Archivradio – Geschichte im Original

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Archivradio – Geschichte im Original episodes

  • Hitlers erste Reichsautobahn: Spatenstich bei Frankfurt am Main | 23.9.1933
    Hitler und Autobahn – das gehört im kollektiven Gedächtnis der Deutschen zusammen. Dafür hat Hitler auch gesorgt. Es ist der 23. September 1933: Spatenstich für den ersten Autobahnabschnitt Frankfurt - Darmstadt. Schon den inszeniert Hitler als feierliche nationale Zeremonie. Die Aufnahme beginnt scheinbar harmlos mit der Beschreibung schöner Sommerwiesen, geht mit Sieg-Heil-Rufen weiter und findet in einer aufschlussreichen Rede Adolf Hitlers ihren Höhepunkt.
    Vorgeschichte
    Hitler hat die Autobahn nicht erfunden, Pläne für eine solche Schnellstraße gab es schon in den 1920er-Jahren: Eine Straße von Hamburg bis Basel. Und Konrad Adenauer eröffnete bereits 1932 als Kölner Oberbürgermeister eine vierspurige kreuzungsfreie Fahrbahn zwischen Köln und Bonn.
    Hätte es diese Pläne und Vorleistungen nicht gegeben, hätte Hitler nicht schon ein Dreivierteljahr nach der Machtübernahme den Spatenstich für die erste Reichsautobahn setzen können.
    Hitlers Rede
    Hitlers Rede ist in mehrfacher Hinsicht aufschlussreich. Sie zeigt einen weitgehend ruhig sprechenden, nicht brüllenden Reichskanzler, der erst ein halbes Jahr im Amt, aber sich seiner Macht bewusst ist. Er spricht diese Macht an, und zwar im Zusammenhang mit seiner Herkunft als einfacher Arbeiter:
    Das "Verständnis", das er daraus ableitet, geht so weit, die Arbeiter vor den harten Wintern zu warnen, in denen sie nicht verzagen dürfen, worauf ihn das Publikum mit einem Sieg-Heil-Gruß bestätigt. "Dann sorgt Ihr dafür, dass durch Eure gesteigerte Konsumkraft wieder hunderttrausend andere in Fabriken und Werkstätten Arbeit bekommen. Es ist unser Ziel, die Konsumkraft der Massen langsam zu heben."
    Hitlers Autobahnbau war von Anfang an zur Ankurbelung der Wirtschaft gedacht.
    Historiker sind sich uneinig, ob das Projekt, 6400 Kilometer dieser "neuen großen Verkehrsstraßen" primär der Kriegsvorbereitung diente, wie viele Wirtschaftsprogramme Hitlers das taten. Er konnte sich dabei auf die zur Zeit seiner Machtübernahme extreme Arbeitslosigkeit stützen und gibt in dieser Autobahnrede die Schuld für "schwerste Not und das tiefste Unglück" nicht der Wirtschaftskrise, sondern pauschal den "letzten 15 Jahren" – also der Weimarer Republik.
    Später in der Rede kommt er auf seine "völkischen" Ideen zu sprechen, auf den "Prozess des inneres Zusammenschmiedens unseres Volkes", leistet sich aber keine Ausfälligkeiten gegen Bevölkerungsgruppen, die er davon ausschließen würde. Er fordert eine internationale starke Position Deutschlands, die der Autobahnbau symbolisiere, nämlich als "Markstein […] für den Bau der deutschen Volksgemeinschaft, einer Gemeinschaft, die uns als Volk und als Staat das geben wird, was wir mit Recht auf dieser Welt fordern und verlangen dürfen."
    Nach dem Ende der Rede beschreibt der Reporter, wie Hitler sich symbolisch mit Spaten und Lore an die Arbeit macht.
    Zur Aufnahmetechnik
    Die Tonaufzeichnungstechnik war damals so weit fortgeschritten, dass man in der freien Natur Reden und Reportagen in guter Qualität aufnehmen und speichern konnte. Die Nationalsozialisten wussten diesen technischen Durchbruch, der dem Rundfunk eine Nähe zur Realität verlieh, die er zuvor nicht besaß, zu schätzen und hatten im Sommer 1933 bereits die wesentlichen Teile des föderalen Rundfunkwesens in Deutschland zerschlagen und alles dem Propagandaministerium unterstellt. Auch diese Reportage mit anschließender Rede diente der Rundfunkpropaganda.
    Reporter: Paul Laven
    Quelle: Deutsches Rundfunkarchiv
    24 min
  • Angela Merkel kickt Friedrich Merz weg | 23.9.2002
    CDU-Vorsitzende Merkel reklamiert auch Fraktionsvorsitz für sich
    23. September 2002: Der Tag nach der Bundestagswahl. Angela Merkel, seit 2 Jahren CDU-Vorsitzende, reklamiert jetzt auch den Fraktionsvorsitz für sich. Den hatte bis dahin Friedrich Merz inne, der schließlich zu ihrem Stellvertreter degradiert wird.
    5 min
  • Merz propagiert "Leitkultur" – Union streitet | 25.10.2000
    Im Oktober 2000 bringt Friedrich Merz – damals Fraktionsvorsitzender der Union – den Begriff Leitkultur erstmals in die politische Debatte ein, und zwar in einem Interview mit der Rheinischen Post am 18. Oktober.
    Das Interview wird nicht im Wortlaut abgedruckt, sondern nur indirekt wiedergegeben, im entscheidenden Satz heißt es: "Nach Auffassung des CDU/CSU-Fraktionsvorsitzenden Friedrich Merz müssen sich Zuwanderer, die auf Dauer hier leben wollen, einer gewachsenen freiheitlichen deutschen Leitkultur anpassen."
    Und: "Zur maßgeblichen Leitkultur zählt Merz beispielsweise die Überzeugung, dass auch Zuwanderer einen eigenen Integrationsbeitrag leisten müssten; dass sie sich dabei anpassen müssten an die in diesem Land gewachsenen kulturellen Grund-Vorstellungen."
    Von den Regierungsparteien und der FDP erntet Merz damals erwartungsgemäß heftige Kritik, aber auch seine eigenen Parteifreunde sind nicht begeistert. Eine Woche nach Erscheinen des Artikels überwiegt in der CDU die Kritik an Merz – im Beitrag unter anderem von Günther Öttinger, Heiner Geißler und Laurenz Meyer.
    Die CDU-Vorsitzende Angela Merkel verteidigt Merz zwar, vermeidet es aber, das Wort zu wiederholt.
    5 min
  • Arved Fuchs und Reinhold Messner haben Antarktis durchquert | 12.2.1990
    2.700 Kilometer haben sie weitgehend ohne technische Hilfsmittel durchs Ewige Eis zurückgelegt, als sie am 12. Februar 1980 die McMurdo-Bucht erreichen. Nur auf dem letzten Stück hatten sie Gleitschirme benutzt, die sie und ihre Schlitten kräftig voranbrachten. Zwei Tage später läuft auf SDR1 dieses Interview mit Arved Fuchs.

    Welche Strapazen und Schwierigkeiten mit dieser Tour verbunden waren, macht ein anderes Interview deutlich, das SWF1 drei Wochen zuvor geführt hat. Denn zu dem Zeitpunkt gab es Zweifel, ob die beiden es schaffen würden. Zumindest die Bildzeitung hat daran gezweifelt. SWF1 telefoniert deshalb am 18. Januar mit einem der Beobachter der Expedition.
    9 min
  • Reinhold Messner und Peter Habeler kehren vom Mount Everest zurück | 23.5.1978
    Zweifel und Rückschläge: Extrembergsteiger berichten von ihrer Expedition
    Reinhold Messner begründete seinen Ruf als Extrembergsteiger in den 1970er- und 1980er-Jahren. Er war der erste Mensch, der alle Achttausender bestiegen hat. Er war der erste, der allein einen Achttausender bezwang. Und er war zusammen mit Peter Habeler der erste, der ohne zusätzlichen Sauerstoff auf den Mount Everest stieg. Das war am 8. Mai 1978.
    Zwei Wochen später, unmittelbar nach ihrer Rückkehr, erzählen die beiden im Südwestfunk von der Expedition.
    6 min
  • Kundgebung gegen Antisemitismus in Berlin | 14.9.2014
    Am Brandenburger Tor in Berlin findet eine Kundgebung gegen Antisemitismus statt. Organisiert wird sie vom Zentralrat der Juden in Deutschland.
    Im Sommer 2014 war die Lage im Nahen Osten eskaliert. Die Hamas schoss Raketen auf Israel, während Israel den Gaza-Streifen bombardierte. Tausende palästinensische Zivilisten starben. Auf Demonstrationen gegen das Vorgehen Israels wurden offen antisemitische Transparente gezeigt und Synagogen angriffen.
    Daraufhin organisierte der Zentralrat der Juden in Deutschland am 14. September 2014 unter dem Motto "Steh auf! Nie wieder Judenhass!" eine Kundgebung am Brandenburger Tor in Berlin, um ein Zeichen gegen Antisemitismus zu setzen. Zahlreiche Prominente, darunter auch Bundeskanzlerin Angela Merkel, besuchten die Veranstaltung.
    Aus Angela Merkels Ansprache
    "Wer Menschen, die eine Kippa oder eine Kette mit einem Davidstern tragen, anpöbelt, angreift oder krankenhausreif schlägt, der schlägt und verletzt uns alle. Wer Grabsteine auf jüdischen Friedhöfen schändet, der schändet unsere Kultur. Wer Synagogen zum Ziel von Hass und Gewalt macht, der rüttelt an den Fundamenten unserer freiheitlichen Gesellschaft."
    4 min
  • Der SDS zerstreitet sich, die Frauen rebellieren | 13.9.1968
    Sozialistischer Deutscher Studentenbund: Auflösung bahnt sich an
    Auch die Frauen rebellieren und vermissen das Thema Emanzipation. Helke Sander hält im Namen des Aktionsrates zur Befreiung der Frau eine flammende Rede gegen die Diskussionsunfähigkeit des SDS und bezeichnet diese als konterrevolutionären Vereinigung.
    SDS wurde 1946 gegründet
    Hier bahnt sich die Auflösung des SDS an, die zwei Jahre später endgültig erfolgen sollte. Gegründet worden war der Sozialistische Deutsche Studentenbund am 2. September 1946.
    3 min
  • Der millionste Gastarbeiter: Armando Rodrigues de Sá kommt in Köln an | 10.9.1964
    Wirtschaftswunder: zusätzliche Arbeitskräfte werden gebraucht
    Das deutsche Wirtschaftswunder braucht Personal. Die Bundesrepublik wirbt schon in den 1950ern im Ausland um Arbeitskräfte – und bekommt sie, die "Gastarbeiter". Einen feiert sie ganz besonders. Der ahnt noch nichts von seinem "Glück", als er sich 1964 in Portugal in den Zug setzt und mit rund 1000 anderen Arbeitern aus Spanien und Portugal im Bahnhof Köln-Deutz ankommt.
    Losglück: Portugiese wird bei der Anreise im Zug ausgewählt
    Es ist bereits klar: Mit diesen Zügen wird die Zahl von einer Million Gastarbeitern überschritten. Daher wird im Zug ausgelost, welchem der Mitfahrer diese Ehre zuteilwird, der einmillionste zu sein. Es ist der 38-jährige Armando Rodrigues de Sá aus dem kleinen nordportugiesischen Dorf Vale de Madeiros. Als glücklicher Gewinner bekommt er ein Moped geschenkt. Selbst kommt er allerdings nicht zu Wort in diesem Bericht des WDR-Reporters Walter Hahn.
    Von Köln aus zieht Armando Rodrigues weiter nach Baden-Württemberg, wo er in Sindelfingen als Zimmermann arbeitet. Später zieht er um nach Wiesbaden. Bei einem Heimataufenthalt wird 1971 bei ihm eine Krebserkrankung diagnostiziert. Er bleibt in Portugal, wo er 1979 im Alter von 53 Jahren stirbt – wovon in Deutschland zunächst niemand Notiz nimmt.
    7 min
  • "Ihr Völker der Welt, schaut auf diese Stadt!" – Ernst Reuters Rede vor dem Reichstag | 9.9.1948
    West-Berlin ist von den Sowjets abgeriegelt
    September 1948: Seit drei Monaten wird West-Berlin von den Sowjets abgeriegelt. Moskau versuchte auf diese Weise, ganz Berlin unter seine Kontrolle zu bekommen. Die West-Alliierten versorgen daraufhin die Stadt über die sogenannte Luftbrücke.
    Die West-Berliner sind entschlossen, sich nicht einnehmen zu lassen und demonstrieren ihren Willen am 9. September 1948 auf einer großen Kundgebung vor dem zerstörten Reichstagsgebäude.
    Ernst Reuter macht den Berlinern Mut
    350.000 sind gekommen, wichtigster Redner ist Ernst Reuter – eigentlich gewählter Oberbürgermeister der Stadt, doch die Sowjets erkennen ihn in diesem Amt nicht an. Er spricht deshalb als einfacher Stadtradt. Seine Rede macht nicht nur den Berliner Mut, sondern auch den Alliierten, die Luftbrücke aufrecht zu erhalten.
    14 min
  • Erste Sitzung des Deutschen Bundestags | 7.9.1949
    Alterspräsidenten Paul Löbe eröffnet die Sitzung
    Auf die ersten Bundestagswahlen im August 1949 folgt am 7. September die erste Bundestagssitzung. Sie wird live im Radio übertragen. Eröffnet wird sie durch den Alterspräsidenten Paul Löbe (SPD). In seiner Rede würdigt er die Bedeutung dieser ersten Sitzung eines frei gewählten Parlaments seit der Machtergreifung Hitlers 1933. Anschließend wird der Bundestagspräsident gewählt – der CDU-Politiker Erich Köhler. Es folgen die Wahl der Stellvertreter sowie weiterer Ämter.
    Bonn oder Frankfurt am Main als Sitz der Bundesorgane?
    Ganz am Ende wird es kurz turbulent, als Erich Ollenhauer für die SPD-Fraktion eine Abstimmung darüber fordert, den Sitz der Bundesorgane von Bonn nach Frankfurt am Main zu verlegen. Der Bundestagspräsident sagt zu, diesen Antrag im Ältestenrat zu besprechen.
    Dies ist der Mitschnitt der Bundestagssitzung, wie er archiviert ist – lediglich zwei längere musikalische Passagen sind herausgeschnitten.
    Der Bundeskanzler wird in dieser ersten Bundestagssitzung noch nicht gewählt – das passiert erst in der Folgewoche am 14. September 1949. Die Wahl fällt erwartungsgemäß auf den CDU-Politiker Konrad Adenauer.
    1 hr 4 min

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Historische Aufnahmen und Radioberichte von den ersten Tonaufzeichnungen bis (fast) heute. Das Archivradio der ARD macht Geschichte hör- und die Stimmung vergangener Jahrzehnte fühlbar. Präsentiert…

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