ZeitZeichen

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ZeitZeichen episodes

  • Das Bundesgesetz zur Ordnung des Schornsteinfegerwesens (13.12.1951)
    Schornsteinfeger*innen betreiben ein Gewerbe und sie sorgen für Feuersicherheit. Die Meister*innen ihres Fachs dürfen gegen das Grundgesetz verstoßen, die Unversehrtheit der Wohnung verletzen und uns allen aufs Dach steigen. Bezirksschornsteinfeger*innen besitzen Kehrbezirke auf Lebenszeit und sie profitieren vom Kehrzwang. Seit 1935 hatten sie den Zylinder auf. In klar umrissenen Terrains waren Bezirksschornsteinfeger*innen die uneingeschränkten Platzhirsche. Die Feuerstellen bedeuteten bares Geld. Bis zum Tod garantierte das Kehrmonopol ein sicheres Auskommen. Doch im Nachkriegsdeutschland wirft die Regierung unter Kanzler Adenauer einen Brandsatz in die Zunft: Das Bundesgesetz zur Ordnung des Schornsteinfegerwesens. Nach mehreren Beratungen beschließt am 13.12.1951 der Bundestag das neue Gesetz. Ein Punkt ist die Festlegung einer Altersgrenze, die das Kehrmonopol vom Tisch fegt. Es hagelt Kritik. Berufsverbot! Eingriff ins Eigentum! Verletzung des Grundgesetzes!
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  • Der Geburtstag der Dichterin Nelly Sachs (10.12.1891)
    Die Bilder, die in ihr aufstiegen, bedrängten sie und gönnten ihr keine Ruhe: Nelly Sachs berichtet, sie habe mit ihrem ganzen Dasein erlitten, wovon ihre Gedichte erzählen. Als "die Stimme Israels" wurde sie gefeiert, sie selbst bestand darauf, ihren Glauben ganz persönlich definieren zu dürfen. Der Zweite Weltkrieg hatte begonnen, als ihr zusammen mit der Mutter die Flucht nach Schweden gelang. Sie lebte dort sehr bescheiden und doch im Reichtum ihrer Sprache. Sie nannte es ein Sich-Hingeben an das jüdische Leid und fand Worte für das Grauen des Holocaust. Im Alter holten die Ängste der Jugend sie ein. Ihre Verzweiflung stand in krassem Gegensatz zum äußeren Glanz. Sie erfuhr höchste Ehrung und erhielt 1966 mit 75 Jahren den Literatur-Nobelpreis.
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  • Der Todestag der Archäologin Mary Leakey (09.12.1996)
    Eigentlich wollte Mary Leakey nur Gassi gehen. Doch die Hunde-Runde in der Olduvai-Schlucht in Tansania führte sie zu einer der größten Entdeckungen der Paläontologie: Am Ende einer Wasserrinne fand die archäologische Zeichnerin 1959 den bis dahin ältesten, vollständig erhaltenen Schädel eines menschlichen Vorfahren. Der Wasserlauf hatte ihn freigelegt. Der Fund, den ihr Mann Louis Leakey fast in einer unbedeutenden Schublade verschwinden lassen hätte, brachte der Geschichte von der Wiege der Menschheit einen neuen Standort: Ging man bis dato davon aus, sie stünde in China, wurde nun Afrika immer wahrscheinlicher. Auch nach dem Tod ihres berühmten Mannes organisierte sie weiter Ausgrabungen, bei denen 1978 in der Nähe von Laetoli die berühmt gewordenen Fußspuren zweier aufrecht nebeneinander laufender Vormenschen entdeckt wurden. Mary Leakey deutete sie als Spuren von Individuen der Gattung Homo, andere Forscher ordneten sie der Gattung Australopithecus zu. Bis heute gilt Mary Leakey, die Maler-Tochter aus London, die zeitlebens ohne Studienabschluss blieb, als eine der wichtigsten Persönlichkeiten der Archäologie. Da sich auch ihre Söhne Jonathan und vor allem Richard mit Fossilien-Funden einen Namen machten, wurden die Leakeys zur berühmtesten Anthropologen-Dynastie des Jahrhunderts, nach der sogar ein Asteroid benannt ist.
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  • Die "Neuregelung der Rechtsverhältnisse der Mitglieder des Deutschen Bundestages"(08.12.1976)
    Selbstbediener, Raffzähne, Abzocker: So bald es um die sogenannten Diäten von Bundestagsabgeordneten geht, wird heftig debattiert. Das war von Anfang an so. Laut Grundgesetz haben die Abgeordneten "Anspruch auf eine angemessene, ihre Unabhängigkeit sichernde Entschädigung". 1975 stellte das Bundesverfassungsgericht fest, dass die Abgeordnetentätigkeit zu einer Hauptbeschäftigung geworden ist und damit die finanzielle Entschädigung, die Diäten, wie ein regelrechtes Einkommen behandelt werden müssen. Auf dieser Grundlage verabschiedete der Bundestag 1976 das sogenannte Abgeordnetengesetz. Es begründete die Steuerpflichtigkeit der Diäten, führte eine steuerfreie Kostenpauschale für mandatsbedingte Ausgaben, zum Beispiel für die Unterhaltung von Büros oder Reisekosten, ein und regelte die Altersversorgung. Nicht über diese Grundstruktur, aber über ihre Ausgestaltung im Einzelnen wird seither gestritten.
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  • Hitlers "Nacht- und Nebel-Erlass" tritt in Kraft (07.12.1941)
    Adolf Hitler persönlich ordnet am 7.Dezember 1941 an, dass festgenommene Widerstandskämpfer und Nazigegner aus den besetzten Gebieten im Westen heimlich in ein Gefängnis in Deutschland abtransportiert werden – wenn sie nicht vor Ort sofort zum Tod verurteilt werden können. Dem "Führer" ist die im Westen zuständige Militärjustiz "viel zu umständlich". Und so verschwinden mindestens 6639 Menschen bis zum Kriegsende spurlos. Angehörige werden gezielt über ihr Schicksal im Unklaren gelassen - so soll eine maximale Abschreckungswirkung erzielt werden. Die "NN"-Häftlinge werden in geheime Straflager wie das "Stalag Esterwegen" gebracht und dort – oft ohne jedes Gerichtsverfahren - eingesperrt. Viele erleben das Ende des Krieges nicht. In den Nürnberger Prozessen wird der "Nacht- und Nebel-Erlass" nach dem Krieg unter die Verbrechen gegen die Menschheit eingestuft. Dennoch nehmen sich viele spätere Diktaturen – etwa die südamerikanischen in Argentinien, Chile oder Uruguay – das Naziverbrechen zum Vorbild.
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  • Die Veröffentlichung des Romans "Geschichte des Fräuleins von Sternheim" (06.12.1771)
    "Geschichte des Fräuleins von Sternheim" so der Titel eines Romans, 1771 anonym erschienen, war eine literarische Sensation. Herausgegeben von dem berühmten Dichter Christoph Martin Wieland. Aber – wer war der Autor? Es dauerte eine Weile bis bekannt wurde: Es war eine Autorin, Sophie von La Roche, Jahrgang 1730 und eine damals bewunderte Salonnière. Dieser Roman, ihr erster – über eine tapfere junge Frau, die sich über alle Schicksalsschläge hinweg behauptet – machte sie zu einer bekannten Schriftstellerin. Damals lebte sie noch in Koblenz, gut vernetzt und bewundert von Deutschlands literarischer Elite. Doch 1780 fiel ihr Mann wegen zu freiheitlicher Äußerungen beim Mainzer Kurfürsten in Ungnade. Sie zogen nach Offenbach, und Sophie musste mit ihrer Autorentätigkeit den Mann und fünf Kinder ernähren. Deshalb gab sie auch noch eine Frauenzeitschrift heraus: "Pomona für Deutschlands Töchter". Keiner der üblichen Ratgeber für weibliche Mode und Schönheit – ihr ging es um Aufklärung, Bildung und Erziehung. 1807 starb Sophie von La Roche, 76 Jahre alt, gelassen und zufrieden mit sich und ihrem Leben. Eine starke Frau in ihrer Zeit, doch im Gegensatz zu ihren Enkeln Clemens Brentano und Bettina von Arnim heute fast vergessen.
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  • Der Geburtstag des Juristen und Politikers Carlo Schmid (03.12.1896)
    "Was heißt eigentlich: Grundgesetz?". Als Carlo Schmid am 8. September 1948 diese Rede hielt, war er Mitglied des Parlamentarischen Rates in Bonn, der eine Verfassung für die Bundesrepublik Deutschland ausarbeiten sollte. "Eine Verfassung", erklärte er, "ist nichts anderes als die in Rechtsform gebrachte Selbstverwirklichung der Freiheit eines Volkes. Darin liegt ihr Pathos, und dafür sind die Völker auf die Barrikaden gegangen." Carlo Schmid ist einer der Väter des Grundgesetzes. Viele grundsätzliche Ausarbeitungen gehen auf ihn zurück. Der SPD Politiker setzte sich unter anderem für den provisorischen Charakter der Bundesrepublik ein, sowie für Artikel 24, der eine europäische Zusammenarbeit ermöglichen sollte. Denn Europa lag ihm immer am Herzen. Er selber wurde 1896 in Perpignan, in Südfrankreich, geboren, sein deutscher Vater arbeitete als Privatgelehrter dort, seine Mutter war Französin. Carlo Schmid studierte Rechts- und Staatswissenschaften und galt als einer der renommiertesten Staatsrechtler seiner Zeit. Die Reden, die er als Abgeordneter im Bundestag hielt, sind heute noch hörenswert.
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  • Der Geburtstag des Modeschöpfers Gianni Versace (02.12.1946)
    Gianni Versace führte der Welt vor, wie wenig Stoff nötig ist, um eine Frau anzukleiden. Bei seinen Entwürfen, so sagten viele, dächte man sowieso eher ans Ausziehen als ans Anziehen. Versace liebte es, auf der schmalen Kammlinie zwischen Geschmack und Anstößigkeit zu wandeln, er zelebrierte die Übertreibung, goldene Nieten, Gliederketten, Schnallen, bunte Prints, große Muster, Lackstilettos, und überall prangte die Medusa, die er in sein Firmenlogo mit einarbeitete. Gianni Versace, der am 2. Dezember 1946 als Sohn einer einfachen Schneiderin im süditalienischen Kalabrien geboren wurde, machte in den 80ern als Modeschöpfer eine märchenhafte Karriere. Versace lebte wie ein Fürst der Renaissance, sammelte Kunst und Antiquitäten, entwarf Bühnenkostüme und erfand die Supermodels. Der "couturier flamboyant" war ein Arbeitstier und großzügig seinen Freunden gegenüber. Im Juli 1997 wurde der Italiener vor seiner Villa in Miami Beach von einem Serienmörder erschossen. Sein Tod machte ihn endgültig unsterblich.
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  • Der Geburtstag von Georgi Schukow, Generalstabschef der Roten Armee (01.12.1896)
    Als der Zweite Weltkrieg beendet und die deutsche Wehrmacht besiegt worden war, nahm Marschall Georgi Schukow für die Sowjetunion die bedingungslose Kapitulation Deutschlands entgegen. Er hatte in mehreren Schlachten sowjetische Truppenverbände befehligt, war an der Schlacht um Stalingrad und an Kämpfen gegen die Blockade von Leningrad beteiligt. Im Frühjahr 1945 befehligte Schukow die Schlacht um Berlin. Nach dem Krieg genoss er erkennbar seinen Ruhm als siegreicher Oberbefehlshaber und versuchte private Beute aus Deutschland zu schmuggeln. Das war Stalin ein Dorn im Auge. Er degradierte Schukow. Nach Stalins Tod wurde dieser aber wieder gewürdigt und vorübergehend Verteidigungsminister.
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  • Der Geburtstag des italienischen Seehelden und Politikers Andrea Doria (30.11.1466)
    "Alles klar auf der Andrea Doria" sang Udo Lindenberg und meinte trügerische Sicherheit. Denn auf dem Luxusliner "Andrea Doria" war nur eines klar, als er 1956 ein anderes Schiff rammte: dass er untergehen würde. Wer mit seinem Namen Pate stand für den Stolz der italienischen Transatlantik-Linie, das wissen heute nur noch die Wenigsten. Dem Flotten-Admiral Andrea Doria war es zu verdanken, dass die Türken es im 16.Jahrhundert nicht geschafft hatten, das mediterrane Zentrum des Welthandels zu erobern. Seine Fahrt- und Gefechtsformationen stellten ausgeklügelte Meisterstücke dar. "Donner und Doria" riefen Freund wie Feind, erleichtert oder erschreckt, wenn die Segel seiner Schiffe in Sichtweite kamen. Seine Heimatstadt Genua führte Andrea Doria ab 1528 wieder zurück zu alter Macht. Ebenso nachhaltig wie die Politik beeinflusste Doria die genuesische Kunst und Kultur. Unter seiner Ägide erblühte das alte Zentrum Liguriens zu solchem Glanz, dass selbst Karl V. bei einem Besuch gestand, solchen Prunk hätte er niemals zuvor gesehen. Erst mit 89 Jahren zog sich der legendäre Admiral von allen Ämtern zurück und starb am 25. November 1560 friedlich in seinem Bett.
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