Bildung auf die Ohren

Bildung auf die Ohren

By Deutscher BildungsserverEducation
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Bildung auf die Ohren episodes

  • Jahresrückblick 2024 - OERinfo
    OERcamp und OER World Map, Communitay Building und Nutzerfreundlichkeit
    Podcast zum Jahreswechsel

    Das Team von OERinfo – das sind übrigens Susanne Grimm, Angela Karnoll, Johannes Appel, Shahla Rasulzade und Nora Gossmann – hat sich 2024 zusammengesetzt und lässt das Jahr 2024 Revue passieren. In einem längeren Gespräch tauschen sie sich über die der vergangenen Quartale aus und wagen kleine Einblicke in 2025. Größer werden die Einblicke in einer eigenen Folge, die Anfang 2025 produziert wird; da nimmt das Team dann die OER-Meilensteine des kommenden Jahres in den Blick.

    Links zu den Themen dieser Folge
    • OERinfo geht weiter! Langfristige Förderung bis 2028
    • OERinfo
    • OER World Map
    • Die OER World Map ist wieder erreichbar / The OER World Map is back online
    • Stöbern, suchen und filtern leicht gemacht: Die OER World Map hat eine neue Benutzeroberfläche
    • OERinfo-Fachtag
    • ErklOERvideos (Blog / Youtube)
    • OERcamp 2024
    • Das Programm zum #OERcamp 2024: Drei Fragen an OERcamp-Gründer Jöran Muuß-Merholz
    • 5 OER-Portale kennenlernen in unter 10 Minuten – Best of OERcamp 2024
    • Chancen von KI für offene Bildungsmaterialien – Best of OERcamp 2024
    • 10 Jahre Bündnis Freie Bildung – Best of OERcamp 2024
    • Website zur OER-Strategie und Förderung der OE_COM-Projekte gestartet
    • OER-Festival 2024 (Website / Zusammenfassung) 
    • Was ist das OER-Festival 2024? Im Videointerview mit Frank Homp
    • 3. UNESCO OER World Congress
    • OER- & IT-Sommercamp 2024
    • Lesefassung

      Sprecher*innen: Susanne Grimm [SG], Johannes Appel [JA], Angela Karnoll [AK], Shahla Rasulzade [SR], Nora Goßmann [NG]

      [SG] Ja, hallo und herzlich willkommen zum Podcast zugehOERrt, Folge 110. Schon wieder neigt sich ein Jahr dem Ende zu. Das heißt, dass unser Jahresendpodcast wieder ansteht, auch wenn uns als OERinfo-Team unsere Jahresendklausur tatsächlich immer noch bevorsteht.

      Trotz alledem wollen wir das Jahr für euch schon einmal Revue passieren lassen und sprechen über die Highlights aus unseren jeweiligen Arbeitsbereichen. Wir sprechen aber auch, wie im letzten Jahr schon, nicht nur über Vergangenes, sondern wagen auch einen Ausblick auf einzelne Meilensteine für 2025. Wir, das sind:

      [AK] Angela Karnoll, Content Management;

      [JA] Johannes Appel, Community Building und Community Mapping;

      [SR] Shahla Rasulzade, System-Architektin;

      [NG] und Nora Goßmann, ich bin eine fleißige Werkstudierenden-Biene.

      [SG] Genau, ich bin Susanne Grimm, Koordination, Community Building und OER World Map.

      Nora, du bist erst dieses Jahr zu uns gestoßen. Wir hatten uns ja im vergangenen Podcast schon vorgestellt. Aber wie gesagt, du bist erst dieses Jahr zu uns gestoßen und deswegen würde ich dich ganz gerne bitten, dass du dich einmal kurz vorstellst.

      [NG] Ja, ich bin die Werkstudi-Biene, studiere im Master Soziologie, bin damit jetzt auch bald fertig und arbeite jedem von euch sehr individuell zu, was ganz, ganz, ganz spannend ist.

      [SG] Wunderbar, und wir sind, das möchte ich an der Stelle gerne betonen, sehr froh über deine Unterstützung. Du arbeitest wirklich allen Teilbereichen zu, was uns tatsächlich sehr unterstützt. Wir haben gesagt, wir wollen einen Rückblick wagen auf die Meilensteine des noch nicht ganz vergangenen Jahres 2024 und wollen uns dieses Mal an den Quartalen orientieren, Quartal eins, zwei, drei, vier. Ich persönlich kann mich an das Quartal eins tatsächlich nicht mehr erinnern. Wahrscheinlich war ich da noch im Winterschlaf. Wie sieht es bei euch aus? Angela, Johannes, könnt ihr euch an das ein oder andere Highlight im Quartal eins erinnern?

      [AK] Ich würde den Ball jetzt einfach mal aufgreifen. Ich bin ja letztes Jahr erst im September dazugekommen und hatte so ein bisschen bis Ende des Jahres, ja, noch ein bisschen Narrenfreiheit, sage ich mal. Und dann im Januar ging es dann direkt los, oder beziehungsweise kam dann immer mehr Arbeit auf mich zu. Und zum Beispiel für mich jetzt als Content Managerin war ein Meilenstein, dass wir uns von Facebook verabschiedet haben und Mastodon als neuen Social-Media-Kanal hinzubekommen haben. In dem Zuge haben sich meine Aufgaben so ein bisschen verschoben, denn als Nora dann kam, hat sie sehr viel Arbeit, was Social Media angeht, übernommen. Ich denke, da wird sie gleich dann auch noch was dazu sagen. Aber auch eines meiner Highlights war tatsächlich im März dann mein erstes OERcamp, zu dem ich fahren durfte. Ich war ja dort dann eben als Newbie. Ich habe zwar von dir, Susanne, schon einiges gehört gehabt, aber es ist ja doch immer noch was anderes, wenn man dann selbst dort ist. Und genau, also mir hat das wirklich super viel Spaß gemacht. Und es hat mir vor allen Dingen auch geholfen, viel zu netzwerken, auch die Big Player in der OER-Community kennenzulernen, weil ja doch sehr viele Leute dann auch dort waren, die man jetzt schon mal irgendwie in einem Bericht gelesen hat oder von denen man jetzt mal einen Blogbeitrag schon gelesen hatte. Und die dann dort vor Ort zu treffen, fand ich total super. Auch die Atmosphäre hat mir einfach sehr gut gefallen. Es ist natürlich schade, dass du, Johannes, zu dem Zeitpunkt aufgrund des Bahnstreiks leider nicht mitkommen konntest.

      [JA] Ja, das war natürlich sehr schade, weil das wäre auch mein erstes OERcamp gewesen.

      Das konnte ich ja dann zum Glück jetzt im Herbst vor kurzem nachholen. Da kommen wir bestimmt noch dazu. Ja, war schade, aber dafür hatte ich Anfang des Jahres ein anderes schönes Erlebnis oder ein anderes To-Do, was auch eine schöne Erfahrung war. Tatsächlich habe ich eine Podcast-Folge aufgenommen, die habe ich produziert. Das war ein bisschen so ein wissenschaftliches Thema. Wir sind da so ein bisschen unserem Auftrag des Transfers nachgekommen und haben da ein Systematic Review besprochen, gemeinsam mit zwei Gästen, Magdalena Spaude und Daniel Otto. Und die Folge habe ich eben vorbereitet und gemacht mit unseren Gästen. Das war toll. Das hat Spaß gemacht und ich glaube, das kam auch ganz gut an und war für mich eine schöne Erfahrung, weil zum ersten Mal die Arbeit mit dem Format, das war so für mich so ein Highlight im ersten Quartal.

      [SG] Shahla, wie bist du in das Jahr 2024 gestartet? Was waren deine ersten Aufgaben?

      [SR] Ja, letztes Jahr haben wir uns darauf konzentriert, die technischen Herausforderungen der OERinfo-Plattform zu identifizieren und zu analysieren. In diesem Jahr sind wir in die Lösungsphase eingetreten und haben diese Probleme direkt in Angriff genommen. Obwohl wir einige davon erfolgreich gelöst haben, liegt noch eine Menge Arbeit vor uns. Neben den Backend-Problemen haben wir uns auch auf die Neugestaltung der Benutzeroberfläche der Plattform konzentriert, um die Benutzerfreundlichkeit zu verbessern.

      [SG] Wunderbar. Und dann sind wir auch schon im Quartal zwei. Da ist Nora zu uns gestoßen. Nora, was waren so deine ersten Eindrücke und deine ersten Aufgabenbereiche?

      [NG] Meine ersten Eindrücke waren sehr, sehr komplex, weil das Phänomen erst mal von mir verstanden werden musste, das Phänomen OER. Johannes hat mich da hervorragend eingearbeitet, hat mir ganz, ganz viel gezeigt, viele Links geschickt. Ich habe mich vor allem auch durch die Projekt-Webseite durchgearbeitet. Und anschließend hast du mir, Angela, Angela sag ich schon, Susanne, verschiedene Aufgaben zur OER World Map gegeben. Und ich habe im Prinzip einen Art User-Test gemacht, in dem ich geguckt habe, welche Funktionen funktionieren, welche Funktion hat die OER World Map, inwiefern sind die Formulare entsprechend so der Sprache. Und das war sehr, sehr spannend, weil ich damit eben die OER World Map sehr gut erschlossen habe für mich. Und dann habe ich angefangen, Projekte anzulegen. Dann habe ich angefangen, verschiedene Services einzutragen. Und ja, das war so der erste, der erste große Arbeitsschritt und Arbeitsbereich, in dem ich mich aufgehalten habe.

      [SG] Die OER World Map, das ist auch tatsächlich der Meilenstein, mein Jahresmeilenstein gewesen. Das ist auch das Erste, woran ich mich erinnern kann im Jahr. Das war der Relaunch der OER World Map. Ihr wisst es alles, die OER World Map ist seit Mai wieder online. Und den Relaunch konnten wir dann auch passend am 15./ 16. Mai im Rahmen der „OER im Blick“ bewerben. Vorausgegangen sind natürlich viele Gespräche mit vielen zentralen, vor allem internationalen Playern. Eine davon ist natürlich die UNESCO OER Dynamic Coalition, die die OER World Map mittlerweile tatsächlich als Partner aufzeigt auf ihrer Website. Wir sind in intensiven Gesprächen auch mit OE Global, sprechen da insbesondere über eine automatisierte Datenübertragung in Bezug auf die OE Global Awards, die ja auch schon seit langer Zeit in der OER World Map gesammelt werden und die wir ja komplettieren möchten.

      Genau, und bevor wir den Relaunch beworben haben, hattest du, Nora, die Aufgabe, die OE_COM-Projekte, die OE_COM-Richtlinie, Förderrichtlinie und die OER-Strategie in die OER World Map zu übertragen und sie zu verknüpfen.

      Was ich im Quartal zwei tatsächlich auch noch in Erinnerung habe, ist der Rahmen, in dem wir den Relaunch beworben haben. Das ist die „OER im Blick“, ich habe es schon genannt. Das ist die Statuskonferenz des DLR-Projektträgers, der sowohl OERinfo als auch die OE_COM-Projekte begleitet. Und warum ich die „OER im Blick“ noch so gut in Erinnerung habe, ist, weil ich damals, also vor einem halben Jahr ungefähr, super beschwingt aus dieser Veranstaltung herausgegangen bin. Das hat sicherlich auch mit den Inhalten zu tun, keine Frage. Aber woran ich mich tatsächlich noch gut erinnern kann, ist, dass der DLR-PT, sehr viel Mut bewiesen hat, meiner Meinung nach, in der Wahl der Venues. Die Veranstaltung fand am Abend des ersten Abends statt im Museum Experimenta. Der Abend war ausgelegt ausschließlich auf den Austausch der Teilnehmenden. Die Veranstaltung selbst fand dann statt im Kunstverein Familie Montez. Und an dem Tag hat es Nele Hirsch tatsächlich ganz treffend formuliert. Sie meinte: „Viele, viele anregende Gespräche, wenn da nicht ständig diese Beiträge dazwischenkommen würden.“ Angela, du warst auch mit dabei auf der „OER im Blick“. Wir haben damals gemeinsam OERinfo und die OER World Map präsentiert. Wie hast du die Veranstaltung wahrgenommen?

      [AK] Ich kann da eigentlich nur zustimmen. Ich fand das auch total interessant, weil das irgendwie ganz anders war als das OERcamp. Aber ich fand das auch, also die Wahl des Ortes fand ich auch total interessant, weil das hat man irgendwie einfach nicht erwartet oder ich persönlich habe das nicht erwartet. Und genau, also wir haben uns ja da auch so ein bisschen was dann für unseren Fachtag abgeguckt, wo wir später dann auch drauf eingehen werden, denke ich. Also gerade Johannes wird dann ein bisschen mehr dazu erzählen. Aber genau, was ich total toll fand, ist, obwohl ich auch die Location sehr schön fand, haben sie aber auch das Areal außerhalb noch mit einbezogen. Und zwar wurde die Pause so ein bisschen aktiv gestaltet. Also es war trotzdem eine Pause, aber wir konnten dann am Osthafen unten entlang, hier in Frankfurt, entlanglaufen und hatten ja, wie soll ich das sagen, da waren dann ganz viele einzelne Schilder aufgehangen und dort waren eben Fragen oder Statements zu OER. Am Abend vorher wurden eben schon Ideen oder Kommentare zu diesen Fragen oder Statements gesammelt. Und die konnte man sich dann eben während dieser aktiven Pause durchlesen. Und das hat mir sehr, sehr gut gefallen, weil dadurch ist man nämlich auch super gut ins Gespräch gekommen. Also ich erinnere mich noch, ich bin alleine losgezogen, aber man hat dann schnell andere Leute eingeholt oder beziehungsweise andere Leute kamen dann hinzu. Und so sind wir dann, bin ich mit vielen Leuten einfach so ins Gespräch gekommen. Das war so ein richtig offener Austausch, der jetzt vielleicht, wie du auch schon gesagt hast, in einem Rahmen von einem Vortrag eigentlich eher weniger stattfindet. Und das fand ich sehr, sehr gut. Und genau das ist ja, wie gesagt, dann auch in unseren Fachtag ein bisschen eingeflossen, diese Idee. Da wird Johannes wahrscheinlich nachher noch was dazu sagen.

      [SG] Genau, diese Abendveranstaltung und der Walk in the Park am zweiten Tag hat uns alle sehr inspiriert. Aber wie sieht es denn, wie sah es denn bei den anderen aus? Wir waren zusammen auf der „OER im Blick“, der Rest des Teams musste leider zu Hause bleiben. Was habt ihr denn so im Quartal drei alle gemacht?

      [AK] Im zweiten, meinst du, oder?

      [SG] Ja.

      [JA] Ja, also ich habe noch mal auf anderer Ebene ein bisschen was erlebt im Quartal zwei, aber mit dir zusammen, Susanne, auch wenn das vielleicht nicht mehr so in der Erinnerung im Vordergrund steht, wie diese großen Events.

      Ich habe Susanne unterstützt bei der Durchführung von Workshops, sowohl öffentliche, zusammen mit dem Deutschen Schulportal, als auch interne Veranstaltungen für verschiedene Institutionen. Das war so der Bereich Kompetenzentwicklung OER, aber das hatte auch eine Community-Building-Komponente, weil es auch um neue Leute ging oder Leute, die Interesse hatten und ein bisschen tiefer eintauchen wollten in das Thema OER. Und das war eine ganz tolle Erfahrung, weil das eben eine Basisarbeit im Prinzip mit Leuten war, die direkt wirklich so hands-on waren und ganz konkrete Bedürfnisse im Suchen, Erstellen, Publizieren oder Remixen oder wie auch immer von OER hatten. Und das war eine gute Erfahrung, um da einfach mal aus verschiedenen Perspektiven auch, das waren Akteure, Akteurinnen aus verschiedenen Arten von Institutionen, da mal so einen Einblick zu kriegen in ihre Bedarfe und Bedürfnisse, was sie so umtreibt zum Thema OER. Insofern war das auch, ja, das war ganz spannend und hat total Spaß gemacht.

      [SG] Genau, diese Workshops, die führen wir tatsächlich schon seit einiger Zeit durch. Das ist eine Workshop-Reihe, die sich im Laufe der Zeit in der Zusammenarbeit zwischen Luca und mir entwickelt hat, die wir fortlaufend weiterentwickeln. Durch die Impulse, die du, Johannes, beigesteuert hast, haben wir diese Reihe ja auch ausweiten können, unter anderem zum Beispiel auf das Thema Metadaten. Und wir haben diesen Workshop tatsächlich, ich meine es wäre dann aber schon im Quartal drei gewesen, zusammen in Kooperation mit dem Deutschen Schulportal einmal durchgeführt. Wir hatten unsere Erfahrungen gesammelt mit unterschiedlichen kleineren Gruppen und dachten uns, es wäre langsam mal an der Zeit, auch mit einem starken Kooperationspartner das durchzuführen. Dem vorausgesetzt war dann ein Impulsvortrag. Und wie stark das Deutsche Schulportal als Kooperationspartner tatsächlich ist, zeigte sich dann an den Anmeldezahlen. Wir hatten für den Impuls Sage und Schreibe 180 Anmeldungen. Und der Workshop war auch ausgebucht mit 60 Teilnehmenden. Viele der Teilnehmenden sind auch bis zum Schluss drangeblieben. Das ist sicherlich im Alltag von Lehrkräften auch nicht immer einfach, aber viele sind bis zum Schluss, bis zur Produktion und Verbreitung in Verbindung mit dem Thema Metadaten mit dabeigeblieben. Und weil diese Workshop-Reihe dann letzten Endes auch so positiv aufgenommen wurde von den Teilnehmenden, möchten wir die im kommenden Jahr zweimal, jeweils im Halbjahr, wiederholen. Aber das wären ja jetzt schon die Meilensteine für 2025.

      Q3, da fällt mir natürlich der OERinfo-Fachtag ein. Klar, gab es noch andere Dinge, die euch da in Erinnerung geblieben sind? Also ich weiß, dass wir kurz vor dem Fachtag tatsächlich unseren Call, den wir momentan mit OE_COM, also das ist der Call für die Projekte unter der OE_COM-Förderrichtlinie, aufgesetzt haben.

      Der startete noch vor dem OERinfo-Fachtag und entwickelte sich jetzt in den letzten Monaten. Johannes?

      [JA] Ja, ich hätte noch was, das war noch im Spätsommer. Bevor der Vorbereitungsstress, aber Positivstress, das nennt man Eustress, Distress ist der negative, das war Eustress definitiv, bevor der Vorbereitungsstress für den Fachtag begonnen hat, hatte ich die Ehre, zur European Conference on Educational Research zu fahren, nach Nicosia auf Zypern und da die ersten Ergebnisse des Systematic Mappings vorzustellen. Das ist eine wissenschaftliche Tagung, wie die meisten wissen und das war total ertragreich, auch vom Feedback und von den Diskussionen mit den Teilnehmenden her und war eine tolle Gelegenheit, da auch OERinfo zu vertreten. Wie gesagt, hat mich sehr gefreut, das tun zu dürfen und war natürlich auch ein toller, interessanter Trip an sich, zu dem Ziel an sich. Aber auch die Tagung, die ja wirklich riesig groß ist, ich glaube knapp 2000 Teilnehmende aus ganz Europa oder der ganzen Welt waren da, war auch eine tolle Erfahrung. Also das war nochmal so ein kleiner großer Meilenstein am Ende des Sommers meinerseits.

      [NG] Ich habe den nächsten Bereich für mich erschlossen, und zwar habe ich enger mit Angela zusammengearbeitet und habe viel, viel Arbeit in die Social-Media-Kanäle fließen lassen. Ich habe mich erst mal angenähert durch Eintragungen in den Veranstaltungskalender, der ja wirklich ein ganz wertvoller, eine kleine wertvolle Perle vom OERinfo-Projekt ist, weil dort eben ganz schön abgebildet ist, welche Veranstaltungen es zum Thema OER gibt. Und dann habe ich von dort aus dann meiner Kreativität freien Lauf gelassen, habe mich viel mit Instagram beschäftigt, habe Fotos mit Canva erstellt, habe Infografiken erstellt. Der Newsletter hat ein neues Design bekommen in Instagram, aber auch mit Mastodon und X habe ich mich viel beschäftigt und Angela da unter die Arme gegriffen. Und ja, ich bin da regelmäßig immer noch zugange, habe da auch große Freude dran und ja, finde die Projektfarben auch super schön. Da gibt es viel, viel, viel, was ich dazu gemacht habe: Save the Dates, wir haben die Sommerpause, alles haben wir optisch schön gestaltet.

      Dann ging es auch schon in Richtung Vorbereitung auf den OERinfo-Fachtag, der auch super, super spannend war. Und ich würde den Ball auditiv mal zur Angela werfen. Sie hat ihn gefangen.

      [AK] Genau, vielen Dank. Nee, ich würde da nur noch ganz kurz anknüpfen wollen, weil so war das auch, also mein Sommer sah auch so aus, dass wir eben sehr viel zusammengearbeitet haben, uns Gedanken gemacht haben: Was können wir noch auf unseren Social-Media-Kanälen streuen? Und du hattest das Stichwort Newsletter auch angesprochen. Da fällt mir ein, ja, den haben wir auch inhaltlich ein bisschen umstrukturiert. Also der erscheint jetzt auch zweimal -, alle zwei Monate so rum, also häufiger als davor. Genau, also mein Sommer sah sehr viel mit Content-Vorbereitung und Überlegung, Ideensammlung mit dir aus. Shahla, du warst im Sommer auf dem OER-IT-Camp in Weimar, richtig?

      [SR] Ja, diesen Sommer habe ich zum zweiten Mal am OER-IT-Camp in Weimar teilgenommen. Es war eine inspirierende Erfahrung, die mir die Tür zu neuen Verbindungen und Möglichkeiten geöffnet hat. Ich erweiterte mein Netzwerk, unser Netzwerk, entdeckte die neuesten technologischen Anwendungen für OER-Projekte und nahm an bereichernden Diskussionen zu verschiedenen IT-Themen im OER-Umfeld teil.

      [SG] Wunderbar, das war der Sommer, der OER-Sommer. Und dann ging es auch direkt heiß los nach den Sommerferien, oder? Ich kann mich gar nicht mehr erinnern. Wir hatten ja dieses Jahr zum ersten Mal dann den OERinfo-Fachtag ausgerichtet. Der war tatsächlich schon für letztes Jahr geplant, aber wir hatten uns lange über die konzeptionelle Ausrichtung dieser Reihe von Fachtagen gemacht und hatten uns letzten Endes dann dazu entschieden, uns inhaltlich auf die Projekte der jeweiligen Förderrichtlinie zu konzentrieren und gemeinsam mit der Statuskonferenz und den jetzt auch wieder regelmäßig stattfindenden OERcamps diesen Projekten jeweils eine Bühne zu bieten. Und da wir den Fachtag letzten Endes zum ersten Mal ausgerichtet hatten, mussten wir uns vieles neu erarbeiten. Und ich bin der Meinung, dass Angela eine Menge sich zu erarbeiten hatte, was die Aufnahmen der digitalen Visitenkarten anbelangt, die wir parallel zum Fachtag für die OE_COM-Projekte durchgeführt haben.

      [AK] Genau, also das ging ja auch so ein bisschen, sage ich mal, mit der kompletten Planung des Fachtags einher. Also wir mussten uns ja erst mal auch Gedanken machen, wie strukturieren wir diesen Fachtag, was bieten wir alles an. Und das musste ja auch alles so ein bisschen Hand und Fuß haben, was den zeitlichen Ablauf angeht. Und natürlich musste ich dann gucken, die Teilnehmenden der Projekte, die sollen ja auch aktiv am Fachtag mitmachen. Wie schaffe ich es, sie parallel aber zu den Aufnahmen zu bekommen? Also das war ein organisatorisch-logistischer Aufwand auf jeden Fall. Letzten Endes haben wir das dann auch gemeistert bekommen. Natürlich haben wir auch einige Ideen fürs nächste Jahr daraus oder dafür mitnehmen können, was wir oder was ja, wie wir das Ganze noch ein bisschen effizienter gestalten können und was wir besser machen können, was wir verändern können. Genau, aber ich denke, dadurch, dass das wirklich unsere erste Veranstaltung jetzt in diesem Ausmaß war, die wir selbst organisiert haben, finde ich, ist das schon sehr gut gelaufen alles. Ich bin einfach gespannt, was uns dann nächstes Jahr alles einfällt und was wir da alles dann umsetzen werden. Aber da könnt ihr gerne auch noch eure Eindrücke zu kommentieren, wie ihr das empfunden habt. Also, ja, Johannes.

      [JA] Ja, also ich fand auch, dass das uns, wenn man das so über sich selbst sagen darf, gelungen ist oder die Veranstaltung hat zumindest funktioniert, sagen wir mal so. Und die Leute haben echt toll mitgemacht, waren ja auch zahlreich vor Ort und das hat großen Spaß gemacht. Man hat ganz konstruktiv miteinander gearbeitet, zumindest in den Teilen, wo ich mit dabei war, in den anderen, so wie ich gehört habe, glaube ich auch.

      Und wir hatten ja auch so ein bisschen entspannungs- oder spaßige Elemente, wie das, ich glaube, das hast du vorhin so ein bisschen versucht anzudeuten, unser Geocaching, was im Prinzip so eine Art OER-Erlebnis-Spaziergang über den Campus der Goethe-Uni war, haben aber auch in Workshops ganz fleißig gearbeitet. Da konnte ich ja auch einen davon durchführen, wo auch einige Leute da waren. Und das hat echt total super geklappt.

      Also, wir hatten am Ende das Gefühl, wir könnten noch eine Stunde weitermachen. Also es war summa summarum, glaube ich, eine ganz angenehme und produktive Atmosphäre. Und deswegen gucke ich auch ganz optimistisch auch schon eigentlich auf den nächsten Fachtag.

      [SG] Absolut. Wir haben ja auch Rückmeldebögen dann im Anschluss an die Veranstaltung an alle Teilnehmenden geschickt. Die letztendliche Auswertung dieser Rückmeldung steht noch aus, aber ich habe jeden Rückmeldebogen einmal überflogen. Und ich würde auch behaupten, dass der Gros der Teilnehmenden recht zufrieden war mit der Veranstaltung. Es gibt sicherlich ein paar Hebel, die man ansetzen kann. Und wir wollen uns im kommenden Jahr ja auch nochmal steigern. Aber ich denke, wir haben hier wirklich Vorarbeit geleistet für die kommenden Veranstaltungen in den kommenden Jahren.

      Ja, war das denn schon unser letztes Highlight des Jahres? Oder gab es da noch einen anderen Termin, der uns definitiv noch in Erinnerung geblieben ist? Nora?

      [NG] Also ich wollte auf jeden Fall noch zum OERinfo-Fachtag sagen, dass wir sehr aktiv in Social Media waren, dass wir die OER-Strategie, aber auch die OE_COM-Projekte dort differenziert präsentiert haben. Und natürlich auch mit der OER World Map und der Verknüpfung mit dem OERinfo-Kalender dafür gesorgt haben, dass Veranstaltungen sowohl auf der OER World Map, aber auch im OERinfo-Kalender eben auftauchen, was ganz, ganz toll ist für sowohl das Projekt OERinfo als auch für die OER World Map.

      Und was ich eigentlich auch noch sagen wollte zum OERinfo-Fachtag, dass wir neben kreativen Wortspielen auch noch ganz viele tolle Merchandise-Produkte kreativ erarbeitet haben. Und die Arbeit an sich einfach sehr, sehr großen Spaß macht so im Team. Das kann ich auf jeden Fall einmal anmerken. Wir haben auch eine ganz, ganz tolle Postkarte zusammen erstellt und Flyer sind entstanden. Also wir haben ganz viel erarbeitet. Das ist so mein Eindruck. Und das ist schon auch ein richtig schönes Highlight für mich als Werkstudi, in eure Bereiche reinschnuppern zu können und zu sehen, wie ihr arbeitet und dann auch wirklich so aktiv mitmachen zu können und mitgestalten zu können. Das ist schon ein ganz, ganz tolles Erlebnis.

      [SG] Wunderschönes Feedback für uns alle.

      Genau, also wir haben viel Merch produziert. Gemeinschaftlich die Postkarte „ExplorOER“ für die OER World Map, die vielleicht dem einen oder anderen schon aufgefallen ist, auch bei anderen Veranstaltungen. Der IdeengebOER ist das absolute Highlight in jeder Veranstaltung. Das ist ein, Nora hilf mir ganz kurz…

      [NG] Das ist ein Stressball, ein Anti-Stressball, den wir dann aber in Form einer Glühbirne gelabelt haben mit dem Namen oder dem Wortspiel IdeengebOER.

      [SG] Genau, sehr beliebt bei allen Teilnehmenden. Aber lasst uns zum letzten Highlight des Jahres kommen. Was würdet ihr unbedingt noch ansprechen wollen für das Jahr 2024?

      [AK] Also ich weiß, dass wir wahrscheinlich alle dasselbe oder das Gleiche denken. Aber bevor wir dazu kommen, würde ich noch einen kleinen Stichpunkt da reinschieben. Und zwar sind die ErklOERvideos veröffentlicht worden. Genau, also die sind verfügbar. Es hat sich zwar alles ein bisschen nach hinten verschoben, aber was lange wird gut oder endlich gut, sagt man, glaube ich. Und genau, also die sind auch sehr toll geworden, muss ich sagen. Und die können bei uns eben auf YouTube abgerufen werden und bieten einfach einen wunderbaren Einstieg. Gerade wenn es jetzt um OER und Rechtsfragen geht, sollte sich jeder auf jeden Fall anschauen. Denn da gibt es ganz viele Basisinformationen und die sind eben sehr anschaulich erklärt. Also gerne reinschauen.

      [SG] Die ErklOERvideos, OER und Recht, genau, die darf man auf keinen Fall vergessen, wurden im Laufe dieses Jahres eben produziert in Kooperation mit Jöran und Konsorten und iRights. Sprecher sind hier Paul Klimpel und Till Kreuzer. Und diese ErklOERvideos gehen ein auf das Thema Urheberrecht im Bereich Bildung, auf CC-Lizenzen als solche, die Verbindung unterschiedlicher CC-Lizenzen, meine ich, Einbindung fremder Inhalte, aber natürlich auch auf die, ich nenne es ganz gerne Wildschweinherde, die Land auf und Land abgetrieben wird, ist ein großes Thema…was meine ich natürlich: KI, und KI natürlich in Verbindung mit OER und insbesondere Video 1 und Video 5. Video 1 mit Paul, der auf das Thema Urheberrecht im Allgemeinen im Bereich Bildung und Till, der auf das Thema KI eingeht. Die gehen tatsächlich gut, vor allem das Thema KI natürlich, das Video ist fast 500-mal abgerufen worden, also sehr empfehlenswert,

      Aber jetzt, bitte, das letzte Highlight des Jahres 2024, was war das natürlich?

      [JA] Das OER-Festival!

      [SG] Das OER-Festival genau, es war kein normales OERcamp, sondern ein OER-Festival und das ist seit vielen Jahren nicht mehr stattgefunden, das letzte Mal glaube ich, Angela…

      [AK] 2017 glaube ich war das, ja.

      [SG] Genau und was macht jetzt das OER-Festival so besonders für euch? Wie habt ihr das wahrgenommen im Vergleich zum OERcamp?

      [AK] Ok, dann fange ich wahrscheinlich an, weil Johannes ja leider keinen Vergleich hatte.

      Ich fand, dass das Ganze noch mal ein bisschen größer aufgefahren war, also es gab noch mehr Highlights. Es hat angefangen mit der Tagung von ORCA.nrw., die auch, glaube ich, von morgens bis ja, späten Nahmittag ging, und klar natürlich Hauptbestandteil war auch wieder ein Barcamp, wie es eben bei den OERcamps üblich ist. Und ein besonderes Highlight war natürlich am zweiten Tag nach dem Barcamps der Call nach Dubai und zwar war ja dort der 3. OER Kongress der UNESCO und wir hatten das Glück, einen Call hin schalten zu können und haben dann so ein paar Live-Eindrücke bekommen. Aber wir hatten ja auch aus unserem Team jemanden dort: Shahla, du warst ja leider diesmal wieder nicht beim OERcamp oder -Festival dabei, aber ich glaube, dein Trip nach Dubai hat das, denke ich, entschädigt. Magst du da vielleicht nochmal kurz drüber erzählen?

      [SR] Ja Angela, der Höhepunkt des Jahres war meine Reise nach Dubai im November zum 3. UNESCO OER World Congress mit dem Thema „Digital Public Goods: offene Lösungen und künstliche Intelligenz für einen inklusiven Zugang zum Wissen“. Ich bin sehr dankbar besonders dir Susanne für die Gelegenheit, unser Projekt auf einer so globalen Bühne zu vertreten. Der Kongress beleuchtete den regionalen und globale Herausforderungen im Bereich OER und untersuchte die transformative Schnittmenge von KI und OER. Er lieferte unschätzbare Einblicke, um sowohl OERinfo und die OER World Map mit internationalen Trends und Erwartungen in Einklang zu bringen.

      [SG] Ja, du warst präsent auf dem 3. OER Weltkongress in Dubai diesen Jahres. Ich wäre auch sehr gerne mit dabei gewesen, aber dazu fehlte mir tatsächlich der fachliche Hintergrund, weshalb du mit deinem fachlichen Hintergrund die ideale Person warst, um dort vor Ort zu sein und hier auch Impressionen und auch Kontakte zu sammeln. Wir waren vor Ort in Dubai und werden natürlich auch über die Ergebnisse in den kommenden Wochen und Monaten berichten. Aber auf dem OERcamp oder auf dem -Festival ist ja noch so viel mehr passiert. Das war ja wirklich ne ganze Menge, was da passiert ist. Ich selbst war am ORCA-Fachtag nicht vor Ort, ich bin erst etwas später gekommen. Am Abend des ersten Tages wurde ja das Jubiläum des BFB Bündnis freie Bildung gefeiert mit Sarah Isabella Behrens als Moderatorin, die übrigens Bombe war in ihrer Rolle, was sie zur Stimmung beigetragen hat. Genau es, gab einige Slams, wo wir uns auch präsentieren durften, aber berechtigte Gewinner waren Christine Kolbe und Matthias Kostrzewa mit ihren Beiträgen. Und dann gings am nächsten Tag weiter mit einem regulären OERcamp. Da wart ihr auch präsent, Johannes, wir waren als Team präsent, wir haben da massive, großangelegte Angriffsfläche geboten und waren mit all unseren Arbeitspaketen jeweils in Session vertreten.

      JA: Ja ich habe eben zum Systematic Mapping den aktuellen Stand vorgestellt. Ich wollte bisschen Feedback einholen von der Community, was sie so darüber denken, auch zur Vorgehensweise und in inwiefern man vielleicht auch den Zwischenstand öffnen sollte oder die Ergebnisse oder das Verfahren und habe da ein bisschen diskutiert und Einblicke gegeben und das war auch total gut. Es waren jetzt nicht furchtbar viele Leute bei mir in der Session, aber es war ne kleine aber feine Diskussion recht in die Tiefe gehend und das war auch so sonst der Eindruck, den ich von der Veranstaltung hatte, dass man sich sehr reichhaltig ausgetauscht hat, sowohl nett als auch immer thematisch total spannend. Das war so das, was ich mitgenommen habe. Das war meine Session, aber Angela hatte auch eine.

      [AK] Ja, aber mein Eindruck deckt sich eigentlich mit deinem Eindruck. Ich habe unsere Angebote auf der Webseite vorgestellt, bin so ein bisschen über die Webseite drüber geflogen. Der zweite Teil, der war eigentlich der Hauptteil dieser Session. Das war auch meine erste Session, was auch sehr aufregend war tatsächlich. Und ja, die Session hätte ich ursprünglich ja mit Shahla zusammen machen sollen, die dann aber ja glücklicherweise für sie nach Dubai fliegen durfte. Und genau, in dem zweiten Teil ging es eben darum, Feedback aus der Community einzuholen bezüglich eben unserer Webseite. Also gerade, was die Oberfläche angeht, also die Suchanfragen, Filter und so weiter. Denn daran arbeitet vor allen Dingen oder hauptsächlich Shahla dran. Aber genau, wir machen das so ein bisschen zusammen eben, weil ich als Content Managerin ja auch sehr viel mit der Webseite zu tun habe. Und da konnten wir auch sehr interessantes Feedback einholen, weil in meiner Session saßen eben auch Lehramtsstudierende. Und die haben einfach nochmal einen ganz anderen Blick auf unsere Webseite und was sie brauchen. Und das hilft uns auf jeden Fall weiter, auch Ideen zu entwickeln oder eben in der Aufbereitung, denn wir sehen die Webseite ja jeden Tag und haben da einen ganz anderen Blickwinkel drauf. Aber deshalb fand ich das sehr, sehr gut eben auch von der Community, die die Webseite ja auch nutzen soll, das Feedback einzuholen. Und das wird jetzt so einer der nächsten Themen sein, die wir eben auch im Team oder ich besonders mit Shahla dann zusammen ja angehen werden und besprechen werden. Genau, das war meine Session. Aber Susanne, du hattest ja auch eine Session.

      [SG] Genau, ich hatte auch eine Session natürlich zur OER World Map, aber was mir gerade nochmal aufgefallen ist, als du das so betont hast, dass ihr zusammen die Session gegeben habt. Das ist etwas, das mir jetzt in den letzten Wochen, auch insbesondere gestern in unserer Beiratssitzung aufgefallen ist, dass wir immer näher zusammenwachsen und uns immer mehr auffällt, dass einzelne Arbeitspakete, dass alle Arbeitspakete irgendwie miteinander zusammenhängen, aber einzelne Arbeitspakete dann doch enger miteinander verbandelt sind. Das gilt für das Systematic Mapping wie für die OER World Map, genauso wie für Content-Produktion und -Management und eben Auffindbarkeit von Inhalten letzten Endes. Und genau, das ist ein Thema, das wir jetzt in unserer Jahresendklausur auch aufgreifen wollen, wie wir gemeinschaftlich noch enger miteinander kooperieren und zusammenarbeiten können.

      Genau, aber was meine Session anbelangt, dito, alles so wie ihr, was ihr gerade gesagt habt, kann ich nur unterstreichen. Ich hatte auch eine kleine, feine Gruppe, aber oftmals in kleinere Gruppen ja weitaus arbeitsfähiger. Und beim OERcamp ist es ja so, sobald es einen gibt, der interessiert ist an der Thematik, entsteht auch eine Session im Austausch.

      Ich bin eingegangen auf, was die Teilnehmenden am meisten interessiert hat, war tatsächlich die Verbindung, die wir hergestellt haben, wieder zwischen dem OER-Kalender und der OER World Map. Das hat nicht nur einen Vorteil für unsere Website und unser Angebot und für uns, die wir jetzt die Veranstaltungen nicht mehr einzeln in unseren Kalender eintragen müssen. Das tun wir auch immer noch. Wir recherchieren auch weiterhin nach Veranstaltungen, übertragen die, aber direkt in die OER World Map. Und der Kalender, die Kalenderfunktion liest die World Map dann aus, was auch einen klaren Mehrwert für die Community meiner Meinung nach darstellt, weil nämlich jetzt Akteurinnen und Akteure nicht mehr über uns gehen müssen, um ihre Veranstaltungen in unserem Kalender zu platzieren. Ihr könnt eure Veranstaltungen jetzt in die OER World Map eintragen und sie werden automatisiert auch in unserem Kalender erscheinen.

      Ja, ich denke, das war das Jahr 2024. Wie gesagt, wir sind kurz vor Ende dieses Jahres und müssen uns natürlich jetzt auch schon Gedanken machen, darüber, was wir im kommenden Jahr angehen. Wir haben natürlich eine Meilensteinplanung und die werden wir uns jetzt zu Ende des Jahres nochmal ganz genauestens angucken und die weiteren Termine für das kommende Jahr planen.

      Nochmal zurückkommend auf das Festival. Wir haben den Tag vier natürlich vollkommen vergessen. Tag drei, Entschuldigung, Tag drei natürlich, es gab keinen Tag vier Johannes, keine Sorge, wir haben den Tag drei vollkommen vergessen. Wie gesagt, Tag zwei war ein reguläres OERcamp und am Tag drei hatten wir die Location gewechselt. „OER im Blick“ war da schon sehr mutig, was die Location anbelangt. Das wurde tatsächlich meiner Meinung nach durch das OER-Festival nochmal getoppt, am dritten Tag durch das Unperfekthaus, in Essen war das ja. Dort fand eine Beratschlagung statt, eine Community- Beratschlagung zum Thema „OER im Kontext generativer künstlicher Intelligenz“. Das wurde moderiert durch Frank Homp, der ja das ganze OER-Camp moderiert hat und eben auch durch Nele Hirsch, die diesen Slot gemeinschaftlich erarbeitet haben. Man arbeitete dort in Gruppen an unterschiedlichsten Themen rund um das Thema „OER und generative künstliche Intelligenz“. Die Ergebnisse stehen meiner Meinung nach noch aus, aber das wird sicherlich im nächsten Jahr kommen.

      Wir haben uns als Team gerade gedacht, wir hatten ganz zu Anfang ja versprochen, dass wir auch einen Blick ins neue Jahr wagen wollen und schon mal ein paar Meilensteine aufzeigen wollen. Letzten Endes haben wir uns hier und jetzt entschlossen, dass wir auf die Jahresendklausur warten. Wir bleiben euch die Meilensteine für 2025 daher schuldig bis zum nächsten Jahr in wenigen Wochen. Da können wir eingehen zum Beispiel auf anstehende Veranstaltungen, die im kommenden Jahr stattfinden werden. Da ploppen einige Veranstaltungen jetzt gerade bei mir auf, auf die wir noch näher eingehen müssen, insbesondere was die Platzierung unserer eigenen Inhalte natürlich anbelangt. Wir wollen aber natürlich auch darauf eingehen, wie wir als Team wie gesagt enger miteinander kooperieren können. Wir wollen uns eventuell schon zumindest in Ansätzen gewisse Workflows erarbeiten und auf die würden wir dann letzten Endes im kommenden Jahr eingehen. Daher an der Stelle vielen Dank fürs Zuhören und bis zum nächsten Jahr.

      [AK] Ja, seid gespannt, was da dann kommt. Fortsetzung folgt.

      [JA] Kommt gut ins neue Jahr. Ciao.

      [SG] Tschüss.

      [AK] Tschüss.

      [SR] Tschüss.

      [NG] Tschüss.

      Text und Podcast stehen unter der CC BY 4.0-Lizenz. Die Namen der Urheber*innen sollen bei einer Weiterverwendung wie folgt genannt werden: OERinfo, OERinfo – Informationsstelle OER; „Real Estate“ (Podcast-Jingle) von UNIVERSFIELD, lizenziert unter CC BY 4.0.

      44 min
    • Jahresrückblick 2024 – Social media & bildungsserverBlog
      Mastodon, Bluesky und eduresearch.social
      Podcast zum Jahreswechsel 2024/2025 (6/6)

      2024, das erste Jahr Social Media ohne X und Facebook: Christine Schumann zieht ein Jahr nach der Entscheidung des Deutschen Bildungsservers, die kommerziellen Social-Media-Plattformen zu verlassen, Bilanz – und die ist durchweg positiv. Deshalb war sie auch beim Aufbau einer neuen Mastodon-Instanz dabei: eduresearch.social, die offene soziale Plattform für Bildungsforschung, Erziehungswissenschaft und Fachdidaktik. Doch auch seinen Account auf BlueSky hat der Deutsche Bildungsserver reaktiviert – der Blick über den eigenen Tellerrand bleibt einfach wichtig.

      Und im bildungsserverBlog weist sie auf die Podcast-Reihe „Deutsch als Zweitsprache“ und die Interview-Reihe zu „Forschungsdaten Bildung“ hin.

      Links zu den Themen dieses Podcasts
      • Mastodon-Account des Deutschen Bildungsservers
      • BlueSky-Account des Deutschen Bildungsservers
      • eduresearch.social – das offene und soziale Netzwerk für Bildungsforschung, Erziehungswissenschaft und Fachdidaktik
      • Podcast-Reihe zu „Deutsch als Zweitsprache
      • bildungsserverBlog-Reihe „Nachnutzung Forschungsdaten„
      • bildungsserverBlog-Reihe „Forschungsdatenzentren stellen sich vor„
      • Lesefassung

        Guten Tag und herzlich willkommen bei Bildung auf die Ohren, dem Podcast des Deutschen Bildungsservers. Mein Name ist Christine Schumann. Ich berichte heute über die Themen, die mich 2024 beschäftigt haben.

        Über 3.200 Follower auf Mastodon

        Da wären zuerst mal unsere 900 neuen Follower, die wir beim Mastodon-Account des Deutschen Bildungsserver seit Januar 2024 dazu gewonnen haben – richtig toll! Wir sind jetzt insgesamt bereits bei über 3200 Accounts! Das sind Zuwachsraten, wie wir sie auch in den besten Twitter-Jahren verzeichnet haben; dort folgten uns seit 2008 jedes Jahr auch knapp 1000 Accounts. Wenn das so bleibt, können wir mit unserer Entscheidung im Dezember 2023 X verlassen zu haben, mehr als zufrieden sein. Die Tage hat mich übrigens eine DIPF-Kollegin gefragt, ob wir Nachteile durch den Verzicht auf X erfahren haben – eine Frage, die ich guten Gewissens mit NEIN beantworten kann. An dieser Stelle also erst mal herzlichen Dank an unsere Mastodon-Community!

        BlueSky-Account des Deutschen Bildungsservers reaktiviert

        Dennoch haben wir seit einigen Wochen auch unseren Account auf BlueSky reaktiviert. Warum? Weil wir natürlich – wie alle anderen auch – möglichst viele Leute und Einrichtungen mit Informationen über unsere sorgfältig zusammengestellten Dossiers erreichen wollen. Und vom neuesten X-Exodus profitiert vor allem BlueSky. Die Social-Media-Plattform von Twittergründer Jack Dorsey verzeichnet derzeit rund 20 Millionen registrierte Accounts, Mastodon „nur“ 15,4 Millionen. Aber unsere Homebase ist und bleibt Mastodon!

        eduresearch.social, das offene soziale Netzwerk für die Communities der Bildungswissenschaftlerinnen und Bildungswissenschaftler

        Weil wir Mastodon mancher Kritik an Usability zum Trotz – „nerdig und nischig“ – für eine sehr gute Alternative zu den kommerziellen Social-Media-Plattformen halten. Darum haben wir am Informationszentrum Bildung des DIPF 2024 auch einen eigenen Mastodon-Server aufgesetzt: eduresearch.social, das offene soziale Netzwerk für die Communities der Bildungswissenschaftlerinnen und Bildungswissenschaftler. Ende September ist es an den Start gegangen und verzeichnet jetzt über 70 aktive Accounts. Ermöglicht hat uns eduresearch.social übrigens der Fachinformationsdienst Erziehungswissenschaft und Bildungsforschung im Rahmen seiner Projektmittel und vor allem auch seiner Kommunikationsaufgaben für die Community.

        Sie fragen sich vielleicht, warum wir den vielen Mikroblogging-Plattformen noch eine weitere hinzugefügt haben? Ganz einfach: Wir wollten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern einen eigenen Raum für den fachlichen Austausch zur Verfügung stellen, ohne sie gleichzeitig von der interessierten Öffentlichkeit abzuschotten. Das ist ja das Tolle an dem dezentralen System – jede kann mit jedem kommunizieren, ohne dass man Sorge haben muss, dass Daten für irgendwelche KI- oder Werbezwecke weitergenutzt oder missbraucht werden – oder gar die ganze Plattform verkauft wird. Eine transparente und faire Kommunikation also, die unsere Demokratie mehr denn je braucht!

        So, jetzt aber zu meinem zweiten Arbeitsfeld, dem bildungsserverBlog und dem Podcast Bildung auf die Ohren:

        Podcast-Reihe zu „Deutsch als Zweitsprache“

        2024 haben wir neun Podcast-Episoden dem Thema „Deutsch als Zweitsprache“ gewidmet. Dabei haben meine Kolleginnen und ich mit Fachleuten aus Schule, Kita, Berufs- und Erwachsenenbildung gesprochen und auch einige exklusive Audio-Linkempfehlungen zusammengestellt. Hören Sie mal rein! Weitere Episoden widmeten sich dem Thema Fachkräftemangel in der Bildung, das Thema des diesjährigen Bildungspolitischen Forums, und KI in der Schule.

        bildungsserverBlog-Reihe zu Forschungsdaten Bildung

        Und in Zusammenarbeit mit dem Verbund Forschungsdaten Bildung – das richtet sich jetzt an die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler – stellen die Leiterinnen zweier Forschungsdatenzentren im Interview ihre FDZs vor: das Schweizer Kompetenzzentrum für Sozialwissenschaften, genannt FORS, und den Standort Fürth des Forschungsdatenzentrums der Statistischen Ämter der Länder. In einem dritten Interview stellt Daniel Fuß, Leiter des Forschungsdatenzentrums des Leibniz-Instituts für Bildungsverläufe, kurz LIfBI das Forum4MICA vor – ein Online-Austauschforum für Fragen, Antworten und Diskussionen rund um Forschungsdaten. Und er erklärt, wie das Diskussionsforum zu diesem doch ein wenig außergewöhnlichem Namen gekommen ist. Sie sind neugierig geworden? Dann stöbern Sie doch einfach ein wenig herum im bildungsserverBlog!

        Ich wünsche Ihnen allen fröhliche Weihnachten und eine entspannte Zeit zwischen den Jahren.

        Dieser Podcast steht unter der CC BY 4.0-Lizenz. Der Name des Urhebers soll bei einer Weiterverwendung wie folgt genannt werden: Christine Schumann für Deutscher Bildungsserver

        5 min
      • Jahresrückblick 2024 – Bildung weltweit
        Bildung und Politik
        Podcast zum Jahreswechsel 2024/2025 (5/6)
        Für Nadia Cohen, die beim Deutschen Bildungsserver das Thema Bildung weltweit betreut, hat sich 2024 mal wieder gezeigt, wie eng Politik und Bildung miteinander verwoben sind. Angefangen bei den Studierendenprotesten anlässlich des Kriegs Israels gegen die Terrororganisation Hamas über die Wahl Donald Trumps in den USA bis hin zur Frage, wie sich das italienische Bildungssystem unter der rechtsgerichteten Regierung Melonis entwickeln wird. Außerdem hat sie sich auch noch auf die Suche gemacht, in welchen Ländern der Welt eigentlich systematisch Bildungsberichte erstellt werden.

        Links zu den Themen dieses Podcasts
        • Dossier „Pro-Palästinensische Proteste an Unis weltweit – internationaler Pressespiegel & Stellungnahmen von Bildungsorganisationen“
        • Dossier „USA-Wahlen 2024: Welche Rolle spielt das Thema Bildung?“
        • Dossier „Bildungswesen in Italien“
        • Dossier „Französisch als Fremdsprache, Französisch als Zweitsprache – in Frankreich“
        • Dossier „Nationale Bildungsberichte weltweit“
        • Lesefassung

          Guten Tag und herzlich willkommen bei Bildung auf die Ohren, dem Podcast des Deutschen Bildungsservers. Ich bin Nadia Cohen von Bildung Weltweit. Ich bin für alle internationalen Bildungsthemen beim Deutschen Bildungsserver zuständig.

          Politik und Bildung

          Im Jahr 2024 hat sich für mich einmal mehr gezeigt, wie eng Politik und Bildung miteinander verwoben sind und interagieren.

          Meinungs- und Wissenschaftsfreiheit anlässlich der militärischen Operationen Israels gegen die Terrororganisation Hamas im Gazastreifen

          Da waren zunächst die pro-palästinensischen Studierendenproteste an vielen Universitäten weltweit Anfang des Jahres. Ausgelöst durch die militärischen Operationen Israels gegen die Terrororganisation Hamas im Gazastreifen mit tausenden zivilen Todesopfern, richteten sich die Proteste aber nicht nur generell gegen „die Politik“, die das zuließ. Vielmehr stellten die Studierenden auch konkrete Forderungen an ihre Unis hinsichtlich deren Kooperationen mit israelischen Universitäten und Forschungsinstitutionen. Die Universitäten wiederum wurden von Politik und Gesellschaft aufgefordert, die Studierenden in ihre Schranken zu weisen und Antisemitismus an ihren Campussen zu unterbinden. Unileitungen und Dozierende argumentierten dagegen mit der Meinungs- und Wissenschaftsfreiheit, die in der Bildung ein hohes Gut seien.

          USA: Republikaner und Bildung

          Zu Konflikten zwischen Bildung und Politik dürfte es ab Januar 2025 auch unter dem neu gewählten zukünftigen Präsidenten der USA, Donald Trump, kommen. Unser Dossier zur Rolle der Bildung bei den US-Wahlen im November 2024 gab schon einen Einblick darin, was die Amerikaner*innen beim Thema Bildung seitens der Republikaner erwarten könnte. Das Bildungsministerium abschaffen wird Trump wohl nicht, wie er noch im Wahlkampf versprach. Aber Unterrichtsthemen zu Rassismus oder Diversität könnten für Schulen und Universitäten in den USA in Zukunft zu Schwierigkeiten führen.

          Wohin wird sich das italienische Bildungssystem entwickeln?

          Selbst bei zunächst „harmloser“ klingenden Dossiers zum Bildungswesen in Italien anlässlich der Frankfurter Buchmesse oder zur Umsetzung von Französisch als Fremd- und Zweitsprache in Frankreich schwingt bei genauerem Hinsehen das Thema Politik immer mit – sei es bei der Frage, wie sich das italienische Bildungssystem unter der rechtsgerichteten Regierung Melonis entwickelt, sei es, wie in Frankreich die Migrationsdebatte den französischen Spracherwerb mitbeeinflusst.

          Nationale Bildungsberichte anderer Länder

          Ein echtes *bildungspolitisches* Thema hat mich bei Bildung Weltweit Ende 2024 noch beschäftigt: nationale Bildungsberichte anderer Länder. Anlässlich ihres Weltbildungsberichts 2017/18 hatte die Unesco durch eine internationale Umfrage festgestellt, dass zwischen 2010 und 2017 nur jedes zweite Land einen nationalen Bildungsmonitoringbericht erstellt hatte, und dies auch nur unregelmäßig. Daraufhin startete die Unesco eine Kampagne, die Staaten weltweit dazu aufrief, in regelmäßiger und transparenter Weise Bildungsberichte zu veröffentlichen. Die Unesco hat ihre Umfrage und die dazugehörige Auflistung von nationalen Bildungsberichten weltweit seither leider nicht mehr aktualisiert. Dies versuchen wir nun bei Bildung Weltweit nach und nach in unserem Dossier zu tun. In diesem Sinne wünsche ich Ihnen, liebe Zuhörer*innen, friedliche Weihnachten und einen guten Start ins neue Jahr 2025.

          Dieser Podcast steht unter der CC BY 4.0-Lizenz. Der Name des Urhebers soll bei einer Weiterverwendung wie folgt genannt werden: Nadia Cohen für Deutscher Bildungsserver

          4 min
        • Jahresrückblick 2024 – Erwachsenenbildung
          Demokratie und Bildung
          Podcast zum Jahreswechsel 2024/2025 (4/6)

          Den Anfang November veröffentlichten „Sozialbericht 2024“ nimmt Doris Hirschmann zum Anlass, sich den Einstellungen der Deutschen zum Thema Demokratie zu widmen. Die beim Deutschen Bildungsserver verantwortliche Redakteurin für den Themenbereich Erwachsenen-/Weiterbildung beschäftigt sich in ihrem persönlichen Jahresrückblick mit Fakten zur Demokratieakzeptanz, aktuellen Ansätzen zur und guten Beispielen für Demokratiebildung.

          Links zu den Themen dieses Podcasts
          • Sozialbericht 2024
          • Zeitschrift „weiter bilden“, Heft 3/2024
          • Was ist Demokratiebildung? Blogbeitrag bei EPALE, der elektronischen Plattform für Erwachsenenbildung in Europa
          • Portal wb-web.de
          • Lesefassung

            Guten Tag und herzlich willkommen bei Bildung auf die Ohren, dem Podcast des Deutschen Bildungsservers. Mein Name ist Doris Hirschmann, und ich bin verantwortlich für den Bereich Erwachsenenbildung und Weiterbildung beim Deutschen Bildungsserver. Zum Jahresabschluss möchte ich mit Ihnen auf einige aktuelle Diskussionen zu den Themen Erwachsenenbildung, Demokratiebildung und gesellschaftlicher Zusammenhalt blicken.

            Einstieg: Ein Blick auf den Sozialbericht 2024

            Einen wichtigen Anstoß für diese Themen liefert der Sozialbericht 2024, der am 6. November dieses Jahres veröffentlicht wurde. Besonders spannend finde ich die Analyse der Einstellungen in der Bevölkerung zur Demokratie. Lassen Sie uns zunächst einen Blick auf die grundsätzliche Akzeptanz der Demokratie werfen.

            Positive Signale zur Demokratieakzeptanz

            Die erste Erkenntnis ist erfreulich: Die Zustimmung zur Demokratie als Staatsform ist in Deutschland hoch. In Ostdeutschland liegt sie bei 80 %, in Westdeutschland bei 87 %. Die Unterschiede zwischen Ost und West sind vergleichsweise gering – ein ermutigendes Signal, dass Demokratie breit akzeptiert wird. Doch wie sieht es mit der Zufriedenheit aus, also damit, wie gut die Demokratie tatsächlich funktioniert?

            Zufriedenheit mit dem Funktionieren der Demokratie: Ein differenziertes Bild

            Hier zeigt der Sozialbericht ein deutlich anderes Bild:

            • Über den gesamten Zeitraum von 1991 bis 2023 waren im Westen Deutschlands durchschnittlich 69 % der Menschen zufrieden mit dem Funktionieren der Demokratie, im Osten 45 %.
            • Besonders auffällig sind die Werte Anfang 2023: Während in Westdeutschland 72 % zufrieden waren – ein Wert über dem westeuropäischen Durchschnitt – erreichte Ostdeutschland mit 42 % einen der letzten Plätze im EU-Vergleich.
            • Diese Unterschiede machen deutlich, dass Demokratiebildung in Deutschland nach wie vor eine zentrale Aufgabe bleibt. Aber was bedeutet Demokratiebildung eigentlich genau?

              Demokratiebildung: Mehr als nur Politik

              Demokratiebildung basiert auf einem Konzept, das bereits vor rund 100 Jahren von John Dewey und Jane Addams entwickelt wurde. Sie sahen Demokratie nicht nur als Regierungsform, sondern auch als Lebensform. Das Ziel von Demokratiebildung ist, Demokratie in allen gesellschaftlichen Bereichen erfahrbar zu machen – sei es in der Schule, im Beruf oder im Alltag. Demokratiebildung bedeutet also, demokratische Werte nicht nur zu lernen, sondern auch in allen Lebensphasen zu leben.

              Aktuelle Ansätze und Beispiele für Demokratiebildung

              Aber wie sieht das konkret aus? Einige gute Beispiele stellt die Ausgabe 3/2024 der Zeitschrift weiter bilden des Deutschen Instituts für Erwachsenenbildung (DIE) vor. Sie widmet sich dem Schwerpunkt „Bildung für die Demokratie“. Neben Beiträgen über Projekte und Maßnahmen zur Demokratiebildung in verschiedenen Bereichen beschäftigt sich ein Artikel auch mit Demokratiestärkung in der Arbeitswelt, den ich beispielhaft herausgreife:

              • Hier geht es um Projekte wie „Mischt euch ein!“, die Auszubildende für Diskriminierung sensibilisieren und ihnen Teilhabemöglichkeiten im Betrieb und in der Gesellschaft aufzeigen.
              • Gleichzeitig richten sich diese Programme an Lehrende und Ausbilder*innen, um demokratische Werte aktiv in der beruflichen Bildung zu fördern und diskriminierende Strukturen aufzubrechen.
              • Auch die Wirtschaft zeigt zunehmend Interesse an Demokratiebildung, denn extremistische Tendenzen werden nicht nur gesellschaftlich, sondern auch wirtschaftlich als Problem gesehen.

                Fazit und Ausblick: Was können wir aus diesen Erkenntnissen mitnehmen?

                Die Demokratie als Staatsform genießt in Deutschland hohe Akzeptanz, aber das Vertrauen in ihr Funktionieren ist wechselhaft und regional unterschiedlich. Projekte wie die genannten bieten wichtige Ansätze, um Demokratie stärker als Lebensform zu verankern.

                Dennoch bleibt die Frage, ob diese Maßnahmen ausreichen, um extremistischen Strömungen entgegenzuwirken und das demokratische Bewusstsein weiter zu stärken. Der Deutsche Bildungsserver wird sich daher im kommenden Jahr an der Initiative „Runder Tisch für gesellschaftlichen Zusammenhalt“ des Portals wb-web.de beteiligen.

                Das Jahr 2025 wird nicht einfach, bietet aber auch Möglichkeiten. Lassen Sie uns gemeinsam die Wege finden, um Demokratie und Zusammenhalt zu stärken. Viele Ideen dafür und die Kraft und die Möglichkeiten zur Umsetzung wünsche ich uns allen für das Jahr 2025.

                Vielen Dank fürs Zuhören und bis zum nächsten Mal bei Bildung auf die Ohren!

                Dieser Podcast steht unter der CC BY 4.0-Lizenz. Der Name des Urhebers soll bei einer Weiterverwendung wie folgt genannt werden: Doris Hirschmann für Deutscher Bildungsserver

                5 min
              • Jahresrückblick 2024 – Hochschule
                KI, Nachhaltigkeit und Wissenschaftsfreiheit
                Podcast zum Jahreswechsel 2024/2025 (3/6)

                Künstliche Intelligenz und Hochschullehre, Nachhaltigkeit an Hochschulen und die politischen Proteste an deutschen Hochschulen im Kontext des Kriegs in Nahost mitsamt den offiziellen Stellungnahmen der politischen Gremien – das sind die Themen, die für Sieglinde Jornitz 2024 am wichtigsten waren. Sieglinde Jornitz, die den Redaktionsbereich Hochschule des Deutschen Bildungsservers Mitte des Jahres von Renate Tilgner übernommen hat, stellt außerdem die Themen vor, auf die sie sich 2025 konzentrieren wird.

                Links zu den Themen dieses Podcasts
                • Künstliche Intelligenz und Hochschullehre
                • Leopoldina-Diskussionspapier zu Generativer KI
                • Nachhaltigkeit an Hochschulen
                • Bericht der Bundesregierung zur Umsetzung der Ziele des Bologna-Prozesses 2021 bis 2024
                • Lesefassung

                  Guten Tag und herzlich willkommen bei „Bildung auf die Ohren“, dem Podcast des Deutschen Bildungsservers. Mein Name ist Sieglinde Jornitz, und ich bin neu im Team des Deutschen Bildungsservers. Seit Mitte des Jahres habe ich Renate Tilgner, die langjährige Redakteurin für den Bereich Hochschule, abgelöst.

                  Renate Tilgner hat den Redaktionsbereich viele Jahre auf- und ausgebaut und war mit den Themen der Hochschule am Puls der Zeit.

                  Künstliche Intelligenz in der Hochschullehre

                  Mir sind vor allem drei Themen aufgefallen, die sie bearbeitet hat und die auch 2024 ihre Aktualität behalten haben. Erstens, Künstliche Intelligenz und Hochschullehre werden seit dem Launch von ChatGPT unter dem Gesichtspunkt von Chancen und Risiken betrachtet. Der Deutsche Bildungsserver bietet hierzu eine umfangreiche Sammlung an Links zu bildungspolitischen Strategiepapieren genauso wie zu Projektbeispielen. Zuletzt hat die Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina eine Stellungnahme publiziert, wie eine verantwortungsvolle Entwicklung generativer KI aussehen könnte.

                  Nachhaltigkeit an Hochschulen

                  Zweitens stellt der Bildungsserver zum Thema „Nachhaltigkeit an Hochschulen“ fundierte Informationen bereit, die sowohl Richtlinien und Empfehlungen für eine nachhaltige Hochschulbildung als auch bestehende Studienangebote umfassen.

                  Wissenschaftsfreiheit an deutschen Hochschulen im Kontext des Kriegs in Nahost

                  Drittens wurden zu den politischen Protesten an deutschen Hochschulen im Kontext des Kriegs in Nahost die offiziellen Stellungnahmen der politischen Gremien, wie bspw. der Hochschulrektorenkonferenz und des Deutschen Akademischen Austauschdienstes, referenziert. Hierbei geht es darum, die Wissenschaftsfreiheit zu garantieren und sich gegen Antisemitismus und Radikalisierung an Hochschulen in Deutschland auszusprechen und Maßnahmen zu ergreifen.

                  Um all diesen Themen weiterhin gerecht zu werden, muss ich mich demnächst ganz schön strecken.

                  25 Jahre Bologna-Reform an Hochschulen

                  Wichtig war in diesem Jahr noch, dass die Bologna-Reform an den Hochschulen sich zum 25. Mal jährte – ohne, dass dies ein besonderes Echo erzeugt hat. Die damit verbundene europäische Strukturreform des Studiums ist inzwischen Alltag geworden, mit allen Vor- und Nachteilen. Was die Reform allerdings nicht vermocht hat, ist, im Studium ein Auslandssemester zu integrieren. Der Bericht der Bundesregierung zur Umsetzung der Ziele des Bologna-Prozesses weist hierzu nach, dass nur 23% der Studierenden an deutschen Hochschulen ein Auslandssemester absolvieren. Da gibt es also noch einiges zu tun.

                  Kultusministerkonferenz beschließt eigene Wissenschaftsministerkonferenz

                  Die Kultusministerkonferenz hatte im Sommer 2024 beschlossen, eine Neustrukturierung vorzunehmen. Diese betrifft auch den Wissenschaftsbereich, der nun mit der konstituierenden Sitzung eine eigene Wissenschaftsministerkonferenz erhält. Wir dürfen also gespannt sein, was dies für den Hochschulbereich im nächsten Jahr bedeutet.

                  Themen 2025: Themen Studienanfang, Studienfinanzierung und Studienwechsel 

                  Mit mir als neuer Redakteurin für den Bereich Hochschule im Deutschen Bildungsserver wird es natürlich auch Änderungen geben. So werde ich eine Fokussierung vornehmen und mich vor allem auf die Themen Studienanfang, Studienfinanzierung und auch Studienwechsel konzentrieren. Ziel ist es, das Angebot so auszurichten, dass es Suchenden hilft, sich bei Aufnahme eines Studiums und in dessen weiterem Verlauf zu orientieren.

                  An diese Arbeit mache ich mich im nächsten Jahr. Das war’s von mir.

                  Ich wünsche allen eine gute Vorweihnachtszeit. Bis zum nächsten Jahr.

                  Dieser Podcast steht unter der CC BY 4.0-Lizenz. Der Name des Urhebers soll bei einer Weiterverwendung wie folgt genannt werden: Dr. Sieglinde Jornitz für Deutscher Bildungsserver

                  4 min
                • Jahresrückblick 2024 – Leseförderung
                  Lesen als Basiskompetenz
                  Podcast zum Jahreswechsel 2024/2025 (2/6)

                  Für Carolin Anda ist klar, dass unzureichende Sprach- und Vorleseaktivitäten im Elternhaus den Bildungsverlauf von Kindern negativ beeinflussen. Es gilt also Lesen als Basiskompetenz zu fördern. 2024 ging es bei vielen Beiträgen auf Lesen in Deutschland darum, was man unter Lesekompetenz versteht, welche Fähigkeiten dazugehören und wie Lesekompetenz gemessen und gefördert werden kann. Außerdem empfiehlt die verantwortliche Redakteurin von Lesen in Deutschland viele praxiserprobte Initiativen zur Leseförderung.

                  Links zu den Themen dieses Podcasts
                  • Leseförderprogramm FilBy in Bayern
                  • Lesebänder nach Hamburger Vorbild
                  • „Das orthografische Wissen spielt für den direkten Leseprozess eine wichtige Rolle“
                  • Diagnose und Förderung von Lesekompetenz
                  • Vier Pfoten fürs Lesen
                  • „Wichtig ist, mit den Kindern ins Gespräch zu kommen.“
                  • 5 Tipps für mehr Vielfalt beim (Vor-)lesen
                  • Mit einfacher Literatur ein Sprungbrett zum Lesen bieten
                  • 13.000 Lesementor*innen mit Herz im Ehrenamt für die individuelle Leseförderung
                  • Deutscher Jugendliteraturpreis 2024
                  • Lesefassung

                    Hallo und herzlich willkommen zu einer neuen Folge von „Bildung auf die Ohren“, dem Podcast des Deutschen Bildungsservers. Mein Name ist Carolin Anda und ich bin Redakteurin des Portals „Lesen in Deutschland“. Auch im Jahr 2024 haben zahlreiche Studien wie der Bildungsbericht, der Bildungsmonitor und der OECD-Bericht gezeigt, dass unser Bildungssystem von sozialer Ungleichheit und einem akuten Fachkräftemangel geprägt ist. Es wurde erneut bestätigt, dass sowohl ein niedriger Bildungsabschluss der Eltern als auch unzureichende Sprach- und Vorleseaktivitäten im Elternhaus den Bildungsverlauf von Kindern negativ beeinflussen. Viele Befragte des ifo Bildungsbarometers wünschten sich daher eine gezielte und systematische Förderung von Basiskompetenzen und standardisierte Tests.

                    Systematische Leseförderung ist wichtig

                    Eine systematische Leseförderung wurde in diesem Jahr bereits in einigen Bundesländern durch die Einführung von mehr Lesezeit und Leseunterricht in den Lehrplänen umgesetzt. Das Leseförderprogramm FilBy in Bayern oder die Lesebänder nach Hamburger Vorbild sind Maßnahmen, um vor allem leseschwachen Kindern das Erreichen der Mindeststandards für die Grundschule zu ermöglichen. Ob diese Ansätze Früchte tragen und weitere Bundesländer folgen, werden wir im kommenden Jahr für Sie beobachten.

                    Was versteht man unter Lesekompetenz?

                    Aus diesem Grund war es wichtig, einen grundsätzlichen Blick auf die Lesekompetenz zu werfen. Was versteht man darunter, welche Fähigkeiten gehören dazu und wie kann Lesekompetenz gemessen und gefördert werden? Wissenschaftler*innen aus der Leseforschung haben mir Antworten gegeben und zahlreiche Ergebnisse, Diagnose- und Fördertools vorgestellt. Wichtige Impulse kamen auch aus der Praxis, z.B. von der Stadtbibliothek Offenbach, die individuelle Leseförderung mit ausgebildeten Bibliothekshunden anbietet, und der Internationalen Jugendbibliothek, die einen weltweit einzigartigen Bestand an Kinder- und Jugendliteratur beherbergt. Der Lesetheatermacher Rolf Barth, die Gründerin des Lesestark Magazins Sarah Heine oder der Verlagsgründer Ralf Beekveldt vom Spaß am Lesen Verlag zeigten, wie auf vielfältige Weise Lesefreude bei Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen geweckt werden kann. Und auch ehrenamtliche Leselernhelferinnen und Leselernhelfer, wie die bundesweit 15.000 Mentorinnen und Mentoren des Vereins Mentor e.V., leisten einen wichtigen Beitrag, um Kinder individuell beim Lesenlernen zu unterstützen.

                    Lesen ist eine Basiskompetenz, die lebenslange Teilhabe ermöglicht.

                    Denn: Lesen als Basiskompetenz ermöglicht eine lebenslange aktive Teilhabe auch in unserer Gesellschaft. So war 2024 mit Blick auf die politische Situation in Europa und der Welt auch ein Jahr, in dem Demokratiebildung, Vielfalt und ein respektvolles Miteinander umso dringlicher thematisiert werden mussten. Auch die Siegertitel des Deutschen Jugendliteraturpreises unterstrichen, wie elementar Selbstwirksamkeit und gesellschaftliche Verantwortung sind. Unsere Unterrichtsideen, Linklisten und Expert*innen-Interviews sind hoffentlich ein guter Werkzeugkasten, um für diese wichtigen Themen zu sensibilisieren. Denn auch über die Grundschule hinaus ist es wichtig, das Lesen fächerübergreifend zu fördern. Wie das Projekt #HiStory zeigt, steigert die Kombination von Freizeit- und Schullektüre sowie das Einbeziehen von Alltagssituationen und gesellschaftlichen Diskussionen in den Unterricht den Lernerfolg der Jugendlichen und motiviert sie, Stellung zu beziehen und das eigene Handeln zu hinterfragen.

                    Für das Jahr 2025 wünsche ich mir weitere systematische und fächerübergreifende Leseförderprogramme, individuellere Lernmethoden und mehr motivierte Leseförder*innen sowie mehr gut ausgebildete Fachkräfte in Kita und Schule, um dem steigenden Bedarf an leseschwachen Kindern in heterogenen Klassen gerecht zu werden. 

                    In diesem Sinne alles Gute für 2025!

                    Dieser Podcast steht unter der CC BY 4.0-Lizenz. Der Name des Urhebers soll bei einer Weiterverwendung wie folgt genannt werden: Carolin Anda für Deutscher Bildungsserver

                    5 min
                  • Jahresrückblick 2024 – Schule
                    ifo Bildungsbarometer 2024, Deutscher Schulpreis und KI im Schulwesen
                    Podcast zum Jahreswechsel 2024/2025 (1/6)

                    Die Ergebnisse des diesjährigen ifo-Bildungsbarometers spiegeln für Caroline Hartmann den Zustand unseres Schulwesens ganz gut wider: Mehr staatliche Ausgaben für Schulen, die Auswirkungen des Lehrkräftemangels auf die Schülerleistungen, eine bessere Sprach-, will heißen Deutschförderung und den Abbau von Bildungsbenachteiligung – das sind die Themen, die auch sie 2024 beschäftigt haben. Außerdem hofft die beim Deutschen Bildungsserver für den Themenbereich Schule verantwortliche Redakteurin, dass das Geld des Startchancenprogramms dort ankommt, wo es benötigt wird. Und auch beim Umgang mit Künstlicher Intelligenz wünscht sie sich, dass deren technische Möglichkeiten so eingesetzt werden, dass unsere Kinder stark und gefestigt in die Zukunft schauen können.

                    Links zu den Themen dieses Podcasts
                    • Note „befriedigend“ für das deutsche Schulsystem. ifo Bildungsbarometer 2024 veröffentlicht. Beitrag bei Bildung + Innovation
                    • Deutscher Schulpreis – vom Deutschen Schulportal
                    • Künstliche Intelligenz (KI) in der Schule
                    • Lesefassung

                      Willkommen beim Jahresendpodcast von „Bildung auf die Ohren“. Mein Name ist Caroline Hartmann, und ich betreue jetzt schon seit einigen Jahren den Schulbereich des Deutschen Bildungsservers.

                      Ergebnisse des ifo-Bildungsbarometers

                      Gerne möchte ich mit Ihnen auf das Jahr 2024 zurückblicken. Schauen wir uns dafür doch einmal kurz das ifo-Stimmungsbarometer 2024 an. Es kam jetzt nicht wirklich überraschend, dass die hier Befragten die allgemeinbildenden Schulen in Deutschland in diesem Jahr im Schnitt gerade mal mit der Schulnote 3,01 („befriedigend“) bewerteten.

                      Höhere Staatsausgaben für Schulen

                      Und es kam auch nicht gerade unerwartet, dass sich bei der Befragung eine deutliche Mehrheit dafür ausgesprochen hat, die Staatsausgaben für Schulen zu steigern, und dass 79% der Befragten glaubten, dass der Lehrkräftemangel negative Auswirkungen auf die zukünftigen Schulleistungen haben wird.

                      Verpflichtende Sprachtests mit viereinhalb Jahren

                      Besonders interessant fand ich persönlich jedoch, dass sich immerhin 81 % der Befragten für verpflichtende Sprachtests mit viereinhalb Jahren und einer bei Bedarf verpflichtenden Deutschförderung aussprachen. Auch wünschten sich viele ein tägliches 20-minütiges Lesetraining in der Grundschule und gezielte Fördermaßnahmen in diesem Bereich.

                      Startchancenprogramm und Bildungsgerechtigkeit

                      Zudem sind 66 % der Auffassung, dass zunehmende Unterschiede im familiären Hintergrund der Kinder und Jugendlichen die schulischen Leistungen negativ beeinflussen werden. In diesem Zusammenhang wird es in den kommenden Jahren noch sehr spannend werden, wie sich hier das Startchancenprogramm von Bund und Ländern entwickeln wird. 20 Milliarden Euro sollen in den nächsten zehn Jahren investiert werden, um gezielt Schulen mit einem hohen Anteil sozial benachteiligter Schülerinnen und Schüler zu unterstützen. Und ich glaube, wir alle hoffen nun sehr, dass die Hilfe dann wirklich auch dort ankommt, wo sie dringend benötigt wird!

                      Der deutsche Schulpreis

                      Trotz all der derzeitigen Herausforderungen im deutschen Schulwesen möchte ich hier gerne von den positiven Erfahrungen in diesem Jahr sprechen. Wer einmal beim Deutschen Schulpreis zugeschaut hat, der weiß, dass nach wie vor viele Lehrkräfte und Schulleitungen ihren Beruf lieben und alles daran setzen, neue Unterrichtskonzepte und Ansätze auszuprobieren. Umso erfreulicher ist es auch, dass all diese auch bereits greifen oder – zumindest unter den richtigen Voraussetzungen – greifen könnten!

                      Künstliche Intelligenz im Schulwesen

                      Ich denke, was sich dieses Jahr im Vergleich zum letzten wirklich geändert hat, ist die Einstellung zur Künstlichen Intelligenz im Schulwesen. Die verschiedensten Möglichkeiten, die sich hier ergeben und vor allem noch ergeben werden, haben uns dieses Jahr in Atem gehalten und werden uns auch in Zukunft noch sehr beschäftigen. Ich denke, wir brauchen uns da nichts vormachen: Adaptive intelligente Lernsysteme werden die Schulen und die Lehr- und Lernmethoden über kurz oder wahrscheinlich eher über lang verändern. Wir können nur hoffen, dass wir all diese neuen technischen Möglichkeiten verantwortungsvoll und sinnvoll einsetzen werden – und dabei immer im Auge behalten, was wirklich wichtig ist: Unsere Kinder stark, gefestigt und reflektiert zu machen und auf ihre Zukunft vorzubereiten.

                      Ich wünsche Ihnen allen ein gutes 2025!

                      Dieser Podcast steht unter der CC BY 4.0-Lizenz. Der Name des Urhebers soll bei einer Weiterverwendung wie folgt genannt werden: Dr. Caroline Hartmann für Deutscher Bildungsserver

                      4 min
                    • DaF, DaZ und offene Bildungsmaterialien
                      Podcast zugehOERt 109

                      In dieser – vom Podcast zugehOERt übernommenen – Folge erzählen Karl-Otto Kirst und Ralf Klötzke von den Anfängen der Plattform ZUM Deutsch Lernen, wie ihre (Auslands)erfahrungen als DaF- und DaZ-Lehrkräfte die Entwicklung beeinflusst haben und warum der Einsatz von OER im DaZ- und DaF-Bereich so hilfreich ist.

                      ZUM Deutsch Lernen ist eine Lernplattform für Lernende und Lehrende aus den Bereichen Deutsch als Fremdsprache (DaF) und Deutsch als Zweitsprache (DaZ). Als Angebot der Zentrale für Unterrichtsmedien im Internet e. V. (ZUM.de) sind alle dort vorhandenen Unterrichtsinhalte kostenlos und als Open Educational Resources (OER) verfügbar. Im Podcast erzählen die Initiatoren Karl-Otto Kirst und Ralf Klötzke von den Anfängen der Plattform, wie ihre (Auslands)erfahrungen als DaF- und DaZ-Lehrkräfte die Entwicklung beeinflusst haben und warum der Einsatz von OER im DaZ- und DaF-Bereich so hilfreich ist.

                      Das Gespräch mit Karl-Otto Kirst und Ralf Klötzke

                      Karl-Otto Kirst ist Deutschlehrer im Ruhestand und hat über 15 Jahre in Chile und der Türkei Deutsch als Fremdsprache unterrichtet. In Deutschland ist er seit 2015 im Bereich Deutsch als Zweitsprache tätig. Außerdem ist er aktives Mitglied der Zentrale für Unterrichtsmedien im Internet e. V. und maßgeblich an der (Weiter)Entwicklung von ZUM Deutsch Lernen beteiligt.

                      Ralf Klötzke arbeitet als Lehrer (Deutsch, GeWi, DaZ) an einer ISS in Berlin. Er war u.a. als DaF-Lehrer in Belarus, Ungarn und Rotterdam tätig sowie sechs Jahre Experte für Unterricht am Goethe-Institut in Kroatien. Zudem ist er im Vorstand der Zentrale für Unterrichtsmedien im Internet e. V.und Admin von ZUM Deutsch Lernen.

                      Angela Karnoll ist Contentmanagerin bei OERinfo – Informationsstelle OER.

                      Lesefassung

                      Hallo und herzlich willkommen zu einer neuen Folge des Podcasts ZUGEHÖRT. Mein Name ist Angela Karnoll, und ich bin die Content Managerin bei OR-INFO. Und heute sprechen wir über ein Thema, was mich als Sprachwissenschaftlerin besonders interessiert. Und zwar ist das Deutsch als Fremdsprache, Deutsch als Zweitsprache und natürlich im Zusammenhang mit OER.

                      Dafür habe ich mir zwei Gäste heute eingeladen, und zwar sind das einmal Karl Kirst und Ralf Klötzke. Die beiden sind oder waren Deutschlehrer. Vielen Dank, dass ihr euch heute die Zeit genommen habt. Gerne geschehen.

                      Dann würde ich sagen, ihr stellt euch einfach noch mal kurz selbst vor, sagt ein paar Worte zu euch, bevor wir dann in die Materie gehen. Karl, fängst du einfach an?

                      Karl-Otto Kirst: Okay. Alter vor Schönheit. Es ist so, dass ich schon in Rente bin. Ich bin Deutsch- und Geschichtslehrer, habe mein zweites Staatsexamen gemacht, als es eine sogenannte Lehrerschwemme gab. Das heißt, in Deutschland hatte ich keine Chance auf eine Anstellung im staatlichen Schulwesen. Wollte aber gerne in meinem Bereich arbeiten und bin dann letztlich 15 Jahre ins Ausland gegangen. Zuerst zehn Jahre nach Chile, dann fünf Jahre, umgekehrt natürlich, fünf Jahre nach Chile und zehn Jahre in die Türkei. Nach meiner Rente bin ich immer noch aktiv im Bereich Deutsch als Zweitsprache, arbeite ehrenamtlich bei der hiesigen Flüchtlingshilfe und freiberuflich gebe ich eben auch noch Kurse in diesem Bereich.

                      Sehr schön. Dann Ralf?

                      Ralf Klötzke: Ja, das Witzige ist eigentlich, dass unsere Biografie so viele Ähnlichkeiten hat. Ich bin auch Deutsch- und Geschichtslehrer, habe 1997 das zweite Staatsexamen gemacht und bin dann zum Auslandsschulwesen gekommen. Erst war ich sechs Jahre in Belarus, Weißrussland, wir haben damals das sogenannte deutsche Sprachdiplom aufgebaut. Danach ging es bei mir gleich dann weiter. Nach einem halben Jahr war ich dann in Budapest, hab dort an einer Schule für Fremdenführung gearbeitet und dort das erste Mal auch Wikis eingesetzt. Da können wir dann auch noch ein bisschen konkreter uns dazu unterhalten, das sogenannte DSD-Wiki da gegründet, und nach den sechs Jahren habe ich kurz als Lehrerfortbildner gearbeitet in Deutschland fürs Goethe-Institut und bin dann auch für das Goethe-Institut sechs Jahre nach Zagreb gegangen – als sogenannter Experte für Unterricht. Und nach den sechs Jahren in Zagreb ging es gleich weiter: Fünf Jahre nach Rotterdam, wo meine Frau eine Anstellung beim Goethe-Institut hatte und ich dort als Lehrerfortbildner, aber auch als Lehrer am Sprachinstitut in Rotterdam, was jetzt gerade aktuell geschlossen wurde, gearbeitet habe. Und seit ungefähr zweieinhalb Jahren bin ich jetzt in Berlin, zurück in Deutschland, hab jetzt plötzlich – Lehrerschwemme vorbei – eine Anstellung an einer integrierten Sekundarschule hier in Berlin und arbeite nebenbei auch fünf Stunden am Landesinstitut für Schule und Medien, Berlin-Brandenburg.

                      Open Educational Resources zu DaF und DaZ
                      • ZUM Deutsch Lernen
                      • OER Worldmap
                      • wb-web: OER-Materialien für Deutschkurse mit Flüchtlingen
                      • OER Contenbuffet: Deutsch als Zweitsprache
                      • Mundo Schule: Deutsch als Fremdsprache
                      • Karl-Otto Kirst: Vielleicht kann man da nochmal einhaken; wir haben uns irgendwann kennengelernt über die ZUM, die Zentrale für Unterrichtsmedien im Internet e.V. Da spielte tatsächlich auch das Stichwort Wiki eine Rolle. Die ZUM ist eben sehr früh, schon Ende 2004, auf die Wiki-Technologie aufgesprungen. Damals hatte der Höhenflug der Wikipedia, die ja auch eben ein Wiki-Projekt ist, begonnen. Und das hat die Grundlage für vieles gelegt, was wir beide heute im Bereich DaF und DaZ machen. Aber dazu können wir sicherlich später noch ein bisschen mehr sagen.

                        Ja, ihr seid ja dann beide eigentlich richtige Weltenbummler, kann man ja sagen. Also das ist total spannend. Ich bin auch gespannt, was ihr jetzt gleich noch erzählen werdet. Vorweg würde ich gerne nochmal den Unterschied zwischen DaZ und DaF erklären, denn ich glaube, dass der Begriff oder die Begriffe manchmal noch ein bisschen durcheinander geschmissen werden. Und ich glaube, man kann die aber eigentlich relativ leicht erklären, den Unterschied.

                        Karl-Otto Kirst: Ich würde einfach sagen, Ralf ist der DaF-Experte, ich bin eher der DaZ-Experte. Es ist so, Deutsch als Fremdsprache, das ist das, was man eben in der Schule lernt, wenn man die Sprache eines anderen Landes lernt. Also wenn wir in der Schule alle Englisch gelernt haben in der Regel, dann war das Englisch als Fremdsprache. Wir haben das gelernt, um mal später in ein fremdes, ein anderes Land zu gehen oder gehen zu können, um dort die Sprache zu sprechen. Deutsch als Zweitsprache richtet sich an Menschen, die schon im Zielspracheland sind.

                        Das heißt Menschen, die zum Beispiel in Deutschland, Österreich, in der Schweiz sind, wo Deutsch gesprochen wird und die Sprache aber noch nicht beherrschen oder noch nicht gut beherrschen. Und die müssen halt einerseits die gleichen Inhalte lernen, die gleichen Sprachstrukturen lernen, aber die Bedingungen sind anders. Man stellt sich jetzt einfach vor, in der Schule, ich weiß noch, ich hatte, glaube ich, zwei Stunden Englisch in der Woche und in der Woche wusste ich nicht mehr so genau, was wir gemacht haben. Und weil es mal eine Woche ausfiel, wusste ich es gar nicht mehr. Wenn man hier in Deutschland ist, hört man jeden Tag, kann man zumindest jeden Tag Deutsch hören, sehen, lesen. Und das ist eine ganz andere Situation. Und die Bedürfnisse sind natürlich auch anders. Wer als Fremdsprachenlerner lernt, der will vielleicht mal als Tourist oder als Austauschschüler ins Ausland gehen. Jemand, der hier im Zielspracheland ist, der möchte natürlich und muss mit Ämtern und Behörden umgehen können. Der muss einkaufen können und so weiter.

                        Wir werden sicherlich nochmal über das, was wir, Ralf und ich, jetzt aktiv betreuen, zum Deutschlernen kommen, haben uns dann nicht umsonst so entschlossen, da wirklich ein DaZ und DaF-Projekt zu machen, weil die Inhalte natürlich letzten Endes die gleichen sind. Es geht ja darum, eine Sprache zu lernen und die sprachlichen Inhalte, ob ich das jetzt aus einem Ausländerhaus lerne oder in einem Zielspracheland lerne, sind grundsätzlich die gleichen. Es unterscheiden sich natürlich die Lernsituationen, wie gesagt, und dadurch auch die Methoden.

                        Ralf Klötzke: Selbst bei den Methoden, würde ich sagen, sind die meisten Methoden ja gleich. Und das ist teilweise auch umstritten, ob man diese Trennung wirklich machen sollte, DaF – DaZ, oder ob man wirklich nur diese unterschiedlichen Situationen da konzentriert. Wie ich eine Sprache lerne, ist ja grundsätzlich gleich oder ähnlich. Natürlich kann ich vielleicht zum Beispiel beim DaZ-Unterricht mehr projektorientierte Sachen machen, die ich eben vor Ort einsetze. Also ich kann mit den Lernenden halt auf den Markt gehen und dort bestimmte Aufgaben in Echtsituationen machen, was ich mit den Lernenden, die ich jetzt in Belarus hatte oder in Ungarn, nicht konnte. Aber das verschwimmt ja auch immer mehr, indem ich jetzt gerade durch digitale Medien ja eine andere Bedeutung auch für eine Fremdsprache erstellen kann. Also ich denke schon, dass da sehr, sehr viele Ähnlichkeiten existieren, und vielleicht soll die Unterscheidung einigen Lehrern helfen, bestimmte Situationen, die gerade vor Ort herrschen hier in Deutschland, bewusster einzusetzen. Aber wie gesagt, es gibt ja auch sehr große Unterschiede in der Diskussion über dieses Thema.

                        Gut, dann kommen wir zum Part eurer Erfahrungen im Ausland, weil ich glaube, das interessiert auch ganz, ganz viele Leute. Also mich persönlich, wie gesagt, ich finde das so interessant. Rotterdam ist in den Niederlanden ist natürlich jetzt, sage ich mal, unser unmittelbarer Nachbar. Aber ihr wart ja jetzt auch in vielen Ländern, die wirklich auch weiter weg sind und jetzt nicht unsere unmittelbaren Nachbarn in Europa sind. Und ja, da würde ich euch bitten, mal über eure Erfahrungen dort im Ausland zu sprechen. Also zum Beispiel hattet ihr, bevor ihr ins Ausland gegangen seid oder fangen wir noch früher an, als ihr euer Studium gestartet habt, hattet ihr da schon den Wunsch, irgendwann mal ins Ausland zu gehen und dort Deutsch zu unterrichten? Oder wie kam es denn dann dazu?

                        Ralf Klötzke: Also bei mir war es tatsächlich so, dass das durch meine Frau gekommen ist. Die war zwei, drei Jahre in Simbabwe als Entwicklungshelferin. Wir hatten uns während meines Studiums kennengelernt und dann hat sich das Prinzip so auch herauskristallisiert, also es ist eine Option, ins Ausland zu gehen. Das ist, ich glaube, es ist für mich auch gewesen, wenn man einfach mal diesen Schritt überdenkt und auch gesehen hat, dass es funktioniert, dass es dann gar nicht so schlimm war oder so. Also man hat natürlich immer seine Ängste. Und gerade in der Zeit, die ich komme aus dem Osten Deutschlands, die sehr, sehr verunsichert war, war das für mich auch eine Hilfe, dass ich gesehen habe, es ist einfach möglich, du kannst alles schaffen. Und ich habe dann mich dann auch für DaF extra noch eingeschrieben. Ich habe einen Zusatzkurs DaF in der Uni Halle gemacht und fand das auch ganz wichtig, weil es doch große Unterschiede zwischen Deutsch als Muttersprache und DaF gibt. Das wurde mir erst mal richtig bewusst, als ich dann auch in die Praxis ging und dort meine ersten Lehrerfahrungen gemacht habe mit Deutsch als Fremdsprache-Lernern.

                        Und ja, also ich, ich würde sagen, das war schon ja ein wichtiger Schritt, den ich vorher machen durfte, konnte und der mir geholfen hat, eigentlich auch sofort durchstarten zu können. Ich war erst zwei Jahre in Weißrussland, in einer pädagogischen Hochschule. Ich habe auch Lehrerinnen und Lehrer ausgebildet auf einem relativ niedrigen Niveau. Also die meisten Lehrer hatten so das B1-Niveau. Es gab natürlich auch sehr, sehr gute, die dann das C1-Niveau erreichten. Das war im Jahr 1997. Das wird wahrscheinlich aktuell wieder ganz anders aussehen.

                        Und das Leben damals war auch relativ schwer. Also ich habe in der Provinz gelebt, in Baranovici. Meine Tochter wurde gerade geboren. Mein Bruder ist dann nach Baranovici mitgekommen, und sie war damals die jüngste Deutsche, die in Weißrussland lebte – das wurde uns in der Botschaft so gesagt. Das war schon erstens als Familie für uns eine starke Umstellung und eben auch von der Arbeit her. Aber ich muss sagen, also die Menschen waren ganz toll dort, sehr gastfreundlich. Wir haben uns sehr wohl gefühlt. Wir wurden da eingeladen, und das hat uns über viele Schwierigkeiten, die es damals auch in dem Land gab und die es heute ja noch verstärkt dort gibt, hinweg geholfen. Und als wir dann in die Hauptstadt gekommen sind, nach Minsk, nach zwei Jahren wurde vieles einfacher, was vom Leben her eine Rolle spielte.

                        Ich bin 2019 das letzte Mal da gewesen, gesehen, dass sich da ganz viel verändert hat, gar nicht vergleichbar mit dem, was ich 1999 oder 2000 in Minsk vorgefunden hatte. Und ich möchte die Erfahrung gar nicht missen, auch wenn es sehr schwer war, also gerade auch von den Lebensumständen her. Die anderen, also Budapest fand ich dann wieder vollkommen anders. Man musste sich ganz umstellen in dem, wie man auch mit Menschen umgegangen ist. Dieses kulturelle Beachten, was man dann wieder nach sechs Jahren in einer anderen Kultur hatte, das hat dann auch irgendwie beweglich gemacht. Und ja, das war eigentlich auch eine sehr, sehr schöne Zeit. Da habe ich, wie gesagt, auch als Lehrer gearbeitet. Später als Experte für Unterricht war das ein bisschen anders. Man hatte dann einen anderen Blick in Kroatien auf Dinge, die man vielleicht früher als Lehrer gemacht hat.

                        Negativ war eher, dass man sich auch ein bisschen so aus der Praxis entfernt hat, was mir dann auch in Rotterdam dann wieder geholfen hat, dass ich dann wieder selber unterrichten konnte. Und ganz anders ist jetzt, jetzt wieder in Berlin – und dann auch wieder mal zu rekapitulieren: Was hast du denn früher als Lehrerfortbildner denn alles für tolle Dinge vermittelt, die vielleicht in der Praxis gar nicht so gut funktionieren. Oder ja, also das hat sich auf den Boden auch wieder zurückgeholt.

                        Also insgesamt fand ich jetzt so rückblickend die letzten Jahre spannend und bin auch gespannt darauf, was noch kommen wird.

                        Da würde ich ganz gerne kurz anschließen. Wie sehr war Deutsch oder ist Deutsch dort angesehen oder wie viele Schüler gab es da? Oder wie hoch war denn der Bedarf an Deutsch? Fragen wir mal so. Wie sah die Situation dort aus?

                        Ralf Klötzke: Das liegt jetzt natürlich ein paar Jahre schon noch zurück. 97 in Weißrussland. Wir waren damals zwei DSD-Schulen. Das sind jetzt, glaube ich, auch mehr. Also ich kann nur als rückblickend aus dieser Zeit berichten. Interessant war für mich, dass das noch in vielen Dörfern, also meine Studierenden, die ich da unterrichtet habe, die sind vor allem in die Dörfer gegangen, eben noch Deutsch unterrichtet wurde. Das wird aber wahrscheinlich heute ganz anders sein. Das wird doch, also da kann ich überhaupt keine Aussagen zu treffen.

                        In Budapest war es spannend. Das waren ja, es war eine Fremdenführerklasse, die ich vor allem unterrichtet habe, aber eben auch viele aus der Gastronomie. Es war wie eine Berufsschule mit Abitur. Und die brauchten teilweise Deutsch wirklich dann auch für ihre Arbeit. Also die haben dann als Fremdenführer zum Beispiel auf Deutsch gearbeitet, hatten auch so Fächer wie Fremdenführung auf Deutsch oder Civilisatio, so eine Art Landeskundefach. Und das hebte natürlich diese Schule auch aus anderen Schulen des Landes heraus. Man muss natürlich auch sagen, in Ungarn gibt es auch neben solchen Schulen ganz viele Schulen der sogenannten deutschen Minderheit, die auch ein sehr hohes Sprachniveau haben. Also ich fand schon, dass Deutsch damals, das war ungefähr bis 2010, ein sehr hohes Ansehen hatte. Und später in Kroatien kann ich auch nur wieder positive Dinge nennen, weil in Kroatien auch die deutsche Sprache einen guten Stand hatte, aber damals eben auch in Rückgang zu verzeichnen war. Und wir versucht haben, durch Initiativen gemeinsam zu Goethe-Institut ZfA das aufzuhalten und Deutsch mehr in den Fokus zu holen.

                        Ja, und Rotterdam war wieder ganz anders. Also das, was man da im Goethe-Institut hatte, was auch auf einem sehr hohen Niveau sich abgespielt hat, zwar hat von A1 bis C1 verschiedene Kurse unterrichtet. Aber das war auch total spannend, mal von Erwachsenen auch zu fragen, wie wichtig Deutsch für sie ist, und wie interessiert sie auch waren an Deutsch als Fremdsprache. Wir hatten also dann dort Lernende, die zwar von ihren Firmen geschickt worden sind, die also Deutsch für Business und für ihren Beruf brauchten, aber wir hatten auch Lernende, die das einfach nur aus Lust und Freude gemacht haben.

                        Das ist auch schön, dass es auch solche Menschen gibt.

                        Ralf Klötzke: Das ist das Schönste, was man eben auch so als Lehrer erleben kann. Und dadurch sind eben auch so viele Dinge entstanden, wo ich auch jetzt rückblickend sagen kann, ich habe eben unwahrscheinlich viel profitiert und viel gelernt. Und insbesondere eben auch in meinen letzten Einsätzen in Rotterdam, mit so vielen klugen Leuten habe ich schon lange nicht sprechen können.

                        Das ist schön. Das ist sehr schön zu hören. Würdest du sagen, dass es den Niederländern einfacher gefallen ist, einfach durch die Nähe, also Deutsch zu lernen?

                        Ja, natürlich durch die Sprachähnlichkeiten. Aber das ist so wie im Deutschen, nämlich auch wenn man zum Beispiel Englisch lernt, bis zu einem gewissen Niveau läuft das relativ gut. Und dann, ja, so ab B1 wird das dann schon schwieriger. Du warst ja wahrscheinlich auch schon in den Niederlanden oder hast niederländisch gehört. Ja, was eben so faszinierend ist, dass man meint, man versteht genau und dann merkt, wir haben ja die ganze Zeit ja uns aneinander vorbeigeredet.

                        Sehr schön. Ja, dann machen wir mal einen Sprung über den großen Teich, würde ich sagen, und springen mal nach Chile. Und dann würde ich Karl bitten, einfach mal über seine Erfahrungen in Chile zu sprechen, weil ich glaube, das ist auch noch mal wieder was ganz anderes, als wenn wir uns in Europa bewegen.

                        Karl-Otto Kirst: No tanto, also nicht ganz so viel. Es ist so, ich muss einen kleinen Bogen machen. Ich bin nicht gleich auf Deutsch als Fremdsprache zugesteuert, sondern ich habe Mathematik und Geschichte am Anfang studiert. Irgendwann hatte ich das Gefühl, nee, Karl, du bist zu verkopft. Mathematik ist sehr viel Theorie. Ich habe noch die Zwischenprüfung gemacht und dann habe ich aber gewechselt zu Deutsch und bin sehr froh, dass ich das gemacht habe. Mit Mathe hätte ich zwar wahrscheinlich damals noch einen Job an einer staatlichen Schule bekommen, mit Deutsch nicht mehr. Aber ich hätte die ganzen Erfahrungen, die ich machen konnte, nicht machen können. Ja, hat es irgendwas gegeben, was mich daraufhin ausgerichtet hat, ins Ausland zu gehen? Ich habe einen Cousin, eine Generation älter als ich. Als ich praktisch geboren wurde, ist er schon ins Ausland gegangen, damals in den 50er Jahren, nach Neuseeland. Und den habe ich erst im Erwachsenenalter selbst mal kennengelernt. Aber der war immer irgendwie präsent.

                        Das heißt, es gab jemanden so in der großen, weiten Welt. Außerdem hatte ich eine Tante in Angeln. Ich komme aus Schleswig-Holstein, Angeln ist ein Landesteil an der dänischen Grenze, mit einem Mann verheiratet war, der sich der dänischen Minderheit zugehörig fühlte. Und dort wurde fließend Hochdeutsch, Plattdeutsch und Dänisch gesprochen, immer so im freien Wechsel. Das war für mich auch so eine Erfahrung. Man kann die Sprache wechseln.

                        Mein Vater war zwar nicht zweisprachig, der sprach nur Deutsch. Allerdings sagte er immer Plattdeutsch, Hochdeutsch und durch die Nase. Aber dieses Plattdeutsch und Hochdeutsch waren situativ bedingt, im Sekundenbruchteil wechselte man je nach Gesprächsverlauf von einer Sprachvariante in die andere. Das ist mir später erst im Studium, da habe ich mal darüber eine Arbeit geschrieben, über die Diglossie, funktionale Zweisprachigkeit, ist mir das erst aufgefallen. Und dann, ja, privat war ich mal verliebt in eine junge Frau aus Island, die war mit ihren Eltern in Deutschland. Und ich kann mich noch entsinnen, als wir das erste Mal so privat, irgendwie da waren wir mit Freunden unterwegs, miteinander reden wollten.

                        Ich habe versucht, auf Englisch zu reden. Ich konnte im Prinzip kein Englisch sprechen. Ich hatte nur Grammatik-Übersetzungsunterricht gehabt. Ich konnte aber nicht sprechen. Das Sprechen im Englischen habe ich im Ausland kennengelernt. Ich bin dann ein Jahr später, da waren wir zwar nicht mehr zusammen, aber ich bin in Island gewesen in den ersten Semesterferien des Studiums. Und da ich nicht so gut bei Kasse war und einfach, weil ich auch Lust hatte, was auszuprobieren, habe ich dann da zwei Wochen gearbeitet in einer kleinen Firma. Und die sprachen alle nur Isländisch. Und das hat zu dem einen oder anderen kleinen Missverständnis auch beigetragen.

                        Aber ich habe gesehen, du kannst im Ausland dich zurechtfinden. Und das hat sicherlich so ein bisschen mich geprägt dahin, dass ich gesagt habe, ja, ich mache auch einen Schritt jetzt mal in ein ganz anderes Land. Dann habe ich allerdings, Chile war damals geprägt in den siebziger Jahren durch die Militärdiktatur von Pinochet. Es gab Exil-Chilenen und ich habe irgendwie den Schwung gefunden zu einer Volkstanzgruppe mit Ost- und mit chilenischen Tänzern. Diese chilenischen Tänzer haben wir dann auch im Kontext von Chile Solidaritätsveranstaltungen aufgeführt und so weiter. Und darüber war mir das Land als solches schon so ein bisschen vertraut. Und auch wenn natürlich die Kultur irgendwie eine andere ist, aber letzten Endes ist die chilenische Kultur weitestgehend durch die europäischen Einwanderer, sprich vor allem Spanier. Aber im Süden steht es auch stark durch deutsche Einwanderer geprägt. Ich könnte jetzt viel erzählen, ich muss mich ein bisschen kürzer fassen.

                        Ich bin dort gewesen am Anfang in einer kleinen Schule der deutschstämmigen Einwanderer, die war 100 Jahre alt etwa. Der erste Lehrer war genau wie die Einwanderer per Stift dort hingekommen. Inzwischen hatte sich aber die Situation der deutschen Minderheit in Chile verändert. Natürlich haben da auch deutschsprachige und spanischsprachige Menschen geheiratet. Und sobald also ein Partner, eine Partnerin spanischsprachig war, war die Familiensprache eigentlich eher spanisch. Und die Einheimischen, die Deutsch als Muttersprache sprachen, wurden weniger. Deshalb gab es so ein Programm, über das ich eben dort hingekommen bin und andere Lehrkräfte.

                        Ja, also du warst ja dann in Chile und bist dann aber in die Türkei gegangen.

                        Ja, es war so, nach fünf Jahren in Chile bin ich, es war klar, maximal hätte ich sechs Jahre dortbleiben können. Ich war ja dort zwar Angestellter der privaten Schule, bekam aber noch eine Förderung aus Deutschland dazu. Diese Förderung konnte maximal sechs Jahre dauern. Bin nach Deutschland zurückgegangen, habe dort mich beworben. Aber mit Deutsch und Geschichte war nach wie vor nichts zu holen. Und ich habe eine Umschulung begonnen zum IT-, damals EDV-Lehrer, und ich hätte also am Ende vielleicht Leute in der Handhabung des Computers und von Software unterrichten können. Das hat mir viel gebracht in meiner weiteren Arbeit. Dann habe ich mich aber auch wieder fürs Ausland beworben, hatte dann die Möglichkeit, entweder nach Rumänien oder in die Türkei zu gehen. Rumänien lachte mich an, weil man ja auch so ein bisschen das Romanische im Namen schon hat und in der Sprache. Und da gibt es eine deutschsprachige Minderheit. Das fand ich in ihm auch interessant. Aber dann habe ich gedacht, nein, wenn du jetzt noch mal ins Ausland gehst, dann mach was ganz anderes. Und einfach, ja, Deutsch und Spanisch sind eigentlich soweit dann wieder auseinander auch nicht. Aber Türkisch hat eine ganz andere Struktur. Und ich habe gedacht, komm, wenn, dann mach das. Und das fand ich auch schön.

                        Interessanterweise gibt das zwischen den beiden Ländern durchaus Ähnlichkeiten. Die Situation des Lehrers, zumindest damals, war ähnlich. Also mit eigentlich großem Respekt für die Lehrkraft. Ich wurde bei Elternsprechtagen oft nicht nach der Note, sondern nach dem Verhalten des Kindes in meinem Unterricht gefragt. Und beide Länder durchaus eher patriarchalisch strukturiert. Auch das vielleicht noch eine Ähnlichkeit.

                        Die Kinder in der Türkei haben damals nach fünf Jahren Grundschule die Möglichkeit gehabt, in eine weiterführende Schule zu gehen, unter anderem in ein sogenanntes Anadolo-Lycee, also ein anatolisches Gymnasium mit verstärktem Fremdsprachenanteil. Das war meistens Englisch, aber es war eben auch viel Deutsch. Und Deutsch war natürlich die Option für rückkehrende Kinder aus Deutschland. Und die gab es damals in den 80er-Jahren zahlreich. Und deswegen gab es eben auch ein Abkommen zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der Republik Türkei über die Entsendung von bis zu 80 deutschen Lehrkräften an verschiedenen Schulen in der Türkei. Und an so einer Schule war ich.

                        Ich erinnere mich, in der ersten Woche hatte ich Aufsicht auf der Schule. Auf dem Schulhof kamen drei Schülerinnen auf mich zu. Wir sprachen miteinander. Irgendwann nach 14 habe ich gedacht, Mensch, du sprichst die ganze Zeit fließend mit denen Deutsch. Ich habe gesagt, wie lange habt ihr schon Deutsch? Ein Jahr.

                        Wow.

                        Karl-Otto Kirst: In diesem Schultyp war es so, dass es zwischen der Grundschule und der weiterführenden Schule ein sogenanntes Vorbereitungsjahr gab, in dem von 35 Wochenstunden 24 in der Fremdsprache hier, also in Deutsch, waren. Das heißt, die hatten im Prinzip jeden Tag fünf Stunden Deutsch. Und das bedeutete natürlich, dass da ein rasanter Fortschritt war.

                        Und vielleicht nur noch ein Highlight für mich. Es ist so, ich habe dann auch mit den Lehrwerken, die es gab, gearbeitet. Da stand dann irgendwann in weiterführenden Klassen auch drin, man sollte doch auch mal ein Gedicht machen von Goethe. Da habe ich gedacht, ein Gedicht von Goethe, na ja. Aber gut, probiere es mal. Und das lief wunderbar. Erstens hatten die Schülerinnen und Schüler in ihrem muttersprachlichen Unterricht, also im türkischen Unterricht, Ähnliches kennengelernt. Und die hatten einfach ein Gefühl dafür und die konnten auch inzwischen so viel Deutsch, dass sie das alles verstehen konnten. Und das ist schon toll.

                        Und auch mit Musik. Also Musik ist auch etwas, was natürlich einmal Emotionen rüberbringt, aber eben auch spielerisch quasi sprachlichen Klang und sprachliches Verständnis transportiert.

                        Das stimmt. Also ich bin ja, wie gesagt, selbst, ich habe ja auch Chinesisch und Koreanisch studiert. Und Musik ist für mich da auch so ein ganz wichtiger Teil, einfach die Sprache auch zu lernen oder eben auch Videos oder Filme in der Sprache sich anzuschauen. Das kann ich aus persönlicher oder eigener Erfahrung total unterstreichen und finde es total schön, dass das, dass das da auch so gut angekommen ist.

                        Gut, ja, wir sind ja hier bei OER Info, das heißt, das Thema OER ist natürlich für uns auch total wichtig und spannend. Und wahrscheinlich, bitte korrigiert mich, wenn das, wenn das falsch ist, aber wahrscheinlich war OER zu der Zeit noch nicht so ein Thema, wo ihr jetzt im Ausland wart. Würdet ihr jetzt rückblickend sagen, ihr hättet euch OER damals schon gewünscht? Hättet ihr oder würdet ihr sagen, das hätte euren Unterricht oder eure Lehrerfortbildung das unterstützt? Wie würdet ihr das einschätzen?.

                        Karl-Otto Kirst: Da fange ich jetzt vielleicht nochmal an, weil ich eben im Ausland war, als es das Internet noch nicht gab. Es gab zwar theoretisch damals schon die deutsche Welle über Langwelle. Ich konnte sie aber in Chile nicht empfangen. Mit anderen Worten, ich hatte weder Radio noch Fernsehen, noch irgendeine Tageszeitung auf Deutsch. Ich konnte natürlich nach Santiago 500 Kilometer entfernt fahren und mir dort Presseerzeugnisse mit etwas zeitlicher Verzögerung kaufen. Aber das kam selten vor. Ich hatte also nichts Muttersprachliches, um zum Beispiel auch mal auf aktuelle Themen einzugehen. Ich hätte mir schon gewünscht, dass ich damalsirgendwelche Dinge gehabt hätte. Das Goethe-Institut hatte zum Glück auch damals viele Materialien. Es gab Internationis, das war zunächst unabhängig vom Goethe-Institut, aber ist irgendwann übernommen worden. Also eine Institution, die sehr gute Materialien, für den Deutschunterricht zur Verfügung gestellt hat. Von Bildmaterial über landeskundliche Materialien, über audiovisuelle Medien war schon toll. Die standen uns zur Verfügung, die durfte ich auch kopieren und so weit war das in Ordnung.

                        Aber ich gehe vielleicht jetzt einfach mal auf den Sprung in die Türkei. Auch da war so eine ähnliche Situation. Damals gab es dann auch schon das Internet. Dann habe ich natürlich auch zum Beispiel irgendwann diese Zentrale für Unterrichtsmedien im Internet gefunden, habe mir dort Materialien, die erstellt wurden für muttersprachliche Schülerinnen und Schüler angeschaut und teilweise auch genutzt. Natürlich kann man viel adaptieren, aber ich durfte natürlich nicht einfach wild kopieren. Das ging nicht. Ich hatte Probleme auf einer anderen Ebene. Zu dem Lehrwerk, was wir damals haben, habe ich dann einen ergänzenden Band mit Übungen erstellt, weil einfach das Material an Übungen begrenzt war. Wir hatten ja viele Stunden und da konnte man immer mehr Übungen brauchen. Das habe ich dann auch Kolleginnen und Kollegen zur Verfügung gestellt. Soweit auch okay. Ich hätte das aber nie publizieren dürfen, weil darin Abbildungen aus dem Lehrwerk enthalten.

                        Und dann habe ich überlegt, ja, wie kriegst du denn das hin? Ich habe teilweise Schülerinnen und Schülern gut zeichnen konnten, gefragt, kannst du nicht mal so eine Situation zeichnen? Das konnte ich für den eigenen Unterricht verwenden. Aber urheberrechtlich war das natürlich nicht okay, dass ich das hätte publizieren können. Da hätte ich die Eltern fragen müssen und so weiter. Das war so ein Problem.

                        Viel stärker ist mir das dann hier bewusst geworden, als 2015 dieser große Zustrom von Geflüchteten nach Deutschland war und natürlich der Bedarf an Deutsch-Materialien enorm war. Es gab eine große Hilfsbereitschaft. Es gab Unmengen von Leuten, die sagten, ja, ich unterrichte auch. Leute, die nicht unbedingt als Lehrkräfte waren, aber die einfach als Hausfrau, als Berufstätiger gesagt haben, ich möchte was machen. Und die brauchten Materialien. Erstens gab es auch für den Schulbuchverlagen zu dem Zeitpunkt noch nichts, weil sie noch nicht auf diese neue Situation eingestellt waren. Das hat sich massiv verändert zum Positiven. Aber was es gab, konnte man natürlich vielleicht in seinem Unterricht kopieren. Aber da war schon mal schnell so eine Grauzone. Und da habe ich gelernt, es ist enorm ungünstig, dass es eben nicht ausreichend freies Material gibt.

                        Ralf Klötzke:Ich hatte zwar Internet relativ langsam, aber da war kaum was zu finden. Und an meiner pädagogischen Hochschule, da gab es kaum Bücher oder Lehrbücher. Die waren total veraltet aus einheimischer Produktion. Und aktuelles Material, was man so gerade für einen Landeskundeunterricht brauchte, habe ich tatsächlich dann auch über die Botschaft bekommen, die mir ab und zu Dinge zugeschickt hat, die aber auch schon drei, vier Wochen alt waren – was auch nicht schlimm war. Und ich habe daraus aus diesen Artikeln dann eine Landeskundeeinheit oder mit der aktuellen Diskussion zusammengestellt. Interessant war nur, das ist vielleicht so ein Gag nebenbei, dass es da auch politische Probleme mit dem KGB gab. Der ist aufmerksam geworden, dass halt Unterricht gemacht wird und ich dafür kopiere. Und meine Kollegen wurden angewiesen, alles, was ich kopiere, zu kontrollieren. Das haben wir eine Woche lang gemacht bis dann ein Kollege gesagt hat, Ralf, das schaffen wir eh nicht. Und hat das dann so laufen lassen. So eine witzige Geschichte nebenbei.

                        Auf der anderen Seite ist es natürlich, wenn man heute die Entwicklung von Belarus sieht, wie das, wo das hingegangen ist, wirklich eine ernste Sache geworden ist. Damals habe ich das auch nicht so ernst genommen. Die waren halt da und haben sich interessiert. Und Kollegen teilweise haben mir dann auch mal erzählt, ja, wir mussten heute wieder über dich Auskunft geben und so weiter und so fort. Das war wahrscheinlich auch ein bisschen überraschend für sie, dass ein Lehrer halt in die Provinz geschickt worden ist, wo ich unterrichtet habe.

                        2015 war, glaube ich, eine ganz wichtige Sache, wo sich im Prinzip auch diese Wiki-Dynamik oder die Wiki-Technik als etwas gezeigt hat, dass sie wirklich eine tolle Sache ist. Wiki kommt aus dem Hawaiianischen, heißt ja schnell, schnell – also Wiki, Wiki. Und beschreibt ja eigentlich, was man damit machen kann. Man kann also innerhalb kürzester Zeit Inhalte schnell einstellen, miteinander verknüpfen, mit anderen Leuten zusammenarbeiten. Und das konnten wir 2015 machen.

                        Ich war damals Experte für Unterricht in Kroatien, habe teilweise live miterlebt, diese Veränderungen, die in Europa vor sich gegangen sind. Ich war in Izmir, habe dort die Flüchtenden gesehen. Ich war in Athen, in Belgrad in der Zeit. Das gehörte alles zu unserer Region damals. Und irgendwie kamen Karl und ich zusammen und gesagt, wir müssen jetzt irgendwas machen. Es gab auch schon die ersten Initiativen in Deutschland. Wie stellen wir jetzt das, was wir eigentlich ja schon haben, so schnell wie möglich den Lehrenden, die ja teilweise auch gar keine Ausbildung hatten, die da einfach als Eigeninitiative was tun wollten? Vielleicht unsere Inhalte, die wir schon gesammelt haben, aber noch nicht irgendwie sichtbar sind. Das ist ja auch mal ein großes Problem im Internet. Es gibt so viel, aber man findet es einfach nicht.

                        Und da kamen wir halt dann auf die Idee, nicht nur eine Seite oder mehrere Seiten in den bestehenden Wikis, die wir schon hatten damals zu erstellen oder zu generieren, sondern ein ganz neues Wiki aufzustellen. Und das war dann eine Initiative, wo wir uns auch vorher Gedanken gemacht haben, wie können wir, welche Struktur wollen wir da einführen? Ich hatte dann vorgeschlagen, dass wir uns auf die schon bestimmten Lehrpläne für neu zugewanderte Berufe, da gab es einen Rahmenlehrplan Deutsch als Fremdsprache vom Auslandsschulwesen. Es gab das vom BAMF für Integrationskurse. Und die waren eigentlich auch schon in der Methodik her auf Kompetenzen ausgerichtet, auf was ein Lernender können sollte, also auch mit sogenannten Kann-Beschreibungen. Und beschrieben wurde das als sogenannte Handlungsfelder. Und da haben wir dann im Prinzip aus diesen Handlungsfeldern eine Struktur für ein Linksystem oder für ein Materialsystem erarbeitet, wo man dann auf Grundlage dieser Handlungsfelder dann sofort zugreifen konnte. Also der soll jetzt zum Beispiel im Restaurant das und das machen können oder der soll auf einer Behörde das und das machen können. Und ich glaube, das war ein sehr guter Weg, mal Materialien anders zu präsentieren. Einmal entsprach das eigentlich auch dem modernen Fremdsprachenunterricht, also kompetenzorientiert, sich Dinge zu planen. Also, wenn ich weiß, dass der Lernende das und das können muss, was muss ich vorher tun? Welche Inhalte brauche ich dafür? Welche Methoden brauche ich dafür? Und dass wir im Prinzip dadurch auch eine neue Qualität von einer Art Linksystem von DaZ damals da entwickelt hatten, was auch, glaube ich, sehr gut angekommen ist.

                        Karl-Otto Kirst: Um gleich da kurz einzuspringen. Also 2015 haben wir eben das zum Willkommen gemacht. Damals waren die Zielsetzungen natürlich für Lernende, damit die Materialien finden könnten, aber vor allem für Lehrende und wie ja schon beschrieben eher oder zumindest auch Laien und Sprachniveau A1, A2, also Anfangsniveau. Und dann haben wir Ende 2021 gesagt, und richtig durchgestartet ist das dann Anfang 2022, haben wir daraus als Weiterentwicklung das aktuelle ZUM Deutschlernen gemacht. Wir haben dann also die Inhalte aus zum Willkommen übernommen, aus dem 2008 schon entstandenen DaF, also Deutsch als Fremdsprache-Wiki, haben wir übernommen, dabei natürlich gesichtet und selektiert. Das heißt also, die guten Inhalte übernommen, die anderen entweder überarbeitet oder weggelassen. Und das aktuelle zum Deutschlernen greift das, was Ralf gerade eben strukturiert oder genannt hat als Struktur, greift das noch viel, viel stärker auf und umfasst inzwischen eben alle Sprachniveaus von A1 bis C2 und eben richtet sich explizit an DaF und DaZ-Lehrende und -Lernende zum Willkommen. Das war eben Deutsch als Zweitsprache und mittlerweile haben wir eben auch aus den am Anfang skizzierten Überlegungen, die Ralf ja ganz klar unterstrichen hat, oft ist das gar kein so großer Unterschied. Das sind kleine Unterschiede, sodass man das an einem Ort ruhig festhalten kann. Diejenigen, die daran interessiert sind, wissen, was sie benötigen und können gegebenenfalls das, was sie brauchen, herausgreifen und das andere einfach dann ignorieren.

                        Und das ist, glaube ich, ein Schritt, da sind Ralf und ich uns, glaube ich, einig, der ein wichtiger Schritt nach vorne gewesen ist, weil wir einfach jetzt eine viel breitere, eine sehr gut strukturierte Plattform haben. Wir haben Anfang 2022 eine Förderung von der Hamburg Open Online University eines OER-Camps in Hamburg erhalten. Zehntausend Euro für große Projekte, wahrscheinlich Peanuts. Für uns war eine noch nie dagewesene Summe.

                        Besser als nichts.

                        Karl-Otto Kirst: Ja, das war fantastisch. Wir haben also damit die Erstellung von insgesamt elf interaktiven Videos finanzieren können. Wir haben das Logo entwerfen lassen. Wir haben viele Grafiken, also Symbol-Grafiken erstellen lassen und so weiter und so weiter. Wir haben einen Teil unserer Arbeit, die wir dann eben reinstecken können, auch mitfinanzieren können. Das war ein enormer Schritt nach vorne, der sich bis heute bemerkbar macht.

                        Und ja, mit kleinen Summen kann man also ein ehrenamtlich laufendes OER-Projekt enorm fördern. Unser Problem dabei ist natürlich, wenn wir nicht so das große Glück haben wie damals, dann kommen wir eigentlich nicht an diese Fördertöpfe ran. Wir haben nicht die Manpower, um Förderungsanträge zu bestellen und das nachher auch noch alles zu verwalten. Insofern wächst unser Projekt langsam. Aber offensichtlich ist es ein Projekt, was auf Bedarf stößt, denn die Zugriffszahlen gehen, glaube ich, auch langsam, aber doch deutlich nach oben.

                        Ich sage an der Stelle einfach mal auch Danke für eure Arbeit, dass ihr das so vorantreibt und eben auch ehrenamtlich macht. Ich glaube, an dieser Stelle ist ein Dank auch angebracht.

                        Karl-Otto Kirst: Danke. Vielleicht gebe ich den Dank auch noch mal weiter, Ralf wird mir sicherlich zustimmen, an die ZUM weiter, die Zentrale für Unterrichtsmedien. Das ist eben ein Verein gegründet und nach wie vor vorwiegend getragen von Lehrkräften, also Lehrerinnen und Lehrern, die meistens aktiv im Unterricht in der Schule sind und deswegen natürlich auch nur begrenzte Zeit haben, die das ehrenamtlich neben ihrer Arbeit machen. Aber es läuft, es läuft gut. Und das ZUM Deutsch lernen ist eben ein Teil dieses Angebots der ZUM. Und die ZUM ist schon Ende 2007 auf die damalige Kapstadt Erklärung zu Open Educational Resources gestoßen. Und wir haben uns dann mit dem damaligen Zugpferd, dem ZUM-Wiki auch entschlossen, die OER-Bedingungen bei uns einzusetzen. Es gab am Anfang eine Diskussion, eine typische Diskussion, ob es denn eine NC, Non-Commercial Use, sein sollte oder nicht. Das ist auch bis heute immer noch so eine Frage. So Lehrerinnen und Lehrern stellen ja ständig irgendwelche Materialien für den Unterricht, für eine Klausur, für eine Übung. Und untereinander wird das getauscht. Das wurde früher als Arbeitsblatt getauscht. Heute wird das als Datei getauscht. Ist ja auch innerhalb der Schule kein Problem.

                        Das Problem ist dann immer, wenn es veröffentlicht werden sollte. Also heute natürlich im Internet. Und dann haben viele einfach auch Angst und sagen, ja, ich habe da jetzt viel Schweiß und Tränen reingeschmissen. Und jetzt soll vielleicht ein Schulbuchverlag einfach das Material veröffentlicht. Das geht doch nicht. Und da kommt dann dieser Gedanke NC, also non-commercial use, das darf nicht kommerziell ausgewertet werden. Wir haben uns zum Glück nach langer interner Diskussion entschieden zu sagen „Nein, weg damit.“ Und zwar deswegen, weil wir gesagt haben, OK, wenn wir die Standardlizenz, die es jetzt auch zum DE in der Regel gibt, die sind CC by SE. Das heißt, man muss den Autor, den Urheber nennen und man muss dieselbe, also SA – „same as“, dieselbe Lizenz verwenden. Dann ist das genug, wenn dann ein Schulbuchverlag sagt, oh, die haben eine tolle Seite, die nehmen wir, die veröffentlichen wir. Dann ist das ja unter derselben Lizenz. Das heißt, wir können auch sagen, oh, die haben was Tolles draus gemacht. Und das veröffentlichen wir auch wieder.

                        Und wir sind jetzt zum Deutschlernen noch einen Schritt weitergegangen. Wir haben gesagt, im internationalen Bereich, man stelle sich irgendwie eine kleine Schule in Südamerika oder eben auch in Osteuropa oder wo auch immer vor, die sagen, oh, die haben doch tolles Material genommen. Wenn man dann diesen ganzen Apparat an erforderlichen Angaben und sei es nur zum Deutschlernen, Lizenz sowieso, sowieso angibt, das ist sehr aufwendig. Wir haben uns entschlossen, für zum Deutschlernen zu sagen CC by – das heißt, du musst nur sagen, das ist aus zum Deutschlernen und damit ist es OK und dann kannst du damit machen, was du willst. Denn das entspricht der Sprachrealität oder der Unterrichtsrealität und es vereinfacht vieles.

                        Wir haben ein kleines Problem dabei. Wir nutzen sehr viele interaktive Übungen, die erstellt werden mit H5P auf ZUM-Apps veröffentlicht. Und da haben wir CC by SE als Lizenz vorgegeben. Und deswegen sind sie natürlich auch im zum Deutschlernen unter CC by SE nicht so frei, wie wir es uns wünschen. Aber wir sind da. Wir versuchen das auch noch zu ändern.

                        Also es passt ja trotzdem immer noch zu dem OER-Gedanken. Wenn man die strenge Definition nimmt, ist es CC by SE zählt das ja immer noch zur OER. Deswegen alles gut.

                        Du hast gerade ja schon so ein bisschen auch die negativen Aspekte im Stichwort Ängste mancher Person in Bezug auf OER genannt. Ich meine, das sind ja so die negativen Aspekte, die man oft im Zusammenhang von OER hört. Aber ich würde euch beide gerne noch mal bitten, vielleicht ganz kurz zu sagen, worin seht ihr denn die Vorteile explizit in Bezug auf DaZ oder DaF in der Verwendung von OER? Warum empfehlt ihr OER einzusetzen?

                        Karl-Otto Kirst: Der ganz große Vorteil ist aus meiner Sicht die Austauschbarkeit und die Wiederverwendbarkeit. Also diese zwei Begriffe. Das gibt ja so mehrere Vorteile. Austauschbarkeit. Ich kann es einfach weitergeben. Andere können sagen, hier das darfst du auch auf deiner Webseite veröffentlichen. Das darfst du im Unterricht einsetzen, darfst es gerne in eine eigene Publikation einbinden. Und die Weiterverwendbarkeit, wieder publizieren ist ja schon weiterverwenden. Aber du kannst auch sagen, ja, ist ja gut, aber ich möchte das gerne noch mal überarbeiten. Ich mixe das mit anderen Materialien, erstelle was Neues daraus. Das ist möglich. Und ich denke, das ist, da wird Ralf mir sicherlich zustimmen, das ist für mich immer so ein Teil meiner Arbeit gewesen. Wir arbeiten mit ganz vielen fertigen Materialien. Aber immer wieder gibt es eine Situation, in der auch was Neues gemacht werden muss. Und jetzt gerade im Sprachunterricht. Man hat also eine Lerngruppe und merkt, oh, da hakt das. Was kann ich denn da noch mal machen? Ah, da ist eine Übung. Oh shit, die kann ich nicht nehmen. Die ist ja urheberrechtlich geschützt.

                        Und dann ist das fantastisch, wenn man freie Materialien hat. Um es konkret zu machen: Es gibt zum Glück ja zwar nicht viele, aber doch immer mehr Kolleginnen und Kollegen, die auch selbst freie Materialien erstellen und veröffentlichen. Ich habe also im Blick zum Beispiel eine Anisa DLV, die unter CC by SA Materialien erstellt, die sie selbst für einen Unterricht in der Grundschule benötigt. Okay, Grundschulmaterialien, da ist so eine kindliche Optik mit drin. Aber ich sage mal, für den Anfangsunterricht auch mit Erwachsenen, kann ich die gleichen Materialien verwenden. Die darf ich frei verwenden.

                        Und es gibt mittlerweile andere, eine Birgül Nyer, die im beruflichen Bereich Deutsch als Zweisprache unterrichtet, die eben auch für ihre Zwecke Grafiken erstellt hat, die sie frei zur Verfügung stellt. Fantastisch! Ich kann mit einem Mal Arbeitsblätter illustrieren.

                        Ein Beispiel, was sich mir eingeprägt hat, Modalverben. Ich kann das, ich muss das und so weiter- brauchen wir ständig. Das ist ein Thema immer im Anfangsunterricht. Wie kann man das darstellen? Und da habe jetzt Materialien, da wird einfach dargestellt, eine Person kann Tischtennis spielen, die kann dieses und jenes. Man sieht das als Bild und man begreift das eigentlich sofort, dass ich kann das, die können das. Und ein Bild sagt mehr als 1.000 Worte, ist ja so eine Redewendung. Ja, das ist sehr, sehr hilfreich.

                        Und ein anderes Thema, etwas fortgeschritten, Wegbeschreibung. Das ist immer wieder ein Thema. Dazu gibt es viele Materialien, aber ein Wegbeschreiben nur mit Worten ist zum Lernen nicht so prickelnd. Es ist gut, wenn man Bildmaterial hat. Ich habe kaum was Freies gefunden. Ich habe angefangen, selbst was zu erstellen. Und das darf jetzt jemand anders gerne verwenden. Ich mache das deswegen unter freier Lizenz, weil ich weiß, wie schwer es ist, an solche Dinge ranzukommen. Das sind keine Kunstwerke, aber man kann damit arbeiten. Und ich sehe ja auch, für mich sind es ein paar Stunden Arbeit gewesen, so was zu erstellen. Ich hoffe, dass irgendein Kollege oder eine Kollegin sagen, oh, damit kann ich was anfangen und damit mache ich auch was.

                        Also der Punkt, den du gerade angesprochen hast, Deutsch lernen beschränkt sich ja nicht auf eine Altersgruppe oder einen Bildungsbereich. Es gibt bestimmt auch mittlerweile Kindergärten, die im Ausland auch irgendwie zweisprachig sind und da vielleicht Deutsch dann auch schon im Kindergarten gelehrt wird.

                        Karl-Otto Kirst: Also in den sogenannten deutschen Schulen oder an einer privaten Schule in der Türkei, die eben auch starken Deutschunterricht gemacht hat, die haben auch einen Kindergarten, in dem schon ein bisschen Deutsch gemacht wird. Also das gibt es auf jeden Fall, und wir haben natürlich ganz viele Kinder mit Migrationshintergrund, mit denen man sprachlich arbeiten muss.

                        Ich finde da ist auch OER total super platziert. Du meintest ja auch eben gerade, dass man bei Materialien, die für Grundschüler gedacht sind, auf den ersten Blick vielleicht da denkt: Naja gut, das kann ich jetzt keinem Erwachsenen vorlegen. Aber ich glaube tatsächlich, dass die, wenn sie in einfacher Sprache sind oder eben auch mit Bildern, auch bei Erwachsenen gut ankommen. Gerade am Anfang, wenn man, wenn man erstmal in die Sprache auch reinkommen muss und das Verständnis dafür entwickeln muss.

                        Karl-Otto Kirst: Vielleicht noch ein konkretes Beispiel. Das Leibniz-Institut für Lehrerbildung in Hamburg, die haben ein Material eben für den Deutschals Zweisprache-Unterricht in den Hamburger Schulen erstellt. Eine typische Situation, da werden öffentliche Gelder dafür ausgegeben, um Materialien zu erstellen. Und im Rahmen der ZUM haben wir schon 2015, unterstützt von vielen anderen OER-Initiativen, eine Erklärung herausgegeben, Schmerlenbacher Appell, und haben gesagt, was mit öffentlichem Geld gefördert ist, sollte eigentlich auch frei öffentlich zugänglich sein. Und jetzt ist das so, dieses Hamburger Material habe ich zufällig gefunden mit tollen Illustrationen, zum Beispiel von Verben. Und auch da ist ja wieder die Frage, wie stelle ich irgendwas dar? Ich meine, Präsenzunterricht, was weiß ich, dann setze ich mich hin, um Hinsetzen zu demonstrieren. Am Bildschirm ist das schon etwas schwieriger. Okay, und die Materialien habe ich gesehen, habe gedacht, toll, die sollte man noch verwenden können. Da stand keine Lizenz dabei. Ich habe einfach nachgefragt und mir wurde gesagt, ja, das darf man unter CC BY verwenden. Fantastisch! Das heißt, ich darf es verwenden, und ich habe es inzwischen auch verwendet. Wir erfinden das zum Deutschlernen. Das sind 50 Verbbilder. Aber diese Bilder sind ein enormer Schritt nach vorne. Und das ist, glaube ich, auch wichtig, weil man ja oft sagt, Mensch, es sind nur so wenige, die was machen. Aber wenige, die etwas Sinnvolles machen, können wichtige Meilensteine werden oder zumindest wichtige erste Schritte in die richtige Richtung sein.

                        Ralf Klötzke: Stimmt, es hat sich auch wirklich viel getan. Also zum Beispiel auch das Landesinstitut, das LISUM, wo ich arbeite, das veröffentlicht eigentlich auch die Materialien als OER. Und wenn ich da zurückschaue, was so 2010 noch da war, wo wir uns auch, ja, wirklich aufgeregt haben, dass ganz viele Dinge halt mit öffentlichen Geldern produziert werden und man das nicht eigentlich weiter nutzen konnte oder nicht verändern konnte und weiter veröffentlichen konnte. Aber ich würde vielleicht noch was sagen. OER, vielleicht was von so einem Grundprinzip, was ich so kennengelernt habe, als ich zur ZUM gekommen bin. Als sich die ZUM gegründet hat, gab es diesen OER-Gedanken ja noch gar nicht, aber die haben das im Prinzip ja schon gelebt. Und wie gesagt, ich bin 2006 dahin gekommen und konnte damals halt ein eigenes Wiki auch eröffnen. Es gab damals eine Möglichkeit, so eine Art Wiki-Farm. Es gab dann mehrere Wikis, die nebenher existiert haben. Und ich habe so eine Definition für OER damals gehabt: Wenn du etwas gibst, so wird es gegeben. Und ich habe so viel profitiert auch davon, dass ich Dinge von mir, die ich selber produziert habe, öffentlich gestellt habe. Ob das jetzt auch mein Blog war oder andere Dinge. Ich kann das eigentlich nur empfehlen, dass man OER als Definition, als Prinzip annimmt. Das kann einmal für die eigene Karriere nützlich sein, aber auf der anderen Seite natürlich auch für die eigene Persönlichkeit.

                        Und natürlich, wenn man so konkret jetzt schaut in den Unterricht, wir hatten ja mal den Traum, dass die Wikis auch als sogenannte digitale, interaktive Arbeitsblätter genutzt werden können. In kleinen Sachen haben wir das auch ja umsetzen können. Im Großen hat sich das leider nicht durchgesetzt. Also man muss sich das so vorstellen. Alle reden von Binnendifferenzierung oder von differenzierenden Unterrichten. Man sagt auch, das ist das schlechte Gewissen des Lehrers. Jeder weiß, dass man es machen muss, aber kaum einer setzt es richtig um. Aber eben, indem ich solche Materialien relativ schnell durch das Wiki-Prinzip erstellen kann und die Materialien im Prinzip mixen kann und einmal auf bestimmte Lerngruppen zuschneiden kann, wie Karl schon erklärt hat. Aber ich kann es ja auch differenziert auf bestimmte Schülerinnen und Schüler fokussieren und einrichten für sie. Dadurch, glaube ich, erhält OER nochmal so eine neue Qualität. Das kann ich eben nicht mit allen Materialien, die ich sonst vielleicht für teuer Geld kaufen muss.

                        OER hat auch eine große Zukunft, meiner Meinung nach. Es gibt ja auch OER-Lehrwerke, die schon entstehen. Die Frage ist natürlich, wie wir in Zukunft Dinge auffinden. Und das war, glaube ich, so ein Grundprinzip, was uns auch immer bei der ZUM ein bisschen auch geärgert haben. Wir wurden größer, wurden schon so ein kleiner Tanker, wie manchmal auch gesagt worden ist, ein bisschen unbeweglicher. Wir haben unwahrscheinlich viel gehabt, aber es wurde gar nicht so von Lehrern wahrgenommen. Und es hat aber eben einen Grund gehabt, dass die Auffindbarkeit nicht richtig funktioniert. Es gibt zwar jetzt verschiedene Initiativen, da kann Karl vielleicht nochmal was dazu sagen, aber da können wir auch nochmal in die Geschichte von ZUM Deutschlernen nochmal zurückgehen. Das ist ja eigentlich auch entstanden, dass wir nicht nur das mit Zoom Willkommen dort eingearbeitet haben, sondern es gab ja vorher schon andere Wikis, die sich mit DaF/DaZ beschäftigt haben oder sagen wir mal mit DaF vor allem.

                        Also einmal das ZUM-Wiki allgemein, das ist eigentlich das erste gewesen. Dann haben wir das DSD-Wiki gehabt, was ich dann erarbeitet hatte. Eigentlich auch zuerst mit dem Fokus, ich wollte dort projektorientiertes Unterrichten mit Schülerinnen und Schülern machen zum deutschen Sprachdiplom, was ich dann auch durchgeführt habe. Aber dadurch, dass auch andere Lehrer mitgearbeitet haben, konnten wir dann verschiedene Inhalte einstellen. Und als ich dann einen neuen Arbeitgeber hatte, haben wir dann das sogenannte DaF-Wiki, das es auch gab, erstellt, wo zum Beispiel auch so ein Glossar für Lehrerinnen und Lehrer entwickelt worden ist, was wir jetzt auch zum Deutschlernen wiederfinden, wo wir schon erste Lernpfade eingearbeitet haben nach dem Wiki-Prinzip und schon Fortbildungen auch auf diesem Wiki laufen lassen haben. Und diese Wikis, das ist auch wieder eine Entwicklung der ZUM, die sogenannte Wiki-Farm wurde dann auch beendet. Und wir haben dann überlegt, was können wir jetzt mit den bestehenden Inhalten machen und haben sie dann gebündelt in ZUM Deutschlernen. Und hatten dann aber natürlich auch die Chance, eine neue Struktur aufzunehmen und haben überlegt, wie können wir die bestehenden Inhalte, in dieses neue Wiki integrieren, sodass Lehrerinnen und Lehrer damit besser arbeiten können.

                        Karl-Otto Kirst: Vielleicht also von mir sowas wie auch so ein gewisses Fazit. Es lohnt sich auch etwas, sich zu trauen. Also Ralf und ich ergänzen uns da sicherlich auch ganz gut. Wir haben also eine ähnliche Erfahrung und gleichzeitig auch sehr unterschiedliche Erfahrungen, sodass sich das auch sehr gut ergänzt. Also lange war es so, dass Ralf den Fokus eben auf Lehrerbildung, Fortbildung hatte. Ich war immer eher auf Schule und Lernende fokussiert. Das hat sich sehr, sehr gut ergänzt. Und dann eben mit der Technologie, Entschuldigung diese Wiederholung, aber Ralf hat das hier sehr schön gesagt. Die Wiki-Technologie ermöglicht es, ganz schnell etwas zu verändern. Wir konnten also auch so sehr gut reagieren. Aber de facto sind Ralf und ich meistens die einzigen Mitarbeitenden bei ZUM Deutsch-Lernen. Wir können trotzdem sehr viel bewegen. Es hat aber eben auch diese öffentliche Förderung gegeben, die uns wirklich mal Luft gegeben hat, durchzuatmen.

                        Und das wäre eigentlich so ein Traum oder so ein Wunsch zu sagen, ja, wer traut sich nochmal so ein Projekt wie ZUM-Deutsch-Lernen oder ähnliche Projekte auch zu fördern? Auch wenn da nicht so die ganz großen Institutionen dahinter hängen. Aber im Vergleich von Aufwand und Wirkung wäre das sicherlich ein sinnvolles Investment.

                        Ralf, hast du auch ein Fazit, das du gerne noch sagen möchtest? Ansonsten hätte ich auch was.

                        Ralf Klötzke: Auf alle Fälle geht es auch darum, soll ich, wenn ich jetzt selber Lehrer bin, OER anwenden und auch vielleicht was dazu beitragen? Natürlich wäre eine große Sache, damit ich überhaupt OER nutze und mich im Prinzip dann auch darauf fokussiere, wie ich auch die Lizenzen richtig weitergebe. Ich arbeite auch in ZUM-Apps, wo wir große Probleme haben, zum Beispiel bei falsch angegebenen Lizenzen oder einfach Dinge, die man nicht weiter veröffentlichen darf. Also aus dieser Verantwortung sollte sich eigentlich kein Lehrer stehlen. Und meiner Meinung nach gehört das auch in die moderne Lehrerausbildung hinzu, dass ich mit solchen Lizenzen umgehen kann. Auf der anderen Seite kann ich das nochmal wiederholen, dass das sehr bereichernd sein kann, auch so einer Community beizutreten oder einfach mitzumachen. Also ihr bekommt so viel zurück, auch an Wissen und auch an Reflektionen eurer eigenen Arbeit.

                        Weil manchmal ist es ja auch so, dass man als Lehrer so eine Art Einzelkämpfer ist. Und mir hat zum Beispiel diese ZUM-Truppe geholfen, ganz andere Horizonte auch zu sehen und ganz neue Wege zu beschreiten. Also ich denke, einfach den Mut haben. Früher gab es immer diesen Spruch, komm ins Offene. Das war auch so eine schöne Übung. Kann ich nur sagen, ja, probiert es einfach aus, und es wird euch auf alle Fälle nicht schaden.

                        Ich würde da auch gerne noch was abschließend zu sagen. Und zwar zu den Stichworten Community und Auffindbarkeit. Ich würde es ganz toll finden, gerade weil Deutsch ja auch auf der ganzen Welt gelernt wird, wenn man auch über die OER World Map zum Deutschlernen aufmerksam würde. Nach dem kürzlich erfolgten Relaunch werden gerade viele neue Beiträge oder Einträge gesammelt. Und dann wünsche ich euch für die Zukunft, dass ihr noch sehr viel mehr Rückmeldungen bekommt. Und das würde ich mir für euch auch wünschen tatsächlich, weil ich finde, eure Arbeit sollte auf jeden Fall gesehen und genutzt werden.

                        Dann sind wir am Ende angekommen und ich bedanke mich sehr für eure Zeit. Es ist für mich persönlich, wie gesagt, ein super spannendes Thema, und ich glaube, in den nächsten Jahren ist das auch immer noch aktuell und wird uns sogar noch mehr begleiten. Genau, deshalb vielen Dank, dass ihr euch die Zeit dafür genommen habt.

                        Karl-Otto Kirst: Gerne und ein letzter Satz von mir. Ich glaube, man darf nicht so den kurzzeitigen Erfolg im Publikum haben, sondern wenn man sich für OER engagiert oder wenn man OER nutzt, produziert, dann kann man eigentlich nur so ein grundsätzliches Ziel im Blick haben. Die Rückmeldungen, die Erfolge, dass man von anderen etwas bekommt oder dass man auch mal Lob bekommt, kommen nicht unmittelbar, die kommen aber so mittel- und langfristig. Und es ist ein gutes Gefühl einfach in der Community, das hat Ralf ja schon gesagt, in der Community drin zu sein. Und wenn man das im Blick hat, dann kann man sich gut fühlen und dann kann man auch damit leben, dass man vielleicht erst in zwei, drei Jahren mal irgendeine positive Rückmeldung hat.

                        (Transcribed by TurboScribe.ai. Go Unlimited to remove this message. Wir haben das Interview für eine bessere Lesbarkeit geglättet.)

                        Angela Karnoll (Interviewerin), OERinfo – Informationsstelle OER; „Real Estate“ (Podcast-Jingle) von UNIVERSFIELD, lizenziert unter CC BY 4.0.

                        Allgemeiner Hinweis
                        Die Podcasts sind Gespräche, keine Vorträge. Es wird auch gemeinsam nachgedacht und spekuliert. Selbstverständlich kann gerne Bezug auf Inhalte aus den Podcasts genommen werden. Die Aussagen der Beteiligten sind jedoch nicht zitierfähig im Sinne wissenschaftlicher Zitate.

                        1 hr 6 min
                      • Unterrichtsmaterialien zum Thema US-Präsidentschaftswahl
                        Audio-Linkempfehlungen

                        Caroline Hartmann, Redakteurin des Deutschen Bildungsservers für den Themenbereich Schule, stellt empfehlenswerte und kostenlose Unterrichtsmaterialien für sozialkundlich-philosophische Fächer und den Englischunterricht der Oberstufe vor.

                        Am 5. November wird in den USA gewählt. Aber welche Unterrichtsmaterialien, Filme, Arbeitsblätter und Projekte zum Thema US-Präsidentschaftswahl 2024 eignen sich besonders gut für den Einsatz in den sozialkundlich-philosophischen Fächern oder im Englischunterricht der Oberstufe?

                        Bildungsserver-Redakteurin Caroline Hartmann hat da ein paar Audio-Linkempfehlungen aus dem Pool des Deutschen Bildungsservers ausgewählt. Die Arbeitsblätter und Unterrichtsmedien zum Wahlprozess, zur Geschichte der US-Wahlen, zu den Kandidaten und zum Wahlkampf helfen, Schülerinnen und Schüler umfassend aufzuklären und aktuell zu informieren – und ihr Verständnis für demokratische Prozesse zu fördern.

                        Zu den Audio-Linkempfehlungen
                        Linkempfehlungen
                        • Dossier des Deutschen Bildungsservers zur US-Präsidentschaftswahl 2024
                        • Hintergrundinformationen zur US-Präsidentschaftswahl bei lpb-bw.de
                        • Dossier zur US-Präsidentschaftswahl des WDR
                        • Animationsfilm zum Wahlsystem in den USA
                        • Wie wird man Präsidentin oder Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika? Erklärfilm von bpb.de
                        • Verschiedene Unterrichtsvorschläge zum Thema Präsidentschaftswahl – vom ISB Bayern
                        • US-Präsidentschaftswahlen – Materialien für den deutsch- und englischsprachigen Unterricht – von Planet Schule
                        • US-Wahlsimulation im Englischunterricht: Projekt für Schulgruppen der Oberstufe – Angebot vom Amerikahaus
                        • U.S. Embassy School Election Project 2024 – von LIFE Bildung Umwelt Chancengleichheit e.V.
                        • Lesefassung

                          Herzlich Willkommen bei „Bildung auf die Ohren“, dem Podcast des Deutschen Bildungsservers. Mein Name ist Caroline Hartmann.

                          Am 5. November stehen die US-Wahlen 2024 an. Gewählt werden die Präsidentin oder der Präsident der Vereinigten Staaten, das Repräsentantenhaus sowie ein Drittel des Senats. Nachdem der amtierende Präsident Joe Biden erklärt hat, nicht erneut zu kandidieren, kommt es nun zum Duell zwischen der Vizepräsidentin Kamala Harris und dem Ex-Präsidenten Donald Trump.

                          Auch in Deutschland blicken wir gespannt und besorgt auf diese Wahl, denn sie hat auch große Auswirkungen auf unsere Sicherheit und Wirtschaft. Daher sind die US-Wahlen auch ein äußerst relevantes und spannendes Thema für den Schulunterricht in der Sekundarstufe I und II – sei es nun in den Fächern Politik und Sozialkunde oder auch im Englischunterricht.

                          Im Folgenden möchte ich Ihnen daher einige hochwertige und kostenlose Stundenentwürfe, Filme, Arbeitsblätter und Projekte vorstellen, die Sie in Ihren Unterricht integrieren können.

                          Hintergrundinformationen zur US-Präsidentschaftswahl

                          Sollten Sie auf der Suche nach einer sehr kompakten Einstiegslektüre für die Vorbereitung auf Ihren Unterricht sein, kann ich Ihnen ganz besonders die Dossiers der Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg und des WDRs empfehlen.

                          Erklärfilme zur US-Präsidentschaftswahl

                          Als Einstieg in das Unterrichtsthema US-Präsidentschaftswahl bieten sich entweder der sehr leicht verständliche Animationsfilm von Planet Schule oder auch der Film „Wie wird man Präsidentin oder Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika?“ von der Bundeszentrale für politische Bildung an. Hier werden der Prozess vom Vorwahlkampf bis zum Amtseid sowie Begriffe wie „Swing States“ oder „Electoral College“ erklärt.

                          Unterrichtsentwürfe und Handreichungen zum Thema US-Präsidentschaftswahl

                          Zudem stellt das bayerische Staatsinstitut für Schulqualität und Bildung auf ihrem Portal für politische Bildung und Bildung für nachhaltige Entwicklung mehrere interessante Unterrichtsentwürfe zu Themen wie „US-Präsidentin/US-Präsident im Vergleich zu Bundeskanzlerin/Bundeskanzler – wer hat mehr Macht?“ oder auch „US-Präsidentschaftswahl – medienwirksames Auftreten wichtiger als politischer Inhalt?“ bereit.

                          Planet Schule bietet zudem sowohl auf deutsch als auch auf englisch kostenlose Unterrichtsentwürfe mit Arbeitsblättern, Quiz und Karteikarten an. Hier planen die Schülerinnen und Schüler ihren eigenen Wahlkampf.

                          Schulprojekte und Wahlsimulationsspiele zum Thema Präsidentschaftswahl

                          Zudem können Sie Ihre Klassen auch für sehr interessante Projekte anmelden: Das Amerikahaus bietet für Schülerinnen und Schüler der Sekundarstufe II mit guten Englischkenntnissen sowohl vor Ort als auch digital Wahlsimulationsspiele an. Die Jugendlichen übernehmen dabei Rollen als Wählerinnen und Wähler aus bestimmten Bundesstaaten, als Finanziers und als Präsidentschaftskandidatinnen und -kandidaten und durchlaufen so spielerisch den Wahlprozess.

                          Gemeinsam mit der Leuphana Universität und der US-Botschaft bietet auch LIFE Bildung Umwelt Chancengleichheit ein Unterrichtsprojekt zu den US-Präsidentschaftswahlen an. Jeder beteiligten Schulklasse wird hier ein US-Bundesstaat zugelost. Auf einer interaktiven Lernplattform gewinnen die Schülerinnen und Schüler Einblicke in die dortigen politischen Prozesse und die Meinungsbildung. Mit Informationen über die jeweiligen Bundesstaaten sollen die Jugendlichen dann eine Wahlprognose für ‚ihren‘ jeweiligen Staat erstellen und Delegierte der Klassen ihre Stimmen bei einer interaktiven Simulationswahl vor dem 5. November abgeben.

                          Ich würde mich sehr freuen, wenn Ihnen diese Materialien und Projekte vielleicht helfen, mit Ihren Schülerinnen und Schülern anregende Diskussionen über das amerikanische Wahlsystem und den aktuellen Wahlkampf zu führen, damit die Jugendlichen dann auch den Ausgang der Wahlen am 5. November besser nachvollziehen und einordnen können.

                          Dieser Podcast steht unter der CC BY 4.0-Lizenz. Der Name des Urhebers soll bei einer Weiterverwendung wie folgt genannt werden: Dr. Caroline Hartmann für Deutscher Bildungsserver

                          5 min
                        • Raus aus der Bildungsfalle
                          Warum wir die Zukunft unserer Kinder gefährden

                          Im Interview spricht der Sozialwissenschaftler Tim Engartner über eine notwendige Renaissance der Bildungsrepublik Deutschland, die Bedeutung politischer Bildung in der Schule und längst überfällige Entscheidungen der Bildungspolitik.

                          Prof. Tim Engartner, Professor für Sozialwissenschaften an der Universität zu Köln

                          Bildungsungleichheit, Schulabbrüche, digitale Bildung, Unterrichtsausfall und Lehrkräftemangel – in dieser Episode von „Bildung auf die Ohren“ spricht unsere Kollegin Caroline Hartmann mit Prof. Tim Engartner, Professor für Sozialwissenschaften an der Universität zu Köln und Mitglied im Direktorium des Interdisziplinären Zentrum für empirische Lehrer*innen- und Unterrichtsforschung, über die derzeit größten Herausforderungen im deutschen Schulwesen. Engartner hat kürzlich das Buch „Raus aus der Bildungsfalle“ veröffentlicht.

                          Das Interview mit Tim Engartner
                          Lesefassung

                          Wir freuen uns, Herrn Prof. Engartner, Professor für Sozialwissenschaften an der Universität zu Köln und Mitglied im Direktorium des Interdisziplinären Zentrums für empirische Lehrer*innen- und Unterrichtsforschung, bei uns zu haben und mit ihm über seine Einschätzung der derzeit größten Herausforderungen im deutschen Schulwesen sprechen zu dürfen.

                          Herr Engartner, vielleicht wären Sie so freundlich, unseren Zuhörern ein wenig über sich selbst, Ihren Werdegang und Ihr derzeitiges Betätigungsfeld zu erzählen.

                          Engartner: Dankenswerterweise haben Sie in Ihrer Moderation schon gesagt, was ich derzeit tue. Tatsächlich befassen wir uns hier in Köln in meiner Arbeitsgruppe mit sozialwissenschaftlicher Bildung, wobei wir uns gerade insbesondere mit der Landschaft der politischen Bildung und dort insbesondere mit der Lehrkräftefort- und Weiterbildung befassen. In meinem gerade erschienenen Buch „Raus aus der Bildungsfalle“ analysiere ich dann auch sehr breit ausgewählte Schwachstellen des Bildungssystems, Schwerpunkt Schule, und versuche, einige Wege für eine Renaissance des Landes der Dichter und Denker aufzuzeigen.

                          Deutscher Bildungsserver: Dossiers zum Thema
                          • „Lehrkräftemangel in Deutschland“
                          • „Bildungsgerechtigkeit im Schulwesen„
                          • Schule der Zukunft
                          • Von meinem Hintergrund her bin ich Sozial- und Wirtschaftswissenschaftler, habe in Bonn, Oxford und Köln studiert und war dann, wie es sich für eine wissenschaftliche Laufbahn gehört, an verschiedenen Standorten von Nord bis Süd tätig und auch zweimal in den USA. Und ja, ich habe zwei Jahre Referendariat durchlaufen, in grauer Vorzeit zwischen 2003 und 2005. Ich habe also Einblicke in die Schulrealitäten gewonnen, die über das Schülerdasein hinausgehen.

                            Die derzeit 5 größten Herausforderung im deutschen Schulwesen
                            Wenn Sie fünf Dinge im deutschen Schulwesen verändern könnten, welche wären das? Wo wären hier Ihre Schwerpunkte und welche Fragen treiben Sie derzeit am meisten um?

                            Engartner: Also, wenn es nur fünf Dinge gäbe, die man ändern dürfte, würde ich damit beginnen, dass der Unterrichtsausfall beendet werden muss. Es kann nicht sein, dass Abiturientinnen und Abiturienten bis zum Abitur durch Unterrichtsausfall ein ganzes Schuljahr verlieren. Zudem sehe ich die Gefahr darin, dass wir mittlerweile in einigen Bundesländern wie Sachsen-Anhalt etwa auf eine Viertagewoche zurückgefahren haben. Das Modellprojekt „4 plus 1“ sieht vor, dass Lernende nur noch an vier Wochentagen in der Schule empfangen werden, während sie am fünften Tag digital beziehungsweise hybrid beschult werden. Und das halte ich für fatal. Das Zweite, worauf ich setzen würde, ist, dass wir auch in den Schulferien eine verlässliche Betreuung brauchen. Wie sollen Eltern, die beide berufstätig sind und einen durchschnittlichen Jahresurlaubsanspruch von 28 Tagen haben, an den 75 regulären unterrichtsfreien Tagen die Kinderbetreuung gewährleisten, wenn sie nicht gerade auf Großeltern zurückgreifen können?

                            Digitalisierung sollte in Schulen nicht das vorrangige Qualitätsmerkmal sein

                            Das Giga-Thema unserer Zeit ist ja die Digitalisierung, es herrscht ja eine regelrechte Digitalisierungseuphorie. Und ich würde sagen, dass wir die nicht länger zum vorrangigen Qualitätsmerkmal erklären sollten. Gerade haben die Niederlande, Griechenland und Italien ein Handyverbot an ihren Schulen eingeführt. Über sowas könnte man nachdenken. Ich würde aber sogar auch weitergehen und sagen, dass Apple und Microsoft die Digitalisierung der Bildung derzeit massiv vorantreiben. Trotzdem üben Eltern, Schüler*innen und Lehrerschaft daran kaum Kritik. Die Probleme liegen für mich nicht in der fehlenden Digitalisierung, sondern vielmehr im wochenlangen Unterrichtsausfall, verdreckten Toiletten, unzureichend qualifizierten Lehrkräften und hohe Schulabbrecherquoten.

                            Hier müssen wir dringend ansetzen, um die Abwanderung in Richtung Privatschulsystem zu verhindern. Mittlerweile würde jedes dritte Kind von seinen Eltern am liebsten auf eine Privatschule geschickt, wenn es nicht an den finanziellen Möglichkeiten scheitern würde. Und das ist kein gutes Zeugnis für das staatliche Bildungssystem und das Schulsystem.

                            Viertens würde ich sagen, dass die Schulen besser ausgestattet werden müssen. Die weltbesten Schulen, darunter natürlich viele Privatschulen, verfügen über Sportplätze und Sporthallen, damit die Schülerinnen und Schüler Hockey, Handball, Fußball und Tennis lernen können. Zugleich gibt es dort Kleingartenanlagen, Theaterräume, Proberäume für Musikunterricht, Werkstätten, finanzierte Austauschprogramme mit Auslandsschulen und so weiter und so fort. Wir sollten uns an den besten Schulen der Welt orientieren. Dann würden wir auch dem Anspruch gerecht werden, uns als Bildungsrepublik Deutschland zu begreifen.

                            Und fünftens brauchen wir meines Erachtens eine Kultur der Anstrengung. Das fängt bei der inzwischen sehr laxen Vergabe von Noten an. Die Zahl der Einser-Abiture hat sich in den letzten zehn Jahren in einigen Bundesländern verdoppelt. Aber auch das regelmäßige Trainieren unseres Erinnerungsvermögens durch Auswendiglernen ist von herausragender Bedeutung, wird aber im schulischen Kontext nicht mehr so gesehen. Vielleicht auch, weil es Anstrengung bedeutet. Und es ist auch anstrengend, auswendig zu lernen, für Vokabeltests oder Grammatikregeln, wie das seinerzeit bei mir im Französischunterricht an der Tagesordnung war, fördert aber erwiesenermaßen die Wahrnehmungsgeschwindigkeit, die Memorierfähigkeit, das Kurzzeitgedächtnis und auch die Kapazität des Arbeitsgedächtnisses.

                            Also mitunter kommt es mir ein bisschen so vor, als hätten wir vergessen, dass Bildung nicht nur dem Vergnügen dient, zumindest dann nicht, wenn harte Brocken zu erarbeiten sind. Die Zufriedenheit folgt oft erst, ähnlich wie beim Sport, wenn es geschafft ist. Das medial Dargestellte ist keineswegs nachhaltiger als das mehrfach Gelesene, mühsam Erarbeitete und im Unterricht Besprochene.

                            Das wären die fünf Punkte, von denen ich sagen würde, die müsste man angehen, wenn man denn die Renaissance der Bildungsrepublik Deutschland einleiten wollte.

                            Folge der fehlenden Investitionen in das Bildungswesen: Aus dem Land der Dichter und Denker wird das Land der Schreib- und Leseschwachen
                            Herr Engartner, Sie befürchten, dass aus dem Land der Dichter und Denker schon sehr bald das Land der Schreib- und Leseschwachen werden könnte. Wie konnte es Ihrer Meinung nach dazu kommen? Und wo, glauben Sie, sind hier die Stellschrauben, an denen wir jetzt dringend drehen müssten?

                            Engartner: Ja, ich glaube, dass wir lange Zeit es versäumt haben, Bildungspolitik als ein prioritäres Politikfeld zu definieren oder auch in der öffentlichen Diskussion zu platzieren. Bildungsinvestitionen sind langfristiger Natur. Das heißt, die Erfolge, wenn ich in Bildung investiere, werden nicht in der nächsten Legislaturperiode sichtbar, sondern erst mit einigem zeitlichen Nachlauf. Und das ist für die meisten Politikerinnen und Politiker uninteressant oder nicht so wichtig, weil sie immer auf die nächsten vier oder fünf Jahre schauen, für die sie gewählt sind. Das ist jetzt ressortübergreifend, könnte man als Problemfeld definieren. Ähnlich übrigens wie in der Verkehrspolitik.

                            Wir haben unter Verweis auf Goethe, Schiller und Lessing die Bildungsrepublik Deutschland ausgerufen, ohne dafür entsprechend Geld in die Hand zu nehmen. Ich will nur ein Beispiel nennen. Wir haben bei den Schulen einen Sanierungsrückstau von 55 Milliarden Euro. Obwohl wir wissen, dass ein hoher Bildungsstand in einem rohstoffarmen Land wie Deutschland schon allein wirtschaftlich von herausragender Bedeutung ist, wird in Kitas, Schulen und Hochschulen nach wie vor nicht ausreichend investiert, um einen europäischen Spitzenplatz oder einen weltweiten Spitzenplatz einzunehmen. Tatsächlich ist der Abstand zum Spitzenreiter Schweden bei den am Bruttoinlandsprodukt gemessenen Bildungsausgaben größer als zum EU-Schlusslicht Rumänien, das 3,1 Prozent seines Bruttoinlandsprodukts für Bildung ausgibt.

                            Wir geben 5,1 Prozent aus. Also, soll der Niedergang des staatlichen Bildungssystems sowie der Trend in Richtung privater Kindergärten, Schulen und Hochschulen gestoppt werden, muss, meines Erachtens jedenfalls, die seit vielen Jahren diskutierte personelle und finanzielle Ausdünnung der staatlichen Bildungseinrichtungen so rasch wie möglich ein Ende finden.

                            (Politische) Bildung verspricht gesellschaftliche Stabilität
                            Vielen Dank. Herr Engartner, Sie vertreten die Auffassung, dass nur Bildung und hier besonders die politische Bildung gesellschaftliche Stabilität verspricht. Kitas, Schulen und Hochschulen müssten als Felsen in der Brandung auf die Demokratieförderung verpflichtet sein. Vielleicht wären Sie so freundlich, dies für unsere Zuhörer weiter auszuführen.

                            Engartner: Ja, man könnte jetzt bei einem Blick auf die Berichterstattung meinen, unsere größte Herausforderung sei der Fachkräftemangel. Tatsächlich kann es aber nicht nur um die Arbeitsmarktorientierung gehen, wenn wir Bildung gestalten. Wir sprechen ja von politischen, ökologischen, technischen und sozialen Umbrüchen, mit denen die heranwachsende Generation konfrontiert ist. Weshalb ich von Schulen und Hochschulen spreche, die wie Felsen in der Brandung auf die Demokratieförderung verpflichtet sein müssten. Sie sollen, ja sie müssen – insbesondere auch in postfaktischen Zeiten wie den unsrigen, in denen Falschmeldungen, Verschwörungsmythen und Legenden ungefiltert in die Welt gesendet werden und die die Demokratie im wahrsten Sinne des Wortes ins Wanken bringen.

                            Es war noch nie so einfach wie heute, Fake News zu verbreiten und den gesellschaftlichen Diskurs durch eben diese Falschmeldungen zu verzerren. Und deshalb ist politische Bildung wichtiger denn je. Dabei ist es mir wichtig, dass wir nicht alles dem Wohlstand, der Wohlstandsförderung und der Arbeitsmarktorientierung unterordnen, sondern dass sich Bildung explizit und vorrangig auch der Demokratie verpflichtet. Um das auch nochmal zu ergänzen: Als Orientierung im Faktendschungel bedarf es auch der Vermittlung von Lehrkräften, die nicht nur informiert sind, sondern auch Haltung zeigen. Und deshalb kann ich nur immer wieder darauf pochen, dass Demokratieförderung, Medienkompetenz, politische Bildung in den Mittelpunkt der schulischen Bemühungen gerückt werden muss, auch in Zeiten der Globalisierung, und auch in Zeiten des Klimawandels und auch in Zeiten der Digitalisierung. Bei der Informationsgewinnung müssen wir auf der Hut sein und Kinder und Jugendliche darauf drängen, dass sie schauen, wo sie ihre Quellen haben, wenn sie sich Informationen verschaffen.

                            Politische Bildung muss in den disziplinär einschlägigen Schulfächern der Sozialwissenschaften vermittelt werden, aber auch im fachübergreifenden Unterricht. Das heißt, auch wenn ich im Deutschunterricht ein Brechts-Zitat analysiere, im Kunstunterricht Wahlwerbung interpretiere und im Physikunterricht die atomare Energiegewinnung diskutiere, wird damit ein Beitrag zur politischen Urteilsbildung geleistet, und das ist total essentiell, um die Schule nicht als politikfernen oder politikfremden Raum dastehen zu lassen. Die Schule ist bekanntlich der zentrale Erfahrungs-, Schutz- und Sozialisationsraum, und in diesem Kontext, gerade auch im Pflichtschulkontext, muss so viel Bildung, aber auch politische Bildung stattfinden, um die Demokratie als Fels in der Brandung gegen Extremismen zu verteidigen.

                            Und wollen wir der bei jungen Menschen zu verspürenden Parteien-, Fakten- und Institutionenverdrossenheit sowie dem dadurch Aufschwung erhaltenen Rechtspopulismus begegnen, müssen wir anerkennen, dass sich unsere Bemühungen nicht nur in der Migrations- und Steuerpolitik oder der sozialen Arbeitsmarktpolitik erschöpfen dürfen, sondern eben auch maßgeblich die Bildungspolitik betreffen. Der seit mehr als einem Jahrzehnt aufkeimende Rechtspopulismus, der sich ja auch in Gestalt der AfD parlamentarisch verbreitet und verfestigt, rüttelt an den Grundfesten unseres Werte-, Gesellschafts- und Rechtssystems, und wir müssen lernen, Haltung statt Zurückhaltung zu zeigen, und dazu braucht es zwingend mehr politische Bildung. Man könnte aber auch so weit gehen und sagen, dazu braucht es mehr Bildung insgesamt.

                            Folgen der Einser-Inflation im Schul- und Hochschulbereich
                            Herr Engartner, Sie warnen vor der derzeitigen Einser-Inflation. Vielleicht wären Sie so freundlich, uns hier ein wenig an Ihren Bedenken teilhaben zu lassen.

                            Engartner: Ich gönne natürlich jedem einen sehr guten Schulabschluss, auch einen sehr guten Hochschulabschluss, aber als jemand, der jetzt schon seit 20 Jahren im System der Hochschulen unterwegs ist, beobachte ich eben auch, dass mittlerweile vier von fünf Studierenden ihr Studium mit „sehr gut“ abschließen – und diese Noteninflation, birgt für mich eine Gefahr.

                            Wenn alle ein Einser-Abitur ablegen, erwirbt letztlich niemand mehr ein tatsächlich sehr gutes Abitur. Und schlimmer noch, diese Noteninflation gefährdet das Ziel, mit dem Abitur eine Studierbefähigung zu vermitteln. An den Hochschulen schlagen viele Abiturientinnen und Abiturienten auf, die Vorkurse in Mathematik oder Fremdsprachen besuchen müssen, um nicht gleich schon im ersten Semester abgehängt zu werden. Und wenn Lehrkräfte und Hochschullehrende ausdrücklich gute Noten geben, verstoßen sie gegen das pädagogisch wichtige Prinzip der Gerechtigkeit. Denn wenn alle eine Eins bekommen, sind diejenigen im Nachteil, die wirklich eine Eins verdienen. Viele glauben, mit einer großzügigen Erteilung sehr guter Noten würden Effekte der sozialen Herkunft nivelliert. Aber genau das Gegenteil ist der Fall. Die Noteninflation verstärkt solche Effekte sogar: Studien- und Arbeitsplätze werden am Ende nicht mehr mit den am besten geeigneten Personen besetzt, sondern im Schatten indifferent gewordener Noten mit Personen, die sich aufgrund ihrer sozialen Herkunft besonders gut darstellen können und zum Arbeitgeber zu passen scheinen. Da spielt dann der Habitus zum Beispiel eine große Rolle.

                            Und zudem birgt die Noteninflation bei leistungsstarken Personen die Gefahr eines Produktivitätsabfalls. Wenn man weiß, dass man für eine gute oder sehr gute Note nicht wirklich seine Bestleistung erbringen muss, dann reagieren die Besten auch getreu dem Motto, ein gutes Pferd springt nur so hoch, wie es springen muss. Also kurzum, wenn erbrachte Leistungen nicht im Einklang mit der Notenskala stehen, ist das eine Absage an das Leistungsprinzip.

                            Und das ist schädlich, einmal für den Anstrengungswillen, dann aber auch für die Bildungsgerechtigkeit und schließlich auch für das Bildungssystem insgesamt. Gleichzeitig – das ist ja ein durchaus kontroverser Punkt – könnte man dann sagen, dann schaffen wir Noten gleich ab. Mir wäre das allemal lieber als das, was wir gegenwärtig erleben, mit einer Homogenisierung des Notenspektrums, sodass die Noten nur noch eine vermeintliche Aussagekraft haben. Dann könnte man gleich ganz von Noten abkehren. Dafür hätte ich persönlich noch mehr Sympathien als für die derzeitig starke Inflationierung von besten Noten.

                            Die Erkenntnisse sind da, es fehlt nur an Entscheidungen
                            Und jetzt die entscheidende Frage: Wie machen wir weiter und wo setzen wir an?

                            Engartner: Der Aufgabenkatalog ist natürlich riesig. Ich würde aber vor allen Dingen anmahnen – und das habe ich in den zehn Schlussfolgerungen meines Buchs „Raus aus der Bildungsfalle“ auch getan – dass wir uns darauf verständigen, das zu tun, was einhellig gut für das Bildungssystem wäre. Es fehlt nicht an Erkenntnissen und Vorschlägen, sondern an Entscheidungen. Also warum beginnen wir nicht beim Naheliegenden und Unstrittigen? Dass bauliche und personelle Mängel das Schulsystem lähmen, macht nicht nur das jährlich erscheinende Schulbarometer der Robert-Bosch-Stiftung deutlich. Ein weiteres Beispiel für das, was wissenschaftlich unumstritten ist und daher schnellstmöglich eingelöst gehört, ist die flächendeckende, kostenfreie und möglichst frühe Förderung von Kindern in Kitas.

                            Also die Inanspruchnahme von Bildungsangeboten erst mit der Einschulung verpflichtend zu machen, ist erwiesenermaßen zu spät. Der Rückstand, der sich in den ersten sechs Lebensjahren aufgebaut hat, wenn Kinder bis dahin noch in kein Buch hineingeschaut haben und nicht regelmäßig der deutschen Sprache ausgesetzt waren, ist danach kaum noch aufzuholen. Auch die Trennung nach der vierten Jahrgangsstufe kommt zu früh. Das belegen alle empirischen Studien, gleich in welchem Kulturkreis, gleich in welchem Schulsystem. Darauf müssten sich die Bildungs- und Kultusministerien verständigen.

                            Wir haben wirklich dramatische Zustände, und unsere Gesellschaft kann es sich nicht leisten, große Teile der künftigen Generationen schon während der primären Bildungsphase zu verlieren, beziehungsweise abzuhängen. Also es ist Zeit, dass wir zur Tat schreiten und nicht länger tatenlos zusehen.

                            Wir bedanken uns ganz herzlich für dieses Gespräch.

                            (Transcribed by TurboScribe.ai. Go Unlimited to remove this message. Wir haben das Interview für eine bessere Lesbarkeit geglättet.)

                            Dieser Podcast steht unter der CC BY 4.0-Lizenz. Der Name des Urhebers soll bei einer Weiterverwendung wie folgt genannt werden: Dr. Caroline Hartmann für Deutscher Bildungsserver

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