ZeitZeichen

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ZeitZeichen episodes

  • Der Geburtstag des Astronomen Johannes Kepler (27.12.1571)
    Kopernikanische Wende wird die Revolution genannt, die einst das alte Bild von der Welt erschütterte. Johannes Kepler gehörte zu Beginn des 17. Jahrhunderts zu den eifrigsten Verfechtern der Vorstellung, dass nicht die Erde, sondern die Sonne im Zentrum des Universums steht. Mit seiner Erkenntnis, dass die Planeten nicht in perfekten Kreisbahnen, sondern in Ellipsen um die Sonne kreisen, versetzte er dem mittelalterlichen Weltbild den finalen Stoß. Keplers drei Planetengesetze legten den Grundstein für die Berechenbarkeit des Weltgefüges und machten aus der Vorstellung, nach der körperlose Wesenheiten die Planeten in Bewegung hielten, ein dynamisches, berechenbares System. Sich selbst sah der einstige Theologiestudent stets als "Priester am Buch der Natur", der Gottes Wirken in der Welt erkennen wollte. Dabei war er aber stets bereit, aus den vorliegenden Daten die notwendigen Schlüsse zu ziehen – auch wenn sie der vorherrschenden Lehrmeinung und den Lehren der Kirche widersprachen. Damit wurde er zu einem der Väter der modernen Wissenschaft. So groß ist Keplers Bedeutung, dass gelegentlich die Forderung laut wurde, die Kopernikanische in Keplersche Wende umzubenennen.
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  • Die Uraufführung von Verdis Oper "Aida" (24.12.1871)
    Das Angebot, eine Oper ausgerechnet für das ferne Kairo zu schreiben, fand Giuseppe Verdi zunächst wenig verlockend, das in Aussicht gestellte Honorar dann aber doch. Vor allem inspirierte ihn der starke Handlungsentwurf. Der Khedive Ismael Pascha wünschte sich eine Oper "in genauem ägyptischen Stil", und Verdi recherchierte über Musik, Geschichte, Architektur der alten Ägypter. Doch "Aida", uraufgeführt am 24. Dezember 1871, geriet nicht zu komponierter Archäologie, sondern wurde sein vielleicht populärstes Werk, unwiderstehlich im Nebeneinander mitreißender Monumentalität und intimster Zartheit. Für die Tragik einer Liebe über politische Grenzen hinweg hatte Verdi schon oft wirkungsstarke Musik gefunden. Doch der Erstickungstod von Aida und Radamès, eingemauert im Tempelgewölbe, steht einzig da.
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  • Justus Liebig entdeckt das Chloroform (1831)
    Alles was knallt, stinkt und Feuer sprüht fesselt die Neugier des jungen Justus Liebig. Schule ist ihm eher langweilig. Lieber stellt er Knallsilber in der väterlichen Werkstatt her oder liest, was es damals über Chemie zu lesen gab. Es ist die Pionierzeit der Chemie: Von einer systematischen Naturwissenschaft ist dieser Fachbereich Anfang des 19. Jahrhunderts weit entfernt, doch ständig werden in irgendwelchen Laboren neue Substanzen entdeckt. Als ein solches Zufallsprodukt beschreibt Liebig 1831 erstmals die Zusammensetzung des Chloroforms. Sie wird einige Jahre später die Chirurgie revolutionieren. Neben Äther gehört Chloroform zu den ersten hochwirksamen Betäubungsmitteln, die den Operationen endlich wirksam den Schmerz nehmen. Die schlichte Substanz aus Trinkalkohol versetzt mit Chlorkalk ist der Startschuss in die moderne Anästhesie.
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  • Der Geburtstag des Unternehmers Eugen Märklin (22.12.1861)
    Märklin ist ein Synonym für Modelleisenbahnen – in ganz Europa. Hier gilt die Firma aus Göppingen als Marktführer. Angefangen hat sie im Jahr 1859 allerdings mit Puppenküchen und Spielzeugkinderwagen – also "Mädchenkram". Daran hängt vor allem das Herz von Caroline – Ehefrau von Firmengründer Theodor Märklin. Sohn Eugen wird am 22. Dezember 1861 in Göppingen geboren. Schon 5 Jahre später stirbt sein Vater. Mutter Caroline heiratet erneut und kümmert sich um die Firma. 1888 übergibt sie "Märklin" an Eugen und dessen jüngeren Bruder Karl. Die Produktpalette umfasst zu dieser Zeit Puppenküchen, Modelle von Schiffen, Karussells, Kreisel und Bodenläufer. 1891 übernehmen die "Gebrüder Märklin" den Blechspielzeughersteller Ludwig Lutz in Ellwangen und expandieren. Im gleichen Jahr präsentieren sie auf der Leipziger Frühjahrsmesse erstmals eine Eisenbahn mit Schienenanlage in Form einer Acht. Damit legen die beiden Unternehmer den Grundstein zu dem Welterfolg der Spielzeugeisenbahnen von Märklin und verwandeln seitdem viele Kinderzimmer in Mini-Landschaften mit Bäumen, Tälern, Flüssen und Schienen mit Loks und Waggons. Märklin stellt Dampfmaschinen her, elektrifiziert seine Modellbahnen und führt kleinere Spurweiten ein: 1935 die legendäre H0. Zu dieser Zeit ist Eugens Sohn Fritz bereits in das Unternehmen eingestiegen. 1947 stirbt Eugen Märklin einen Tag vor seinem 86. Geburtstag.
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  • Der Todestag der Schriftstellerin Louise Aston (21.12.1871)
    "Eine gewisse Asten oder Aston zieht durch ihre Verführungskünste und durch entsetzliche Ausschweifungen Männer jedes Standes und Alters nach sich! Kann dies Weib nicht aus Berlin verwiesen werden?" So heißt es 1845 in einem anonymen Schreiben an den Polizeipräsidenten Berlins. Louise Aston ist für brave Biedermeier-Bürger ein Graus: Sie trägt Männerkleidung, treibt sich mit ihren revolutionären Freunden in Kneipen herum und praktiziert die freie Liebe. Die Pastorentochter aus Sachsen-Anhalt, die als junges Mädchen einen deutlich älteren englischen Fabrikanten heiraten musste, hat nach ihrer Scheidung beschlossen, fortan ein selbstbestimmtes Leben zu führen. Den Berliner Polizisten, die das aufmüpfige Frauenzimmer zum Verhör bestellen, erklärt sie: "Ich rauche Zigarren und glaube nicht an Gott." Immer wieder wird sie aus Berlin und anderen Städten ausgewiesen. Aston kann das nicht beirren: Sie schreibt Gedichte, Romane und Streitschriften, in denen sie die für ihre Zeit unerhörte Forderung nach dem Recht der Frau auf freie Persönlichkeitsentfaltung vertritt: "Freiem Leben, freiem Lieben / Bin ich immer treu geblieben!"
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  • Die Gründung der Nothilfe-Organisation Ärzte ohne Grenzen (20.12.1971)
    Vielleicht sind sie idealistisch, sie arbeiten immerhin im Namen der universellen medizinischen Ethik und des Rechts auf humanitäre Hilfe. Unrealistisch sind sie gewiss nicht, die Fachkräfte dieses internationalen Netzwerks, das oft als letzte Erste Hilfe bleibt. Die Geschichte von "Ärzte ohne Grenzen" liest sich wie eine Chronik der Tragödien und Katastrophen, von denen die Welt sonst möglicherweise kaum Notiz genommen hätte, vom ersten großen Einsatz in Beirut zu Beginn der 1970er Jahre an über die Hilfe im darbenden Südsudan 1998 und nach dem Tsunami am Indischen Ozean 2004 bis hin zu jahrzehntelangen Dauer-Einsätzen wie dem in Afghanistan, wo die Organisation gerade versucht, mangelernährte Kinder heil durch den Winter zu bringen. 1999 erhält "Ärzte ohne Grenzen" den Friedensnobelpreis, auch weil "jeder selbstaufopfernde freiwillige Helfer eine Quelle der Hoffnung auf Frieden und Versöhnung ist", so die Begründung. Gleichzeitig ist Kritik zu hören, die "Médecins Sans Frontières" fielen nicht dem Rad von Terror und Krieg in die Speichen, sondern versorgten nur die Opfer unter diesem Rad.
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  • Das Transitabkommen wird unterzeichnet (17.12.1971)
    Familien riss sie auseinander, Freunde, Liebespaare. Sie durchschnitt Straßen, Flüsse, sogar die Ostsee: die Mauer – das wohl monströseste Bauwerk der deutschen Geschichte. Doch dank des Transitabkommens vom 17. Dezember 1971 öffneten sich erste Türen in ihr. Die Erleichterungen hörten sich unspektakulär an, machten aber den Alltag um vieles leichter: Bundesbürger durften in die DDR reisen, ohne zuvor langwierig ein Visum zu beantragen, Westberliner konnten einfacher in den Ostteil der Stadt gelangen. Viele nutzen die neue Freiheit, um Verwandte in der DDR zu besuchen. Die DDR-Bürger allerdings blieben erstmal eingemauert im eigenen Land. Die DDR profitierte von den Gebühren für Schienennutzung, Straßenbau oder Visavergabe. Bis 1989 summierten sich allein die Instandhaltungskosten für die Transitwege von West-Berlin in die BRD auf mehr als zwei Milliarden DM. Doch einen vom Westen durchaus beabsichtigten Nebeneffekt des Transitabkommens konnte man nicht mit Geld aufwiegen: West und Ost rückten zusammen. Bis nach 1989 dann endlich zusammenwachsen konnte, was für Willy Brandt – den Kanzler, unter dem das Abkommen ausgehandelt worden war – ohnehin zusammengehörte.
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  • Der Todestag des französischen Komponisten Camille Saint-Saëns (16.12.1921)
    Wer versucht, Elefant und Schwan musikalisch nachzuahmen, landet entweder in er Versenkung oder in jedem Wunschkonzert. Der französische Komponist Camille Saint-Saëns gehört klar zur zweiten Kategorie, dem "Karneval der Tiere" sei Dank. Nachteil dieser großen Popularität: Seine anderen Werke fallen in ihrer Beachtung leicht hinten über. Dabei hat das anfängliche Wunderkind, dem nicht nur das musikalische Lernen extrem leicht fiel, auch Opern und Sinfonien, Lieder und Kammermusik geschrieben. Eisern setzte Saint-Saëns sich für eine spezifisch französische Musik ein und wehrte sich gegen Einflüsse deutscher Färbung. Er reiste bis ins hohe Alter und starb vor hundert Jahren während eines Aufenthalts in Algier.
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  • Rowohlts Rotations-Romane erscheinen (15.12.1946)
    Es waren nicht die ersten deutschen Taschenbücher, aber die erfolgreichsten: Ernst Rowohlt und sein ältester Sohn kamen gleich nach dem Zweiten Weltkrieg auf die Idee, Zeitungspapier nicht nur für Nachrichten zu nutzen, sondern auch für Literatur. Zwischen den Trümmern waren die Leute hungrig. Besonderen Appetit hatten sie auf geistige Nahrung, die möglichst billig sein sollte. Und mindestens so spannend wie die Romane von Ernest Hemingway und Joseph Conrad. Oder so heiter wie Kurt Tucholskys "Schloss Gripsholm". Jeweilige Auflage: 100 Tausend Exemplare, mindestens. Preis: 50 Pfennig. So kam es zu einem der glücklichsten Jahre im Buchgeschäft des Jahrhunderts.
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  • Der Todestag Prinz Albert von Sachsen-Coburg und Gotha (14.12.1861)
    Als Gemahl von Königin Victoria hatte es Albert von Sachsen-Coburg und Gotha (*26.08.1819) nicht leicht. Viele einflussreiche Persönlichkeiten auf der Insel lehnten den deutschen Prinzgemahl zunächst ab. Dank seines untadeligen Lebenswandels, seines sozialen Engagements und seiner Rolle als guter politischer und privater Berater der Herrscherin, gewann er die Achtung der Briten und verbesserte das zuletzt ramponierte Ansehen des englischen Königshauses. Albert bemühte sich um Kunst und Kultur und regte eine Verbesserung des Schulwesens an. Mit Victoria hatte er neun Kinder und wurde für den Fall ihres Todes zum Regenten ernannt. Doch Albert starb vor seiner Gattin, am 14.12.1861. In Großbritannien erinnern heute Denkmäler und Bauten an ihn, am bekanntesten ist wohl die Royal-Albert-Hall in London.
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