Archivradio – Geschichte im Original

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Archivradio – Geschichte im Original episodes

  • Rostocks OB diskutiert mit Demonstranten | 28.10.1989
    Demonstranten haben sich vor dem Rostocker Rathaus versammelt. Schließlich kommt Oberbürgermeister Henning Schleiff heraus und beginnt eine längere Diskussion mit den Protestierenden auf dem Thälmannplatz – über alle möglichen Missstände, die die Bürger beschäftigen, die Wohnungsnot, die Ausreiseproblematik oder die Vergünstigungen, die Stasi-Mitarbeiter bekommen.
    Es handelt sich um einen so nie im Radio gesendeten Roh-Mitschnitt.
    1 hr 16 min
  • Marcel Reich-Ranicki: Es gibt keine jüdische Literatur | 27.10.1988
    Transkript des Gesprächs mit Marcel Reich-Ranicki
    Interviewer:
    Yoram Kaniuk, der Autor von "Bekenntnis eines guten Arabers", ein israelischer Autor, der hier gewesen ist, hat gesagt, die deutsche Nachkriegsliteratur ist judenrein. Nun kündigen Sie ein erstes jüdisches Literaturforum vorerst mit fünf Lesungen an. Mit welcher Intention?
    Marcel Reich-Ranicki:
    Zunächst einmal findet hier kein jüdisches Literaturforum statt. Schon diese Formulierung ist ganz und gar missverständlich. Es ist genau als das Umgekehrte gedacht. Es findet im jüdischen Gemeindezentrum eine Literaturreihe statt. Sie hat aber mit Juden so gut wie gar nichts zu tun. Das jüdische Gemeindezentrum stellt sein Gebäude zur Verfügung und lädt die Autoren ein. Das heißt, ich schlage sie vor. Und es ist eine Reihe, die nichts anderes will, als zeitgenössischen deutschen Autoren zur Öffentlichkeit, zum Publikum zu verhelfen.
    Interviewer:
    Die Veranstaltungsreihe im jüdischen Gemeindezentrum stellt die Frage, impliziert die Frage nach der jüdischen Literatur in Deutschland. Jurek Becker hat gesagt: "Nein, ich bin kein Jude. Ich bin ein Schriftsteller, und ich möchte als Schriftsteller rezipiert werden, nicht als Jude." Gibt es überhaupt so etwas wie eine jüdische Literatur im Nachkriegsdeutschland?
    Marcel Reich-Ranicki:
    Nein, ich glaube nicht, ich glaube nicht und ich weiß auch nicht recht, was jüdische Literatur in der Weimarer Republik war. Wir, die Literatur, wird meiner Ansicht nach klassifiziert, vor allem nach der Sprache, in der sie entsteht. Ich glaube nicht, es ist ein ganz anderes Thema, aber ich darf es hier mit einem Satz anführen: Ich glaube nicht recht an die Existenz der österreichischen oder der schweizerischen Literatur. Ich glaube an die deutschsprachige Literatur unserer Zeit, zu der österreichische und schweizerische Schriftsteller einen sehr wesentlichen Beitrag leisten.
    Ganz ähnlich ist es vielleicht mit den Juden. Es gibt ja praktisch kaum noch Juden, die Deutsch schreiben. Nach 45 gab es noch die ältere Generation der Deutsch schreibenden Juden. Das waren Emigranten, die beinahe alle nicht zurückgekehrt sind nach Deutschland, sondern dann allmählich im Ausland gestorben sind, die aber zum literarischen Leben in der Bundesrepublik und in der DDR sehr wesentlich beigetragen haben.
    Ganz bedeutend war die Rolle der Philosophen, der Juden in Deutschland der 60er-Jahre etwa. Da war ja die Philosophie weitgehend von Juden beherrscht, möchte man sagen. Wer war es also? Theodor W. Adorno, Ernst Bloch, Max Horkheimer, Herbert Marcuse, der nicht mehr lebende Walter Benjamin, der damals nicht mehr Lebende; heute sind sie ja alle diese Philosophen inzwischen tot. Also Walter Benjamin, auch Gershom Scholem. Sie sehen eine große Reihe hervorragender Philosophen, deren Schüler heute eine große Rolle spielen.
    Nun weiter. Es gab nach 45 eine Anzahl von Juden, die in der deutschen Literatur eine Rolle gespielt haben, die nicht Emigranten waren oder Autoren der Weimarer Republik, die noch lebten, sondern solche Autoren, die erst nach 45 oder in den 50er-Jahren zu schreiben begonnen haben. Ein paar Namen: Paul Celan, Peter Weiss, Erich Fried, auch der von ihnen eben genannte Jurek Becker. Aber was Celan oder Fried oder Jurek Becker geschrieben haben, ist deutsche Literatur deutscher Sprache.
    Natürlich kann man die Frage stellen: Und hatte das Judentum auf diese Literatur gar keinen Einfluss? Oh ja, es hatte schon einen Einfluss, bewusst und unbewusst. Natürlich konnten diese Schriftsteller deren, die ja alle noch vor dem, das Dritte Reich erlebt haben oder wie Jurek Becker während des Dritten Reichs geboren wurden, aber ihre Kindheit noch im Dritten Reich erlebt haben, Becker in einem KZ. Natürlich sind diese Erlebnisse nicht ohne Einfluss gewesen. Das gilt für die Themen der Lyrik von Erich Fried oder von Paul Celan. Das gilt natürlich auch für die Themen mehrerer Romane von Jurek Becker, vor allem seines berühmtesten und besten Romans "Jakob der Lügner".
    Interviewer:
    Jüdische Literatur oder jüdische Existenz in Deutschland, in Polen, im – in Europa beinhaltet viele Faktoren. Der Talmud ist eine die Grenzerfahrung, die Erfahrung als Minderheit zu leben, ist eine andere [sic]. Es gibt noch viele andere Faktoren, die die Produktion von Literatur ausmachten.
    Marcel Reich-Ranicki:
    Ja, sehen Sie: Die Erfahrung, als Minderheit innerhalb einer nichtjüdischen Gesellschaft zu leben, diese Erfahrung haben alle diese Autoren allesamt von Moses Mendelssohn über Heine und Börne bis hin zu Thomas Brasch, haben diese Erfahrung machen müssen. Und ich bin überzeugt davon, dass die Erlebnisse dieser Autoren innerhalb der nichtjüdischen Welt auf ihr Werk einen sehr starken Einfluss hatten. Wie stark dieser Einfluss war, erfahren wir oft erst jetzt, weil man das nicht so leicht am Werk erkennen kann, wohl aber an anderen Schriften dieser Autoren, nämlich Briefe, Tagebücher, Erinnerungen. Die sind zum großen Teil erst nach dem Tod veröffentlicht worden. Das ist eine sehr wichtige Rolle, und das hat nichts mit der Kenntnis des Talmuds oder jüdischer Überlieferung zu tun, sondern einfach mit dem Alltag eines Juden innerhalb einer nichtjüdischen, oft genug antisemitischen Gesellschaft.
    7 min
  • Menschenkette gegen Pershing-Raketen | 22.10.1983
    Keine Pershing-II-Raketen auf der Schwäbischen Alb bei Mutlangen!
    Unter dem Motto: "Was gilt die Wette? Wir schaffen die Kette!" demonstrieren am 22. Oktober 1983 bundesweit mehr als eine Million Menschen gegen den NATO-Plan, auf der Schwäbischen Alb in Mutlangen amerikanische Pershing-II-Raketen zu stationieren.
    Unter anderem von Neu-Ulm nach Stuttgart hält eine Menschenkette von 200.000 bis 400.000 Menschen für ein paar Minuten den Verkehr auf.
    Protest war erfolglos
    Von dieser am Ende erfolglosen Protestaktion der Friedensbewegung berichtet am 22. Oktober 1983 auch der Südwestfunk.
    5 min
  • Hanns Martin Schleyers Leiche in Mühlhausen gefunden | 19.10.1977 | RAF
    Hinweise konzentrieren sich auf Mühlhausen in Frankreich
    Die Sendung beginnt um 20 Uhr und endet vor den Mitternachtsnachrichten. Ohne Musik beträgt der Wortanteil eine Stunde. Zu Beginn des Abends gibt es nur Hinweise, dass die Leiche des Arbeitgeberpräsidenten gefunden wurde. Am Ende ist der Beweis da, und die Bundesregierung spricht von der "Stunde der Fahndung", die jetzt angebrochen sei.
    Die anfänglichen Hinweise konzentrieren sich aufs französische Mühlhausen, 130 km südlich von Straßburg. Der SWF hat dazu kurz nach 18 Uhr von Baden-Baden aus Reporter nach Straßburg, wo die polizeilichen Ermittlungen zusammenlaufen, und nach Mühlhausen geschickt – in "Schnellreportagewagen". Auslöser für die Aktionen war ein Text, der u.a. bei der französischen Zeitungen "Liberation" am Spätnachmittag eingegangen war und den Tod von Schleyer und den Aufenthaltsort der Leiche beschreibt. In der Sendung wird dieser Text eingangs in Ausschnitten zitiert. Hier ist er komplett:
    Französische Zeitung: Terroristen veröffentlichen Hinweis auf Schleyers Verbleib
    "Wir haben nach 43 Tagen Hanns Martin Schleyers klägliche und korrupte Existenz beendet. Herr Schmidt, der in seinem Machtkalkül von Anfang an mit Schleyers Tod spekulierte, kann ihn in der Rue Charles Peguy in Mulhouse in einem grünen Audi 100 mit Bad Homburger Kennzeichen abholen. Für unseren Schmerz und unsere Wut über die Massaker von Mogadischu und Stammheim ist sein Tod bedeutungslos. Andreas, Gudrun, Jan, Irmgard und uns überrascht die faschistische Dramaturgie der Imperialisten zur Vernichtung der Befreiungsbewegungen nicht. Wir werden Schmidt und der daran beteiligten Allianz diese Blutbäder nie vergessen. Der Kampf hat erst begonnen! Freiheit durch bewaffneten antiimperialistischen Kampf! Kommando Siegfried Hausner"
    Information über Hanns Martin Schleyers Tod kommt per "Blitzmeldung"
    Bereits am Beginn schaltet der SWF seine drei Sender zusammen und muss sich erst einmal sortieren. Auf die Ansage "Wir brechen unser Wunschkonzert ab und melden uns gleich wieder" folgen lange Pausenzeichen des Südwestfunk Baden-Baden. Dann bricht eine "DPA-Blitzmeldung" das Warten. Schleyer sei tot in Mühlhausen aufgefunden worden. Unmittelbar danach die zweite Meldung von DPA: "Leiche im Kofferraum gefunden."
    Der Reporter aus Straßburg berichtet, das Fahrzeug sei gegen 5 Uhr früh abgestellt worden und habe laut einem Augenzeugen höchstens zwei Stunden da gestanden. Ermittlungsbeamte hätten zunächst die Batterie abgeklemmt und dann den grünen Audi 100 in die Präfektur gebracht. Dort erst sei der Kofferraum geöffnet worden. Von dem Fahrzeug sei ein "sehr intensiver Geruch" ausgegangen.
    Erste Würdigungen für Hanns Martin Schleyer
    Später "eine erste Würdigung" von Hanns Martin Schleyer. Der Kommentator beginnt mit den Worten: "Nun ist uns das Fürchterliche doch nicht erspart geblieben." Der Sadismus der Extremisten finde nur im Tod anderer seine primitive tiefe Befriedigung. Das Verbrechen schreie zum Himmel. Man finde sich in einer "totalen Sinnlosigkeit … Wer beantwortet jetzt die Sinnfrage? … Diese Welt ist für diese Menschen zu groß, zu unheimlich geschaffen worden."
    Der Kommentator würdigt Hanns Martin Schleyer als einen mutigen, ehrlichen und konsequenten, aber "nicht im eigentlichen Sinn … frommen Mann." Der Mord hinterlasse "ein ganzes Volk in Trauer." Der Kommentator schließt mit dem Gedanken: "Wofür wir bestraft werden sollen – wir wissen es nicht."
    Regierungssprecher Klaus Bölling äußert sich in Pressekonferenz
    Viel später schaltet die Sendung live in die Pressekonferenz des Regierungssprechers nach Bonn. Klaus Bölling: "Uns erfüllen Erschütterung und Sorge." Die Täter haben gezeigt, dass sie unbelehrbar sind. Diese Verbrecher seien vermutlich für andere Morde (Fahrer, Polizisten, Buback) verantwortlich. Der Staat werde sie verfolgen. sodass sie "nicht mehr zur Ruhe kommen" werden. "Wir werden den Mördern keine Chance lassen." Die Selbstmorde in Stammheim hätten gezeigt, dass die Terroristen sogar die Auslöschung des eigenen Lebens als Mittel des Kampfs einsetzen.
    "Stunde der Fahndung"
    Dann leitet Bölling auf die Fahndung über: "Jeder Bürger in unserem Land wird den Sicherheitskräften dabei helfen, die Täter aufzuspüren." Das Bundeskriminalamt habe zusammen mit den Länderpolizeidienststellen eine von der Öffentlichkeit unbemerktes Zusammenarbeit bisher nicht gekannten Ausmaßes begonnen. Man habe auf diese Weise ein "dichtes Netz von Beweisen geknüpft". Bölling bekundet im Namen aller Bundestagsfraktionen der Familie von Hanns Martin Schleyer sein Mitgefühl. Nachgiebigkeit gegen über diesen "verbrecherischen Fanatikern" würde sie nur zu neuen Taten herausfordern. Staat müsse sie also zum Aufgeben zwingen. Der Bundeskanzler verbeuge sich vor dem Leid, das Frau Schleyer und den Söhnen zugefügt worden ist. Der Regierungssprecher schließt mit den Worten, jetzt keine Fragen zu beantworten, denn: "Dies ist die Stunde der Fahndung."
    Spekulationen über Schleyers Versteck
    Die Sendung enthält auch einen Rückblick über die Ereignisse und führt immer wieder "nicht bestätigte Informationen" an, die "mit Vorsicht zu genießen" seien: Schleyers Versteck sei in der Nähe von Mühlhausen gewesen, lautet eine solche Information. Sie widerspricht damit einer anderen, wonach der Audi in Ottmarsheim am Rhein von einem Kahn heruntertransportiert worden sein soll. Auch vor den Mitternachtsnachrichten ist noch nicht klar, wie Schleyer ermordet wurde, durch "Schnitt- oder Schussverletzungen".
    Die Sendung endet mit dem Hinweis, dass das erste Programm des SWF morgen Vormittag um 9 Uhr live aus dem Bundestag berichten wird, wo Bundeskanzler Helmut Schmidt eine Erklärung abgeben wird.
    Aus der Archivdatenbank
    Beiträge wurden auf dem 1., 2. und 3. Programm ausgestrahlt. // Meldung: Audi in Mühlhausen, vermutlich mit Schleyers Leiche / Meldung: dpa-Zusammenfassung / Meldung: Gefundene Leiche wahrscheinlich Schleyer / Am Telefon Gerd Schneider aus Mühlhausen / Nachruf auf Hanns Martin Schleyer / Am Telefon Gerd Schneider und Ursula Schaffeld aus Straßburg / Nachrichten / Am Telefon Karl Köhler aus Mühlhausen / Reaktionen aus Bonn und Baden-Württemberg / Am Telefon Hans Werner Conen aus Köln / Chronologie der Schleyer-Entführung / Leiche identifiziert / Pressekonferenz Klaus Bölling / Am Telefon Gerd Schneider aus Straßburg / Fahndungsmeldung
    Moderator: Peter Wien
    Reporter: Gerd Schneider; Alois Rummel, Ursula Schaffeld; Karl Köhler; Hans Linketscher; Hans Werner Conen; Bernhard Hermann
    Archiv des SWR
    59 min
  • Uwe Barschels Tod in Genf – Mord oder Suizid? | 11. bis 16.10.1987
    Zwei Sternreporter finden die Leiche Uwe Barschels
    Zwei Reporter des "Stern" finden Uwe Barschel (CDU) tot in der Badewanne seines Zimmers im Genfer Luxus-Hotel "Beau Rivage". Der Fall löst sofort Spekulationen aus. Denn Uwe Barschel war drei Wochen zuvor von seinem Amt als Ministerpräsident wegen der nach ihm benannten "Barschel-Affäre" zurückgetreten. Seine politische Karriere war vorerst am Ende. Und so drängt sich rasch auch in diesen Nachrichten die Vermutung auf, Barschel habe sich das Leben genommen. Doch die Befundlage erweist sich zunehmend als komplex und widersprüchlich.
    Wurde Engholm ausgespäht? – Die Barschel-Affäre, das Ehrenwort und der Rücktritt
    Barschels Tod: Mord oder Suizid?
    Die Ermittlungen nach dem Tod bringen fast täglich neue Erkenntnisse, aber keine echte Antwort. Es wird bekannt: Barschel hatte vor seinem Tod Kontakt mit einem Mann, der sich Robert Roloff nannte. Mit Roloff wollte er sich in Genf treffen, berichtet Barschels Frau. Dieser hatte ihm erklärt, er kenne die Hintermänner, die Barschel die Abhöraffäre gegen Engholm anhängen wollten und er habe entlastendes Material. Die Polizei erklärt wiederum, dass Barschel vor seinem Tod offenbar Medikamente in einer tödlichen Dosis genommen habe.
    Gerüchte und Mordtheorien
    Die Ermittlungen ziehen sich über Jahre hin. Gerüchte kommen auf, Barschel sei in Waffengeschäfte verwickelt gewesen und habe bestimmten Waffenhändler oder gar Regierungen mit Enthüllungen gedroht – doch diese Thesen konnten nie erhärtet werden. Bei der Frage: Mord oder Suizid? sind sich die beteiligten Ermittler bis zuletzt nicht einig geworden.
    16 min
  • Axel Springer startet mit "Hamburger Abendblatt" seine Nachkriegskarriere | 14.10.1948
    1948 – vier Jahre, bevor er die Bildzeitung gründen wird – bewirbt sich der junge Verleger Axel Springer erfolgreich bei der Britischen Militärregierung um die Lizenz zur Herausgabe einer Tageszeitung in Hamburg. Das Hamburger Abendblatt – das so heißt, weil es anders als viele andere Zeitungen schon abends erscheint, denn die einzige Zeitungs-Druckerei in Hamburg hat nur nachmittags noch Kapazitäten frei. Hier eine Reportage vom 14. Oktober, an dem die erste Ausgabe des Hamburger Abendblatts erscheint.
    Das Hamburger Abendblatt begründet den Aufstieg von Axel Springer, den er sich später mit der Bildzeitung fortsetzt. Das Abendblatt bekommt 1954 auch eine Sonntagsausgabe, aus der zwei Jahre die Bild am Sonntag wurde. Mehr als 30 Jahre später, an seinem 70. Geburtstag 1982 gibt Axel Springer dem Süddeutschen Rundfunk ein Interview – auch das gibt es im SWR2 Archivradio.
    4 min
  • Friedrich Denk zur Frankfurter Erklärung gegen die Rechtschreibreform | 14.10.1996
    Am 1. Juli 1996 beschließen die Kultusminister der Bundesländer sowie Vertreterinnen und Vertreter anderer deutschsprachiger Länder, die deutsche Rechtschreibung zu reformieren.
    Die Zahl der Regeln soll deutlich kleiner werden. Kommasetzen wird etwas leichter, substantivierte Adjektive werden künftig großgeschrieben, also: im Argen liegen, mit großem A. Wortverbindungen werden getrennt, etwa: ruhig bleiben. Und das berühmte Scharf-ß wird, bis auf wenige Ausnahmen, durch ss ersetzt.
    Frankfurter Erklärung: Lehrer Friedrich Denk fordert Stopp der Reform
    Gegen die Reform bricht ein Sturm der Entrüstung los. Prominente wie Siegfried Lenz, Elfriede Jelinek oder Vicco von Bülow, besser bekannt als Loriot, unterzeichnen die sogenannte Frankfurter Erklärung. Herausgegeben hat sie Friedrich Denk, ein Gymnasiallehrer, der pünktlich zur Frankfurter Buchmesse im Oktober 1996 fordert, die Reform umgehend zu stoppen. Sie schade dem Ansehen der deutschen Sprache, stifte Verwirrung und ihre Umsetzung koste Milliarden D-Mark.
    Erfolg werden Denk und seine Mitstreiter nicht haben, die Reform setzt sich durch, auch wenn sich der Initiator im Radiointerview am 14. Oktober 1996 noch kämpferisch gibt.
    Quelle: SDR1 Aktuell
    6 min
  • Erste DDR-Wahlen: Ansprache von SPD-Chef Kurt Schumacher | 13.10.1950
    Am 15. Oktober 1950 – mehr als ein Jahr nach der Gründung der DDR – finden die ersten Wahlen zur Volkskammer statt. In der Bundesrepublik gelten sie als Farce.
    Das ist auch die Sicht von Kurt Schumacher, Vorsitzender der SPD und Oppositionsführer im Bonner Bundestag. Schumacher hat die SPD klar positioniert: Als im Osten SPD und KPD zur SED zwangsfusioniert wurden, lehnte er dies ab. Entsprechend harsch ist seine Ansprache zwei Tage vor den Volkskammer-Wahlen.
    7 min
  • Regierungserklärung von Reichskanzler Heinrich Brüning | 13.10.1931
    Nach einer kurzen Rede des Kommunisten Ernst Torgler gibt Reichskanzler Heinrich Brüning eine Regierungserklärung ab. Sie handelt von der Not in Deutschland und stellt fest, dass die Not eine lähmende Wirkung auf den internationalen Handel habe. Deutschland wolle ein solidarisches Mitglied im Bund der Nationen sein. Die Löhne der Arbeiter seien gesenkt worden, ohne dass es zu großen Streiks gekommen war. Brüning erwähnt "die Krise des englischen Pfundes" und kann deren Auswirkung auf die deutsche Währung noch nicht abschätzen. Es drohe, die ganze Welt in Not und Armut zu versinken.
    Sitzung ohne Nationalsozialisten
    Die große Fraktion der Nationalsozialisten ist nicht im Saal. Sie hatte aus Protest gegen die Weimarer Demokratie am 10. Februar das Parlament mit großem Tamtam verlassen, kommt aber zur nächsten Sitzung wieder für einige Tage zurück.
    Brüning hält seine Rede ohne Irritation durch die Zwischenrufe der Kommunisten. Die Sozialdemokraten hören weitgehend ruhig zu. Der Mitschnitt endet mit dem Ende der Sitzung dieses Tags.
    Redner:
    Ernst Torgler (KPD)
    Heinrich Brüning (Reichskanzler)
    5. Wahlperiode. 1931/32
    51 min

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Historische Aufnahmen und Radioberichte von den ersten Tonaufzeichnungen bis (fast) heute. Das Archivradio der ARD macht Geschichte hör- und die Stimmung vergangener Jahrzehnte fühlbar. Präsentiert…

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