ZeitZeichen

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ZeitZeichen episodes

  • Der Magistratsbeschluss zum Bau des Duisburger Hafens (16.9.1716)
    An der Mündung der Ruhr in den Rhein steht auf einem Zipfel Land die Skulptur "Rheinorange" des Kölner Künstlers Lutz Fritsch – eine gewaltige Stahlfläche in leuchtendem Orange. Nicht weit von hier beschloss vor 305 Jahren der Magistrat der damals noch selbstständigen Stadt Ruhrort, ein befestigtes Hafenbecken zu bauen. Was fast unmittelbar das dem Rhein etwas ferner gelegene Duisburg auf den Plan rief. Nicht zuletzt der Konkurrenzkampf der beiden schließlich fusionierten Städte Ruhrort und Duisburg hat den Duisburger Hafen trotz vieler Rückschläge zu dem gemacht, was er heute ist: dem größten Binnenhafen der Welt. Dieser Hafen ist einer der größten Logistik-Drehscheiben Europas.
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  • Der Geburtstag der Sophie Dorothea von Braunschweig-Lüneburg (15.09.1666)
    Gerade 16 ist Sophie Dorothea, als sie aus dynastischen Gründen mit ihrem Cousin, dem späteren Kurprinzen Georg Ludwig, verheiratet wird. Das lebenslustige Mädchen, das im Celler Schloss eher unkonventionell und in großer Freiheit aufgewachsen ist, fühlt sich bei der adelsstolzen Verwandtschaft in Hannover von Anfang an unwohl. Sophie Dorothea bekommt zwei Kinder, doch ihr mürrischer, wortkarger Gatte wendet sich bald schon seiner Mätresse zu. Die Prinzessin lebt auf, als 1688 der attraktive Abenteurer Philipp Christoph von Königsmarck an ihrem Hof erscheint. Die beiden beginnen eine verhängnisvolle Affäre: "Ich habe eine Leidenschaft, die die ganze Freude und das ganze Glück meines Lebens ausmacht", schreibt Sophie Dorothea an ihren Liebhaber, "die einzige, die ich je gefühlt habe und die mit mir sterben wird." Und Königsmarck, der nur zu gut weiß, wie gefährlich diese Liaison für ihn ist, antwortet: "Vom ersten Tag an, seit ich Sie kenne, habe ich mich Ihnen ganz gegeben. Der Schmetterling, der sich an der Kerzenflamme verbrennt, wird mein Los sein. Ich kann meinem Schicksal nicht entgehen." Als die Liebenden 1694 zusammen fliehen wollen, ist es bereits zu spät.
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  • Der Todestag des italienischen Dichters Dante Alighieri (14.09.1321)
    Von seinem Leben haben wir so wenig gesicherte Kenntnisse, dass manche Forscher ihn für eine Fiktion hielten. Umso mehr wissen wir über seine Seelenlandschaft: Dante Alighieri, einer der bedeutendsten Dichter des Mittelalters, besang die Liebe, die Hölle und den Himmel. Während er die meisten seiner Texte auf Latein schrieb, legte er mit der "Göttlichen Komödie" den Grundstock für die moderne italienische Sprache. Seine vielversprechende Karriere als Politiker fand ein jähes Ende, als er zwischen die Fronten verfeindeter Parteien geriet. Er wurde geächtet und aus seiner Heimatstadt Florenz verbannt. Erst nach seinem Tod fand er Anerkennung und Ruhm. Auch nach 700 Jahren ist die Auseinandersetzung mit seinem Werk noch nicht beendet. Kenner fordern: Keine Angst vor Dante!
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  • Die erste Ausstrahlung der Fernsehserie "Die Simpsons" im deutschen Free-TV (13.09.1991)
    Sie sind gelb und haben nur vier Finger an jeder Hand: Die Stars der am längsten laufenden Sitcom des US-Fernsehens, die Simpsons. Sonst aber ist es eigentlich eine ziemlich normale amerikanische Vorstadt-Familie, die da in bisher 32 Staffeln und 698 Episoden parodiert wird. Autor Matt Groening hat eine Comic-Serie geschaffen, die "kult" geworden ist, weil sie den "American Way of Life" genauso liebevoll wie böse karikiert: All die Konsumverrückten, Leistungsorientierten, Fernsehjunkies, Waffennarren, Fast-Food-Opfer, Fortschrittsgläubigen, religiösen Eiferer, Fitnessgurus und sonstigen seltsamen Figuren im Kosmos der fiktiven Kleinstadt Springfield kann man auch im richtigen Leben dort finden – Städte mit dem Namen "Springfield" gibt es schließlich in nicht weniger als 35 US-Bundesstaaten. Und zur Beruhigung: Wenn Gott in der Serie auftaucht - was er manchmal tut -, dann hat er natürlich fünf Finger.
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  • Der Friede von Nystad (10.09.1721)
    Die Ostsee war in der frühen Neuzeit so bedeutend wie ein ganzer Ozean. Sie war reiches Fischfanggebiet, vor allem für Hering, aber auch Verkehrsraum zwischen Skandinavien, Russland, Baltikum und Westeuropa. Wer die Ostsee kontrollierte, war europäische Großmacht. Nach dem 30jährigen Krieg spielte Schweden eine dominante Rolle in der Ostsee. Im Großen Nordischen Krieg kämpfte das Land gegen das Russland Peters des Großen, Sachsen-Polen und Dänemark um die Vorherrschaft in der Region. Der junge schwedische König Karl XII. siegte anfänglich in allen Schlachten und wollte Russland nach dem Ausscheiden der anderen Kriegsparteien endgültig schlagen. Karl erlebte in der Schlacht bei Poltawa allerdings eine vernichtende Niederlage gegen Russland. Mit dem Frieden von Nystad verschoben sich die Machtverhältnisse in der Ostsee nachhaltig, vor allem zu Gunsten Russlands. Das Zarenreich konnte sich dauerhaft ins Baltikum ausdehnen.
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  • Der Todestag des französischen Malers Henri de Toulouse-Lautrec (09.09.1901)
    Ein kleiner Mann mit einer großen Begabung und einer noch größeren Gefährdung: der Maler Henri de Toulouse-Lautrec war nur 1,52 Meter groß und starb schon mit 36 Jahren, am 9. September 1901. Seine Kleinwüchsigkeit war Folge einer Erbkrankheit, Grund für den frühen Tod wohl eher sein Drogenkonsum. An erster Stelle Alkohol, anderes mag hinzugekommen sein. Denn was trank und schnupfte man damals nicht alles, dort, wo er lebte: im Herzen von Paris, am Montmartre. Es war das rauschende und berauschende Vergnügungsviertel der Stadt, legendär in ganz Europa, mit seinen Bars und Restaurants, seinen Cabarets und Tanztheatern. Ein Hotspot auch für die Künstler, die sich dort niederließen und arbeiteten. Henri de Toulouse-Lautrec war einer von ihnen, mehr noch: seine Gemälde und Zeichnungen spiegelten das Leben der Bohème in der französischen Belle Èpoque wider wie kaum die eines anderen Malers. Großflächige Litographien und Plakate wurden sein Markenzeichen: mit nur wenigen Strichen und Farben fing er Atmosphären und Bewegungen ein, die wirbelnden Beine einer Tänzerin beim Cancan, die majestätische Pose eines berühmten Chansoniers. Gestorben ist Henri de Toulouse-Lautrec allerdings nicht in Paris, sondern auf einem Schloss seiner Eltern nahe Bordeaux. In seiner südfranzösischen Geburtsstadt Albi eröffnete seine Mutter 1922 ein Museum für die Werke des berühmten Sohnes.
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  • Theo Zwanziger wird zum DFB-Präsidenten gewählt (08.09.2006)
    Als er zum mächtigsten Fußball-Funktionär in Deutschland gewählt wurde, war Dr. Theo Zwanziger ein weithin unbeschriebenes Blatt. Das sollte sich bald ändern. Denn Zwanziger wollte seine Präsidentschaft nie als "Grüß-August" oder Frühstücksdirektor ausüben. Der promovierte Jurist aus Altendiez am südlichen Rand des Westwaldes lenkte den Deutschen Fußball Bund zwar nur sechs Jahre, bekam aber von der Frankfurter Allgemeinen Zeitung trotzdem attestiert, dass er dem DFB "ein gesellschaftliches Gewissen hinzugefügt" habe. Während die meisten seiner Vorgänger und Nachfolger vor allem die Nähe zum Profi-Fußball suchten, setzte Zwanziger andere Schwerpunkte. Wann und wo immer er konnte, versuchte er den Frauen- und Mädchenfußball zu fördern und war bei Frauen-Länderspielen regelmäßiger Stadionbesucher. Gleichzeitig musste Zwanziger während seiner Amtszeit ungewöhnlich viele Krisen meistern, wie den Freitod von Nationaltorhüter Robert Enke oder skandalöse Schiedsrichterurteile. Theo Zwanziger hat sich nach seiner Wahl zum DFB-Präsidenten am 8. September 2008 viel Respekt erarbeitet, ist aber bis heute auch nicht unumstritten. Den Vorwurf der Eitelkeit konnte er nie nachhaltig entkräften. Seine Autobiografie trägt den Titel "Die Zwanziger Jahre".
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  • Der Geburtstag des Schauspielers Otto Sander (30.06.1941)
    Schon in der Schule hat er seinen Mitschülern gesagt: "Wenn ihr schon über mich lacht, dann müsst ihr auch Eintritt zahlen." So ist Otto Sander Komiker geworden. Trotzdem waren es die brüchigen Charaktere, die ihm besonders lagen. Schon wegen seiner legendären Stimme. Die großen Erfolge stellten sich an der Berliner Schaubühne ein. Als Vorleser von Joachim Ringelnatz ritt Otto Sander auf einem Seepferdchen über die Weltmeere. In einem Film von Wim Wenders führte er vor, wie man sich als Engel im Himmel über Berlin bewegt. Zum späten Höhepunkt wurde der umjubelte Auftritt im Bochumer Schauspielhaus als Hauptmann von Köpenick.
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  • Der Satiriker Adam Smith erfindet den Kapitalismus (1770)
    Adam Smith (1723-1790) gilt völlig zu Recht als Urvater des Kapitalismus: In seinem berühmten Buch "Der Wohlstand der Nationen" (1776) liefert der schottische Denker die philosophischen und ideologischen Grundlagen für das Wirtschafts- und Gesellschaftssystem, das bis heute die Welt prägt und dominiert. Vor allem sein Bild der "unsichtbaren Hand" ist berühmt geworden: Jeder arbeitet nur für seinen Eigennutz, doch die "unsichtbare Hand des Marktes" lenkt alles so, dass automatisch das Beste für die Allgemeinheit entsteht. Damit wird Smith zum Begründer der Volkswirtschaftslehre. Doch wer weiß schon, dass er vor seiner Karriere als Ökonom Satiriker war? Und was bedeutet das für die Gegenwart? Basiert unser gesamtes System etwa auf einem Witz? (Wiederholung des Zeitzeichens vom 1. April 2020)
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  • Der Geburtstag des französischen Staatsmannes Kardinal Richelieu (9.9.1585)
    "Die natürliche Einsicht lässt jeden erkennen, dass, da der Mensch vernunftbegabt geschaffen ist, er alles nur aus der Vernunft heraus tun darf, denn sonst würde er gegen seine Natur handeln und folglich gegen die Grundlage seines eigenen Wesens." So steht es im Testament des wohl größten europäischen Staatsmannes des 17. Jahrhunderts. Eine Maxime, die man gerne so manchen seiner Nachfolger des 21. Jahrhunderts ins Stammbuch schreiben würde. Dabei hat kaum ein Premierminister einen so schlechten Ruf wie der von König Ludwig XIII., Kardinal Richelieu. Intrigant, skrupellos, grausam, blutrünstig, kriegerisch, unterwürfig: Es gibt kaum ein negatives Adjektiv, das man ihm nicht nachgesagt hätte. Obwohl, oder weil, dank seiner Politik Frankreich unter dem Sonnenkönig 100 Jahre später zur tonangebenden Macht in Europa werden konnte. Das liegt hauptsächlich am Talent des Romanciers Alexandre Dumas, der Richelieu im 19. Jahrhundert zum Widersacher seiner "Musketiere" und zum Bösewicht schlechthin umdeutete. Doch in Wirklichkeit war der Kardinal nicht nur ein großer Politiker, sondern unter anderem auch ein großer Kunstsammler, Mäzen, Förderer der Universität und der Literatur.
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