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Anlässlich des Tages der gesunden Ernährung am 7. März stellt Caroline Hartmann ein paar herausragende Webseiten mit kostenlosen Unterrichtsmaterialien zum Thema Ernährung vor:
Weitere Unterrichtsmaterialien finden Sie in dem Dossier des Deutschen Bildungsservers: https://www.bildungsserver.de/gesunde-ernaehrung-2653-de.html
Und was genau essen Sie und Ihre Schülerinnen und Schüler am Tag der gesunden Ernährung?
Ich begrüße Sie ganz herzlich bei „Bildung auf die Ohren“, dem Podcast des Deutschen Bildungsservers. Mein Name ist Caroline Hartmann. Das Thema „Ernährung“ ist bundesweit ein fester Bestandteil in den Grundschullehrplänen. Aber auch in den weiterführenden Schulen ist es immer wieder ein äußerst beliebtes Unterrichtsthema. Dazu habe ich für Sie ein paar kostenlose Materialien zusammengestellt, die Ihnen bei der Unterrichtsvorbereitung helfen könnten.
Für den Unterricht in der Primarstufe hat die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung tolle kostenlose Unterrichtsmaterialien zu den Themen Frühstück, Pausenbrot und Getränke herausgegeben. Hier finden Sie auch ein umfangreiches Unterrichtsmodul rund um den Apfel sowie Materialien zum Thema Geschmackssinn für die dritte oder vierte Klasse. Zu den verschiedenen Themen können Sie vom DGUV-Portal jeweils Handreichungen und mehrere Arbeitsblätter kostenfrei herunterladen.
Wenn Sie in der Grundschule die Einführung in digitale Medien vielleicht mit dem Thema „Ernährung“ verbinden wollen, bietet sich zudem die Webseite „wirf-mich-nicht-weg.de“ an.
Vielleicht nimmt Ihre Schule bereits an dem Schulobst- und -gemüseprogramm der EU teil, das jeweils von den Bundesländern organisiert wird. Passend dazu hat der „5 am Tag“-Verein Unterrichtsmaterialien für die Primarstufe und für die weiterführenden Schulen herausgebracht, die zum kostenlosen Download bereitstehen.
Auch die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung stellt kostenlose Unterrichtsmaterialien zur Verfügung – sei es „Fußball, Fitness, Ernährung“ für die Primarstufe oder Materialien zu Essstörungen für weiterführende Schulen.
Für die Sekundarstufe I empfehle ich auch das Bildungsmaterial von Greenpeace „Iss gut jetzt“ für umweltbewusstes Essen. Damit möchte Greenpeace den Blick Ihrer Schülerinnen und Schüler auf die Hintergründe und Zusammenhänge der Nahrungsmittelproduktion lenken und aufzeigen, welche anderen Wege es gibt und welche eigenen Handlungsmöglichkeiten bestehen.
Zuletzt möchte ich Sie noch auf die Wanderausstellung „History of Food“ aufmerksam machen. Die Ausstellung „Unsere Nahrung und ihre globalen Wurzeln“ besteht aus drei Stellwänden und ist für eine Raumgröße ab 30 Quadratmetern geeignet. Mit Hilfe eines QR-Codes finden Sie hierzu auch Videos, Interviews und weiterführende Informationen, die mit Handys oder Tablets aufgerufen werden können. Zudem wird die Ausstellung von Bildungsmaterial und Workshops begleitet.
Ich wünsche Ihnen und Ihren Schülerinnen und Schülern viel Erfolg mit diesen Unterrichtsmaterialien und einen gesunden Appetit!
Der Podcastjingle verwendet einen Ausschnitt aus dem Track Tupac Lives von John Bartmann, lizenziert unter CC0 Public Domain.
Dieser Podcast steht unter der CC BY 4.0-Lizenz. Der Name des Urhebers soll bei einer Weiterverwendung wie folgt genannt werden: Deutscher Bildungsserver
Die Erwachsenenbildung/Weiterbildung ist wie kein anderer Bildungssektor durch Heterogenität geprägt – die Herausforderungen durch den digitalen Wandel sind daher vielfältig. Im dritten Teil unserer Podcast-Reihe zum Thema „Digitalisierung und Organisationsentwicklung“ berichtet Professorin Regina Egetenmeyer von der Julius-Maximilians-Universität Würzburg aus ihrem Projekt DigiEB und skizziert die Gelingensbedingungen für eine erfolgreiche Digitalisierungsstrategie.
Hallo und herzlich willkommen bei Bildung auf die Ohren – dem Podcast des Deutschen Bildungsservers. Mein Name ist Michaela Achenbach.
In dieser neuen Folge in der Reihe „Digitalisierung und Organisationsentwicklung“ schauen wir auf die Erwachsenen- und Weiterbildung. Die Digitalisierung beeinflusst Lehr- und Lernformen, Bildungsformate, aber auch Organisationsprozesse. Vor welchen Herausforderungen steht dieser heterogene Bildungssektor, wie kann hier Digitalisierung erfolgreich sein und welche Digitalisierungsstrategie braucht es dazu? Darüber spreche ich mit Regina Egetenmeyer von der Julius-Maximilian Universität Würzburg. Sie ist Professorin für Erwachsenenbildung und Weiterbildung am Institut für Pädagogik und leitet außerdem das BMBF geförderte Projekt DigiEB, welches auf die Gelingensbedingungen der Digitalisierung schaut.
Herzlich willkommen Frau Professorin Egetenmeyer, schön, dass Sie da sind.
Hallo Frau Achenbach.
Frau Egetenmeyer, allgemein gefragt – vor welchen Herausforderungen stehen die Einrichtungen der Erwachsenen- und Weiterbildung in den kommenden Jahren?
Das ist als allgemeine Frage leider nicht zu beantworten. Das Feld der Erwachsenenbildung/Weiterbildung ist von einer hohen Pluralität geprägt. So vielfältig wie die Einrichtungen sind die Herausforderungen. Es gibt Einrichtungen der Erwachsenenbildung mit Übernachtungsbetrieb, die aufgrund der Kontaktbeschränkungen große Herausforderungen in der Finanzierung haben. Einige Einrichtungen mussten bereits schließen. Problematisch ist hier, dass dies häufig wichtige Orte politischer Bildung sind, deren Bildungsangebot nun verloren geht und nicht einfach durch andere Einrichtungen ersetzt werden kann. Andere Einrichtungen haben Probleme, die notwendige Anzahl an Räumen mieten zu können, die für die Abstandsregeln notwendig sind. Andere Einrichtungen, die vorwiegend berufliche Aufstiegsfortbildung anbieten, und vor allem FachexpertInnen beschäftigen, stehen vor didaktischen Herausforderungen. FachexpertInnen konnten in der Zeit vor Pandemie didaktisch einen starken Fokus auf berufliche Sozialisation legen und ihre Seminare so gestaltet haben, wie sie es selbst als Lernende erlebt haben. Die Nutzung von digitalen Medien stellt eine große didaktische Frage dar, die grundlegend neu gestaltet werden muss. Andere Einrichtungen stehen vor der Herausforderung, wie sie Technik und Software finanzieren, wie sie Medienangebote mit fachlich und didaktisch versiertem Personal entwickeln und dafür ausreichend ausgebildetes Personal erhalten können.
Ihr Projekt DigiEB untersucht die Gelingensbedingungen der Digitalisierung in der Erwachsenenbildung und beruflichen Weiterbildung auf der Institutions- und Organisationsebene. Es ist geprägt durch einen engen Austausch zwischen Wissenschaft und Praxis. Welche Vorteile bietet das und wie genau ist Ihre Vorgehensweise?
DigiEB untersucht die Gelingensbedinungen der Digitalisierung aus einer Mehrebenenperspektive. Dies schließt die Ebene der Gesellschaft, Institutionen bzw. Dachorganisationen und Organisationen ebenso ein, wie die Ebene der Angebote und Programme, des Personals und der Lernenden. Für die Untersuchung haben wir ein dialogisches Forschungsverfahren entwickelt, das inspiriert wurde durch die Critical Communicative Method der Forschungsgruppe CREA in Barcelona und die gestaltungsorientierte Bildungsforschung von Tulodziecki/Grafe/Herzig. Unserem Forschungsverfahren liegt die Erfahrung zugrunde, dass die Relevanzen und Perspektiven in Bildungsforschung und Bildungspraxis sehr unterschiedlich sind. Gemeinsame Forschung bedarf des Dialogs, um gegenseitig Relevanzen und Perspektiven kennen zu lernen. Dafür ist ein echtes Interesse an den gegenseitigen Perspektiven notwendig, die Bereitschaft eigene Perspektiven zu hinterfragen und das Bewusstsein, dass über den Dialog immer nur Teile gegenseitiger Perspektiven zugänglich sind. Damit dies gelingt, muss gegenseitiges Vertrauen aufgebaut werden. Es ist notwendig, dass der Dialog beidseitig und auf Augenhöhe erfolgt. Persönliche Distanzen, die zwischen Bildungsforschung und Bildungspraxis bestehen müssen überwunden werden, um Dialog, Fragen, Hinterfragen und Nichtverstehen möglich zu machen. Was jedoch bleibt sind die inhaltlichen und strukturellen Distanzen, die Gegenstand und Kontext der Forschung darstellen. Erst an dieser Stelle beginnt die Forschung: Indem Fragestellung gemeinsam diskutiert, Erhebungsmerkmale erörtert, Praxisinteressen formuliert und optimale Zugänge zu Daten gemeinsam entwickelt werden. Wir haben die Erfahrung, dass dadurch die Kolleg/inn/en aus der Bildungspraxis im Prozess unmittelbar Veränderungsprozesse anstoßen. Es ist kein Transfer von Wissenschaft in die Bildungspraxis. Der Gewinn der dialogischen Forschung liegt vielmehr darin, dass wir gemeinsam einen Forschungsprozess gehen und Wissenschaft wie Praxis durch den Perspektivwechsel zahlreiche Erkenntnisse für die weitere Arbeit nutzen können. Wir haben als Wissenschaftler/inn/en dadurch Zugang zu Perspektiven und Daten, die unsere Interpretationen theoretisch wie praxisnah begründen können. Neben Beiträgen in wissenschaftlichen Zeitschriften versuchen wir auch Beiträge in Zeitschriften von Praxisverbänden zu platzieren. Dadurch stehen den Praxispartnern Beiträge zur Verfügung, die sie unmittelbar in ihrem Bildungsalltag nutzen können.
Im Rahmen des BMBF-Metavorhabens „Digitalisierung im Bildungsbereich“ ist ja gerade der 2. Critical Review Band erschienen. Die systematische Forschungssynthese schaut genauso wie Ihr Projekt DigiEB auf die Organisationsentwicklung in Bildungseinrichtungen in Zeiten des digitalen Wandels. Für den Sektor Erwachsenenbildung haben Jan Koschorreck und Angelika Gundermann vom Deutschen Institut für Erwachsenenbildung die Bedeutung der Digitalisierung für das Management von Weiterbildungsorganisationen untersucht. Aus den Ergebnissen der Autor*innen ließe sich die These ableiten, dass es eine der jeweiligen Einrichtung angepasste Digitalisierungsstrategie sowie eine Strategie auf übergreifendender Ebene braucht um die Anforderungen der Digitalisierung zu bewältigen. Wie ist Ihre Einschätzung dazu?
Das bestätigen unseren Daten aus sechs Einrichtungen und zwei Dachverbänden der Erwachsenenbildung und Weiterbildung. Überall dort, wo die Digitalisierung durch die Einrichtungen und Verbände der Erwachsenenbildung/Weiterbildung als gelingend eingeschätzt wurden, lagen diese Strategien vor. Digitalisierung passiert nirgendwo in der Erwachsenenbildung/Weiterbildung von selbst, nebenbei oder durch eine Einzelperson. Unsere Daten deuten sogar darauf hin, dass für eine gelingende Digitalisierung auch die anderen Ebenen relevant sind: 1. Die Ebene der Gesellschaft durch Staat, Markt und Zivilgesellschaft, 2. Die Ebene der Angebote und Programme, 3. Die Ebene des Personals und 4. Die Ebene der Teilnehmenden. Digitalisierung in der Erwachsenenbildung/Weiterbildung verändert auch die Programme und Angebote in inhaltlicher wie didaktischer Weise. Damit Digitalisierung gelingt, muss das Personal in Gänze auf diesem Weg begleitet und mitgenommen werden. Aber auch Teilnehmende müssen herangeführt werden an die Veränderungen des digitalen Wandels, damit sie Veränderungen als Gestaltungspotential wahrnehmen können und nicht als Veränderungspflicht.
Was gilt es noch zu beachten, damit der digitale Wandel gelingen kann und welche Rahmenbedingungen müssen dafür gegeben sein?
Die Rahmenbedingungen verweisen in unserer Mehrebenenperspektive auf die Ebene der Gesellschaft. Je nach Einrichtung sind hier staatliche, marktbezogene oder zivilgesellschaftliche Akteure relevant. Akteure, die vorwiegend im Bereich des Marktes agieren sind davon abhängig, welche Ressourcen für die Durchführung ihrer Angebote zur Verfügung stehen und wie die Teilnehmenden dafür gewonnen werden können. Diese Ressourcen beziehen sich auf Personal, Räume, Medientechnik und Medienangebote in gleicher Weise. Da Erwachsenenbildung/Weiterbildung wesentlich dynamischerer als andere Bildungsbereiche ist, liegen hier nur für bestimmte Bereiche bereits umfassende Medienangebote (z.B. für den Sprachenbereich) vor. Deshalb ist die zielgruppengenaue Entwicklung von fachlich wie didaktisch exzellenten Medienangeboten eine große Aufgabe des gesamten Bildungsbereiches.
Für Einrichtungen, die im Bereich der Gemeinnützigkeit arbeiten und zu den freien wie kommunalen Träger zählen, stellt die Finanzierung von Medientechnik und didaktischen Medienangeboten zum Teil eine sehr große Herausforderung dar. Es ist dringend notwendig, dass für diesen Bildungsbereich eine finanzielle Unterstützung von Seiten des Bundes zur Verfügung gestellt wird. Es sollte uns als Gesellschaft ein hohes Anliegen sind, dass Menschen sich im Erwachsenenalter weiterbilden. Die Teilnahme an Erwachsenenbildung ist ein Beitrag zur Gesellschaftsentwicklung. Wir sollten als Gesellschaft ein hohes Interesse haben, diesen Weg gemeinsam zu gehen. Es ist unbedingt sicher zu stellen, dass möglichst viele Mitglieder unserer Gesellschaft an Digitalangeboten teilnehmen können. Ich verstehe diesen Zugang grundlegend notwendig für die Demokratieentwicklung.
Was sind die Hürden? Und wie sind sie zu bewältigen?
Mit Blick auf die Medienangebote sollte kritisch überprüft werden, welche Ressourcen über den freien Markt zur Verfügung gestellt werden und wo die Grenzen dieses Angebot bestehen. Diese Lücken scheinen in der Erwachsenenbildung/Weiterbildung größer zu sein als in anderen Bildungsbereichen. Hier sollte meines Erachtens geprüft werden, für welche Themen und welche Zielgruppen inhaltlich-didaktische Medienangebote (z.B. Lehrprogramme, digitale Übungen, Lernspiele, intelligente tutorielle Systeme) entwickelt werden sollten, die eine breite Einsatzmöglichkeit erfahren können. Die Verfügbarkeit der Angebote ist m.E. sehr wichtig für die Digitalisierung des Bildungsbereichs insgesamt.
Mit Blick auf die digitale Infrastruktur bei den kommunalen und freien Trägern sind Bund-Ländervereinbarungen notwendig. Dies ist aufgrund der Länderhoheit im Bereich Erwachsenenbildung notwendig. Hier gibt es derzeit positive Entwicklungen. Das Positionspapier der Kultusministerkonferenz zur Initiative Digitale Weiterbildung spricht sich explizit für eine Förderung durch den Bund für die digitale Infrastruktur und Ausstattung der Einrichtungen aus. Dies ist ein wichtiger Schritt, damit die technischen Rahmenbedingungen in den Einrichtungen sichergestellt werden können.
Welche Forschungsfragen treiben Sie im Projekt DigiEB noch um?
Wir sehen im Forschungsprojekt, dass das Gelingen von Digitalisierung vor allem eine didaktische Frage ist, sofern Didaktik als Mehrebenenperspektive betrachtet wird, wie dies viele Kolleg/inn/en in der Erwachsenenbildung tun. Das Gelingen von Digitalisierung hängt von einer guten didaktischen Orchestrierung auf den einzelnen Ebenen der Erwachsenenbildung/Weiterbildung ab. Teilnehmende, Personal, die ganze Organisation ist auf dem Weg der Digitalisierung mitzunehmen. Dabei leiten die unterschiedlichen Voraussetzungen, Einstellungen und Rahmenbedingungen der Teilnehmenden, des Personals und der Organisation.
Wir sehen im Projekt, dass dies an vielen Stellen in der Erwachsenenbildung/Weiterbildung sehr gut gelingt. Wir bewegen und hier in einem Bildungsbereich, in dem die Existenz von Einrichtungen davon abhängig ist, zielgruppenspezifische Bildungsbedarfe inhaltlicher wie didaktischer Art präzise bestimmen zu können. Die Einrichtungen sind deshalb in einem Dauermodus der Identifizierung von Bedarfen und Veränderungen und der Entwicklung von Anpassungen und Neugestaltungen. Viele Einrichtungen identifizieren hier einen hohen Entwicklungsbedarf, den sie zielgenau angehen. Deshalb habe ich keine Zweifel, dass der Erwachsenenbildung/Weiterbildung die Veränderung gewinnbringend für die Gesellschaft gelingen wird.
Liebe Frau Egetenmeyer, ich danke Ihnen sehr herzlich für die Einblicke in Ihre Forschung, sage allen Zuhörerinnen und Zuhörern danke für Ihre Zeit und Ihr Interesse und bis zum nächsten Mal bei „Bildung auf die Ohren“.
Dieser Podcast steht unter der CC BY 4.0-Lizenz. Der Name des Urhebers soll bei einer Weiterverwendung wie folgt genannt werden: Michaela Achenbach für Deutscher Bildungsserver
Im zweiten Teil der Podcast-Reihe zum Thema „Digitalisierung und Organisationsentwicklung“ schauen wir auf die Lehrerbildung. Professor Rudolf Kammerl von der Friedrich-Alexander Universität Erlangen-Nürnberg und Verbundkoordinator des Projekts P3Dig geht im Interview der Frage nach, mit welchen Angeboten Lehramtsstudierende auf das Unterrichten mit digitalen Medien vorbereitet werden können und berichtet von den Herausforderungen bei der Umgestaltung der Curricula.
Hallo und herzlich willkommen bei Bildung auf die Ohren – dem Podcast des Deutschen Bildungsservers. Mein Name ist Michaela Achenbach. In der heutigen Folge in der Reihe „Digitalisierung und Organisationsentwicklung“ soll es u.a. darum gehen, wie digitales Lernen und Lehren an Grundschulen gelingen kann. Wir schauen außerdem auf die Herausforderungen für der Lehrkräftebildung an den Hochschulen und die Umgestaltung der Curricular im Zuge des digitalen Wandels.
Herzlich willkommen Herr Professor Kammerl, schön, dass Sie da sind.
Hallo Frau Achenbach.
Herr Professor Kammerl, Ihr Projekt P3DiG befasst sich mit Grundsatzfragen in der Professionalisierung des pädagogischen Personals für Kinder im Grundschulalter. Was genau ist das Ziel Ihres Forschungsvorhabens und welche zentralen Fragestellungen bearbeiten Sie?
In den Strategien des BMBF und der KMK wird betont, dass bei der Digitalisierung im Bildungsbereich das Primat der Pädagogik gilt; „sie muss den Einsatz digitaler Technik bestimmen, nicht umgekehrt“ (BMBF, 2016, S. 3). Unser Projekt untersucht, wie in der Professionalisierung von Lehrpersonen und außerschulischen Pädagogen für Kinder das Primat des Pädagogischen in der Digitalen Grundbildung adaptiert wird bzw. werden kann.
In Ihrem Projekt untersuchen Sie auch die Gelingensbedingungen. Aus Ihrer Sicht, wie kann digitales Lehren und Lernen an Grundschulen gelingen?
Um das Primat des Pädagogischen zu berücksichtigen, sollten Kinder einfach digital belehrt werden. Es geht vielmehr darum, die Perspektiven und Interessen der Kinder zu berücksichtigen und die Fragen zu beantworten, die diese an digitale Medien und andere digitale Geräte stellen. Es geht darum, entsprechend dem Entwicklungsstand der Kinder und ausgehend von deren Lebenswelten ein Lernen über und mit Medien zu ermöglichen.
In einer von Ihnen initiierten Onlineumfrage konnten sich Grundschullehramtsstudierende und Referendar*innen und Referendare dazu äußern, wie sie Ihre Qualifizierung im Bereich der Digitalen Grundbildung erleben. Gibt es hier schon Ergebnisse?
Ja. Insbesondere in der ersten Phase der Lehrkräftebildung gibt es insgesamt noch zu wenig Verankerung medienpädagogische, mediendidaktischer und informatikdidaktischer Aspekte. Unsere Befunde zeigen auch, dass es Angebote benötigt, welche auch Emotionen und Motivation der angehenden Grundschullehrkräfte berücksichtigen.
Schauen wir einmal auf die Herausforderungen der Lehrkräftebildung an den Hochschulen. Im November 2021 ja ist der zweite Critical Review Band des Metavorhabens Digitalisierung im Bildungsbereich erschienen. Er befasst sich mit der Organisationsentwicklung in Bildungseinrichtungen in Zeiten des digitalen Wandels. Das Critical Review des Autors Marcel Capparozza vom Leibniz-Institut für Wissensmedien thematisiert die Rahmenbedingungen für die curriculare Verankerung mediendidaktischer Kompetenzen im Lehramtsstudium und sucht in der Forschungsliteratur die Antwort auf die Frage „Wie können Hochschulen Curricula umgestalten, damit Lehramtsstudierende auf das Unterrichten mit digitalen Medien vorbereitet werden?“ Welche Rolle spielen personelle und finanzielle Ressourcen für die Umgestaltung an Ihrer Hochschule?
In Bayern wurden in der Lehramtsprüfungsordnung LPO I die Prüfungsanforderungen entsprechend geändert und an alle lehrkräftebildenden Universitäten DigiLLabs eingerichtet. Diese Labore für digitales Lehren und Lernen und die damit verbundenen Ressourcen bieten die notwendigen infrastrukturellen und personellen Grundlagen die erforderlich sind, allen Lehramtsstudierenden Angebote zur Bildung in einer digitalen Welt zu machen.
Welche Angebote bieten Sie Lehramtsstudierenden, um sie auf das Unterrichten mit digitalen Medien vorzubereiten?
An der FAU sind wird dabei, medienpädagogische und mediendidaktische Grundlagen für alle obligatorisch zu verankern und darüber hinaus Profilierungsmöglichkeiten in Form eines Zertifikats und mit den Erweiterungsfächern Medienpädagogik und Informatik auszubauen. Darüber hinaus bieten wir auch zusätzlich Angebote, um die eigene Medienkompetenz auszubauen.
Wie können Theorie und Praxis im Lehramtsstudium verbunden werden?
Da gibt es viele Möglichkeiten. Neben angeleiteten Praktika, Exkursionen und dem Einbezug von Fallbeispielen in der Lehre spielt bei uns auch das didaktische Doppeldeckerprinzip eine Rolle. Wir haben eine technische und digitale Infrastruktur eingerichtet, mit denen wir Tablet-, Notebookklassen und BYOD nachbilden können, wie sie in Schulen auffindbar sind. Damit können die Studierenden auch in Seminaren, in denen Theorie und Forschung im Mittelpunkt stehen praktische Aspekte bei der Gestaltung von digitalen Lernumgebungen erlernen.
Welche Rolle spielt die Heterogenität (z.B. in Bezug auf Kompetenzen und Einstellungen) unter Lehramtsstudierenden für die Umgestaltung der Curricula?
Es ist absolut bedeutsam, den unterschiedlichen Ausgangständen Rechnung zu tragen. Leider bringen nicht alle Studienanfänger die grundlegende Medienkompetenz mit auf der die weitere Professionalisierung aufbauen musst. Über verpflichtenden Module hinaus sind deshalb optionale Angebote nötig um hier nachholen zu können. Einige Lehramtsstudierende zeigen auch Ängste und Vorbehalte. Es ist deshalb wichtig, sie hier abzuholen und Lernmöglichkeiten zu bieten, bei denen Spaß, die originelle Umsetzung einer didaktischen Idee und schnelle Erfolgserlebnisse ermöglicht werden.
Als Ausblick: Welche Schritte werden zukünftig noch gegangen, um das Curriculum an Ihrer Hochschule umzugestalten?
Wir besetzen derzeit eine Professur für Schulpädagogik mit Schwerpunkt Digitalisierung im Unterricht und werden uns Angebot im Profilbereich Digitale Bildung weiter ausbauen. Auch ein neuen Masterstudienangebot ist geplant.
Lieber Herr Professor Kammerl, ich danke Ihnen herzlich für dieses interessante Gespräch und den Einblick in Ihre Forschung und Praxis, sage allen Zuhörerinnen und Zuhörern danke für Ihre Zeit und Ihr Interesse und bis zum nächsten Mal bei „Bildung auf die Ohren“.
Dieser Podcast steht unter der CC BY 4.0-Lizenz. Der Name des Urhebers soll bei einer Weiterverwendung wie folgt genannt werden: Michaela Achenbach für Deutscher Bildungsserver
Wie verändert die Digitalisierung Arbeitsprozesse und Organisationsstrukturen in Bildungseinrichtungen? Dies ist zentraler Gegenstand von Bildungsforschung und Thema des zweiten Reviewbandes „Bildung im digitalen Wandel. Organisationsentwicklung in Bildungseinrichtungen„, der im Rahmen des BMBF-Metavorhabens „Digitalisierung im Bildungsbereich“ im November 2021 erschienen ist und vom DIPF – Leibniz Institut für Bildungsforschung und Bildungsinformation herausgegeben wurde. Er beleuchtet in Form von Critical Reviews den aktuellen Forschungsstand zu Digitalisierungsthemen in den verschiedenen Bildungssektoren. Im Metavorhaben selbst werden ca. 50 Forschungsprojekte begleitet. Michaela Achenbach hat für diese Podcast-Reihe zum Thema „Bildung im digitalen Wandel: Digitalisierung und Organisationsentwicklung“ einige Forscherinnen und Forscher aus den Projekten des Metavorhabens zu Ergebnissen des Reviewbandes befragt und sie zudem gebeten, aus ihren eigenen Forschungsvorhaben zu berichten.
Den Auftakt zur fünfteiligen Reihe bildet das Interview mit Iris Nieding, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Arbeit und Qualifikation (IAQ) der Universität Duisburg-Essen und Mitautorin des Reviewbandes. Sie blickt auf die Umsetzung von Digitalisierung in Organisationen der non-formalen Bildung und die Herausforderungen für Einrichtungen in freier Trägerschaft – und erläutert anhand ihres Dissertationsprojektes „Digitalisierung in der frühkindlichen Bildung. Strategien für die Organisationsentwicklung“, warum die Partizipation von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zentral für das Gelingen ist.
Ich spreche mit Iris Nieding. Sie ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Arbeit und Qualifikation der Universität Duisburg-Essen, Mitautorin des Reviewbandes und forscht zu den Entwicklungen im Sektor Bildung in Kindheit, Jugend und Familie.
Frau Nieding, die aktuelle Corona-Pandemie hat dem digitalen Wandel in der Bildung einen regelrechten Schub versetzt. Was bedeutet das aktuell speziell für die Organisationen der Bildung in Kindheit, Jugend und Familie?
Es bedeutet vor allen Dingen, dass es einen großen Umbruch gab und viele Organisationen und Fachkräfte einiges neu denken mussten. Wer hätte vorher gedacht, dass Fachkräfte aus sozialen Einrichtungen wie bspw. Kindertageseinrichtungen von zu Hause aus arbeiten können? Da mussten von jetzt auf gleich neue Lösungen gefunden werden. Viele Träger haben schnell nachgerüstet was sowohl Hardware als auch Software angeht, damit z.B. Fachberatungen ihre Gespräche Online durchführen können. Die Trägervertreter*innen mit denen ich im Zuge meiner Dissertation gesprochen habe berichten mir eigentlich alle einstimmig, dass sich auch die eigenen Arbeitsprozesse und Anforderungen sehr schnell deutlich verändert haben. Die Fachberatungen hatte ich ja schon angesprochen aber auch die Verwaltung der Einrichtungen geschah dann aus dem Homeoffice und Fortbildungen für Mitarbeitende aller Ebenen mussten auf Online-Programme umgestellt werden – was aber wohl ziemlich gut angenommen wurde. Hier haben sich also neue Fenster für die Zukunft geöffnet. Wenn das Thema Digitalisierung nicht vorher sowieso schon auf der Agenda stand, steht es spätestens jetzt sehr weit oben.
Sie sind Mitautorin des Reviewbandes und haben das Thema Umsetzung von Digitalisierung in Organisationen der non-formalen Bildung bearbeitet. Einrichtungen in freier Trägerschaft wurden von Ihnen im Review besonders angeschaut. Was sind die Herausforderungen für diese Gruppe?
Die Besonderheit liegt in der Heterogenität des Systems begründet und es führt dadurch natürlich auch zu ganz unterschiedlichen Herausforderungen. Der sozialwirtschaftliche Sektor setzt sich aus ganz unterschiedlichen Institutionen zusammen, die auch verschiedene Leistungen erbringen. Es gibt also Organisationen, die nur Leistungen in der Kinder- und Jugendhilfe erbringen aber auch andere z.B. wohlfahrtsstaatliche Organisationen, die ein viel breiteres Spektrum aufweisen. Insgesamt erbringen sie aber alle soziale Dienstleistungen und das mit zum Teil langer Tradition und einem hohen Berufsethos würde ich das jetzt mal nennen. Und dann kommt die Digitalisierung und grätscht salopp gesagt mit ihrer rasanten Entwicklung einmal quer durch diese ganzen Organisationen und Dienstleistungen durch. Weil alle gesellschaftlichen und lebensweltlichen Entwicklungen, die die Menschen betreffen die Zielgruppen sind in der Kinder und Jugendhilfe und das geht ja noch weiter in die Altenpflege und so weiter, dort überall findet Digitalisierung statt und soziale Organisationen (wie wir sie im Review nennen) müssen diese Entwicklungen aufgreifen und darauf reagieren können. Und natürlich berührt das auch den Kern der Organisationen. Sie müssen zum einen, um zukunftsfähig zu bleiben, sich selbst und ihre Verwaltungsabläufe digitalisieren und zum anderen die Digitalisierung inhaltlich und technisch in ihre Angebote integrieren. Das ist eine große Herausforderung in diesem Bereich.
Warum scheitern Digitalisierungsvorhaben in Organisationen der Sozialwirtschaft?
Ich weiß nicht ob man das so sagen kann. Sie vollziehen sich glaube ich einfach nur etwas langsamer als in anderen Branchen.
Wer ist zuständig den digitalen Wandel voranzutreiben und wie kann das gelingen?
In erster Linie muss sich die Management- und Führungsebene in den sozialen Organisationen dieser Aufgabe bewusst sein und die Prozesse anstoßen. Eine Organisation kann ja nicht einfach unstrukturiert digitalisiert werden, dahinter stecken Entscheidungen, Abwägungs- und Aushandlungsprozesse und vielleicht auch schon gescheiterte Vorhaben. Es gibt ja auch nicht den einen Königsweg zur digitalisierten Organisation, sodass bestehende Modelle und Verfahren anderer nicht einfach 1-zu-1 adaptiert werden können. Jede Führungsebene ist letztendlich dafür verantwortlich, individuelle Lösungen zu finden, die für die eigene Organisation, die Organisationskultur und die Mitarbeitenden passen. Die Leitungsebene muss einfach ein klares Ziel oder eine Richtung vorgeben, wohin die Reise gehen soll. Nicht zu unterschätzen ist aber auch die Verantwortung der IT-Abteilung – sofern überhaupt eine eigene Abteilung dafür vorhanden ist. An der Aufgabenverteilung zeigt sich auch, welche Bedeutung der Digitalisierung zugemessen wird. Bei kleineren sozialen Organisationen haben wir oftmals das Problem, das die IT-Abteilung aus einer Person besteht, die eigentlich etwas ganz anderes als Kernaufgabe hat und z.B. im Bereich Personal arbeitet und die Digitalisierung „nebenbei“ oder „on top“ machen muss. Dabei kann eine explizit ausgewiesene IT-Stelle den Umsetzungsprozess wirklich stark unterstützen.
Und dann kommen natürlich auch die Fachkräfte aus der Praxis und die Mitarbeitenden der Trägerorganisationen ins Spiel, weil sie müssen es ja letztendlich umsetzen.
Für Ihr Dissertationsprojekt „Digitalisierung in der frühkindlichen Bildung – Strategien für die Organisationsentwicklung“ haben Sie Interviews mit Vertreterinnen und Vertretern von verschiedenen Trägereinrichtungen geführt. Dabei stellen sich Parallelen zu den Forschungslücken und Themen des Dossiers heraus. Eine wichtige Überschneidung ist das Thema „Partizipation der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bei der Gestaltung von Digitalisierungsprozessen“. Warum ist ihre Partizipation für das Gelingen so wichtig?
Eine zentrale Kernaussage aus meinen Interviews mit den Trägervertreter*innen ist, dass alle mit ins Boot geholt werden müssen, sonst verlaufen alle Bemühungen ins Leere. Es geht also nicht ohne die Einbindung und Partizipation der Mitarbeitenden aller Ebenen, weil es sonst nicht akzeptiert und gelebt wird. Viele Träger in meinen Interviews betonen ihren starken Fokus auf bottom-up Strategien und das ist auch wichtig, um die Eindrücke, das Feedback und die relevanten Themen aus der Praxis zu erhalten, ein gewisses Maß an top-down Steuerung darf dabei aber nicht fehlen. Der Rahmen muss also klar festgesteckt sein und es muss auch geregelt sein, wofür die Fachkräfte dann in den Arbeitsgruppen oder Workshops, die die Träger zu den Digitalisierungsthemen veranstalten, ihre Meinung einbringen und sie müssen sich sicher sein, dass diese Meinung auch gehört und berücksichtigt wird. Ich finde das Bild einer Wippe hier ganz passend – mal sind die partizipativen Elemente im Prozess oben auf der Wippe und mal die Steuerungselemente der Führungsebene, so geht es dann hin und her und vielleicht, wenn der Prozess abgeschlossen ist und die Dinge „laufen“, hält es sich die Waage.
Die Einbindung der Mitarbeitenden ist also zentral für das Gelingen. Welche anderen Strategien halten Sie noch für sinnvoll?
Die Mitarbeitenden aus den Organisationen und der Praxis müssen dahinter stehen und sich auch sicher fühlen im Umgang mit digitalen Medien und in der Umsetzung digitaler Verwaltungsprozesse. Es bringt nichts die Arbeitsprozesse zu digitalisieren, wenn sie aufgrund von Unsicherheiten oder mangelnden Kompetenzen fehlerhaft oder gar nicht umgesetzt werden. Dann wird auch der Mehrwert in dem Ganzen nicht gesehen. Es sollten also flächendeckend gewisse Grundkompetenzen geschaffen werden – welche das sind sollte jede Organisation für sich entscheiden, wenn ein gewisses Programm eingesetzt werden soll muss natürlich auch dafür gesorgt werden, dass sich alle sicher fühlen im Umgang mit diesem Programm und es muss Ansprechpartner für Hilfestellungen geben. Ich finde also Fortbildungen sind ein wichtiges Instrument und ergänzend dazu ein guter Austausch – idealerweise auch träger- und organisationsübergreifend. Dass man von guten Beispielen und voneinander lernen kann. Nicht jede Organisation und nicht jeder Träger muss das Rad neu erfinden. Auf Konferenzen begegnen mir schon ganz oft sogenannte Leuchtturmprojekte wo ganz niedrigschwellig Erfahrungen ausgetauscht werden können und vielleicht findet das eine oder andere dann Umsetzung in den eigenen Reihen.
Und es braucht natürlich Zeit und Geduld und Führungskräfte, die diese Geduld und Bemühung aufbringen – ich weiß das ist leicht gesagt, aber eine Digitalisierung, die im Querschnitt die Organisationsprozesse verändert oder gänzlich umstrukturiert, verändert in gewisser Weise auch die Organisationskultur und das muss irgendwann von allen Ebenen gelebt und mitgetragen werden.
Liebe Frau Nieding, ich danke Ihnen sehr herzlich für das informative Gespräch und die Einblicke in Ihre Forschung, sage allen Zuhörerinnen und Zuhörern danke für Ihre Zeit und Ihr Interesse und bis zum nächsten Mal bei “Bildung auf die Ohren”.
Dieser Podcast steht unter der CC BY 4.0-Lizenz. Der Name des Urhebers soll bei einer Weiterverwendung wie folgt genannt werden: Michaela Achenbach für Deutscher Bildungsserver
Guten Tag und herzlich willkommen bei „Bildung auf die Ohren“, dem Podcast des Deutschen Bildungsservers. Es ist schon wieder Zeit für unseren Jahresrückblick aus dem Redaktionsteam. Dieses Mal führen Christine Schumann und Luca Mollenhauer durch die Beiträge von insgesamt sieben Redakteurinnen des Deutschen Bildungsservers. Genau genommen sind nicht alle Beiträge von DBS-Redakteurinnen im engen Sinne, auch drei Kolleginnen aus Projekten und Portalen des Bildungsservers, nämlich vom Portal Lesen in Deutschland, von der Informationsstelle OER und vom bildungsserverBlog, tragen zum heutigen Podcast bei. Sie alle haben das Jahr noch einmal an sich vorbeiziehen lassen und überlegt, was für sie am wichtigsten war: welche Themen, Projekte und Aktivitäten. Herausgekommen ist ein thematisch ziemlich vielfältiges 2021, lassen Sie sich überraschen.
Redakteurin: Carolin Anda
Redakteurin: Christine Schumann
(Podcast)Reihe zum Schwerpunktthema „Bildungsgerechtigkeit“
Redakteurin: Andrea Völkerling
Redakteurin: Susanne Grimm
Redakteurin: Renate Tilgner
Redakteurin: Doris Hirschmann
Guten Tag und herzlich willkommen bei „Bildung auf die Ohren“, dem Podcast des Deutschen Bildungsservers. Es ist schon wieder Zeit für unseren Jahresrückblick aus dem Redaktionsteam. Dieses Mal führen wir zu zweit durch die Beiträge von insgesamt sieben Redakteurinnen des Deutschen Bildungsservers. Mein Name ist Christine Schumann und ich bin Luca Mollenhauer.
Genau genommen sind nicht alle Beiträge von DBS-Redakteurinnen im engen Sinne, auch drei Kolleginnen aus Projekten und Portalen des Bildungsservers, nämlich vom Portal Lesen in Deutschland, von der Informationsstelle OER und vom bildungsserverBlog, tragen zum heutigen Podcast bei. Sie alle haben das Jahr noch einmal an sich vorbeiziehen lassen und überlegt, was für sie am wichtigsten war: welche Themen, Projekte und Aktivitäten. Herausgekommen ist ein thematisch ziemlich vielfältiges 2021, lassen Sie sich überraschen.
Beginnen wir mit dem Beitrag von Carolin Anda, die dieses Jahr die Koordination unseres Portals „Lesen in Deutschland“ von Kollegin Christine Schuster übernommen hat; die ist nämlich dieses Jahr in Rente gegangen.
Mein Jahresrückblick ist eher ein Halbjahresrückblick, da ich erst seit September als Redakteurin für Lesen in Deutschland tätig bin. Ich bin seitdem mit voller Freude in die bundesweite Leselandschaft eingestiegen und kann nur sagen, dass die Akteure und Akteurinnen der Leseförderung trotz der pandemischen Lage kreative Wege gefunden haben, Kinder und Jugendliche weiter für das Lesen zu begeistern. Auch viele Bundesländer haben mit umfangreichen Programmen zur Lese- und Lernförderung gestartet, um die Lernlücken durch die weggefallene Präsenzzeit wettzumachen. Ich drücke die Daumen, dass es gelingt.
Das Lesen litt leider insgesamt unter der Pandemie. Das Homeschooling und unregelmäßiger Unterricht führten dazu, dass vor allem Leseanfänger und -anfängerinnen das Lesen unzureichend trainieren konnten. Wie gravierend es ist, wenn der Lese- und Schreiblernprozess nicht richtig vorangetrieben wurde, werden wir im kommenden Jahr in der neuen Internationalen Grundschul-Leseuntersuchung, kurz IGLU, nachlesen können. Die Daten dazu konnten trotz pandemischer Lage an 400 Schulen in Deutschland erhoben werden und die Ergebnisse werden uns zeigen, wie die Lesekompetenz bei Grundschulkindern der vierten Klasse momentan aussieht. Ich hoffe sehr, dass sich die Lesekompetenz der bereits leseschwachen Kinder nicht noch weiter verschlechtert hat. Die letzte Studie aus dem Jahr 2016 machte nämlich deutlich, dass 18,9% der getesteten Kinder über unzureichende Lesekompetenzen verfügten.
Ehrenamtliche Lesehelfer und -helferinnen fielen dieses Jahr ebenfalls weg, berichtet der Verein Mentor, der das Leselernen durch Freiwillige deutschlandweit unterstützt. Zum einen erschwerten die Kontaktbeschränkungen oder die Zugehörigkeit zur Risikogruppe der Ehrenamtlichen die regelmäßigen außerschulischen Lesetrainings. Zum anderen führte das ausbleibende Lesetraining dazu, dass die Leselücken der Kinder sich wieder vergrößerten. Margret Schaaf, Vorsitzende von Mentor, sieht die Gefahr, dass die Unterbrechung der Lese- und Schreiblernprozesse durch die Corona-Pandemie, dazu führt, dass einige Kinder im schlimmsten Falle nicht richtig lesen und schreiben können. Ihr Appell: Engagieren Sie sich und helfen Sie Kindern beim Lesenlernen.
Ich habe mir ihren Appell zu Herzen genommen und am bundesweiten Vorlesetag der Stiftung Lesen, der Zeit und der Deutschen Bahn Stiftung in der Kita meines Kindes vorgelesen. Vorlesen ist nämlich die ideale Vorarbeit für das Lesenlernen. Es war ein großer Spaß: Wir haben zusammen über die Geschichten gelacht, die Bilder ausgiebig betrachtet und Bezüge zu unseren Erfahrungen hergestellt. Die Begeisterung der Kinder zu spüren und gemeinsam in die Geschichten abzutauchen, war ein wunderbares Erlebnis. Vorlesen eröffnet uns eine fantastische Welt, fördert das Sprachvermögen und die Konzentration und schafft ein wunderbares Gemeinschaftsgefühl. Mehr als 550.000 Vorlesende haben am 19. November vorgelesen und ich kann nur empfehlen nächstes Jahr dabei zu sein.
Apropos Kitas: Sie sind Schlüsselakteur in der Leseförderung und der Ort, an dem Kinder aus lesefernen Haushalten mit Büchern und Geschichten in Berührung kommen. Das belegte kürzlich die Vorlesestudie der Stiftung Lesen. Kinder können in fast allen Einrichtungen Bücher zu jeder Zeit aus dem Regal nehmen und bekommen täglich Vorlesemöglichkeiten angeboten. Die aktuelle JIM Studie zum Mediengebrauch von Jugendlichen zeigt, dass 32% der 12- bis 19-Jährigen mehrmals pro Woche gedruckte Bücher und 10% wöchentlich E-Books lesen. Immerhin hat der Griff zum Buch nicht abgenommen, aber ich finde, dass auch bei Jugendlichen die Lust und Freude am Lesen nachhaltig gefördert werden sollten.
Einer meiner Lieblingsorte des Jahres war die Stadtbücherei. Dank neuen Büchern und Hörspielen kam Abwechslung ins Wohnzimmer und auch ins Kinderzimmer. 24% mehr Online-Ausleihen verzeichnet der Deutsche Bibliotheksverband und mit ca. 64.000 Veranstaltungen zur Lese- und Medienkompetenz haben sich die Bibliotheken bundesweit wirklich ins Zeug gelegt, um das Lesen online wie offline zu fördern. Ich wünsche uns allen für 2022, dass wir wieder unbeschwerter in Präsenz zusammen sein können und Solidarität vor allem mit den Kindern und Jugendlichen zeigen, denn bei vielen von ihnen hat nicht nur das Lesen gelitten.
An dieser Stelle noch einmal alles Gute und viel Erfolg mit der neuen Stelle, Carolin! Ich habe dieses Jahr auch am Vorlesetag teilgenommen und kann es wirklich nur auch empfehlen!
Empfehlen kann ich auch die Reihe zum Thema Bildungsgerechtigkeit auf dem bildungsserverBlog, die im Zentrum deines Jahressrückblicks steht, Christine.
2021 – war das jetzt gefühlt besser oder schlechter als 2020? Die Hoffnung, aus der pandemischen Situation herauszukommen, war – angesichts des gerade erst entwickelten Impfstoffs zumindest in der ersten Jahreshälfte – größer. Jetzt im Winter steht man doch ein wenig rat- und trostlos vor den neuerlichen Einschränkungen, die den neuen Virusmutationen, den hartnäckigen Impfgegnern und Faktenleugnern geschuldet sind …
Vielleicht sollten wir nächstes Jahr im bildungsserverBlog einfach mal das Thema Medienpädagogik oder Informationskompetenz in den Blick nehmen? Wenn Schülerinnen und Schüler lernen, in sozialen Netzwerken Falschmeldungen als solche zu erkennen, kritisch damit umzugehen und nicht einfach weiterzuverbreiten, könnten sie vielleicht auch ihr Umfeld vom Nutzen einer Impfung überzeugen.
Aber jetzt erst mal der Blick zurück: Im bildungsserverBlog haben wir das Jahr 2021 der Bildungsgerechtigkeit gewidmet und eine Podcastreihe zum Thema produziert. In der ersten Folge haben wir versucht, diesen so eingängigen wie unscharfen Begriff für die verschiedenen Bildungsbereiche zu erläutern und konkreter fassbar zu machen. In den fünf anderen Folgen haben wir mit Fachleuten und Wissenschaftler*innen gesprochen, um herauszufinden, welche konkreten Maßnahmen Bildungsgerechtigkeit befördern können. Ich stelle die einzelnen Folgen einfach mal kurz vor.
Welche Faktoren führen zu Bildungsungerechtigkeit in der Kindertagesbetreuung? Und welche Rolle spielt dabei das pädagogische Personal? Darüber hat Kollege Luca Mollenhauer mit Timm Albers, Professor für inklusive Pädagogik an der Universität Paderborn, gesprochen.
Ich selbst habe aus den Seiten zur Beruflichen Bildung im Dossier „Bildungsgerechtigkeit“ des Deutschen Bildungsservers unter anderem die Themenfelder Teilqualifizierungen, arbeitsorientierte Grundbildung und Ausbildungsbegleitung herausgesucht und Leiterinnen und Leiter einzelner Projekte danach gefragt, welche Maßnahmen dort erarbeitet wurden und wie sie idealerweise umgesetzt werden können.
Doris Hirschmann hat für die Weiterbildung einen anderen Ansatz gewählt: Sie hat sich angeschaut, wie Weiterbildungskarrieren bei Menschen aussehen, die die Schule abgebrochen haben, und dies der aktuellen Diskussion in der Weiterbildungslandschaft gegenübergestellt.
Und Caroline Hartmann hat sich mit der Bildungsgerechtigkeit im deutschen Schulwesen beschäftigt und dazu mit Nina Bremm, Professorin für Schulentwicklung an der PH Zürich, und Noémie Hermeking, Projektleiterin der Münchner Stiftung „Kick ins Leben“, gesprochen.
Interessant war auch das Gespräch, das Gwendolyn Schulte und ich mit dem Team der Beratungsstelle Behinderung und Studium der TU Dortmund, kurz DoBuS, zur Lage Studierender mit Behinderung an deutschen Hochschulen geführt haben. Unter anderem haben wir dabei erfahren, dass die Digitalisierung den Zugang zur Bildung für behinderte Menschen nicht automatisch erschwert, sondern im Gegenteil sogar dabei helfen kann, Barrieren abzubauen. Für die Chancen, die die Digitalisierung der Inklusion bieten, gibt es bereits einen eigenen Begriff: Diklusion!
Ob es uns mit dieser Podcastreihe gelungen ist, den Begriff der „Bildungsgerechtigkeit“ greifbarer zu machen? Das müssen Sie natürlich selbst entscheiden und einfach mal reinhören!
In den Themenfeldern Elementarbildung und Sozialpädagogik waren die Corona-Pandemie und die daraus resultierenden Schwierigkeiten 2021 prägend. Redaktionskollegin Andrea Völkerling erinnert jedenfalls nicht nur an das Chaos, in das Eltern angesichts eingeschränkter Kita-Öffnungszeiten gestürzt worden sind, sondern auch an Kinder und Jugendliche aus ohnehin belasteten Familiensituationen, die einfach nicht mehr erreicht werden konnten.
Frühe Bildung/ der Kitabereich und Soziale Arbeit waren auch in diesem Jahr leider in besonderem Maße von Corona und den damit einhergehenden Einschränkungen und Belastungen geprägt.
In den Kitas waren Kinder, Eltern und Erzieher*innen froh und erleichtert, als sich mit den wärmeren Temperaturen wieder sowas wie eine Normalität einstellte – zumindest annähernd. Die aktuellen Entwicklungen bringen nun wieder umso mehr Unsicherheiten und Sorgen mit sich, gerade im Kitabereich:
Wie kommen wir durch einen weiteren Winter mit drohender Quarantäne – bei Corona-Fällen in der Kita? Wie komme ich klar mit Homeoffice und Kind zuhause oder belastender Berufstätigkeit im Gesundheitsbereich und eingeschränkten Kitazeiten? Viele Eltern fragen sich gerade, wie sie ihren Kindern einen sicheren und strukturierten Alltag bieten können, wenn alles drumherum so unkalkulierbar ist.
In der Kinder- und Jugendhilfe werden sich die Auswirkungen im ganzen Ausmaß, in seiner ganzen Dramatik, vermutlich erst noch zeigen, wenn sichtbar wird, wie viele Kinder und Jugendliche aus ohnehin belasteten Familiensituationen in dieser Zeit von Unterstützungssystemen nicht mehr erreicht werden konnten. In diesem Feld, in dem es ja schon ohne Corona – in „normalen“ Zeiten – chronisch an finanziellen und personellen Ressourcen und gesellschaftlicher und politischer Beachtung mangelt, werden die Herausforderungen damit nicht weniger.
Es gab in politischer Hinsicht aber auch Lichtblicke: Zu nennen ist hier zum einen das Kinder- und Jugendstärkungsgesetz, mit dem das SGB VIII erneuert wurde, eine inklusive Kinder- und Jugendhilfe vorangetrieben und mit dem die Schulsozialarbeit erstmals auf Bundesebene im Kinder- und Jugendhilfegesetz verankert wurde. Zum anderen der – nach größeren Anlaufschwierigkeiten – doch noch beschlossene Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung für Grundschulkinder ab 2026. Zudem wurde dieses Jahr der Kinder- und Jugendmedienschutz reformiert. Obwohl es die eine oder andere Kritik an den neuen Gesetzen gibt, so war dieses Jahr damit doch auch ein Jahr mit positiven Signalen für Kinder und Jugendliche.
Umso bedauerlicher das Scheitern der Aufnahme der Kinderrechte ins Grundgesetz. Was – obwohl es zwischen den Regierungsparteien vereinbart worden war – nicht umgesetzt werden konnte, ist nun für die neue Bundesregierung eine umso dringlichere Aufgabe: Die Rechte der Kinder endlich gesetzlich zu verankern! Dies ist im aktuellen Koalitionsvertrag erneut festgeschrieben – und zusätzlich die Einführung einer Kindergrundsicherung. Außerdem wurde darin nun auch ein Qualitätsentwicklungsgesetz für Kitas mit bundesweiten Standards angekündigt – das lässt hoffen!
Kindern die bestmögliche Unterstützung und Bildung zu geben, damit sie sich gut entwickeln, ist natürlich unser aller Aufgabe – und nicht nur die der Lehrkräfte oder des pädagogischen Personals in Kitas. Dennoch sollten wir gerade diesen Berufsgruppen danken, dass Sie – allen Widrigkeiten zum Trotz – in diesem Jahr doch sehr vieles ermöglicht haben. Das liegt Caroline Hartmann, unserer Redakteurin des Themenfelds Schule, besonders am Herzen – völlig zurecht übrigens!
2021 – was für ein einschneidendes Jahr im deutschen Schulwesen! Was wurde in den vergangenen 12 Monaten alles aus dem Boden gestampft, was haben sich Schulleitungen und Lehrkräfte alles einfallen lassen, um ihre Schülerinnen und Schüler im Distanzunterricht zu unterstützen und was für eine unglaubliche Innovationsbereitschaft war in so vielen Bereichen des Bildungswesens zu sehen.
Kurz vor Jahresende sind diese Energien bei den meisten Beteiligten wahrscheinlich mehr oder minder aufgebraucht. Trotz aller Probleme, die in der Corona-Zeit aufgetreten oder wieder verstärkt in den Fokus geraten sind, möchte ich diesen Podcast gerne nutzen, um die positiven Entwicklungen in diesem Jahr aufzuzeigen – und um einmal danke zu sagen …
Ich denke, wir sollten zuerst einmal den Schulleitungen Respekt zollen. Fast täglich erhielten sie neue Anweisungen von ihrem jeweiligen Kultusministerium, mussten daraufhin wieder umdisponieren und dies auch noch an alle Beteiligten kommunizieren. Wechselunterricht und angepasste Stundenpläne mussten immer wieder aufs Neue organisiert werden. Jetzt, in den letzten Wochen vor Weihnachten, mussten lang geplante Veranstaltungen wieder absagt und stattdessen online abgehalten werden. Und all dies zusätzlich zu ihrem normalen Tagesgeschäft und ganz abgesehen davon, dass viele Schulleitungen in den letzten Monaten sogar noch die Aufgaben der völlig überforderten Gesundheitsämter übernehmen mussten. Ich persönlich kann da nur sagen, Hut ab!
Und das gilt auch für viele Lehrkräfte. Viele von ihnen sind über sich selbst hinausgewachsen. Sei es, dass sie während der Schulschließungen zu den Schülerinnen und Schülern nach Hause gefahren sind, um ihnen Arbeitsmaterialien vorbeizubringen, oder ob sie sich in kürzester Zeit ganz neue Fähigkeiten im Bereich der digitalen Kommunikation angeeignet haben. Ich persönlich war immer wieder begeistert, was für interessante Ideen viele von ihnen entwickelt haben, um ihre Schülerinnen und Schüler im Homeschooling zu motivieren! Und das war wahrscheinlich alles andere als einfach …
Außerdem sollten wir honorieren, was viele, viele Eltern im vergangenen Jahr geleistet haben. Ich persönlich will mir gar nicht vorstellen, wie Homeschooling in Familien mit 4 oder mehr Kindern abgelaufen ist. Und trotzdem haben sie es irgendwie geschafft und ich denke, dies sollte – neben all den kursierenden und überaus wichtigen Diskussionen über die Bildungsgerechtigkeit – auch mal erwähnt werden.
Zur gleichen Zeit haben die unterschiedlichsten Bildungsakteure unzählige neue digitale Unterrichtsmaterialien, Programme und Apps produziert. Wir beim Deutschen Bildungsserver sind mit unseren Einträgen von neuen digitalen Unterrichtsmaterialien kaum hinterhergekommen. Die große Kunst wird es von nun an sein, diese Materialien und Programme auch bekannt zu machen, und die Lehrkräfte zu ermutigen, diese auch zukünftig im Unterricht einzusetzen. Bleibt nur zu hoffen, dass die derzeitige Aufbruchsstimmung und diese große Offenheit Neuerungen gegenüber nicht wieder verpuffen werden. Aber ich fürchte, genau das wird passieren, wenn hier nicht verstärkt in Fortbildungen investiert wird.
Zum Schluss möchte ich vor allem den Schülerinnen und Schülern danken. Ich finde, sie haben für die älteren Generationen besonders viel geopfert: Wie klaglos sie im Unterricht stundenlang ihre Maske getragen haben, wie sie auf ihre Hobbies und ihre Treffen mit ihren Freundinnen und Freunden verzichtet haben und wie sie sich von ihren genervten Eltern ihre Matheaufgaben haben erklären lassen. Und so wünsche ich allen Beteiligten ein so schönes Weihnachtsfest wie derzeit möglich! Und erholen Sie sich gut von diesem anstrengenden Jahr. Sie haben viel geleistet!
Viel geleistet hat auch die Informationsstelle OER, die seit 2016 die zentrale Informationsplattform zum Thema freie Bildungsmaterialien ist. Unsere neue Kollegin Susanne Grimm zur aktuellen Entwicklung – und wie es auch ohne BMBF-Förderung weitergeht.
Vier Jahre lang wurde der Auf- und Ausbau von OERinfo, der zentralen Plattform zum Thema Open Educational Resources (OER) durch das BMBF finanziert. Das DIPF finanziert OERinfo nun um ein weiteres Jahr aus Sachmitteln des Deutschen Bildungsservers (DBS). Alle bisherigen Blogbeiträge und Meldungen sowie die Dossiers zu „Was ist OER in der Schule, Hochschule, Berufsbildung und Weiterbildung“ sind auch weiterhin an gewohnter Stelle zu finden.
OERinfo geht also weiter, vorerst!
Oberstes Ziel ist es auch weiterhin, die (Fach)Öffentlichkeit zu Entwicklungen rund um OER zu informieren und die OER-Communities sowie die Communities im Bildungsbereich bei der gegenseitigen Vernetzung zu unterstützen.
Über die Plattform wird in regelmäßigen Blogbeiträgen über OER-Material, -Projekte, -Plattformen, -Services und Menschen berichtet. Auch mit Blick ins Ausland. Dabei soll sich OERinfo immer weiter zur Community-Plattform entwickeln. Die OER-Community ist deshalb dazu aufgerufen in Form von Gastbeiträgen, Meldungen oder im Rahmen des Podcast zugehOERt über ihre Vorhaben zu berichten.
OERinfo und der Deutsche Bildungsserver führen die erfolgreiche Kooperation mit iRights e. V. fort, um weitere noch offene Fragestellungen rund um das Thema OER und Recht zu identifizieren, anhand von Fallbeispielen zu erörtern und zu klären.
Der Beitrag Pixabay und Co. z. B., von Henry Steinhau, geht im Detail auf die Problematik der spezifischen Lizenzbedingungen der Plattformen Pixabay, Pexels und Unsplash und die Verwendung ihrer Inhalte für offene Bildungsmaterialien ein.
Und auch die bewährte Medienpartnerschaft zwischen OERinfo und den OERcamps wird fortgesetzt. In 2021 begleiteten wir die OERcamp SummOERschool und das OERcamp.global über unsere Kanäle: im Blog, auf Twitter und Facebook, in Sonderausgaben des OERinfo-Newsletters und dem Podcast zugehOERt.
Der OERinfo-Twitteraccount nimmt wieder aktiv am OER-Diskurs teil. Und auch Facebook-Freunde kommen nicht zu kurz. Für die Liebhaber klassischerer Informationswege gibt es den OERinfo-Newsletter. Er erscheint vierteljährlich und bietet einen Rückblick auf die beliebtesten Blogbeiträge sowie einen Ausblick auf geplante Beiträge und Veranstaltungen.
Apropos Veranstaltungen: Unser OER-Kalender bietet einen Überblick über anstehende Veranstaltungen rund um das Thema OER. Von Einführungsveranstaltungen bis hin zu differenzierteren Angeboten ist für Newbies wie NOERds immer etwas dabei. Also schaut vorbei!
Auch die Hochschule stand natürlich stark im Zeichen der Corona-Pandemie. Wenn ich allerdings hier aus dem Fenster auf dem Campus der Goethe Universität schaue, scheint sich das Campusleben langsam wieder zu normalisieren. Die für den Themenbereich zuständige Redaktionskollegin Renate Tilgner fasst die wichtigsten Maßnahmen zusammen.
Studium und Corona 2021 – Spagat zwischen Laptop und Hörsaal?
Der Einfluss von Corona auf Studium und Lehre wie auch auf die meisten anderen Lebensbereiche währte schon Anfang 2021 fast ein Jahr und ist dennoch immer noch das alles beherrschende Thema.
2020 wurde der Hochschulbetrieb in weiten Teilen und mit hohem Tempo digitalisiert und auf „online“ umgestellt. Noch das Sommersemester 2021 wurde weitgehend digital durchgeführt. Für das Wintersemester 2021/22 planten die meisten Hochschulen eine weitgehende Öffnung mit Präsenzbetrieb, jedoch stets unter dem Vorbehalt einer erneuten Veränderung der Lage mit nachgelagerten politischen Maßnahmen von Bund und Ländern.
Was stand an? Zu bewältigen war und ist eine Fülle von Aufgaben. Zunächst hatten die Bundesländer umfangreiche Corona-Verordnungen erlassen. 2020 wurden teils Bewerbungsfristen und Semesterzeiten verschoben, die Regelstudienzeit verlängert, Überbrückungshilfen gewährt, Stipendien für Auslandsaufenthalte, die nicht stattfinden konnten, teils erstattet. Für digital stattfindende Prüfungen musste ein Rahmen geschaffen werden, Prüflinge authentifiziert, Aufsicht, Datenschutz und die Behebung technischer Probleme gewährleistet werden.
Für die Öffnung der Hochschulen im Wintersemester wurden vor allem kleine Veranstaltungen als Präsenzveranstaltungen eingeplant, auch Praxis- und Laborkurse, die sich schlecht online abhalten lassen. Soweit es sich um Pflichtveranstaltungen handelt, müssen gegebenenfalls Ersatzangebote bereitgehalten werden. Hybride Formate können nicht zur Regel werden, dafür ist der Aufwand zu hoch. Darüber hinaus müssen Hygienekonzepte auf ihre Tragfähigkeit getestet und teils angepasst werden. Es werden Impfangebote gemacht ebenso wie Testangebote. Wo anstelle von 3G- 2G-Regelungen getroffen werden, müssen gegebenenfalls auch Ersatzangebote greifen. Nicht nur der Lehr- und Prüfungsbetrieb muss geregelt werden, auch der Zugang zu Bibliotheken, Mensen oder Beratungsangeboten.
Alle Planungen sind jedoch von der sich stetig verändernden Pandemie-Lage, gesetzlichen Regelungen und von als förderlich erachteten politischen Maßnahmen abhängig; noch ist die Zukunft offen und von einem Weg zurück zur Normalität kann nicht pauschal gesprochen werden.
Was die Krise hervorgebracht hat, ist eine Fülle von Untersuchungen, Studien, Umfragen und Positionspapieren zur Einschätzung der Lage an den Hochschulen und deren Zukunft. Deren Urheber sehen einen Schub in der Digitalisierung von Lehrformaten und im Krisenmanagement, ferner Brüche in der Finanzierung oder auch verstärkte Internationalisierung auch im Zuge der Digitalisierung. Künftige Entwicklungen nehmen sie jedoch nicht vorweg.
Viel los war 2021 in der Erwachsenen- und Weiterbildung: Doris Hirschmann berichtet vom Infoweb Weiterbildung und dem Innovationswettbewerb INVITE, dem KMK-Positionspapier „Initiative Digitale Weiterbildung“, interessanten Kommunikations- und Informationsformaten und Veranstaltungen – und sie blickt auch schon ins Neue Jahr 2022:
Was war los in der Erwachsenbildung und Weiterbildung in 2021 und was wird 2022 kommen? Mit diesen Fragen starte ich in den Jahresrückblick und beginne mit den Vorhaben, die aus dem Innovationswettbewerb INVITE zur Entwicklung eines digitalen Weiterbildungsraums entstanden sind. Die Projekte aus dem Förderprogramm INIVITE des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) wurden alle vergeben und haben ihre Arbeit aufgenommen.
Auch das Team um die Weiterbildungssuchmaschine InfoWeb Weiterbildung (IWWB) erhielt in diesem Rahmen einen Zuschlag und wird im Projekt IWWB-Plus eine KI-gestützte Anwendung entwickeln, die es Nutzerinnen und Nutzern ermöglicht passgenauer Kursangebote zu finden. Das Projekt wurde vom DIPF | Leibniz-Institut für Bildungsforschung und Bildungsinformation zusammen mit dem Deutschen Institut für Erwachsenenbildung – Leibniz-Zentrum für Lebenslanges Lernen (DIE) initiiert und wird auch gemeinsam realisiert. Insbesondere das Projekt IWWB Plus ist eine erfreuliche und sehr interessante Fortsetzung, der seit vielen Jahren bestehenden Kooperation zwischen DIE und DIPF.
Da passte es gut, dass das InfoWeb Weiterbildung, die Suchmaschine für Weiterbildungskurse des Deutschen Bildungsservers, am 1.3.2021 mit einem modernisierten Design an den Start ging. Interessierte können jetzt noch einfacher in den ca. 4 Millionen Kursangeboten der Metasuchmaschine nach Weiterbildungen suchen. Dafür sorgen unter anderem ein interaktiver Merkzettel und eine enge Verzahnung mit Beratungsstellen.
Veranstaltungen in 2021: Was ist noch geschehen? Zwei Veranstaltungen sollen nur stellvertretend für viele andere herausgehoben werden: Der Deutsche Weiterbildungstag ist ein bundesweiter Aktionstag um die Rolle der Weiterbildung weiter zu stärken. Er findet alle 2 Jahre statt und war turnusmäßig für das Jahr 2020 vorgesehen. Die für 2020 geplanten Aktionen und Veranstaltungen konnten in digitaler Form am 24.3.2021 durchgeführt werden. Das Interesse an den virtuellen Veranstaltungen war sehr groß, dennoch haben alle Veranstalterinnen und Veranstalter die Hoffnung den nächsten Weiterbildungstag wieder mit persönlichen Begegnungen durchführen zu können.
Nun zum Digitaltag, der am 18.06.2021 stattfand. Das DIPF | Leibniz-Institut für Bildungsforschung und Bildungsinformation beteiligte sich mit einer ganzen Reihe unterschiedlicher Formate am diesjährigen Digitaltag, der von der Initiative „Digital für alle“ verantwortet wird.
Neues Positionspapier: Ein weiterer wichtiger Schritt zur Unterstützung der Digitalisierung in der Weiterbildung ist das in 2021 erschienene Positionspapier „Initiative Digitale Weiterbildung“ der Kultusministerkonferenz (KMK). Mit dem Papier beschreibt die Kultusministerkonferenz (KMK) den erforderlichen Handlungsrahmen, um notwendige Entwicklungsimpulse im Bereich der allgemeinen Erwachsenenbildung zu setzen und stellt auch einen Bezug zur Nationalen Weiterbildungsstrategie der Bundesregierung her.
Neue Formate: Neben rahmengebenden Positionspapieren gibt es auch neue Entwicklungen im Internet: In der Informationslandschaft entstehen fortlaufend neue Formate, die dann auch beim Deutschen Bildungsserver Eingang finden. So sind in der Erwachsenenbildung Videoreihen in Form von Interviews, Expertengesprächen, Tutorials und Webtalks zu vielen Themenfeldern der Erwachsenenbildung entstanden und werden auf der Seite „Videoreihen für die Erwachsenenbildung“ beim Deutschen Bildungsserver vorgestellt: Besonders interessant hierbei ist die Videoreihe von Prof. Dr. Dieter Nittel, die in Zusammenarbeit mit der Fernuniversität Hagen realisiert und fortlaufend ausgebaut wird.
Nun zum Ausblick für 2022: Die Entwicklungen in 2022 gehen glücklicherweise wieder stärker in Richtung Präsenz und Begegnung. Wir vom Deutschen Bildungsserver bereiten uns auf die Didacta im nächsten Jahr vor, die vom 22. bis 26.3.2022 in Köln stattfinden wird und hoffen auf viele persönliche Begegnungen. Und es wird in 2022, wie alle fünf Jahre, vom 20.6. bis 22.6.2022 wieder den Deutschen Volkshochschultag geben von dem dann auch wieder interessante Impulse ausgehen werden.
Ob analog oder digital – in 2022 wird es in der Erwachsenenbildung und Weiterbildung wieder viele Möglichkeiten geben sich zu begegnen und auszutauschen. Bis dahin allen ein schönes Weihnachtsfest und einen guten Übergang ins Jahr 2022.
Das war es in diesem Jahr vom Podcast Bildung auf die Ohren des Bildungsservers. Wir bedanken uns ganz herzlich für Ihr Zuhören und möchten noch kurz darauf hinweisen, dass Sie diesen Podcast natürlich über die gängigen Podcastplattformen oder -apps abonnieren können!
Haben Sie geruhsame Feiertage und kommen Sie gesund ins neue Jahr! Bis dahin und vielen Dank fürs Zuhören.
Der Podcastjingle verwendet einen Ausschnitt aus dem Track Tupac Lives von John Bartmann, lizenziert unter CC0 Public Domain.
Dieser Podcast steht unter der CC BY 4.0-Lizenz. Der Name des Urhebers soll bei einer Weiterverwendung wie folgt genannt werden: Deutscher Bildungsserver
Für die Podcast-Reihe „Bildung auf die Ohren“ hat unsere Redakteurin Caroline Hartmann mit Frau Prof. Dr. Nina Bremm, Professorin für Schulentwicklung an der Pädagogischen Hochschule Zürich, und Frau Dr. Noémie Hermeking, Projektleiterin der Münchner Stiftung „Kick ins Leben“, über das Thema Bildungsgerechtigkeit im deutschen Schulwesen gesprochen.
Das Dossier befasst sich mit Maßnahmen zur Erreichung von mehr Bildungsgerechtigkeit und nimmt die Aspekte Betreuung und Unterstützung, finanzielle Förderung, Grundbildung und Sprachförderung, Abschlüsse und Durchlässigkeit sowie Digitalisierung und Medienkompetenz in den Blick.
Für diesen Podcast gibt es keine Lesefassung. Wir erstellen sie aber gerne bei Bedarf und auf Nachfrage.
Der Podcastjingle verwendet einen Ausschnitt aus dem Track Tupac Lives von John Bartmann, lizenziert unter CC0 Public Domain.
Dieser Podcast steht unter der CC BY 4.0-Lizenz. Der Name des Urhebers soll bei einer Weiterverwendung wie folgt genannt werden: Dr. Caroline Hartmann für Deutscher Bildungsserver
Wie wird das Thema Weiterbildung und Gerechtigkeit in Fachkreisen der Erwachsenenbildung diskutiert? Und wie sehen Weiterbildungskarrieren bei Menschen aus, die die Schule abgebrochen haben? Doris Hirschmann stellt die beiden Perspektiven einander gegenüber und nennt Anlaufstellen, die Bildungswege nach einem Schulabbruch ermöglichen. Der Fokus ihrer Betrachtung liegt auf der Zugänglichkeit zu (Weiter-)Bildung.
Das Dossier befasst sich mit Maßnahmen zur Erreichung von mehr Bildungsgerechtigkeit und nimmt die Aspekte Betreuung und Unterstützung, finanzielle Förderung, Grundbildung und Sprachförderung, Abschlüsse und Durchlässigkeit sowie Digitalisierung und Medienkompetenz in den Blick.
Hallo, guten Tag und herzlich willkommen bei der neuen Folge des Podcasts „Bildung auf die Ohren“ des Deutschen Bildungsservers. Mein Name ist Doris Hirschmann, und ich verantworte den Redaktionsbereich Erwachsenenbildung und Weiterbildung beim Deutschen Bildungsserver.
Der Podcast heute hat das Thema Weiterbildung und Bildungsgerechtigkeit und reiht sich ein in die Beiträge, die schon das ganze Jahr über zum Thema Bildung und Gerechtigkeit beim Deutschen Bildungsserver erschienen sind. Zu Beginn schauen wir auf ein paar Aspekte der Diskussion in Fachkreisen. In die Betrachtung wurden verschiedene Quellen einbezogen: Fachzeitschriften, die das Thema Weiterbildung und Gerechtigkeit in Schwerpunktausgaben behandelt haben.
Außerdem sind Erkenntnisse zur Weiterbildung aus dem aktuellen Bildungsbericht 2020 und aus verschiedenen aktuellen Publikationen aus der Bildungsdiskussion eingeflossen. Alle im Podcast genannten Informationsquellen sind in einer Liste auf der Podcastseite im Bildungsserverblog aufgeführt.
In den verschiedenen Beiträgen wird u.a. dargelegt, dass die Problemfelder, die rund um Weiterbildungsgerechtigkeit benannt und angesprochen werden, immer schon Themen der Bildung und der Erwachsenenbildung gewesen sind.
Soziale Herkunft und Bildungsabschluss
Beispielsweise wird der Zusammenhang von sozialer Herkunft und Bildungsabschluss und wie dies anders gestaltet werden kann auch in der Erwachsenenbildung intensiv diskutiert. Ein wichtiger Punkt in dieser Debatte ist, dass dieser besondere Schwachpunkt des deutschen Bildungssystems seit der ersten PISA-Studie aus dem Jahr 2000 bekannt ist:
In der Studie wurde erstmals festgestellt, dass in Deutschland Bildungsabschlüsse und soziale Herkunft in einem so hohen Maße verknüpft sind, dass ein gleicher und gerechter Zugang zu Bildung bzw. zu allen Bildungsstufen und -abschlüssen nicht gewährleistet ist. Diese Erkenntnis hat dem Thema Bildungsgerechtigkeit auf Dauer einen prominenten Platz in allen Bildungsdiskussionen verschafft und ist fortlaufend Gegenstand von Diskussionen, Forderungen und auch Maßnahmen um dem entgegenzuwirken.
Wer wagt eine Weiterbildung?
Eine weitere und ebenfalls nicht neue Erkenntnis ist die, dass in viele Fällen in der Weiterbildung ein sogenanntes Matthäus-Prinzip (im Sinne von „wer hat, dem wird gegeben“) besteht: wer bereits einmal erfolgreich einen Bildungsabschnitt durchlaufen und einen Abschluss erreicht hat, der ist sehr viel häufiger bereit sich weiterzubilden bzw. über Bildungswege eine Veränderung der eigenen Lebenssituation anzustreben.
Recht auf Weiterbildung und Finanzierung
Zwei weitere wichtige Aspekte in der Diskussion sind die rechtlichen Grundlagen und die Finanzierung von Weiterbildung. In beiden Fällen wird das Fehlen von beständigen und bundesweit gültigen Strukturen kritisiert. U.a. besteht beispielsweise noch immer kein dauerhaftes Angebot zur Finanzierung des Nachholens von Schulabschlüssen.
Trotz es im Recht und in der Finanzierung von Weiterbildung an Strukturen und Regulierungen fehlt, ist die Zahl der an Weiterbildung Teilnehmenden im aktuellen Bildungsbericht auf einem guten Niveau. D.h. es ist belegbar, dass es die Weiterbildung – trotz der fortlaufend bestehenden Kritikpunkte – immer wieder schafft Bildungsferne für Weiterbildung zu interessieren und auch neue Zugänge zu Bildung zu ermöglichen. So weit die Expertendiskussion – wie sieht es nun in der Praxis aus?
Zugang zu Weiterbildung
In diesem Podcast konzentrieren wir uns auf die Zugangswege zu Bildungsangeboten und auf Menschen, die vielleicht eine Weiterbildung wagen sollten um ihre Möglichkeiten zur gesellschaftlichen Teilhabe zu verbessern. Ausgangspunkt ist hierbei eine der vielleicht schwierigsten Startbedingungen auf einem Bildungsweg: den Menschen, die die Schule abbrachen. Schulabbrüche sind bei weitem keine Seltenheit. Das deutsche allgemeine Schulsystem brachte im Jahr 2018 54.000 Schulabbrecher*innen hervor, so der Bildungsbericht 2020 auf Seite 144. Der Bericht sagt zudem, dass die Anzahl der Abgängerinnen und Abgänger seit 2013 wieder ansteigt.
Die Erkenntnis ist nicht neu, dass das deutsche Bildungssystem ein Problem hat. 54.000 Menschen kommen jährlich in diesem System nicht zurecht und verlassen es deshalb und angesichts der wieder steigenden Zahlen sieht es nicht so als würde sich das in absehbarer Zeit grundlegend ändern. Für diese Menschen ist die Frage „Wie weiter nach der Schule?“ nochmal von besonderer Bedeutung.
Welche Wege und Möglichkeiten stehen zur Verfügung? Wie weiter nach dem Schulabbruch? Angesichts der im Diskursteil bereits benannten Probleme muss der Zugang zu Beratung und Weiterbildung niedrigschwellig sein um Menschen mit negativen Bildungserfahrungen für einen neuen Bildungsweg zu interessieren.
Faktoren wie die Erhaltung des Lebensstandards während der Bildungsphasen, Bildungsangebote, die zunächst in kleineren Schritten Teilqualifikationen ermöglichen, Finanzierungswege und flächendeckende Möglichkeiten Schulabschlüsse in außerschulischen Einrichtungen nachholen zu können sind wichtige Bausteine bei der Verfolgung dieses Ziels. Und sehr wichtig erscheint mir auch auf Menschen zu blicken, denen ein neuer Weg nach dem Schulabbruch gelungen ist.
Der NDR-Dokumentarfilm „Schule: Jugend ohne Abschluss“ stellt junge Menschen vor, die aus unterschiedlichsten Gründen die Schule abgebrochen und neue Bildungswege für sich gefunden haben. Es wird auch gezeigt, dass engagierte Lehrerinnen und Lehrer zwar vieles, aber nicht alles auffangen können und dass Schulabbrecher*innen nicht nur aus einem Milieu kommen.
Da ist eine Schulabbrecherin die Tochter einer Lehrerin, die nun über Fernunterricht ihren Abschluss macht, da sind Jugendliche, die von ihren Eltern geliebt und gefördert werden und die Schule abbrachen, weil sie sich in anderen Schulformen mit intensiverer Betreuung besser entfalten können oder auch Jugendliche, die aus einem schwierigen sozialen Umfeld kommen und ohne soziale oder schulische Unterstützung auskommen müssen und deshalb aus dem konventionellen Schulsystem rausfielen. Sie alle hatten gute Gründe die Schule zu verlassen und sie haben neue für sie besser passende Bildungswege gefunden.Sowohl die Expertendebatte als auch der filmische Ausflug in die Wirklichkeit zeigen, dass es Angebote gibt, die eine andere Schullaufbahn nach einem Schulabbruch ermöglichen und dass es wichtig ist sie aufzuzeigen.
Daher gibt es beim Deutschen Bildungsserver eine ganze Reihe von Informationssammlungen, die bei der Suche nach neuen Bildungswegen helfen.
Beratung
Beratungsstellen sind ein guter Einstieg um sich über neue Bildungswege und -möglichkeiten zu informieren. Bildungsberatung wird in den verschiedenen Bildungsbereichen von der frühen Bildung, über Schule, Berufsbildung, Hochschulbildung und Weiterbildung bundesweit überall angeboten und die entsprechenden Informationen dazu sind auf der Seite „Bildungsberatung: Wege durch das Bildungssystem“ zusammengestellt.
Anlaufstellen
Weitere Anlaufstellen sind Einrichtungen, in denen man über den zweiten Bildungsweg Schulabschlüsse nachholen kann. Verzeichnisse dieser Anlaufstellen stehen nach Ländern geordnet auf der Bildungsserver-Seite „Schulabschlüsse nachholen – Zweiter Bildungsweg“ zur Verfügung.
Freie Lehr- und Lernmaterialien – Open Educational Resources (OER)
Ein weiterer Aspekt, der zu mehr Zugänglichkeit in der Weiterbildung beiträgt, ist außerdem die Verfügbarkeit von Lehr- und Lernmaterialien im Netz. Lehr- und Lernmaterialien, die im Internet frei zur Verwendung zur Verfügung gestellt wurden, gab es von Anfang an im Internet, was nutzungsrechtlich immer etwas problematisch war. Erst durch die Möglichkeit seine Materialien mit freien Lizenzierungen zu versehen, wurde diese Praxis auch rechtlich auf sicherere Füße gestellt und es entstanden sogenannte Open Educational Resources, die vor allem für Lehrende, aber auch für Lernende nun zur freien legalen Nutzung im Internet zur Verfügung stehen.
Auch diese Zugänglichkeit ist ein wichtiger Aspekt bei der Schaffung von offenen Wegen zu mehr Weiterbildung. Wer sich zu diesem Thema informieren will, kann das bei der Informationsstelle „Open Educational Resources – OERinfo“ tun
Außerdem gibt es zu OER in der Weiterbildung eine ausführliche Sammlung an Informationen beim Deutschen Bildungsserver auf der Seite „OER in der Weiterbildung“. Und ein Dossier auf dem Portal für die Lehrenden in der Erwachsenenbildung „wb-web“ bietet grundlegende Informationen und Impulse zum Umgang mit Open Educational Resources (OER) sowie Hilfe für die Erstellung eigener OER-Materialien.
Förderprojekte
Wer sich für einzelne Förderprojekte in der Berufsbildung interessiert, bekommt einen interessanten Einblick durch den Vorgängerpodcast der am 6.10.2021 veröffentlicht wurde:
„Bildungsgerechtigkeit in der beruflichen Bildung – Über Maßnahmen in der Berufsbildung, die Bildungsgerechtigkeit fördern“
Als Fazit für diesen Podcast kann gesagt werden: Die Diskussion um Bildungsgerechtigkeit ist ein wichtiger Bestandteil zur Verbesserung des Bildungs- und Weiterbildungssystems in Deutschland. Bildung und Bildungsabschlüsse bleiben notwendig um in der Gesellschaft gut zurechtzukommen. Und last but not least: ein Schulabbruch muss nicht zwingend eine Katastrophe sein und man kann in jedem Alter und in jeder Lebensphase nach anderen Bildungswegen Ausschau halten, es gibt sie vielfältig, nicht immer leicht erreichbar, aber es gibt sie und es gibt sie immer mehr und immer besser.
Vielen Dank fürs Zuhören und bis zum nächsten Mal bei „Bildung auf die Ohren“.
Der Podcastjingle verwendet einen Ausschnitt aus dem Track Tupac Lives von John Bartmann, lizenziert unter CC0 Public Domain.
Dieser Podcast steht unter der CC BY 4.0-Lizenz. Der Name des Urhebers soll bei einer Weiterverwendung wie folgt genannt werden: Doris Hirschmann für Deutscher Bildungsserver
Nicht erst seit dem MINT-Aktionsplan hat das Bundesministerium für Bildung und Forschung seine Aktivitäten in den Disziplinen Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik verstärkt – schon seit einigen Jahren gibt es zahlreiche Programme und Projekte, die nun mit den im MINT-Aktionsplan genannten Handlungsfeldern verschränkt werden. Die über die Jahre entstandene Fülle an Aktionen, Handreichungen und Angeboten ist schwer zu überblicken. Überblick und Orientierung bietet der Deutsche Bildungsserver mit seinem umfangreichen Dossier „MINT-Bildung“. Wissenschaftlich diskutiert werden die Anstrengungen um mehr und bessere MINT-Bildung am 28. Oktober 2021 auch beim Bildungspolitischen Forum des Forschungsnetzwerks Bildungspotenziale „Innovation und Wohlstand durch MINT-Bildung“.
Zum Dossier MINT-Bildung mit strukturierter Linksammlung zu Aktivitäten auf diesem Gebiet sowie zu Materialsammlungen für den Unterrichtseinsatz im (vor-)schulischen Bereich.
Guten Tag und herzlich willkommen bei Bildung auf die Ohren – dem Podcast des Deutschen Bildungsservers. Mein Name ist Christine Schumann.
„Naturwissenschaftlich zu denken heißt, aus Beobachtungen Theorien zu entwickeln, die überprüft, verifiziert oder widerlegt werden können.“ So heißt es in der Einleitung zum MINT-Aktionsplan, mit dem das Bundesministerium für Bildung und Forschung seit 2019 der Bildung in Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik einen neuerlichen Schub geben will. Und weiter heißt es:
Wenn man sich das so durchliest, wird klar, wie viel Hoffnung darin liegt, mehr und bessere Bildungsangebote in den naturwissenschaftlichen, mathematischen, informatischen und technischen Fächern umzusetzen. Nicht umsonst heißt das Thema des Bildungspolitischen Forums der Leibniz-Gemeinschaft am 28. Oktober 2021 auch „Innovation und Wohlstand durch MINT-Bildung“.
Um also die MINT-Bildung voranzubringen, werden im Aktionsplan vier Handlungsfelder genannt – sie bieten den strategischen Handlungsrahmen für die Umsetzung: MINT-Bildung für Kinder und Jugendliche, MINT-Fachkräfte, Chancen von Mädchen und Frauen in MINT und MINT in der Gesellschaft. Neben vielen neuen übergreifenden Initiativen sind in diese Handlungsfelder auch bereits laufende Maßnahmen eingebunden – und natürlich sind in all den Jahren eine Fülle von Projekten und Aktionen, Handreichungen und Angeboten entstanden. So viele, dass Überblick und Orientierung nicht gerade leicht fällt. Aber dafür gibt es ja den Deutschen Bildungsserver mit seinem umfangreichen Bildungsserver-Dossier „MINT-Bildung“!
Für die Audio-Linkempfehlungen heute habe ich mich also von diesen Handlungsfeldern leiten lassen und mir dazu empfehlenswerte Datensätze aus unserem Dossier herausgesucht.
„Je früher, desto besser“ – das sagen viele Fachleute, wenn man sie fragt, wann mit der MINT-Bildung begonnen werden soll. Und weil Kinder bekanntermaßen neugierig und wissensdurstig sind, fängt man am besten schon in der Kita an. Neben dem schon bekannten „Haus der kleinen Forscher“, das neben vielen kindgerechten Experimenten auch kostenfreie Fortbildungen für Erzieherinnen anbietet, möchte ich Experimento vorstellen. Das ist ein internationales MINT-Bildungsprogramm der Siemens-Stiftung für den Einsatz in Kindergärten sowie in Grund- und weiterführenden Schulen. Bildungsexperten haben dafür rund 130 Experimente für drei Altersstufen entwickelt: für 4-7-jährige, 8-12-jährige und 10-18-jährige. Damit können Kinder und Jugendliche altersstufengerecht naturwissenschaftlich-technische Sachverhalte selbstständig erforschen, reflektieren und verstehen – und gleichzeitig ihr Wissen zu globalen Herausforderungen wie Treibhauseffekt, erneuerbare Energien oder Trinkwassergewinnung weiterentwickeln. Alle Experimentieranleitungen und visuelle Medien zu Experimento stehen auf dem Medienportal der Siemens Stiftung zum Download bereit.
Und wie sieht es nach der Schule aus? Wie kann man da mehr Menschen, genauer gesagt mehr Frauen für MINT-Ausbildungsberufe oder für ein naturwissenschaftlich-technisches Hochschulstudium gewinnen? Dazu habe ich zwei interessante Programme gefunden: „komm, mach MINT – der nationale Pakt für Frauen in MINT-Berufen“ und das Ada-Lovelace-Projekt.
Mit dem nationalen Pakt für Frauen in MINT-Berufen „komm, mach MINT“ soll das Bild der MINT-Berufe in der Gesellschaft verändert werden und Frauen die Chancen in diesen Berufsfeldern aufgezeigt werden: Abiturientinnen sollen für naturwissenschaftlich-technische Studiengänge begeistert und Hochschulabsolventinnen für Karrieren in technischen Unternehmen und Forschungseinrichtungen gewonnen werden. „komm, mach MINT“ startete bereits im Jahr 2008 und wird mittlerweile von über 100 Partnern unterstützt. Im Webauftritt des Programms gibt es unter anderem eine Projektlandkarte mit über 1.000 verzeichneten Projekten, auch Schnuppertage, Workshops, Experimentiertage, Mentoring-Programme und Science Camps können hier recherchiert werden.
Was ich will, das kann ich! Das ist das Motto des Ada-Lovelace-Projekts Rheinland-Pfalz. In Workshops und Arbeitsgemeinschaften arbeiten rund 180 Mentorinnen – Studentinnen und Auszubildende aus dem MINT-Bereich – mit Schülerinnen an konkreten technischen und naturwissenschaftlichen Aufgabenstellungen und fördern so das Selbstvertrauen der Mädchen im MINT-Bereich. Neben dem Mentoring gibt es auch Beratungen und Weiterbildungen, außerdem werden Angebote zu den Themen Diversity und Digitalisierung gemacht – und genetzwerkt wird auch! Ein ziemlich beeindruckendes Projekt also, das es mittlerweile an über 11 Hochschulen in Rheinland-Pfalz gibt. Ach ja: Auf der Website finden sich auch Informationen für Interessierte – Teilnehmende, Unternehmen, Lehrkräfte und Eltern.
Ada Lovelace ist übrigens die Tochter des Dichters Lord Byron, und, was viel wichtiger ist: Sie war eine der ersten britischen Mathematikerinnen.
Ja, und dann gibt es natürlich die ganz einfachen und praktischen Tools, mit denen man rausfinden kann, ob eine Ausbildung im MINT-Bereich in Frage kommt: Eignungstests! Die könnten Lehrkräfte oder Eltern ihren Kindern oder Schülerinnen und Schülern öfters vorschlagen… zum Beispiel die Einstellungstests der Metall- und Elektro-Industrie. Sie sind im Informationsportal „me-vermitteln.de“ zu finden; neben generellen Informationen zu Einstellungstests gibt es hier auch die Links zu einem MINT-Test und einem IT-Eignungstest für Schülerinnen und Schüler. In unserem Dossier gibt es da übrigens noch sehr viel mehr…
Und nun zum letzten Linktipp: Wie kann man die digitalen Kompetenzen in der Lehrerbildung stärken? In Sachen MINT ist hier eindeutig das Deutsche Zentrum für Lehrerbildung Mathematik zu empfehlen. Im DZLM, so das Kürzel, werden Fortbildungsprogramme entwickelt, die in Kooperation mit den Bundesländern und Bildungseinrichtungen durchgeführt, beforscht und kontinuierlich verbessert werden.
Das DZLM bietet Unterrichtsmaterialien und organisiert Tagungen, es qualifiziert Multiplikatoren und bildet Lehrkräfte fort – auch einen berufsbegleitenden Masterstudiengang bietet es an. Ein Beispiel gefällig? Die Plattform „Mathe inklusiv unterrichten“ mit Unterrichtsmaterialien für diejenigen, die besondere Schwierigkeiten beim Mathematiklernen haben. Aber es gibt noch sehr viele andere Angebote – sie alle sind übersichtlich auf themenspezifischen Plattformen gebündelt. Ein wirklich umfangreiches Angebot auf einer gut strukturierten Website – sehr empfehlenswert.
So, das waren meine Audio-Linkempfehlungen zum Thema MINT-Bildung. Und dran denken: Im Dossier des Deutschen Bildungsservers gibt es noch sehr viel mehr zu entdecken. Bis zum nächsten Mal.
Der Podcastjingle verwendet einen Ausschnitt aus dem Track Tupac Lives von John Bartmann, lizenziert unter CC0 Public Domain.
Dieser Podcast steht unter der CC BY 4.0-Lizenz. Der Name des Urhebers soll bei einer Weiterverwendung wie folgt genannt werden: Christine Schumann für Deutscher Bildungsserver
In insgesamt vier Interviews mit Fachleuten aus der Berufsbildung geht Christine Schumann in dieser Folge unserer Reihe Bildungsgerechtigkeit der Frage nach, wie man Ungleichbehandlungen in der beruflichen Bildung entgegenwirken kann. Dazu hat sie mit Leiterinnen und Leitern ausgewählter Projekte gesprochen: Mit Roman Wink von der Stiftung Bertelsmann zum Thema Teilqualifizierungen, mit Sabine Schwarz von „Lernende Region – Netzwerk Köln“ über arbeitsorientierte Grundbildung, mit Renate-Anny Böning vom Institut für berufliche Bildung, Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik über Ausbildungsbegleitung und mit Rachel Knauer vom Berufsförderungswerk Köln über ein Projekt, das Digitalisierung, Inklusion und Berufsbildung zusammendenkt.
Zum Dossier „Bildungsgerechtigkeit“ mit vielfältigen Infos zur Förderung von Ausbildung und zur Erreichung von Abschlüssen, zur Unterstützung bei Qualifizierungsmaßnahmen und zur Durchlässigkeit zwischen Bildungssektoren sowie zu Grundbildung und Medienkompetenz .
Guten Tag und herzlich willkommen bei der neuen Folge unseres Podcasts „Bildung auf die Ohren“ – dieses Mal zum Thema Bildungsgerechtigkeit und Berufsbildung. Mein Name ist Christine Schumann.
In der ersten Folge unserer Reihe haben wir ja schon festgestellt wie vielschichtig und auch unübersichtlich das Thema Bildungsgerechtigkeit ist. Denn nicht alles, was auf den ersten Blick sinnvoll erscheint, taugt auch wirklich. Man dürfe nicht mit Kanonen auf Spatzen schießen, sagte Katharina Wessling vom BIBB im Hinblick auf Ungerechtigkeiten, die Jugendliche bei der Suche nach einem Ausbildungsplatz erfahren können; vielmehr müsse man gezielt und individuell vorgehen, um Ungleichbehandlungen in der Berufsbildung aufzuspüren. Man muss also genau hinschauen und analysieren, wo, wann und wodurch sie entstehen – um dann geeignete Instrumente zu entwickeln.
Ich habe mich also auf die Suche nach solchen Maßnahmen gemacht und mir erstmal die Seiten zur Berufsbildung im Dossier „Bildungsgerechtigkeit“ des Deutschen Bildungsservers angeschaut; sie waren sehr hilfreich! Aus den dort identifizierten Themenfeldern habe ich mir vier Projekte und Programme herausgesucht und mit den jeweiligen Leiterinnen und Leitern gesprochen: Mit Roman Wink von der Stiftung Bertelsmann zum Thema Teilqualifizierungen, mit Sabine Schwarz von „Lernende Region – Netzwerk Köln“ über arbeitsorientierte Grundbildung, mit Renate-Anny Böning vom Institut für berufliche Bildung, Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik über Ausbildungsbegleitung und mit Rachel Knauer vom Berufsförderungswerk Köln über ein Projekt, das Digitalisierung, Inklusion und Berufsbildung zusammendenkt.
Anfangen will ich mit Roman Wink, der bei der Bertelsmann-Stiftung das Projekt „Aufstieg durch Kompetenzen“ leitet. Er beschäftigt sich unter anderem mit Teilqualifikationen und wie sie aufeinander aufbauen müssen, damit sie zu einem vollständigen Berufsabschluss führen können.
O-Ton Roman Wink….
Teilqualifizierungen sind also ein guter Weg – vor allem, um die über 25-jährigen ins Berufsleben zu bringen. Außerdem wären eine klarere Struktur in der öffentlichen Weiterbildung und mehr Flexibilität gegenüber den Lebensbedingungen Erwachsener grundsätzlich geeignet, um mehr Gerechtigkeit in der Berufs- und Weiterbildung schaffen.
Auch die Idee der arbeitsorientierten Grundbildung ist eng mit der Arbeitswelt verknüpft. Für Sabine Schwarz, die bei „Lernende Region – Netzwerk Köln“ den Bereich Grundbildung und Alphabetisierung für Erwachsene leitet, ist sie ein sehr erfolgversprechendes Konzept, um Erwachsenen grundlegende Fähigkeiten wie Lesen, Schreiben Rechnen und Umgang mit digitalen Anforderungen zu vermitteln. Und zwar bezogen auf ihr jeweiliges Arbeitsumfeld. Aber lassen wir uns erst mal den Begriff genau erklären.
O-Ton Sabine Schwarz….
Die Menschen da abholen, wo sie sind. Das ist nicht nur ein Satz für die Politik, sondern auch für die berufliche Bildung, vor allem dann, wenn es um Grundbildung geht. Mit dem Konzept der arbeitsorientierten Grundbildung werden also nicht nur grundlegende Fähigkeiten gefördert, sondern auch die Qualifizierungsfähigkeit. Außerdem hat sie eine Brückenfunktion, weil sie viele gute Anknüpfungspunkte für andere Zielgruppen und Handlungsfelder bietet – auch für das Konzept der Teilqualifikationen.
Fehlzeiten in der Berufsschule, Konflikte im Betrieb oder private Probleme. All das kann dazu führen, dass Auszubildende ihre Ausbildung abbrechen oder ihren Ausbildungsvertrag ersatzlos kündigen. Im schlimmsten Fall machen sie gar keine Berufsausbildung mehr. Um das zu verhindern, gibt es in Hessen QuABB, die „Qualifizierte Ausbildungsbegleitung in Betrieb und Berufsschule“. Das ist ein Programm, das Auszubildenden eine zentrale Anlaufstelle bei Schwierigkeiten in der Ausbildung bietet. Die so genannten QuABB-Beraterinnen und Berater begleiten Azubis bei akuten Krisen und unterstützen bei der Lösung von Konflikten. Zu finden sind sie in den offenen Sprechstunden der QuABB-Büros, sie sind an fast allen hessischen Berufsschulen zu finden. Die QuABB-Koordinierungsstelle wird von Renate-Anny Böning beim Institut für berufliche Bildung, Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik geleitet. Ich habe sie gefragt, welche Jugendlichen gefährdet sind, ihre Ausbildung abzubrechen und warum.
O-Ton Frau Böning….
Wie kann man Menschen, die nicht in den klassischen Weg der Berufsausbildung passen oder dafür eben Unterstützung brauchen, eine Ausbildung oder Umschulung ermöglichen? Das bewegte Rachel Knauer vom Berufsförderungswerk Köln. Sie setzte ein Projekt auf, bei dem Rehabilitanden und Auszubildende gemeinsam die notwendige digitale Expertise und mediale Kompetenzen für einen erfolgreichen beruflichen (Wieder-)Einstieg erwerben.
Frau Knauer, wie sind sie denn darauf gekommen Inklusion, Digitalisierung und Berufsbildung zusammenzudenken?
O-Ton Frau Knauer….
Die Menschen da abholen, wo sie sind: Ist das der Schlüssel zu mehr Bildungsgerechtigkeit in der Berufsbildung? Das haben jedenfalls alle hier vorgestellten Konzepte und Maßnahmen gemeinsam: Sie gehen von den jeweiligen Lebensumständen und beruflichen Situationen der Menschen aus, für die sie Bildungsangebote entwickeln – und suchen dafür auch den direkten Kontakt mit Betrieben und Unternehmen.
Allerdings sind alle Projekte und Programme, die ich hier vorgestellt habe, zeitlich befristet und verfügen über begrenzte Mittel; sie sind also nicht in eine Struktur öffentlich geförderter Berufs- oder Weiterbildung eingebettet. Roman Wink von der Bertelsmann-Stiftung war da sehr deutlich: Er spricht vom Dschungel in der öffentlich geförderten Weiterbildung, der es Menschen und Betrieben schwer macht, den Wert beruflicher Kompetenzen zu erkennen und anzuerkennen.
Um nachhaltig für mehr Bildungsgerechtigkeit in der Berufsbildung zu sorgen, braucht es also doch noch einige Anstrengung.
Vielen Dank fürs Zuhören und bis zum nächsten Mal.
Der Podcastjingle verwendet einen Ausschnitt aus dem Track Tupac Lives von John Bartmann, lizenziert unter CC0 Public Domain.
Dieser Podcast steht unter der CC BY 4.0-Lizenz. Der Name des Urhebers soll bei einer Weiterverwendung wie folgt genannt werden: Christine Schumann für Deutscher Bildungsserver
Vor dreißig Jahren, am 3. Oktober 1990, wurde aus zwei deutschen Staaten wieder ein Land. Eine ganze Generation ist seitdem groß geworden, die das geteilte Deutschland nur noch aus dem Geschichtsunterricht kennt. Zeitzeugenberichte, Filme und Animationen helfen den Schülerinnen und Schülern, eine bessere Vorstellung von der deutschen Teilung, dem damaligen Leben in zwei deutschen Staaten und der Deutschen Einheit zu bekommen. Caroline Hartmann hat dazu besonders empfehlenswertes und multimediales Material für Ihren Unterricht herausgesucht.
Bitte anklicken um zum Dossier des Deutschen Bildungsservers zu gelangen.
„Zwischen der sozialistischen DDR und der imperialistischen BRD gibt es keine Einheit und wird es keine Einheit geben. Das ist so sicher und so klar wie die Tatsache, dass der Regen zur Erde fällt“, so Erich Honecker im Jahr 1981.
Nur 9 Jahre später, am 3. Oktober 1990, wurde das wahr, was lange Zeit kaum noch jemand für möglich gehalten hatte: Aus zwei deutschen Staaten wurde wieder ein Land.
Ich begrüße Sie ganz herzlich bei „Bildung auf die Ohren“, dem Podcast des Deutschen Bildungsservers. Mein Name ist Caroline Hartmann. Heute geht es um die „Deutsche Wiedervereinigung als Thema im Schulunterricht“.
Eine ganze Generation ist inzwischen groß geworden, die das geteilte Deutschland nur noch aus Erzählungen und aus dem Geschichtsunterricht kennt. Insbesondere Zeitzeugenberichte, Filme und Animationen können Schülerinnen und Schülern dieser Generation helfen, eine bessere Vorstellung von der damaligen deutschen Teilung, dem Leben in zwei deutschen Staaten und der Deutschen Einheit zu bekommen. Aus diesem Grund habe ich Ihnen besonders anschauliches Material für Ihren Unterricht zusammengestellt.
Als Einstieg bietet das Dossier „Deutsche Teilung – Deutsche Einheit“ der Bundeszentrale für politische Bildung einen sehr guten geschichtlichen Überblick. Wer für seine Unterrichtsgestaltung auf der Suche nach 3D-Animationen, Filmen und Tondokumenten aus dieser Zeit ist, kommt insbesondere bei LeMO, dem Lebendigen Museum Online der Stiftung ‚Deutsches Historisches Museum‘, auf seine Kosten.
Sehr umfassendes Unterrichtsmaterial zur friedlichen Revolution und der deutschen Einheit finden Sie zudem bei zeitbild.de. Das 39-seitige PDF enthält Kopiervorlagen mit weitreichenden Hintergrundinformationen. Die zahlreichen Arbeitsaufträge legen den Schülerinnen und Schülern immer wieder nahe, sich in die damalige Zeit hineinzuversetzen.
Dabei hilft auch das Portal des Bundestags, das eine filmische Zusammenfassung parlamentarischer Höhepunkte der 10. DDR-Volkskammer vom 5. April bis zum 2. Oktober 1990 bereitstellt.
Für Ihre digitale Unterrichtsgestaltung lege ich Ihnen ganz besonders das „Immersive Learning“ Unterrichts- und Medienprojekt zur deutschen Geschichte ans Herz. Zusammen mit Lehrkräften, Fachleuten und Schülerinnen und Schülern hat der Zeitbild-Verlag das Rollenspiel „Eine DDR-Schulstunde“ als 360-Grad-Video erstellt und mit begleitenden Arbeitsblättern, Hintergrundinformationen und einer Handreichung für Lehrkräfte versehen. Dieses ermöglicht Schülerinnen und Schülern virtuell einen Schulalltag in der DDR zu erleben.
Sehr zu empfehlen ist auch das Portal zeitzeugen.de, ein Angebot der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur. Über das Portal können Biografien recherchiert, Unterrichtsmaterialien heruntergeladen und Anregungen für Exkursionen, Projekttage und Veranstaltungen gefunden werden.
Ich wünsche Ihnen, dass diese Materialien Ihnen dabei helfen werden, Ihren Schülerinnen und Schülern die Bedeutung der deutschen Wiedervereinigung näherzubringen. Vielleicht können sie dann ein wenig verstehen, was Barack Obama im Jahr 2008 meinte: „Völker der Welt – schaut auf Berlin, wo eine Mauer fiel, ein Kontinent sich vereinigte und der Lauf der Geschichte bewies, dass keine Herausforderung zu groß ist für eine Welt, die zusammensteht.
Der Podcastjingle verwendet einen Ausschnitt aus dem Track Tupac Lives von John Bartmann, lizenziert unter CC0 Public Domain.
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