Archivradio – Geschichte im Original

Archivradio – Geschichte im Original

By SWR
Download on the App Store

Archivradio – Geschichte im Original episodes

  • Der Tag nach der Maueröffnung | 10.11.1989
    28 Jahre lang war Berlin eine geteilte Stadt. Am frühen Abend des 9. November 1989 tritt eine neue Reiseregelung für die Bürger Ost-Berlins in Kraft – kurz darauf strömen Tausende zu den Grenzübergängen und nach West-Berlin.
    Kundgebung vor dem Schöneberger Rathaus
    Einen Tag nach Öffnung der Mauer findet vor dem Schöneberger Rathaus in Berlin eine Kundgebung mit westdeutschen Spitzenpolitikern statt. Walter Momper, Willy Brandt, Hans-Dietrich Genscher und der damalige Bundeskanzler Helmut Kohl sprechen vor mehreren Zehntausend Berlinerinnen und Berlinern. Auf dem Weg zur Kundgebung gibt der ehemalige Regierender Bürgermeister von Berlin und ehemalige Bundeskanzler Willy Brandt ein Interview. Dort fällt auch der berühmte Satz:
    Jetzt sind wir in einer Situation, in der wieder zusammenwächst, was zusammengehört.

    Quelle: Willy Brandt, 10.11.1989

    Willy Brandt äußert sich nur sehr vorsichtig zur Frage einer möglichen Wiedervereinigung. Das könnten die beiden deutschen Staaten nicht alleine entscheiden. Entscheidend sei jetzt erst einmal, dass die Menschen im gespaltenen Deutschland wieder zusammenkommen – an dieser Stelle bricht Brandt die Stimme, ihm kommen die Tränen.
    Kein Wort über eine Wiedervereinigung
    Auf der Kundgebung selbst spricht keiner der Redner von einer möglichen Wiedervereinigung oder einem gemeinsamen Staat. Brandt spricht vom "Zusammenrücken" beider Staaten. Nur Kohl benutzt an einer Stelle das Wort "Einheit", ohne das aber genauer auszuführen.
    Hintergrund: Dieser Kundgebung war hinter den Kulissen ein ziemliches Gezänk vorausgegangen. Vor allem im Berliner Abgeordnetenhaus stritten sich die Parteien, wer auf der Kundgebung sprechen soll und worüber. Und gerade der Begriff "Einheit", für Alternative Liste, aber auch Teile der SPD ein rotes Tuch, war dabei heiß umstritten. So umstritten, dass die CDU kurz überlegte, eine eigene, getrennte Kundgebung zu veranstalten. Diesen Streit hat man den Rednern aber nicht mehr angemerkt, als sie auf dem John-F.-Kennedy-Platz standen.
    Wo fiel "Es wächst zusammen, was zusammengehört"?
    Von der Rede Willy Brandts ist der Satz überliefert: "Es wächst jetzt zusammen, was zusammengehört." Doch hört man Brandts Auftritt, fällt dieser Satz nicht. Nur eben im Interview zuvor. Später lässt er ihn noch einmal in einem Zeitungsinterview fallen. Nachträglich lässt er ihn auch in die Berliner Rede hineingeschreiben, als diese in einer Reden-Sammlung veröffentlicht wurde.
    Pfeifkonzert für Helmut Kohl
    Während Momper, Brandt und Genscher jubelnde Zustimmung erhalten, wird Bundeskanzler Helmut Kohl von den Anhängern des rot-grünen West-Berliner Senats gnadenlos ausgepfiffen.
    Kohl spricht in seiner Ansprache von einem "historischen Augenblick für Berlin und für Deutschland", mahnt aber zugleich zu Besonnenheit und klugem Handeln. Mit Pathos bekräftigt Helmut Kohl, dass der "Geist der Freiheit" an diesem historischen Tag ganz Europa erfasse, es gehe um Einigkeit und Recht und Freiheit für ganz Deutschland.
    1 hr 13 min
  • Kampf gegen Tuberkulose: Die Röntgen-Reihenuntersuchungen | 1.9.1939
    Verpflichtend für die gesamte Bevölkerung
    Es handelte sich um eine Untersuchung des Brustkorbs auf Anzeichen von Tuberkulose und andere Erkrankungen. Sie war über viele Jahre verpflichtend für die gesamte Bevölkerung ab dem Schulalter. Die erste Gemeinde, die die Reihenuntersuchung konsequent in der gesamten Bevölkerung durchführte, war Friedrichstal in Baden.
    Der Mediziner Hellmuth Ulrici, Chefarzt des Tuberkulosekrankenhauses in Sommerfeld in Brandenburg, erläutert im Rundfunk Ende 1939, wie wichtig die neue Reihenuntersuchung sei.
    Bundesländer schaffen Reihenuntersuchung wieder ab
    Als mit den Jahrzehnten dann die Tuberkulose erfolgreich bekämpft wird und die Erkrankungsrate sinkt, findet ein Umdenken statt. Die mit der Untersuchung noch entdeckten unbekannten Tuberkulosefälle sind so gering, dass dieser Vorteil in keinem Verhältnis mehr steht zum Risiko der Röntgenbestrahlung an sich. Daraufhin schaffen die Bundesländer die Untersuchung nach und nach wieder ab, Baden-Württemberg sogar erst 1983.
    Mehr historische Aufnahmen zur Medizingeschichte: http://swr.li/medizingeschichte
    10 min
  • BBC-Nachrichten zum Kriegsbeginn | 1.9.1939
    Deutschland hat Polen angegriffen und zahlreiche Städte bombardiert. Großbritannien und Frankreich haben eine Generalmobilmachung angeordnet. Abends werde das Parlament in London zusammenkommen. Auch "Herr Hitler" wird mit einigen Äußerungen zitiert.
    16 min
  • Ex-US-Präsident Herbert Hoover: "USA sollen sich aus Krieg raushalten" | 1.9.1939
    Herbert Hoover war zwar seit 1933 nicht mehr Präsident der Vereinigten Staaten, aber immer noch außenpolitisch aktiv. Er traf sich diplomatisch mit Adolf Hitler und Hermann Göring. Als Hitler wieder anfing, über die Juden herzuziehen, soll Hoover ihn zum Schweigen aufgefordert haben.
    Hoover hatte nicht erwartet, dass Hitler Polen tatsächlich angreifen würde. Er spricht in seiner Rundfunkansprache von einer der traurigsten Wochen seit hundert Jahren. Dieser Krieg werde lange dauern; er sähe keine Möglichkeit, ihn schnell zu beenden.
    Gleichzeitig spricht er sich dafür aus, dass die USA sich aus diesem Krieg heraushalten. Sie könnten nicht die Probleme Europas lösen.
    4 min
  • "Seit 5:45 Uhr wird jetzt zurückgeschossen" – Hitler erklärt Kriegsbeginn und Pakt mit Stalin | 1.9.1939
    Bei seiner Reichstagsrede zum Kriegsbeginn am 1. September 1939 donnert Adolf Hitler immer wieder frenetischer Applaus entgegen. Er rechtfertigt den Überfall auf Polen mit einem angeblichen polnischen Angriff auf den Sender Gleiwitz in Schlesien. Jetzt schieße man eben "zurück".
    Tatsächlich aber hatte die deutsche SS den Angriff auf den Sender inszeniert, um den Grund für den Überfall auf Polen zu liefern, der schon seit längerem geplant war. In seiner Rede kommt Hitler wieder auf sein Dauerthema zu sprechen: die Schmach der Kapitulation nach dem Ersten Weltkrieg und den Versailler Vertrag. So etwas wie damals werde sich nie wiederholen.
    Hitler verkündet in der Rede auch den eine Woche zuvor mit Josef Stalin geschlossenen Pakt. Da Sowjetrussland seine Doktrin nicht nach Deutschland zu exportieren gedenke, gäbe es keinen Grund mehr für einen Konflikt. Beide Seiten seien sich klar geworden: Jeder Kampf gegeneinander würde nur anderen nützen. Am Anfang der Aufnahme begrüßt Reichstagspräsident Hermann Göring die Abgeordneten.
    37 min
  • Paul von Hindenburgs Dankerlass an die Truppen der 8. Armee nach der Schlacht von Tannenberg | 31.8.1914 / 17.10.1917 | Erster Weltkrieg
    Schlacht bei Tannenberg
    Am 31. August 1914 schlägt die 8. Armee des Deutschen Kaiserreichs bei Tannenberg die russische Armee. Ein siegessicher-gelassen sprechender Oberbefehlshaber Paul von Hindenburg gibt seinen Kämpfern ein paar Tage Urlaub.
    Paul von Hindenburgs Dank an die Soldaten
    "Soldaten der 8. Armee! Die vieltägigen heißen Kämpfe auf den weiten Gefilden zwischen Allenstein und Neidenburg sind beendet. Ihr habt einen vernichtenden Sieg über fünf Armeekorps und drei Kavalleriedivisionen errungen. Mehr als 90.000 Gefangene, ungezählte Geschütze und Maschinengewehre, mehrere Fahnen und Ziele sonstiger Kriegsbeute sind in unseren Händen. Die geringen, der Einschließung entronnenen Trümmer der russischen Narew-Armee fliehen nach Süden über die Grenze. Die russische Wilna-Armee hat von Königsberg her den Rückzug angetreten.
    Nächst Gott dem Herrn ist dieser glänzende Erfolg Eurer Opferfreudigkeit, Euren unübertrefflichen Marschleistungen und Eurer hervorragenden Tapferkeit zu danken.
    Ich hoffe, Euch jetzt einige Tage wohlverdienter Ruhe lassen zu können. Dann aber geht es mit frischen Kräften wieder vorwärts mit Gott für Kaiser, König und Vaterland, bis der letzte Russe unsere teure, schwergeprüfte Heimatprovinz verlassen hat und wir unsere sieggewohnten Fahnen ins Feindesland hineingetragen haben.
    Es lebe Seine Majestät der Kaiser und König – Hurra!"

    Quelle: Deutsches Rundfunkarchiv (DRA)
    Nachgesprochen und aufgezeichnet drei Jahre später, im Oktober 1917
    2 min
  • Angela Merkels "Wir schaffen das!" im Kontext | 31.8.2015
    "Wir schaffen das!" – Auf diesen Satz wird Angela Merkels Pressekonferenz am 31. August 2015 oft reduziert.
    Wir schaffen das – eigentlich war es Wolfgang Schäuble, der den Satz am Tag zuvor in der "Bild am Sonntag" fallen ließ. Aber Merkel hat ihn nun mal gesagt, innerhalb einer 15-minütigen Stellungnahme zur damals sich zuspitzenden Flüchtlingssituation an der ungarischen Grenze.
    17 min
  • Robert Bosch spricht über sein Lebenswerk | 23.9.1941
    Magnetzünder – Schlüsselprodukt für die Automobilindustrie
    Robert Bosch ist 25 Jahre alt, als er 1886 in Stuttgart eine Werkstätte für Feinmechanik und Elektrotechnik eröffnet. Ein Jahr später entwickelt er das Produkt, dass seinem Betrieb ein riesiges Wachstum beschert: einen Magnetzünder für Verbrennungsmotoren – buchstäblich das Schlüsselprodukt für die aufkommende Automobilindustrie.
    Die Firma expandiert, 1913 hat sie Niederlassungen auf allen Kontinenten. Aus der Werkstätte für Feinmechanik wird die bis heute bestehenden Robert Bosch GmbH.
    Robert Bosch: bekennender Sozialdemokrat
    Robert Bosch war ein bekennender Sozialdemokrat und nahm für sich auch eine soziale Betriebskultur in Anspruch. Er stiftete in Stuttgart ein Krankenhaus und verfügte in seinem Testament, dass die Erträge des Unternehmens gemeinnützigen Zwecken zugeführt werden sollen. Das war die Voraussetzung für die Gründung der heutigen Robert Bosch Stiftung.
    Robert Bosch starb 1942. Ein halbes Jahr vor seinem Tod gibt er am 23. September 1941, seinem 80. Geburtstag, dieses Radiointerview. Er spricht darin über seine berufliche Laufbahn und sein Selbstverständnis als Unternehmer.
    Wie bei vielen Interviews in den Anfängen des Radios lesen die Beteiligten ihre Sätze hörbar von einem vorgefertigten Manuskript ab.
    7 min
  • Foto-Pionier Felix H. Man und die Anfänge der Pressefotografie | 30.9.1983
    Felix H. Man war in den späten 1920ern und frühen 1930ern einer der Pioniere der Pressefotografie. Geboren wurde er am 30. November 1893 in Freiburg unter dem Namen Felix Sigismund Baumann; er starb am 30. Januar 1985 in London.
    Dokumentarfotografie während der Ersten Weltkriegs
    Bereits während des Ersten Weltkriegs produzierte er mehrere Reportagebilderreihen wie "Ruhe an der Westfront" oder "Vom Schwein bis zur Wurst", später dann die berühmte Serie "Ein Tag im Leben Mussolinis". Seine Bildberichte in der "Münchner Illustrierten Presse" pflegte er mit dem Pseudonym "MAN" zu zeichnen. 1934 emigrierte er nach England, da er "mit der Hitlerei" nichts zu tun haben wollte.
    In diesem Interview von 1983 berichtet er von den frühen Jahren.
    Quelle: Deutschlandradio
    14 min
  • Kritik an deutscher Amateur-Fotografie | 24.4.1953
    Ein Foto war in den Anfängen der Fotografie eine aufwändige Angelegenheit. Familienfotos entstanden nur bei seltenen Anlässen. Profi-Fotografen mussten engagiert, das Setting für das Bild genau arrangiert werden.
    Im Lauf der Zeit wurden Fotoapparate auch für Privatleute erschwinglich und einfach bedienbar, man nahm sie mit in den Urlaub. Damit veränderten sich die Ansprüche an die Bildgestaltung – platt gesagt: Sie war vielen egal.
    Bitte nicht "Tante Auguste vor dem Schloss"
    Das wiederum beklagten diejenigen Profi- und Amateur-Fotografen, die das Fotografieren mit einem künstlerischen Anspruch verfolgten. So in diesem Interview von 1953. Es gab noch keine KI, auch das Wort "Selfie" war noch nicht erfunden. Und doch beklagt der Vorsitzende der Südwestdeutschen Amateur-Fotografen Carl Bosch (nicht identisch mit dem gleichnamigen Industriellen) einen Technik-"Fetischismus" und dass die Leute immer nur sich selbst vor irgendwelchen Sehenswürdigkeiten fotografieren würden.
    6 min

About Archivradio – Geschichte im Original

From the publisher's feed

Historische Aufnahmen und Radioberichte von den ersten Tonaufzeichnungen bis (fast) heute. Das Archivradio der ARD macht Geschichte hör- und die Stimmung vergangener Jahrzehnte fühlbar. Präsentiert…

More shows like Archivradio – Geschichte im Original

SWR Kultur lesenswert - Literatur by SWR

SWR Kultur lesenswert - Literatur

6 Listeners

WDR Zeitzeichen by WDR

WDR Zeitzeichen

75 Listeners

Radiowissen by Bayerischer Rundfunk

Radiowissen

110 Listeners

1000 Antworten by SWR

1000 Antworten

8 Listeners

Geschichten aus der Geschichte by Richard Hemmer und Daniel Meßner

Geschichten aus der Geschichte

182 Listeners

Anke Engelke und Kristian Thees: Wie war der Tag, Liebling? by SWR3, Kristian Thees, Anke Engelke

Anke Engelke und Kristian Thees: Wie war der Tag, Liebling?

33 Listeners

Das Wissen | SWR by SWR

Das Wissen | SWR

107 Listeners

Eine Stunde History - Deutschlandfunk Nova by Deutschlandfunk Nova

Eine Stunde History - Deutschlandfunk Nova

103 Listeners

SWR Kultur Forum by SWR

SWR Kultur Forum

9 Listeners

SWR1 Leute by SWR

SWR1 Leute

44 Listeners

Wissen aktuell – Impuls by SWR

Wissen aktuell – Impuls

4 Listeners

Weltspiegel Podcast by ARD Weltspiegel

Weltspiegel Podcast

37 Listeners

Verbrechen der Vergangenheit by RTL+ / GEO EPOCHE

Verbrechen der Vergangenheit

35 Listeners

Sprechen wir über Mord?! Der SWR Kultur True Crime Podcast by SWR Kultur

Sprechen wir über Mord?! Der SWR Kultur True Crime Podcast

25 Listeners

Das wahre Leben by SWR

Das wahre Leben

31 Listeners

Geschichte Europas by Tobias Jakobi

Geschichte Europas

7 Listeners

DAMALS und heute - Der Podcast zur Geschichte by David Neuhäuser, Felix Melching

DAMALS und heute - Der Podcast zur Geschichte

12 Listeners

Alles Geschichte - Der History-Podcast by ARD

Alles Geschichte - Der History-Podcast

65 Listeners

Tatort Geschichte - True Crime meets History by Bayerischer Rundfunk

Tatort Geschichte - True Crime meets History

36 Listeners

ZEIT Geschichte. Wie war das noch mal? by DIE ZEIT

ZEIT Geschichte. Wie war das noch mal?

36 Listeners

Terra X History - Der Podcast by ZDF - Terra X

Terra X History - Der Podcast

7 Listeners

Der Rest ist Geschichte by Deutschlandfunk

Der Rest ist Geschichte

16 Listeners

Was bisher geschah - Geschichtspodcast by Joachim Telgenbüscher, Nils Minkmar

Was bisher geschah - Geschichtspodcast

55 Listeners