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  • Hoffnung Afrika? | Von Jochen Mitschka
    Veränderung der Perspektive
    Ein Standpunkt von Jochen Mitschka.
    Berichte über das Leben in Namibia werden nun nur noch 14-tätig erfolgen. Aber ganz ohne Einfluss des Standortes ist auch der heutige Beitrag nicht. Wenn man seinen Wohnort verändert, ergibt sich oft auch eine veränderte Sicht auf die Welt. Nicht nur weil der Winter zum Sommer und umgekehrt wird. Oder weil man eine Jacke anzieht, wenn man in ein Büro geht, und auszieht, wenn man das Haus verlässt, statt umgekehrt wie in Deutschland. Und aus afrikanischer Perspektive ergeben sich Fragen und Sichtweisen, auf die man in Deutschland eher nicht kommen mag. Ein Beispiel dafür ist dieser PodCast. Während man von Deutschland aus Afrika als Armenhaus der Welt wahrnimmt, sehe ich es von hier aus als zukünftige Großmacht, vergleichbar mit der Situation in Asien vor 40 Jahren.
    Aber natürlich ist genau das nicht im Interesse der westlichen Kolonialstaaten. Sie haben meist alles getan, um Afrika in Abhängigkeit und Unselbständigkeit zu halten. Allen voran Frankreich, das immer noch Steuern in ehemaligen Kolonien eintreibt, die Finanzen in Paris kontrolliert, billigst Rohstoffe aus Afrika extrahiert (ohne das billige Uran wäre die Industrialisierung Frankreichs in der gesehenen Form nicht möglich gewesen), über die Währung und mit seinem Militär, aber auch ganz einfach mit dem „Ausschalten“ unangenehmen Politikern, umfassenden Einfluss auf die Politik nimmt. Es geht darum, die Länder offen für westliche Überproduktion zu halten, keine eigenen Veredlungsindustrien zuzulassen, die in Konkurrenz zu eigenen Industrien geraten könnten, und es geht darum billig Rohstoffe direkt selbst schürfen zu können. Und sie nicht von staatlichen Unternehmen zu Marktpreisen kaufen zu müssen. Das geschieht bisher ganz gut mit einem Teil der Elite der Länder, die bewusst korrupt „gezüchtet“ wurde, um den westlichen Interessen zu dienen.
    Werkzeuge der postkolonialen Kontrolle
    Mit welchen Werkzeugen das bisher geschah, beschrieb Dagmar Henn sehr schön in einem kürzlich erschienen Artikel (1):

    „Der IWF aber wurde genutzt, um Bedingungen für diese Kredite zu stellen, die dafür sorgten, dass die Abhängigkeit ja nicht ende (beste Lektüre darüber: Perkins, Bekenntnisse eines Economic Hitman). Dazu gehörte, Schutzzölle gegen Waren aus dem industriellen Westen zu untersagen; eine nationalisierte Industrie und Rohstoffförderung zu verhindern; dafür zu sorgen, dass Konzerne aus den westlichen Ländern direkten Zugriff auf die Förderung von Rohstoffen hatten und diese nicht erst auf dem ‚freien‘ Markt erwerben mussten.“
    Es gab eben früher keinerlei Alternativen zu den Krediten und den damit verbundenen Auflagen. Auflagen, die in erster Linie verhinderten, dass der Aufbau einer eigenen Wirtschaft und Industrie geschützt wurde. Beispiele sind die Geflügelzucht in manchen afrikanischen Ländern, die über Billigimporte von Überschussproduktionen aus der EU verdrängt wurden. Ebenso die Verhinderung einer eigenen Textilindustrie durch den Import von gebrauchter Designermode, welche die Abgeber glaubten, einem guten Zweck zuzuführen. Auch nicht zu vergessen sei das legale, weil gekaufte Leerfischen der Küsten, welche dann aus Fischern „Piraten“ machte, die wiederum in mafiöse Kreise gerieten, oder zu Flüchtlingsbootverkäufern und Flüchtlingen wurden. Wodurch dann die westliche Militärmacht auftreten konnte als „Hilfe bei der Bekämpfung der Piraterie“ für Länder „welche dazu selbst nicht in der Lage sind“ und „zum Schutz der Handelswege“.
    Dass diese Handelswege nun durch den Wirtschaftskrieg gegen Russland, genannt Sanktionen, freiwillig gekappt werden, gehört zu den nie in Qualitätsmedien diskutierten Absurditäten.
    Wie es einem Land erging, das keine Kredite benötigte, welches ein allgemeines Wohlfahrtsprogramm fuhr, Einwanderungsland für Afrikaner war, welche gar keine Notwendigkeit sahen, weiter über das Meer nach Europa zu gelangen; was einem L...
    21 min
  • Affenpocken treffen unsere Regierenden nicht unvorbereitet | Von Norbert Häring
    Ausbruch wurde schon 2021 geübt
    Ein Kommentar von Norbert Häring.


    Die globale Gesundheitspolitik, eine öffentlich private Partnerschaft aus Pharmafirmen, reichen Stiftungen, den wichtigsten Regierungen und der WHO, überlässt nichts dem Zufall. Der Ausbruch der Affenpocken, der momentan die Schlagzeilen bestimmt, wurde schon im März 2021 auf der Münchener Sicherheitskonferenz als Schreibtischübung geprobt.
    Im September 2021 wurde ein Bericht über die Übung als Broschüre veröffentlicht. Titel: „Strengthening Global Systems to Prevent and Respond to High-Consequence Biological Threats. Untertitel: Results from the 2021 Tabletop Exercise Conducted in Partnership with the Munich Security Conference“.
    Die Liste der teilnehmenden Organisationen und Personen überschneidet sich teilweise mit der von Event 201. Das war die Übung von Oktober 2019, bei der unter anderem geprobt wurde, wie man dafür sorgt, dass während einer covid-artigen pandemischen Atemwegserkrankung nur noch die offiziellen Sichtweisen und Informationen den allergrößten Teil des Publikums erreichen. Das war sehr nützlich und hat während der Corona-Zeit sehr gut funktioniert.
    Dabei waren wieder Dr. George Gao, der Generaldirektor der Gesundheitsbehörde Chinese Center for Disease Control and Prevention (China CDC) und Dr. Chris Elias von der Bill & Melinda Gates Foundation.
    Außerdem dabei waren unter anderem Vertreter von Johnson & Johnson und Merck, der US-Regierung und der WHO, sowie Wolfgang Ischinger von der Münchener Sicherheitskonferenz. Die Bundesregierung war mit einem Vertreter der Behörde GIZ aus dem Entwicklungshilfeministerium vertreten.
    Hinzu kamen Vertreter des Hauptausrichters, der Nuclear Threat Initiative. Das ist eine 2001 gegründete gemeinnützige Organisation, auf deren Fahnen Friedenssicherung steht, durch Verhinderung von Angriffen mit Massenvernichtungswaffen, einschließlich biologischen. Zu diesem Zweck arbeitet sie mit dem US-Militär- und Geheimdienstapparat zusammen.
    Gründer der Initiative war der Medienmogul Ted Turner. Der hatte neben dieser Gründung auch schon die Aufgabe übernommen und bewältigt, die Vereinten Nationen, die von der US-Regierung finanziell ausgehungert wurden, mithilfe einer UN-Stiftung vom Geld der großen internationalen Konzerne und deren Stiftungen abhängig zu machen.
    Zusammen mit der Mitveranstalterin von Event 201, dem Center for Health Security der Johns Hopkins Universität, veröffentlicht die Nucelar Threat Initiative regelmäßig den Global Health Security Index. Dieser Bewertet, wie gut Regierungen (angeblich) auf Pandemien vorbereitet sind. Vor Corona lagen die USA ganz oben auf dieser Rangliste.
    Szenario: Affenpockenausbruch im Mai 2022
    Das Übungsszenario stellte eine globale Pandemie mit einem ungewöhnlichen Stamm des Affenpockenvirus dar, der zunächst in dem fiktiven Land Brinia auftritt und sich schließlich weltweit ausbreitet. Der Angriff mit dem Virus, der sich als Biowaffe von Terroristen herausstellen sollte, war im Szenario für Mai 2022 vorgesehen. Das ist zufällig der Monat im dem sich die Affenpocken tatsächlich in Europa verbreiteten.
    Für die Übenden geht es darum, festzustellen, wie man richtig und wie man falsch darauf reagiert:
    Richtig:


    "Einige Regierungen, haben umgehend aggressive Maßnahmen ergriffen, um die Übertragung des Virus zu verlangsamen, indem sie Massenversammlungen verboten, sozial ablenkende Maßnahmen ergriffen und Maskenverordnungen eingeführt haben. Diese Länder haben auch groß angelegte Tests und Maßnahmen zur Ermittlung von Kontaktpersonen eingeführt und ihre Gesundheitssysteme aufgestockt, um die zu erwartenden steigenden Fallzahlen zu bewältigen.“

    Falsch:


    "Eine andere Gruppe von Ländern, die der Offenhaltung ihrer Wirtschaft Vorrang einräumten, wenig bis gar keine Nichtpharmazeutischen Interventionen (Lockdowns etc.
    10 min
  • Der kranke Mann am Bosporus | Von Christian Kreiß
    Die Türkei als Auslöser der nächsten Finanz- und Wirtschaftskrise?
    Ein Standpunkt von Christian Kreiß.
    Fragestellung
    Weltweit hohe Inflation, steigende Zinsen und sinkende Börsen verheißen nichts Gutes für die Weltwirtschaft. Die Immobilienmärkte sind überhitzt, die Börsen nervös, die Kryptomärkte abgestürzt, die Preise für Energie und Lebensmittel sind dramatisch gestiegen. Die globalen Schulden sind heute so hoch wie noch nie und sowohl absolut wie im Verhältnis zur Wirtschaftskraft deutlich höher als bei Ausbruch der Finanz- und Schuldenkrise 2008. Steht uns eine Marktbereinigung bevor, kommt eine Finanz- und Wirtschaftskrise auf uns zu, eine Finanzkrise 2.0?
    Der Auslöser dafür könnte die Türkei sein.
    Hohe türkische Schulden in Fremdwährung
    Die Türkei hatte Ende März 2022 laut Global Debt Monitor Schulden in Höhe von insgesamt etwa 166 Prozent vom Bruttoinlandsprodukt.1 Im März 2020 waren es noch 144 Prozent gewesen.2 Bei einem BIP von ungefähr 796 Milliarden US-Dollar 20213 hat die Türkei also momentan Schulden in Höhe von etwa 1.320 Milliarden Dollar.


    Nach Berechnungen des Institute of International Finance beliefen sich die Schulden der Türkei in ausländischer Währung Ende März 2022 auf 96,7 Prozent vom BIP. Ende März 2021 waren es noch 87,2 Prozent gewesen.4 Demnach hätte die Türkei momentan Fremdwährungsverbindlichkeiten in Höhe von etwa 770 Milliarden Dollar. Das heißt, wenn die Lira sich abschwächt, wird das Bedienen der Fremdwährungsschulden immer schwieriger.

    Der Absturz der türkischen Lira
    Am 20.Mai 2022 betrug der Wechselkurs der türkischen Lira zum US-Dollar rund 15,9 Lira pro Dollar.5 Vor einem Jahr, am 20.5.2021 lag der Kurs bei etwa 8,4 Lira. Man muss heute also etwa 90 Prozent mehr Lira für einen Dollar bezahlen als vor einem Jahr. Der Wert der Lira hat sich also binnen Jahresfrist beinahe halbiert. Vor fünf Jahren, im Mai 2017 stand die Lira bei rund 3,6. Heute bekommt man also beinahe viereinhalb Mal so viele Lira pro Dollar wie vor fünf Jahren. Anders ausgedrückt: Die Lira hat in den letzten fünf Jahren über drei Viertel ihres Wertes verloren. Für türkische Schuldner, die sich in Dollar verschuldet haben, bedeutet das, dass sie durch den Lira-Absturz heute sehr viel mehr Lira aufbringen müssen, um ihre Schulden zu bedienen. In Lira gerechnet haben sich die Schulden also dramatisch erhöht. Das könnte einige türkische Kreditnehmer in Schwierigkeiten bringen.
    Im Januar 2022 schloss die Türkei zur Stabilisierung der Lira Währungsabkommen mit Abu Dhabi und Katar über insgesamt 15 Milliarden Dollar ab.6 Diese Abkommen dürften letztlich darauf hinauslaufen, dass die Türkei bis zu 15 Milliarden Dollar Kredite bei diesen beiden Staaten zusätzlich aufnehmen und diese Dollar dann in türkische Lira tauschen kann, sodass sich die türkische Währung aufwertet bzw. stabilisiert. Die beabsichtige Stabilisierung der Lira hat erstaunlich gut funktioniert. Nach den Währungsturbulenzen im November und Dezember 2021 bewegte sich die türkische Währung ab Januar 2022 in bemerkenswert ruhigem Fahrwasser. Durch die rasant steigende Inflationsrate von zuletzt 70 Prozent im April 20227 hat die Lira seit März ihren Abwertungstrend allerdings wieder aufgenommen, aber deutlich weniger turbulent als vor den Währungsabkommen. Das Problem: Irgendwann dürften auch diese geliehenen Währungsreserven aufgebraucht sein. Dann dürfte die Lira ihren Sinkflug beschleunigen.


    Ein beträchtlicher Teil der türkischen Fremdwährungsschulden muss innerhalb der nächsten 12 Monate zurückgezahlt werden.

    Nach Angaben der türkischen Zentralbank beliefen sich die kurzfristigen Auslandsschulen, also solche, die innerhalb eines Jahres zurückgezahlt werden müssen, Ende Februar 2022 auf 130 Milliarden Dollar. 8 Vor den Lockdowns, Ende 2019, waren es noch 97 Milliarden Dollar gewesen, ein beachtlicher Zuwachs um über 30 Prozent in gu...
    14 min
  • NRW-Wahl: Das Dilemma der Grünen | Von Ernst Wolff
    Ein Kommentar von Ernst Wolff.
    Die Grünen haben bei der Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen äußerst erfolgreich abgeschnitten. Die Zahl ihrer Wähler hat sich innerhalb von vier Jahren fast verdreifacht. Doch statt in Euphorie zu verfallen, halten sich ihre Spitzenvertreter zurzeit auffallend zurück. Man bekommt fast den Eindruck, das überwältigende Ergebnis im bevölkerungsreichsten Bundesland hätte ihnen die Sprache verschlagen.
    Wieso? Wie kann es sein, dass sich eine Partei über ein solches Wahlergebnis nicht freut?
    Die Antwort ist simpel: Die Grünen befinden sich in einer Art Schockstarre, denn sie haben durch ihre Wahlversprechen in NRW Erwartungen geweckt, die sie niemals erfüllen können und die sich schon sehr bald als Bumerang erweisen und ihren Niedergang einleiten könnten.
    Der gesamte Landtagswahlkampf der Grünen war von dem Bemühen durchdrungen, so gut wie alle aktuellen Probleme auf den Ukrainekrieg zurückzuführen und den Menschen zu suggerieren, man habe die Lage fest im Griff.
    Dabei wurde die tatsächliche Situation im Land in einer nie dagewesenen Weise verharmlost. Zudem wurde eine Vielzahl haltloser Versprechungen gemacht: Man werde die auf uns zurollende Inflation ebenso wie Lieferketteneinbrüche und Nahrungsmittelengpässe beherrschen, den Ukrainekrieg durch die Lieferung schwerer Waffen beenden und durch den Verzicht auf russisches Gas & Öl bis spätestens Jahresende eine neue Ära der Energiepolitik einleiten.


    All das sind so groteske Lügen, dass es sich nicht lohnt, sie einzeln zu widerlegen. Aber es gibt ganz offensichtlich zwei Gründe, warum sie auf fruchtbaren Boden gefallen sind:

    Zum einen haben wir es bei den typischen Grünen-Wählern zwischen 20 und 45 mit einer Generation zu tun, die über sehr wenig geschichtliches und politisches Wissen verfügt und der daher jegliche Orientierung fehlt. Zum anderen geht im Land zurzeit die Angst um.
    Auch die Uninformiertesten merken momentan, dass etwas nicht stimmt, und fürchten sich vor der Zukunft. Aber weil sie uninformiert sind, suchen sie nach einfachen Lösungen und wenden sich zunächst einmal denen zu, die diese versprechen.
    Wenn also der grüne Wirtschaftsminister Habeck behauptet, die Energie-Unabhängigkeit von Russland sei bis zum Jahresende zu schaffen, dann glaubt man ihm – aber nicht aus Überzeugung, sondern aus einer Mischung aus Ahnungslosigkeit und Zukunftsangst.
    Das aber funktioniert nur so lange, bis die Realität die Heilsverkünder einholt und ihre Lügen aufdeckt. Und genau dieser Prozess hat bereits eingesetzt, und zwar mit aller Wucht: Energiekrise, Lieferprobleme und Nahrungsmittelengpässe machen sich ebenso wie die anziehende Inflation immer deutlicher bemerkbar und werden uns in den kommenden Wochen zunehmend härter treffen.
    Verschärft werden die Probleme der Grünen noch dadurch, dass die Medien sie derzeit auch noch in den Himmel loben. Nur zwei Beispiele: Der SPIEGEL nennt Habeck in der vergangenen Woche den „besseren Kanzler“ und Welt-Kolumnist Hendrik Broder outet sich plötzlich als Grünen-Fan.
    Mit Sympathie hat das nichts tun, ganz im Gegenteil: Die Grünen haben in den Augen des digital-finanziellen Komplexes ihre Schuldigkeit getan und werden zurzeit von den Mainstream-Medien eiskalt benutzt, um die große Wende auf der politischen Bühne vorzubereiten. Man kann mit Sicherheit davon ausgehen, dass es wegen der bevorstehenden wirtschaftlichen, finanziellen und sozialen Verwerfungen entweder in diesem Jahr oder spätestens zu Beginn des kommenden Jahres in Deutschland Neuwahlen geben wird und dass die Grünen dann zusammen mit den übrigen Mitgliedern der Ampelkoalition mit großem medialem Aufwand zu Schuldigen für die Misere erklärt und anschließend radikal abserviert werden.


    Wer dann kommen wird, dürfte jetzt schon klar sein: Die CDU hat mit dem BlackRock-Mann Friedrich Merz ja ganz sicher nicht zufällig einen direkt...
    5 min
  • Gedankenknoten – Naturphilosophie 03 | Von Bernd Lukoschik
    Gedankenknoten sind kleine Texte, die philosophische Probleme erörtern, Fragestellungen aufwerfen und den Leser ins Grübeln bringen. Vom Altertum bis zur Moderne werden Begriffe besprochen, die zum Hinterfragen anregen und das philosophische Problematisieren schulen.
    Das Thema heute: Naturphilosophie
    Welle oder Teilchen? (1) – das philosophisches Rätsel der Mikrophysik
    Über diese Frage nach der Natur der Elementarmaterie haben sich die klügsten Physiker den Kopf zerbrochen. Beantwortet ist sie bis heute nicht.
    Das Problem lässt sich gut am Doppelspaltexperiment illustrieren: Ein „Teilchen“-Strahl – z. B. Elektronen oder Licht – wird auf einen Bildschirm gerichtet (es ist unklar, ob es sich um Teilchen handelt, daher die An- und Abführungen). Jedes Auftreffen dort gibt sich durch einen winzig kleinen hellen Fleck kund. Das lässt vermuten, dass es sich bei den „Teilchen“ tatsächlich um Teilchen, die einen festumrissenen Raum einnehmen, handelt, also um klassische Dinge wie Murmeln oder Tennisbälle, nur eben sehr viel kleiner.
    Zwischen „Teilchen“-Quelle und Bildschirm werde nun ein weiterer Schirm positioniert, der mit zwei sehr eng nebeneinander angeordneten Spalten versehen ist. Um den erstgenannten Schirm zu erreichen, muss die Materie, wenn beide Spalten geöffnet sind, also den einen oder den anderen Spalt passieren.
    Angenommen, wir lassen in einem ersten Experiment einmal den linken Spalt bei geschlossenem rechtem, dann den rechten bei geschlossenem linkem Spalt geöffnet und schicken jeweils „Teilchen“ hindurch. Dann wird sich direkt hinter jedem Spalt eine hohe Fleckendichte auf dem Bildschirm bilden, die sich vom jeweiligen Spalt weg abschwächt. Durch Überlagerung der Flecken zwischen den Spalten entsteht eine besonders große Anhäufung von Flecken, sodass wir im Endeffekt folgende Fleckenverteilung auf dem Bildschirm erhalten: zwischen den Spalten am dichtesten, sehr dicht noch direkt hinter den Spalten und dann nach außen hin von den Spalten weg stark abnehmend.
    In einem zweiten Versuch werden beide Spalten geöffnet. Wir erwarten dieselbe Fleckenverteilung wie im vorangegangenen Versuch bei immer nur einem geöffneten Spalt.
    Das Überraschende ist: Es entsteht eine völlig andere Dichteverteilung der hellen Punkte! Ein sogenanntes Interferenzmuster, eine Vielzahl paralleler heller Streifen, die in der Mitte noch sehr hell sind, nach außen hin in ihrer Helligkeit jedoch abnehmen.
    Wie ist das möglich?
    +++
    Wir danken dem Autor für das Recht zur Veröffentlichung des Beitrags.
    +++
    Bildquelle: Anastasios71 / shutterstock
    3 min
  • Der große Neustart | Von Gustav Viktor Śmigielski
    Ein Standpunkt von Gustav Viktor Śmigielski.
    Überlassen wir den Wandel nicht den Eliten, die diesen durch ihr verantwortungsloses Agieren erst notwendig machten.

    Hinweis zum Beitrag: Der vorliegende Text erschien zuerst im „Rubikon – Magazin für die kritische Masse“, in dessen Beirat unter anderem Daniele Ganser und Hans-Joachim Maaz aktiv sind. Da die Veröffentlichung unter freier Lizenz (Creative Commons) erfolgte, übernimmt apolut diesen Text in der Zweitverwertung und weist explizit darauf hin, dass auch der Rubikon auf Spenden angewiesen ist und Unterstützung braucht. Wir brauchen viele alternative Medien!

    Jeder Mensch, der halbwegs bei Bewusstsein ist, hat schon einmal etwas vom „Great Reset“ gehört, dem Plan der herrschenden Klasse, eine noch effizientere und für den Planeten angenehmere Form menschlicher Existenz zu erschaffen — so würde es die PR-Abteilung des Weltwirtschaftsforums (WEF) formulieren. An so einem edlen Ziel ist nichts auszusetzen und der Autor glaubt, dass die Elite tatsächlich besorgt über den Zustand des Planeten ist. Er bezweifelt jedoch, dass diese sich jemals eingestehen wird, dass im großen Maße ihr eigenes Handeln diesen Zustand hervorgebracht hat. Obwohl sie die Macht hatte, die Geschicke der Menschheit in die richtige Richtung zu lenken, tat sie es nicht, und es wäre naiv zu glauben, sie täte es dieses Mal. Die Veränderung muss aus der Gesellschaft kommen.
    „Du wirst nichts besitzen und du wirst glücklich sein.“
    Im Werbevideo des WEF mit acht Vorhersagen/Voraussagen für das Jahr 2030 steht diese „Prophezeiung“ an erster Stelle.
    Ich erachte Eigentum als eine Illusion und habe mit dieser Aussage kein Problem, doch in diesem Video wird gleich im zweiten Satz eine Behauptung aufgestellt, welche die angestrebte Gesellschaftsform zumindest zum Teil offenbart: Alles, was ich haben will, werde ich mieten müssen. Mieten? Von Wem? Wer wird dieses Etwas besitzen, das ich mieten soll?
    Wenn wir uns die Geschichte der Menschheit anschauen, werden wir nur sehr selten von Fällen lesen oder hören, in denen mächtige und materiell wohlhabende Menschen ihren Besitz freiwillig dem Allgemeinwohl spendeten. Und so drängt sich der Verdacht auf, dass diese Form von Werbung nur sehr unwahrscheinlich in Monaco zu sehen sein wird und sie sehr wahrscheinlich auch nicht an die dortigen Besitzer von Hundert-und-mehr-Meter-Jachten gerichtet ist.

    Sie ist vielmehr an den Teil der Bevölkerung gerichtet, der noch etwas besitzt, im kapitalistischen Hamsterrad gefangen ist und ständig mit der Angst lebt, noch das wenige zu verlieren, das es besitzt.
    Um etwas Licht ins Dunkle zu bringen, müssen wir uns nur die propagierten Strukturen genauer ansehen. Soll es eine Hierarchie geben? Wie viele Stufen hat diese Hierarchie? Wie wird sie organisiert? Streng hierarchisch organisierte Gesellschaften werden immer wieder genau dieselben Ergebnisse liefern wie bisher. Sowohl in kapitalistisch als auch sozialistisch organisierten Gesellschaften entstanden bisher immer Hierarchien der Macht, welche auch gleich den Keim ihres eigenen Untergangs bargen.
    Das WEF propagiert weiterhin eine hoch hierarchisierte Gesellschaft, in der die mächtigsten Akteure entscheiden, wie sich die Gesellschaft entwickeln soll — und zwar fernab demokratischer Prozesse. Es soll zementiert werden, was sowieso schon stattfindet.
    Die Klasse der Eigentümer will ihren Einfluss über die ihnen gehörenden Konzerne ausbauen und ihn quasi legal werden lassen. Dafür lässt sie neue verwirrende Begriffe wie „Multistakeholder-Governance“ erfinden, welche nett klingen, aber ihren Einfluss verschleiern sollen. Der Konsens, welcher eigentlich durch demokratische Prozesse entstehen soll, wird damit ausgehebelt. Anstatt dass „die Mächtigen“ eine Stimme zur Wahl haben, wie sie jeder andere Mensch innerhalb einer Bevölkerung auch hat, hieven sie sich direkt auf Augenhöhe von ganzen Staate...
    14 min
  • Die braunen Streifen eines Hamburger Nachrichtenmagazins | Von Hermann Ploppa
    Der Spiegel bedient sich einer extrem grobschlächtigen Kriegsrhetorik und diffamiert Kritiker der mentalen Aufrüstung als „Putin-Marionetten“. Dabei müsste dieses Presseorgan aufgrund eigener geschichtlicher Altlasten eigentlich etwas zurückhaltender agieren.
    Ein Kommentar von Hermann Ploppa.
    Nun gut. Der Dritte Weltkrieg nimmt gerade Fahrt auf. Da ist jetzt grober Fettdruck in den Medien gefragt, und nicht unbedingt der Feinstift differenzierter Analysen. Um die eigenen Kriegsrecken in Stimmung zu bringen, muss man als Kriegstreiber eskalieren und polarisieren. Das ist vermutlich auf beiden Seiten der Schützengräben absolut gleich. Da sind wir jetzt mal nicht so zimperlich, oder?
    Die so genannten Mainstream-Medien sind allerdings in ihrem Tonfall schon vor dem Krieg gegenüber Russland deutlich roher und primitiver geworden. Schon seit Jahreswechsel zierten beleidigende Zerrbilder des russischen Regierungschefs Wladimir Putin die Titelseiten westlicher Druckerzeugnisse. Personalisierung des Aggressionsopfers: Putin mit seinen goldenen Klobürsten. „Der Russe“ lauert wieder mit seiner mongoloiden Fratze übergroß hinter dem Horizont. Und Russen in Deutschland sind allesamt heimliche Agenten Moskaus <1>. Was wir seit Jahrzehnten von einem Boulevardblatt mit den vier großen Buchstaben geboten bekommen, spottet jeder Beschreibung und ist eine Art Markenzeichen geworden. Allerdings überbieten sich jetzt in Zeiten des Krieges auch die so genannten „Premiumzeitungen“ darin, wer am vulgärsten und primitivsten schreibt. Das umfasst auch persönliche Diffamierungen. Da wird der französische Politiker Jean-Luc Melenchon als „Demagoge“ diffamiert und es schüttelt die Spiegel-Autoren ob der Potentiale dieses Vollblutpolitikers: „Linksradikaler, Deutschlandhasser, EU-Gegner: Jean-Luc Mélenchon tritt mit einem Bündnis aus Kommunisten und Grünen zur Parlamentswahl an. Sein Ziel ist der Bruch mit dem System.“ <2> Natürlich sind diese verbalen Entgleisungen absolut substanzfrei <3>. Aber der Ruf des Hamburger Nachrichtenmagazins ist schon lange ruiniert, und entsprechend ungeniert lebt es sich jetzt in den norddeutschen Redaktionszellen. Man fragt sich, wenn man durch die Hamburger Nordweststraße spaziert angesichts des gigantischen Gebäudekomplexes, in dem der Spiegel seine Herberge gefunden hat:


    „Wozu brauchen die so viele Räume? Was der Spiegel aktuell in die Öffentlichkeit absondert, das könnten vier bis fünf alkohol- und nikotingetränkte Wutbürger im Hinterzimmer einer Altonaer Eckkneipe nicht schlechter hinbekommen.“

    Nehmen wir ein konkretes Beispiel. Ein Erguss von Spiegel TV. Titel: „Putins Propaganda-Marionetten in Deutschland“ <4>. Es sei vorausgeschickt, dass die journalistische Unabhängigkeit des Spiegel hinterfragt werden darf. Zunächst einmal lebt der Spiegel nicht in erster Linie von den Verkaufserlösen des Blattes. Wichtiger sind die Anzeigenkunden für die Finanzierung. Und was eine Zeitung für ihre Werbeseiten an Geld verlangen kann, richtet sich wiederum danach, wie hoch die Auflage der Zeitung ist. Noam Chomsky hat es einmal auf den Punkt gebracht:


    Die Zeitungsverleger verkaufen ihre Leser an die Anzeigenkunden.

    Das ist der eigentliche Produktpreis. Nun reichen aber auch die Werbeeinnahmen seit Jahren immer weniger aus, um die Kosten zu decken. Also bezuschusst die Bundesregierung die privaten Medien. Und der Spiegel hat bis zum November letzten Jahres bereits 5.437.294 Dollar von der Bill and Melinda Gates-Stiftung erhalten <5>. Und weitere 2,9 Millionen Dollar sollen in der nächsten Zeit auf die Hamburger Zeitungsmacher vom guten Oligarchen Bill Gates herabregnen <6>. Diese beeindruckenden Zahlen muss der Autor dieser Zeilen wohl nicht weiter kommentieren. Es sei nur so viel gesagt: im englischsprachigen Raum wird der bedenkliche Übergang von Presse zur puren Prostitution mit dem Kofferwort presstitution schon seit längerem tref...
    20 min
  • Gender-Ideologie und Transhumanismus | Von Paul Soldan
    Ein Standpunkt von Paul Soldan.
    Ist die Gender-Ideologie eine versteckte psychologische Vorbereitung auf den Transhumanismus?
    Was ist die größte Angst des Menschen? Die Angst vor dem Tod? Die Angst vor Krankheit? Die Angst vor Krieg? Womöglich aber auch die Angst, nicht das allmächtigste Wesen des Universums zu sein, wodurch er sein Alleinstellungsmerkmal verlieren würde. Oder ist es die Angst, die Grenzen der Natur nicht überwinden zu können und damit auf immer ein „fehlerhaftes“ Wesen bleiben zu müssen? Der Transhumanismus scheint einen Ausweg aus all diesen Ängsten bieten zu können.
    Die Verschmelzung von Mensch und Technologie – die Überwindung des Menschlichen hin zum Übermenschlichen – soll diese unvollkommene Spezies endlich vollkommen machen. Naturgegebene Grenzen müssen zukünftig nicht mehr akzeptiert werden.


    Dort, wo die Biologie „Stopp“ sagt, reagieren Wissenschaft und Technik mit „Los“. Das fehlerbehaftete Wesen „Mensch“ kann dadurch nicht nur übermenschlich werden, sondern sogar gottgleich und damit die Schöpfung in den eigenen Händen halten.

    Diesem Traum: der Loslösung, ja, der Befreiung des Menschen von seinem biologischen Körper, der Einleitung des posthumanen Zeitalters hin zum göttlichen muss sich nun alles unterordnen. Damit eines Tages nicht nur die Lebensspanne erweitert, sondern der Tod als solcher überwunden werden kann. Dies wird die Ära des neuen perfekten Menschen!
    Perspektivwechsel
    Angesichts all dieser hinter Euphemismen verpackten Allmachtsfantasien stellt sich die Frage, was die transhumanistische Entwicklung eigentlich konkret bewirkt. Den Förderern und Gestaltern dieser Ideologie gibt sie freilich das Gefühl eines Schöpfers, eines Gottes; alles wäre demnach form- und veränderbar, es wäre der Weg hin zur absoluten Kontrolle. Was bewirkt diese Entwicklung aber bei denjenigen, die nicht zu den Gestaltern der neuen transhumanistischen Welt gehören, sondern bei jenen, die gestaltet werden? Sollte es tatsächlich eines Tages ganz natürlich sein, Menschen technologische Bausteine zu implementieren, werden aus ihnen nämlich keine Götter, sondern biologisch-technische Hybride, kurz: Cyborgs.
    Ein Cyborg ist am Ende nichts anderes als ein Bio-Roboter. In Vollendung würde dieser keine Persönlichkeit und keine Individualität mehr benötigen. Weder besäße er einen freien Willen, noch wäre er Herr über sich und seinen Körper. Persönliche Entscheidungen würden ihm von der Technik abgenommen werden; Kommunikation erfüllte nur noch eine rein technische Aufgabe, jedoch keine soziale mehr. Mimik und Gestik, Emotionen und auch Wünsche wären für einen Bio-Roboter überflüssig, ebenso wie Geschlechter; die Fortpflanzung würde dann ohnehin außerhalb des Körpers stattfinden. Letztlich existierte er nur noch zum Zweck, Aufträge zu empfangen und auszuführen. Denkt man diese „Cyborgisierung“ des Menschen konsequent zu Ende, käme etwa solch eine seelenlose Kreatur dabei heraus. Der Transhumanismus hat somit nicht die Verbesserung – im Sinne von tatsächlicher Weiterentwicklung – des Menschen im Sinn, sondern die Entmenschlichung des Menschen: die Entfremdung von seiner natürlichen Beschaffenheit auf sämtlichen Ebenen. Denn der „alte“ Mensch ist nun einmal ein Wesen der Natur. Und hinter dem Versuch, ihn von dieser zu entkoppeln, steht eindeutig eine antihumanistische Haltung.
    Cyborgisierung des Menschen
    Die technische Cyborgisierung – also die unmittelbare Verschmelzung von Mensch und Technik – ist zwar noch nicht so weit fortgeschritten wie die psychologische, jedoch ist davon auszugehen, dass diese in den kommenden Jahren mit Siebenmeilenstiefeln voranschreiten wird. Die psychologische Cyborgisierung – also die Umprogrammierung von Gefühls- und Geisteswelt – wird dagegen bereits seit Längerem praktiziert. Diese geschieht subtil und im Verborgenen. Sie zielt auf das menschliche Unterbewusstsein und Verhalten ab,
    17 min
  • Volodimir Zelensky schlägt Josef Goebbels | Von Rainer Rupp
    Ein Kommentar von Rainer Rupp.
    Eine Volksverdummung in diesem Ausmaß ist nicht einmal Adolf Hitlers weltbekanntem Reichspropagandaminister Josef Goebbels gelungen, und der konnte bekannter Weise dem deutschen Volk die dicksten Lügen aufbinden. Sein Trick zum Erfolg: Die Unwahrheit musste auf allen Kanälen nur oft genug und widerspruchslos wiederholt werden! Aber nun ist Goebbels, der bisher unangefochtene Meister seines Fachs, von seinen gelehrigen Studenten in der ukrainischen Regierung, angeführt von Präsidenten Volodimir Zelensky, übertroffen worden.
    Zelensky Meisterwerk war, den Westmedien die bedingungslose Kapitulation des heroisierten faschistischen Asow-Bataillons in Mariupol als Evakuierung zu verkaufen, die von Regierungsseite geplant war. Dabei geht es um die knapp zweitausend Fascho-Kämpfer, die sich mit zivilen Geiseln in den Kavernen der weitläufigen, unterirdischen Bunkeranlagen des riesigen Asow-Stahlwerks in Mariupol über zwei Monate lang verkrochen hatten. Nachdem sie die zivilen Geiseln, die die heroischen Kämpfer als Schutzschilde gewaltsam entführt hatten, gegen Lebensmittel, Wasser und Medikamente eingetauscht und frei gelassen hatten, verharrten sie – militärisch vollkommen sinnlos – weiterhin in den Bunkern unter dem Stahlwerk.
    Da die Stadt Mariupol samt Umgebung bereits mehrere Wochen vollkommen von ukrainischem Militär, also von regulären Soldaten und auch von faschistischen Freiwilligen, gesäubert worden war, war das Ausharren in den Bunkern militärisch vollkommen sinnlos. Denn dadurch wurde nur noch eine kleine Gruppe von russischen Soldaten vor Ort blockiert, gerade genug, um einen etwaigen Ausbruch der Faschisten zu verhindern. Das Gros der russischen Kampftruppen war längst weitergezogen, um die Kessel im Donbass, in denen die Hauptstreitmacht der ukrainischen Armee eingeschlossen ist, noch fester zuzuziehen.


    Wahrscheinlich lag der Grund für das weitere Ausharren der eingeschlossenen ASOW-Kämpfer nicht in irgendwelchen Heldenposen, welche ihre politischen Herren in Kiew propagandistisch ausgeschlachtet und einen Heldenmythos über die „Männer aus Stahl“ gesponnen haben. Vielmehr dürfte es die pure Angst gewesen sein, welche Strafen ihnen wegen ihrer Kriegsverbrechen nach der Kapitulation von russischer Seite drohen.

    Als die ersten ASOW-Kämpfer zuerst in einer kleinen Gruppe von zwanzig Mann aus ihren Löchern im Stahlwerk gekrochen kamen und die die russischen Berichte über diese Entwicklung die Regierung in Kiew alarmierten, regierte diese auf verblüffende Weise: Sie tat einfach so, als habe sie das alles arrangiert. Noch spät in derselben Nacht am 16. Mai verlas Präsident Zelensky eine Video-Botschaft an die Welt, in der er behauptete, dass ukrainische Militär- und Geheimdienstunterhändler, sowie das Rote Kreuz und die Vereinten Nationen die Evakuierung der ASOW-Helden orchestriert hätten, was natürlich vollkommen aus der Luft gegriffen war. Wörtlich fuhr er fort, „Die Ukraine braucht ihre Helden lebend!“ Zugleich aber räumte er ein, dass die ukrainischen Kämpfer „möglicherweise nicht sofort freigelassen werden“, und fügte hinzu, dass Verhandlungen über ihre Freilassung "Feingefühl und Zeit" erfordern würden.
    Wenn auch weniger bedeutsam, so war die Lage der Faschisten im Asow-Stahlwerk zum Ende hin vergleichbar mit der Lage der 6. Armee der deutschen Wehrmacht zum Ende der Schlacht von Stalingrad im Februar 1943. In beiden Fällen war die Lage hoffnungslos. Oberbefehlshaber General Paulus hatte in Stalingrad nur noch die Wahl zwischen der Kapitulation und der Verurteilung seiner Soldaten zum unabwendbaren Tod durch Erfrieren, Hunger und Krankheiten. Paulus kapitulierte, Hitler tobte, Göbbels ordnete Staatstrauer an.
    Wenn Göbbels nur von Zelensky hätte lernen können, dann wäre ihm die Blamage der Anordnung der Staatstrauer erspart geblieben. Denn dann hätten die deutschen Volksempfänger-Radios die Meldung verbreiten könne...
    16 min
  • Geschichten aus Namibia | Von Jochen Mitschka
    Langsam hält der Alltag Einzug
    Ein Standpunkt von Jochen Mitschka.
    Wer die Heuchelei, die Lügen der Medien und Politik und die Bekämpfung von Andersdenkenden, gerne auch als Querdenker beschimpft, nicht mehr erträgt, überlegt, Deutschland zu verlassen. Da wir schon in Asien viele Jahre verbrachten, und ein Land suchten, in dem wir keine neue Sprache lernen müssen, ein Land, welches, jedenfalls zur Zeit grundlegend Meinungsfreiheit gewährleistet, wählten wir Namibia. Nachdem wir nun langsam im Alltagsleben von Namibia ankommen, hier einige Geschichten, die vielleicht für jene, welche in Deutschland über das Weggehen nachdenken, hilfreich sein können.
    Warum Namibia?
    Namibia, das sollte man nicht vergessen, ist, von der Größe der Bevölkerung und der Wirtschaftskraft her gesehen, ein winziges Land, das immer noch eindeutig ein Entwicklungsland ist. Es spielt praktisch keine Rolle im geopolitischen Schachspiel der Eliten, wenn doch, höchstens als Bauernopfer. Es ist weit weg von Deutschland, auch wenn gefühlt jeder dritte Gesprächspartner, egal welche Hautfarbe er hat, Deutsch spricht, wird die Distanz zur deutschen Politik erleichtert. Auch und gerade weil hier andere Probleme bestehen, hilft es, das, was in Deutschland passiert, leichter zu ertragen. Ganz besonders, wenn man sieht, welche Lebensumstände viele Menschen in Namibia haben, wovon man etwas mehr in diesem Beitrag hören wird.
    Auch die Tatsache, dass es in Namibia, wie überall auf der Welt, Vetternwirtschaft und Korruption gibt, ist leichter zu ertragen. Namibia ist ein sich erst entwickelnder Staat, während Deutschland zu jenen heuchlerischen Ländern gehört, welche einst diesen Staaten die „Zivilisation“ bringen wollten. Nun hat Deutschland für jene, die es sich leisten können, alles was das Konsumentenherz begehrt, eine Grundversicherung für alle, egal wie niedrig oder umstritten sie auch sein mag, aber lebt mit der Lüge, eine pluralistische Demokratie zu sein.
    Der grüne Daumen
    Natürlich gibt es ein großes Gartencenter mit allen denkbaren Pflanzen in Swakopmund. Aber interessanter war der Besuch in einem „Garten“, den eine Frau in einer der informellen Siedlungen angelegt hatte.
    Monika (den Namen habe ich geändert) lebt in einer Siedlung in der Nähe des kleinen Flugfeldes von Swakopmund in einer provisorischen Hütte ohne Strom und Wasser. Sie brachte uns zu einer Freundin, die tagsüber einen Kinderhort für die Menschen in den provisorischen Siedlungen organisiert, damit diese ihre Vorschulkinder tagsüber gut versorgt wissen, während sie ihrer Arbeit nachgehen.
    Von dort fuhren wir dann ein paar hundert Meter tiefer in die „Siedlung“ hinein. An der Hauptstraße stehen Straßenlaternen, die ein gewisses Licht in der Nacht gewährleisten, und Wasserzapfstellen. Aber je tiefer man in die Siedlung kommt, desto enger werden die Straßen. Dann ging es nicht mehr weiter. Durch einen Gang, den man nur seitlich gehend durchqueren konnte, gelangte man dann in eine Art Innenhof, der mit einem Netz überdeckt war, damit die Sonne nicht unmittelbar auf den Boden brannte.
    Dann wurden Reihen von Pflanzen, meist in Plastiktüten, sichtbar. Gemüse, Chili und mir unbekannte Pflanzen standen in einem Gebiet von ca. 100 qm. Die Gärtnerin bedauerte, dass man zuletzt einige der Pflanzen gestohlen hatte. Ich kaufte dann 10 Chilischoten für 10 N$ und ließ mir erklären, wie sie es schaffte, die Pflanzen auf dem Sandboden zu züchten.


    Stolz zeigte sie mir ihre Wurmzucht. Mit ihr, so erklärte sie, machte sie aus dem Land Pflanzerde. Sie sucht Dung von Springböcken, gibt etwas Gemüsereste vom Essen dazu und lässt die Würmer „Erde“ produzieren.

    Wasser sammelte sie als Kondenswasser, das sich am Morgen an einer Folie niederschlägt, und trägt sie die 100 Meter von der öffentlichen Zapfstation bis zu ihrem Garten. Das Wasser sei ein großer Kostenfaktor sagt sie bedauernd.
    15 min

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das denk' ich auch