ERF Plus - Bibel heute

Aarons Tod


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In der fortlaufenden Bibellese begleiten wir das Volk Israel auf seiner Wanderung durch die Wüste. Nach der Befreiung aus Ägypten ist Israel auf dem Weg in das von Gott zugesprochene Land Kanaan. Dabei wird das Vertrauen des Volkes auf Gott immer wieder auf die Probe gestellt.  Auch Mose, der Vertraute Gottes, hat es an Vertrauen auf Gott mangeln lassen. Dass Gott den Durst der Wandernden mit Wasser aus einem Felsen stillen würde, das hat er bezweifelt. Aaron, sein Bruder, hatte schon bald nach der Befreiung aus Ägypten versagt als Stellvertreter Moses – damals, als Mose ganz allein Gott begegnete. Aaron hatte dem Drängen des Volkes nachgegeben, eine sichtbare Erinnerung an die Gegenwart Gottes errichten zu lassen: ein goldenes Kalb. Mirjam, die ältere Schwester von Mose und Aaron, ist bereits verstorben. Weder ihr noch ihren Brüdern ist es vergönnt, das versprochene Land Kanaan einzunehmen. Alle drei haben Anteil an der wiederholten Auflehnung gegen Gott, am wiederholten Misstrauen gegen Gott während der Wüstenwanderung. Nun soll Aaron nach Gottes Willen diese Welt verlassen. Er wird nicht von einer Minute auf die andere aus dem Leben gerissen. Sein Sterben ist eines mit Ansage, mit Gottes Ansage. Er stirbt nicht allein, sondern in Begleitung Moses und seines eigenen Sohnes Eleasar. Das ganze Volk wird Zeuge, wie die drei Männer den Berg Hor hinaufsteigen. Das ganze Volk verfolgt, wie Mose und Eleasar ohne Aaron zurückkehren.

Was geschieht auf dem Berg Hor? Mose fordert auf Gottes Geheiß seinen Bruder auf, seine Amtstracht abzulegen, und legt dieselbe seinem Sohn und Nachfolger an. Damit hat die Geschichte des erblichen Hohepriester-Amts begonnen. Dieses hat fortbestanden bis zur Zerstörung des zweiten Tempels in Jerusalem – vierzig Jahre nach dem Sterben und Auferstehen von Jesus. Der Hebräerbrief bezeugt im 7. Kapitel Jesus als den heutigen Hohenpriester, der alle seine Nachfolger vor Gott, seinem Vater, vertritt, also auch diejenigen, die nicht zum Volk Israel gehören. Hier ein Zitat: „Er hat es nicht nötig wie jene Hohenpriester, täglich zuerst für die eigenen Sünden Opfer darzubringen und dann für die des Volkes; denn das hat er ein für alle Mal getan, als er sich selbst opferte.“ (Hebräer 7,27)


Wie sehr Jesus als Hoherpriester seinen Nachfolgern nahe ist, betont der Hebräerbrief bereits im 4. Kapitel: „…wir haben nicht einen Hohenpriester, der nicht könnte mit leiden mit unserer Schwachheit, sondern der versucht worden ist in allem wie wir, doch ohne Sünde.“ (4,15)

Unser Bericht verortet das Sterben Aarons auf dem Berg Hor, nicht zu verwechseln mit dem Berg Horeb. Dieser ist ja der Berg des Bundesschlusses Gottes mit dem Volk Israel. Wo der Berg Hor zu finden ist, das ist umstritten. So viel legt das 4. Buch Mose nahe, dass dieser Berg nicht weit entfernt liegt von Kadesch-Barnea, einer vorangegangenen Station auf der Wüstenwanderung, im Norden der Sinai-Halbinsel.


Zurück zum Bericht von Aarons Sterben! Zweimal deutet Gott dieses Sterben so: „Aaron soll versammelt werden zu seinen Vätern.“ Ein Bibelausleger hat dazu Folgendes geschrieben: „Ein merkwürdiger Ausdruck in Gottes Mund! Man kann ihn wohl nur so verstehen, dass die verstorbenen ‚Vorfahren‘ in irgendeiner Weise fortexistieren… Dann aber steckt darin ein Hinweis auf die Möglichkeit der Auferstehung.“ In seinem Kommentar zum 4. Buch Mose[1] verweist der Ausleger auf Worte von Jesus – überliefert beim Evangelisten Matthäus –, welche Licht auf diese Deutung des Sterbens werfen. Jesus ist gerade im Gespräch mit Kritikern: „Habt ihr denn nicht gelesen von der Auferstehung der Toten, was euch gesagt ist von Gott, der da spricht: »Ich bin der Gott Abrahams und der Gott Isaaks und der Gott Jakobs«? Gott ist nicht ein Gott der Toten, sondern der Lebenden.“ (Matthäus 22,31-32) Diese Jesus-Worte passen genau zu dem, was er von sich selbst gesagt hat, überliefert beim Evangelisten Johannes: „Jesus sagte zu ihr: »Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er stirbt.
26 Er wird ewig leben, weil er an mich geglaubt hat, und niemals sterben.“  ( NLB 11,25f.)

Aus meiner Zeit als Gemeindepfarrer habe ich in Erinnerung, dass bei Trauergottesdiensten oft ein Choral mit diesem Beginn gesungen worden ist: „Wer weiß, wie nahe mir mein Ende?“ Sämtliche Verse schließen mit dieser Bitte an Gott: „Mein Gott, mein Gott, ich bitt durch Christi Blut, mach’s nur mit meinem Ende gut.“ Die Dichterin jenes Liedes hat darum gewusst: Es gibt ein gutes, ein seliges Sterben. Christi Blut erwähnt die Dichterin in diesem Zusammenhang immer wieder. Damit erinnert sie an Jesus als den Hohenpriester im Sinne des Hebräerbriefs. Er hat sich selber geopfert, sein eigenes Blut vergossen – mit diesem Ziel: Schuld gegenüber Gott und anderen Menschen soll nicht mehr trennend zwischen uns und Gott stehen. Die Last unserer Schuld hat Jesus, der Hohepriester, auf sich genommen und ist daran gestorben. Seither muss nicht mehr jedes Jahr erneut – am Großen Versöhnungstag – das Blut eines Opfertiers vor Gott ausgegossen werden. Wer sich auf, Jesus, den Hohenpriester, beruft und verlässt, der darf diese Welt verlassen und darauf vertrauen: Ich darf vor meinen Schöpfer treten als von aller Schuld Freigesprochener, darf so zu ihm nach Hause kommen.

Vor Jahren hat mein alt gewordener Patenonkel sein Sterben kommen sehen und sagen können: „Es geht heimwärts.“ Ganz anders ist ein mir bekannter Pastor gestorben. Noch nicht lange im Ruhestand, ist er mit seinen Enkelkindern unterwegs gewesen, als er ganz unerwartet auf Grund von Herzversagen zusammengebrochen und heimgegangen ist zu Gott, seinem Vater. Das ist kein Sterben mit Ansage gewesen, ganz anders als bei meinem Patenonkel, ganz anders als bei Aaron, Moses Bruder.

Ja, es gibt ein seliges Sterben, ein Sterben im Vertrauen auf Jesus Christus, den Hohenpriester. Das ist ein gutes Sterben – mit oder ohne Ansage.

[1]Gerhard Maier, Das vierte Buch Mose, Wuppertaler Studienbibel, Wuppertal, 2. Auflage 1997, 282

Autor: Pfarrer Martin Rösch

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