Bildung auf die Ohren

Bildung auf die Ohren

By Deutscher BildungsserverEducation
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Bildung auf die Ohren episodes

  • Wichtige Themen 2020 – unser Podcast zum Jahreswechsel
    Persönliche Jahresrückblicke von sechs Redakteurinnen des Deutschen Bildungsservers.

    Wie schon im vergangenen Jahr haben wir auch 2020 die Kolleginnen vom Redaktionsteam des Deutschen Bildungsservers gefragt, ob Sie Lust und Zeit haben zum Jahreswechsel einen Rückblick auf Themen und Diskussionen zu wagen, die sie persönlich am wichtigsten fanden. Sechs Kolleginnen haben bei unserem Jahresrückblick mitgemacht, wir stellen ihre persönlichen Einschätzungen in diesem Podcast vor. Wie immer haben wir die Linktipps aus den Themenbereichen nochmal extra aufgeführt, und wir haben auch die Textversion des Podcasts veröffentlicht.

    Links zu den jeweiligen Rückblicken
    Themenbereich Schule

    Redakteurin: Dr. Caroline Hartmann

    • Das Deutsche Schulbarometer Spezial zur Corona-Krise
    • Interview mit Prof. Dr. Heinz-Elmar Tenorth: „Voll digital in die pädagogische Regression“
    • Vortrag von Prof. Dr. Klaus Zierer: „Digitalisierung und Bildung: Möglichkeiten und Grenzen“
    • Interview mit Prof. Dr. Dieter Spanhel: „Selbstgesteuertes Lernen ist Voraussetzung für Medienkompetenz“
    • Offene Bildungsinhalte / Open Educational Resources (OER)

      Redakteurin: Michaela Achenbach

      • Abschlusspublikation der Informationsstelle Open Educational Resources
      • OERinfo | Informationsstelle Open Educational Resources
      • Webinare mit den OERcamps-Coaches
      • Open Educational Resources (OER) an berufsbildenden Schulen in Deutschland
      • Mundo, die offene Bildungsmediathek der Länder
      • Wir lernen online! Freie Bildung zum Mitmachen
      • Themenbereich Bildung weltweit

        Redakteurin: Nadia Cohen

        • Deutscher Bildungsbericht 2014 mit dem Schwerpunktthema „Menschen mit Behinderung“
        • Dossier „Inklusion in Internationaler Perspektive“ mit den Kapiteln „Inklusion: Internationales“, sowie „Inklusion in… Europa, Nordamerika, Südamerika, Afrika“ sowie in einzelnen Ländern.
        • Mailingliste des offenen Netzwerks „i.int_netzwerk – Netzwerk Inklusion international“. Neben dem DFG-Netzwerk „Inklusion International“, welches nur den Mitgliedern zugänglich ist, die sich an dem Förderantrag beteiligt haben, gibt es weiterhin das offene Netzwerk mit seiner Mailingliste. Dort können sich alle interessierten Forschenden eintragen.
        • World Bank Education and COVID-19. Interaktive Karte der Weltbank zu Schulschließungen weltweit aufgrund von Corona. Eine ähnliche Karte bietet auch die Unesco an.
        • Zwei Artikel des World Education Blog, der vom Team des Weltbildungsberichts der UNESCO betrieben wird, zum Thema Corona und Menschen mit Behinderung.
          • How is the coronavirus affecting learners with disabilities?
          • Emerging from COVID-19 pandemic: A social inclusion approach to educating learners with disabilities
          • Themenbereich Berufsbildung

            Redakteurin: Renate Tilgner

            • IT-Berufe: Aus- und Weiterbildung
            • IT-Berufe: Modernisierte Ausbildungsordnungen ab 01.08.2020
            • Berufsbildung 4.0 – die neuen IT-Berufe
            • Sie fragen – wir antworten. Die neuen IT-Berufe. BIBB
            • Grimm, Axel: IT-Berufe 2020 – Update oder Releasewechsel (in: Bildung und Beruf, Heft 3/2020, S 206-2013)
            • bildungsserverBlog

              Redakteurin: Christine Schumann

              • Die Reihe „Demokratie und Bildung“ im bildungsserverBlog
              • Das Dossier „Demokratie und Partizipation lernen und leben“
              • Welche Erfahrungen machen Schüler mit Demokratiebildung an ihrer Schule? Ein Gespräch mit zwei Frankfurter Schülern
              • „Wir brauchen eine Liste von No-Gos, um die schlimmsten Auswüchse pädagogischen Fehlverhaltens bewusst zu machen.“ INTERVIEW mit Prof. Annedore Prengel, die – nach langen Berufsjahren an verschiedenen Universitäten – seit 2013 als Seniorprofessorin an der Goethe-Universität Frankfurt/Main lehrt.
              • „Das Selbstverständnis von Lehramtsstudierenden ist fachdominiert und zu wenig auf Fragen der Persönlichkeitsbildung bezogen.“ FRAGEN AN Wilfried Schubarth, Professor für Erziehungs- und Sozialisationstheorie an der Universität Potsdam, der sich schon seit den 90er Jahren mit Fragen der Lehrerbildung beschäftigt.
              • Die digitale Beteiligungsplattform „aula“ als Instrument der Demokratiebildung. Gespräch mit der Publizistin Marina Weisband, die im Rahmen eines Projekts mit der Bundeszentrale für Politische Bildung die digitale Partizipations-Plattform aula entwickelt hat
              • Das Dossier „Bildung in der digitalen Welt“
              • Themenbereich Erwachsenen-/Weiterbildung

                Redakteurin: Doris Hirschmann

                • Bildung in Zeiten von Corona
                • Innovationswettbewerb INVITE – „Digitale Plattform berufliche Weiterbildung“ – Bekanntmachung des Bundesministerium für Bildung und Forschung
                • Projekt Integrierte Weiterbildungsberichterstattung (iWBBe)
                • Podcast des Deutschen Bildungsservers „Bildung auf die Ohren“
                • Der Podcast des DIPF | Leibniz-Institut für Bildungsforschung und Bildungsinformation im DIPFblog
                • Der Podcast potenziaLL des wb-webs
                • Deutscher Weiterbildungstag
                • Didacta 2021
                • Beitrag von Nele Hirsch über Onlinelernen und das gemeinsame Weiterlernen danach
                • Der Jahresendpodcast 2020 in Textversion

                  „2020 war ein schreckliches Jahr – ich wollte noch nie so gerne wieder in die Schule gehen!“ (O-Ton 1)

                  „Also, das einzig Gute an den Schulschließungen war, dass ich nicht so früh aufstehen musste!“ (O-Ton 2)

                  „2020 war ein schreckliches Jahr – ich wollte noch nie so gerne wieder in die Schule gehen!“ „Also, das einzig Gute an den Schulschließungen war, dass ich nicht so früh aufstehen musste!“ So urteilen meine Kinder. Ich selbst muss gestehen, dass ich während der Schulschließungen wirklich an meine Grenzen gestoßen bin. 

                  Von einem Tag auf den anderen waren Schulen gezwungen, mit bewährten Mustern zu brechen und ganz neue Ideen zum Lehren und Lernen zu entwickeln. Lassen wir zunächst einmal ein paar Zahlen für sich sprechen. Ich kann Ihnen hierfür insbesondere das „Deutsche Schulbarometer Spezial zur Corona-Krise“ ans Herz legen. Bei der repräsentativen Forsa-Umfrage im Auftrag der Robert Bosch Stiftung in Kooperation mit der ZEIT wurden Lehrkräfte während der Schulschließungen gefragt, wie sie die neuen Aufgaben bewältigten und welche Konsequenzen sie für die eigene Arbeit und die Weiterentwicklung ihrer Schule sähen.

                  28 Prozent der Befragten nannten den Mangel an digitaler Ausstattung der Schüler als die größte Herausforderung angesichts der Schulschließungen. Gleich an zweiter Stelle der am häufigsten genannten Probleme folgte die fehlende Erfahrung der Lehrkräfte beim Erstellen digitaler Unterrichtsinhalte. Eine große Mehrheit von 86 Prozent meinte zudem, dass sich durch die Schulschließung die Auswirkungen der sozialen Ungleichheiten noch verstärkt hätten.

                  Heinz-Elmar Tenorth, ehemals Professor am Institut für Erziehungswissenschaften der Humboldt-Universität, geht in seiner Analyse sogar noch weiter: Ihm zufolge habe Corona nahezu Bildungsverhältnisse der Vormoderne neu erzeugt, als Unterricht Recht und Pflicht der Eltern war, die sich den Hauslehrer oder die private Betreuung leisten konnten.

                  Doch ist die Digitalisierung der Schulen die Antwort auf alle Probleme? Im Interview mit dem „Deutschen Schulportal“ erklärt Prof. Dr. Dieter Spanhel, dass selbst mit einer guten Medienausstattung der Schulen, einem verstärkten Medieneinsatz und einer fundierten Medienbildung das gegenwärtige Problem unserer Schulen nicht zu lösen sei.

                  Bereits ein Jahr vor der Corona-Krise mahnte auch Prof. Dr. Klaus Zierer von der Universität Augsburg bei einem Vortrag beim Leibniz-Institut [für Bildungsforschung und Bildungsinformation], dass das Potential von digitalen Medien nicht ausgeschöpft werde, wenn diese nur als Ersatz für traditionelle Medien genützt würden. Lernen mit digitalen Medien müsse vielmehr heißen, neue Formen der Interaktion, des Gesprächs und der Zusammenarbeit in Lehr-Lern-Prozesse zu integrieren.

                  Ich kann Prof. Spanhel und Prof. Zierer nur Recht geben. Selbstbestimmtes Lernen setzt Autonomie voraus. Diese muss den Schülerinnen und Schülern erst nähergebracht werden. Doch es gibt Hoffnung: Immerhin gaben bei dem „Deutschen Schulbarometer Spezial“ 67 Prozent der Lehrerkräfte an, dass sie ihre Schülerinnen und Schüler künftig stärker dazu befähigen würden, mehr Verantwortung für ihren eigenen Lernprozess zu übernehmen. Ob ihnen dies gelingen wird, das wird sich erst noch zeigen.

                  Was nehmen wir also für die Zukunft mit? Mein Sohn sieht das so: „Es macht schon Spaß, auf dem Tablett Aufgaben zu machen, aber am liebsten höre ich eigentlich meiner Lehrerin zu.“ Dies zu vereinen, das wird wohl die zukünftige Aufgabe der Schule sein. Ja, wir müssen die Digitalisierung der Schulen in jeder Hinsicht weiter vorantreiben, aber wirklich gelingen kann sie nur dann, wenn wir es schaffen, eine neue Lern- und Arbeitskultur an den Schulen zu etablieren, die über den Einsatz von digitalen Medien noch weit hinausgeht.

                  Open Educational Resources – Informationsstelle OER

                  Offene und frei lizenzierte Bildungsmaterialien, auch Open Educational Resources (OER) genannt, werden für alle Bildungsbereiche immer wichtiger. Dieser Trend wird aktuell durch die Corona-Pandemie noch verstärkt. Nach vier Jahren Projektlaufzeit endete im Oktober 2020 die zweite Förderphase von OERinfo – der Informationsstelle für freie Bildungsmaterialien. In ihrer frei verfügbaren Abschlussdokumentation ziehen die Projektpartner Bilanz und formulieren Empfehlungen für die Zukunft. Neben dem Blick zurück, wagen sie also auch einen Blick nach vorn. Das Wissen um OER muss weiterhin in die Breite getragen werden, digitale Bildung braucht Open Educational Resources, so das Fazit. OER eignen sich für das Homeschooling, den digitalen Unterricht und die digitale Lehre, denn sie sind in allen digitalen Lehr-und Lernumgebungen einsetzbar – kostenlos, frei verfügbar und an jeweilige Bedürfnisse anpassbar. Das umfangreiche Informationsangebot des Online-Portals OERinfo, das die Informationsstelle seit 2016 aufgebaut hat, bleibt auch über die Projektlaufzeit hinaus für Interessierte verfügbar. Schauen Sie doch mal rein.

                  Sie benötigen Praxiswissen rund um offene Lehr-/Lernmaterialien? Dieses finden Sie z.B. in der zweiten Staffel der OERcamp-Webtalks. Hier vermitteln die OERCampCoaches (bekannt aus den berühmten OERCamps) Hilfreiches rund um offene Lehr-/Lernmaterialien. Bis Ende Januar 2021 finden an Werktagen täglich Webtalks zu den fünf Oberthemen

                  • freie Unterrichtsmaterialien für Lehrkräfte
                  • Open-Source Alternativen für die eigene Infrastruktur
                  • digitales Making
                  • H5P für Fortgeschrittene sowie
                  • kollaboratives Online-Lernen
                  • statt. Die Teilnahme an den OER-Webinaren ist unverbindlich, kostenfrei und ohne Anmeldung möglich.

                    Wie hoch ist die Bereitschaft an berufsbildenden Schulen, Lehr-/Lernmaterialien im Sinne von Open Educational Resources zu teilen? Dieser Frage stellt sich das Bundesinstitut für Berufsbildung und veröffentlicht die Ergebnisse einer Umfrage in einem Diskussionspapier. Rund ein Drittel der Befragten gibt an, den Begriff OER zu kennen und steht diesem im Allgemeinen positiv gegenüber. Bereits rege praktiziert wird der Austausch von Bildungsmaterialien im Kreis der Kolleginnen und Kollegen. Sie aber einem größerem Nutzerkreis zur Verfügung zu stellen, beispielsweise auf Plattformen, dazu ist die Mehrheit nicht bereit.

                    Last but not least möchte ich Sie noch auf zwei neue Bildungspattformen hinweisen, die auch offene Bildungsmaterialien enthalten und im 2. Halbjahr 2020 online gingen: „Mundo“ – das gemeinsame Bildungsportal aller 16 Bundesländer und „Wir lernen online“ – die Suchmaschine zu OER.

                    Angesichts des kurzfristigen Bedarfs an digitalen Unterrichtsmaterialien für die Schule aufgrund der Corona-Pandemie hat das Institut für Film und Bild in Wissenschaft und Unterricht (FWU) das ländergemeinsame Medienportal MUNDO konzipiert. Das Portal wurde aus Mitteln des DigitalPakts Schule finanziert. Es bietet allen pädagogischen Fachkräften, Schülerinnen und Schülern sowie Erziehungsberechtigten qualitativ und lizenzrechtlich geprüfte Unterrichtsmedien verschiedener Quellen frei zugänglich zur Verfügung.

                    Den gleichen Nutzerkreis sprechen die Macher von „Wir lernen online – Freie Bildung zum Mitmachen“ an. Inhalte, Methoden und Tools zum Lehren und Lernen sollen mit Hilfe des Portals und der integrierten Suchmaschine schnell und einfach auffindbar sein. Es ist ebenfalls möglich eigene Materialien zu teilen. Das Motto lautet: Am besten gemeinsam. Zahlreiche Mitmachaktionen laden Nutzerinnen und Nutzer zur Beteiligung ein.

                    Bildung Weltweit

                    Erinnern Sie sich noch an das Thema Inklusion? Als im Jahr 2014 unsere Kolleginnen und Kollegen hier am DIPF den Deutschen Bildungsbericht mit dem Schwerpunkt „Menschen mit Behinderung“ herausgaben, entschlossen wir uns beim Deutschen Bildungsserver, ein begleitendes Dossier zum Thema Inklusion zu erstellen. Im Zuge dessen begann ich, das Thema Inklusion sowohl international, als auch regional auf verschiedenen Kontinenten und in einzelnen Ländern zu beleuchten. Dann kamen jedoch schon bald wieder neue Themen, Bildung für Flüchtlinge, Bildung in Brexit-Zeiten, oder auch Bildung im Zusammenhang mit Wahlen in verschiedenen Ländern. Und für die Inklusion blieb nur noch wenig Zeit.

                    Seit einigen Monaten ist das Thema Inklusion jedoch wieder in meinen Fokus gerückt. Das hat zwei Gründe: Zum einen arbeite ich seit kurzem in einem Netzwerk mit, das sich mit Inklusionsforschung im internationalen Bereich beschäftigt. Dafür habe ich meine Arbeit an den Webdossiers zu Inklusion wieder aufgenommen und habe es dieses Jahr endlich geschafft, mir einen weiteren Kontinenten dazu anzusehen: Südamerika. Und was mir schon bei der Arbeit an den anderen Webdossiers zu Inklusion im internationalen Raum aufgefallen war, hat sich mit Südamerika noch einmal bestätigt: Inklusion wird hier nicht nur als Inklusion von Menschen mit Behinderung verstanden. Vielmehr wird das Thema oft in einem Zuge mit dem Thema Bildungsgerechtigkeit und sozialer Inklusion verhandelt.

                    Und das führt mich zu dem zweiten Grund, aus dem für mich das Thema Inklusion dieses Jahr wieder in den Fokus gerückt ist: Sie haben es vielleicht schon erraten, es geht um die Corona-Pandemie. Dieses Thema hat uns beim Bildungsserver natürlich auch beschäftigt, und da in Deutschland die Diskussion um Bildung in Pandemiezeiten einher ging mit einer Diskussion um Digitale Bildung, haben wir uns natürlich verstärkt auch um dieses Thema bemüht. Jedoch – die Themen Digitale Bildung und Bildung in Coronazeiten wurden stets auch begleitet von einer Diskussion um Bildungsgerechtigkeit und Teilhabe. Und es hat sich leider gezeigt, dass wieder einmal die, die es sowieso schon nicht einfach haben, also Kinder mit Behinderungen, Kinder mit Migrationshintergrund, Kinder aus armen Familien, durch die Coronapandemie am härtesten getroffen wurden. Seien es nicht vorhandene digitale Endgeräte, Platzmangel oder auch wegbrechende Kontakte zu Inklusionshelfern, Förderlehrern und Ähnlichem aufgrund von Kontaktbeschränkungen: Inklusion, oder wir könnten auch sagen, das Credo „Bildung für alle“, wurde durch die Corona-Pandemie und den damit einhergehenden Maßnahmen wie Schulschließungen, den eben erwähnten Kontaktbeschränkungen oder die Umstellung auf digitalen Fernunterricht auf eine harte Probe gestellt.

                    Wenn man das Ganze außerdem im internationalen Vergleich betrachtet, muss man feststellen, dass die Situation für Kinder und Jugendliche in vielen sogenannten Ländern mit mittlerem und geringem Einkommen durch die Corona-Pandemie noch viel schwieriger geworden ist, als sie es vielleicht sowieso schon war. So sind laut einer Erhebung der Weltbank Mitte November in 59 Ländern weltweit immer noch alle Schulen landesweit geschlossen, in weiteren 98 Ländern sind die Schulen nur mit Beschränkungen offen. Und selbst wenn Schulen mit Beschränkungen offen sind, heißt das leider noch lange nicht, dass alle Schüler wieder dorthin gehen bzw. am Unterricht teilhaben können. Beschränkungen wie das Maske-Tragen oder ein Wechsel zwischen Präsenz- und Digitalunterricht können für Kinder und Jugendliche, die z.B. gesundheitliche, finanzielle oder sprachliche Schwierigkeiten haben, immer noch zu Benachteiligungen führen.

                    Daher halte ich das Thema Inklusion, im Sinne einer echten Teilhabe für alle an Bildung, für ein weiterhin nicht nur sehr wichtiges, sondern geradezu zentrales Thema, wann immer über Bildung nachgedacht, diskutiert oder entschieden wird.

                    Die neu(est)en IT-Berufe

                    IT-Berufe? Die gibt es doch, mögen sich manche gedacht haben, als im Sommer die Sprache auf „die neuen IT-Berufe“ kam. Mit dem Wachstum der Branche in den neunziger Jahren wurden 1997 die IT-Ausbildungsberufe eingeführt und gehören nun mit zu den beliebtesten Ausbildungsberufen. Neu also? Na ja, fast; denn zum neuen Ausbildungsjahr, das im August 2020 begann, wurden neue Ausbildungsordnungen beschlossen, ferner übergreifende Neuerungen für alle IT- Berufe. Was hat es damit auf sich?

                    2015 erhielt das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) den Auftrag, einen eventuellen Novellierungsbedarf für die IT-Ausbildungsberufe zu prüfen. Schwerpunkte der Untersuchung betrafen die Anforderungsprofile und die Struktur der Berufe, die Gestaltung der Prüfung sowie Schnittstellen zwischen Ausbildung, Fortbildung und Hochschule. Die Ergebnisse der Studie flossen in die Neuordnungsarbeit ein.

                    Zum 1. August 2020 sind die neuen Ausbildungsordnungen für die IT-Ausbildungsberufe in Kraft getreten. Was hat sich geändert? Für alle Berufe gilt übergreifend: IT-Sicherheit und Datenschutz werden ausgebaut, personale und soziale Kompetenzen werden gestärkt. Außerdem  wurde eine gestreckte Abschlussprüfung eingeführt, die in zwei zeitlich voneinander getrennten Teilen stattfindet.

                    Für einzelne Berufe gilt im Folgenden:

                    Den Ausbildungsberuf Fachinformatiker/-in gab es bisher in den zwei Fachrichtungen Systemintegration und Anwendungsentwicklung. Er wird nun um zwei neue Fachrichtungen ergänzt. Erstens Daten- und Prozessanalyse, diese beinhaltet Aufgaben wie die Analyse von Arbeits- und Geschäftsprozessen. Zweitens Digitale Vernetzung, diese dient der Planung von Systemen zur Vernetzung von Prozessen und Produkten. Die beiden neuen Fachrichtungen kommen Anforderungen in den Bereichen Big Data und Industrie 4.0 entgegen. Die bereits bisher getrennten Berufsprofile werden weiter differenziert.

                    IT-System-Elektroniker/innen werden in verschiedenen Einsatzgebieten ausgebildet. Zu ihren Aufgaben gehören die Installierung von IT-Systemen, Service- und Instandsetzungsarbeiten an Geräten und -systemen. Ein Ausbildungsschwerpunkt sind elektrotechnische Inhalte, die einer Modernisierung unterzogen wurden. Informatik-Kaufleute wurden zu Kaufleuten für Digitalisierungsmanagement, sie betreiben die Digitalisierung von Geschäftsprozessen auf operativer Ebene. Der IT-System-Kaufmann und die IT-System-Kauffrau wurden zu Kaufleuten für IT-System-Management. Der Schwerpunkt ihrer Tätigkeiten liegt auf Service und Systembetreuung, Vertrieb, Marketing und Dienstleistungen.

                    Das Prinzip der Kern- und Fachqualifikation ist beibehalten worden, alle IT-Ausbildungsberufe haben im ersten Ausbildungsjahr die gleichen Lernfelder. Eine Ausdifferenzierung findet im weiteren Verlauf der Ausbildung statt.

                    Die Neuordnung könnte auch einen Anstoß zur weiteren Professionalisierung der Lehrkräfteausbildung geben und den berufsbildenden Schulen die Möglichkeit geben, die IT-Ausbildungsarbeit neu zu gestalten. Wie sich die Novellierung in der Praxis bewährt, werden die folgenden Ausbildungsjahre zeigen. Eine Modernisierung des Systems der IT-Weiterbildungsberufe steht im Raum.

                    bildungsserverBlog

                    Was mich als Social-Media-Redakteurin dieses Jahr besonders beschäftigt hat? Fragen der Demokratiebildung! Natürlich neben der Diskussion um „Digitale Bildung“ oder zeitgemäße Bildung, die wegen der Corona-Pandemie endlich richtig in Schwung kam und bei Twitter täglich rauf und runter diskutiert wurde. Und ja: Hier gibt es noch einigen Handlungsbedarf!

                    Doch jetzt zum Thema Demokratiebildung. Die Kolleginnen beim Deutschen Bildungsserver haben dazu ein gutes und umfangreiches Dossier mit Hinweisen erarbeitet, wie Demokratie und Partizipation gelernt und gelebt werden kann. Im bildungsserverBlog haben wir in einer begleitenden Reihe mit Interviews und Gesprächen versucht herauszufinden, wie demokratische Regeln in den verschiedenen Bildungsbereichen eingeübt werden können – und pädagogische Fachkräfte Partizipation ganz praktisch umsetzen können.

                    Anlass für das Dossier waren die schrecklichen rassistischen und antisemitischen Anschläge 2019 und das Erstarken und immer offensivere Zurschaustellen rechtsradikaler Positionen. Auch ist bei vielen der Eindruck gewachsen, dass die Demokratie als Staatsform wenn nicht angegriffen, so doch zumindest durch populistische und verzerrende Überzeichnungen und Verdrehungen bedroht zu sein scheint. 2020 kam mit den Querdenker-Demos und den abstrusen Verschwörungsmythen eine neue Dimension der Faktenleugnung dazu. Ob eine verstärkte Demokratiebildung in der Schule und anderen Bildungseinrichtungen hilft, diesen Entwicklungen ausreichend entgegenzutreten? Das bleibt zu hoffen!

                    Zwei Schüler eines Frankfurter Gymnasiums können jedenfalls von sehr positiven Beispielen aus ihrer Schullaufbahn berichten. Kollege Luca Mollenhauer hat in einer Podcastfolge über ihre Erfahrungen und Eindrücke bei der Vermittlung von Demokratie im Schulunterricht gesprochen und auch über Möglichkeiten der demokratischen Partizipation im Schulsystem wie die SMVs, die Schülermitvertretungen.

                    Solche repräsentativen Mitbestimmungsmodelle hält Annedore Prengel in der Kita allerdings nicht für angemessen. Ihr ist es viel wichtiger, sich darum zu bemühen, die Bedürfnisse aller zu berücksichtigen. Sie lenkt den Blick auf die Bedeutung von pädagogischen Interaktionen – für sie ein zentraler Faktor zur demokratischen Sozialisation von Kindern. Gemeinsam mit einem Expertenkreis hat die emeritierte Professorin für Erziehungswissenschaft 10 Leitlinien entwickelt, die dabei unterstützen sollen, pädagogische Beziehungen menschenwürdig zu gestalten: Die 2017 veröffentlichten „Reckahner Reflexionen zur Ethik pädagogischer Beziehungen“.

                    Dass Pädagoginnen und Pädagogen sich stärker auf ihre Rolle als Experten für Interaktionen besinnen müssen und an ihren sozialen Kompetenzen wie Kritikfähigkeit, Fähigkeit zum Perspektivwechsel und Empathie arbeiten sollen, findet auch Wilfried Schubarth. Der Professor für Erziehungs- und Sozialisationstheorie plädiert dafür, Biografiearbeit in die Lehramtsausbildung zu integrieren. Und zwar ganz einfach deshalb, weil man an den eigenen Erlebnissen am besten erkennen könne, wo Probleme entstehen und was passiert, wenn sie nicht aufgearbeitet werden. Außerdem empfiehlt er das Thema Demokratiepädagogik als ein pädagogisches Handlungsfeld in das Studium aufzunehmen – im Rahmen einer der Praxisphasen.

                    Die Erfahrung von Selbstwirksamkeit hält auch Marina Weisband für einen ganz wichtigen Faktor, um ein demokratisches Miteinander zu lernen. Das geht ihrer Erfahrung nach am besten, wenn jeder und jede einzelne sich aktiv an demokratischen Prozessen beteiligt und sich so als handelndes Subjekt erleben kann. Die Psychologin hat gemeinsam mit anderen ein Instrument der Demokratiebildung für die Schule geschaffen, die digitale Beteiligungsplattform „aula“. Mit ihr lernen Schülerinnen und Schüler, wie man gute und umsetzbare Vorschläge ausarbeitet, Mehrheiten organisiert und mit Engagement und Verantwortung den eigenen Lebensraum gestalten kann. Und das alles mithilfe einer digitalen Plattform. Und jetzt bin ich doch wieder beim Thema „Bildung in der digitalen Welt“ gelandet. Aber ich bin sicher: Beide Themen werden uns auch 2021 noch sehr beschäftigen!

                    Erwachsenenbildung und Weiterbildung

                    Natürlich hat auch im Bereich der Erwachsenenbildung und Weiterbildung das Jahr 2020 einen starken Schub in Richtung Digitalisierung mit sich gebracht. Es gab beim Deutschen Bildungsserver zahlreiche Informationsmodule dazu, die auch weiterhin kostenfrei erreichbar sind und laufend aktualisiert werden. Darüber hinaus wurden im Jahr 2020 in der Erwachsenenbildung/Weiterbildung interessante Vorhaben auf den Weg gebracht, die in 2021 ihre Fortsetzung finden werden und deren weiterer Entwicklung ich mit Spannung entgegen sehe.

                    Da ist zuerst mal der auch in vorherigen Podcasts schon erwähnte Innovationswettbewerb INVITE zur Entwicklung einer „Digitalen Plattform für berufliche Weiterbildung“ des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF). Bis zum 15.09.2020 konnten Projektskizzen eingereicht werden und diese werden nun gesichtet und bei positiver Begutachtung erfolgt eine Aufforderung zur Einreichung eines Förderantrags. Die Ideen kreisen in dem Wettbewerb darum, vielfältigen Weiterbildungsinteressen mit Hilfe von Künstlicher Intelligenz besser entgegen zu kommen. Ziele sind u.a. passgenauere Angebote auf Suchanfragen oder auch Verbesserungen bei der individuellen Zusammenstellung von Weiterbildungsmodulen.

                    Die nächste interessante Entwicklung, die ich zum Jahresende vorstelle, ist das Projekt Integrierte Weiterbildungsberichterstattung (iWBBe). Ziel des im Juni 2020 gestarteten Projektes ist eine stringente und systematische Darstellung von Erkenntnissen und Ergebnissen zur beruflichen Weiterbildung. Hierzu soll kein neues Berichtssystem aufgebaut werden; vielmehr geht es darum, die bislang eher punktuellen und partiellen Daten und Ergebnisse aus den bestehenden Berichtssystemen zu einem Gesamtbild zusammenzuführen sowie besser mit der allgemeinen Bildungsberichterstattung zu verbinden. Mit Blick auf die Nationale Weiterbildungsstrategie (NWS) liegt der Schwerpunkt dabei auf der beruflichen Weiterbildung. Das Projekt wird ebenfalls vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert.

                    Neben diesen interessanten Entwicklungen möchte ich in meinem Rückblick auf das Thema Podcasts etwas eingehen. Podcasts sind selbstverständlich kein neues Phänomen, aber 2020 war für mich persönlich das Jahr der Entdeckung von Podcasts und ich habe mich erstmals richtig damit befasst und dabei nicht nur eine ganze Reihe sehr interessanter Podcasts mit hohem Unterhaltungswert kennengelernt und eine Podcast-Weiterbildung bei dem sehr guten Dozenten Daniel Meßner absolviert, sondern ich habe selbst Podcasts erstellt und vor allem entstanden im Bildungssektor ein paar neue Podcast-Reihen.

                    Da ist erst mal die Podcastreihe des Deutschen Bildungsservers „Bildung auf die Ohren“, die Ihr grade hört, außerdem veröffentlicht das DIPF | Leibniz Institut für Bildungsforschung und Bildungsinformation Podcast-Beiträge in seinem Blog und das Portal für Lehrende und Dozenten in der Weiterbildung wb-web.de hat die Podcast-Reihe potenziaLL ins Leben gerufen, in der interessante Gespräche von Expertinnen und Akteuren in der Erwachsenenbildung zu hören sind.

                    Soviel zu den Dingen die in 2020 entstanden sind – was wird 2021 kommen? Nun, wir können auf einige interessante Veranstaltungen hoffen und auf deren digitale Präsentation gespannt sein, so wird der Deutsche Weiterbildungstag am 24.03.2021 stattfinden und es ist eine Didacta zu erwarten, die möglicherweise ebenfalls einen starken digitalen Anteil haben wird.

                    Was würde ich mir fürs kommende Jahr wünschen? Dass zusätzlich zu den ganzen genannten positiven Entwicklungen im digitalen Lernen der soziale Aspekt des Lernens nicht ganz aus dem Blick gerät, sondern in 2021 wieder mehr über die positiven Seiten des gemeinsamen Lernens in einem realen Raum nachgedacht und zu hören bzw. zu lesen sein wird.

                    Gute Anfänge gibt es hier schon: Über das Weitergeben von Wissen nach einer Onlinefortbildung schreibt Nele Hirsch in einem aktuellen Beitrag auf dem Portal wb-web.de. Sie wirbt hierbei u.a. dafür, das erworbene Wissen gemeinsam praktisch auszuprobieren – kurz: Wissen nicht einfach sammeln und horten, sondern weiter geben und anwenden, also lebendig damit umgehen.

                    Und sonst? Hoffen wir auf die Impfung, darauf dass sogenannte Querdenker ihren Verstand und ihre Menschlichkeit wiederfinden und einfach auf bessere Zeiten. Auf Wiederhören.

                    Dieser Podcast steht unter der CC BY 4.0-Lizenz. Der Name des Urhebers soll bei einer Weiterverwendung wie folgt genannt werden: Das Redaktionsteam des Deutschen Bildungsservers

                    27 min
                  • Digitale Bildung und Inklusion – passt das zusammen?

                    Gwendolyn Schulte, beim Deutschen Bildungsserver für das englischsprachige Informationsangebot – den eduserver – verantwortlich, spricht in ihrem Podcast darüber, was Digitale Bildung und Inklusion miteinander zu tun haben. Genauer gesagt, welche Voraussetzungen erfüllt sein müssen, damit Menschen mit unterschiedlichen Einschränkungen auch von digitalen Bildungsangeboten profitieren können.

                    Linkempfehlungen zum Beitrag
                    • Dossier „Inklusion und digitale Bildung Behinderter“:
                    • Deutscher Bildungsserver – Infos in Leichter Sprache
                    • Deutscher Bildungsserver – Informationen in Deutscher Gebärdensprache
                    • Projektedatenbank im Innovationsportal des Deutschen Bildungsservers
                    • Webseite der Bundeszentrale für Politische Bildung – Suchergebnisse „Inklusion“ und „Digitalisierung“
                    • Lesefassung des Podcasts

                      Die Digitalisierung in der Bildung war schon vor dem Frühjahr 2020 ein wichtiges Thema – und mindestens genauso aktuell und wichtig wie die Frage, wie Inklusion und Bildung besser miteinander verschränkt werden können. Also wie Menschen mit unterschiedlichen Einschränkungen besser am sozialen Leben, also auch an grundständiger Bildung und Weiterbildung teilhaben können. Könnten sich zwischen beiden Themen Synergien ergeben? Wo? Dieses Thema hat mich in diesem Jahr mich besonders beschäftigt.

                      Allen ist klar, dass die digitale Bildung ein Schlüssel für den schulischen Erfolg und die beruflichen Perspektiven jedes Einzelnen ist. Für Menschen mit Behinderung bieten diese digitalen Möglichkeiten große Chancen! Allerdings müssen dazu gewisse Voraussetzungen erfüllt werden, Voraussetzungen rechtlicher, technischer und persönlicher Art, die ich gleich beschreiben möchte – soziale Ungleichheiten und wirtschaftliche Implikationen will ich hier ausklammern.

                      Fangen wir mit einer persönlichen Perspektive an: Ich bin stark sehbehindert, berufstätig und an Bildung und Weiterbildung interessiert. Technisch nutze ich eine Software zur Bildschirmvergrößerung und Sprachausgabe. Diese Software ist teuer und sehr speicherintensiv. Um sie gut nutzen zu können, benötige ich Schulungen und einen modernen PC. Und: Webseiten und Dokumente müssen so aufbereitet werden, dass die Software sie „auslesen“ kann. Hierzu gibt es für den öffentlich-rechtlichen Bereich Rechtsvorschriften, die unter dem Motto „Barrierefreiheit“ die gesetzlichen Rahmenbedingungen für die Teilhabe von Menschen mit Behinderung liefern sollen. Wichtig ist aber auch, dass wir alle, ob behindert oder nicht, ein Bewusstsein dafür entwickeln, dass „anders sein“ zum Leben gehört und „Inklusion“ Verschiedenheit bedeutet – bei gleichen Rechten für alle. 

                      Wie sieht es also konkret mit der gleichberechtigten Teilhabe an digitaler Bildung aus? Wie unterschiedlich gehen zum Beispiel Schulen in Deutschland mit dem Thema „Digitale Bildung“ um – beziehungsweise: Wie gut sind sie auf die digitale Welt vorbereitet sind? Dasselbe kann man für die Inklusion fragen. Gute Einblicke liefert da etwa eine Webseite der Bundeszentrale für Politische Bildung. Und in der Projektedatenbank beim Innovationsportal des Deutschen Bildungsservers sind einige Beispiele guter Praxis dazu aufgenommen.

                      Medial scheint das Thema „Inklusion“ in der Fülle der Corona-Nachrichten allerdings ein Nischendasein zu fristen, mir jedenfalls ist bisher nur ein Beitrag im Deutschlandfunk untergekommen, der auf eine entsprechende Studie verweist.

                      Und auch in der beruflichen Bildung scheint es Synergien zwischen Digitaler Bildung und Inklusion zu geben. Betrachtet man aktuelle Projekte, sieht man, dass beispielsweise Videos eingesetzt werden, um mithilfe von Virtual Reality Auszubildende mit Lerneinschränkungen zu KFZ-Mechatronikern zu schulen – oder es werden Tandems gebildet zur Blended-Learning-Arbeit mit Lernsystemen.

                      Auch im Arbeitsleben ist die Digitalisierung vorangeschritten. Manches Home Office läuft mithilfe sogenannter „Virtueller Maschinen“ scheinbar reibungslos, nur leider nicht mit Sprachausgabe. Häufig finden Video- oder Telefonkonferenzen statt, die Menschen mit Hörbehinderung / Sehbehinderung aber auch nur eingeschränkt nutzen können. Technisch wären da einige Verbesserungen denkbar. Aber durch Bewusstseinsbildung lässt sich einiges verbessern – womit wir wieder bei meiner persönlichen Perspektive sind. Wenn die  Kolleg*innen Bildschirme teilen, sehe ich zum Beispiel nur einen sehr kleinen Ausschnitt, gleichzeitig „hakt“ die Software und ich muss noch versuchen mir Notizen zu machen. Um selbst mitdiskutieren zu können, wäre es hilfreich, die Kolleg*innen würden mündlich vortragen, was auf dem Bildschirm für die Allgemeinheit zu sehen ist.

                      Ein anderes Beispiel: In meiner Freizeit läuft mein Volkshochschulkurs momentan bequem virtuell per Videokonferenz. Schade nur: Die Texte zur Vorbereitung werden als eingescannte Fotos verschickt – wie soll ich die nun auslesen? Anstelle auf Rechtsansprüche zu verweisen, wäre es vermutlich hilfreicher, die Dozentin direkt auf technische Machbarkeiten anzusprechen.

                      Wir alle erleben seit Monaten eine „neue Normalität“. Vielleicht ist diese Zeit ja für uns eine Chance, voneinander zu lernen? Beim Deutschen Bildungsserver haben wir zum Beispiel im Frühsommer ein Projekt durchgeführt, mit dem wir die Barrierefreiheit für einige Nutzergruppen verbessern wollen. Also mühte ich mich ab an einem Text in Leichter Sprache, der dann mit einer darauf spezialisierten Agentur abgestimmt wurde – der wiederum von der entsprechenden Zielgruppe überprüft wurde. Und weil für manche Hörbehinderte Gebärdenvideos hilfreich sind, wurde für die Produktion wieder eine entsprechende Agentur beauftragt und die entsprechende Nutzergruppe einbezogen. Das war eine wirklich gute Sache! Wichtig ist immer, so denke ich, diejenigen Menschen „mitzunehmen“, für die wir unser Angebot machen. Als Redakteurin beim Deutschen Bildungsserver arbeite ich gerne an einem Service, der allen an Bildung interessierten Menschen kostenlos zur Verfügung steht, allen: unabhängig davon, ob sie eine Behinderung haben oder nicht.

                      Wir stehen mit dieser Aufgabe noch relativ am Anfang, und wir können nur besser werden. In Großbritannien erinnerten kürzlich die Behindertenverbände an den 25. Jahrestag eines Gesetzes gegen die Diskriminierung Behinderter. Da ist die Bundesrepublik Deutschland vergleichsweise spät dran – die Ratifizierung der UN-Behindertenrechtskonvention ist gerade zehn Jahre her, sie wurde erst 2009 verbindlich. Und die Vorschrift, die für die Barrierefreiheit von Webangeboten in Hessen gilt, trat am 23. September 2020 in Kraft. Machen wir uns also nichts vor, rechtlich gibt es jetzt zwar ein „Gerüst“. Technisch ist aber noch vieles machbar. Und was das Persönliche angeht? Nun ja, das betrifft uns alle, und wir arbeiten daran!

                      Dieser Podcast steht unter der CC BY 4.0-Lizenz. Der Name des Urhebers soll bei einer Weiterverwendung wie folgt genannt werden: Dr. Gwendolyn Schulte für Deutscher Bildungsserver.

                      8 min
                    • "Das pädagogische Personal in der Berufsbildung benötigt bedarfsgerechte Fortbildungen zu digitalen Kompetenzen"
                      Bildung im digitalen Wandel: Die Rolle des pädagogischen Personals (5/5)
                      Aktuelle Befunde zur Rolle des pädagogischen Personals in der Berufsbildung
                      Systematic Reviews (7)

                      Die Digitalisierung übt in besonderem Maß Druck auf Institutionen der Berufsbildung aus, weil ihre Institutionen untrennbar mit dem Arbeitsmarkt verbunden sind. Für Lehrkäfte bedeutet das zum einen, dass sie digitale Medien – ausgerichtet an den individuellen Bedarfen der Jugendlichen – in ihre Unterrichtspraxis integrieren müssen, zum anderen, dass sie die permanente Weiterentwicklung digitaler Bildungsprozesse im Blick haben müssen. Um das leisten zu können, benötigten sie mehr Zeit und Angebote zur Weiterbildung und auch flächendeckende Strukturen der Beratung und Unterstützung.

                      Das sagen Dr. Monique Ratermann-Busse und Katharina Hähn vom Institut für Arbeit und Qualifikation der Universität Duisburg-Essen im Interview mit Carolin Anda – nachdem sie 14 Studien, darunter auch Studien aus Finnland, Österreich und den Niederlanden für die systematische Literaturübersicht im BMBF-Metavorhaben „Digitalisierung im Bildungsbereich“ analysiert haben.

                      Dieser Podcast steht unter der CC BY 4.0-Lizenz. Der Name des Urhebers soll bei einer Weiterverwendung wie folgt genannt werden: Carolin Anda für Deutscher Bildungsserver

                      16 min
                    • „Wie kriegt man Eltern zum Vorlesen?“
                      Audio-Linkempfehlungen zum Vorlesetag am 20. November

                      Zum bundesweiten Vorlesetag am 20. November hat sich Christine Schumann im Deutschen Bildungsserver und im Portal „Lesen in Deutschland“ auf die Suche nach Tipps gemacht, wie Erzieher*innen Eltern dazu bewegen könnten, ihren Kindern mehr vorzulesen.

                      Audio-Linkempfehlungen zum Vorlesetag
                      • „Wie wird Vorlesen im Alltag möglich?“ Vorlesestudie 2020
                      • Eine Befragung von Eltern, die nicht oder selten vorlesen
                      • „Lesestart 1–2–3“ – das bundesweite BMBF-Programm zur frühen Leseförderung
                      • Tipps zum „Vorlesen im Familienalltag“ (Youtube-Kanal des Programms „Lesestart 1–2–3“)
                      • „Macht Lesen Spaß? Lesen macht Spaß!“ Informationen für Eltern vor und zum Schulbeginn – Broschüre des hessischen Kultusministeriums
                      • „Jungenleseliste“ – ein Projekt von MANNDat e.V.
                      • „MedienKreativ. Praxisempfehlungen für Eltern und pädagogische Fachkräfte in Leichter Sprache und auf Arabisch“ – Ein Projekt der Fachstelle für interkulturelle Bildung und Beratung – FiBB e.V. Bonn
                      • „Einfach vorlesen“ – die kostenfreie App von Deutsche Bahn Stiftung und Stiftung Lesen
                      • Netzwerk Vorlesen Online-Seminare rund um das ehrenamtliche Vorlesen
                      • Digitales Vorlese-Festival – Vorlesetag 20. November 2020
                      • Lesefassung des Podcasts

                        Guten Tag und herzlich willkommen bei Bildung auf die Ohren, dem Podcast des deutschen Bildungsservers. Mein Name ist Christine Schumann.

                        32 Prozent der Eltern in Deutschland lesen ihren Kindern selten oder nie vor. Es fehlt ihnen an Zeit und Bereitschaft zum Vorlesen. Entweder weil sie im Haushalt anderes zu tun haben, sie zu erschöpft zum Vorlesen sind – oder es ihnen einfach keinen Spaß macht. Das sagen 49 Prozent der 528 Eltern von Kindern im Alter von 1 bis 6 Jahren, die in der Vorlesestudie 2020 von Stiftung Lesen, DIE ZEIT und Deutsche Bahn Stiftung mündlich und persönlich befragt wurden. Ich finde das ein bisschen niederschmetternd. Es zeigt, dass all die bislang von Bund und Ländern aufgelegten Programme und Initiativen zur Leseförderung nicht wirklich dazu beigetragen haben, dass Eltern ihren Kindern wieder mehr vorlesen.

                        Weitere Empfehlungen zur Leseförderung beim Deutschen Bildungsserver
                        • Lesen in Deutschland – Projekte und Initiativen zur Leseförderung
                        • Leseförderung in den Ländern der Bundesrepublik Deutschland
                        • Leseförderung in Kindertagesbetreuung
                        • Fachbeiträge zur frühkindlichen Leseförderung
                        • Praxishilfen: Frühkindliche Leseförderung
                        • Lese-/ Vorlese-Empfehlungen Kinderbücher
                        • Institutionen der Leseförderung
                        • Klar, in Kindertageseinrichtungen, Grundschulen und Büchereien gibt es unglaublich viele gute Initiativen. Die unzähligen Leseförderungsseiten beim Deutschen Bildungsserver und die Beiträge auf unserem Portal „Lesen in Deutschland“, auf denen ich mich umgeschaut habe, sprechen Bände! Auch Netzwerke für ehrenamtliche Vorleserinnen und Vorleses gibt es viele – aber die Eltern selbst scheint man damit nicht zu erreichen! 48 Prozent der befragten Eltern finden – laut Studie – dass ihren Kindern woanders schon genug vorgelesen wird. Hmm, was also könnte Erzieherinnen, Bibliothekarinnen oder Lehrerinnen dabei helfen, Eltern doch zum Vorlesen zu bewegen? Ich habe mich auf die Suche gemacht und will Ihnen ein paar Links empfehlen:

                          Eine der größten Initiativen, die Eltern zum Vorlesen bewegen will ist „Lesestart 1–2–3“, ein bundesweites Programm zur frühen Leseförderung, bei dem Eltern für ihre Kinder im Alter von einem, zwei und drei Jahren Lesestart-Sets erhalten. Das Programm hat auch einen Youtube-Kanal, auf dem ich unter anderem ziemlich gute 5 bis 10-minütige Filme mit Tipps zum „Vorlesen im Familienalltag“ gefunden habe. In meinem Lieblingsfilm, er dauert zwölf Minuten, erzählen Eltern, wie es ist vorzulesen, wie ihre Kindern darauf reagieren und welche Erfahrungen mit Büchern sie selbst als Kind gemacht haben. Ich finde, dass Erzieher*innen und Grundschullehrer die Vorlese-Tipps Eltern gut empfehlen können – oder den Film bei einem Elternabend zeigen können.

                          Für Leute, die gern was in der Hand haben, bietet sich die Broschüre „Macht Lesen Spaß? Lesen macht Spaß!“ des Hessischen Kultusministeriums an. Eltern mit Kindern vor und zum Schulbeginn werden darin auf die Bedeutung des Lesenlernens aufmerksam gemacht. Sie erhalten Einblicke in den Leselernprozess und Tipps, wie sie ihre Kinder beim Lesenlernen begleiten und unterstützen können.

                          Von den 528 befragten Eltern der Vorlese-Studie waren 358 Mütter und … 170 Väter. Vorlesen scheint also noch immer eher eine Aufgabe von Frauen zu sein. Aber Väter sollten die gesamte Leseerziehung nicht ihren Frauen überlassen! Jungen brauchen Väter als Lesevorbilder. Das hat MANNdat, eine unabhängige, überparteiliche Interessenvertretung für männliche Bürger, erkannt und das Projekt „Jungenleseliste“ ins Leben gerufen. Hier gibt es also Leseempfehlungen von Mann zu Mann – für Jungen und Jugendliche zwischen einem und 18 Jahren. Auch Studien zur Leseförderung speziell bei Jungen sind hier zu finden.

                          Für Eltern, deren Muttersprache nicht Deutsch ist, beschreibt die Fachstelle für interkulturelle Bildung und Beratung – kurz FiBB – in Bonn gut verständlich, wie man kreativ mit Medien arbeiten kann. Die Praxisempfehlungen erklären in Leichter Sprache und auf Arabisch unter anderem, warum Vorlesen wichtig ist, wie man mit Kindern über das vorgelesene Buch spricht und wie toll es ist mehr als eine Sprache sprechen zu können. Außerdem wird noch beschrieben, wie ein Buch entsteht – und wie man selbst eins schreiben, malen und binden kann – mit genauer Anleitung. Ganz ehrlich? Die 88seitige Broschüre „Medien Kreativ“ für Eltern und pädagogische Fachkräfte ist ziemlich toll und weckt den Spaß an Büchern!

                          Wer handwerklich nicht so begabt ist, kann ein anderes Medium kreativ zum Vorlesen benutzen: Die kostenfreie App „Einfach vorlesen“ von Deutsche Bahn Stiftung und Stiftung Lesen. Jede Woche gibt es hier für Kinder ab 3, 5 und 7 Jahren drei neue Vorlesegeschichten aus bekannten Kinderbuchverlagen. Sie sind jeweils vier Wochen lang online, können ganz einfach auf dem Smartphone oder Tablet angeschaut werden und sind wie in einem Buch mit vielen Illustrationen versehen. Für Eltern und andere Vorleserinnen und Vorleser gibt es Vorlesetipps und die Möglichkeit, sich über Push-Benachrichtigungen der App oder per Newsletter über neue Vorlesegeschichten informieren zu lassen. Die App „einfach vorlesen!“ gibt’s kostenfrei im App Store von Apple und für Android-Geräte im Google Playstore.

                          Ein letzter Tipp für alle, die schon ehrenamtlich als Vorleser oder Vorleserin unterwegs sind: Ihnen bietet die Stiftung Lesen unter www.netzwerkvorlesen.de kostenlose Online-Fortbildungen an. Die Online-Seminare dauern jeweils ca. 45 Minuten und behandeln Themen rund um das ehrenamtliche Vorlesen – von Buchempfehlungen bis zur Öffentlichkeitsarbeit, von der Vorlesepraxis bis zum mehrsprachigen Vorlesen.

                          Und nun wünsche ich allen beim Vorlesen viel Vergnügen und empfehle dringend einen Besuch beim digitalen Vorlese-Festival, das am 20. November auf Instagram und Facebook stattfinden wird! Psst – auch Cornelia Funke ist dabei und liest aus ihrem neuen Buch „Drachenreiter“ vor.

                          Vielen Dank fürs Zuhören. Bis zum nächsten Mal!

                          Dieser Podcast steht unter der CC BY 4.0-Lizenz. Der Name des Urhebers soll bei einer Weiterverwendung wie folgt genannt werden: Christine Schumann für Deutscher Bildungsserver

                          6 min
                        • Lehrende der Erwachsenenbildung brauchen Fortbildungen zu digitalen Kompetenzen
                          Bildung im digitalen Wandel: Die Rolle des pädagogischen Personals (4/5)
                          Aktuelle Befunde zur Rolle der Lehrenden in in der Erwachsenen- und Weiterbildung
                          Systematic Reviews (6)

                          Jan Koschorreck und Angelika Gundermann vom Deutschen Institut für Erwachsenenbildung – Leibniz-Zentrum für Lebenslanges Lernen (DIE) sprechen mit Carolin Anda über aktuelle Befunde aus dem Critical Review „Bildung im digitalen Wandel: Die Bedeutung für das pädagogische Personal und für die Aus- und Fortbildung“, das im Zuge des BMBF Metavorhabens „Bildung und Digitalisierung“ entstand. Sie beleuchten den Rollenwandel vom Wissensvermittler zum Lernbegleitenden und die Heterogenität dieses Bildungsbereichs, der einheitliche Fortbildungsmaßnahmen durch die vielfältige Träger- und Anbieterlandschaft erschwert. Digitale Kompetenzen bilden auch in der Erwachsenenbildung einen essentiellen Part, um didaktische Formate zukunftsfähig und lernendenzentriert umsetzen zu können.

                          Dieser Podcast steht unter der CC BY 4.0-Lizenz. Der Name des Urhebers soll bei einer Weiterverwendung wie folgt genannt werden: Carolin Anda für Deutscher Bildungsserver

                          12 min
                        • Eine gute Ausbildung von Lehrkräften ist zentral für die Digitalisierung an Schulen
                          Bildung im digitalen Wandel: Die Rolle des pädagogischen Personals (3/5)
                          Aktuelle Befunde zur Rolle der Lehrkräfte-Ausbildung
                          Systematic Reviews (5)

                          Im Interview berichten Marcel Capparozza und Dr. Gabriele Irle vom Leibniz-Institut für Wissensmedien in Tübingen von aktuellen Befunden aus 15 internationalen Studien zur Lehrkräfteausbildung, die gerade in einer systematischen Literaturübersicht im BMBF-Metavorhaben „Digitalisierung im Bildungsbereich“ erschienen sind. Es zeigt sich, dass digitale Kompetenzen und das Wissen von Lehrkräften stark mit den Handlungen von Lehrerausbildenden zusammenhängen. 

                          Der Band steht zum Download zur Verfügung: doi.org/10.31244/9783830991991. Die systematische Literaturübersicht ist hier zu finden: doi.org/10.7477/414:1:0

                          Lehrkräfteausbildner*innen finden in der nationalen und internationalen Forschungsliteratur bisher noch wenig Beachtung. Im deutschsprachigen Raum liegen kaum Studien zu dieser Personengruppe vor, obwohl sie mit ihrer Arbeit in der Lehrkräfteausbildung nachhaltig zur Digitalisierung an Schulen beiträgt. Im Interview berichten Marcel Capparozza und Dr. Gabriele Irle vom Leibniz-Institut für Wissensmedien in Tübingen von aktuellen Befunden aus 15 internationalen Studien zur Lehrkräfteausbildung, die gerade in einer systematischen Literaturübersicht im BMBF-Metavorhaben „Digitalisierung im Bildungsbereich“ erschienen sind.

                          Es zeigt sich, dass digitale Kompetenzen und das Wissen von Lehrkräften stark mit den Handlungen von Lehrerausbildenden zusammenhängen. Lehrkräfteausbildner*innen sollten Feedback, Kooperation und Unterstützungsmaßnahmen kontinuierlich in die Ausbildung von Lehrenden einbeziehen und eine Vorbildfunktion auch im eigenen Einsatz digitaler Medien einnehmen. Internationale Best-Practice-Beispiele, wie die „Teacher Educated Design Teams“ machen deutlich, dass die Digitalisierung auch als Teamarbeit unter Lehrenden verstanden werden muss, um gemeinsam kompetent für den digitalen Wandel zu werden.

                          Dieser Podcast steht unter der CC BY 4.0-Lizenz. Der Name des Urhebers soll bei einer Weiterverwendung wie folgt genannt werden: Carolin Anda für Deutscher Bildungsserver

                          9 min
                        • „Jedes Kind hat Rechte!“
                          Audio-Linkempfehlungen zum Thema Kinderrechte
                          Aus der Reihe Podcasts zu Geschichte und Sozialkunde

                          Anlässlich des Internationalen Tages der Kinderrechte am 20. November hat Caroline Hartmann besonders empfehlenswerte und originelle Unterrichtsmaterialien zu diesem Thema für Sie zusammengestellt.

                          Audio Linkempfehlungen zum Unterrichtsthema Kinderrechte
                          • Wissenswerte Erklärfilm von UNICEF Deutschland
                          • Kindersache: Kindgerechtes Portal mit Fokus auf das Thema Kinderrechte
                          • „Kinder-Rechtivity“ – ein Spiel zur UN-Kinderrechtskonvention
                          • Unterrichtsmaterialien zum Thema Kinderrechte von sternsinger.de – für die Klassen 3 bis 6
                          • „Solibrot“ von Misereor – Aktionsimpuls für die Schule
                          • Planet Wissen: Hintergrundinformationen zum Thema Kinderarbeit – Ursachen und Hilfen
                          • Action!Kidz – Unterrichtsmaterial Kinder gegen Kinderarbeit
                          • Weitere kostenlose Unterrichtsmaterialien finden Sie beim Deutschen Bildungsserver
                          • Lesefassung des Podcasts

                            … „Und was ist mit meinen Kinderrechten?“ Diesen Kommentar musste ich mir doch neulich von meinem 8-jährigen Sohn anhören, als ich ihn dazu bringen wollte, endlich mal sein Kinderzimmer aufzuräumen. Ziemlich genervt hab‘ ich ihm dann geantwortet: „Also, bis du 18 bist nennen wir das bei uns daheim ‚Erziehung‘, mein Schatz!“

                            Ich heiße Sie herzlich willkommen bei „Bildung auf die Ohren“, dem Podcast des Deutschen Bildungsservers. Mein Name ist Caroline Hartmann.

                            Auch wenn sich nach Ansicht meines Sohnes Kinderrechte und meine Erziehungsmethoden absolut ausschließen, so halte ich es im Schulunterricht doch nach wie vor für äußerst sinnvoll, den Kindern schon ab der Grundschule das Konzept der Kinderrechte näherzubringen. Nicht ohne Grund ist dieses Thema auch in den meisten Lehrplänen für die Grundschule zu finden.

                            Weitere Empfehlungen zu Kinderrechten beim Deutschen Bildungsserver
                            • Kinderrechte ins Grundgesetz – Rechtliche Grundlagen zur Kinder- und Jugendbeteiligung
                            • Kinderseiten: Politik und Kinderrechte
                            • Kinderrechte, Kinderschutz (Fort- und Weiterbildung) – Einzelne, ausgewählte Angebote und Anbieter
                            • Kinderrechte als Thema im Unterricht
                            • Partizipation von Kindern
                            • Partizipation (lernen) in der Kita
                            • Rechtliche Grundlagen im Elementarbereich
                            • Kinder und Politik – Infostellen
                            • Ich hab‘ Ihnen zu dem Thema Kinderrechte ein paar sehr schöne und spielerische und vor allem kostenlose Materialien für Ihren Unterricht herausgesucht. Ich denke, diese könnten Ihren Schülern vielleicht dann doch das näherbringen, was sich mein lieber Sohn nach wie vor zu verstehen weigert.

                              Ich denke, als toller Einstieg in das Unterrichtsthema Kinderrechte eignet sich der Wissenswerte-Film von UNICEF. Auf dem Portal von UNICEF finden Sie zudem viele tolle Materialien für Ihren Unterricht wie Ausmalposter, Aktionsideen, Kartensets für einen Takeover-Tag und entsprechende Urkunden und auch ein Quiz zum Thema Kinderrechte.

                              Auch das Portal „Kindersache“ vom Deutschen Kinderhilfswerk bietet sich gerade in iPad-Klassen der Grundschule als ein sehr schöner Kick-Off an: Diese bunte, interaktive Kinderseite lädt Kinder zum Stöbern ein. Und vor allem finden junge Schülerinnen und Schüler hier kindgerechte Informationen zum Thema Kinderrechte und zur UN-Kinderrechtskonvention.

                              Unbedingt empfehlen kann ich auch das Spiel „Kinder-Rechtivity“. Hier können Begriffe aus den Kinderrechten – wie Kinderschutz, Zwangsheirat oder Kinderarbeit – vorgespielt, erklärt oder gezeichnet werden, die ihre Klassenkameraden dann erraten müssen. Die entsprechenden Dateien können Sie von dem Portal von „Plan International Deutschland“ herunterladen. Die Spielkarten und auch der Würfel können ausdruckt, ausgeschnitten und dann zusammengeklebt werden. 

                              Wenn Sie nach weiteren Materialien für die Klassen 3 bis 6 suchen, werden Sie auch bei sternsinger.de fündig. In deren Unterrichtsbausteinen finden Sie Aktionsideen, Arbeitsblätter und auch einen Wortgottesdienst.

                              Auch das Aktionspaket „Solibrot“ von Misereor gefällt mir ausgesprochen gut, da dies den Schülerinnen und Schülern das Leben von Kindern in anderen Teilen der Welt vielleicht ein wenig näherbringen kann.

                              Wenn Sie im Unterricht das Thema Kinderrechte behandeln, sollte da auch der Aspekt der Kinderarbeit unbedingt mit hineinspielen. 

                              Weitreichende Hintergrundinformationen zu dem Thema Kinderarbeit finden Sie bei planet-wissen.de. Hier werden nicht nur die Ursachen von Kinderarbeit detailliert erklärt, sondern auch einige Hilfsorganisationen und Umstrukturierungsmaßnahmen in verschiedenen Ländern vorgestellt.

                              Sehr gut gefällt mir auch das Portal „actionkidz.de“ der Kindernothilfe. Die Materialsammlung bietet Hintergrundinformationen rund um das Thema Kinderarbeit sowie Unterrichts- und Bastelideen, Fotostrecken und Kopiervorlagen. Es stehen auch Materialien zu den Themen Kinderarbeit in Indien, Sambia, Peru, Äthiopien und Pakistan zur Verfügung.

                              Ich bedanke mich, dass Sie heute mit dabei waren. Ich hoffe, Sie haben ein paar schöne und außergewöhnliche Ideen für Ihre Unterrichtsgestaltung mitnehmen können. So, und ich geh‘ jetzt und lass mich auf eine erneute Diskussion ein, ob das Zimmeraufräumen nun unter Kinderarbeit fällt oder nicht. Wünschen Sie mir Glück!

                              Dieser Podcast steht unter der CC BY 4.0-Lizenz. Der Name des Urhebers soll bei einer Weiterverwendung wie folgt genannt werden: Caroline Hartmann für Deutscher Bildungsserver

                              5 min
                            • Welche Erfahrungen machen Schüler mit Demokratiebildung an ihrer Schule?
                              Ein Gespräch mit zwei Frankfurter Schülern

                              Im Interview mit den Schülern Gabriel Hanika und Miguel Lagaly De Los Santos geht es um ihre individuellen Erfahrungen und Eindrücke bei der Vermittlung von Demokratie im Schulunterricht sowie den Möglichkeiten der demokratischen Partizipation von Schüler*innen im Schulsystem. Beide können von sehr positiven Beispielen aus ihrer Schullaufbahn berichten. So gibt es beispielsweise politische Debatten im Unterricht, die von den Lehrer*innen neutral moderiert werden, oder auch eine hohe politische Aktivität und Beteiligung der gesamten Schülerschaft im Rahmen der Schulsprecher*innen-Wahl.

                              Weiterführende Links zum Thema
                                • Themenreihe Demokratie und Bildung des BildungserverBlogs
                                    • Linktipps für Demokratie im Unterricht
                                        • Der 16. Kinder- und Jugendbericht
                                            • Website des StadtschülerInnenrats Frankfurt
                                                • Website der Elisabethenschule Frankfurt
                                                • Dieser Podcast steht unter der CC BY 4.0-Lizenz. Der Name des Urhebers soll bei einer Weiterverwendung wie folgt genannt werden: Luca Mollenhauer für Deutscher Bildungsserver

                                                  0 min
                                                • Technik allein bringt die Digitalisierung in der Schule nicht weiter.
                                                  Bildung im digitalen Wandel: Die Rolle des pädagogischen Personals (2/5)
                                                  Aktuelle Befunde zur Rolle und zur Aus- und Fortbildung des pädagogischen Personals in der allgemeinbildenden Schule
                                                  Systematic Reviews (4)

                                                  Das Interview mit Dr. Bettina Waffner von der Universität Duisburg Essen beleuchtet Befunde aus einer aktuellen systematischen Literaturübersicht im BMBF-Metavorhaben „Digitalisierung im Bildungsbereich.“ Es zeigt sich, dass über die technische Ausstattung hinaus erprobte didaktische Konzepte und eine positive Grundhaltung des pädagogischen Personals gegenüber digitalen Medien maßgeblich sind, um die Digitalisierung in der Schule voranzutreiben.

                                                  Der Band steht zum Download zur Verfügung: doi.org/10.31244/9783830991991. Die systematische Literaturübersicht ist hier zu finden. DOI: 10.7477/414:1:0

                                                  In diesem Podcast dreht sich alles um die Rolle des pädagogischen Personals im Zuge der Digitalisierung. Das Thema Schule und Digitalisierung wurde gerade in der Corona-Pandemie besonders herausgestellt, da man schnell gemerkt hat, dass viele Schulen unzureichend ausgestattet sind und Lehrkräfte nicht fit genug sind, um digitalen Unterricht von heute auf morgen umzusetzen. Das Interview mit Dr. Bettina Waffner von der Universität Duisburg Essen beleuchtet Befunde aus einer aktuellen systematischen Literaturübersicht im BMBF-Metavorhaben „Digitalisierung im Bildungsbereich.“ Es zeigt sich, dass über die technische Ausstattung hinaus erprobte didaktische Konzepte und eine positive Grundhaltung des pädagogischen Personals gegenüber digitalen Medien maßgeblich sind, um die Digitalisierung in der Schule voranzutreiben. Die Analyse von 125 vorrangig internationalen Studien zeigt, dass gemeinsam entwickelte Konzepte zwischen Schulleitungen und Lehrkräften, das kollektive Erproben von Lehr- und Lehrszenarien und praxisnahe, kontinuierliche Fort- und Weiterbildungen der Schlüssel für eine gelungene Digitalisierung in diesem Bildungsbereich sein können.

                                                  Lesefassung des Podcasts

                                                  Carolin Anda: Hallo und herzlich willkommen zu einer neuen Podcastfolge „Bildung auf die Ohren – Dem Podcast des Deutschen Bildungsservers“. Heute dreht sich alles um die Rolle des pädagogischen Personals im Zuge der Digitalisierung. Das Thema Schule und Digitalisierung wurde gerade in der Corona Pandemie besonders herausgestellt, da man schnell gemerkt hat, dass viele Schulen unzureichend ausgestattet sind und Lehrkräfte nicht fit genug sind, um digitalen Unterricht von heute auf morgen umzusetzen. Mein Name ist Carolin Anda und ich spreche im heutigen Interview mit Dr. Bettina Waffner von der Universität Duisburg Essen. Sie hat die Rolle des pädagogischen Personals im Zuge der Digitalisierung in einer aktuellen systematischen Literaturübersicht im BMBF Metavorhaben „Digitalisierung im Bildungsbereich“ näher beleuchtet.

                                                  Frau Waffner, welche Erkenntnisse haben Sie in der Übersicht gewonnen und gab es besonders überraschende Befunde?

                                                  Bettina Waffner: Ja, herzlichen Dank für die Möglichkeit hier über das Dossier bzw. das Review zu sprechen. Für mich war insbesondere die internationale Forschung sehr interessant, denn in Deutschland haben wir wenige empirische Befunde über die Frage wie, wofür und mit welchem Erfolg digitale Medien in der Unterrichtspraxis eingesetzt werden. Dabei wurde sehr deutlich, dass die Bereitstellung von Technik und Schulungen zur Bedienung der Technik keinesfalls ausreicht, um digitale Medien erfolgreich in die Unterrichtspraxis zu integrieren. Das hat mich nicht überrascht, denn wir wissen aus Berichten aus Schulen häufig, dass eine bestimmte Technik wie z.B. interaktive Whiteboards angeschafft werden, die aber nicht oder nur sehr eingeschränkt genutzt werden. Aus der Perspektive der Lehrkräfte konnten weitere Bedingungen identifiziert werden, die für eine erfolgreiche und nachhaltige Medienintegration wichtig sind.

                                                  Was mich aber durchaus überrascht hat, ist, dass auch im internationalen Kontext wenig digitalgestützte didaktische Lerninnovationen vorhanden sind, die erprobt und erforscht werden. Offenbar stehen wir hier noch am Anfang. Was allerdings durchaus festzustellen ist, ist, dass eine konstruktivistische pädagogische Grundhaltung, die lernendenzentriert auf der Förderung selbstgesteuerten Lernens und einem Unterricht basiert, der Problemlösungsorientierung und Kreativität in den Mittelpunkt stellt, einen signifikanten Einfluss auf das Ausprobieren digitalgestützter Lerninnovationen hat.

                                                  Carolin Anda: Wie war Ihr Vorgehen, um selbst einen guten Überblick über die relevante Literatur zu erhalten? Immerhin haben Sie ja eine hohe Anzahl an passender Literatur für den Bereich Schule in der Suche identifiziert.

                                                  Bettina Waffner: In der Tat hatten wir über 3000 Titel recherchiert, die sich in dem Themenfeld bewegen. Ich habe mich dann ausschließlich auf wissenschaftliche Zeitschriftenartikel fokussiert, in denen ja die aktuelle wissenschaftliche Debatte sehr gut abgebildet ist. Außerdem habe ich Titel ausgeschlossen, die den wissenschaftlichen Gütekriterien nicht entsprachen oder thematisch an den Forschungsfragen vorbeigingen. Insbesondere im deutschen Kontext gibt es sehr viele Erfahrungsberichte, die eben keine wissenschaftliche Forschung sind. Das Review umfasst nun letztlich 125 Titel, die in die Forschungssynthese einflossen.

                                                  Carolin Anda: Das ist immer noch eine ganze Menge. Haben Sie auch Faktoren gefunden, damit Lehrerinnen und Lehrer gute digitale Lehre anbieten können? Geben die analysierten Studien darüber Aufschluss?

                                                  Bettina Waffner: Ich denke, dass sich zwei entscheidende Aspekte nennen lassen. Insbesondere die internationale Forschung zeigt, dass die Möglichkeit, kontinuierlich Erfahrungen mit dem Einsatz neuer Technik und Programmen und das Ausprobieren entscheidend wichtig sind. Dann braucht es Zeit und verschiedene Netzwerke, sich über diese Erfahrungen auszutauschen. Ein anderer Punkt ist die Unterstützung sowohl in Form eines technischen und administrativen Supports als auch in Form von Hospitation und einer gemeinsamen Reflexion der Unterrichtspraxis.

                                                  Was Lehrkräfte ausmacht, die ihr Fach gut vermitteln können, ist eine kompetente Verknüpfung von Fachwissen und pädagogischem Wissen. Nun kommt hier eine weitere Komponente hinzu – nämlich das technologische Wissen. Auch das bedarf einer Verknüpfung mit dem Fachwissen und dem pädagogischen Wissen, damit digitalgestützte didaktische Unterrichtsformate entstehen können.

                                                  Carolin Anda: Und auf welchen Themen lag bei den Befunden der Fokus, wenn es um das pädagogische Personal ging?

                                                  Bettina Waffner: Interessant ist, dass die Einstellung und Haltung von Lehrkräften für eine gelingende Medienintegration von zentraler Bedeutung ist. Insofern sind Lehrerfort- und Weiterbildungen wichtig, die langfristig und begleitend angelegt sind, denn nur dann können sich Einstellungen und Haltungen sukzessive verändern. In den Studien zeigt sich, dass eine positive Einstellung zu digitalen Medien in der Bildung das Ausprobieren und sich auf fremdes Terrain zu begeben, fördert. Wenn ich der Ansicht bin, dass Kinder vor der Arbeit mit digitalen Medien geschützt werden müssen, werde ich mich darauf kaum einlassen können. Im Austausch und in Fortbildungen kann ich aber die Vielfalt der Arbeit am Bildschirm kennenlernen, ausprobieren und dadurch ein differenziertes Bild entwickeln, was die Herausforderungen und auch Gefahren sind, denen Kinder und Jugendliche im Netz begegnen.

                                                  Ein weiterer Aspekt, den ich eingangs schon erwähnt habe, ist die pädagogische Grundhaltung. Dass eine positive pädagogische Grundhaltung förderlich ist, um digitale Medien in die Unterrichtspraxis einzusetzen.

                                                  Aber es gibt auch noch einen dritten Befund, der sich direkt auf die Lehrperson bezieht. Je ausgeprägter das Selbstwirksamkeitsempfinden und das Selbstbewusstsein im Umgang mit digitalen Medien ist, desto wahrscheinlicher ist es, dass digitale Medien auch in die Unterrichtspraxis eingesetzt werden. Hier gibt es also im Grunde einen Teufelskreis, denn je häufiger ich digitale Medien nutze, desto ausgeprägter ist auch mein souveräner Umgang damit. Je seltener ich sie nutze, desto größer ist meine Unsicherheit.

                                                  Carolin Anda: Und haben Sie Beispiele, z.B. für die Unterrichtspraxis aus anderen Ländern gefunden, von denen wir in unserem Bildungssystem lernen könnten?

                                                  Bettina Waffner: Es ist definitiv nicht so, dass in anderen Ländern alles perfekt läuft, aber mir scheint es ein wichtiger Aspekt zu sein, dass der Handlungsspielraum in einer Schule, der auch in Deutschland trotz ministerialer Vorgaben vorhanden ist, sinnvoll ausgenutzt wird. Das gelingt insbesondere dann gut, wenn Kollegium und Schulleitung eine gemeinsame „policy“ entwickelt haben, die eine klare Vision zur Gestaltung zeitgemäßer Schule aufzeigt, und dann sind digitale Medien selbstverständlich integriert.

                                                  Hier kann man zum Beispiel von dem neuseeländischen Schulsystem lernen, dass vor einigen Jahren in einer großen Bildungsreform die Autonomie der Schulen erheblich gestärkt haben. Das fördert die Dynamik, die in Veränderungsprozessen liegt und auch die Eigenverantwortung einzelner Schulleitungen und Lehrkräften.

                                                  Carolin Anda: Ja, das sind ja in der Tat interessante Beispiele und vielleicht abschließend: Wie kann das pädagogische Personal und die pädagogische Praxis von ihrem Review profitieren?

                                                  Bettina Waffner: Ich denke, dass insbesondere zwei Ergebnisse aus dieser Forschungssynthese besonders wichtig für die Bildungspraxis, aber auch für die Bildungspolitik und die Bildungsadministration sind. Es konnten Gelingensbedingungen für Medienintegration in die Unterrichtspraxis aus diesen über 100 Forschungsprojekten identifiziert und in einer Synthese dargestellt werden, die wichtige Impulse dafür geben, was benötigt wird. Da zeigt sich im übrigen insbesondere in der neuesten Forschung der vergangenen zwei Jahre, dass eine geeignete technische Infrastruktur, die flexibel und übergangslos analoge und digitale Materialien und Formate nutzen lässt, besonders dann wichtig ist, wenn Lehrkräfte gerade erst beginnen, sich mit der neuen Technik vertraut zu machen. Eine gute Infrastruktur, also anwenderfreundliche, miteinander kompatible Geräte und ein leistungsstarkes WLAN-Netz, steigern die Motivation und den Spaß, sich auch mit der Technik vertraut zu machen. Tatsächlich hat auch eine 1:1 Ausstattung der Schüler*innen einen signifikant positiven Einfluss auf die Nutzungshäufigkeit und die Kompetenzen von Lehrkräften. Aber neben der technischen Ausstattung gibt es noch zehn weitere Gelingensbedingungen, die wichtig sind.

                                                  Ein zweiter Aspekt ist die Konzeption und Integration von Lehrkräftefortbildung in den beruflichen Alltag. Traditionelle Fortbildungen, die in Präsenz einmalig stattfinden, sind wenig hilfreich in Veränderungsprozessen. Wichtig ist in diesem Kontext, dass erstens fachliche und pädagogisch-didaktische Ideen in konkrete digitalgestützte Anwendungen für den Unterricht übersetzt werden, dass zweitens Lehrkräfte neue Konzepte nicht nur beschreiben, sondern in der Praxis anwenden, dass drittens kompetente Akteure in den Prozess eingebunden werden, die Unterrichtspraxis evaluieren und Feedback geben und viertens Unterstützungsmöglichkeiten angeboten werden sowie Raum zu kollaborativer Arbeit geschaffen werden. Das kann durchaus auch digitalgestützt und unter Einbezug sozialer Netzwerke geschehen. Das „Twitterlehrerzimmer“ ist in Deutschland ein Beispiel dafür.

                                                  Ich freue mich sehr, dass ich bereits einige Anfragen aus der Landesministerien habe, gemeinsam auf dieser Basis über neue Konzepte für Fortbildungen z nachzudenken.

                                                  Carolin Anda: Ja, wunderbar, vielen Dank für den interessanten und umfangreichen Einblick in das Dossier und Ihre zukünftige Arbeit in diesem Bereich. Da freue ich mich schon auf den zweiten Band der Reihe „Bildung im digitalen Wandel“, indem Sie sich Fragen der Organisationsentwicklung im Zuge der Digitalisierung widmen werden. Dann einen schönen Tag und bis bald

                                                  Bettina Waffner: Ja, herzlichen Dank!

                                                  Dieser Podcast steht unter der CC BY 4.0-Lizenz. Der Name des Urhebers soll bei einer Weiterverwendung wie folgt genannt werden: Carolin Anda für Deutscher Bildungsserver

                                                  11 min
                                                • Damit sprachliche Bildung gelingt
                                                  Audio-Linkempfehlungen zum Bildungspolitischen Forum „Gute sprachliche Bildung“ am 29. Oktober 2020

                                                  Gute sprachliche Fähigkeiten – schriftlich und mündlich – sind Voraussetzung für persönliche Entfaltung, für gute Ausbildung und für gesellschaftliche Teilhabe. Deshalb gab und gibt es vor allem in den letzten zwanzig Jahren viele Programme und Projekte zur Förderung sprachlicher Bildung in Kindertageseinrichtungen und Schulen – und die haben ihrerseits eine große Vielfalt von Materialien und Konzepten hervorgebracht. Doch welche Ansätze und Methoden helfen wirklich, sprachliche Kompetenzen zu verbessern? Christine Schumann vom Deutschen Bildungsserver empfiehlt Webseiten für pädagogische Fachkräfte, Eltern und wissenschaftlich Interessierte – damit sprachliche Bildung gelingt!

                                                  Hier die Empfehlungen zum Anklicken
                                                  • „Gute sprachliche Bildung“ – Bildungspolitisches Forum 2020 des Leibniz-Forschungsverbunds Bildungspotenziale
                                                  • Mercator-Institit für Sprachförderung und Deutsch als Zweitsprache: Unterricht und sprachliches Lernen digital – Ideen für den Einsatz digitaler Medien im Präsenz- und Distanzunterricht
                                                  • Initiative „Bildung duch Sprache und Schrift“ (BISS):
                                                    • BISS-Handreichungen
                                                    • Tool-Datenbank der BISS-Initiative
                                                    • Dossier Fachportal Pädagogik „Forschung zur sprachlichen Bildung“
                                                    • Bildungsdirektion des Kantons Zürich: Lerngelegenheiten für Kinder bis 4
                                                    • Planet Schule: Multimedia-Lernspiel Mumbro und Zinell
                                                    • Dossier Deutscher Bildungsserver „Frühe sprachliche Bildung“
                                                    • Lesefassung des Podcasts

                                                      Guten Tag und herzlich willkommen bei Bildung auf die Ohren, dem Podcast des Deutschen Bildungsservers. Mein Name ist Christine Schumann, ich möchte Ihnen heute Linkempfehlungen zum Thema Sprachliche Bildung geben.

                                                      Sprache ist der Schlüssel zur Welt. Das ist nicht neu – ein ganzes Bundesprogramm zur Sprachförderung in Kitas ist so benannt. Gute sprachliche Fähigkeiten – schriftlich und mündlich – sind Voraussetzung für persönliche Entfaltung, für gute Ausbildung und für gesellschaftliche Teilhabe. Deshalb gab und gibt es vor allem in den letzten zwanzig Jahren viele Programme und Projekte zur Förderung sprachlicher Bildung in Kindertageseinrichtungen und Schulen – und die haben ihrerseits eine große Vielfalt von Materialien und Konzepten hervorgebracht. Doch welche Ansätze und Methoden helfen wirklich, sprachliche Kompetenzen zu verbessern? Was müssen Lehrer, Erzieherinnen beachten, wenn sie Kinder in ihren sprachlichen Ausdrucksmöglichkeiten sinnvoll unterstützen wollen? Kurz: Was ist notwendig, damit sprachliche Bildung gelingt?

                                                      Weitere Empfehlungen zur Sprachförderung beim Deutschen Bildungsserver
                                                      • Lesen in Deutschland – eine Fundgrube, für alle die sich mit Leseförderung von Kindern und Jugendlichen beschäftigen! 
                                                      • Deutscher Bildungsserver – Dossier „Sprachförderung Schule“
                                                        • Lehrpläne und Richtlinien für alle Bundesländer
                                                        • Deutsch als Fremdsprache in den Ländern
                                                        • Deutscher Bildungsserver – Materialien zu „Deutsch als Fremdsprache“
                                                        • Deutscher Bildungsserver – Dossier „Frühe sprachliche Bildung“
                                                        • Genau das ist übrigens das Thema des Bildungspolitischen Forums „Gute sprachliche Bildung“ am 29. Oktober 2020  – und auch gleich mein erster Linktipp: Das Forum des Leibniz-Forschungsverbunds Bildungspotenziale – ein Netzwerk mit Forschenden aus 25 Einrichtungen und verschiedenen Disziplinen – wird nämlich aufgezeichnet und kann auf der Website leibniz-bildung.de angeschaut werden.

                                                          Inhaltlich wurde es vom Mercator-Institut für Sprachförderung und Deutsch als Zweitsprache konzipiert, einer der führenden Forschungseinrichtungen im Bereich der Sprachbildung. Wer sich auf der Website umschaut, wird interessante Fortbildungen und Ideen finden: Zum Beispiel Handreichungen wie digitale Medien zur sprachlichen Bildung in mehrsprachigen Klassen eingesetzt werden können – und das sowohl im Präsenz- wie auch im Distanzunterricht.

                                                          Auch für die Sprachförderung in Kitas ist einiges dabei! Vor allem für diejenigen, die sich in der Aus- und Fortbildung von pädagogischen Fachkräften engagieren. Empfehlen will ich hier besonders die Handreichungen aus der Arbeit der Initiativen Bildung durch Sprache und Schrift, kurz BISS und BISS-Transfer genannt. In ihnen kann man nachlesen, wie man am besten ein Projekt zur Sprachbildung plant oder welche Lesekompetenzen sich idealerweise aufeinander aufbauen sollten – und wie die Grundlagen dafür bereits im Kindergartenalter gelegt werden können.

                                                          Beides ist auf der Website des Mercator-Instituts unter dem Reiter Publikationen – Material für die Praxis zu finden.

                                                          Die BISS-Initiative wurde übrigens 2013 gegründet. Seitdem haben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in 15 Projekten Maßnahmen zur sprachlichen Bildung der einzelnen Bundesländer erprobt, evaluiert und weiterentwickelt. Nun wird daran gearbeitet, die verbesserten Angebote zur Sprachbildung sowie zur Lese- und Schreibförderung zu verankern. In den insgesamt 2.700 Kitas und Schulen des BISS-Verbunds wird dabei auf Fortbildung gesetzt: Das Wissen wird pädagogischen Fachkräften dabei vor allem über Blended Learning-Angebote vermittelt. Über eine „Tool-Datenbank“ können auch Interessierte, die nicht zum BISS-Verbund gehören, Arbeitsblätter und Förderkonzepte, Unterrichtsmaterialien oder Diagnoseinstrumente finden. Der Zugang zur Tool-Datenbank auf biss-sprachbildung.de/angebote für die Praxis ist allerdings eingeschränkt.

                                                          Wer einen Einstieg in die aktuelle wissenschaftliche Diskussion sucht, dem empfehle ich das Dossier „Forschung zur sprachlichen Bildung“ beim Fachportal Pädagogik. Die zusammengestellten Projekte und Ergebnisse bieten einen guten Einblick ins Thema. Für weitergehende Recherchen kann man Forschungsprogramme und wissenschaftliche Einrichtungen zu Sprachförderung und Sprachbildung einsehen. Natürlich gibt es auch Empfehlungen zu Fachliteratur für die einzelnen Bildungsbereiche. Zu finden ist das Dossier unter fachportal-paedagogik.de unter Forschungsinformationen.

                                                          Nun aber zu den ganz praktischen Linkempfehlungen, die ich auch noch beim Deutschen Bildungsserver gefunden habe:

                                                          Zum Beispiel die schweizerische Website «Lerngelegenheiten für Kinder bis 4». Auf ihr sind zahlreiche Kurzfilme zu finden. Sie zeigen Eltern und Betreuungspersonen alltägliche Situationen, die dazu geeignet sind, die sprachlichen Kompetenzen von Kindern quasi nebenbei zu fördern. Die Situationen sind sehr unterschiedlich und zeigen wie Kinder auch voneinander lernen können. Versprochen: Wer die knapp dreiminütigen Filme gesehen hat, wird jedem Kind sprachlich noch aufmerksamer begegnen! Die Filme zur frühen Sprachbildung kann man übrigens auch nach Themen filtern, das funktioniert über den Menüpunkt „Sammlungen“. Produziert wurden sie von der Bildungsdirektion des Kantons Zürich; sie stehen mit Untertiteln und Off-Kommentar in 13 Sprachen zum direkten Anschauen oder zum Download zur Verfügung: Kinder-4.ch

                                                          Schulkindern empfehle ich das interaktive Lernspiel „Deutsch lernen mit Mumbro und Zinell“. Das Spiel ist Teil eines größeren Lernpakets. Mit den lustigen Figuren und ihren Abenteuern finden Kinder im Grundschulalter einen spielerischen Zugang zur deutschen Sprache – und ihre Lehrerinnen obendrein umfassende Unterrichtsmaterialien. Das Spiel besteht aus den sechs Stationen Umzug, Markthalle, Kaufhaus, Bauernhof, Schule und Zirkus und enthält neun Übungen zu Wortfeldern, Redewendungen und Grammatik. Mit ihnen kann das Hörverstehen, das Lesen und Schreiben und – in der DVD-Version – zusätzlich noch das Sprechen geübt werden. Der Schwierigkeitsgrad der Übungen passt sich übrigens dem Kenntnisstand der Lernenden an. Ach ja, das Spiel ist auch für Kinder geeignet, die Deutsch als Fremdsprache lernen! Es kann bei Planet Schule.de heruntergeladen werden und ist auf allen Endgeräten online nutzbar. Die Webseite ist über die Bildungsserver-Seite Materialien zu „Deutsch als Fremdsprache“ oder direkt über planet-schule erreichbar.

                                                          Alle hier vorgestellten Linktipps finden Sie übrigens auch im bildungsserverBlog. Und noch viel mehr gibt es natürlich beim Deutschen Bildungsserver selbst, zum Beispiel im Dossier „Frühe sprachliche Bildung“.

                                                          Vielen Dank fürs Zuhören!

                                                          Dieser Podcast steht unter der CC BY 4.0-Lizenz. Der Name des Urhebers soll bei einer Weiterverwendung wie folgt genannt werden: Christine Schumann für Deutscher Bildungsserver

                                                          7 min

                                                        About Bildung auf die Ohren

                                                        From the publisher's feed

                                                        Der Podcast des Deutschen Bildungsservers

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