ZeitZeichen

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ZeitZeichen episodes

  • Der Geburtstag des deutschen Reichskanzlers Theobald von Bethmann Hollweg (29.11.1856)
    Ein Grund für das Scheitern des Reichskanzlers Bethmann Hollweg lag in der wenig demokratischen Verfassung des Deutschen Reiches. Denn er war nicht abhängig vom Reichstag, sondern wurde vom Kaiser eingesetzt und entlassen, von Kaiser Wilhelm II. Ab 1909 amtierte Bethmann Hollweg als Reichskanzler von Kaisers Gnaden. Er setzte eine Reichsfinanzreform durch, doch in der Außenpolitik scheiterte er mit seinen Plänen für eine deutsch-britische Verständigung. Im Ersten Weltkrieg konnte er sich nicht gegen die Militärs durchsetzen. Diese forderten einen unbeschränkten U-Boot-Krieg. Bethmann Hollweg sah, dass dann die USA in den Krieg eintreten würden. In dieser vielleicht kriegsentscheidenden Frage unterlag der Reichskanzler und wurde anschließend verabschiedet.
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  • Der Todestag der SPD-Politikerin Regine Hildebrandt (26.11.2001)
    Schnörkellos und direkt: Für ihre Berliner Schnauze war Regine Hildebrandt nicht nur berühmt, sondern auch berüchtigt. Für ihre Anhänger war sie die "Mutter Courage des Ostens." Für ihre politischen Gegner vor allem eine Nervensäge. Alt-Bundeskanzler Helmut Kohl lästerte einmal, sie sei "die Dame mit dem Geschrei einer Barrikadenkämpferin der Pariser Kommune". Diplomatie war ihre Sache nicht. Genauso unwichtig war es ihr, wie sie aussah. "Mit einem Kostüm und einer Stehkragenbluse ist ein Minimum an Anziehkultur gewährt. Und dann geht man hinaus ins wahre Leben", soll sie einmal gesagt haben. Die politische Karriere der promovierten Biologin kam eher überraschend. Und ging vor allem schnell. Die DDR-Bürgerin Hildebrandt engagierte sich während der Wendezeit in der Bürgerrechtsbewegung "Demokratie Jetzt". Sie trat im Herbst 1989 in die SPD ein und wurde bei den ersten freien Wahlen zur Volkskammer der DDR Ministerin für Arbeit und Soziales. Die gebürtige Berlinerin wurde schnell Mitglied des SPD-Bundesvorstands. Nach der Wende holte Manfred Stolpe sie als Ministerin nach Brandenburg in sein erstes Kabinett. Als die SPD 1999 die Mehrheit verlor und Stolpe eine Koalition mit der CDU einging, trat Regine Hildebrandt von ihrem Ministerposten zurück. Zu dem Zeitpunkt wusste sie bereits, dass sie an Brustkrebs erkrankt war. Ihre politische Arbeit machte sie dennoch unbeirrt weiter. Noch einige Tage vor ihrem Tod 2001 war sie mit den meisten Stimmen erneut in den SPD-Bundesvorstand gewählt worden.
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  • Der Todestag des Flötenbauers Theobald Böhm (25.11.1881)
    Schon als kleiner Junge muss Theobald Böhm durch seine Neugierde und Pfiffigkeit aufgefallen sein, denn mit 14 Jahren war er ausgebildeter Goldschmied und Juwelier. Theobald Böhm war der Sohn eines Münchner Goldschmieds, doch neben der Verarbeitung von edlen Metallen faszinierte ihn die Musik. Mit 14 Jahren hat er seine erste Flöte gebaut. Unterricht bekam er bei einem Nachbarn, einem Flötisten der Münchner Hofoper. Als Dankeschön nahm der jugendliche Flötenschüler technische Verbesserungen an dessen Flöte vor. Später reiste Theobald Böhm durch ganz Europa, wurde als "Paganini der Flöte" gefeiert und suchte überall nach Antworten auf die Frage, wie kann die Querflöte technisch optimiert werden. Er hat sie gefunden: Noch heute wird die Querflöte bis auf unwesentliche Änderungen nach Theobald Böhms Entwicklungen gebaut.
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  • Der Flugzeugentführer D. B. Cooper springt mit Fallschirm und 200.000 Dollar ab (24.11.1971)
    Wer war D. B. Cooper? Seit 50 Jahren beschäftigt er das FBI. Er rauchte Raleigh-Zigaretten, trug einen dunklen Anzug und eine schmale schwarze Krawatte, dazu eine Sonnenbrille. Er trank Whiskey. Und er war ein Mann ohne Nerven. Am 24. November 1971 saß dieser Typ, der als D. B. Cooper in der Passagierliste geführt wurde, auf Platz 18C des kurzen Northwest-Fluges von Portland nach Seattle. Er reichte der Stewardess einen Zettel. Sie steckte ihn unbedacht ein, der Mann sagte ruhig: "Miss, schauen Sie besser auf den Zettel. Ich habe eine Bombe." Damit begann die Legende von D. B. Cooper. Er kaperte den Flug, erpresste 200.000 Dollar und verschwand mit einem Fallschirm auf dem Rücken über die Heckklappe der Boeing 727 in die Nacht. Wohin genau, weiß bis heute niemand. 50 Jahre hat das FBI nach diesem Phantom gefahndet. Vergeblich. Weder der Entführer noch das Lösegeld tauchten jemals wieder auf. Bis heute handelt es sich um den einzigen ungelösten Fall einer Flugzeugentführung in den USA. Mit jeder heißen Spur, die sich für die Ermittler auftat und dann wieder erkaltete, wuchs der Mythos von D. B. Cooper. T-Shirts mit seinem Phantombild wurden gedruckt, das Verbrechen verfilmt und romantisiert. Viele Amerikaner hat der Mut und die Entschlossenheit D. B. Coopers so sehr beeindruckt, dass aus einem kriminellen Phantom ein "Robin Hood" der Moderne wurde.
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  • Der Todestag des Schauspielers Klaus Kinski (23.11.1991)
    Er brauchte die Unruhe, den Exzess, und er war ebenso bekannt wie gefürchtet für seine unkontrollierten Wutausbrüche. Klaus Kinski bediente das Image des Psychopathen und Bürgerschrecks. Es bescherte ihm einträgliche Rollenangebote und schließlich sogar Weltruhm. Geboren 1926 in Danzig, sammelte er erste schauspielerische Erfahrungen als Kriegsgefangener in England, stand ab 1946 in Berlin auf diversen Bühnen und drehte 1947 seinen ersten Film. Bekannt wurde Kinski durch die deutschen Edgar-Wallace-Verfilmungen, seine internationale Karriere begann 1965 mit Doktor Schiwago. Er drehte viel Zweitklassiges, aber auch Hervorragendes wie Leichen pflastern seinen Weg mit Jean-Louis Trintignant, Nachtblende mit Romy Schneider und Meisterwerke wie Nosferatu und Fitzcarraldo unter der Regie von Werner Herzog. Der hochbegabte, bis heute unvergessene Schauspieler Klaus Kinski war ein zwiespältiger Charakter, so soll er gegenüber seinen Töchtern Pola und Nastassja sexualisierte Gewalt angewandt haben. Er starb mit 65 Jahren in Kalifornien an einem Herzinfakt.
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  • Der Todestag des Autors und Komponisten Georg Kreisler (22.11.2011)
    So kann nur ein Wiener sein. Dass der Autor, Komponist und Sänger Georg Kreisler mit 89 Jahren ausgerechnet in Salzburg gestorben ist, könnte fast als Betriebsunfall erscheinen, doch war die Stadt an der Salzach sein letzter Wohnsitz. Kreisler, dieser virtuose Sprachbeherrscher, liebte es, mit begleitender Mimik und Gestik, in immer andere Rollen zu schlüpfen, ob als Frauenmörder oder als gewissenloser Unternehmer. Er hinterfragte Berufe wie den des Musikkritikers auf bärbeißige Art und war nie bange, mit seinen surrealistisch wirkenden Liedern und Texten auch anzuecken. Als Sohn einer jüdischen Familie musste Kreisler früh emigrieren, kehrte aber 1956 nach Europa zurück und startete seine Karriere als das, was er nie sein wollte: als Kabarettist.
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  • Der Geburtstag von Geza Anda (19.11.1921)
    Wenn ein Pianist sehr virtuosen Werken einen konzertanten Glanz verleiht und gleichzeitig ihre vordergründige Wildheit auf ein kultiviertes Maß reduziert, wenn er die Einfachheit großer Solo-Konzerte mit einem inneren Leuchten versieht, dann darf er zu den Großen seines Faches gezählt werden. Das gilt in hohem Maße für den vor hundert Jahren in Budapest geborenen Géza Anda. Kein Geringerer als der berühmte Dirigent Wilhelm Furtwängler bezeichnete Anda einmal als einen "Troubadour des Klaviers". Neben seiner Konzerttätigkeit begann Anda schon mit 20 Jahren zu unterrichten. Die Klavier-Pädagogik war ihm ein zentrales Anliegen. Noch heute ist einer der wichtigsten internationalen Klavierwettbewerbe nach Géza Anda benannt.
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  • Der Start der Telekom-Aktie an der Börse (18.11.1996)
    Schlagworte der 1990er Jahre: Liberalisierung – Deregulierung. Der Staat sollte loslas-sen und die Märkte dem "freien Spiel der Kräfte" überlassen. Europaweit versprachen Strom, Gas, Post und nicht zuletzt Telefonie Milliarden-Gewinne. Daran sollten auch die Bürger:innen teilhaben, so das Versprechen. Mit der größten Börsenemission, die Deutschland je erlebt hatte, entließ "Vater Staat" seine frühere Telefonbehörde in die Freiheit. Am 18. November 1996 notierte die Aktie der Deutschen Telekom zum ersten Mal an der Börse. Was die Anleger in den Folgejahren erlebten, war eine Achterbahnfahrt der Gefühle und des Aktienkurses. Aus den großen Versprechen ist bis heute nichts geworden. Nach einem Vierteljahrhundert liegt der aktuelle Kurs nur unwesentlich höher als zum Start. Unter dem Strich haben die Sparer mit dem vorgeblichen "Brot-und-Butter-Papier" – abgesehen von den jährlichen Dividenden – nichts für ihre Altersversorgung dazuverdient.
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  • Das Nachrichtenmagazin "Diese Woche", später "Der Spiegel", erscheint (16.11.1946)
    Nicht einmal die Hand durften die britischen Presseoffiziere dem 22-jährigen Rudolf Augstein geben. Fraternisieren mit den Deutschen war Ende 1946 noch verboten. Ihr gemeinsames Ziel: eine freie, demokratische Presse nach 12 Jahren Nazi-Propaganda. Erst einmal mussten Rudolf Augstein und seine kaum ausgebildeten Mitstreiter im zerstörten Hannover das journalistische Handwerk lernen. Unter Anleitung des Presseoffiziers John Seymour Chaloner brachten sie – nach dem Vorbild des "Time Magazine" – die erste Ausgabe des Nachrichtenmagazins "Diese Woche" auf den Weg – nach der Devise: "Nie wieder" eine Hitler-Diktatur. Beim Publikum kam das Blatt, das sich mit Kritik an den Besatzungsbehörden nicht zurückhielt, von Anfang an gut an. Anfang Januar 1947 übernahm Rudolf Augstein als Herausgeber die alleinige Verantwortung und taufte "Diese Woche" in "Der Spiegel" um. Die große Frage: Würde das Nachrichtenmagazin ohne journalistische Routiniers aus der Nazi-Zeit auskommen?
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  • Der Messengerdienst "ICQ" geht an den Start (15.11.1996)
    WhatsApp, Threema, Signal, Telegram und mehr: Unzählige Messengerdienste verbinden Smartphone-Besitzer heute auf Schritt und Tritt mit ihrem Bekanntenkreis. Fast in Vergessenheit geraten ist darüber der Vorgänger dieser Programme: ICQ, ein Chatprogramm für den heimischen Computer, Mitte der Neunziger Jahre entwickelt von vier israelischen Studenten. Anderthalb Jahre nach dem Launch im November 1996 kaufte AOL das Programm für 407 Millionen Dollar. ICQ mutierte zum Marktführer unter den Chatprogrammen, hunderte Millionen Menschen, vor allem jüngeren Alters, hatten das prägnante Blumen-Logo auf ihrem Desktop. Der Siegeszug hatte ein Ende, als soziale Netzwerke wie Facebook und bald auch die ersten Smartphone-Messenger den Markt aufmischten. Den Sprung in die Zukunft schaffte ICQ nicht, AOL verkaufte den Dienst 2010 an einen russischen Investor. Ein Relaunch im Jahr 2020 konnte zwar einige Nutzer anlocken, aber kein großes Comeback einleiten. Und doch: Ihre ICQ-Nummer aus Teenagerzeiten können viele Nutzerinnen und Nutzer von früher immer noch auswendig.
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