Bildung auf die Ohren

Bildung auf die Ohren

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Bildung auf die Ohren episodes

  • Deutsch als Zweitsprache in Erwachsenenbildung und Weiterbildung
    Sprach- und Orientierungskurse für ausländisches Pflegepersonal am Goethe-Institut Mannheim

    Interview mit Susan Zerwinsky, Leiterin des Goethe-Instituts Mannheim über Sprach- und Orientierungskurse für Pflegefachkräfte, den Umgang mit der Heterogenität in Sprach- und Integrationskursen und wie Lehrkräfte dafür ausgebildet werden.

    Susan Zerwinsky
    ©Sebastian Weindel, 2023

    Kurse für Deutsch als Zweitsprache und Deutsch als Fremdsprache, Orientierungs- und Integrationskurse, das Goethe-Institut Mannheim hält für Menschen, die Deutsch lernen wollen, viele Angebote bereit. Doch nicht nur das: In Trägerschaft des BAMF bildet es auch Lehrkräfte für Deutsch als Zweitsprache aus. Im Gespräch mit Christine Schumann erzählt die Leiterin des Goethe-Instituts, Susan Zerwinsky, von den Sprach- und Orientierungskursen, die in Kooperation mit der Uniklinik Heidelberg angeboten werden, und was Lehrkräfte mitbringen sollten, um in kulturell heterogenen Lerngruppen erfolgreich Deutsch als Zweitsprache unterrichten zu können.

    Das Interview mit Susan Zerwinsky
    Lesefassung

    Guten Tag, Frau Zerwinski, ich freue mich, Sie heute als Interviewpartnerin begrüßen zu können und zwar zum Thema Deutsch als Zweitsprache in der Erwachsenenbildung. Wobei Erwachsenenbildung vielleicht nicht ganz korrekt ist, Weiterbildung wäre in dem Fall vielleicht der bessere Begriff.

    Ich möchte Sie als Leiterin des Goethe-Instituts in Mannheim nämlich zu Ihrer Zusammenarbeit mit dem Universitätsklinikum Heidelberg befragen. Das Goethe-Institut bietet ja Pflegefachkräften, die aus dem Ausland an das Uniklinikum Heidelberg kommen, Sprach- und Orientierungskurse an, um sie bei der Integration in den Beruf und ihren Alltag besser zu unterstützen. Können Sie uns erklären, wie es zu dieser Zusammenarbeit kam und wie die aussieht?

    Deutscher Bildungsserver: Deutsch als Zweitsprache in der Erwachsenenbildung
    • Dossier „Deutsch lernen für Erwachsene“
    • Portale zum Deutsch lernen
    • Kulturinstitute, Verbände (Deutschland)
    • Chats (Deutsche Sprache)
    • Tests, Zertifikate (Deutsche Sprache)
    • Zerwinsky: Herzlichen Dank, Frau Schumann, dass Sie mich angesprochen haben.

      Der Standort Goethe-Institut Mannheim, den ich seit 2020 leite, hat sich in den letzten Jahren tatsächlich zu einer Art der Fachkräftequalifizierungsstandorte ausgeweitet. Das ist eine Arbeit, die ich mitgebracht habe aus dem Ausland, aus Brasilien kommend. Und zwar bilden wir hier in Mannheim international rekrutierte Pflegekräfte für Großkliniken hier in der Nähe – das ist also das Universitätsklinikum Heidelberg und Tochterkliniken – aus. Und das mit einem sehr großen pädagogischen Aufwand, denn wir merken einfach, dass nicht nur der ganze Mensch, der da einwandert, auszubilden ist, sondern eben auch diese interkulturelle Arbeit – Übergangsmanagement nennen wir das, die Integrationsbegleitung, dass das etwas ist, was wir auch professionell machen. Das heißt, für unseren Institutsstandort hat sich das als Arbeitsschwerpunkt etabliert. Und wir machen das mit großer Freude, weil das auch für uns eine Bereicherung ist, sozusagen an der Ausgestaltung der Einwanderungsgesellschaft Deutschland mitzuarbeiten.

      Das Goethe-Institut Mannheim hat sich zu einem Standort der Fachkräfte-Qualifizierung von entwickelt.

      Sie hatten ja gesagt, Mannheim hat sich jetzt quasi als Standort gemausert für die berufliche Integration von ausländischen Pflegefachkräften. Können Sie darüber ein wenig berichten?

      Zerwinsky: Das erzähle ich Ihnen sehr gerne, Frau Schumann. Im Grunde hat uns die Pandemie in die Neuzeit katapultiert. Wir waren bis 2019 ein gut gebuchtes Goethe-Institut im Inland, das über das Jahr hinaus sozusagen durchgehend von internationalen Kursteilnehmenden aufgesucht wurde. Das damalige Geschäftsmodell bestand eben darin, dass die Inlandsinstitute junge akademisch gebildete Menschen aus aller Welt begrüßen und ein dreiwöchiges oder manchmal auch sechs- oder achtwöchiges Programm anbieten, sodass man ein landeskulturelles „Geschnupper“ erleben konnte und eintauchen konnte in den Alltagen in Deutschland. Dieses Geschäftsmodell ist mit der Pandemie für Mannheim weggebrochen. Es kam einfach niemand mehr. Und wir haben dann sehr schnell als Goethe-Institut, als Institution insgesamt, gelernt daraus, haben digitalisiert, haben also alle unsere Lehrkräfte vor Laptops gesetzt und praktisch in der digitalen Lehre Erfahrungen gesammelt und haben im Grunde auch nachgeholt, was eben auch andere Länder und Kulturen schon längst tun.

      Aber wir haben auch gemerkt, das frühere Geschäft kommt nicht zurück. Der Reisemarkt, die Lernkultur, die Lerngewohnheiten junger Menschen haben sich durch die Pandemie tatsächlich nachhaltig verändert. Wir haben ein Gästehaus gehabt, wir hatten leerstehende Unterrichtsräume und dann kam eben diese Not, dass wir akquiriert haben nach neuen Ideen, nach neuen Auftraggebern. Und das, was uns dann sozusagen geblieben ist und was jetzt aufwächst, ist dieses Thema des dramatischen Fachkräftemangels in der Bundesrepublik. Und die Idee, Fachkräfte zu qualifizieren und sozusagen andere Zielgruppen in den Blick zu nehmen, die ist dann gewachsen. Und das Geschäft betreiben wir jetzt seit 2022 sehr erfolgreich und bieten praktisch unser Haus an als Lernort für internationale Fachkräfte.

      Mithilfe des GIZ-Projektes „Triple Win“ werden ausgebildete Pflegefachkräfte aus dem Ausland rekrutiert.

      Aus welchen Ländern kommen denn die Menschen, die jetzt als Pflegefachkräfte in Deutschland arbeiten wollen und was motiviert sie nach Deutschland zu kommen? Was sind denn da ihre Eindrücke?

      Zerwinsky: Interessant, dass Sie das fragen. Wir sind hier mit dem Auftraggeber Universitätsklinikum Heidelberg gestartet mit einer Fachkräftebrücke, die wir gebaut haben, zwischen dem Goethe-Institut in Tunis, in Tunesien und dem Goethe-Institut Mannheim mit ausschließlich tunesischen Pflegekräften. Das war sehr erfolgreich, das ist sehr gut gelungen und die Heidelberger Universitätsklinik rekrutiert ihre internationalen Fachkräfte mithilfe des GIZ-Projektes Triple Win. Die Auslandsrekrutierung wird über die Bundesrepublik und den Auftragnehmer GIZ gesteuert und die GIZ-Rekrutierung meines Wissens ist eben auch sehr ethisch und moralisch vertretbar. Die gucken genau hin, in welchen Ländern sie das machen und es sind jetzt europäische Staaten, also Bosnien und Herzegowina ist ein Beispiel, Serbien ist ein Beispiel, Kroatien ist ein Beispiel, wir haben aber auch türkische Fachkräfte schon gehabt.

      Und es geht jetzt weiter in Drittstaaten. Also im Moment ist das ein Abkommen mit der indischen Regierung, sodass dann eben indische Pflegekräfte rekrutiert werden und meines Wissens ist die GIZ auch in anderen Drittstaaten tätig. Sie haben das ja vielleicht auch in der Presse verfolgt. Der Arbeitsminister fliegt dann zu einem Kollegenbesuch ins Ausland, schließt einen Vertrag und im Grunde ist das dann nachher das Land, aus dem Rekrutierung er auch erlaubt ist.

      Und was motiviert die einzelnen Menschen nach Deutschland zu kommen?

      Zerwinsky: Ganz interessante, spannende Frage, Frau Schumann. Die Menschen, die sich aufmachen Erwerbsmigration zu betreiben, kommen im Grunde mit einem Bild, dass sie in einer höheren Lebensqualität als in ihrem Herkunftsland leben, dass sie respektiert werden, sie kommen auch sehr gerne nach Deutschland, weil Deutschland als Einwanderungsland ihnen auch eine hohe Qualität zusichert. Und sie kommen im Grunde auch, in vielen Fällen habe ich ja persönlich mit den Menschen gesprochen, in der Hoffnung auf ein, wenn ich das mal runterbreche, in der Hoffnung auf ein besseres Leben.

      Das sind professionelle Pflegekräfte, die einen Hochschulabschluss in ihren Ländern genießen. Deutschland ist das einzige Land in der Welt, wo Pflegekräfte nicht auf Hochschulbasis ausgebildet werden. Und dennoch ist das oft so, dass in den Herkunftsländern unter prekären finanziellen Bedingungen gearbeitet wird. Und viele Pflegekräfte haben ja berichtet, dass sie im Grunde auch eine Finanzierung suchen, die das ermöglicht, dass ihre Familie dann eines Tages nachkommt.

      Wenn die Menschen jetzt kommen, die ausgebildeten Pflegefachkräfte, und sich dann für Deutschland entscheiden aufgrund dieser geschlossenen Abkommen mit dem Arbeitsministerium bzw. mit der Bundesregierung Deutschland, haben die denn dann bereits in ihren Heimatländern schon Deutsch gelernt oder kommen die einfach nur mit ihrer fachlichen Qualifikation und müssen komplett die Sprache neu lernen?

      Zerwinsky: Nein, sie haben alle im Herkunftsland gelernt, idealerweise an den dortigen Goethe-Instituten. Und das Goethe-Institut hat eben weltweit tatsächlich dieses Thema der Fachkräftequalifizierung erkannt und betreibt das mit sehr viel Aufwand. Das heißt, ich kann Ihnen aus meinem persönlichen Beispiel erzählen. Ich war an meinem letzten Dienstort in Rio de Janeiro in Brasilien. Da haben wir die brasilianischen Pflegekräfte zu einer B1 geführt und dann an Arbeitgeber in Deutschland übermittelt. Und dann wurde eben in Deutschland zu B2 weiterqualifiziert. Das ist das mittlere gehobene Sprachniveau, das vorausgesetzt wird, damit man hier in Deutschland eben tatsächlich auch sozial und kulturell am Alltagsleben teilnehmen kann.

      Die Pflegekräfte absolvieren in ungefähr 60 Kurstagen vier Sprachkursmodule, um Deutsch als Zweitsprache zu lernen.

      Arbeiten denn die Teilnehmer an ihren Sprach- und Orientierungskursen auch schon parallel in der Uniklinik und können also Erfahrungen machen mit den Kommunikationssituationen in ihrem Arbeitsalltag oder ist das zeitlich voneinander getrennt, also in einer anderen chronologischen Reihenfolge?

      Zerwinsky: Ja, das ist ein gutes Konstrukt, das wir hier vereinbart haben mit den Auftraggebern. Wir haben sozusagen die Pflegekräfte in einer Kohorte permanent hier bei uns, ganztägig über den Zeitraum von vier Sprachkursmodulen. Das sind ungefähr 60 Kurstage. Aber jede Woche findet ein Praxisnachmittag statt, sodass sie das Klinikum kennenlernen oder eben auch fachsprachliche Inhalte bekommen und das Klinikum übernimmt dann diese Gruppe nach Ausbildungsende bei uns und dann laufen die Pflegekräfte ein Jahr im Klinikalltag mit einer bereits examinierten und erfahrenen Pflegekraft mit und lernen sozusagen „on the job“ die Adaption ihres Berufes auf die hiesige Realität.

      Neben DaZ-Kursen bieten wir auch „normale“ Deutschkurse für Erwachsene an und – als Träges des BAMF – auch Integrationskurse.

      Sie haben ja gesagt, dass die Pflegefachkräfte aus unterschiedlichen Ländern kommen. Wie sieht das in den Kursen aus?

      Zerwinsky: Neben dieser Fachkräfte-Qualifizierungsarbeit sind wir ein ganz normaler Standort für Deutschkurse für Erwachsene. Und das Klientel, das uns bucht, und zwar im Abendkurs oder Samstagskurs, ist hier in der Umgebung Mannheims und Umgebung. Das sind berufstätige Mitarbeiter von vielen Firmen hier in der Stadt und im Umkreis in der Metropolenregion Rhein-Neckar. Wir sind ja hier ein wirtschaftlich starker Standort mit großen Weltmarktführern, die natürlich auch internationale Mitarbeiter haben.

      Das heißt, wir haben sozusagen zwei Themen. Wir haben einmal diese Pflegekurse in einem Intensivmodus und wir haben sogenannte Extensivkurse, die sich also über zwölf Wochen ausdehnen. Und das Klientel kommt eben aus der Wirtschaft. Und wir sehen da einen großen Unterschied, weil die Menschen leben schon hier. Die sind schon sozusagen integriert.
      Und darüber hinaus, das wäre dann die dritte Säule, sind wir Träger des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge und führen Integrationskurse durch. Integrationskurse des Bundes sind das Instrument der Bundesrepublik zur Integration für Neuzugewanderten. Und das ist der dritte Arbeitsbereich unseres Instituts. Das heißt, wir haben hier regelmäßig Integrationskursteilnehmende.
      Wir sind vernetzt mit 30 anderen Integrationskursträgern hier in Mannheim und Umgebung und sind eben unmittelbar dadurch mit dem Bundesamt für Migration und Flüchtlinge zusammen in der Verwaltung und Bewirtschaftung dieser Kurse. Und diese Trägerschaft ist im Grunde der Schwerpunkt unseres Instituts. Wir sind also sehr selbstbewusst und sagen, wir sind ein Goethe-Institut in Deutschland, das es sonst nicht gibt, mit dem Schwerpunkt Integration und Migration.

      DaZ-Lehrkräfte benötigen eine hohe interkulturelle Kompetenz und fachdidaktisches Wissen im Bereich Zweitspracherwerb, um mit der Heterogenität der Lernenden umgehen zu können.

      Also Sie bieten Berufssprachkurse an, normale Sprachkurse und Integrationskurse. Dann würde meine Frage nach der Diversität in den Kursen sich eher auf die Integrationskurse beziehen als und auf die normalen allgemeinen Sprachkurse?

      Zerwinsky: Wir unterscheiden das schon einmal pädagogisch. Das eine ist die Konzeption „Deutsch als Fremdsprache“. Das ist die herkömmliche allgemeine Methodologie, mit der Erwachsene aus verschiedenen Herkunftsländern ausgebildet werden. Und wir haben ein spezifisches Profil, dass wir „Deutsch als Zweitsprache“ unterrichten. Das ist sozusagen die Vermittlung von Kompetenzen, die im Zweitsprachenerwerb ausgefeilt erarbeitet wurde. Das heißt, Menschen, die Herkunftssprachen mitbringen, aus anderen Nationen zu uns kommen, die werden von spezifisch geschulten Lehrkräften im Integrations- und Berufssprachkurs und in der Zweitspracherwerbspädagogik ausgebildet. Das bezieht sich eben auf nicht berufstätige, oder nicht zwangsläufig in einem Beruf arbeitende Menschen. Deutsch als Fremdsprache ist sozusagen der akademisch vorgebildete Mensch, der Fremdsprachen erworben hat, der lernt Deutsch als Fremdsprache.

      Deutsch als Zweitsprache ist immer mit dem Beruf verschaltet. Was brauche ich, um in meinem Berufsalltag in der deutschen Arbeitswirklichkeit zu bestehen? Dann ist es auch sehr berufsspezifisch. Da werden auch Themen behandelt wie Orientierung in der Alltagsgesellschaft. Wie gehe ich um, wenn mein Chef dieses und jenes sagt? Was bedeutet das? Wie lese ich und interpretiere ich das? Damit sozusagen der erwerbstätige Mensch versteht, wie er hier zurechtkommt in unserem System, in unserer Arbeitswelt.

      Wie gehen denn Lehrkräfte in Deutsch als Zweitsprache-Kursen und in Orientierungskursen mit Diversität um? Wie geht man als Lehrkraft damit um? Was läuft gut aus Ihrer Sicht? Was ist schwieriger?

      Zerwinsky: Interessant, dass Sie das fragen. Die Diversität ist eine kulturelle Heterogenität. Die Lehrkraft steht im Klassenraum und hat eine unterschiedliche Herkunftsgemengelage. Sie muss mit verschiedenen Lernkulturen zurechtkommen. Das können unsere Goethe-Lehrkräfte, weil sie so ausgebildet sind. Wir haben eine Willkommenskultur, eine offene Haltung. Jeder Mensch ist bei uns wohl gelitten. Wir diskriminieren nicht nach Herkunft, Alter, Geschlecht, politischer Orientierung, religiöser Überzeugung, sondern wir versuchen, den Menschen an sich, so wie er da ist, auszubilden, zu qualifizieren. Die hohe Kunst, die pädagogische hohe Kunst der Lehrkräfte eines Goethe-Instituts sind so aufgebaut. Das heißt, die Lehrkräfte, die bei uns arbeiten, haben das in ihrer Genetik, die bringen das mit.

      Die haben also diese Kompetenz. Das schulen wir, das bilden wir ausführlich fort. Die haben diese Kompetenz, Menschen innerhalb eines bestimmten Kurses zu einem bestimmten Ziel zu führen, ohne Rücksicht auf Herkunft und so weiter. Und die Diversität ist Alltag bei uns. Das Goethe-Institut ist in der Lehre auf Diversität spezialisiert.

      Wie stelle ich mir das denn so konkret vor? Ich habe nie als Deutsch- als Grenzsprachenlehrerin gearbeitet. Ich bin selbst auch keine Lehrerin. Aber ich stelle mir vor, da gibt es einen Kurs, der nicht A1 ist, das niedrigste Niveau, und da sitzen Männer und Frauen aus verschiedenen Kulturen. Manche haben gar keine Schulbildung oder sind gar Analphabeten. Oder darf ich mir das gar nicht so kompliziert vorstellen? Ich denke mir immer, wie geht das? Wenn die Leute vielleicht nicht mal die eigene Schriftsprache beherrschen, also ihre Esssprache, ihre Muttersprache, dann müssen sie auch noch mit dem lateinischen Alphabet umgehen. Ich stelle mir das, ehrlich gesagt, unglaublich schwierig vor, da auch zu unterrichten. Ist das so?

      Zerwinsky: Das ist tatsächlich so. Ein Integrationskurs geht über sechs Monate. Man hat also wirklich den Menschen jeden Tag bei uns. Auch ein allgemeinsprachlicher Gruppenkurs, der über zwölf Wochen geht, ist sehr intensiv. Wir arbeiten methodisch, didaktisch mit sehr modernen Unterrichtsformen. Das nennt sich Handlungszentrierung und Teilnehmerorientierung. Sie müssen sich das wirklich als virtuose Veranstaltung vorstellen, wo der Mensch im Zentrum steht. Wir fokussieren auf die Kommunikationskompetenz. Die Lehrkräfte haben vielerlei Methoden. Es findet einen systematischen Methodenwechsel und Sozialformwechsel statt, sodass man abends, wenn man einen Abendkurs macht oder einen Samstagskurs, dass man im Grunde auch so etwas Freudvolles erlebt. Man kommt in so eine Gesamtstruktur. Man hat eine konkurrierte Anzahl von Unterrichtsstunden, die im Grunde durchdidaktisiert sind und den Menschen wertschätzt. Wenn du nach dem ersten Abendunterricht ausschließlich in deutscher Sprache, wenn du am ersten Tag oder am ersten Kurs morgen bei uns rausgehst, kannst du schon dieses und jenes sagen. Das stärkt die Menschen, das beflügelt sie.

      Was ich natürlich nicht damit sagen will, ist, dass Fremdsprachenerwerb anstrebt. Das ist anstrengend im Erwachsenen. Wenn sie eine Parallelität haben aus Berufsleben, vielleicht noch vom Familienalltag usw. Das ist richtig anstrengend. Aber es ist so, dass wir mit Grundrecht darauf stolz sind, dass unsere Lehrkräfte das wirklich sehr gut können, weil sie den Menschen in einer Gänze fördern und in allen Sinnen aktivieren, sodass der Mensch wachsen kann. Ich sage nicht, dass es immer gelingt. Aber es ist so, dass die Gruppe zieht die Leute mit.

      Bevor ich zu meinem dritten Blog mit der Lehrkräfteausbildung gehe, habe ich eine Nachfrage nach Erfolgsquoten oder Abbrecherquoten von solchen Integrationskurs en.

      Zerwinsky: Die Integrationskurs-Bestehensquote, das kann ich aus meiner Perspektive wirklich nicht sagen. Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge erhebt das aber. Integration findet ja nicht nur im Sprachkurs statt, sondern muss im Berufsleben stattfinden. Und die Bestehensquote von unserer Seite, also die Abbrecherquote, ist gering. Einmal hier anfangen, beenden das auch. Ob Sie die Erwartungen erfüllen, die man an sich hat, da bitte ich um Verständnis. Das wage ich nicht zu prognostizieren. Das wird vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge deutschlandweit erhoben. Die Abbrecher- oder Bestehensquote, das ist jetzt im Grunde auch nicht mein Thema, sondern ich bin sozusagen der Zuständige, der hier den Kursbetrieb für Mannheim beobachtet. Wir haben keine Abbrecher.

      Das Goethe-Institut Mannheim bildet auch DaZ-Lehrkräfte aus.

      Und jetzt zu meinem, was ich eben schon angedeutet hatte, zu meinem dritten Thema, die Lehrkräfteausbildung. Weil sie nämlich nicht nur Kurse anbieten für Deutsch als Fremdsprache oder Deutsch als Zweitsprache oder Berufssprachkurse, sondern sie bilden die Lehrer und Lehrerinnen auch aus. Eigentlich regelt ja das BAMF, also das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge, auch diese Lehrkräfteausbildung. Aber ich würde trotzdem gerne wissen, wie das konkret aussieht in Mannheim und wie diese Ausbildung so grob gegliedert ist.

      Zerwinsky: Die Trägerschaft des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge für unsere Integrations- und Berufssprachkurse ist im Grunde an die Durchführung von Lehrerqualifizierungen für diese beiden Kurstypen gebunden. Die Genese damals bei meinem Vorgänger, der das etabliert hat, war, wir sind als Goethe-Institut auch ein Ausbildungsstandort.

      Wir bilden Lehrkräfte aus, das haben wir weltweit, da sind wir sehr stolz drauf. Aber wir haben es eben spezifisch auch für den Bereich DaZ, und das haben wir im Grunde jetzt im Moment in Mannheim. Die Lehrkraft, die hier zur Integrationslehrkraft ausgebildet wird, hat dann die Chance, im Integrationskurs, den wir durchführen, zu hospitieren und Erfahrungen zu sammeln.
      So ist das gekoppelt, also die Zusatzqualifizierung für Lehrkräfte in Integrationskursen, so nennt man das, packen wir sozusagen zu den Integrationskursen dazu. Und die Lehrerqualifizierung, das machen ganz erfahrene Fortbildnerinnen, die beides tun, die unterrichten selber und bilden fort. Und indem sie selber langjährig schon unterrichtet haben, können sie eben sehr, sehr gut fortbilden und die Lehrkräfte darauf hinweisen, was alles passiert, was wichtig ist in dieser Integrationskursleitung.

      Wie lange geht denn die Lehrkräfteausbildung? Und welche Qualifikationen muss man mitbringen, um sie antreten zu können?

      Zerwinsky: Man muss im Grunde ein Hochschulstudium haben. Das ist ausgefeilt, hinterliegt auf den Seiten des Bundesamtes Zugang zu Zusatzqualifizierung, was braucht man alles. Sehr wertvoll ist, wenn man einen eigenen kulturellen Bildungshintergrund aus einem anderen Land mitbringt, weil das eben diese Brückenbildung ermöglicht. Und man braucht natürlich eine spezifische Affinität zum Lehrberuf. Das sind sehr oft Lehrkräfte, die sagen, Mensch, ich werde Integrationslehrkraft, weil ich selber, entweder meine Vorfahren oder ich selber, dieses Migrieren nach Deutschland erlebt habe. Oder ich bin die Enkeltochter von hierher migrierten Großeltern und ich weiß um diese kulturellen Unterschiede und kann die leben – und das ist echt, das gehört zu mir und ich kann das gut vermitteln.

      Und der Zugang zu diesem spezifischen Beruf ist, glaube ich, bundesweit sehr hoch und der Bedarf ist sehr hoch. Die Integrationskurslehrkräfte sind im Grunde die Menschen, die die Einwanderung begleiten, die Integration ermöglichen. Das ist eine wirklich hohe Aufgabe, oder sagen wir auch, eine sehr verantwortungsvolle. Und es gibt, glaube ich, einen bestimmten Menschentyp, der sagt, ja, diese Aufgabe nehme ich ernst. Ich lerne diesen Beruf, weil mir das wichtig ist, dass das gelingt.

      Wenn Sie einen Wunsch frei hätten, ich komme jetzt zu meiner letzten Frage, was würden Sie ändern oder verbessern wollen in diesem ganzen Konglomerat, z.B. Deutsch als Zweitsprache, Deutsch als Fremdsprache, Integrations- und Orientierungskurse?

      Zerwinsky: Wenn ich wirklich einen Wunsch hätte, ist, dass die Allgemeinheit, die Bevölkerung, das anerkennt, was Menschen, die hierherkommen, im Grunde auch hinter sich lassen. Wir nennen das so salopp Willkommenskultur. Wenn unsere derzeitige Entwicklung mit diesem wahnsinnig demografischen Wandel und den großen Alterskohorten, die jetzt wegbrechen und ein Nachwuchs eben sein muss, wenn man sagen würde, ja, Deutschland ist ein Einwanderungsland und wir lieben das, wir nehmen diese Leute auf, führen die ein und mein Nachbar hat einen Grillabend und da sitzt eben der Neuzugewanderte und ich zusammen. Wissen Sie, was ich meine? Es ist sowas sozial, kulturell, den Menschen zugewandtes.

      Ich glaube, ich kann das gut beurteilen, weil ich selber in Einwanderungsländern gelebt habe, in klassischen Einwanderungsländern, wo eben an alles gedacht wurde, wo der Neuzugewanderte mit dem Blumenstrauß begrüßt wurde, schön, dass du da bist. Das würde ich mir wünschen, dass die bundesrepublikanische Gesellschaft allgemein sagt, ja, wir sind jetzt endlich ein wirklich gelingendes Einwanderungsland und wir machen es den Menschen verdammt nochmal nicht so schwer. Also ich entschuldige mich für diese Wortwahl. Wir haben diese bürokratischen Hürden nicht, da kommt Herr so und so und da freuen wir uns, da kommt eine tolle menschliche Persönlichkeit. Das wünsche ich mir, dass Einwanderung gelingt und dass wir dazu beitragen, dass es gelingen kann.

      Das ist doch ein ganz wunderbares Schlusswort Frau Zerwinsky! Ich bedanke mich ganz herzlich für dieses Gespräch und ich glaube, dass das vielen Zuhörerinnen und Zuhörern wahrscheinlich doch einiges an Neuigkeiten bietet, sofern sie nicht eh schon aus diesem Bereich kommen.

      Vielen Dank. Ich danke Ihnen, Frau Schumann.

      (Transcribed by TurboScribe.ai. Go Unlimited to remove this message. Wir haben das Interview für eine bessere Lesbarkeit geglättet.)

      Dieser Podcast steht unter der CC BY 4.0-Lizenz. Der Name des Urhebers soll bei einer Weiterverwendung wie folgt genannt werden: Christine Schumann für Deutscher Bildungsserver

      26 min
    • „Wirksame Maßnahmen gegen den Fachkräftemangel in Kita, Schule und Berufsschule: Was die Wissenschaft empfiehlt“
      Audio-Linkempfehlungen zum Bildungspolitischen Forum 2024

      „Fachkräftemangel in der Bildung: Chancen und Perspektiven“ ist das Thema des Bildungspolitischen Forums am 11. Oktober 2024. In dieser Podcast-Folge werden wissenschaftliche Studien vorgestellt, die sich mit der Ermittlung des tatsächlichen Fachkräftebedarfs in Kita und Schulen beschäftigen und Maßnahmen gegen den Fachkräftemangel benennen, die sich aus wissenschaftlicher Sicht als wirksam erwiesen haben. Die Linkempfehlungen stammen alle aus dem Dossier „Personalmangel in Schulen und Kitas“ des Deutschen Bildungsservers

      Einheitliche und konsistente Erfassung der Bedarfszahlen, Neuausrichtung und Optimierung der Lehrerausbildung, Verbesserung der Lehrerfortbildung, Optimierung des Seiten- und Quereinstiegs – an Vorschlägen und Empfehlungen dem Fachkräftebedarf in der Bildung entgegen zu wirken, mangelt es nicht. Das zeigen nicht nur die vielen bildungspolitischen Ideen und Initiativen auf Bundes- und Länderebene, sondern auch zahlreiche wissenschaftliche Gutachten. Christine Schumann stellt Studien und Empfehlungen aus der Bildungsforschung vor. Soviel vorab: Es ist komplex!

      Und hier geht’s zum Podcast
      Links zu den im Podcast vorgestellten Studien und Gutachten
      • Autorengruppe Fachkräftebarometer: FACHKRÄFTEBAROMETER Frühe Bildung 2023
      • Gewinnung von Nachwuchs – Bindung der Profis. Evaluation des Bundesprogramms „Fachkräfteoffensive“ (GeBiFa). Wissenschaftlicher Abschlussbericht.
      • Lehrkräftemangel und -überschuss: eine unendliche Geschichte
      • Lehrkräftegewinnung und Lehrkräftebildung für einen hochwertigen Unterricht – Gutachten der Ständigen Wissenschaftlichen Kommission der Kultusministerkonferenz
      • Neue Lehrkräfte braucht das Land: Herausforderungen und Handlungsempfehlungen für die Lehrkräfteausbildung in Deutschland 2024
      • Prognose der Schüler*innenzahl und des Lehrkräftebedarfs an berufsbildenden Schulen in den Ländern bis 2030
      • Dringend gesucht: Berufsschullehrer. Die Entwicklung des Einstellungsbedarfs in den beruflichen Schulen in Deutschland zwischen 2016 und 2035
      • Global report on teachers. Addressing teacher shortages and transforming the profession. (UNESCO-Bericht 2024)
      • Lesefassung

        Zwischen 20.400 und womöglich sogar bis zu 72.500 Fachkräfte werden 2025 in den Kindertagesstätten fehlen. In den Schulen wird für das Schuljahr 2025/2026 mit einer Lücke von 35.000 Lehrerinnen und Lehrern gerechnet, im Schuljahr 2030/2031 sollen es dann schon 68.000 Lehrkräfte sein, die fehlen. Und auch in den Berufsschulen wird es 2030/2031 bei einem Gesamtbedarf von 123.080 Vollzeitlehrkräften 1.460 Lehrerinnen und Lehrer zu wenig geben.

        Guten Tag und herzlich willkommen bei Bildung auf die Ohren, dem Podcast des Deutschen Bildungsservers. Mein Name ist Christine Schumann. Ich greife heute das Thema des Bildungspolitischen Forums am 11. Oktober 2024 auf: „Fachkräftemangel in der Bildung: Chancen und Perspektiven“. Dazu stelle ich Ihnen einige wissenschaftliche Studien vor, die sich mit der Prognose des Bedarfs beschäftigen und Maßnahmen gegen den Fachkräftemangel in Elementarbildung, Schule und beruflicher Bildung herausgearbeitet haben. Alle Studien sind im Dossier „Personalmangel in Schulen und Kitas“ des Deutschen Bildungsservers zu finden.

        Das Dossier „Personalmangel in Schulen und Kitas“ im Deutschen Bildungsserver

        Dossiers beim Deutscher Bildungsserver
        • „Personalmangel in Schulen und Kitas“
        • Fachkräftemangel in Kitas und Fachkräftebedarf bei Erzieher*innen
        • Lehrkräftemangel in Deutschland – Literatur, Stellungnahmen und Empfehlungen
        • Berufsbildende Schulen – Entwicklungen beim Lehrkräftebedarf
        • Der prognostizierte Fachkräftebedarf ist erschreckend hoch, auch wenn die konkreten Zahlen – je nach Studie und Erfassungsmethode – variieren! Dass sie gar nicht so leicht zu erfassen sind, liegt an den vielen Parametern. Sie machen eine genaue Prognose ziemlich schwierig!

          Es geht ja nicht nur um demographische Anhaltspunkte wie Geburtenrate oder Altersverteilung der pädagogischen Fachkräfte. Berechnet werden muss die Verteilung künftiger Lehrkräfte auf Schulformen, Bundesländer und Kommunen. Und auch Unvorhergesehenes wie beispielsweise die Anzahl der zu integrierenden geflüchteten Kindern oder auch gewünschte und geplante Schul- oder Kitareformen fließen in die Bedarfsermittlung ein. Auf der anderen Seite muss ermittelt – und ja, auch gesteuert – werden, dass eine bestimmte Anzahl junger Menschen den Beruf Lehrerin oder Erzieher auch ergreift.

          Doch nun zu den einzelnen Bildungsbereichen. Wie steht es um den Fachkräftemangel in den Kitas?

          Das Personal wächst und wächst, wenngleich zuletzt etwas weniger stark als in den Jahren zuvor. Das stellt die Autorengruppe des 2023 erschienenen Fachkräftebarometers fest. Fachkräfte würden das Arbeitsfeld auch nicht in Scharen verlassen, sondern wiesen – gemessen an ihrer Beschäftigungsdauer – eine vergleichsweise hohe Bindung an das Arbeitsfeld auf. Dennoch scheinen die Anstrengungen nicht auszureichen, um den Fachkräftebedarf zu decken. Woran liegt das? Neben der allgemeinen Situation am Arbeitsmarkt sieht die Autorengruppe unter anderem erschöpfte Ausbildungskapazitäten, zu wenige Quereinsteiger und große regionale Unterschiede.

          Ein Weg aus dem Dilemma wäre eine Gesamtstrategie mit miteinander verzahnten Maßnahmenbündeln: Die Autorengruppe erwähnt neue Ausbildungsformate, Verringerung der Abbruchquoten in der Ausbildung, stärkere finanzielle Anreize und mehr professionelle Unterstützung wie zum Beispiel Fachberatung oder Teamentwicklung

          Autorengruppe Fachkräftebarometer: FACHKRÄFTEBAROMETER Frühe Bildung 2023

          Für die Erarbeitung einer solchen Gesamtstrategie setzte das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend eine Arbeitsgruppe ein, die ihre Ergebnisse am 21. Mai 2024 veröffentlichte. Für die Arbeit haben die Autorinnen und Autoren erfolgversprechende Maßnahmen für vier Handlungsfelder zusammengetragen:

          So wird etwa im Hinblick auf die berufliche Orientierung empfohlen, die vielfältigen Informationen zu Zugangsvoraussetzungen gebündelt darzustellen und passgenaue Beratungsangebote für die unterschiedlichen Zielgruppen bereit zu halten. Auch die unterschiedlichen Bildungs- und Betreuungsangebote für Kinder im Grundschulalter und allen Bereichen der Kinder- und Jugendhilfe sollten sichtbarer gemacht werden.

          Für eine attraktive Aus- und Weiterbildung müssten die Kapazitäten bedarfsorientiert ausgebaut, vergütete Ausbildungsmodelle angeboten und Aufstiegsmöglichkeiten gefördert werden.

          Mit einer flexibleren Erstausbildung und Weiterbildung und stärkerer – auch digitaler – Modularisierung könnten zusätzliche Berufsgruppen erschlossen werden. Und es könnten mehr Menschen mit ausländischen Abschlüssen beschäftigt werden, wenn zum Beispiel die Teilnahme an Sprachkursen oder berufsbegleitende Anerkennungs- und Nachqualifizierungsmöglichkeiten verbessert würden.

          Auch die Arbeits- und Rahmenbedingungen könnten besser werden, wenn Gesundheit, Information und Beratung noch stärker berücksichtigt würden, und die Träger der Einrichtungen Funktionsstellen eigens vergüten würden.

          Gesamtstrategie Fachkräfte in Kitas und Ganztag. Empfehlungen der AG „Gesamtstrategie Fachkräfte“

          Viele der hier vorgeschlagenen Maßnahmen lassen sich detailliert auch in der Evaluation des Bundesprogramms „Fachkräfteoffensive“ nachlesen. Der wissenschaftliche Abschlussbericht „Gewinnung von Nachwuchs – Bindung der Profis“ wurde 2022 vom Zentrum für Kinder- und Jugendforschung an der Evangelischen Hochschule Freiburg erarbeitet und veröffentlicht.

          Gewinnung von Nachwuchs – Bindung der Profis. Evaluation des Bundesprogramms „Fachkräfteoffensive“ (GeBiFa). Wissenschaftlicher Abschlussbericht.

          Jetzt zum Lehrkräftemangel

          Ich hatte ja schon vorher erklärt, warum es so schwer ist auszurechnen, wie viele Fachkräfte im Bildungsbereich benötigt werden. Natürlich kann man anhand der Geburtenrate ausrechnen, wie viele Schülerinnen und Schüler es zur Einschulung in sechs Jahren geben wird. Aber wie prognostiziert man zum Beispiel, wie viele geflüchtete Kinder hinzukommen? Dazu kommt, dass nicht klar ist, wie viele Kinder sich in den Sekundarstufen auf welche Schulen und in welchen Regionen verteilen. Und das ist nur die Schüler-Seite.

          Betrachtet man die Seite der Lehrkräfte fällt einem noch sehr viel mehr ein: Zum Beispiel welche bildungspolitischen Reformen wann umgesetzt werden und wieviel zusätzliche Lehrerinnen und Lehrer es dafür braucht – Stichwort Ganztagsschule oder Brennpunktschule? Dann geht es auch noch um die Höhe des Unterrichtsdeputats und natürlich auch um die Frage, wie viele Lehrerinnen und Lehrer in Teilzeit arbeiten.

          Dazu kommt noch die Zahl der Lehramtsstudierenden: Wie viele gibt es? Wie verlässlich sind die Planungsgrößen der Länder? Für welche Fächer und Schulen werden sie ausgebildet? Wie hoch ist die Abbrecherquote und auch – wie viele gehen nach abgeschlossenem Studium überhaupt ins Referendariat und in den Schuldienst?

          Im Dossier Bildung der Bundeszentrale für Politische Bildung identifizieren und beschreiben Benjamin Edelstein und Klaus Klemm in einem Beitrag vier Bausteine, die dabei helfen, den zukünftigen Bedarf an Lehrerinnen und Lehrern belastbarer prognostizieren zu können:

          • Die demographische Entwicklung
          • Die Entwicklung der Zahl an Schülerinnen und Schülern
          • Die Entwicklung des Einstellungsbedarfs von Lehrkräften
          • Die Entwicklung des Neuangebots von Lehrkräften und die Bilanzierung des Angebots
          • Lehrkräftemangel und -überschuss: eine unendliche Geschichte

            Und welche Maßnahmen werden diskutiert, um dem aktuellen Lehrkräftemangel entgegenzuwirken? Die Ständige Wissenschaftliche Kommission der KMK, die SWK, hat in ihrem Gutachten 2023 elf Empfehlungen formuliert, die ich hier nicht ausführlich vorstellen kann – das würde den Rahmen sprengen. Auch hier sind es wieder vier Themen, die unbedingt optimiert werden müssten:

            1. Die Bedarfsprognostik
            2. Die erste Phase der Lehrerausbildung
            3. Die Übergänge zwischen den Phasen der Lehrerausbildung inklusive Quer- und Seiteneinstieg
            4. Die Fort- und Weiterbildung
            5. Lehrkräftegewinnung und Lehrkräftebildung für einen hochwertigen Unterricht – Gutachten der Ständigen Wissenschaftlichen Kommission der Kultusministerkonferenz 

              Auch Mark Rackles, ehemaliger Staatssekretär für Bildung in Berlin und seit 2019 freiberuflicher Berater und Publizist im Bildungswesen, hat in seiner bei der Rosa Luxemburg-Stiftung 2024 veröffentlichten Publikation „Neue Lehrkräfte braucht das Land“ seine Ideen zur Lehrkräftebildung erläutert. Er stimmt mit den SWK-Empfehlungen im Grundsatz überein, kritisiert allerdings ihre – aus seiner Sicht zu akademische – Ausrichtung. Er empfiehlt, die Hochschulen für Angewandte Wissenschaften bei der Lehrerbildung mit ins Boot zu nehmen.

              Neue Lehrkräfte braucht das Land: Herausforderungen und Handlungsempfehlungen für die Lehrkräfteausbildung in Deutschland 2024

              Lehrerinnen und Lehrer fehlen nicht nur an allgemeinbildenden Schulen. Auch in den Berufsschulen gibt es ein Problem:

              Dieter Dohmen und Maren Thomsen vom FiBS Forschungsinstitut für Bildungs- und Sozialökonomie haben in ihrer Studie die Zahlen der Schülerinnen und Schüler in den berufsbildenden Schulen ermittelt und anschließend die Zahlen der dafür erforderlichen Lehrkräfte bis zum Jahr 2030 für alle 16 Bundesländer prognostiziert. Daraus folgte eine interessante Erkenntnis: Es zeichnen sich zum Teil sehr unterschiedliche Entwicklungen ab. In den neuen Bundesländern und den Stadtstaaten wird es im Schuljahr 2030/31 im Vergleich zum Schuljahr 2016/17 insgesamt 108.700 Schüler*innen mehr in berufsbildenden Schulen geben – das ist ein Anstieg um knapp 25 Prozent. In den alten Bundesländern ist im gleichen Zeitraum mit einem Rückgang von 37.500 Schüler*innen (-2 Prozent) zu rechnen. Für ganz Deutschland leiten die Autoren aus ihren Untersuchungen und Rechnungen einen Mehrbedarf von 1.460 und einen Gesamtbedarf von 123.080 Vollzeitlehrkräften ab.

              Prognose der Schüler*innenzahl und des Lehrkräftebedarfs an berufsbildenden Schulen in den Ländern bis 2030

              Auf eine ähnliche Diskrepanz zwischen zu erwartenden Schülerzahlen und zur Verfügung stehenden Lehrkräften kommt auch Klaus Klemm in der 48-seitigen Studie der Bertelsmann Stiftung. Der emeritierte Professor für Bildungsforschung und Bildungsplanung an der Universität Duisburg-Essen schlägt kurzfristig vor, die Rahmenbedingungen so zu verbessern, dass Teilzeitbeschäftigte ihre wöchentlichen Unterrichtsstunden freiwillig erhöhen und beurlaubte Lehrkräfte grundsätzlich früher an die Schule zurückkehren können. Auch ein späterer Eintritt in den Ruhestand, mehr Honorarkräfte und Seiten- bzw. Quereinsteiger scheinen ihm sinnvoll. Um die Situation aber langfristig zu verbessern, müsste seiner Einschätzung nach

              • das Interesse an der Aufnahme eines Studiums für das Lehramt an beruflichen Schulen geweckt werden,
              • die Zahl der Studienstandorte erhöht werden,
              • die Abbruchquoten im Lehramtsstudium für berufliche Schulen reduziert werden,
              • ein „Master of Education“-Studium eingeführt werden, das auf der Grundlage einer Techniker- oder Meister-Ausbildung auf das Lehramt für berufliche Schulen vorbereitet.
              • Dringend gesucht: Berufsschullehrer. Die Entwicklung des Einstellungsbedarfs in den beruflichen Schulen in Deutschland zwischen 2016 und 2035

                Lehrkräftemangel ist übrigens nicht nur in Deutschland, sondern auch weltweit ein Problem

                Das zeigt ein 2024 veröffentlichter Bericht der UNESCO. Neue Daten weisen darauf hin, dass 44 Millionen zusätzliche Lehrer*innen benötigt werden, um bis 2030 eine allgemeine Grund- und Sekundarschulbildung für alle Kinder zu erreichen. Der Bericht gibt aus internationaler Perspektive Antworten auf Fragen wie: „Wo ist der Lehrermangel am größten?“, „Warum gibt es so viel Lehrermangel weltweit? „oder „Wie kann man den Lehrermangel lösen?“

                Global report on teachers. Addressing teacher shortages and transforming the profession.(UNESCO-Bericht 2024)

                All diese Empfehlungen finden Sie übrigens im Dossier „Personalmangel in Schulen und Kitas“ des Deutschen Bildungsservers!

                Ich wünsche eine interessante Lektüre – und ein spannendes Bildungspolitisches Forum 2024!

                Dieser Podcast steht unter der CC BY 4.0-Lizenz. Der Name des Urhebers soll bei einer Weiterverwendung wie folgt genannt werden: Christine Schumann für Deutscher Bildungsserver

                12 min
              • Frühe Mehrsprachigkeit im Kita-Alltag fördern
                Audio-Linkempfehlungen zu Deutsch als Zweitsprache im Kindergarten

                Christine Schumann stellt Erzieherinnen und Erziehern vier Angebote aus dem Pool des Deutschen Bildungsservers zum Thema Mehrsprachigkeit und Deutsch als Zweitsprache vor.

                In Kindertagesstätten steigt der Anteil der Kinder mit anderen Erstsprachen als Deutsch. Auch die Zahl der Eltern, die sich für ihre Kinder gezielt eine zweisprachige Kita aussuchen, wächst. Und eines der zentralen Ziele frühkindlicher Bildung ist es ja, Sprache und Sprachvermögen optimal zu fördern. Damit die Sprachförderung der Kinder in Kitas noch besser gelingt, stellt Christine Schumann Erzieherinnen und Erziehern vier verschiedene Angebote zum Thema Mehrsprachigkeit und Deutsch als Zweitsprache vor. Ausgewählt wurden sie gemeinsam mit Andrea Völkerling, die beim Deutschen Bildungsserver für die Elementarbildung verantwortlich ist.

                Zu den Audio-Linkempfehlungen
                Linkempfehlungen
                • Qualität in zwei- und mehrsprachigen Kindertageseinrichtungen. Kriterienhandbuch für den Bereich Sprache und Mehrsprachigkeit.
                • Broschüre „Arbeitshilfen zur Sprachförderung im Elementarbereich“
                • Flyerreihe „So geht Mehrsprachigkeit“ des BIVEM (Berliner Interdisziplinäre Verbund für Mehrsprachigkeit)
                • „bilingual picturebooks“, ein Projekt der Bücherpiraten in Lübeck
                • Dossier Deutscher Bildungsserver zu „Frühe Mehrsprachigkeit“
                • Lesefassung

                  Wie wichtig es ist, dass Kinder so früh wie möglich dabei unterstützt werden, neben ihrer Mutter- oder Erstsprache auch deutsch zu sprechen ist ja hinlänglich bekannt. Allzu oft wird aber in Kindertageseinrichtungen noch darauf vertraut, dass die Kleinen das schon „automatisch“ lernen. Ja, Kinder lernen schneller als wir Erwachsene – dennoch ist es Aufgabe der Erzieherinnen und Erzieher Kinder beim Zweitsprachenerwerb, wo es nur geht, zu fördern.

                  Guten Tag und herzlich willkommen bei Bildung auf die Ohren, dem Podcast des deutschen Bildungsservers. Mein Name ist Christine Schumann. Ich wende mich heute vor allem an Erzieherinnen und Erzieher – ihnen möchte ich vier verschiedene Angebote zum Thema Mehrsprachigkeit und Deutsch als Zweitsprache empfehlen, damit die Sprachförderung der Kinder in ihren Kitas noch besser gelingt; sie stammen übrigens alle aus dem Pool des Deutschen Bildungsservers.

                  Das QITA-Kriterienhandbuch – Qita – mit Q wie „Qualität“ – wurde für diesen mehrsprachigen Kita-Alltag

                  In den Kitas steigt der Anteil der Kinder mit anderen Erstsprachen als Deutsch. Auch die Zahl der Eltern, die sich für ihre Kinder gezielt eine zweisprachige Kita aussuchen, wächst. Und eines der zentralen Ziele frühkindlicher Bildung ist es ja, Sprache und Sprachvermögen optimal zu fördern. Das QITA-Kriterienhandbuch – Qita – mit Q wie „Qualität“ – wurde für diesen mehrsprachigen Kita-Alltag von Fachleuten aus der Kindheitspädagogik, der Sprachwissenschaft und aus mehrsprachigen Kitas entwickelt. Es benennt Gelingensfaktoren für die mehrsprachige sprachpädagogische Arbeit und den Umgang mit kultureller Vielfalt. In neun Qualitätsbereichen wird der bewusste und gezielte Einsatz von Sprache(n) vorgestellt. Das QITA-Kriterienhandbuch ist für alle Sprachen einsetzbar – und es kann sowohl zur Reflexion der eigenen Arbeit als auch zur Qualitätsentwicklung und Konzepterstellung herangezogen werden.

                  Qualität in zwei- und mehrsprachigen Kindertageseinrichtungen. Kriterienhandbuch für den Bereich Sprache und Mehrsprachigkeit.

                  Oder: https://hilpub.uni-hildesheim.de/server/api/core/bitstreams/02308c42-2260-4415-8395-03b17ea23e3a/content

                  Die Broschüre „Arbeitshilfen zur Sprachförderung im Elementarbereich“

                  Das Ministerium für Soziales, Jugend, Familie, Senioren, Integration und Gleichstellung von Schleswig-Holstein hat eine Broschüre herausgegeben, die Erzieherinnen und Erziehern in Kitas dabei unterstützt, im letzten Halbjahr vor der Einschulung die Sprachförderung insbesondere für Kinder mit Migrationshintergrund effektiv und anregend zu gestalten. Sie kann in der Kleingruppenarbeit und bei Sprachintensivmaßnahmen helfen. Die 75-seitige Broschüre besteht aus vier Abschnitten:

                  Der erste Teil enthält die wichtigsten Hinweise über die Grundlagen der Sprachförderung: Sprachinteresse der Kinder, Vorbildung und Nachahmung, Korrektur.
                  Im zweiten Teil wird erläutert, wie sich die Sprach- und Sprechfähigkeiten der Kinder allmählich aufbauen.
                  Der dritte Teil gibt Anregungen, wie der tägliche Ablauf der Sprachfördermaßnahme gestaltet und durch Projekte und besondere Themen angereichert werden kann – und im vierten Teil gibt’s Tipps für geeignete Materialen und Literaturhinweise zur Vertiefung.

                  Die Broschüre „Arbeitshilfen zur Sprachförderung im Elementarbereich“ ist bereits in der 4. Auflage erschienen und kann auf der Seite des schleswig-holsteinischen Ministeriums heruntergeladen werden.

                  Arbeitshilfen zur Sprachförderung im Elementarbereich

                  Oder: https://www.schleswig-holstein.de/DE/landesregierung/ministerien-behoerden/VIII/Service/Broschueren/Broschueren_VIII/Kita/ArbeitshilfenSprachfoerderungElementarbereich.html

                  Die Info-Flyerreihe „So geht Mehrsprachigkeit“ des Berliner Interdisziplinären Verbunds für Mehrsprachigkeit

                  Wussten Sie, dass mehr als die Hälfte aller Menschen weltweit mehrsprachig ist? Also ich nicht! Und was mir auch nicht so ganz klar war: Dass es für ein Kind überhaupt nicht verwirrend ist, zwei oder mehrere Sprachen zu hören und zu sprechen – der Spracherwerb wird durch Mehrsprachigkeit nicht erschwert!

                  Solche wissenschaftsbasierten Informationen erhält man in der Info-Flyerreihe „So geht Mehrsprachigkeit“ des Berliner Interdisziplinären Verbunds für Mehrsprachigkeit, kurz: BIVEM. Das ist ein bundesweites Netzwerk von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern und Fachleuten aus der Praxis – unter anderem aus den Bereichen Mehrsprachigkeit, Spracherwerb, Sprachförderung und -diagnostik sowie Pädagogik und Bildungsforschung. Die insgesamt sechs Flyer zu Themen wie „Vorurteile überwinden & Vorteile nutzen“, „Sprachen wertschätzen“ oder „Mehrsprachigkeit trotz einer Sprachentwicklungsstörung“ sind in mehreren Sprachen erschienen: in Deutsch, Russisch, Türkisch, Englisch, Arabisch, Persisch, Französisch.

                  Flyerreihe „So geht Mehrsprachigkeit“ des BIVEM (Berliner Interdisziplinäre Verbund für Mehrsprachigkeit). Oder: https://bivem.leibniz-zas.de/de/service-transfer/flyerreihe/

                  https://www.bildungsserver.de/onlineressource.html?onlineressourcen_id=57965

                  Die „Bilingual picturebooks“ der Bücherpiraten aus Lübeck

                  Vorlesen ist für Kinder eigentlich mit Geborgenheit und Nähe verbunden, doch für viele Kinder weltweit ist es häufig eine Situation der Unsicherheit und des Fremdelns – für geflüchtete Kinder, für Kinder in indigenen Sprachgemeinschaften oder Kinder mit Migrationshintergrund. Und warum das? Weil die Bücher sehr oft in einer fremden Sprache sind.

                  Die Bücherpiraten – ein Verein aus Lübeck – haben das erkannt und die „Bilingual picturebooks“ erfunden. Hier können Kinder- und Jugendgruppen aus aller Welt selbst Bilderbücher schreiben und illustrieren und sie an bilingual-picturebooks.org senden. Dort werden sie in andere Sprachen übersetzt, auf der Website veröffentlicht – und können dort von allen kostenlos in zwei Sprachen gleichzeitig heruntergeladen werden. Sie können dabei genau die Sprachkombination wählen, die Sie brauchen – z.B. Ukrainisch-Deutsch. Oder auch einfach mal originelle Kombinationen ausprobieren, wie Oberbairisch-Indonesisch. Viele Geschichten können auch gleich mit Hörbuch-Ausgabe heruntergeladen werden.

                  Haben Sie selbst Lust mit ihrer Kindergruppe ein Bilderbuch zu machen? Dann schauen Sie mal rein in die Seite bilingual-picturebooks.org. Da gibt es bereits viele zweisprachige Bilderbücher und genaue Hinweise, wie man mitmachen kann

                  „bilingual picturebooks“, ein Projekt der Bücherpiraten in Lübeck. Oder: https://www.bilingual-picturebooks.org

                  Noch mehr Informationen zu „Frühe Mehrsprachigkeit“ finden Sie beim Deutschen Bildungsserver unter Elementarbildung / Frühpädagogische Bildungsbereiche / Sprachbildung

                  https://www.bildungsserver.de/fruehe-mehrsprachigkeit-6195-de.html

                  Viel Spaß beim Entdecken und Stöbern!

                  Dieser Podcast steht unter der CC BY 4.0-Lizenz. Der Name des Urhebers soll bei einer Weiterverwendung wie folgt genannt werden: Christine Schumann für Deutscher Bildungsserver

                  6 min
                • Interaktionsqualität bei DaZ-Förderung in Kita sehr wichtig
                  Interview mit Edgardis Garlin über Deutsch als Zweitsprache in der Kita

                  Christine Schumann spricht mit Dr. Edgardis Garlin vom Zentrum für kindliche Mehrsprachigkeit. Die Sprachwissenschaftlerin hat das KIKUS-Programm – KIKUS steht für Kinder in Kulturen und Sprachen, ein Sprachförderkonzept für Kinder im Alter von 3 bis 10 Jahren – entwickelt und ist seit über 20 Jahren im Bereich DaZ unterwegs.

                  Dr. Edgardis Garlin, Sprachwissenschaftlerin und Entwicklerin des KIKUS-Programms

                  Im Interview spricht Edgardis Garlin über die Schwierigkeiten der alltagsintegrierten Sprachförderung, das – zumindest in großen Städten – nicht mehr funktionierende „Sprachbad“ und wie wichtig es ist, die Mutter- oder Erstsprache der Kinder ernst zu nehmen. Von großer Bedeutung für sie ist die Interaktionsqualität zwischen Erzieherin/Erzieher und Kindern, die aus ihrer Sicht dringend intensiviert und verbessert werden muss.

                  Das Interview mit Dr. Edgardis Garlin
                  Lesefassung

                  21% der Kinder, die 2022 eine Kita besuchten, lebten in Familien, in denen vorrangig eine andere Sprache als Deutsch gesprochen wurde. Der Anteil dieser Kinder stieg bundesweit zwischen 2012 und 2022 um rund 5 Prozentpunkte. Während im Westen fast ein Viertel der Kita-Kinder zu Hause überwiegend eine andere Sprache als Deutsch spricht, trifft dies in ostdeutschen Kitas nur auf jedes zwölfte Kind zu. Diese Zahlen veröffentlichte das Fachkräftebarometer Frühe Bildung (WiFF) im Februar 2023 als Zahl des Monats.

                  Man kann sich also vorstellen, welche Herausforderungen die Mehrsprachigkeit der Kinder im Kita-Alltag birgt. Für Erzieherinnen und Erzieher gibt es zahlreiche Methoden und Programme, nicht nur die Mehrsprachigkeit der Kinder, sondern auch ihre Kompetenzen in Deutsch als Zweitsprache zu fördern.

                  Guten Tag und herzlich willkommen bei Bildung auf die Ohren, dem Podcast des Deutschen Bildungsservers. Mein Name ist Christine Schumann und ich spreche heute zum Thema Deutsch als Zweitsprache in der Kita mit Dr. Edgardis Garlin vom Zentrum für kindliche Mehrsprachigkeit. Die Sprachwissenschaftlerin hat das KIKUS-Programm – KIKUS steht für Kinder in Kulturen und Sprachen, ein Sprachförderkonzept für Kinder im Alter von 3 bis 10 Jahren entwickelt und ist seit über 20 Jahren im Bereich DaZ unterwegs.

                  Für sie ist die Interaktionsqualität beim Erlernen von Deutsch als Zweitsprache entscheidend – also die Art und Dauer, wie in den Kitas mit jedem einzelnen Kind gesprochen wird.

                  Dossiers beim Deutscher Bildungsserver zu DaZ / Mehrsprachigkeit in der Elementarbildung
                  • Frühe Mehrsprachigkeit
                  • Inklusive Frühpädagogik – Kinder mit Migrationshintergrund
                  • Interkulturelle Bildung im Elementarbereich
                  • Migration / Interkulturelle Pädagogik
                  • Kinderseiten: Fremdsprachen
                  • Fachbeiträge und Praxishilfen zur frühen Mehrsprachigkeit
                  • Website der Universität Hamburg zu „Mehrsprachigkeit“ 

                    Bildungsbericht „Bildung in Deutschland 2024“, Kapitel Frühe Bildung, Betreuung und Erziehung

                    Guten Tag, Frau Garlin. Ich freue mich riesig, dass es geklappt hat mit dem Treffen, jetzt auch relativ kurzfristig. Ich wollte mit Ihnen sprechen über Deutsch als Zweitsprache im Kindergarten in der Elementarbildung. Vielleicht stellen Sie sich einfach mal kurz vor.

                    Edgardis Garlin: Ja, schön, dass es geklappt hat und ich freue mich auch. Mein Name ist Edgardis Garlin und ich bin die Begründerin des Kikus-Programms zur Sprachförderung von Kindern im Alter zwischen drei und zehn Jahren eben im Bereich Deutsch als Zweitsprache. Und die Organisation, für die ich tätig bin, ist das Zentrum für Kindliche Mehrsprachigkeit e.V. Genau, und wir arbeiten seit 25 Jahren im Bereich Sprachförderung.

                    Da können Sie wirklich auf langjährige Expertise und Erfahrung zurückblicken. Deswegen würde ich auch ganz gerne mit so einer allgemeinen Frage anfangen, die jetzt erstmal gar nichts mit Ihrer ganz persönlichen Expertise, was Entwicklung von Sprachkursen angeht, sondern eher darum, wie steht es denn in Deutschland um die Deutschkenntnisse von Kindergartenkindern? Können Sie das aus Ihrer Erfahrung? Was ist Ihr Bild?

                    Edgardis Garlin: Also ich habe natürlich ganz, ganz viel auch in Kindertagesstätten zu tun. Wir machen viele Fortbildungen in Kindertagesstätten. Ich spreche mit vielen pädagogischen Fachkräften. Also es ist unterschiedlich natürlich. Es gibt ein gewisses Stadt-Land-Gefälle im Sinne von, dass es im ländlichen Raum häufig kein großes Thema ist mit den Deutschkenntnissen, was auch nicht immer so ist, aber häufig. Und dass es in der Stadt desweilen sehr, sehr herausfordernd ist, weil es sehr viele Kinder gibt, die tatsächlich nicht mit Deutsch als Erstsprache in die Kita kommen, was erstmal ja überhaupt gar kein Drama ist. Aber der Stress, der dann entsteht in der Kita, weil man weiß, man muss die Kinder auf die Schule vorbereiten, der ist dann riesig groß. Und der ist spürbar sowohl bei den Pädagoginnen in den Kindertagesstätten als auch bei den Eltern natürlich. Und letztendlich wirkt sich das auch auf die Kinder aus. Also die Herausforderungen sind groß.

                    Hinzu kommt natürlich der Mangel an Fachkräften. Und ja, das ist nicht einfach. Wir wissen, dass im städtischen Raum zwischen 25 und 50 Prozent der Kinder mit einer anderen Familiensprache aufwachsen als dem Deutschen. Und ja, also wie gesagt, das birgt Herausforderungen.

                    Sie können doch dann bestimmt auch sagen oder haben dann Erfahrungen mit den Kolleginnen und Kollegen aus der Kita, wie die ErzieherInnen sie normalerweise beim Deutschlernen unterstützen. Ist es sehr unterschiedlich oder gibt es da bereits Programme?

                    Edgardis Garlin: Ja, es ist sehr unterschiedlich und ja, es gibt auch Programme. Also ich denke, und da muss ich jetzt erstmal sozusagen wirklich meinen Hut ziehen, weil in dieser ganzen schwierigen Situation, sowohl in den Kitas als auch in den Grundschulen, das was dort momentan geleistet wird, ist einfach phänomenal. Und ich möchte erstmal sozusagen wirklich meinen Respekt zum Ausdruck bringen und wie gegenüber den pädagogischen Fachkräften sowohl in der Kita als auch in der Grundschule. Und ich weiß, dass sich ganz, ganz viele wirklich redlich bemühen, auch die Kinder zu fördern.

                    Was bei uns natürlich, ich glaube in ganz Deutschland, also in Bayern, ich sitze ja hier in Bayern, aber in ganz Deutschland, glaube ich, ganz stark propagiert wird, ist die alltagsintegrierte Sprachförderung in der Kita. Das birgt aber natürlich auch die Aufgabe, dass ich, wenn ich alltagsintegriert fördere, muss ich eigentlich permanent ein sprachliches Metawissen bereithalten, damit ich weiß, in welcher Situation ich was fördern kann. Das bedeutet, ich muss eigentlich viel über Sprache wissen und auch über Sprachen wissen, um sozusagen wirklich alltagsintegriert handeln zu können.

                    Was die ErzieherInnen immer wieder sagen, was sie verwenden, relativ systematisch sind Programme zur phonologischen Bewusstheit. Aber das sind ja jetzt nicht spezifisch Programme zur Sprachförderung für das Deutsche als Zweitsprache. Das kann zwar auch ein bisschen helfen, aber das ist es nicht.

                    Also ansonsten, finde ich, ist es relativ unterschiedlich, was gemacht wird. Inhaltlich glaube ich, dass die Primärförderung, der primäre Fokus auf der Wortschatzförderung liegt und dass PädagogInnen nicht so sehr die Bereiche Grammatik und sprachliche Handlungsmuster im Blick haben.

                    Ich habe noch mal eine Nachfrage. Das erste, dieses alltagsintegrierte Sprachenlernen. Sie sagten, man braucht dafür ein recht großes oder fundiertes Metawissen über Sprache. Können Sie das an einem Beispiel erläutern?

                    Edgardis Garlin: So eins meiner Lieblingsbeispiele ist das Thema Präpositionen, also auf, unternehmen, zwischen und so weiter und so fort. Und wir haben ja alle schon festgestellt, dass die Präpositionen so ein bisschen auch durch Sprachkontakt und so weiter so verschwinden. Also das klassische Beispiel ist, wir gehen McDonalds, also wir gehen nicht mehr zu McDonalds oder wir uns McDonalds, also nicht mal vorm oder im oder wo auch immer, dass sowas sozusagen verschwindet. Und das braucht man aber trotzdem, wenn man in die Schule geht. Da kann man einfach nicht darauf verzichten. Soweit ist unser Schulsystem jetzt noch nicht in Veränderung begriffen. Das heißt, ich müsste quasi, wenn ich sage, ich möchte natürlich auch das Thema Präpositionen fördern bei den Kindern, dann müsste ich in der Situation, in der sich das gerade anbietet, müsste ich die Situation so gestalten, dass man auch wirklich Sprachförderung macht, dass es nicht nur Input ist, wir stellen uns jetzt alle auf den Stuhl und hinter den Stuhl und neben den Stuhl, sondern wir müssten halt auch die Kinder in die Lage versetzen, dass sie das sagen und dass sie dann auch das wirklich verstehen, was sozusagen diese Präpositionen bedeuten.

                    Und das ist machbar, wenn ich ein Metawissen habe und auch ein didaktisches Wissen habe, dann kriegt man das hin. Aber im Alltag ist es wirklich nicht ganz so easy, das mal eben so aus dem Ärmel zu schütteln.

                    Das kann ich mir leibhaftig vorstellen, ja. Das zweite, was Sie jetzt eben angesprochen haben, war, dass im Fokus vom alltagsintegrierten Sprachenlernen meist die Wortschatzförderung überliegen würde und weniger die Grammatik. Das heißt, die Kinder werden nicht ausreichend dazu animiert, zu erzählen in ganzen Sätzen oder werden wenig korrigiert?

                    Edgardis Garlin: Ja, das hat ganz viele Komponenten. Also das eine mit dem Sprechen in ganzen Sätzen, das finde ich, das wird häufig missverstanden. Weil das Sprechen in ganzen Sätzen findet eigentlich dann statt, wenn man eine Sprachhandlung initiiert. Also wenn man sozusagen ein Sprecher ist, der etwas, der loslegt, eine Aufforderung formuliert, eine Frage formuliert und so weiter. Die Reaktionen, also das, was in der Hörerrolle passiert, sind meistens sowieso nichts in ganzen Sätzen.

                    Also ich mache auch dafür ein Beispiel, wenn ich jetzt sage, wie heißt du? Dann wird das Kind sagen, Alexander oder wie auch immer und wird nicht sagen, ich heiße Alexander. Wenn ich jetzt versuche, da rauszukitzeln, ich heiße Alexander, dann nützt das nichts, dem Kind zu sagen, sprich mal in ganzen Sätzen, weil wir das auch nicht tun. Aber wir machen das schon, zum Beispiel, wenn wir ein anderes Handlungsmuster verwenden, nämlich wenn wir uns vorstellen.

                    Also das ist dann nicht mehr Frage-Antwort, sondern wenn wir uns vorstellen, sagen wir schon irgendwie, ich heiße Alexander und ich bin fünf Jahre alt und ich esse gerne Pizza. Da spricht man dann in ganzen Sätzen. Also die Grammatik werde ich natürlich nicht den kleinen Kindern im Kindergartenalter erklären, aber ich muss sie trotzdem vermitteln. Also Präposition ist ja auch eine Form von Grammatik oder Artikel sind eine Form von Grammatik und Satzbau ist eine Form von Grammatik. Und das Erhellende für Kinder in der Sprachförderung ist, dass sie ja irgendwas verstehen, eine Struktur verstehen. Das ist das Tolle, auch für uns, wenn wir eine Sprache lernen.

                    Und diese Struktur, die wir verstanden haben, die können wir dann im Alltag gut einsetzen, ausprobieren, anwenden und so weiter und so fort. Aber ich sage ja, also um das zu tun, muss ich halt ein relativ großes Vorwissen haben.

                    Und ich schließe daraus jetzt haarscharf, dass das in Teilen wahrscheinlich da ist, bei den pädagogischen Fachkräften und in anderen Teilen eher nicht.

                    Edgardis Garlin: Ja, also interessanterweise ist es viel da bei Menschen, die selber nicht mit Deutsch als Erstsprache in den Einrichtungen arbeiten, weil sie selber mal Deutsch gelernt haben und ein relativ hohes Bewusstsein für diese Aspekte haben. Und sie haben natürlich auch sehr viel Empathie für die Kinder, weil sie wissen, wie sich das anfühlt, wenn man so den ganzen Tag dann so in der Kita ist und ganz, ganz viel nicht versteht und wie ermüdend das auch ist und so weiter und so fort. Bei Muttersprachlern, das ist völlig unabhängig, in welcher Sprache das ist, ist das Sprachbewusstsein im Normalfall einfach nicht so hoch.

                    Und man macht sich viele Aspekte nicht so bewusst. Und da gibt es natürlich Tricks, wie man das machen kann. Ich würde gerne noch bei dem alltagsintegrierten noch einen Punkt zur Sprache bringen, weil das alltagsintegrierte Sprachfördern auch immer ganz viel voraussetzt, dass wir ein Sprachbad haben. Ein Sprachbad im Deutschen. Das Sprachbad ist für mich, wenn ich mich zurückerinnere an meine erste Grundschulklasse, wir waren 42 Kinder, die haben Deutsch gesprochen und dann kam Bilal aus der Türkei und das war das einzige Kind, das kein Deutsch gesprochen hat. Und Bilal hat in super, super Tempo hat der Deutsch gelernt und alle haben sich darum gekümmert, ihn unterstützt und so weiter.

                    Das ist einfach nicht mehr gegeben. Das ist in den Kitas, in den städtischen Kitas überwiegend nicht mehr gegeben. Das heißt, es gibt schon auch ein Sprachbad, aber es gibt nicht das deutsche Sprachbad.

                    Das heißt, die Kinder lernen jetzt nicht von den anderen Kindern das richtige Deutsch und deswegen dürfen wir uns darauf wirklich nicht mehr verlassen, dass das in den Kitas so passiert. Das ist ein wichtiger Punkt, da denkt man nicht dran. Da sagt man oft, wenn die Kinder in die Kita kommen, die lernen alle schnell Deutsch, aber dass da unter Umständen auch drei, vier, fünf, sechs brachen, daran denkt man nicht.

                    Was würden Sie denn sagen, was müssten die pädagogischen Fachkräfte, die Erzieherinnen anders machen, um die Kinder besser zu unterstützen?

                    Edgardis Garlin: Da gibt es auch verschiedene Aspekte. Zum einen, wie gesagt, müsste man natürlich, ist es wichtig, dass man sich so ein Sprachwissen aneignet. Das braucht auch ein bisschen Zeit, darüber muss man sich auch klar sein, dass es ein bisschen Zeit braucht, aber das ist auch nichts, was man so auf der anderen Seite, was man so nebenbei tut.

                    Bei vielen pädagogischen Fachkräften, die tatsächlich auch in der Sprachförderung eingesetzt werden und die interessanterweise dann auch nicht Deutsch als Erstsprache sprechen, haben wir zusätzlich die Situation, dass sich bisweilen auch Fehler einschleichen und damit sozusagen das Sprachvorbild auch nicht ganz so perfekt ist. Aber auch hier sehe ich eigentlich die Möglichkeit, dass man sich auch in dem Bereich verbessert. Also man muss wirklich an der eigenen Sprache kontinuierlich arbeiten, das ist das eine.

                    Das zweite ist, wir brauchen Interaktionszeit mit den Kindern. Also das Drama, es kommt ja zu allen Herausforderungen noch erschwerend dazu, dass wir in diesem Medienzeitalter leben, in dem sowohl Eltern als auch Kinder einen unheimlich hohen Medienkonsum haben, was dann dazu führt, dass es viel weniger Interaktionszeit gibt. Also wir lernen Sprache nur durch Interaktion.

                    Wir lernen Sprache nur damit, dass wir miteinander reden. Was anderes geht eigentlich nicht. Und man kann über Sprache was lernen, man kann Wörter lernen oder so, auch über Medien. Wir haben ja auch jetzt inzwischen eine App, wo man sowas machen kann. Aber um wirklich Sprache zu lernen und wie setze ich die richtig ein und so weiter, brauche ich Interaktionszeit. Und auch da wissen wir aus verschiedenen Studien, dass die Interaktionszeit zwischen PädagogInnen und Kindern im Durchschnitt, was habe ich gehört, also mit jedem Kind im Durchschnitt acht Minuten pro Tag beträgt. Und das ist ein Durchschnittswert, der zustande kommt aufgrund der Gruppengröße, aufgrund der Dinge, die alle zu erledigen sind und so weiter und so fort. Und dann ist aber noch nicht berücksichtigt, dass es sehr zurückhaltende Kinder gibt, die dann gar nicht auf ihre Kosten kommen. Also es braucht Interaktionszeit, und es braucht zwangsläufig eigentlich mehr Personal, aber wem sage ich das? Das brauche ich jetzt, glaube ich, nicht groß auszuweiten.

                    Und was ich noch finde, dass man sich auch nicht nur über das deutsche Gedanken macht, sondern auch über andere Sprachen. Also ich glaube, dass es wahnsinnig fruchtbar ist, wenn man die Erstsprachen der Kinder und der Familien mit einbezieht und dadurch sozusagen insgesamt eine Sprachatmosphäre schafft und dann auch mal so Sprachen miteinander vergleichen kann. Also wie heißt die Nase in der einen und in der anderen, der dritten Sprache und so weiter. Damit wird die Nase viel, viel präsenter, als sie vorher war. Oder sich auch mal irgendwie über andere Sprachen zu informieren. Wenn man merkt, dieses Kind benutzt nie einen Artikel, obwohl ich den doch immer reingebe, den Artikel.

                    Und dann stellt man fest, das Kind kommt vielleicht aus einer Sprache, wo der Artikel überhaupt keine Rolle spielt. Also klassisch ist es türkische. Und dass man letztendlich ja auch ohne Artikel sprechen kann im Deutschen und sich verständlich machen kann, ist ja auch klar.

                    Das habe ich auch schon in der Vorbereitung gelesen, dass die Wertschätzung der Muttersprache oder der Erstsprache sehr, sehr wichtig ist, um auch die Akzeptanz von der zweiten und dritten Sprache zu schaffen. Meinem Eindruck nach kommt es oft zu kurz. Und ich glaube, ich sage da jetzt auch nichts Falsches, wenn mein Eindruck ist, mein persönlicher, dass es auch eine Hierarchie der verschiedenen Sprachen gibt. Wenn ein Kind Englisch kann oder Japanisch, irgendeine dieser Prestigesprachen. Ob jemand Türkisch oder Georgisch oder Indonesisch kann, das wird überhaupt nicht richtig wahrgenommen. Und ich glaube, dass die Kinder sowas dann auch spüren.

                    Edgardis Garlin: Also das ist das eine, dass die Kinder und die Eltern das natürlich spüren. Das führt zum Beispiel auch dazu, dass Familien, die jetzt zum Beispiel mit einer Sprache kommen, die sie selber als unwichtig empfinden, weil es kleine Sprachgruppen sind oder weil es irgendwie hier sowieso niemand kennt oder wie auch immer, dass diese Eltern dann dazu tendieren, entweder Englisch mit den Kindern zu sprechen. Aber das Englisch ist dann auch kein gesundes Englisch, sage ich mal, indem sie einfach viele Konzepte, die man für die Sprache braucht, nicht vermitteln können.

                    Oder eben, und das wird ja bis heute immer noch propagiert von den Kitas aus oder auch von Kinderärzten oder so, bis heute, dass man sagt, sprechen Sie doch zu Hause Deutsch mit Ihrem Kind, damit es dann nicht so schwierig ist, wenn Sie dann im Kindergarten kommen, in die Schule kommen. Aber dass dieses Deutsch dann fehlerbeladen ist und dass sich diese Fehler fossilieren, also dass sie sich festigen und dann in der Kommunikation gar nicht wieder wegzubringen sind. Und wenn ich mir vorstelle, ich spreche nur Englisch mit meinen Kindern, wie viele Konzepte und Feinheiten ich nicht vermitteln könnte, in einem Englisch, das nicht schlecht ist.

                    Mein Englisch ist nicht schlecht. Und das braucht man für die Sprache. Und dann bleiben so viele Dinge, also Weltwissen, auf der Strecke.

                    Ich habe Flyer gesehen, die das BiVem anbietet. Das ist angesiedelt an dem ZAS. Leider kann ich die Akronyme nicht auflösen. Da stand drin, dass es überhaupt kein Problem ist, dass Kinder locker zwei oder drei Sprachen sprechen und lernen und verstehen können. Ich bin jetzt so ein bisschen skeptisch angesichts dieser vielleicht ein bisschen vereinfachten Aussage, angesichts dessen, was Sie jetzt erzählen, dass man diese Sprachbäder ja nicht in einer einheitlichen Sprache bekommt, sondern in vielen verschiedenen Sprachen an einem Tag und an einem Ort. Und dass man dann vielleicht doch nur häppchenweise was aufnehmen kann und dass sich dann die Sprachkonzepte auch vermischen und ein Kind das überhaupt nicht auseinanderhalten kann. Also wie im Türkischen, da gibt es keine Artikel und im Deutschen gibt es Artikel und im Englischen gibt es nur den neutralen Artikel. Wo ich dann denke, ist das wirklich so, wenn so viel auf ein Kind einstürmt in so vielen verschiedenen Sprachen, dass die das wirklich unproblematisch lernen können?

                    Edgardis Garlin: Es hängt total von der Interaktionsqualität ab. Total. Man sieht das schon in mehrsprachigen Familien, dass es sehr, sehr unterschiedlich ist, wie die Kinder dann sozusagen die zwei oder drei Sprachen, die in der Familie vertreten sind, lernen, annehmen, umsetzen, passiv oder aktiv haben und so weiter und so fort. Also ich stimme dem vollen zu, dass Kinder in der Lage sind, zwei oder drei oder sogar noch mehr Sprachen zu lernen in der Kindheit. Dem stimme ich voll zu.

                    Aber wenn ich jetzt quasi ein Kauderwelsch an Sprachen habe, dem ich ausgesetzt bin, völlig unkoordiniert, dann wird das zwangsläufig zu einer Pidgin-Sprache führen. Was ja also theoretisch auch okay wäre. Aber wie gesagt, in meiner Tätigkeit habe ich immer im Blick, dass diese Kinder ja in die Schule gehen müssen.

                    Und diese Schule akzeptiert diese Sprachen, diese Pidgin-Sprache dann nicht. Also es wäre ein anderes Thema sozusagen der monolinguale Habitus der Schule in der multilingualen Gesellschaft. Aber es ist so, wie sie es beschrieben haben. Es ist nicht easy going. Gar nicht easy going.

                    Wie können sich denn Erzieherinnen weiterbilden? Was empfehlen sie? Sie sagen, man braucht da Zeit für. Ich weiß gar nicht, inwieweit bei der Ausbildung der Erzieherin auch diese Frage des Zweitsprachenerwerbs eigentlich eine Rolle spielt. Sie schütteln den Kopf, sie scheint keine große Rolle zu spielen?

                    Edgardis Garlin: Ja, ich glaube, es ist nach wie vor unterschiedlich. Also meine Tochter hat gerade die Ausbildung zur Erzieherin absolviert und wir haben darüber gesprochen explizit. Und da war es definitiv so, dass es erstmal keine Rolle gespielt hat. Wobei das natürlich immer auch von den Auszubildenden abhängt, wie viel Vorwissen dort dann da ist.

                    Aber ich habe ja ein Sprachförderprogramm entwickelt oder eine Methode, sage ich eigentlich eher. Wir haben eine Methode entwickelt, die Kikus-Methode. Was wir sozusagen in unseren Fortbildungen machen, ist tatsächlich, dass wir für die Sprache sensibilisieren, auch für das leidliche Thema Grammatik, auch für das Thema Handlungsmuster, das im Großen und Ganzen überhaupt nicht ein Thema ist, wenn man über Sprachförderung spricht oder lernt. Also was wir wirklich denken, ist, dass heutzutage eine Sprachförderung in der Kleingruppe, eine gezielte Förderung in der Kleingruppe, die regelmäßig stattfindet, und das muss gar nicht so viel sein. Das kann, was wir machen, ist einmal in der Woche für eine Stunde.

                    Aber gut durchdacht, absolut spielerisch und bewusst machen, dass das ein wunderbarer Weg ist. Zum einen für die Kinder, die im Schutz dieser Kleingruppe von sechs bis acht Kindern sind. Zum anderen aber auch für die Person, für die Pädagogin, die dann sozusagen diesen Sprachkurs oder die Sprachförderung, die gezielte Förderung durchführt, weil sie dann wirklich nicht abgelenkt ist von tausend anderen Sachen im Alltag, sondern sich auf etwas vorbereiten kann und so peu à peu, Woche für Woche für Woche, ihr eigenes Sprachbewusstsein schulen kann und das dann umsetzt. Und wenn das dann in Fleisch und Blut übergegangen ist, wir sagen, das dauert ein bis zwei Jahre, wo man dann so 25 bis 30 Stunden mal gemacht hat und dann vielleicht noch ein zweites Jahr, je nachdem. Aber wenn das dann so in Fleisch und Blut übergegangen ist, dann kann man nämlich auch wunderbar die Situation im Alltag erkennen und dann so ein bisschen so drehen, dass man auch im Alltag die Sprachförderung machen kann. Ich finde das wichtig und ich finde, wir dürfen, also ich weiß, dass es auch sehr, sehr viele Fortbildungen gibt, wo man ganz viele Informationen auch rausgibt, aber die muss man doch erst mal anwenden, die muss man doch üben.

                    Man muss doch den Raum haben zu üben und den haben wir nicht mehr. Also wir kriegen Input und wir haben keinen Raum zu üben und dann vergessen wir es wieder und dann geht alles so weiter wie bisher. Und deswegen denke ich, dass dieser Schutz dieses Kurses, wie auch immer man das auch nennen möchte, aber dieser regelmäßigen Sprachförderung in der Kleingruppe, der hilft sowohl den Kindern, erfahrungsgemäß sehr gut, als auch den Leuten, die es durchführen.

                    Aber das ist ja tatsächlich auch eine schöne Situation, wenn dann beide gleichzeitig lernen.

                    Edgardis Garlin: Ja, ist es auch. Und es macht auch beiden Spaß, weil man überlegt sich halt vorher wirklich, was will ich machen, mit welchem Spiel, zu welchem Thema und so weiter und welche Sprache wird da genau gefördert. Und dann probiert man das aus und setzt es um. Und manchmal funktioniert es super und manchmal funktioniert es nicht so gut, aber es macht allen Spaß, weil es auch so gut vorbereitet ist. Unser Haupthandwerkszeug ist der Zaubersack und das finden nicht nur Kinder toll, das finden auch Erwachsene toll.

                    Ja, das ist doch schön. Ich könnte jetzt natürlich Sie auch noch mal fragen, wie Sie die Sprachförderprogramme, die in dem Bereich der Elementarbildung da kursieren, wie Sie die einschätzen. Aber Sie sind ja nun selbst Entwicklerin für eine Methode.

                    Edgardis Garlin: Als ich angefangen habe vor 25 Jahren, gab es ein paar Sachen, aber ganz, ganz wenig. Und es gab auch noch gar kein Material. Und nach der Veröffentlichung der ersten PISA-Studie 2000 erschossen Programme und Materialien und so weiter wie Pilze aus dem Boden. Und das war super, weil es inzwischen viele tolle Materialien gibt. Also ganz bunt querbeet irgendwie. Es gibt wirklich, wirklich, wirklich tolle Angebote.

                    Ich kenne tatsächlich nicht ein einziges weiteres Programm bis heute nicht, das systematisch die Erstsprachen der Kinder mit einbezieht. Und das ist ein wichtiger Faktor. Das hat nämlich nicht nur etwas mit Wertschätzung zu tun, sondern es ist auch so, dass wir immer, wenn wir eine weitere Sprache lernen, auf die vorhergehenden zurückgreifen.

                    Das ist eigentlich schade, wenn man es nicht systematisch tut, dass man sozusagen die Erstsprache versucht, mit einzubinden in das Ganze. Also ich komme aus dem Bereich der Linguistik und aus der Didaktik für Deutsch als Fremdsprache. Und es gibt halt, man merkt halt immer den Programmen an, aus welcher Ecke sie auch kommen.

                    Man merkt, wenn sie eher aus der pädagogischen Ecke kommen, dann gehen sie viel auf Interaktion, aber gucken nicht so viel irgendwie auf die Sprache. Dann gibt es so andere Programme, die kommen aus der Linguistik und sind dann wirklich super linguistisch und grammatisch fokussiert. Das hängt aber auch ganz oft damit zusammen, dass sie dann von Wissenschaftlern entwickelt wurden, die aber dann selber nicht in der Praxis gearbeitet haben. Und das ist ungesund, weil man muss die Dinge ausprobieren.

                    Und ich hole mir aus allen Programmen, alle, die mir über den Weg laufen, hole ich mir immer irgendwas raus. Aber ich denke, das ist jetzt auch noch mal sowas Besonderes bei Kikus, dass es wirklich zwar ein wissenschaftliches Fundament hat, aber wirklich in der Praxis konzipiert wurde, ausprobiert wurde und so weiter, sodass wir wissen, dass es einfach funktioniert.

                    Und natürlich die langjährige Erfahrung spielt da auch eine ganz entscheidende Rolle.

                    Ich war auch fasziniert, als ich gelesen habe, dass das schon auch in verschiedenen Ländern praktiziert wird und nicht nur in Deutschland. Das ist ja schon tatsächlich eine Karriere für so ein Programm. Ich möchte mich an der Stelle erst mal bedanken für dieses Gespräch, Frau Garlin, ich fand es ziemlich spannend. Wollten Sie noch irgendwas loswerden?

                    Edgardis Garlin: Es gibt eine Stelle, wo ich finde, dass auch sehr gute mehrsprachigkeitsdidaktische Aspekte beleuchtet werden und auch tolle Studien entstanden sind.Das ist nämlich an der Uni Hamburg unter Ingrid Gogolin. Da sind da ganz tolle Sachen entstanden und das würde ich gerne als Tipp noch mit auf den Weg geben. Dass man sich das auch mal anschaut. Die haben nämlich auch so eine Praxisseite mit dabei. Die machen tolle Sachen.

                    Wir haben das Interview für eine bessere Lesbarkeit geglättet.

                    Dieser Podcast steht unter der CC BY 4.0-Lizenz. Der Name des Urhebers soll bei einer Weiterverwendung wie folgt genannt werden: Christine Schumann für Deutscher Bildungsserver

                    28 min
                  • KI in der Schule - die Zukunft von KI-Tutoren
                    Neue Entwicklungen in der Künstlichen Intelligenz

                    Caroline Hartmann, verantwortliche Redakteurin für den Schulbereich beim Deutschen Bildungsserver spricht mit Leon Mächler von der Firma Ezri über die neuesten Entwicklungen im Bereich Künstliche Intelligenz (KI)  in der Schule und über die Zukunft von KI-Tutoren im Unterricht.

                    Im Interview beschreibt der ezri-Betreiber Mächler die neuen technischen Möglichkeiten für den Schulalltag in 10-15 Jahren, thematisiert die Arbeitserleichterungen, die interaktive KI-Tools für Lehrkräfte zukünftig bedeuten könnten, und hofft, dass der Einsatz von Künstlicher Intelligenz in der Schule zukünftig auch ein Schritt hin zu mehr Bildungsgerechtigkeit sein könnte.

                    Interview mit Leon Mächler
                    Lesefassung
                    Herr Mächler, könnten Sie uns einen kurzen Einblick in Ihren persönlichen Hintergrund geben – und wie Sie zur Künstlichen Intelligenz (KI) in der Schule gekommen sind?

                    Leon Mächler: Gerne. Ich heiße Leon Mächler, komme aus München und habe dort Ingenieurwissenschaften und später auch in Paris, Amerika und in der Schweiz Informatik studiert. In dieser Zeit fokussierte ich mich auf KI und ihre Anwendungsmöglichkeiten. Gemeinsam mit meinem Mitgründer entschied ich mich schließlich, die Technologie praktisch anzuwenden und gründete EZRI, um KI-basierte Lernhilfen zu entwickeln. Wir sahen eine große Chance, KI im Bildungsbereich zu nutzen, um echte Veränderungen herbeizuführen. Unser Ziel ist es, Bildungsgerechtigkeit zu fördern, indem wir SchülerInnen unabhängig von ihrem Hintergrund die beste Lernunterstützung bieten.

                    Hier geht’s zum Dossier des Deutschen Bildungsservers „KI in der Schule“ mit vielen weiterführenden Links.

                    Warum haben Sie sich entschieden, einen KI-Tutor zu entwickeln?

                    Leon Mächler: Die Idee entstand aus der Überzeugung, dass KI maßgeschneiderte Lernunterstützung bieten kann. Mein Co-Founder und ich waren begeistert von den Möglichkeiten, die KI- Tutoring bietet, um SchülerInnen individuell zu fördern.

                    Die größte Herausforderung besteht darin, die Technologie pädagogisch sinnvoll zu integrieren und sicherzustellen, dass sie qualitativ hochwertige Unterstützung bietet. Es ist wichtig, dass die Inhalte, die von der KI bereitgestellt werden, korrekt und überprüfbar sind.

                    Zukunft der KI in der Bildung
                    Wie sehen Sie die Entwicklung der künstlichen Intelligenz (KI) in der Bildungslandschaft? Was wird sich als Erstes verändern?

                    Leon Mächler: Zunächst können die einfacheren, leicht ersetzbaren Aufgaben durch KI übernommen werden wie Arbeitsblätter und das Erstellen von Texten und Zusammenfassungen sowie von Fließtext-Zeugnissen in unteren Klassen sowie Schülerbeurteilungen. Auch Korrekturen und Feedback-Generierungen sind hier möglich. Diese Phase ist der erste Schritt – das Pflücken der „niedrigen Früchte“. Aufgaben, die einfach zu automatisieren sind, werden durch KI erledigt.

                    Was passiert in der zweiten Phase?

                    Die zweite Phase ist die transformative Phase. Hier entstehen neue Möglichkeiten, die vorher nicht existierten. Zum Beispiel könnten SchülerInnen statt eines einfachen Vokabelarbeitsblatts ein interaktives Gespräch mit einem virtuellen Taxifahrer in London führen. Sie müssten dabei die gelernten Vokabeln anwenden, um sich zum Flughafen navigieren zu lassen. Diese Art der Aufgabenstellung bringt eine völlig neue Dimension in den Lernprozess, die durch KI ermöglicht wird.

                    Wie sehen solche Ansätze konkret aus?

                    Leon Mächler: Im Moment ersetzen KI-Tools einfache, repetitive Aufgaben. Der nächste Schritt wird sein, dass wir innovative Lernmethoden entwickeln. Dr. Philippa Hardman, eine führende Forscherin im Bereich KI und Bildung, betont oft: „Don’t copy bad practices.“ Das heißt, wir sollten nicht einfach bestehende Praktiken automatisieren, sondern die Technologie nutzen, um etwas völlig Neues und Besseres zu schaffen. Das ist der Weg, den wir einschlagen – hin zu neuen, bereichernden Lernmöglichkeiten, die durch KI ermöglicht werden.

                    Die Zukunft von KI-Tutoren
                    Ihre Expertise liegt darin, bestehende Lernmaterialien an maßgeschneiderte KI-Tutoren anzupassen. Was bedeutet das genau?

                    Leon Mächler: Unsere Aufgabe ist es sicherzustellen, dass die Antworten, die von KI-Tutoren gegeben werden, korrekt, pädagogisch wertvoll und überprüfbar sind. Dafür verwenden wir geprüfte Inhalte von Duden Learnattack, einer Tochterfirma von Cornelsen. Die Materialien, die dort von erfahrenen Lehrkräften erstellt und von Experten geprüft werden, sind von hoher Qualität. Diese verlässlichen Inhalte nutzen wir, um unsere KI-Tutoren zu trainieren und anzupassen. So gewährleisten wir, dass die KI fundierte und qualitativ hochwertige Antworten gibt.

                    Innovative Lerntechnologien und Entlastung von Lehrkräften
                    Welche KI-Tools werden Ihrer Meinung nach in 10 bis 15 Jahren in deutschen Schulen zum Standard gehören? Und wie wird dies das Schulsystem verändern – und wer wird dafür bezahlen?

                    Leon Mächler: Wenn ich optimistisch bin, dann glaube ich, dass in 10 bis 15 Jahren jede Schülerin und jeder Schüler einen personalisierten KI-Tutor haben wird, der sie beim Lernen unterstützt. Diese Tutoren werden die Lerngeschichte der Schülerinnen und Schüler kennen und sich darauf beziehen können. Lehrkräfte werden zudem durch KI-Assistenzsysteme unterstützt, die Lernfortschritte überwachen und darauf hinweisen können, wenn Schüler*innen bei einem Thema feststecken oder zusätzliche Motivation benötigen. Das Schulsystem wird dadurch interaktiver und individueller, wobei KI den Lehrkräften mehr Raum gibt, sich auf das Zwischenmenschliche zu konzentrieren. Wer für diese Systeme zahlen wird, ist eine entscheidende Frage. Zunächst werden solche Systeme außerhalb des regulären Schulbetriebs im Nachmittagsbereich erhältlich sein. Langfristig wird es jedoch notwendig sein, dass der Staat diese Technologie finanziert, um Bildungsgerechtigkeit zu gewährleisten und sicherzustellen, dass alle Schüler*innen Zugang zu diesen innovativen Lernmöglichkeiten haben.

                    Lehrkräftebildung im Bereich KI
                    Wie sollte Ihrer Meinung nach die Lehrkräftebildung im Bereich KI in den nächsten Jahren organisiert werden? Wo sollten die Schwerpunkte gesetzt werden?

                    Leon Mächler: Es wäre ein Fehler, sich hier nur auf Sprachmodelle zu konzentrieren, weil das gerade ein Hype ist. Lehrkräfte sollten zunächst die Basics kennen: die Gefahren von KI, wie man Fakes erkennt und welche Quellen vertrauenswürdig sind. Wichtig ist zudem, dass Lehrer*innen die grundlegenden technischen Konzepte wie neuronale Netze und maschinelles Lernen verstehen. Es wäre großartig, wenn jede Lehrkraft ein grundlegendes Verständnis für KI hätte, um fundiert entscheiden zu können, wie diese Technologien im Unterricht eingesetzt werden können. Dies könnte Deutschland auch die Möglichkeit geben, eine Vorreiterrolle in der Anwendung innovativer Technologien im Bildungsbereich zu übernehmen.

                    Zukunftsvision: Bildungsgerechtigkeit durch KI
                    Glauben Sie, dass der Einsatz von KI zu mehr Bildungsgerechtigkeit führen kann? Inwiefern könnten adaptive Lernprogramme hier helfen?

                    Leon Mächler: Absolut. Unser Ziel bei EZRI ist es, die Kluft zwischen Schüler*innen, die zu Hause Unterstützung bekommen, und denen, die keine Hilfe haben, zu schließen. Indem wir kostengünstige, aber hochwertige Lernalternativen schaffen, können wir dazu beitragen, diese Ungleichheit zu verringern. Ich bin überzeugt, dass die Länder eines Tages Landeslizenzen für solche Programme erwerben werden, sodass diese allen Schülerinnen und Schülern zugänglich sein werden. Das wäre ein großer Schritt hin zu mehr Bildungsgerechtigkeit.

                    Wir haben das Interview für eine bessere Lesbarkeit geglättet.

                    Dieser Podcast steht unter der CC BY 4.0-Lizenz. Der Name des Urhebers soll bei einer Weiterverwendung wie folgt genannt werden: Dr. Caroline Hartmann für Deutscher Bildungsserver

                    12 min
                  • Online-Angebote und Materialien für Deutsch als Zweitsprache im Beruf
                    Audio-Linkempfehlungen

                    Christine Schumann stellt Institutionen und Informationsseiten aus dem Pool des Deutschen Bildungsservers vor, die sich mit Berufssprachkursen und Onlinesprachkursen zu Deutsch am Arbeitsplatz beschäftigen. Dabei sind auch Empfehlungen für Webangebote, die sich mit der Anerkennung ausländischer Berufsabschlüsse und Kompetenzen für Flüchtlinge beschäftigen.

                    Unsere Tipps im Podcast

                    Sie unterrichten Deutsch als Zweitsprache, arbeiten in Unternehmen mit Geflüchteten oder Migranten und fragen sich, wie sie sie dabei unterstützen können, deutsch zu lernen, um schneller einen Job finden? Dann könnten diese Audio-Linkempfehlungen zu berufsbezogenem Deutsch interessant für Sie sein.

                    Guten Tag und herzlich willkommen bei Bildung auf die Ohren, dem Podcast des Deutschen Bildungsservers. Mein Name ist Christine Schumann. Ich möchte Ihnen heute einige Institutionen und Informationsseiten aus dem Pool des Deutschen Bildungsservers vorstellen, die sich mit Berufssprachkursen und Onlinesprachkursen zu Deutsch am Arbeitsplatz beschäftigen – und auch mit der Anerkennung ausländischer Berufsabschlüsse und Kompetenzen für Flüchtlinge. 

                    Arbeitsplatzbezogene, berufsbezogene und qualifizierende Materialien für DaZ-Lehrkräfte

                    Anfangen möchte ich mit der Fachstelle Berufsbezogenes Deutsch, die in Hamburg bei der passage GmbH angesiedelt ist. Mit der Geschäftsführerin Iris Beckmann-Schulz habe ich übrigens ein längeres Interview zum Thema berufsbezogenes Deutsch geführt, das auch im bildungsserverBlog aufgerufen werden kann. Die Fachstelle Berufsbezogenes Deutsch engagiert sich für die berufliche Weiterbildung und Integration von Migrantinnen und Migranten – indem sie vor allem ihre berufsbezogenen sprachlichen und kommunikativen Kompetenzen stärkt. Unter anderem gestaltet, begleitet und koordiniert die Fachstelle Weiterbildungen im Bereich „berufsbezogenes Deutsch als Zweitspracheunterricht – und sie unterstützt Betriebe bei der Entwicklung von Deutschkursen, die direkt an sprachliche Anforderungen am Arbeitsplatz anknüpfen.

                    Linkempfehlungen für DaZ-Material in der beruflichen Bildung
                    • Dossier Deutscher Bildungsserver: Deutsch für den Beruf. Berufssprachkurse
                    • Fachstelle „Berufsbezogenes Deutsch“: Arbeitsplatzbezogene, berufsbezogene und qualifizierende Materialien für DaZ-Lehrkräfte
                    • „lernox – Ankommen durch Sprache“: Kostenlose Lernkollektionen für den Deutschunterricht
                    • Goethe-Institut: Deutsch am Arbeitsplatz
                    • VHS-Lernportal für Deutsch als Zweitsprache, für Alphabetisierung und Grundbildung
                    • Deutscher Bildungsserver: Beschäftigungsperspektiven für Flüchtlinge: Plattformen, Sprachförderung, Publikationen
                    • Bundesamt für Migration und Flucht: Zugewanderte und Kursteilnehmende
                    • Außerdem finden sich auf der Website – und das ist an dieser Stelle ganz wichtig – viele arbeitsplatzbezogene, berufsbezogene und qualifizierende Materialien für DaZ-Lehrkräfte. Sie finden dort Empfehlungen zu Lehrwerken, konkretes Übungsmaterial, digitale Lehrangebote und Videos, aber auch Broschüren und Handbücher zu Didaktik und Methodik. Die Website der Fachstelle berufsbezogenes Deutsch ist eine wahre Fundgrube – wirklich gut!

                      „lernox – Ankommen durch Sprache“: Kostenlose Lernkollektionen für den Deutschunterricht

                      Ein anderes empfehlenswertes Angebot für DaZ-Sprachlehrkräfte ist „lernox – Ankommen durch Sprache“. In diesem Blog stellen zwei langjährige DaZ-Lehrerinnen Lernkollektionen für den Deutschunterricht zusammen – sie helfen dabei, Fachsprachen einfacher zu erlernen und den Berufseinstieg zu erleichtern. Die kostenlosen Lernkollektionen beziehen sich auf verschiedene Berufe, unter anderem auf das Friseurhandwerk, die Pflege, Gastronomie, Kfz-Berufe oder Gebäudereinigung. Und es gibt zusätzliches Material, mit dem auch Selbstlerner ihr Wissen auffrischen und vertiefen können.

                      Goethe-Institut: Deutsch am Arbeitsplatz

                      Über Angebote zu berufsbezogenem Deutsch kann man nicht informieren ohne auf das Goethe-Institut zu verweisen: Auf der Seite „Deutsch am Arbeitsplatz“ finden sich viele kostenfreie Online-Übungen und Materialien nach Berufsfeldern geordnet – zum Beispiel Büro, Handwerk, Soziales, Kultur, Dienstleistungen, Wissenschaft oder Technik. Alle Übungen dort richten sich übrigens direkt an die Deutschlernerinnen und -lerner.

                      VHS-Lernportal für Deutsch als Zweitsprache, für Alphabetisierung und Grundbildung

                      Auch das vhs-Lernportal bietet digitale Lernangebote für die Berufssprache Deutsch. Nachdem man sich kostenlos registriert hat, lädt man die App herunter und kann so jederzeit und überall Deutsch Lesen und Schreiben für den Beruf üben. Für angehende Pflegefachkräfte und Berufskraftfahrerinnen und -fahrer gibt es eigens entwickelte Übungen zu Fachwortschatz oder zum Ausfüllen und Verstehen von Dokumenten. Diese Selbstlern-Kurse können auch gut mit den Präsenzangeboten der örtlichen Volkshochschulen kombiniert werden oder Wartezeiten bis zum Beginn des nächsten Kurses überbrücken.

                      Deutscher Bildungsserver: Beschäftigungsperspektiven für Flüchtlinge: Plattformen, Sprachförderung, Publikationen

                      Deutsch für den Beruf lernt man ja nur, wenn man auch Aussicht auf einen Arbeitsplatz hat. Darum möchte ich Ihnen auch die Seite „Beschäftigungsperspektiven für Flüchtlinge: Plattformen, Sprachförderung, Publikationen“ beim Deutschen Bildungsserver vorstellen. Sie finden hier Informationen zu Tools wie „MySkills“ mit dem sie berufliche Kompetenzen sichtbar machen können – oder auch zum Konzept der aufeinander aufbauenden Teilqualifikationen. Auch zwei interessante Dossiers von „Überaus“ sind hier zu finden: Im Dossier zu Qualifikation und Arbeitsmarktintegration von Flüchtlingen werden aktuelle Informationen über rechtliche Regelungen, Konzepte und Analysen sowie praktische Beispiele von Beratungs- und Qualifizierungsprojekten für Flüchtlinge bereitgestellt. Und das Dossier „Sprache und Kultur in der Ausbildung“ befasst sich mit Problemen der Kommunikation, die zwischen Ausbildern und nicht-deutschsprachigen Auszubildenden auftreten können; mögliche Konfliktsituationen werden mithilfe von Filmsequenzen vorgestellt.

                      Bundesamt für Migration und Flucht: Zugewanderte und Kursteilnehmende

                      Und natürlich – auf keinen Fall zu vergessen – die Angebote des Bundesamts für Migration und Flucht: Die Seite „Zugewanderte und Kursteilnehmende“ bietet in fünf Sprachen – englisch, türkisch, russisch, französisch und arabisch – Informationen zu Sprachkursen, zu speziellen Angeboten für Frauen, Kinder und Jugendliche, jungen Menschen und Erwachsenen sowie Menschen mit Behinderung. Wenn vielleicht doch nicht jede und jeder ein passendes Angebot dort findet, einen ersten Wegweiser zum Deutsch lernen und zur Integration bietet diese Zusammenstellung allemal.

                      Alle hier vorgestellten Institutionen, Angebote und Tools finden Sie beim Deutschen Bildungsserver auf der Seite „Deutsch für den Beruf. Berufssprachkurse“.

                      Viel Spaß und Erfolg beim Stöbern!

                      Dieser Podcast steht unter der CC BY 4.0-Lizenz. Der Name des Urhebers soll bei einer Weiterverwendung wie folgt genannt werden: Christine Schumann für Deutscher Bildungsserver

                      6 min
                    • Internationale Kinder- und Jugendbücher bereichern das gesellschaftliche Miteinander
                      Dr. Christiane Raabe spricht über die Büchervielfalt in der Internationale Jugendbibliothek

                      Dr. Christiane Raabe, Direktorin der Internationalen Jugendbibliothek, spricht im Interview über die Geschichte der Bibliothek und gibt einen Einblick in den weltweiten Bestand von Kinder- und Jugendbüchern. Im Gespräch mit unserer Redakteurin Carolin Anda wird deutlich, wie gesellschaftliche Entwicklungen Einzug in Kinderliteratur finden und warum literaturpädagogische Angebote besonders wichtig sind, um Besucher*innen einen praktischen Zugang zum Bestand zu bieten.

                      Interessante Links zum Thema
                      • Die Internationale Jugendbibliothek
                      • Online-Katalog der Internationalen Jugendbibliothek
                      • Artikel zur Überwindung von Sprachbarrieren durch Bücher auf dem Portal „Lesen in Deutschland“
                      • Dossier im Deutschen Bildungsserver zur Leseförderung weltweit
                      • Dieser Podcast steht unter der CC BY 4.0-Lizenz. Der Name des Urhebers soll bei einer Weiterverwendung wie folgt genannt werden: Carolin Anda für Deutscher Bildungsserver

                        46 min
                      • Deutsch als Zweitsprache: Berufsbezogenes Deutsch
                        Interview mit Iris Beckmann-Schulz

                        In dieser Folge unserer Reihe „Deutsch als Zweitsprache“ geht es um berufsbezogenes Deutsch – also darum, wie es um den Zweitsprachenerwerb im beruflichen Kontext steht. Seit Januar 2024 werden anstelle der bisherigen Berufssprachkurse, auch BSK genannt, die sogenannten Job-BSK, also Job-Berufssprachkurse, angeboten. Sie sind Teil des vom Arbeitsministerium aufgesetzten Job-Turbos, der Geflüchtete schneller in den Arbeitsmarkt bringen soll.

                        Interessante Links zum Thema „Deutsch als Zweitsprache“
                        • Dossier „Deutsch für den Beruf. Berufssprachkurse„
                        • Fachstelle berufsbezogenes Deutsch
                        • Job-Turbo zur Arbeitsmarktintegration von Geflüchteten
                        • Verordnung über die berufsbezogene Deutschsprachförderung
                        • Deutsch am Arbeitsplatz – Informationen für Betriebe
                        • Dieser Podcast steht unter der CC BY 4.0-Lizenz. Der Name des Urhebers soll bei einer Weiterverwendung wie folgt genannt werden: Christine Schumann für Deutscher Bildungsserver

                          40 min
                        • Unterrichtsmaterialien zum Thema Europawahl
                          Audio-Linkempfehlungen

                          Caroline Hartmann stellt eine Auswahl an empfehlenswerten kostenlosen Unterrichtsmaterialien, Arbeitsblättern und Spielen zum Thema Europawahl 2024 vor, die sich besonders gut für den Einsatz in sozialkundlich-philosophischen Fächern eigenen.

                          Linkempfehlungen
                          • „Deutschland & Europa aktuell“ der Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg
                          • „Europawahlen 2024: Mach´s klar!“ – Grafik, Arbeitsblätter & Learning Apps – von lpb-bw.de
                          • Wahl-O-Mat der Bundeszentrale für politische Bildung
                          • Interaktive Games-Formate für Schülerinnen und Schüler ab der 10. Klasse zur anstehenden Europa-Wahl – von doppelstunde4.eu
                          • „Einfach wählen gehen!“ Themenheft in einfacher Sprache der Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg
                          • „Europa wählt. Das Heft zur Europawahl 2024“ der Bundeszentrale für politische Bildung
                          • „Europa-Wahl 2024“ – vom Staatsinstitut für Schulqualität und Bildungsforschung Bayern
                          • Im Dossier des Deutschen Bildungsservers finden Sie weitere digitale Unterrichtsmaterialien und Erklärfilme zur Europawahl 2024 und zu den Institutionen der Europäischen Union sowie deren Aufgaben: Thema Europa und EU – Arbeitsblätter und Unterrichtsmaterialien

                            Lesefassung

                            Herzlich Willkommen bei „Bildung auf die Ohren“, dem Podcast des Deutschen Bildungsservers. Mein Name ist Caroline Hartmann.

                            Vom 6. bis 9. Juni 2024 wird in den 27 Mitgliedstaaten der Europäischen Union das Europäische Parlament gewählt. Von den insgesamt 720 Abgeordneten werden immerhin 96 aus Deutschland kommen. Im Gegensatz zu einigen anderen EU-Ländern wird in Deutschland keine Sperrklausel gelten, was auch die Vertretung kleinerer Parteien im Parlament ermöglicht. Voraussichtlich werden bei der Wahl wieder Klima, Migration und Wirtschaft die zentralen Themen sein.

                            In Deutschland wurde das Wahlalter auf 16 Jahre gesenkt, das heißt, es werden also schon viele Schülerinnen und Schüler aus der 10. Klasse zur Wahlurne gehen dürfen. Umso wichtiger ist es auch, ihre erste Wahl in den sozialkundlich-philosophischen Fächern zu thematisieren. Dafür möchte ich Ihnen ein paar sehr gute kostenlose Materialien, Arbeitsblätter und Online-Spiele für Ihren Unterricht vorstellen, damit Ihre Schülerinnen und Schüler dann am 9. Juni gut informiert und selbstbewusst zur Wahl gehen können.

                            Ganz besonders möchte ich Ihnen hierfür die 20-seitige Sonderausgabe „Deutschland & Europa aktuell“ der Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg für Schülerinnen und Schüler ab Klasse 10 zu den bevorstehenden Europawahlen empfehlen. Mit ihren neun Themenbereichen bietet sie genügend Stoff für gleich mehrere Unterrichtsstunden und umfasst Wissenswertes zu den Wahlen sowie grundlegende Informationen zur Rolle und Funktion des Europäischen Parlaments.

                            Hier werden auch die zentralen Themen des derzeitigen Wahlkampfes thematisiert und dabei auch drängende Diskussionen wie die Bauernproteste, der mögliche EU-Beitritt der Ukraine und auch die Migrationspolitik der EU aufgegriffen. Passend dazu steht sowohl ein frei zugänglicher Schüler*innenraum mit interaktiven Anwendungen als auch ein Moodle-Raum für Lehrkräfte mit Tafelbildern, Materialien zur Differenzierung und Beispielklausuren zur Verfügung.

                            Bei der Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg finden Sie auch die sehr empfehlenswerte Publikation „Europawahlen 2024: Mach´s klar!“. Hier geht ein ganzseitiges Diagramm auf die Aufgaben und die Rechte des Europäischen Parlaments ein und veranschaulicht auch die Struktur der Europäischen Union. Dazu gibt es auch noch spezielle Arbeitsblätter zu den Fraktionen im EU-Parlament und zur Rolle der EU in weltpolitischen Geschehnissen sowie ein Quiz zur EU und zur Europawahl.

                            Wenn es die Zeit irgendwie erlaubt, sollte in Ihrem Unterricht auch der Wahl-O-Mat der Bundeszentrale für Politische Bildung zur Europawahl zum Einsatz kommen. Zumindest sollten Sie diesen Ihren wahlberechtigten Schülerinnen und Schülern unbedingt ans Herz legen. Hier können die Jugendlichen ihre eigenen Standpunkte mit denen der 35 Parteien, die zur Wahl antreten, vergleichen und so sehen, welche von diesen ihre eigenen Vorstellungen und Wünsche am ehesten vertreten könnte.

                            Auf dem vom Berliner Senat geförderten Portal doppelstunde4.eu finden Sie zudem zwei interaktive Games-Formate zur anstehenden Europa-Wahl für Schülerinnen und Schüler ab der 10. Klasse mit Informationen zur Vorbereitung der Doppelstunde, Unterrichts- und Begleitmaterial zum Download sowie einem Methodenkoffer mit weiterführenden Ideen.

                            Sollten Sie nach Materialien in einfacher Sprache suchen, kann ich Ihnen die jeweiligen Hefte der Bundezentrale für politische Bildung und der Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg sehr empfehlen. Diese erklären in leichter Sprache das Europäische Parlament, das Wahlsystem der EU und den diesjährigen Wahlablauf und weist auf die Bedeutung der Demokratie und der Europäischen Union hin. 

                            Auch das bayerische Staatsinstitut für Schulqualität und Bildungsforschung stellt Themen-Bausteine zur Europawahl bereit, die von Lehrkräften aller Schularten unmittelbar im Unterricht eingesetzt werden können. Diese haben zum Ziel, Schülerinnen und Schülern grundlegende Informationen zum Wahlgang zu vermitteln und sie damit zu befähigen, an der Wahl zum Europäischen Parlament teilzunehmen. Neben der wichtigen Frage nach der Motivation der Jugendlichen, zur Wahl zu gehen, beschäftigten sich die Materialien mit dem Europaparlament, den Wahlrechtsgrundsätzen sowie dem Ablauf der Europawahl.

                            Ich würde mich sehr freuen, wenn Sie die Zeit fänden, einmal in ein oder zwei dieser tollen kostenlosen Angebote hineinzuschauen und Ihren Schülerinnen und Schülern die Bedeutung der anstehenden Europawahlen ein wenig näherbringen zu können.

                            Dieser Podcast steht unter der CC BY 4.0-Lizenz. Der Name des Urhebers soll bei einer Weiterverwendung wie folgt genannt werden: Dr. Caroline Hartmann für Deutscher Bildungsserver

                            6 min
                          • Materialien für den DAF/DAZ-Unterricht in der Schule
                            Audio-Linkempfehlungen

                            Im Rahmen unserer Podcast-Reihe „Deutsch als Zweitsprache“  stellt Caroline Hartmann eine Auswahl an empfehlenswerten kostenlosen Unterrichtsmaterialien für den Bereich Deutsch als Zweitsprache  bzw. Deutsch als Fremdsprache bereit, die sich besonders gut für den Einsatz in den Willkommensklassen in der Grundschule und in der Sekundarstufe eignen.

                            Unsere Tipps im Podcast

                            Herzlich Willkommen bei „Bildung auf die Ohren“, dem Podcast des Deutschen Bildungsservers. Mein Name ist Caroline Hartmann.

                            Das Erlernen der Landessprache ist der Schlüssel zur erfolgreichen Integration, zur persönlichen Weiterentwicklung und zur Teilnahme am gesellschaftlichen Leben. Viele Bundesländer haben Deutsch als Zweitsprache bzw. Deutsch als Fremdsprache daher auch in ihre jeweiligen Rahmenpläne aufgenommen.

                            Dazu möchte ich Ihnen ein paar ausgewählte, besonders empfehlenswerte kostenlose Materialien für Ihren Unterricht vorstellen, die sich auch sehr gut für den Einsatz in den Willkommensklassen in der Grundschule und in der Sekundarstufe eignen. Dazu möchte ich Ihnen gerne auch noch ein paar zusätzliche Portale und Apps für Ihre Lernenden ans Herz legen, mit denen diese dann auch selbständig lernen können.

                            Linkempfehlungen für DaZ-Material in der Schule
                            • Deutschlern-App für Kinder (5 bis 8) mit zusätzlichen Unterrichtsmaterialien – von deutsch.info
                            • DAZ- Unterrichtsmaterial für die Grundschule – vom Sailer Verlag
                            • Digitale Materialien für Sprachanfänger – vom Buch Verlag Kempen
                            • Deutschlern-App des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge
                            • Mit Vergnügen Deutsch üben – Angebote des Goethe Instituts
                            • „Nicos Weg“ – mobiler Deutschkurs der Deutschen Welle
                            • Zum Dossier des Deutschen Bildungsservers „Materialien für den Unterricht Deutsch als Zweitsprache und Deutsch als Fremdsprache“

                              Deutschlern-App für Kinder (5 bis 8) mit zusätzlichen Unterrichtsmaterialien – von deutsch.info

                              Passend zu seiner kindgerechten Sprachlern-App Dandelin mit Spielen, Liedern, Videos und Aufgaben mit Belohnungssystem für Kinder im Alter zwischen 5 und 8 stellt das Portal deutsch.info kostenlose Unterrichtsmaterialien mit vielen Arbeitsblättern und Audio- und Videodateien für den direkten Einsatz im Kindergarten und im schulischen DaF/DaZ-Unterricht bereit.

                              DAZ- Unterrichtsmaterial für die Grundschule – vom Sailer Verlag

                              Auch auf dem Portal des Sailer Verlags finden Grundschullehrkräfte tolle Unterrichtsmaterialien für den Bereich Deutsch als Zweitsprache zum kostenlosen Download. Hier können Lehrkräfte zwischen verschiedenen Bildergeschichten, Liedern, Arbeitsblättern und Audio-Dateien zu den Themen Zahlen, Schule, Essen und Freundschaften wählen.

                              Digitale Materialien für Sprachanfänger – vom Buch Verlag Kempen

                              Weitere kostenlose Online-Materialien erhalten Sie auch auf dem Portal des Buch Verlags Kempen. Durch die starke Bildunterstützung, zum Beispiel durch Bild-Lernwörter, soll hier der Einstieg in die deutsche Sprache erleichtert werden. Die Themen beinhalten vor allem grundlegenden Wortschatz zu Farben, Kleidung, Körper, Uhrzeiten und anderen Alltagsthemen.  

                              Deutschlern-App des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge

                              Für die etwas älteren Lernenden präsentiert das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge die App „Angekommen“ für Deutschlernende und auch das Goethe-Institut bietet eine große Auswahl an kostenlosen Medien für das Erlernen der deutschen Sprache an: Hier finden Sie Apps mit Lernmaterial, Videos, Podcasts und Spiele sowie Hinweise zu Social Media- und Community-Programmen.

                              „Nicos Weg“ – mobiler Deutschkurs der Deutschen Welle

                              Zudem ist „Nicos Weg – ein mobiler Deutschkurs im Unterricht“ ein sehr schönes Angebot der Deutschen Welle und sowohl für Lehrende als auch für engagierte Lernende zu empfehlen. Unterstützend zu dem umfassenden mobilen Online-Kurs wird auf dem Portal der Deutschen Welle auch ein Arbeitsbuch mit vielen spielerischen Übungen zu Wortschatz, Landeskunde und Grammatik sowie Lehrerhandreichungen zum kostenlosen Download zur Verfügung gestellt.

                              Ich hoffe, diese verschiedenen Materialien helfen Ihnen bei der Unterrichtsvorbereitung und erleichtern vor allem auch Ihren Schülerinnen und Schülern nicht nur das Erlernen der deutschen Sprache, sondern vor allem auch die Integration und die Teilnahme am gesellschaftlichen Leben.

                              Dieser Podcast steht unter der CC BY 4.0-Lizenz. Der Name des Urhebers soll bei einer Weiterverwendung wie folgt genannt werden: Dr. Caroline Hartmann für Deutscher Bildungsserver

                              4 min

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