ZeitZeichen

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ZeitZeichen episodes

  • Der Geburtstag der Dichterin Annette von Droste-Hülshoff (10.01.1797)
    Wilhelm Grimm ist gar nicht begeistert vom Fräulein aus dem Münsterland: "Es ist schade, dass sie etwas Vordringliches und Unangenehmes in ihrem Wesen hat. Sie wollte beständig brillieren und kam von einem ins andere." Annette von Droste-Hülshoff ist eben ganz anders als ihre stille, sanfte Schwester: eine veritable Nervensäge, hyperaktiv, intelligent, selbstbewusst, vorlaut. Eigenschaften, die für eine adelige junge Dame ihrer Zeit nicht gerade erwünscht sind. Und dann schreibt sie auch noch - und das wie ein Mann! Die Droste ist ein einziger Widerspruch: Voller Sehnsucht nach Freiheit, Reisen, Abenteuern und nach einem selbstbestimmten Leben, bleibt sie doch immer eng an ihre Familie und deren Umkreis gebunden. Auszubrechen wagt sie nur in ihrer Arbeit, die sie hartnäckig gegen die Missbilligung der Verwandtschaft verteidigt. So schreibt sie Meisterwerke der deutschen Literatur wie "Der Knabe im Moor", "Am Turme", "Das Spiegelbild" oder "Die Judenbuche". Dass sie zu Lebzeiten wenig Erfolg hat, kann sie nicht beirren: "Denn in hundert Jahren möcht' ich gelesen werden."
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  • Der Geburtstag des Dirigenten Günter Wand (07.01.1912)
    Er wollte "den inneren Puls der Werke spüren", den reinen Notentext zum Klingen bringen, die Substanz eines Werks. Künstlerische Freiheit oder Marketing-Mätzchen verachtete Günter Wand. Stattdessen probte er akribisch auch mit Spitzenorchestern, um absolute Werktreue zu erreichen. Als er in jungen Jahren gefragt wurde, ob er Beethoven wie Toscanini oder wie Furtwängler dirigieren wolle, antwortete er : "wie Beethoven". Geboren wurde Günter Wand in Elberfeld, studierte in Köln und München, kam 1939 er an die Oper Köln. 1946 wurde er Generalmusikdirektor und Kapellmeister des Gürzenich Orchesters, und blieb es drei Jahrzehnte lang. Der Dirigent widmete sich vor allem dem klassischen Kern-Repertoire, setzte sich aber auch für Komponisten wie Wolfgang Fortner, Walter Braunfels, Olivier Messiaen und Bernd Alois Zimmermann ein. Sorgfalt, Wahrhaftigkeit waren Leitsterne seiner Arbeit. 1974 wagte er sich erstmals an Anton Bruckners 5. Sinfonie, nahm schließlich mit dem Kölner Rundfunk Sinfonie Orchester einen legendären Bruckner-Zyklus auf. Seitdem galten Wands Bruckner-Interpretationen als Maßstab. Ab 1982 folgte die Hamburger "Ära Wand" – er wurde Chefdirigent des NDR Sinfonieorchesters. Regelmäßig dirigierte er die Berliner Philharmoniker. Erst im Alter erlebte er breite internationale Anerkennung. Star-Allüren waren ihm fremd. "Nicht ich bin es, der eine Karriere verpasst hat - der Musikbetrieb hat mich verpasst", meinte Günter Wand lakonisch. Noch mit 90 Jahren stand er hellwach am Pult bedeutender Orchester. 2002 starb der Dirigent in der Schweiz.
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  • Der Todestag der Fotografin Tina Modotti (06.01.1942)
    Sie starb auf dem Rücksitz eines Taxis an einem Herzinfarkt. Wie passend, möchte man meinen, für eine Frau, die zeitlebens unterwegs war. Dabei warf ihr Tod sofort Fragen auf: War es womöglich eine "stalinistische Eliminierung" gewesen? War sie von kommunistischen Geheimagenten vergiftet worden, weil sie zu viel wusste? Die Geschichte der Tina Modotti ist bis heute voller Rätsel. Wer war diese Frau, die als 17-jährige in die USA ging, um der Armut und dem Elend ihrer italienischen Heimat Friaul zu entfliehen? Wer war jene Assunta Adelaide Luigia Modotti Mondini, geboren 1896, die alle Welt nur Tina nannte? Auf diese Frage gibt es bis heute keine endgültige Antwort. Sie war Fotografin und Fotomodell, Kommunistin und Antifaschistin. Geliebte und Ehebrecherin. Femme fatale und Stummfilmschönheit. Agitatorin und Krankenschwester im Spanischen Bürgerkrieg. Als sie 1923 mit dem damals schon berühmten amerikanischen Fotografen Edward Weston in das nachrevolutionäre Mexiko zog, begann ihre fotografische Karriere. Sie tauchte ein in die mexikanische Polit- und Kunstszene, lernte Maler wie Diego Rivera und die junge Frida Kahlo kennen. Und wurde 1930 dann eher unfreiwillig zur Reisenden in Sachen Weltrevolution. Sie war eine der berühmtesten Fotografinnen ihrer Zeit. Und schon zu Lebzeiten eine Legende.
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  • Der Todestag des britischen Polarforschers Sir Ernest Henry Shackleton (05.01.1922)
    "Suche Freiwillige für gefährliche Reise. Niedriger Lohn, bittere Kälte, lange Stunden in völliger Finsternis garantiert. Rückkehr ungewiss." Mit diesem Stellenangebot warb der Ire Ernest Henry Shackleton vor über 100 Jahren in der Londoner Zeitung für die erste Durchquerung des antarktischen Kontinents. Rund 5000 Bewerbungen gingen ein. Anfang des 20. Jahrhunderts ist der Südpol noch immer eine der letzten unerreichten Regionen der Erde. Den Wettlauf um die Eroberung des Pols jedoch verlor Shackleton gegen den Briten Robert F. Scott und den Norweger Roald Amundsen. Aber Shackleton erlangte unsterblichen Ruhm durch seine außergewöhnlichen Führungsqualitäten. 635 Tage war er mit seiner Mannschaft und dem Schiff "Endurance" im Packeis festgefroren. Das Schiff wurde schließlich vom Eis zerquetscht. Die Welt gab ihn verloren. Doch mit unbändigem Überlebenswillen gelang es Shackleton, seine gesamte Mannschaft zu retten.
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  • Der Geburtstag des Philologen Georg Büchmann (04.01.1822)
    "Wer eine Jogginghose trägt, hat die Kontrolle über sein Leben verloren," ist das wohl berühmteste Zitat von Modezar Karl Lagerfeld. Ein Fall für den "Büchmann", seit weit über 100 Jahren für Generationen von Lesern der Inbegriff des Zitatenlexikons. Der Name des Begründers des Nachschlagewerks, eines Oberlehrers an einer Berliner Gewerbeschule, ist selbst zum geflügelten Wort geworden. Georg Büchmann wollte die "allgemein bekannten und angewandten Worte, deren Ursprung sich urkundlich belegen lässt", zusammenfassen. Das Ergebnis war das 1864 veröffentlichte Buch "Geflügelte Worte – Der Zitatenschatz des Deutschen Volks". Es wurde in zahlreichen Neuauflagen, Bearbeitungen und Übersetzungen zu einem gefragten Nachschlagewerk. Auch nach dem Tod des Philologen werden die "Geflügelten Worte" fortgeschrieben - jeweils nach dem Geschmack der Zeit.
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  • Die erste Folge von Monty Python's Flying Circus wird in der ARD ausgestrahlt (3.1.1972)
    Alfred Biolek – damals Produzent für die ARD – hat die Idee: Die geniale britische Satiretruppe "Monty Python's Flying Circus" nach Deutschland zu holen und mit ihnen eigene Folgen für die ARD zu drehen – eine Art humoreske Entwicklungshilfe. John Cleese dazu im Rückblick: "Es war eine bizarre Idee – das machte es für uns so attraktiv". Im Sommer 1971 drehen die Pythons in Oberbayern zwei Sendungen, die Humorgeschichte schreiben. Mit einer Parodie auf die kommenden Olympischen Spiele in München (der "100-Meter-Lauf der Orientierungslosen"), einem Fußballspiel zwischen deutschen und griechischen Philosophen (mit einem legendären Kopfballtor von Sokrates/Eric Idle) und John Cleese als Rotkäppchen, das einen Sittenstrolch (gespielt von Alfred Biolek) auf's Übelste vermöbelt. Dazu sprechen die Pythons Sätze wie "Ich weiß über Dürer genauso viel wie über das Rektum eines Känguruhs" lautmalerisch, ohne ein Wort deutsch zu können. Das Ergebnis gehört zum Lustigsten, was das deutsche Fernsehen je zustande gebracht hat – überfordert aber das damalige Fernsehpublikum: Die Folgen floppen in der ARD und verschwinden erstmal im Archiv.
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  • Die finnische Regierung dementiert die Landung auf dem Mond (31.12.2006)
    Schon das offizielle Dementi verwunderte damals ein wenig: Warum bestreitet die finnische Regierung etwas, das sowieso nicht stattgefunden hat? Seither allerdings häufen sich die Indizien, dass Finnland 2006 doch eine geheime Mondlandung auf der dunklen Seite des Erdtrabanten gelungen ist. Sind die Bilder von der finnischen Mondmission im Internet also keine Fälschungen? Und – wenn sie denn stattgefunden hat – warum? Wollten die Finnen damit ihren hohen Bildungsstandard demonstrieren? Hat der Mobilfunkhersteller Nokia alles finanziert? Und haben die Skandinavier – die ja als beste Rallyefahrer der Welt gelten – mit ihrem Mondmobil dort Geschwindigkeitsrekorde aufgestellt? All diese Fragen sind bis heute ungeklärt.
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  • Der Geburtstag der Fußball-Legende Berti Vogts (30.12.1946)
    Als Bundestrainer hat Berti Vogts einmal gesagt: "Franz Beckenbauer kann man mit einem Cadillac vergleichen. Ich vergleiche mich eher mit einem deutschen VW." Während der "Kaiser" Beckenbauer es perfekt verstand, sich als Star zu präsentieren, tat sich der "Terrier" Vogts immer schwer mit der Öffentlichkeit. Aber kaum einer verkörperte Tugenden wie Fleiß, Ehrgeiz und Zuverlässigkeit so gut wie der bodenständige Berti Vogts. Am 30. Dezember 1946 wurde er in Büttgen am Niederrhein geboren. Im Alter von 12 Jahren verlor er innerhalb eines Jahres Mutter und Vater und lebte danach bei seiner Tante. Der kleine Verteidiger wurde zu einem der größten Fußballer Deutschlands. Mit Borussia Mönchengladbach gewann der gelernte Werkzeugmacher fünfmal die Meisterschaft, außerdem den DFB-Pokal und zweimal den UEFA-Pokal. Mit der Nationalmannschaft wurde Berti Vogts 1974 Weltmeister. Von 1990 bis 1998 war er Bundestrainer, als Nachfolger von Franz Beckenbauer. Mit dem Gewinn der Europameisterschaft 1996 feierte er seinen größten Erfolg als Trainer. Später trainierte Berti Vogts auch die Nationalteams von Kuwait, Schottland, Nigeria und Aserbaidschan und war Berater des US-amerikanischen Fußballverbands. Privat ist Berti Vogts nach wie vor sportlich aktiv. Er spielt gerne Golf.
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  • Die Geburt von Madame de Pompadour (29.12.1721)
    "Nach uns die Sintflut" hat die berühmte Mätresse von Ludwig XV. nie gesagt. Aber da die als bürgerliche Jeanne-Antoinette Poisson geborene und zur Marquise von Pompadour geadelte Intimfreundin des französischen Königs aus dem frivolen Rokoko einen eigenen Stil zu machen verstand, verfolgt die Redensart die ebenso schöne wie mächtige Favoritin bis heute. Verschwendungssucht, katastrophale politische Fehler und die Protektion inkompetenter Würdenträger hat man ihr nachgesagt. Andererseits gilt sie als kluge diskrete Mäzenin der Philosophen der Aufklärung, als Initatorin großartiger Bauvorhaben wie dem Pariser Concorde-Platz, dem Kleinen Trianon in Versailles oder der Porzellanmanufaktur von Sèvres. Da die Zeitgenossen sie entweder hassten oder ihr wegen ihrer Machtstellung bei Hofe schmeichelten, bleibt das wahre Gesicht der von den größten Malern der Zeit porträtierten Frau mit der steilen Karriere auch an ihrem 300. Geburtstag noch rätselhaft.
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  • Das Patent für die erste funktionstüchtige Geschirrspülmaschine (28.12.1886)
    Ihr ging es schon Mitte des 19. Jahrhunderts so wie vielen Hausfrauen und -männern heute noch. Josephine Cochrane war das Geschirrspülen leid. Die gut betuchte Amerikanerin gab viele Partys. Eigentlich erledigten ihre Hausangestellten den üppigen Abwasch. Da sie dabei aber des Öfteren wertvolles Porzellan fallen ließen, legte die Chefin auch mal selbst Hand an. Ihr Großvater war Erfinder und ihr Vater Ingenieur – Josephine Cochrane hatte auch eine Ader fürs Tüfteln. Um sich der nervigen Arbeit zu entledigen, entwickelte sie ein Gerät und erhielt am 28. Dezember 1886 das Patent für die erste funktionstüchtige Spülmaschine. Diese bestand aus einem Kupferkessel, in dem das Geschirr auf einem Laufband bewegt und mit Seifenlauge gereinigt wurde. Die Kunden waren zunächst nur Restaurants und Hotels. Erst 1949 gab es dann Geräte für den privaten Haushalt.
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