
Sign up to save your podcasts
Or


Tiefschwarze Nacht über dem ganzen Lager. Wenn das Feuer nicht gewesen wäre, man hätte die Hand vor den Augen nicht gesehen. Dazu tiefe, vibrierende Posaunentöne, die in den Ohren schmerzten. Manchmal war's, als würde eine geheimnisvolle Stimme im Wechsel mit den Posaunentönen zusammenhanglose Silben sprechen. Aber das Furchterregendste war, dass der ganze Berg, der Berg Sinai, in ein hoch aufloderndes Feuer gehüllt war. Über dem Feuer eine pilzförmige Rauchwolke. Blitze zuckten. Die Erde bebte. Das Fauchen des Feuers klang so unheimlich, als wollten sich die Flammen demnächst auf das Volk stürzen. Wenn nicht Mose vor dem Volk gestanden wäre, Groß und Klein, Alt und Jung wären längst davongelaufen. Selbst von Angst und Furcht erfüllt, wandten sich die Stammesoberhäupter und Ältesten Israels an Mose. „Elohim ist gewaltig, Gott ist mächtig. Wir haben seine Gegenwart in Feuer und Rauch, im Blitze-Zucken und in gewaltigen Posaunentönen erlebt. Aber das Feuer, dieses gewaltige Feuer mit seinem unheimlichen Fauchen, wird es demnächst auf uns stürzen? Wir bangen um unser Leben, wenn Gott weiter in dieser Weise mit uns spricht. Ja, gilt nicht, wer Gott hört, muss sterben?"
Aus tiefer Lebensangst ist diese Erklärung geboren. Und doch findet sich diese Aussage, liebe Hörer, nirgends in der Bibel. Dass der Mensch Gott nicht sehen kann, das steht wohl geschrieben. Und auch, dass der, der Gott sieht, nicht weiterlebt. Aber zum Hören finden sich gegenteilige Aussagen in der Schrift. Denken Sie etwa an den jungen Samuel. Er hört, dass eines Nachts auf geheimnisvolle Weise sein Name gerufen wird. Und antwortet dann: „Rede, denn dein Knecht hört.“
Es mag aus der Todesangst der Israeliten geboren sein, dass sie das Hören mit dem Sehen verwechselten. Wo doch das Hören, das gehorsame Hören, die Verheißung hat, dass daraus Leben entsteht. In Psalm 119, dem längsten Psalm der Bibel, ringt der Psalmbeter unablässig um das rechte Hören und Befolgen von Gottes Wort. Weil er weiß, dass daraus das Leben kommt.
Lassen Sie uns, liebe Hörer, einen Augenblick bei dem Erleben der Israeliten bleiben. Israel erlebt, unter Naturerscheinungen versteckt, Gottes Majestät. ER, der Schöpfer der Welt, sammelt Feuer und Rauch, Blitze und Erdbeben zusammen, um darin verborgen in seiner Herrlichkeit und Macht zu erscheinen. So erleben wir Gott heute in der Regel nicht mehr, auch wenn manches Ereignis, mancher sogenannte Zufall, manche Fügung für den Einzelnen deutlich Gottes Handschrift tragen mag. Die Situation der meisten Menschen heute ist die, dass wir nicht von Feuer, Rauch, Blitzen und Posaunentönen umgeben sind. Sondern von Straßenlärm, Handygeklingel, Geschäftigkeit und Hektik. Und vor lauter Bildern, Signaltönen und undefinierbaren Geräuschen hören wir überhaupt nicht mehr, hören wir Gott überhaupt nicht mehr. Viele sehnen sich danach, in stiller Sammlung und unter Ausschluss von allen Störungen wieder zu einem ruhigen und aufmerksamen Hören auf Gott zu kommen. Und wenn wir das nicht entschlossen in Angriff nehmen, uns die Minuten reservieren und alle Störungen ausschließen, wird uns das nicht gelingen.
Das Erstaunliche an unserem Text ist für mich, dass Gott dies dem Volk sogar zugesteht. Feuer, Rauch, Blitze und Posaunengetön, das soll außen vor bleiben, das muss sich das Volk nicht weiter zumuten. „Es ist alles gut, was sie geredet haben", heißt es da. Gott will über Mose zu seinem Volk reden. Er, Mose, soll vor Gott stehen bleiben, denn Gott will ihm alle Rechte und Gebote verkündigen. Und Mose soll das Gehörte dann wiederum an das Volk weitergeben.
So beginnt die Kette der Verkündiger, Zeugen und Boten. Im fünften Buch Mose ist es Mose, der alles ausrichtet und erklärt. Danach ist es Josua. Danach sind es die Richter. Danach ist es Samuel. Und so weiter. Aber lassen Sie uns nicht nur bei den großen Persönlichkeiten verbleiben. Gleich im darauffolgenden Kapitel des fünften Buches Mose heißt es: „Wenn dich nun dein Sohn morgen fragen wird: Was sind das für Vermahnungen, Gebote und Rechte, die euch der Herr, unser Gott geboten hat? so sollst du zu deinem Sohn sagen: Wir waren Knechte des Pharaos in Ägypten und der Herr führte uns aus Ägypten …" (6,20.21) Vater oder Mutter, Oma oder Opa, Lehrer oder Erzieher sollen damit beginnen, von der Befreiung aus Ägypten zu erzählen. Und von diesem Befreiungsgeschehen her die Weisungen Gottes, die Zehn Gebote, erklären.
Noch einmal: Feuer, Rauch und Blitz und Beben. Das war damals. Das wird nicht mehr. Folgen Sie mir an einen anderen Ort dieser Welt. Ein Hügel vor den Toren der Stadt Jerusalem. Und auf dem Hügel drei Kreuze. Und um diese Kreuze der Lärm der Welt. Mit tiefer Bassstimme brüllt ein römischer Centurio Befehle. Soldaten hantieren klirrend mit Werkzeug, feixen lautstark miteinander. Zuschauer umringen die Szene und teilen sich wichtigtuerisch ihre Beobachtungen mit. Dazwischen blöken Esel, auf denen einzelne hergeritten sind. Dann hört man Hammerschläge und durchdringende Schreie. Unter lautem Wehgeschrei der Menge werden die Kreuze aufgerichtet. Für den, der an dem mittleren Kreuz hängt, haben anwesende Honoratioren des Volkes nur Spott übrig. „Anderen hat er geholfen und kann sich selbst nicht helfen. Ist er der König von Israel, so steige er vom Kreuz herab." (Matthäus 27,42) Mit einem Male wird es finster und der in der Mitte schreit: „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?"
In die Kette derer, die von Mose an uns das Wort Gottes gesagt und erklärt haben, ist schließlich der Sohn Gottes selbst getreten. Und Jesus greift das Thema des Hörens auf. „Wer mein Wort hört und glaubt dem, der mich gesandt hat, der hat das ewige Leben." (Johannes 5,24)
Mit dem Hören allein ist es allerdings nicht getan. An diesem Punkt treffen sich das fünfte Buch Mose wie das ganze Neue Testament. Es geht um ein Hören und Wichtig-Nehmen dessen, was da gehört wurde. Es geht um ein Hören und Befolgen. „Wer mich liebt", sagt Jesus, „der wird mein Wort halten." (Johannes 14,23)
Die Liebe zu Gott wird daran festgemacht, wie wir mit Gottes Wort, mit Jesu Wort umgehen. Es ist nicht dazu da, uns zu unterhalten. Nein, in seinem Wort spricht Jesus seine Herzenswünsche an uns aus. Er will, dass wir Ihn und sein Wort verinnerlichen und umsetzen. Und der Heilige Geist springt dem bei. Es ist sein Werk, Jesu Wort in Erinnerung zu rufen (Joh 14,26). Damit wir eine Richtschnur für unser Leben haben.
Solches Hören, solches Zuhören und Verinnerlichen, erbitte ich für mich, erbitte ich für Sie, liebe Zuhörer.
Autor: Hans-Christoph Werner
Gerne stellen wir Ihnen unsere Inhalte zur Verfügung. Und würden uns sehr freuen, wenn Sie unsere Arbeit mit Ihrer Spende fördern. Herzlichen Dank! Jetzt spenden
By ERF - Der Sinnsender5
11 ratings
Tiefschwarze Nacht über dem ganzen Lager. Wenn das Feuer nicht gewesen wäre, man hätte die Hand vor den Augen nicht gesehen. Dazu tiefe, vibrierende Posaunentöne, die in den Ohren schmerzten. Manchmal war's, als würde eine geheimnisvolle Stimme im Wechsel mit den Posaunentönen zusammenhanglose Silben sprechen. Aber das Furchterregendste war, dass der ganze Berg, der Berg Sinai, in ein hoch aufloderndes Feuer gehüllt war. Über dem Feuer eine pilzförmige Rauchwolke. Blitze zuckten. Die Erde bebte. Das Fauchen des Feuers klang so unheimlich, als wollten sich die Flammen demnächst auf das Volk stürzen. Wenn nicht Mose vor dem Volk gestanden wäre, Groß und Klein, Alt und Jung wären längst davongelaufen. Selbst von Angst und Furcht erfüllt, wandten sich die Stammesoberhäupter und Ältesten Israels an Mose. „Elohim ist gewaltig, Gott ist mächtig. Wir haben seine Gegenwart in Feuer und Rauch, im Blitze-Zucken und in gewaltigen Posaunentönen erlebt. Aber das Feuer, dieses gewaltige Feuer mit seinem unheimlichen Fauchen, wird es demnächst auf uns stürzen? Wir bangen um unser Leben, wenn Gott weiter in dieser Weise mit uns spricht. Ja, gilt nicht, wer Gott hört, muss sterben?"
Aus tiefer Lebensangst ist diese Erklärung geboren. Und doch findet sich diese Aussage, liebe Hörer, nirgends in der Bibel. Dass der Mensch Gott nicht sehen kann, das steht wohl geschrieben. Und auch, dass der, der Gott sieht, nicht weiterlebt. Aber zum Hören finden sich gegenteilige Aussagen in der Schrift. Denken Sie etwa an den jungen Samuel. Er hört, dass eines Nachts auf geheimnisvolle Weise sein Name gerufen wird. Und antwortet dann: „Rede, denn dein Knecht hört.“
Es mag aus der Todesangst der Israeliten geboren sein, dass sie das Hören mit dem Sehen verwechselten. Wo doch das Hören, das gehorsame Hören, die Verheißung hat, dass daraus Leben entsteht. In Psalm 119, dem längsten Psalm der Bibel, ringt der Psalmbeter unablässig um das rechte Hören und Befolgen von Gottes Wort. Weil er weiß, dass daraus das Leben kommt.
Lassen Sie uns, liebe Hörer, einen Augenblick bei dem Erleben der Israeliten bleiben. Israel erlebt, unter Naturerscheinungen versteckt, Gottes Majestät. ER, der Schöpfer der Welt, sammelt Feuer und Rauch, Blitze und Erdbeben zusammen, um darin verborgen in seiner Herrlichkeit und Macht zu erscheinen. So erleben wir Gott heute in der Regel nicht mehr, auch wenn manches Ereignis, mancher sogenannte Zufall, manche Fügung für den Einzelnen deutlich Gottes Handschrift tragen mag. Die Situation der meisten Menschen heute ist die, dass wir nicht von Feuer, Rauch, Blitzen und Posaunentönen umgeben sind. Sondern von Straßenlärm, Handygeklingel, Geschäftigkeit und Hektik. Und vor lauter Bildern, Signaltönen und undefinierbaren Geräuschen hören wir überhaupt nicht mehr, hören wir Gott überhaupt nicht mehr. Viele sehnen sich danach, in stiller Sammlung und unter Ausschluss von allen Störungen wieder zu einem ruhigen und aufmerksamen Hören auf Gott zu kommen. Und wenn wir das nicht entschlossen in Angriff nehmen, uns die Minuten reservieren und alle Störungen ausschließen, wird uns das nicht gelingen.
Das Erstaunliche an unserem Text ist für mich, dass Gott dies dem Volk sogar zugesteht. Feuer, Rauch, Blitze und Posaunengetön, das soll außen vor bleiben, das muss sich das Volk nicht weiter zumuten. „Es ist alles gut, was sie geredet haben", heißt es da. Gott will über Mose zu seinem Volk reden. Er, Mose, soll vor Gott stehen bleiben, denn Gott will ihm alle Rechte und Gebote verkündigen. Und Mose soll das Gehörte dann wiederum an das Volk weitergeben.
So beginnt die Kette der Verkündiger, Zeugen und Boten. Im fünften Buch Mose ist es Mose, der alles ausrichtet und erklärt. Danach ist es Josua. Danach sind es die Richter. Danach ist es Samuel. Und so weiter. Aber lassen Sie uns nicht nur bei den großen Persönlichkeiten verbleiben. Gleich im darauffolgenden Kapitel des fünften Buches Mose heißt es: „Wenn dich nun dein Sohn morgen fragen wird: Was sind das für Vermahnungen, Gebote und Rechte, die euch der Herr, unser Gott geboten hat? so sollst du zu deinem Sohn sagen: Wir waren Knechte des Pharaos in Ägypten und der Herr führte uns aus Ägypten …" (6,20.21) Vater oder Mutter, Oma oder Opa, Lehrer oder Erzieher sollen damit beginnen, von der Befreiung aus Ägypten zu erzählen. Und von diesem Befreiungsgeschehen her die Weisungen Gottes, die Zehn Gebote, erklären.
Noch einmal: Feuer, Rauch und Blitz und Beben. Das war damals. Das wird nicht mehr. Folgen Sie mir an einen anderen Ort dieser Welt. Ein Hügel vor den Toren der Stadt Jerusalem. Und auf dem Hügel drei Kreuze. Und um diese Kreuze der Lärm der Welt. Mit tiefer Bassstimme brüllt ein römischer Centurio Befehle. Soldaten hantieren klirrend mit Werkzeug, feixen lautstark miteinander. Zuschauer umringen die Szene und teilen sich wichtigtuerisch ihre Beobachtungen mit. Dazwischen blöken Esel, auf denen einzelne hergeritten sind. Dann hört man Hammerschläge und durchdringende Schreie. Unter lautem Wehgeschrei der Menge werden die Kreuze aufgerichtet. Für den, der an dem mittleren Kreuz hängt, haben anwesende Honoratioren des Volkes nur Spott übrig. „Anderen hat er geholfen und kann sich selbst nicht helfen. Ist er der König von Israel, so steige er vom Kreuz herab." (Matthäus 27,42) Mit einem Male wird es finster und der in der Mitte schreit: „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?"
In die Kette derer, die von Mose an uns das Wort Gottes gesagt und erklärt haben, ist schließlich der Sohn Gottes selbst getreten. Und Jesus greift das Thema des Hörens auf. „Wer mein Wort hört und glaubt dem, der mich gesandt hat, der hat das ewige Leben." (Johannes 5,24)
Mit dem Hören allein ist es allerdings nicht getan. An diesem Punkt treffen sich das fünfte Buch Mose wie das ganze Neue Testament. Es geht um ein Hören und Wichtig-Nehmen dessen, was da gehört wurde. Es geht um ein Hören und Befolgen. „Wer mich liebt", sagt Jesus, „der wird mein Wort halten." (Johannes 14,23)
Die Liebe zu Gott wird daran festgemacht, wie wir mit Gottes Wort, mit Jesu Wort umgehen. Es ist nicht dazu da, uns zu unterhalten. Nein, in seinem Wort spricht Jesus seine Herzenswünsche an uns aus. Er will, dass wir Ihn und sein Wort verinnerlichen und umsetzen. Und der Heilige Geist springt dem bei. Es ist sein Werk, Jesu Wort in Erinnerung zu rufen (Joh 14,26). Damit wir eine Richtschnur für unser Leben haben.
Solches Hören, solches Zuhören und Verinnerlichen, erbitte ich für mich, erbitte ich für Sie, liebe Zuhörer.
Autor: Hans-Christoph Werner
Gerne stellen wir Ihnen unsere Inhalte zur Verfügung. Und würden uns sehr freuen, wenn Sie unsere Arbeit mit Ihrer Spende fördern. Herzlichen Dank! Jetzt spenden

11 Listeners

42 Listeners

0 Listeners

1 Listeners

40 Listeners

46 Listeners

70 Listeners

65 Listeners

48 Listeners

31 Listeners

0 Listeners

350 Listeners

8 Listeners

3 Listeners

16 Listeners