apolut Podcast Archive - apolut.net

apolut Podcast Archive - apolut.net

Download on the App Store

apolut Podcast Archive - apolut.net episodes

  • Der Weg zum Climategate-Skandal (2 von 3) | Von Markus Fiedler
    Das Hockeyteam und seine Datenmassagen für den Hockeystick
    Teil 2 von 3
    Ein Standpunkt von Markus Fiedler.
    Wunschkonzert beim IPCC
    Kann es wirklich sein, dass der Weltklimarat gar nicht umfassend sondern nur selektiv Berichte in seine zusammenfassenden Klimaberichte aufnimmt? Das klingt unglaublich und wäre das Gegenteil von ergebnisoffener Forschung.
    Zum dritten Sachstandsbericht aus dem Jahr 2001 wird vom einigen Autoren ein noch viel schwerwiegenderer Vorwurf erhoben. Dieser lautet, dass der IPCC bereits im Vorfeld eine Idee gehabt hätte, wie der Bericht ausfallen sollte. Es sollen konkret Forscher beauftragt worden sein, bestimmte Passagen des Berichts auszuformulieren, weil man gewusst habe, dass diese Forscher in etwa das vertreten, was vom IPCC gewollt war.(1) Ein schwerwiegender Vorwurf, der von „Climate Discussion Nexus“ (CDN) erhoben wird.
    Eine Person wurde hier konkret benannt. Die Rede ist von Michael E. Mann, dem Mann, der im Jahr 1998 mit Kollegen die berühmt-berüchtigte Hockeystickkurve erstellt hat.
    Diese Hockeystickkurve von Mann, Bradley und Hughes basierte u.a. auf sogenannten Proxydaten aus Baumringen, Korallen und Eisbohrkernen. Man versucht aus dem Wuchs von Bäumen und Daten aus Korallen und Gletschern herauszulesen, wie sich die Temperaturen in der Vergangenheit entwickelt haben. Es handelt sich dabei um sogenannte Proxydaten. Diese sind je nach Analysemethode mehr oder minder genau. Temperaturmessungen aus Eisbohrkernen auf Basis der Konzentration eines Sauerstoffisotops 18O im Verhältnis zum normalen Sauerstoff 16O erbringen sehr genaue Ergebnisse.
    Allerdings ergeben sich bei Baumringdaten massive Probleme. Die Wachstumsgeschwindigkeit von Bäumen ist keineswegs monokausal auf den Temperaturverlauf sondern insbesondere auch auf Wasserversorgung, Lichtintensität bzw. -qualität und Nährsalze wie Nitrate und Phosphate zurückzuführen. Und nicht zuletzt führt eine höhere Kohlenstoffdioxidkonzentration zu einer höheren Photosyntheseleistung und damit auch zu vermehrtem Wachstum der Bäume. Es gab neben dem Hockeystick der Forscher Mann, Bradley und Hughes auch andere Baumring-Daten, z.B. eine Temperaturkurve von Keith Briffa, die sich in wesentlichen Bereichen von Manns Kurve unterschied.(2)
    Der Temperaturverlauf der Kurve von Michael E. Mann und Kollegen zeigte eine nahezu gleichbleibend niedrige Temperatur mit leicht abnehmender Tendenz zwischen 1000 nach Christus und etwa 1900. Ab dort stiegen die Temperaturdaten schlagartig an. Die Temperaturkurve folgte dabei dem Profil eines liegenden Hockeyschlägers. Daher der Spitzname. Schon früh nach der Publikation des „Hockeysticks“ kamen Zweifel an der Korrektheit der zugrunde liegenden Daten auf.
    Der Climategate Skandal
    Der Mathemathiker Steven McIntyre beschäftigte sich etwa ab dem Jahr 2003 mit der Hockeystickkurve und versuchte erfolglos, das Diagramm auf Basis der vorhandenen Daten zu reporduzieren. McIntyre bat das „Hockeyteam“ um weitere Daten. „Hockeyteam“, so nannte man inzwischen mit Spitznamen die Arbeitsgruppe um Michael E. Mann und Kollegen. Ein wichtiger Akteur im Hockeyteam war Phil Jones, Leiter der „Climate Research Unit“ (CRU) an der East Anglia-University in Ost-England. Laut Steven McIntyre habe das Hockeyteam Anfragen abgeblockt. Er sei hingehalten worden, habe zunächst einen falschen bzw. unvollständigen Datensatz bekommen.
    Michael E. Mann widerspricht dem und sagte, es seien Daten geliefert worden. Es findet sich im Netz ein FTP Verzeichnis mit Roh-Daten zum Hockeystick aus dem Jahr 2005.(3) (4) In wie weit dieses Verzeichnis vollständige Datensätze enthält,
    28 min
  • Die verordnete Verwahrlosung | Von Hermann Ploppa
    Ein Kommentar von Hermann Ploppa.
    Der Begriff „Verwahrlosung“ wurde früher auf Personen angewandt, die sich komplett gehen ließen und keine Struktur mehr in ihr Leben bringen konnten oder wollten. Doch was ist, wenn eine ganze Elite verwahrlost? Und wenn dabei die gesamte Gesellschaft in Mitleidenschaft gezogen wird?
    Zurück in Deutschland. Vorher zwei Wochen Urlaub in Kroatien und Montenegro. Wunderschöne Ausblicke. Klar. Das ist Urlaubs-Disneyland. Jetzt können wir wieder heizen auf bayerischen Autobahnen.
    Doch schnell ist das Vergnügen zu Ende. Die Autobahn A3 zwischen Nürnberg und Würzburg ist komplett gesperrt. Wir dürfen uns über siebzig Kilometer auf Bundesstraßen und geschlossene Ortschaften quälen. Mitten in der Nacht. Nun müssen wir auch noch tanken. Auf der Tankstelle bietet sich uns ein bizarres Sozial-Gemälde. Die Kassiererin dieser Tankstelle ist total aufgedonnert und ihr Verhalten erinnert an professionelle Damen. Ich muss übrigens ein Euro sechsundneunzig für den Liter Benzin berappen. In Kroatien habe ich für die selbe Flüssigkeit lediglich 1,58 Euro bezahlen müssen, und das zu jeder Tages- und Nachtzeit. In Ungarn kostet der Liter Superbenzin 95 lediglich 1,34 Euro. Der Preis wird nämlich in diesen kleinen machtlosen Ländern von der Regierung festgelegt. Und offensichtlich können die Ölkonzerne auch damit sehr gut leben. Doch die erheblich mächtigere deutsche Bundesregierung sieht keinen Handlungsbedarf, die ökonomisch in keiner Weise zu begründenden Wucherpreise zu deckeln. Die Tankstelle hier in der fränkischen Provinz ist offensichtlich der Treffpunkt für junge Männer mit bayrischen Luxuskarossen mit bulgarischen Kennzeichen. Diese gut genährten Könige des roten Lichts scheinen sich hier zu einer improvisierten „Fachkonferenz“ zusammengefunden zu haben.
    An einer weiteren deutschen Tankstelle haben parkende LKWs einfach die Zufahrtswege gesperrt. Während hunderttausende Güterwaggons auf Abstellgleisen vor sich hin rosten, finden die neu zugelassenen Sattelschlepper keinen Parkplatz mehr. Die aus allen Teilen Osteuropas rekrutierten LKW-Fahrer schlafen hier dem Sonntagabend entgegen. Dann dürfen sie endlich weiterfahren. Hunderttausende isolierte, mit Schoka Kola und Red Bull wach gehaltene Männer sausen in alle Himmelsrichtungen. Völlig einsam. Sehen Frau und Kinder nur gelegentlich.
    Wir sind wieder in Deutschland. Wir lieben dieses Deutschland. Denn es ist trotz seines unberechenbaren Wetters unendlich schön mit seinen alten Städten und dieser abwechslungsreichen Landschaft. Aber was ist hier seit einigen Jahren los? Die Menschen sind genervt. Am Limit. Ausgebrannt und in der inneren Kündigung. Wer kann, wandert aus. Es ist wirklich seltsam. Nichts geht mehr.
    Beruf: Stau-Bildner
    Fangen wir mit dem Verkehr an. Man könnte versucht sein zu glauben, die Planer dieser Verkehrskatastrophe hätten sich in den Kopf gesetzt, die Nerven ihrer Landsleute nach allen Regeln der Kunst zu piesacken. Da werden andauernd neue Baustellen auf den Fernstraßen aufgemacht. Die Sperren sind schon lange da. Die entsprechenden Baumaschinen lassen allerdings Monate auf sich warten. Und wenn die Baumaschinen dann endlich da sind, passiert deswegen doch noch lange nichts. Im heiteren Beruferaten können wir den Beruf des „Stau-Bildners“ ausfindig machen. Es scheint in deutschen Amtsstuben viele solcher gut besoldeter Stau-Bildner zu geben. Und die Leistungen dieser ehrenwerten Amtsmänner können sich sehen lassen. Im Jahre 2020 gab es immerhin 513.500 Staus in Deutschland, mit einer Stau-Länge von stolzen 659.000 Kilometern. Wir verbrachten als Kollektiv 256.000 Stunden, also 29 Jahre in deutschen Staus! <1> Was hätten wir in dieser Zeit alles machen können. Vielleicht haben wir auch noch das Glück, an einer Performance der Klimakleber als Opfer teilnehmen zu dürfen,
    16 min
  • Der Weg zum Climategate-Skandal (1 von 3) | Von Markus Fiedler
    Teil 1 von 3
    Ein Standpunkt von Markus Fiedler.
    Die Vorgeschichte, Weltklimarat, WWF und Eugeniker
    Der Climategate-Skandal beschreibt eine konzertierte Panikmache, unlautere Datenmassagen und die Unterdrückung wissenschaftlicher Erkenntnisse der Klimaforschung.
    Im Zentrum dieses Skandals stehen der Weltklimarat (IPCC) und die Wissenschaftler Michael E. Mann, Phil Jones und Keith Briffa. Letzterer ist allerdings nur Zaungast bei diesem Spektakel. Der Wissenschaftler Briffa hat lediglich Daten veröffentlicht, die anderen Daten widersprachen. Dieses Problem wurde ohne seine Zustimmung in verschiedenen Veröffentlichungen und im IPCC Annunal Report 3 versteckt. In diesem Zusammenhang wurden die Zitate „Hide the Decline“ („verstecke die Abnahme“), „Mikes Trick“ und „censored data“ („zensierte Daten“) weltberühmt.
    Die konzertierte Täuschung der Öffentlichkeit über den sogenannten „Hockeystick“ mittels Datenweglassungen und seltsamer Datenverarbeitung wird aber nach anfänglich korrekter Berichterstattung in den Jahren 2009 und 2010 seit nunmehr etwa 10 Jahren von den Leitmedien als „künstlicher Skandal“ umetikettiert. Bei dieser Desinformationskampagne hilft die Wikipedia fleißig mit. Nicht mehr im Fokus stehen die unlauteren Datenmassagen, sondern der böse Hacker der diese ans Tageslicht brachte. Das Motto der Medien lautet: „Kill the Messenger“.
    Der Weltklimarat und seine Prognosen
    Das IPCC, der Intergovernmental Panel on Climate Change oder auch „Weltklimarat“ ist in der öffentlichen Wahrnehmung eine Dachorganisation zum neutralen Sammeln von wissenschaftlichen Daten zum Klimawandel. Das klingt nett. Stimmt aber nicht.
    ARD-Report München sagte hierzu im Jahr 2007:


    „[Der IPCC] hat das Meinungsmonopol beim Klimawandel.“ (1)

    Diese UN-Organisation zeige laut ARD-Bericht eine deutliche Schlagseite in der Wahrnehmung und Sichtung der wissenschaftlichen Arbeiten zum Klimawandel. Immer wieder warne der IPCC vor einer nahenden Klimakatastrophe mit düsteren Prognosen.
    Dabei falle regelmäßig auf, dass Aussagen wie z.B. der prognostizierte Anstieg des Meeresspiegels vollkommen übertrieben waren. Einst apokalyptische Endzeitszenarien mussten vom IPCC Jahre später deutlich nach unten korrigiert werden.(2) Das Ziel des IPCC war offensichtlich die Angsterzeugung beim verunsicherten Publikum.
    Wie wir heute wissen, bewegten sich die frühen Prognosen des IPCC aus dem Jahr 1995 zur Temperaturentwicklung in allen erdenklichen Varianten oberhalb der bis heute tatsächlich gemessenen Temperaturen. Die Temperaturen sind bei weitem nicht so hoch angestiegen, wie das vom IPCC noch vor zwei Jahrzehnten in düsteren Szenarien verkündet wurde. Ein Vergleich der Daten auf den Seiten des EIKE-Instituts ist sehr aufschlussreich. Die bis 2015 gemessenen Temperaturenreihen lagen sogar noch knapp unter der niedrigsten Schätzung des IPCC aus 1995.(3)
    Aktuelle Klimamodellierungen durch Großrechner schneiden dabei nicht besser ab. Auch die hier prognostizierten Temperaturen liegen seit Jahren mit Ausnahme eines Klimamodells durchweg oberhalb der tatsächlich gemessenen Werte, so die Autoren der Seite „C3-Headlines“.(4) (5) (6)
    Interessant ist, dass dabei die tatsächlich gemessenen Temperaturen ausgerechnet den Modellen am nächsten kommen, die diesen Temperaturverlauf nur bei auf Null reduzierten CO2-Emmissionen vorhersagten. Die Natur verhält sich also laut Modellrechnung genau so,
    26 min
  • Die notwendige Abgrenzung | Von Susan Bonath


    Susan Bonath widerspricht in einer Gegendarstellung Diether Dehms Meinungsbeitrag „Gegnerische Verbündete“, der in Reaktion auf ihre Artikelreihe „Neoliberale U-Boote“ verfasst wurde.
    Ein Kommentar von Susan Bonath.
    Müssen alle an einem Strang ziehen? Wirklich alle? Oder gibt es bestimmte Fraktionen, die beim Tauziehen mit den Mächtigen ausgeschlossen werden müssten, da zu befürchten ist, dass sie klammheimlich das Tau in genau die Richtung ziehen, von der sich die Mehrheit der Unterdrückten entfernen möchte? Susan Bonath warnte in ihrer zweiteiligen Artikelserie „Neoliberale U-Boote“ vor einer Infiltration des Widerstands durch marktradikale Marktschreier. Sie beklagte zudem, wie ungehindert diese durch die einschlägigen Gesprächssendungsformate tingeln könnten, ohne dass die Gastgeber deren teils fragwürdige Positionen kritisch hinterfragen würden. In einer Replik „Gegnerische Verbündete“ widersprach Diether Dehm den Positionen Bonaths und plädierte seinerseits dafür, angesichts der globalen Bedrohungslage durch die Kriegslust der USA, über weltanschauliche Differenzen hinwegzublicken, um sich temporär geschlossen und gemeinsam den Weltbrandstiftern entgegenzustellen. In dieser Replik sah Bonath wiederum einige Falschbehauptungen, die sie in nachfolgender Gegendarstellung richtigstellt.
    In seinem Beitrag bezieht sich der Autor Diether Dehm ausdrücklich auf meinen zweiteiligen Artikel unter der Überschrift „Neoliberale U-Boote“, veröffentlicht am 13. und 20. Mai dieses Jahres. Dabei stellte er einige unwahre und irreführende Behauptungen auf, die geeignet sind, mich persönlich zu diskreditieren. Diese Behauptungen stelle ich wie folgt richtig.





    Behauptung 1:
    „junge-Welt“-(jw)-Chef Koschmieder verdächtigte gar Ken Jebsen (Kayvan Soufi Siawash) als eine Abart „profaschistischer Einfluss-Agenten“. Und ließ allen, die Jebsen nicht sofort abschworen, jw-Schreibverbot erteilen, so unter anderen Wolfgang Gehrcke, Klaus Hartmann, Rainer Rupp und mir. Wie man hört, ging es Susan Bonath bei der jw auch nicht viel besser.
    Richtigstellung:
    Die Tageszeitung junge Welt hat weder mir noch Dehm und Rupp — bei Gehrcke und Hartmann sind mir die Gründe nicht bekannt — wegen der Zusammenarbeit mit KenFM (heute apolut) Schreibverbot erteilt. Vielmehr habe ich von 2015 bis 2019 für KenFM und die junge Welt gleichzeitig gearbeitet, ohne dass es den Versuch gab, mir das Schreiben zu verbieten.
    Das Portal KenFM habe ich bereits 2019 wegen politischer Inhalte verlassen, die ich nicht mittragen wollte. Die junge Welt habe ich erst 2021, ebenfalls nach eigener Entscheidung, verlassen. Mein persönlicher Grund dafür war die Corona-Berichterstattung.
    Es stimmt, dass die jW einige Beiträge von Dehm und Rupp nicht publizieren wollte. Der Grund war allerdings nicht ihre Zusammenarbeit mit KenFM. Auf meine Nachfrage sagte mir damals ein jW-Redakteur, dies liege ausschließlich an „fehlender journalistischer Qualität und politisch nicht tragbaren Inhalten“. Der Redakteur zeigte mir damals auch mehrere abgelehnte Artikel von Rupp und einen von Dehm, woraufhin ich seinerzeit der Auffassung der jW-Redaktion in ihrer Kritik beipflichten musste.
    Behauptung 2:
    Aber auch sie (Anmerkung: Bonath) ist von Generalverdacht umgetrieben. Ihrer geht gegen hausbackene Neuauflagen marktideologischer Ladenhüter, die sie zu einer schlau kalkulierten Verschwörung von Libertären gegen Protestbewegungen aufwertet: „Konzertiert unterwandern die neoliberalen Extremisten den Widerstand ― und kaum jemand stört sich daran.“ Wer damit gemeint sein dürfte,
    11 min
  • Dissens und Kritik im Globalen Süden und bei uns | Von Jochen Mitschka
    Ein Standpunkt von Jochen Mitschka.
    Ich möchte heute zwei Themen ansprechen, die scheinbar nichts miteinander zu tun haben. Da ist einmal das Problem von kritischen Wissenschaftlern und Journalisten, besonders wenn sie in weniger entwickelten Gesellschaften leben, ihren Lebensunterhalt zu bestreiten. Und dann, wie einflussreiche westliche Organisationen dabei helfen, eine „teile und herrsche“ Situation zu erzeugen, mit der die regionale Selbstermächtigung behindert wird. Beides hängt insofern zusammen, da staatliche und nichtstaatliche Akteure im Westen durch ihre Finanzierung von „Dissidenten“, welche die westliche Agenda verfolgen, die Lücke der kritischen Begleitung von Politik füllen. Eine Lücke, welche mangels Finanzierbarkeit von originären lokalen Dissidenten offen gelassen werden muss.
    Überleben oder Schreiben
    Die Anregung aufgreifend, nicht zu oft die gleichen Vertreter des globalen Südens zu Wort kommen zu lassen, habe ich Kontakt mit einem jungen Wissenschaftler, Dr. Jay Tharappel aufgenommen. Er promovierte in Australien und mit seinen Artikeln hatte der Verein „Der Politikchronist e.V.“ ein Buch über den Jemenkrieg verfasst(1). Als ich ihn nun fragte, warum er keinen Hintergrundartikel über die neuesten Entwicklungen in der Jemen-Krise, nach der Wiederannäherung von Saudi-Arabien und dem Iran geschrieben habe, erklärte er mir das Grundproblem der alternativen Medienschaffenden: Durch das Schreiben von Texten mit einer alternativen Sichtweise auf Politik und Gesellschaft ist man nicht in der Lage, den Lebensunterhalt zu bestreiten. Es gibt einige wenige Ausnahmen, sicher auch einzelne Stars der Szene, wie Daniele Ganser zum Beispiel. Aber ansonsten hält man sich als alternativer Medienschaffender mit anderen Arbeiten über Wasser, welche keine Zeit für alternative Texte lassen, oder erfreut sich an Altersbezügen, die man durch „ehrenwerte“ Arbeit erwarb. Was eine „Vergreisung“ der Dissens verursacht.
    Natürlich gibt es finanziell selbst tragende Projekte mit auskömmlichen Einnahmen für die beteiligten Journalisten, meist jedoch in den USA. Genannt sei hier das Grayzone-Projekt(2). Auch hier werden Sichtweisen des Globalen Südens verbreitet, aber durch Journalisten oder Wissenschaftler, die selbst nicht dort sozialisiert wurden. Aber alle solche Projekte stehen mit einem Bein im Aus, wenn Spenden wegbrechen. Aber noch einmal einen Schritt zurück:
    Beispiele
    Jay Tharappel ist ein junger kommunistischer Schriftsteller und Wissenschaftler. Er wurde wegen eines Israel gegenüber kritischem Aufnäher aus der australischen „Labour Party“ ausgestoßen. Und wird wegen seiner Kritik an westlicher Kriegsführung gegen Syrien als „Diktator-Freund“ ausgegrenzt. Sein Forschungsinteresse gilt Themen wie der Natur der Währungshegemonie, postkolonialen Kritiken der marxistischen Theorie und der Lehren, die man aus der Politik Chinas ziehen kann. Aber wie Tim Anderson ist er kein Historiker, der in der Vergangenheit schwelgt, sondern ein Analytiker der Gegenwart. Und so erklärt sich, dass seine Analysen zwar begehrt sind, aber nur von Medien, welche keine lebenserhaltenden Honorare zahlen können. Auf seiner eigenen Internetseite(3) finden sich daher auch nur noch wenige Artikel, ebenso nur noch ganz selten Artikel in alternativen Medien.
    Einer der es geschafft hat
    Michel Chossudovsky ist ein kanadischer emeritierter Professor für Wirtschaft und insofern nicht abhängig von Einkommen aus seinen Texten. Aber trotz, oder vielleicht wegen der Bekämpfung seiner Kritik an US-Politik, konnte er sich mit seinem „Centre for Research on Globalisation“(4), einem eigenen Medium, finanziell unabhängig machen. Dessen Internetadresse wird übrigens von Wikipedia in vielen Fällen nicht verlinkt, ja oft wird sogar die Internetadresse gar nicht erwähnt, und in Google sucht man ebenfalls oft vergeblich.
    Im Jahr 2012 hatte ich mir die Mühe gemacht, sein Buch „Towards A World War III Szenario“ zu...
    23 min
  • Mit Hyperschall in Richtung Atomkrieg | Von Wolfgang Effenberger
    Mit Hyperschall-Antiballistik-Raketensystem ARROW(1) weiter in Richtung Atomkrieg
    Ein Kommentar von Wolfgang Effenberger. 
    Am 29. August 2022 kündigte Bundeskanzler Olaf Scholz in seiner Rede an der Karls-Universität in Prag den Aufbau eines neuen Luftverteidigungssystems (European Sky Shield Initiative (ESSI), W.E.) aus Israelisch-US-amerikanischer Produktion folgendermaßen an:
    „Deutschland wird in den kommenden Jahren ganz erheblich in die Luftverteidigung investieren. Alle diese Fähigkeiten werden im NATO-Rahmen einsetzbar sein. Zugleich wird Deutschland diese zukünftige Luftverteidigung von Beginn an so ausgestalten, dass sich auch unsere europäischen Nachbarn daran beteiligen können, wenn es gewünscht wird, etwa Polen, Balten, Niederländer, Tschechen, Slowaken oder unsere skandinavischen Partner. Ein gemeinsam aufgebautes Luftverteidigungssystem in Europa wäre nicht nur kostengünstiger und effizienter, als wenn jeder von uns seine eigene teure und hochkomplexe Luftverteidigung aufbaut; es wäre ein Sicherheitsgewinn für ganz Europa und ein hervorragendes Beispiel dafür, was wir meinen, wenn wir von der Stärkung der europäischen Säule der NATO sprechen“.(2)
    Sicherheitsgewinn für ganz Europa?
    Frankreichs Präsident Emmanuel Macron hat am 19. Juni 2023 beim Treffen von Verteidigungsministern und Militärvertretern anlässlich der berühmten Luftfahrtschau und Militärmesse in Paris Le Bourget über die europäische Luftverteidigung mit den Militärexperten diskutiert und dabei die enorme Bedeutung der europäischen Souveränität deutlich herausgestrichen.(3) Als Ergebnis des Treffens kündigte Macron an, dass Estland, Ungarn, Belgien und Zypern mit Frankreich zusammen „mehrere Hundert Mistral-Raketen“ französischer Bauart einkaufen würden.(4) Die unterzeichnete Absichtserklärung sei der „erste Fall eines gemeinsamen Kaufs dieser Art von Material“. Ziel sei die Harmonisierung der europäischen Positionen.(5) Macron setzte damit nicht nur einen Kontrapunkt zum deutschen Vorstoß einer gemeinsamen Beschaffung von Luftabwehrsystemen, sondern ging noch weiter: Frankreich möchte nicht, dass die russische Invasion in der Ukraine, die Macron als "veralteten" Konflikt bezeichnete, die Entwicklung der militärischen Fähigkeiten der NATO-Länder bestimmt.
    Hier gehen die Ansichten von Macron und Scholz diametral auseinander.
    Scholz betonte in Prag:


    „Wir nehmen Russlands Angriff auf den Frieden in Europa nicht hin. Wir sehen nicht einfach zu, wie Frauen, Männer und Kinder umgebracht, wie freie Länder von der Landkarte getilgt werden und hinter Mauern oder eisernen Vorhängen verschwinden. Wir wollen nicht zurück ins 19. oder 20. Jahrhundert, mit seinen Eroberungskriegen und seinen totalitären Exzessen“.(6)

    Da kann man Scholz nur zustimmen. Leider gehen ein Großteil dieser „Exzesse“ auf das Konto der USA und damit auch auf die NATO sowie EU.
    Als Zeitgenosse des 83-jährigen John Pilger (australischer Journalist und Dokumentarfilmer) kann ich voll zustimmen, wenn dieser schreibt:


    „In meinem Leben haben die Vereinigten Staaten mehr als 50 Regierungen gestürzt oder zu stürzen versucht, meist Demokratien. Sie haben sich in demokratische Wahlen in 30 Ländern eingemischt. Sie haben Bomben auf Menschen in 30 Ländern abgeworfen, die meisten von ihnen arm und wehrlos. Sie haben versucht, die Führer von 50 Ländern zu ermorden. Sie haben in 20 Ländern Befreiungsbewegungen unterdrückt.“(7)

    Von Olaf Scholz ist keine Kritik am völkerrechtswidrigen Angriffskrieg (von der Veto-Macht USA) ohne UN-Mandat gegen Restjugoslawien am 24. März 1999 bekannt. Ebenso nicht von der durch USA/NATO/EU erfolgten Grenzverschiebung im ehemaligen Jugoslawien. Die 78 Tage und Nächte andauernde Bombardierung Serbiens wurde durch die UN-Resolution 1244 des Sicherheitsrats beendet.(8) Darin war die territoriale Unversehrtheit des serbischen Staates verankert.
    14 min
  • Fachkräftemangel? Nicht in den Büros! | Von Peter Haisenko
    Ein Standpunkt von Peter Haisenko (Betreiber des Portals anderweltonline.com).
    Allenthalben wird ein Fachkräftemangel beklagt. Zu Recht. Aber trifft das zu auf alle Sparten? Die überbordende Bürokratie leidet nicht darunter. Warum ist das so?
    In den 1970er Jahren begann in Deutschland die Epoche des Überflusses. Durch technischen Fortschritt wurden die Produktionsabläufe derart verbessert, effizienter, dass absehbar war, dass Arbeitszeiten drastisch verkürzt werden konnten, ja mussten. Die 30-Stundenwoche stand im Raum ebenso wie die Viertagewoche. Es wäre der Triumph des Kapitalismus geworden. Die kommunistischen Länder wären aus dem Staunen nicht herausgekommen und hätten die Hüter ihres Systems mit Schimpf und Schande aus den Ämtern gejagt. Der Kapitalismus, oder besser die Soziale Marktwirtschaft, hätte überzeugend gesiegt, ganz ohne Waffen, Überrüstung und andere Bedrohungen. Warum ist es anders gekommen?
    Bereits nach Ende des Zweiten Weltkriegs in Europa und im Pazifik hatten die USA ein schier unüberwindliches Problem. Was sollte geschehen mit der riesigen Anzahl an Soldaten, die nicht mehr gebraucht wurden und die als junge Männer nichts anderes als das Kriegshandwerk gelernt hatten? Im Land selbst herrschte bereits Überfluss. Wie heute festgestellt wurde, hatte der Durchschnittsamerikaner damals ein besseres, höheres Einkommen zur Verfügung, als in den späteren 1990er Jahren. Die US-Industrie produzierte ausreichend für den Wohlstand aller Amerikaner. Da waren die zusätzlich zur Verfügung stehenden Soldaten, die nicht mehr gebraucht wurden, einfach überflüssig. Und wieder: Man hätte einfach die Arbeitsbedingungen verbessern, die Arbeitszeiten verkürzen können. Zum Wohle aller.
    Eisenhower hat frühzeitig gewarnt
    Wie aber schon der scheidende US-Präsident Eisenhower festgestellt hatte, hatte bereits damals der Militärisch-Industrielle-Komplex in den USA die Macht übernommen. Der kann aber nur existieren, wenn es Krieg gibt oder zumindest eine kriegerische Bedrohung, auch wenn diese nur erfunden ist. Dieser MIK schafft aber auch eine Unmenge an Arbeitsplätzen. Nicht nur im Militär selbst, sondern auch in der Produktion für dieses Militär. Man stelle sich vor, all das wird plötzlich für zivile Zwecke eingesetzt. In welchem Ausmaß könnte dann der zivile Wohlstand ansteigen und die allgemeine Arbeitsbelastung sinken. Bleibt man aber bei kapitalistischen Prinzipien, würde eine nie dagewesene Arbeitslosigkeit das Land in seinen Grundfesten erschüttern. So wäre der Kapitalismus als solcher in höchster Gefahr, durch ein freiheitlicheres, humanistischeres System abgelöst zu werden. Dann aber wäre Schluss gewesen, mit der irrsinnigen Ausbeutung, der Unterdrückung der „Arbeiterklasse“, dem ungerechtfertigten Luxus aus leistungslosem Einkommen. Nur der Erhalt der Kriegsdoktrin konnte das verhindern.
    In der BRD zeigte sich dieser Effekt erst zwanzig Jahre später. Kriegsbedingt. Aber auch hier hatte man 1955 mit der Wiederbewaffnung schon Arbeitskräfte aus dem zivilen Bereich herausgenommen. Realistisch betrachtet haben diese nichts für den allgemeinen Wohlstand geleistet, aber für eine niedrige Arbeitslosenquote gesorgt. Dazu kam, dass das Beispiel Japan gezeigt hatte, wie schnell eine Nation vorankommen kann, wenn es praktisch gar kein Militär unterhält. Das war den USA unheimlich und so haben sie frühzeitig dafür gesorgt, dass auch in der BRD Arbeitskräfte im Militär gebunden waren und so nichts für den zivilen Wohlstand leisteten. Mit dem Beitritt zur NATO konnten die USA auch Wohlstand aus der BRD abziehen, indem die BRD US-Waffen kaufen musste. Gleichzeitig wurde der „Ostblock“ in seiner Entwicklung gehemmt, weil auch dort zu viel in ein Militär gesteckt werden musste. Wenn das nicht gereicht hat, wurden Embargos verhängt.
    Bürokratie gegen Arbeitslosigkeit
    13 min
  • In der Wahrheit leben | Von Michael Meyen
    Ein Kommentar von Michael Meyen.
    Wie es um die Universität der Gegenwart bestellt ist, wird die Welt von morgen prägen — daran gemessen sind die Aussichten nicht gut. Exklusivauszug aus „Wie ich meine Uni verlor.“
    Wer die Polizei und das Militär kontrolliert, kann Widerstand vielleicht unterdrücken — wer dagegen die Universitäten kontrolliert, sorgt dafür, dass Widerstand über Generationen gar nicht erst in den Köpfen der Menschen entstehen kann. Es gibt wohl keine wirksamere Schule der Angepasstheit als die akademische Welt. Sicher, schon bei Schülern wird der Grundstein gelegt für ein gewohnheitsmäßig unselbstständiges Denken, für angstgetriebene Unterwerfung unter eine Obrigkeit; in den Universitäten jedoch werden diejenigen geistig unterdrückt, die später einmal im Berufsleben selbst zu Unterdrückern des Geistes werden sollen: als Politiker, Wirtschaftslenker, Professoren, Medienschaffende und Experten aller Art. Die Freiheit stirbt nicht, wenn sie einmal vorübergehend eingeschränkt wird — sie stirbt erst, wenn es kaum mehr einen Menschen gibt, der sie zu denken oder auch nur zu wollen vermag. Deshalb ist die Herrschaft über die Köpfe für ein totalitäres Regime so wichtig. Deshalb hat man über Jahrzehnte erfolgreich versucht, die Universitäten zu unterwerfen. Michael Meyen hat den Prozess am eigenen Leibe erlitten und auch einige seiner Studenten an „das System“ verloren. Er entzündet aber auch — in Anlehnung an den tschechischen Dichter Václav Havel — einen Funken Hoffnung. Der Versuch des Einzelnen, in der Wahrheit zu leben, hilft, dass sich die Lüge zumindest nicht allumfassend ausbreitet.
    „Wer die Universitäten beherrscht, bestimmt, wie wir leben“, heißt es auf einer der ersten Seiten in diesem Buch. Der nächste Satz: „Die Universität ist das Nadelöhr, das jeder passieren muss, der irgendwann irgendwo etwas zu sagen haben will.“ Wer dort hängenbleibt, wird zu einem der Priester der Gegenwart, umworben von allen, die etwas durchsetzen wollen und die Ressourcen haben, sich Gunst und Segen des akademischen Wahrheitsregimes zu besorgen. Ich spreche dabei nicht von einem Gefälligkeitsgutachten hier und einer Auftragsstudie dort. Die Freiheit der Wissenschaft ist im letzten Vierteljahrhundert systematisch ausgehöhlt worden. Lehre und Betreuung, Politisierung der Forschung, Anreiz- und Abschreckungssysteme: Alle drei Hebel drücken in die gleiche Richtung und werden von den gleichen Akteuren bedient, die man mit Sheldon Wolin „Supermacht“ nennen kann, um auf die Hochzeit von Staaten und Weltkonzernen zu verweisen, oder mit Kees van der Pijl „Machtblock“, wenn es um das Zusammenspiel von Geheimdiensten, IT-Giganten und Leitmedien geht.
    Die Universitäten stehen dabei auch pars pro toto. Schule und Familie, Klein- und Mittelbetriebe, Parteien, Gewerkschaften und Kirchen, Gerichte und Journalismus: Nahezu alle Institutionen, die in der Vergangenheit Normen und Werte tradiert oder diskutiert und so die öffentliche Meinungs- und Willensbildung genau wie das Handeln von Individuen, Gemeinschaften und Gesellschaften entscheidend beeinflusst haben, können ähnliche Geschichten erzählen. „Supermacht“ und Machtblock haben sie entweder schon gekapert und ihrer Eigenlogik beraubt oder unter Beschuss genommen.
    Es braucht sicher keinen Ostdeutschen, um das zu erkennen und zu beschreiben, aber es mag von Vorteil sein, einmal erlebt zu haben, wie Narrativ und Wirklichkeit auseinanderklaffen können. Ganz ähnlich wie Birk Meinhardt fand ich das Versprechen des Westens zwar faszinierend und habe die Aufstiegschance genutzt, die damit verbunden war, zugleich aber nicht vergessen, dass die DDR auch an der Blindheit von Parteigängern gescheitert ist, die nicht bereit waren, öffentlich zu sagen, wenn etwas schiefläuft. Ich schließe mich da gar nicht aus. Anpassung und Feigheit, verschämtes Schweigen und sogar Trommeln selbst da, wo Widerspruch angesagt gewesen wäre: All das kennt jeder,
    19 min
  • Der modifizierte Mensch | Von Felix Feistel
    Der Mensch ist schon längst Versuchsobjekt der Biotechnologie.
    Ein Standpunkt von Felix Feistel.
    Vor einiger Zeit kursierte in den Medien eine Meldung von einem neuen Leiden: Das Alpha-Gal-Syndrom (AGS).(1) Dabei handelt es sich, so die gängige Erklärung, um eine Allergie gegen eine bestimmte Form des Zuckermoleküls Galaktose, das in Säugetieren, also Fleisch- und Milchprodukten vorkommt. Daher wurde die Krankheit auch verkürzt als Allergie gegen rotes Fleisch, oder einfach Fleischallergie bezeichnet.(2) Die Berichte beziehen sich ausschließlich auf die USA, obwohl es sich um ein weltweit auftretendes Phänomen handelt. Auslöser ist der Biss einer bestimmten Zeckenart, die Amblyomma americanum, auch als Lone-Star-Zecke bekannt, die zweifelsfrei als Auslöser identifiziert werden konnte, und in 30 Bundesstaaten der USA im Süden, Südosten und Osten des Landes vorkommt. Doch auch in anderen Ländern, kommt das Alpha-Gal-Syndrom vor, und kann dabei immer auf Zecken zurückgeführt werden. So gibt es diese Krankheit ebenso in Japan(3), Schweden (4) und Australien (5). Insgesamt gibt es mindestens vier Zeckenarten, die das Syndrom übertragen.(6)
    Die Symptome können unterschiedlich sein. Von Ausschlägen über ein Anschwellen von Lippen und Augen bis hin zu Kurzatmigkeit, all das kann einige Zeit nach dem Verzehr von rotem Fleisch oder Milchprodukten auftreten. Die Symptome reichen dabei von kaum wahrnehmbar, über harmlos, bis zu einem lebensgefährlichen, anaphylaktischen Schock. Eine Behandlung gibt es bislang nicht, und der einzige Hinweis, den Behörden geben ist es, die entsprechenden Produkte zu meiden. Diese Krankheit, so das US-amerikanische Center for Disease Control and Prevention (CDC), werde in naher Zukunft noch viel verbreiteter sein.(7)
    Auslöser dieser Allergie ist nicht etwa, wie es bei von Zecken übertragenen Krankheiten normal ist, ein Pathogen in Form eines Virus oder Bakteriums. Stattdessen enthält der Speichel der Zecke, den sie in den Wirt abgibt, um die Blutgerinnung zu verhindern, eben jene Alpha-Galaktose. Dabei handelt es sich um einen Stoff, der dafür bekannt ist, im menschlichen Organismus Irritationen auszulösen. Er findet sich hauptsächlich in rotem Fleisch, kann aber auch in Kosmetikprodukten enthalten sein, die auf tierischer Basis hergestellt wurden. Studien zufolge haben 46 Prozent der Amerikaner Antikörper gegen Alpha-Galaktose, jedoch leidet nur ein winziger Bruchteil an dem Alpha-Gal Syndrom.(8)
    Seit die Krankheit im Jahr 2009 entdeckt wurde, berichtet das CDC von jährlich unter 3000 Fällen. Die Fälle nähmen aber, so das CDC, zu.(9). Allerdings wird AGS durch einen Antikörpertest diagnostiziert. Da viele Amerikaner Antikörper haben, aber keine Symptome ausbilden, ist es sehr wahrscheinlich,
    23 min
  • Warten auf Wagenknecht | Von Rüdiger Rauls
    Ein Kommentar von Rüdiger Rauls.
    Seit Wochen gibt es kaum ein innenpolitisches Thema, das mehr Aufmerksamkeit auf sich zieht als die Gründung einer neuen Partei durch Sahra Wagenknecht. Von der Bildzeitung bis hin zu weiten Teilen der Bevölkerung stehen viele einer Neugründung erwartungsvoll gegenüber. Ist diese die passende Antwort auf die Stimmungen in der Gesellschaft und die politische Lage im Land?
     Sommerloch und Sommergewitter
    Was man sich bei BILD und anderen Medien denkt, Wagenknecht fast zur Parteigründung zu tragen, wissen nur die Medien selbst. Immerhin waren diese bisher nicht für Kapitalismuskritik bekannt so wie Wagenknecht. Auffällig ist, dass eher Wagenknecht den Sturm und Drang mancher Medien bremst als umgekehrt. Man könnte fast meinen, dass diesen Medien mehr an einer neuen Partei gelegen ist als der Gründerin selbst.
    Hatte sie erste Spekulationen noch mit dem Hinweis auf die Schwierigkeiten einer Parteigründung und ihren gesundheitlichen Zustand abgewiegelt, so steht das Ob einer Neugründung anscheinend nicht mehr zur Diskussion, nur noch das Wann. Sicherlich aber wäre diese Partei eine ernsthafte Konkurrenz nicht nur für die AfD, sondern auch für all die anderen, die sich im sogenannten linken Milieu tummeln. Für die Linkspartei selbst dürfte sie der letzte Sargnagel sein, der ihr langes Siechtum besiegelt.
    Andererseits könnten aber solche von den Medien angefachten Diskussionen nichts weiter sein als eine Überbrückungshilfe für das ereignislose Sommerloch. Jedoch ist das Thema schon zu lange Gesprächsstoff und Hoffnungsanker in der Gesellschaft, als dass es nur als eine Medienkampagne anzusehen ist. Andererseits ist nicht klar, welche politischen Überlegungen dahinter stecken, dass manche Redaktionen eine Wagenknecht-Partei immer wieder zum Thema machen.
    Dass die Meinungsmacher besser versorgt sind mit Informationen als der Durchschnittsdeutsche, bedeutet nicht, dass sie die klügeren Schlüsse aus ihrem Informationsvorsprung ziehen. Man sehe sich nur die massiven Fehleinschätzungen in den Kommentarspalten des Mainstream an zu Afghanistan, dem Nahen Osten, der Sahelzone und natürlich auch zum Ukrainekrieg. Die Schwächen im politischen Denken staatstreuer Kommentatoren offenbaren sich in deren Einstellung zu den westlichen Sanktionen, die doch schon längst zum Untergang Russland geführt haben sollten.
    Dennoch haben viele Medien das Ohr dichter am Volk als so mancher Politiker. Befürchtet man aus diesem Grund, dass sich Unmut in der Gesellschaft auftürmt und zu einem Gewitter zusammenbraut? Hat man in den Redaktionsetagen und auch in so manchen anderen politischen Kreisen im Backstage der Gesellschaft Angst davor, dass sich aus diesem Gewitter Blitze entladen könnten, die mehr Schaden anrichten als das Donnergrollen einer drohenden Wagenknecht-Partei?
    Spricht man deshalb einer neuen Partei das Wort, um dem Unmut eine neue Heimat anzubieten? Denn Parteien sind leichter zu kontrollieren als ein Schwelbrand, der sich im Unterholz der Gesellschaft ausbreitet. Wer aber sollte neben den Medien mit ihrem Geschäftsmodell, aus Krawall Umsatz zu machen, sonst noch ein Interesse haben, Unmut durch eine neue Partei zu entschärfen?
    Geheimdienste und Militär kämen dafür aus politischen Erwägungen in Frage. Aber gerade aufgrund ihrer ausgeprägten Analysefähigkeit und Einschätzungsvermögen von gesellschaftlichen Vorgängen dürften sie kaum Gefahren für die bestehende Ordnung durch unkontrollierte Proteste sehen. So bleibt das Treiben der Meinungsmacher weiterhin ein Rätsel.
    Zankäpfel
    Aber eine Frucht bringt diese Diskussion bereits hervor: Große Teile der Bevölkerung setzen ihre Hoffnungen auf diese neue Partei. Die Erwartungen steigen und damit auch die Spekulationen. Mit all diesen Wünschen keimt aber gleichzeitig auch die Saat der Zwietracht auf. Das ist nicht anders zu erwarten, denn zu viele Hoffnungen von zu vielen Hoffnungslosen sind mit d...
    13 min

About apolut Podcast Archive - apolut.net

From the publisher's feed

das denk' ich auch