committee". In diesem Jahr feiert der PEN sein 100jähriges Bestehen.
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  • Der Todestag von Henrietta Lacks (04.10.1951)
    Noch heute wird in Laboren auf der ganzen Welt an HeLa Zellen geforscht. Sie ermöglichten Impfstoffe gegen Kinderlähmung, Medikamente gegen Krebs, und ohne sie gäbe es keine Genforschung. Hinter dem Kürzel "HeLa" verbirgt sich die Geschichte der Afroamerikanerin Henrietta Lacks. Sie war erst 31 Jahre alt, als sie 1951 an Gebärmutterhalskrebs starb. Ohne ihr Wissen hatten Forscher Krebszellen aus ihrem Tumor entfernt und untersucht. Dabei bemerkten sie, dass sich die Zellen rasend schnell vermehrten. Unter der Bezeichnung HeLa, dem laborüblichen Kürzel aus den Anfangsbuchstaben des Vor- und Nachnamens. wurden sie bald weltweit eingesetzt und vermarktet. Die Angehörigen und Nachkommen von Henrietta Lacks erfuhren das erst in den 1980er Jahren von einem Reporter. Die Geschichte löste eine Diskussion über die Bedeutung ethischen Handelns in der modernen Wissenschaft aus.
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  • Der "Smiley" wird als Warenzeichen geschützt (01.10.1971)
    Punkt, Punkt, Komma, Strich, all das auf knallgelbem Grund – und gute Laune ist garantiert. Denkt man. Doch als sich der französische Unternehmensberater Franklin Loufrani 1971 den Smiley als Marke schützen lässt, ist dies der Auftakt für Streit, Gezänk und so manches Gerichtsurteil. Denn Franklin Loufrani ist eins nicht: der Schöpfer des gelben Grinsegesichts. Erstmals gezeichnet hat es der US-amerikanische Grafiker Harvey Ball, und das schon im Jahr 1963 – als Auftragsarbeit für eine Versicherungsgesellschaft, die mit Smiley-Buttons die Stimmung der frustrierten Belegschaft heben will. Harvey Balls Honorar damals: 45 Dollar. Ein Copyright sichert er sich nicht. Denn warum sollte man ein Lächeln lizenzieren? Franklin Loufrani hingegen verdient mit seinem Warenzeichen Millionen. Wer auch immer ein Produkt mit dem Smiley bedrucken oder bewerben will, zahlt seiner Firma Lizenzgebühren – bis heute. Wer das nicht tut, wird abgemahnt. Nur in den USA kommt Loufrani damit nicht durch, ein Gericht lehnt eine Copyright-Klage gegen die Ladenkette Wal-Mart ab. Heute grinsen uns die Smileys vor allem von unseren Smartphones an – als Emojis in vielhundertfacher Ausführung, vom einfachen Lachen übers Weinen bis hin zum gepflegten Wutausbruch. Und auch hier ist ein US-Gericht hart geblieben: 2005 wollte sich Microsoft die Technologie, Satzzeichen in Smileys umzuwandeln, schützen lassen. Der Antrag wurde abgewiesen.
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