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Aus der Vergangenheit lernen


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Aus der Vergangenheit lernen

„Ihr könnt von allen etwas lernen,“ sagte unser Ausbilder zu Beginn der Lehre, „von den einen, wie man es macht, und von den anderen, wie man es lieber nicht machen sollte.“ In der Tat, ein weiser Rat. Er passt auch zu den Bibelversen aus dem 5. Buch Mose.

Das Kapitel 9 im 5. Buch Mose beginnt mit „Höre Israel!“ So beginnt das jüdische Glaubensbekenntnis. Aber hier erinnert es vor allem an Israels Geschichte.

 

1. Sich zu erinnern, kann demütigen

Das Volk Gottes steht am Ostufer des Jordans und damit kurz vor der Eroberung des verheißenen Landes. Es ist nur noch wie ein „Schritt“ – nach 40 Jahren in der Wüste. Das werden sie doch wohl auch noch schaffen. Doch Mose ist nicht nur ein bewährter Führer, sondern auch ein ausgezeichneter Seelsorger. Mose erinnert an das, was war, und er sagt, was jetzt gesagt werden muss:

V5 Israel, du kommst nicht herein, ihr Land einzunehmen, um deiner Gerechtigkeit und deines aufrichtigen Herzens willen, sondern der HERR, dein Gott, vertreibt diese Völker um ihres gottlosen Treibens willen, damit er das Wort halte, das er geschworen hat, deinen Vätern Abraham, Isaak und Jakob.  

Wenn ich Gottes Treue mit der meinigen vergleiche, werde ich ganz schnell bescheiden. Gott ist nicht nur verlässlich, er ist auch souverän. Er kann zugleich, sozusagen in einem „Aufwasch“, die einen bestrafen und die anderen beschenken. Die Ereignisse am Berg Horeb sind kennzeichnend für Gottes Handeln, aber auch für Israels Versagen. Während Gott oben auf dem Berg das „Grundgesetz“ für sein Volk niederschreibt, tanzen sie unten im Lager um einen selbstgemachten „Goldochsen“.

Mose berichtet:

8 … am Horeb erzürntet ihr den HERRN so, dass er vor Zorn euch vertilgen wollte, … 12 er sprach zu mir: Mach dich auf, geh eilends hinab von hier; denn dein Volk, das du aus Ägypten geführt hast, hat schändlich gehandelt. Sie sind schnell abgewichen von dem Wege, den ich ihnen geboten habe; …

Diese geistliche Katastrophe sollte niemand vergessen. Gott kann zornig sein.

Wie oft mache auch ich mir ein Bild von Gott. Er soll freundlich sein und meine Wünsche und Pläne bestätigen. Wenn ich an Bibeltexte komme, die von Gottes Zorn handeln, deute ich sie rasch, oft ehe ich sie überhaupt ernsthaft gelesen habe. „So kleinlich kann Gott doch nicht sein. So kann es doch nicht gemeint sein, wie es dasteht.“

Doch, Gott kann zornig sein. Dass er mit seinem Volk - und auch mit mir - überhaupt noch weitermacht, ist für mich unbegreiflich. 

7 „Denke daran und vergiss nicht, wie du den HERRN, deinen Gott erzürntest …“

Sich zu erinnern, kann demütigen.

 

2. Sich zu erinnern, kann bewahren

Es liest sich wie eine Nebensache und ist doch interessant: Mose scheint, trotz allem, für sein Volk gebetet zu haben, doch Gott wehrt ab und macht Mose einen „Vorschlag“:

14 Lass ab von mir, damit ich sie vertilge und ihren Namen austilge unter dem Himmel; aber aus dir will ich ein stärkeres und größeres Volk machen als dieses.

Ist das eine Prüfung? Vielleicht. Im 2. Buch Mose, Kapitel 32 lese ich dazu jedenfalls, dass Mose dieses „Angebot“ eindeutig abgelehnt hat. Er ist nur der Mittler; er selbst sieht jetzt nicht seine große Chance. Es geht ihm um Gottes Ansehen. Dieses Muster an Selbstlosigkeit und Demut wird später nur noch von Jesus übertroffen, der sagte:

Denn ich bin vom Himmel gekommen, nicht damit ich meinen Willen tue, sondern den Willen dessen, der mich gesandt hat. Johannes 6,38 

Das 5. Buch Mose erzählt die Geschichte Israels - auch die peinlichen Episoden. Dieser Rückblick soll davor bewahren, hochmütig und rückfällig zu werden.

Manchmal leide ich darunter, bestimmte Dinge nicht vergessen zu können, obwohl sie doch vergeben sind. Doch, sich an eigene Sünde zu erinnern, kann auch eine Hilfe sein und ganz neu zum Dank anregen.  So schrieb z.B. der Apostel Paulus an die Christen in Kolossä:

„Dankt Gott, dem Vater, … Er hat uns errettet aus der Macht der Finsternis und hat uns versetzt in das Reich seines geliebten Sohnes, 14 in dem wir die Erlösung haben, nämlich die Vergebung der Sünden.“ (Kolosser 1,12ff)

Gott sei Dank, die Sünden sind vergeben! Sich dann daran zu erinnern, muss mich nicht deprimieren, sondern kann helfen, mir bewusst zu machen: Erlösung verpflichtet und befähigt zur Nachfolge!

Vierzig Tage und Nächte war Mose damals allein auf dem Berg. „Ob der wohl je wieder kommt?“ haben vielleicht manche gefragt, während andere Israeliten schon am „Plan B“ arbeiteten. „Gott hat uns doch auch den Verstand gegeben, …“ Das ist zwar richtig, aber manchmal auch eine Ausrede, wenn man nicht warten will. Geduldig zu sein und auf die Hilfe des Herrn zu hoffen, ist anstrengend, aber immer gesegnet. Wenn Jesus zu seinen Jüngern sagt: Ohne mich könnt ihr nichts tun! (Johannes 15,5), heißt das umgekehrt auch: Ohne Jesus ist alles nichts! Erinnern Sie sich an sein Wort; es soll und kann bewahren.

 

3. Sich zu erinnern, kann ermutigen

Wer sich an Gottes Barmherzigkeit erinnert, kann zuversichtlich beten. In V26 im 9. Kapitel berichtet Mose:

26 Und ich bat den HERRN und sprach: Herr HERR, verdirb dein Volk und dein Erbe nicht, das du durch deine große Kraft erlöst und mit mächtiger Hand aus Ägypten geführt hast! 

Mose verharmlost nichts. Er erinnert hier, wie er damals nach der schlimmen Sache mit dem Goldkalb als Vermittler vor Gott trat und die Dinge beim Namen nannte, 27 … Halsstarrigkeit … gottloses Treiben und … Sünde …,

Aber zugleich rühmt Mose Gottes Taten und Verheißungen: „Herr, du hast Israel erlöst!“ „Herr, denke an Deine Versprechen …!“ Als ob man Gott an etwas erinnern müsste. Dennoch kann ich so mit Gott reden. Gleichzeitig werde ich selbst dadurch an Gottes absolute Treue erinnert. Das Bestehen des Volkes Israel ist an Gottes zuverlässiges Wort gebunden. Gott hält, was er verspricht. Das ermutigt.

Ich sehe unseren heutigen Bibelabschnitt als Ermutigung für alle, die sagen können: „Ich gehöre dem lebendigen Gott! Ich gehöre Jesus, seinem Sohn.“ Gott will, dass wir uns an sein Wort erinnern und uns auf seine Versprechen berufen. „Vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat!“ Heißt es in einem anderen Gebet. (Psalm 103,2) Wir sollen uns erinnern! Das kann demütigen, das kann aber auch bewahren und ermutigen.

 

Autor: Reinhold Wennagel

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