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2017 war China auf dem besten Weg, die USA als größte Wirtschaftsmacht der Welt abzulösen. In den Vereinigten Staaten gab es noch keine Strafzölle auf chinesische Waren, Huawei war noch nicht verboten und Tiktok wurde rasch zu einer führenden Musik-App. In der Millionenstadt Chengdu in der westlichen Provinz Sichuan hat sich im Laufe der 2010er Jahre eine lebendige Hip Hop-Szene gebildet, die trotz Bedenken der kommunistischen Partei geduldet wurde. Die Higher Brothers arbeiteten mit westlichen Entertainment-Firmen zusammen, wie auch mit Rappern aus Japan, Indonesien und den USA. In einem ihrer größten Hits versuchen sie ihre US-Kollegen in Sachen Konsum noch zu übertrumpfen. Alles ist "Made in China".
Diese Episode wurde in Ö1 am 16.12.2024 gesendet und ist Teil des kultur- und zeitgeschichtlichen Archivs von oe1.ORF.at.
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Missy Elliott schreibt Rap-Geschichte - indem sie mit ihrem Song "Work It" Old-School-Rap neu belebt. Im Jahr 2002 hat die US-Rapperin dafür bedeutende Samples verwendet, im dazugehörigen Video waren Graffiti, Breakdance, Boomboxes und alte Trainingsanzüge zu sehen. Aber auch die Sprache des Songs war absichtlich schillernd und hat mit Shout-Outs und Code-Switching an die Anfänge von Hip Hop erinnert. "Heutzutage muss man eigentlich fast immer mit einer kugelsicheren Weste auf die Straße gehen, weil alle irgendein Problem haben und die Stimmung so angespannt ist", meinte die Rapperin im Jahr 2002. "Mit diesem Album wollte ich den Spaß und die Wärme im Hip Hop zurückbringen."
Diese Episode wurde in Ö1 am 18.11.2024 gesendet und ist Teil des kultur- und zeitgeschichtlichen Archivs von oe1.ORF.at.
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Vor 30 Jahren wurde MP3 geboren. Karlheinz Brandenburg schrieb 1988 an der Uni Erlangen an seiner Dissertation über Verfahren für hochwertige Musikcodierung. An einem Musikstück biss sich die Codierung allerdings die Zähne aus: Suzanne Vegas "Tom's Diner". Der A-Capella-Song über einen Vormittag in einem New Yorker Restaurant war unter Hifi-Liebhabern sehr beliebt, um Lautsprecher zu testen. Nach zwei Jahren der Experimente war es so weit und das MP3-Verfahren ausgereift. Das MP3-Format konnte sich als Standard gegen teils übermächtige Konkurrenz durchsetzen, letztlich ebnete es Filesharing den Weg, mobilem Musikhören und Musik-Streaming. Suzanne Vega erfuhr im Jahr 2000 davon, dass sie als Mutter des MP3 Formats galt.
Diese Episode wurde in Ö1 am 20.11. 2024 gesendet und ist Teil des kultur- und zeitgeschichtlichen Archivs von oe1.ORF.at.
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1976 hatte in weiten Teilen Südamerikas das Militär die Macht übernommen - Brasilien, Peru, Bolivien, Chile, Uruguay und Argentinien wurden zu Diktaturen. Abba, eine völlig unpolitische schwedische Pop-Band, romantisieren mit "Fernando" den bewaffneten politischen Kampf für die Freiheit. Abba-Songwriter Björn Ulvaeus dachte beim Komponieren an einen der großen historischen Konflikte in Mexiko. Das Flöten-Thema des Songs erinnert allerdings viel eher an die Melodie von "El cóndor pasa" und damit an die Region der Anden, in denen der Guerillero Che Guevara wenige Jahre zuvor erschossen worden war. In Schweden selbst gilt der Song in linken Kreisen als kapitalistisch-reaktionär. In Südamerika hingegen werden Abba zu Stars.
Diese Episode wurde in Ö1 am 20.11. 2024 gesendet und ist Teil des kultur- und zeitgeschichtlichen Archivs von oe1.ORF.at.
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Für die französische Sängerin Barbara stand es außer Frage, in Deutschland aufzutreten. 1964 hatte sie ihren ersten Vertrag unterschrieben, war jenseits des Rheins unbekannt und ihre jüdische Familie musste im Zweiten Weltkrieg vor den Nazis flüchten. Der Direktor des jungen Theaters in Göttingen ließ nicht locker, Barbara sagte widerwillig zu. 1966 wurde "Göttingen" veröffentlicht und in Frankreich zum Hit. Später wurde Barbara zur Ehrenbürgerin der Stadt Göttingen, ihr gespenstisches Lied sang sie auch auf Deutsch ein. Und bis heute gilt "Göttingen" als Lied der deutsch-französischen Verständigung.
Diese Episode wurde in Ö1 am 19.11. 2024 gesendet und ist Teil des kultur- und zeitgeschichtlichen Archivs von oe1.ORF.at.
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Kein Song wurde öfter gestreamt als "Blinding Lights". Und laut dem US-amerikanischen Billboard Magazine ist kein Song erfolgreicher. Er definiert Anfang 2020 die Erfahrungen des ersten Corona-Lockdowns. Zunächst scheint der Text prophetisch: "Die Stadt ist kalt und leer, niemand ist da, um über mich zu urteilen", heißt es vor dem Refrain. Im Musikvideo tanzt Sänger The Weeknd mit blutiger Nase auf den verlassenen Straßen von Las Vegas und rast in seinem Sportwagen an den bunten Lichtern der Glücksspiel-Metropole vorbei, bis der Wagen bei voller Geschwindigkeit ins Schleudern gerät. Mit seinem vertrauten retro-futuristischen Synthsound dominiert "Blinding Lights" das erste Halbjahr 2020.
Diese Episode wurde in Ö1 am 28.10. 2024 gesendet und ist Teil des kultur- und zeitgeschichtlichen Archivs von Ö1.
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Während Brasilien der Welthandelsorganisation beitritt und Soia, Eisenerz oder Öl exportiert, fehlen in manchen Vierteln Sao Paulos Strom und Wasser. Die Racionais MC's zeichnen ein drastisches Bild vom Überleben in der städtischen Peripherie. Sie räumen zudem mit dem Mythos einer post-rassistischen Gesellschaft auf, der in Brasilien Mitte der 1990er Jahre noch hochgehalten wird. Das Album "Sobrevivendo No Inferno" von 1997 gilt heute als Meisterwerk und ist Gegenstand universitärer Betrachtungen. Im zentralen Titel des Albums - im Tagebuch eines Häftlings - verarbeitet die Gruppe ein nationales Trauma. 1992 brachen in der größten völlig überfüllten Strafanstalt Südamerikas Kämpfe zwischen Insassen aus. Die Militärpolizei stürmte den Komplex und tötet 111 Insassen.
Diese Episode wurde in Ö1 am 29.10. 2024 gesendet und ist Teil des kultur- und zeitgeschichtlichen Archivs von Ö1.
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Die Beinamen von Fairuz sind vielfältig, die "Zeder von Libanon" und "Seele des Libanons" sind nur zwei davon. 1967 war die Sängerin bereits ein Star in der arabischen Welt. Fairuz steuerte nicht nur die Musik zu einem Film über den Ersten Weltkrieg bei, sondern spielte auch selbst die Hauptrolle. Der Film erzählt die Geschichte einer Frau, die ihren Mann sucht, während unter der Herrschaft des Osmanischen Reichs der sog. Kafno - eine der schlimmsten Hungersnöte des 20. Jahrhunderts - die Bevölkerung im multiethnischen Libanon dezimiert. Ein Vogel - "Ya Tair" heißt auf Deutsch "O Vogel" - soll in die ferne Heimat fliegen, singt Fairuz, den Liebsten von ihr berichten und sie mitnehmen. Fairuz feiert am 20. November 2024 ihren 90. Geburtstag.
Diese Episode wurde in Ö1 am 28.10. 2024 gesendet und ist Teil des kultur- und zeitgeschichtlichen Archivs von oe1.ORF.at.
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Tina Turner und Ike Turner wurden zusammen als Ike & Tina Turner zu einer dominierenden RnB-Formation in den Vereinigten Staaten. Ike war gewalttätig und drogenabhängig. 1976 reichte Tina Turner die Scheidung ein, ihre ersten beiden Soloalben floppten und ihre Karriere galt als beendet. 1984 gelang ihr mit dem Album "Private Dancer" eines der unwahrscheinlichsten Comebacks der Popmusikgeschichte. Tina Turner überwand nicht nur eine unsichtbare Altersschranke, die insbesondere Frauen jenseits der Vierzig auf wenige Rollen beschränkte, zudem wagte sie sich großteils an Rocksongs, ein Stil, der in den 1980ern als weiße Domäne gilt. "What's Love Got To Do With It" war mit seinen Reggae-Einflüssen eine Ausnahme - ein vieldeutige Hymne.
Diese Episode wurde in Ö1 am 30.10. 2024 gesendet und ist Teil des kultur- und zeitgeschichtlichen Archivs von Ö1.
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2012 wurde Psys “Gangnam Style“ zum unüberhörbaren Signal koreanischer Popkultur. 2016 kündigten Südkorea und die USA ein gemeinsames Raketenabwehrsystem an worauf China mit einem unausgesprochenen Boykott koreanischer Produkte reagierte. Entertainment-Konzerne in Südkorea fokussierten ihre Absatzmärkte auf Teenager des globalen Nordens. Die Mitglieder von BTS wurden zusammen gecastet und durch Kollaborationen mit US- und britischen Musikern immer populärer. K-Pop blieb konsensfähig und vermied Kontroversen. Der Song “Spring Day“ tarnte sich im Jahr 2017 als ein Lied über Liebe und Verlust, obwohl das Video den Verdacht nahelegte, dass hier das Sewol-Fährunglück thematisiert wurde, bei dem drei Jahre zuvor über 300 Studierende ertrunken waren - was Jahre später von einem der Bandmitglieder bestätigt wurde.
Diese Dokumentation wurde in Ö1 am 29. August 2024 gesendet. Die Playlist und Literaturliste zum Podcast finden Sie in den Shownotes.
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