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Lorde schrieb"Royals", als sie 15 Jahre alt war. Die neuseeländische Sängerin hatte sich über die abstrusen Reichtümer gewundert, die im US-Pop der beginnenden 2010er Jahre angepriesen wurden, die nichts mit ihrer eigenen Realität zu tun hatten - teure Autos, teurer Alkohol oder Tiger, die an goldenen Leinen gehalten werden. "Wir werden niemals adelig sein", singt Lorde mit einem Hauch von Renitenz. "Royals" war gleichzeitig eine Auseinandersetzung mit dem US-amerikanischen Kulturimperialismus. Allen voran mit Hip-Hop der Charts. Lorde brachte das auch Rassismus-Vorwürfe ein. Dass Lorde gleichzeitig ein Fan von Hip Hop war, wurde ausgeklammert.
Diese Episode wurde in Ö1 am 10.03. 2025 gesendet und ist Teil des kultur- und zeitgeschichtlichen Archivs von oe1.ORF.at.
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Als Selena Quintanilla - Künstlername Selena - im März 1995 von der Präsidentin ihres Fanclubs ermordet wurde, war sie der größte Popstar der Tejanos. Mit ihr begann die Latin Wave, die wenig später Stars wie Ricky Martin, Jennifer Lopez und Marc Anthony hervorbringen sollte. Tejanos heißen die Bewohner von Texas mit lateinamerikanischen Wurzeln. Selena brachte diese Musik, die mitunter an populäre Schlager erinnern konnte, erstmals in viele amerikanische Haushalte. Gleichzeitig experimentierte sie mit neueren Stilen wie R'n'B, Reggae, Tecnocumbia und elektronischer Musik. Der Song "Amor Prohibido" handelte dabei von einer verbotenen Liebe über soziale Gräben hinweg. Damit konnten Klassenunterschiede gemeint sein, politische Lager oder auch als queere Liebe.
Diese Episode wurde in Ö1 am 11.03. 2025 gesendet und ist Teil des kultur- und zeitgeschichtlichen Archivs von oe1.ORF.at.
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Für einen Moment sah es so aus, als könnte George Harrison - der bei den Beatles im Schatten von Paul McCartney und John Lennon stand - der erfolgreichste Solo-Beatle werden. Ende 1970 veröffentlichte er das treffsicher betitelte Dreifach-Album "All Things Must Pass". Die 1970er Jahre begannen für viele mit einer Hinwendung nach innen in die Sphäre des persönlichen und spirituellen Wachstums. Die Nummer-Eins-Single "My Sweet Lord" wurde zum Wegbereiter von New Age und Weltmusik. Er stellte sich allerdings als Plagiat heraus. Nach einem langen Prozess musste Harrison 1.599.987 US-Dollar an die Chiffons zahlen, an deren Song "He's so fin" er erinnerte. Damit wurde der Song auch wegweisend für den manchmal verworrenen Schutz geistigen Eigentums im Bereich musikalischer Ideen.
Diese Episode wurde in Ö1 am 12.03. 2025 gesendet und ist Teil des kultur- und zeitgeschichtlichen Archivs von oe1.ORF.at.
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"The Sound Of Music" feiert das 60. Jubiläum. Das gleichnamige Musical hat das Bild, das sich die Vereinigten Staaten von Amerika über Österreich gemacht haben, tief geprägt. Ursprünglich ein Musical, wurde "The Sound Of Music" ab Frühjahr 1965 zum US-Kino-Hit. Die Rollen sind klar verteilt: hier das kleine singende Österreich der Zwischenkriegszeit, dort das übermächtige Nazideutschland. Als der Film Mitte der 1960er Jahre in die Kinos kam, erlebten die USA eine Reihe von tödlichen Attentaten - auf Präsident John F. Kennedy oder den Bürgerrechtler Malcolm X - wie auch aufkeimende Proteste gegen den Vietnamkrieg. "The Sound Of Music" bot ein klares Weltbild, Dramatik und Unterhaltung für die ganze Familie.
Diese Episode wurde in Ö1 am 29.01.2025 gesendet und ist Teil des kultur- und zeitgeschichtlichen Archivs von oe1.ORF.at.
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Diese Welt ist gesetzlos. Die drei Hauptfiguren im Italo-Western "The Good, The Bad and The Ugly" sind brutal und unmoralisch. Mitten in der aschgrauen Einöde von Texas hintergehen sie einander. Und das Einzige, was für sie zählt, ist die Akkumulation von Kapital - selbst dann noch, als sie in die Wirren des amerikanischen Bürgerkriegs verwickelt werden. Der Kinofilm von Sergio Leone wurde zunächst verrissen. Seine Handlung war vielen zu nihilistisch. Die Titelmelodie des römischen Komponisten Ennio Morricone lässt einen Kojoten mehrfach aufheulen. Damit bringt er mit wenigen Tönen die gesellschaftlichen Verwerfungen der 1960er Jahre in Italien auf den Punkt.
Diese Episode wurde in Ö1 am 31.01.2025 gesendet und ist Teil des kultur- und zeitgeschichtlichen Archivs von oe1.ORF.at.
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Die 1990er Jahre waren in Dänemark eine Zeit vorsichtiger Integration mit Europa. Zwei lange Brücken sollten das Land mit Europa verbinden, eine ökologische Steuerreform brachte das Land an die Weltspitze in der Erzeugung von Windenergie, gleichzeitig trat Dänemark der gemeinsamen Währungsunion allerdings nicht bei. Politisch stabile Zeiten führten zu viel Wohlstand. "Barbie Girl" macht den Traum vom guten Leben in einer hübschen Einfamilienhaussiedlung unausweichlich. Aqua überzeichnete die Verhältnisse in der sozialen Marktwirtschaft. Im Jahr 2023 wurde der Song für den Blockbuster "Barbie" neu interpretiert.
Diese Episode wurde in Ö1 am 29.01.2025 gesendet und ist Teil des kultur- und zeitgeschichtlichen Archivs von oe1.ORF.at.
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Beim Eurovision Song Contest sind Songs mit politischen Inhalten nicht zugelassen. Im Jahr 2016 flammte eine Diskussion um diesen Punkt des Reglements erneut auf, als der Song "1944" der tatarisch-armenischen Sängerin Jamala die Vorentscheidung des Wettbewerbs gewann. Der Titel "1944" ist ein eindeutiger Hinweis darauf, dass der Song von der Vertreibung der Krimtataren handelt, die in der Sowjetunion unter Josip Stalin der Kollaboration mit Nazideutschland verdächtigt und zu Tausenden vertrieben wurden. Die Halbinsel Krim wurde Jahre später ein Teil der ukrainischen Sowjetrepublik, 2014 wurde sie von Russland annektiert. 2022 gewinnt die Ukraine ein weiteres Mal den Song Contest. Wenige Wochen zuvor hatte Russland einen offenen Krieg mit der Ukraine begonnen.
Diese Episode wurde in Ö1 am 13.03. 2025 gesendet und ist Teil des kultur- und zeitgeschichtlichen Archivs von oe1.ORF.at.
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Daft Punk wurden schnell zu den Aushängeschildern des French Touch - einem Musikstil, der französische Produktionen um die Jahrtausendwende zurück auf die Plattenteller von DJs brachte. Bruchstücke aus Eurodisco, kosmischen Sounds und US-amerikanischer House-Musik wurden zu hypnotischen, tanzbaren Loops arrangiert, während Cut-up und Collage zu zeitgeistigen Kulturtechniken intellektuell überhöht wurden. Währenddessen wurde Airbus zur ernsthaften Konkurrenz für den US-Konkurrenten Boeing, französischer Luxus eroberte die Weltmärkte und das multikulturelle Team der Fußball-Nationalmannschaft gewann Weltmeister- sowie Europameisterschaft. "Einmal noch, wir werden feiern, hört nicht auf zu tanzen", lautet der reduzierte Text von Daft Punks Hit "One More Time" im Jahr 2000.
Diese Episode wurde in Ö1 am 17.12.2024 gesendet und ist Teil des kultur- und zeitgeschichtlichen Archivs von oe1.ORF.at.
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Seltsame Früchte hängen in den Pappeln, sang Billie Holiday im Jahr 1939. Die sogenannte Lynchjustiz - das Wort "Justiz" ist hier beschönigend - verbreitete Jahrzehnte nach dem Ende der Sklaverei weiter Terror in der schwarzen Bevölkerung der Südstaaten der USA. Dort setzte die Zeit der 'Reconstruction' eine Trennung aller Lebensbereiche nach Hautfarben durch. Lynchmorde waren dabei die brutalste Manifestation einer zutiefst rassistischen Gesellschaft. Billie Holiday nahm den Song "Strange Fruit" anfangs zögerlich in ihr Live-Programm auf. Das Time Magazine hielt den Song im Erscheinungsjahr 1939 noch für musikalische Propaganda. Jahrzehne später nahm der US-Kongress den Song schließlich in sein Verzeichnis bedeutender Aufnahmen ("National Registry") auf.
Diese Episode wurde in Ö1 am 18.12.2024 gesendet und ist Teil des kultur- und zeitgeschichtlichen Archivs von oe1.ORF.at.
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1984 litt Äthiopien unter einer katastrophalen Hungersnot. Ernten waren ausgefallen, dazu waren mehrere Konfliktparteien in einen blutigen Bürgerkrieg verwickelt. Schockiert von den Bildern aus der Region komponierte der irische Songwriter Bob Geldof ein Weihnachtslied, dessen Einnahmen der Hungerhilfe zugutekommen sollten. Die Aufnahme war mit den größten Stars der britischen Musikindustrie gespickt, darunter Phil Collins, David Bowie, Bono, Paul McCartney, George Michael, Sting oder das Pop-Trio Bananarama. Die Single wurde schnell zur zweiterfolgreichsten Single der Achtziger Jahre. Die fünf Millionen Pfund Einspielergebnis wurden von zwei Live-Aid-Konzerten noch weit übertroffen. Ein beträchtlicher Teil der Spenden landete allerdings beim äthiopischen Diktator Mengistu, der das bitterarme Land weiter hochrüstete.
Diese Episode wurde in Ö1 am 17.12.2024 gesendet und ist Teil des kultur- und zeitgeschichtlichen Archivs von oe1.ORF.at.
[https://oe1.orf.at/100songs/shownotes|Playl
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